Zehn Pfund Kartoffeln 0,30 "
Gemüse und Gegräupe 0,70 "
Knochen zum Auskochen 0,15 "
Sonntags 1/2 Pfund Fleisch0,30 "
Salz, Schweden, Wichse etc0,10 "
Wäsche 0,15 "
Kaffee 0,60 "
Milch0,35 "
-------------
Im ganzen: 6,00 Mk.
Für die Kleidung und alle Extraausgaben, z.B. für Krankheit, Fahrten,
Schulmittel etc. etc. blieb demnach 1 Mk. wöchentlich übrig, die Nahrung
stellte sich täglich auf 30 Pf. pro Person![652] Kann man sich wohl von
einer Lebenshaltung eine Vorstellung machen, die auf einer
Wocheneinnahme von fünf oder gar nur drei Mark beruht?! Läßt sich das
Elend ausdenken, das herrschen muß, wenn mehr als ein Kind davon
erhalten werden soll?!
Man könnte versucht sein, anzunehmen, daß solche Verhältnisse vielleicht
einzig dastehen und sich in anderen Ländern nicht wiederholen. Leider
zeigt sich aber auch hier, daß gewisse soziale Zustände im unmittelbaren
Gefolge wirtschaftlicher Erscheinungen auftreten, und daher überall die
gleichen sind, wo die wirtschaftliche Entwicklung denselben Stand
erreicht hat. Die Wiener Näherin, die von sechs Uhr früh bis in die
späte Nacht Trikottaillen näht, um 3,50 fl. zu verdienen; die beiden
Schwestern, die zusammen 10, höchstens 20 fl. im Monat erwerben, und oft
nicht mehr wie 20 kr. für ihr Mittagessen auszugeben vermögen;[653] die
böhmische Handschuhnäherin, die bei vierzehnstündiger Arbeitszeit nur
208 fl. im Jahr einnimmt, für Nahrung, Heizung und Wohnung für sich und
ihr Kind aber allein 252 fl. braucht[654],--sie alle geben ihren
deutschen Leidensgenossinnen nichts nach. Von besonderem Interesse aber
ist es, daß selbst im gelobten Lande der Näherei und Schneiderei, das
die Modedamen der ganzen Welt mit seinen Erzeugnissen versorgt, in
Frankreich, die Lage derjenigen, aus deren Händen all die Wunderwerke
hervorgehen, keine günstigere ist. Die Tageseinnahme erscheint vielfach
hoch, sie ist aber, auf das Jahr verteilt, oft noch niedriger, als die
deutscher Arbeiterinnen, weil der Saisonbetrieb ein noch intensiverer
ist. Nur die ersten Arbeiterinnen, also etwa diejenigen, die als
Vorarbeiterinnen in den Werkstätten der großen Konfektionshäuser
beschäftigt werden, können auf eine annähernd regelmäßige Arbeit während
des ganzen Jahres rechnen, die mittelguten haben 200 bis höchstens 230,
die gewöhnlichen,--und die meisten!--haben 60 bis 160 Tage zu thun.[655]
In der toten Zeit findet sich bestenfalls eine Arbeit, die täglich eine
bis zwei Stunden Beschäftigung gewährt, in der hohen Saison dagegen
kommen Arbeits-"Tage" bis zu 28 Stunden vor![656] Bei vierzehn- bis
fünfzehnstündiger Arbeitszeit kann die Durchschnittskonfektionsnäherin
in Paris eine Jahreseinnahme von 250 bis 350 fr. erreichen, wobei sie 75
c. bis 1,25 fr. täglich verdient.[657] Bei einer Einnahme von 900 fr.
aber fängt erst die Möglichkeit an, selbständig davon leben zu können,
und nur ein Drittel aller ihrer Arbeiterinnen verdienen, nach den
Aussagen der Chefs der ersten Pariser Konfektionsfirmen, mehr als
das.[658] Eine der ersten Pariser Schneiderinnen, die für ein großes
Haus Modelle arbeitet, also höchst selten arbeitslos ist, verdiente
jährlich 875 fr. Sie hatte folgendes Ausgabenbudget[659]:
Nahrung 550 fr.
Miete 200 "
Wäsche 20 "
Zwei Paar Schuhe20 "
Zwei Kleider (selbst genäht)40 "
Zwei Hüte (selbst garniert) 10 "
Schirm, Handschuhe 10 "
Kleine Ausgaben 25 "
Im ganzen: 875 fr.
Aus diesem Budget geht deutlich genug hervor, daß selbst für eine Kraft
ersten Ranges nur dann die Existenz gesichert erscheint, wenn nicht nur
die Ansprüche geringe sind, die Gesundheit gefestigt ist und auf
Vergnügungen fast ganz verzichtet wird, sondern vor allem dann, wenn es
sich nur um die Erhaltung der eignen Person handelt. Bei einer anderen,
auch noch zu den besseren Arbeiterinnen zu zählenden Näherin, die 3 fr.
täglich und 465 fr. im Jahr einnahm, stellten sich die Ausgaben
folgendermaßen[660]:
Nahrung 511 fr.
Miete120 "
Kleidung 55 "
Wäsche48 "
Stiefel 30 "
Licht und Heizung 25 "
Kleine Ausgaben40 "
Im ganzen: 829 fr.
Wir stoßen hier auf ein Defizit von 364 fr., das selbst durch äußerste
Einschränkung nicht zu decken wäre. Daß es unmöglich ist, beweist das
Budget einer Vorarbeiterin in einem der ersten Pariser Geschäfte. Sie
gab monatlich 81 fr. aus, indem sie selbst hinzufügte, daß sie sich
dabei alles versagen müsse, was das trübe, einförmige Leben erheitern
könne. Trotz einer achtmonatlichen, mit 4 fr. täglich entlohnten Arbeit,
hatte sie am Schluß des Jahres gegen 200 fr. Schulden.[661] Wie sich
aber das Leben all derer gestaltet, die unter 400 fr. einnehmen und
davon auszukommen versuchen, dafür nur ein Beispiel: Eine Pariser
Konfektionsnäherin hatte ein Jahreseinkommen von 375 fr. im Jahr. Sie
gab aus für:[662]
Miete 100,00 fr.
Nahrung 237,25 "
Licht4,00 "
Ein Kleid 5,00 "
Ein Fichu 2,00 "
Zwei Paar Strümpfe 1,30 "
Zwei Paar Schuhe 8,00 "
Zwei Hemden2,50 "
Eine Hose 1,25 "
Zwei Taschentücher 0,80 "
Zwei Servietten 0,80 "
Im ganzen: 362,90 fr.
Ihre tägliche Nahrung bestritt sie für 55 c., d.h. für 5 c. Milch, für
20 c. Brot, für 10 c. Kartoffeln, für 10 c. Käse und für 10 c. Wurst!
Selbst die Heizung mußte sie sich versagen, von Vergnügungen war keine
Rede, ein einziges Fähnchen für 5 fr. mußte das ganze Jahr aushalten!
Und das war ein Mädchen von zwanzig Jahren mit all der Sehnsucht nach
Glück und Freude, die so stürmisch nach Erfüllung verlangt; ein Mädchen
von zwanzig Jahren mitten in der von Lebenslust fiebernden Luft von
Paris! Und doch giebt es noch tiefere Stufen des Elends. Die
Heimarbeiterinnen von Lyon sind auf ihnen angelangt: hier finden sich
Jahreseinnahmen von 170, 200, 250 fr., während das Leben sich mit
weniger als 350 fr. unmöglich bestreiten läßt.[663]
Auch in England, wo die rapide Entwicklung des Fabriksystems die alten
Hausindustrien schon fast ganz zu Boden rannte, herrscht im
Bekleidungsgewerbe die Hausindustrie noch so gut wie unumschränkt. Die
furchtbaren Enthüllungen des Elends in den kleinen Werkstätten des
Londoner Ostens waren es, die überhaupt zuerst die Blicke der Welt auf
die Zustände in der Konfektionsindustrie lenkten. Der Begriff des
Sweating-Systems stammt von dort. In den Werkstätten der
Zwischenmeister, wo in dunklem, engen Raum die armen Opfer der Armut
dicht gedrängt zusammensitzen, wo die Arbeit oft Tag und Nacht nicht
ruht, wo die Kindheit begraben wird, und Greisinnen noch mit zitternden
Händen für ein Stück Brot die Nadel führen, wo der Fluch Jehovahs: "Im
Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen" erst in Erfüllung
gegangen zu sein scheint, übt es seine Herrschaft aus. In Glasgow, in
Manchester, in Leeds hat es sich ausgebreitet. Niedrige Löhne und lange
Arbeitszeit sind auch hier seine Begleiterscheinungen, Näherinnenlöhne
von 6 p. an sind an der Tagesordnung[664]; die Glasgower
Heimarbeiterinnen in der Wäschekonfektion, die häufig von sechs Uhr früh
bis zehn Uhr abends in ihrem verwahrlosten Zuhause, neben schmutzigen
oder kranken Kindern an den feinen Batisthemden sticheln, die irgend
eine Herzogin ahnungslos über den gepflegten Körper ziehen wird,
verdienen 4 bis 6 sh., zuweilen sogar nur 2 sh. die Woche[665]; in den
Londoner Schneiderwerkstätten erreicht eine gelernte Schneiderin bei
vierzehn- bis siebzehnstündiger Arbeitszeit im besten Fall 4 sh.
täglich, häufig muß sie sich mit derselben Summe als Wochenlohn
zufrieden geben[666], während die Heimarbeiterin überhaupt kaum mehr zu
verdienen vermag[667], sie näht z.B. Unterröcke für 7 p. das Stück,
wobei sie den Faden noch zugeben muß.[668]
Selbst in die neue Welt brachten die unglücklichsten Flüchtlinge der
alten das Sweating-System mit. Blühende Industrien, die ihren Arbeitern
ein gutes Auskommen sicherten, brachen unter der Schmutzkonkurrenz der
kleinen Werkstätten und der armen Heimarbeiter zusammen.[669]
Ein einziger Stadtteil Chicagos wies nicht weniger als 162
Konfektionswerkstätten auf, über die Hälfte aller Arbeiter darin waren
verschuldet, denn nur selten konnten die Einnahmen mit den notwendigsten
Ausgaben das Gleichgewicht halten.[670] Als typisches Beispiel für die
Wirkung der Hausindustrie kann folgendes gelten: ein Schneider, der seit
seinem vierzehnten Jahre ein fleißiges und nüchternes Leben führte, und
trotzdem nie mehr als 200 bis 300 $ jährlich einnahm, hatte nach zwanzig
Jahren vier an der Schwindsucht sterbende Kinder und wurde selbst, im
Alter von 34 Jahren! als altersschwach und arbeitsunfähig befunden.[671]
Da die Löhne der weiblichen Arbeiter noch viel niedriger sind--solche
von 25 c. täglich kommen sehr oft vor--, ihre Widerstandsfähigkeit eine
geringere ist und ihre Kräfte sich oft in wenigen Jahren
verbrauchen,[672] so kann man sich ungefähr eine Vorstellung von der
Lage machen, in der sie sich befinden.
Als notwendige Folge der niedrigen Löhne ist die Überarbeit, die
Unterernährung und die Wohnungsnot überall die gleiche. Es giebt naive
Gemüter, die in der Heimarbeit des Weibes ein Mittel zur
Aufrechterhaltung des durch die Fabrikarbeit bedrohten Familienlebens
sehen. Sie stellen sich die Heimarbeiterin etwa unter dem Bilde der
handarbeitenden Frau aus bürgerlichen Kreisen vor, die nur müßige
Stunden auszufüllen sucht, sonst aber ihren Kindern, ihrer Wirtschaft
stets zur Verfügung steht. Sie wollen nicht einsehen, daß Heimarbeit zu
fieberhafter Thätigkeit verdammt, daß sie den Menschen der Maschine
gegenüberstellt, und er in rasender Hast mit ihr den Wettkampf aufnehmen
muß, bis er zusammenbricht. Selbst neben dem sterbenden Kinde muß die
New-Yorker Arbeiterin ihr Tagespensum erledigen; oft hat sie keine Zeit,
ihre Toten zu begraben! Die Lebenden aber, die noch nicht mit arbeiten
können, schickt sie auf die Straße, oder bestenfalls zu Pflegefrauen, um
in der Arbeit nicht gestört zu werden.[673] Ihre Berliner
Leidensgefährtin greift zu dem Mittel, ihre Kleinen in Kisten zu
pferchen, oder an Stühle anzubinden, weil sie keine Zeit hat,
aufzuspringen, um den Fallenden aufzuhelfen oder die Umherlaufenden zu
beaufsichtigen.[674] Die Hausindustrie erhält die Frau nicht der
Familie, denn sie muß Mann, Kinder und Wirtschaft ebenso
vernachlässigen, als ginge sie in die Fabrik.[675] Die Hausindustrie
zerstört vielmehr den letzten Rest des Familienlebens, den die Fabrik
noch erhält, weil sie ihrer Sklavin überhaupt keine Ruhe läßt, weil sie
den armseligen Wohnraum des Proletariers auch noch zur Werkstatt
verwandelt. Die ganze Familie und die ganze Arbeit der Berliner
Heimarbeiterin drängt sich in einem Raum, der womöglich auch noch zum
Kochen benutzt wird, zusammen; die kleine Stube daneben muß an
Schlafleute vermietet werden und wird oft noch von den Kindern
geteilt.[676] Wie sie keinen Raum besitzen, in dem sie bei Tage für sich
sein können, so haben sie nachts kaum ein Bett für sich allein; zwei
Drittel aller Berliner Heimarbeiterinnen müssen ihr Bett mit anderen
teilen.[677] Bilder grauenhaften Elends rollen sich auf, wenn wir diese
Wohnungen näher betrachten: Im fünften Stock eines Berliner Hauses
befindet sich ein einfenstriges Zimmer und eine winzige, fensterlose
Küche; darin haust eine gelähmte Greisin, ihre Tochter, die Näherin ist,
und deren vier Kinder. In einem Keller derselben Stadt wohnt in einer
Küche von 8 qm Bodenfläche eine Witwe mit vier Kindern, die Stube
daneben hat sie an Schlafburschen vermietet; in beiden Räumen schimmeln
die Möbel, so feucht ist es. Dicht unter dem Dach, in zwei kleinen
Räumen haust ein Ehepaar mit vier Kindern und einem Schlafmädchen; den
Mann zerfrißt auf dem Lager voll Lumpen der Kehlkopfkrebs. In einem
Keller, dessen Dielen verfault sind, und dessen Fenster tief unter der
Erde liegen, arbeiten zwei Schwestern für die, die droben in Luft und
Sonne lachend vorübergehen. In einem anderen Keller ähnlicher Art liegt
der Mann in den letzten Stadien der Lungenschwindsucht, die Frau näht
neben seinem Bett, die Kinder atmen seine Krankheit ein.[678] In
New-York fand man eine siebenköpfige Familie in einer Wohnung von drei
Räumen, von denen nur einer hell war, zusammen mit nicht weniger als
fünfzehn Schlafleuten,--alle waren auf nur drei Betten angewiesen.[679]
In einer anderen Wohnung, in die ein Fabrikinspektor nachts eindrang,
lagen zehn bis zwölf Menschen, Männer, Frauen und Kinder, manche halb
nackt, auf dem bloßen Fußboden.[680]
Es mag immerhin noch Menschen geben, die beim Anblick solchen Elends
nichts anderes empfinden, als wenn sie vom Samtfauteuil des ersten
Ranges aus die Not der "Weber" oder das Leiden "Hanneles" betrachten:
sie gehen nach Hause und denken nicht mehr daran. Nachhaltiger aber
dürfte ihr Schrecken sein, wenn sie erführen, daß jene Armut ihnen
selbst an das liebe Leben greift: in einem Zimmer Berlins nähte eine
arme Mutter Blusen, halbfertig lagen sie auf dem Bett, in dem drei
diphtheritiskranke Kinder mit dem Tode rangen; in einer Werkstatt, die
eben noch an derselben Krankheit Leidende beherbergt hatte, arbeiteten
gleich darauf sieben Arbeiterinnen.[681] Masern, Keuchhusten,
Scharlach,--kurz alle Kinderkrankheiten nisten sich in der armseligen
Stube der Näherin ein, und werden von ihren Hemden und Blusen und Röcken
in die Häuser der Käufer getragen. Die Schwindsucht haftet an den
beliebten billigen Jacken und Mänteln der großen Warenhäuser; das
furchtbare Gift der Syphilis dringt auf diese Weise in die physisch und
moralisch reinsten Familien.[682] Niemand kann ermessen, wie oft es
geschieht, keiner aber sollte sich die Größe der Gefahr verhehlen.
Treibt doch die Armut ihre Opfer der Schande in die Arme.
Wir haben gesehen, daß die Hausindustrie Löhne aufweist, durch die kaum
das nackte Leben erhalten werden kann. Ihre Arbeiterinnen aber sind
jung, es graut sie mit vollem Recht vor einem Dasein, das aller Freude
entbehrt; sie sind Mütter, sie können ihre Kinder nicht darben lassen;
sie sehen das Alter vor sich, sie wollen nicht im Armenhaus enden.
Selbst durch den Verkauf ihrer ganzen Arbeitskraft können sie nicht
leben, der Verkauf ihres Leibes, ihrer Ehre muß die Ergänzung sein. Die
Arbeit selbst müssen sie häufig damit bezahlen. Am günstigsten noch
gestaltet sich ihre Lage, wenn sie ein festes Verhältnis haben, wie jene
arme Mutter, die erklärte, sie habe sich dazu entschließen müssen, sonst
wäre sie zu Grunde gegangen.[683] Ein Liebhaber aus den eigenen Kreisen
wird vielleicht einmal ein Ehemann. In den weitaus meisten Fällen jedoch
fallen die hausindustriellen Arbeiterinnen der gelegentlichen
Prostitution anheim.[684] Hunger und Lebenslust sind stärker als alle
Moral, und die Moralpredigt oder gar die moralische Entrüstung wird
angesichts dieses Elends zu einer ekelhaften Farce.
Die ganze Stufenleiter der Not haben wir durchlaufen bis zu ihrer
letzten Konsequenz. Wo ist ein Lichtblick, der eine Besserung der
Zustände verheißt? Kann die Hausindustrie ihren Arbeitern, wie der
Fabrikbetrieb nach und nach eine höhere Lebenshaltung ermöglichen? Um
diese Fragen zu beantworten, ist es notwendig, sich die Ursachen des
herrschenden Elends klar zu machen.
Dort, wo Arbeitskraft billig zu haben ist, hat die Hausindustrie sich
festgesetzt: in den Großstädten, wo eine große Arbeiterbevölkerung sich
vorfindet.[685] Hier strömen in wachsender Zahl die Proletarier
zusammen, ihre Frauen und Töchter schaffen ein übermäßiges Angebot von
Arbeitskraft, das durch die starke Einwanderung von Landmädchen und
durch die wachsende Konkurrenz der Frauen und Mädchen aus den Kreisen
des Bürgertums ständig gesteigert wird. Diese Arbeitskräfte können aber
nur von Industrien ausgenutzt werden, die an ihre Ausbildung keine
Ansprüche machen und deren technische Entwicklung noch in den Anfängen
stecken geblieben ist; das sind die Hausindustrien aller Art, in erster
Linie diejenigen, die an alte hauswirtschaftliche Frauenarbeit
anknüpfen, wie die Näherei und Schneiderei. Sie sind auch besonders
geeignet, alle diejenigen Frauen heranzuziehen, die zur Ergänzung des
männlichen Einkommens einen Nebenerwerb suchen, der sie im Hause
beschäftigt. All diese zusammentreffenden Umstände nun: die
Konzentrierung proletarischer Elemente in den Großstädten, das starke
Angebot weiblicher Arbeitskräfte, die zum Teil durch ihre Leistungen
nicht ihren ganzen Lebensunterhalt zu bestreiten brauchen, die Tendenz
der Industrie, möglichst billig zu produzieren, sind die Ursachen der
großstädtischen Hausindustrie, mit ihrem Gefolge an physischem und
sittlichem Elend. Für England und Amerika gilt dasselbe, nur daß dort
die billigen Arbeitskräfte durch die armen Einwanderer gestellt werden.
Aber nicht nur in den Großstädten findet die Hausindustrie die
Voraussetzungen für ihre Existenz. Sie findet sie in gleichem Maße in
den Gebirgen, wo infolge der schlechten Transportverhältnisse der
Fabrikbetrieb nicht Fuß fassen kann,[686] und in den Landorten des
Flachlands, wo der kleine Bauer nicht mehr im stande ist, von der
Landwirtschaft allein seine Familie zu ernähren. Da die Hausindustrie
einerseits mit Frauen, andererseits mit Männern und Frauen zu thun hat,
die von der modernen Arbeiterbewegung nicht erreicht werden, weil sie
abgeschnitten sind vom Verkehr mit der Welt, so hat sie neben einem
billigen auch ein außerordentlich fügsames Material in der Hand. Trotz
alledem hat sie mit der Konkurrenz des Fabrikbetriebs zu kämpfen. Ihre
Kampfmittel sind neben den niedrigen Löhnen, der langen Arbeitszeit und
dem Trucksystem die Ausbeutung der Lehrlinge. Die hausindustriellen
Werkstätten beschäftigen sie wochenlang unentgeltlich oder womöglich
gegen Lehrgeld, sparen dadurch bezahlte Arbeitskräfte und entlassen sie,
sobald die "Ausbildung" vollendet ist und eine Anstellung erwartet
wird.[687]
Es kommt nun darauf an, festzustellen, ob die Existenzbedingungen der
Hausindustrie fernerhin vorhanden sein werden, und ob ihre
Arbeitsbedingungen Aussicht haben, sich zum Vorteil der Arbeiter zu
verändern.
Es giebt Industrien, z.B., um gleich die für unseren Zweck wichtigste zu
nennen, die Textilindustrie, die durch große technische
Vervollkommnungen der Hausindustrie auf ihrem Gebiet den Todesstoß
versetzen. Sie kann die Konkurrenz nicht mehr aushalten, sie wird
gewissermaßen ausgehungert. In England hat sich dieser Prozeß bereits
vollzogen, in anderen Ländern wird er denselben Verlauf nehmen. Andere
dagegen--und hier kommt im wesentlichen die Bekleidungsindustrie in
Betracht--bedürfen in der Hauptsache der menschlichen Hand; selbst ihre
Maschinen, die Nähmaschine, die Knopflochmaschine, ja sogar die neue
Zuschneidemaschine, haben den Fabrikbetrieb nicht zur notwendigen
Voraussetzung. Und sie werden durch äußere Umstände auf absehbare Zeit
hinaus nicht dazu gezwungen werden, weil die Bevölkerungsverhältnisse
sich in der selben und nicht in der entgegengesetzten Richtung
weiterentwickeln. Die proletarische Bevölkerung wächst ebenso aus sich
heraus, wie durch Zuwanderung und durch ein allmähliches Hinabsinken des
Kleinbürgertums. Dazu kommt, daß die Höhe der männlichen Arbeitslöhne
immer mehr durch den Frauenerwerb, der als Ergänzung hinzugedacht wird,
beeinflußt wird, und ihrerseits das Arbeitsangebot weiblicher Hände
steigern hilft. Auch die Erwerbsarbeit der Frauen des Bürgerstandes hat
eine steigende Tendenz, weil die Einnahmen der Männer weder den erhöhten
Bedürfnissen, noch der allgemeinen Preissteigerung entsprechen. Allein
das riesige Indiehöheschnellen der Mieten macht den Nebenerwerb der
Frauen zur Notwendigkeit[688], der andererseits auch vielfach, infolge
des Zusammenschrumpfens der Hauswirtschaft, der Langenweile entspringen
mag. Es kommt aber noch eins hinzu, um die Weiterentwicklung der
Hausindustrie in ihrer modernen Form zu sichern: die Tendenz zur
Dezentralisation des Großbetriebs. Die Ausdehnung und schärfere
Handhabung der Arbeiterschutzgesetzgebung läßt den Unternehmer nach
einem Ausweg suchen, um ihr aus dem Wege zu gehen, er findet ihn in der
Hausindustrie. Die Tabakindustrie bietet dafür ein besonders drastisches
Beispiel. Die Bedingungen zur Erhaltung und zur Ausbreitung der
Hausindustrie, und zwar grade dort, wo Frauenarbeit eine bedeutende
Rolle spielt, sind demnach gegeben. Dabei ist aber auch die Frage nach
der Möglichkeit der Hebung der hausindustriellen Arbeitsbedingungen zum
Teil mit beantwortet. Es ist ein Zirkel, aus dem ein Ausweg zunächst
unmöglich erscheint: die schlechten Arbeitsbedingungen sind zugleich
Ursache und Folge der Hausindustrie. Ihr Sieg über den Fabrikbetrieb
beruht eben auf der Ausnutzung und Ausbeutung der menschlichen
Arbeitskraft bis an die Grenze des Möglichen. Ein Rückgang der Löhne, im
Gegensatz zu ihrer Zunahme im Fabrikbetrieb, zeigt sich überall.[689]
Die Ursachen liegen auf den verschiedensten Gebieten. Wie wir wissen,
ist es die Notlage der Familie, die die verheiratete Frau zur
Erwerbsarbeit zwingt. In den weitaus meisten Fällen wählt sie, in der
Ansicht befangen, dadurch ihren Kindern mehr nützen zu können, die
Heimarbeit. Der größte Teil der Heimarbeiterinnnen sind überall Frauen
mit Kindern.[690] Von der Not getrieben, nehmen sie Arbeit um jeden
Preis. Ihre Helfershelfer im Lohndruck und der Aufrechterhaltung der
schlimmsten Form der Hausindustrie, der Heimarbeit, sind die Frauen und
Töchter der Bourgeoisie, jene "verschämten" Armen, die ihre
Erwerbsarbeit als nicht standesgemäß möglichst geheim zu halten
suchen[691], und die an primitive Lebensverhältnisse gewöhnte, daher
billig arbeitende Landbevölkerung. Die Näherinnen im Vogtland z.B., die
viel für Berlin arbeiten, verdienen 25 % weniger als die Berliner
Arbeiterinnen.[692] Und diese gefährliche Konkurrenz wird teils durch
den Staat, der Webe- und Korbflechtschulen u. dergl. m. errichtet, teils
durch kurzsichtige Privatwohlthätigkeit, die im Gebirge und auf dem
Lande den sogenannten "Gewerbefleiß" einführt, unterstützt[693], auch
noch künstlich großgezogen. Die Frauen, die Landbewohner und schließlich
auch die Völker mit niedriger Lebenshaltung,--der Einfluß der fabelhaft
billigen Erzeugnisse der japanischen und chinesischen Heimarbeit beginnt
bereits fühlbar zu werden,--bilden das riesige Reservoir, aus dem die
Hausindustrie stets neue Nahrung schöpft, und die sie gegeneinander
ausspielt. Sie ist wie ein ungeheuerer Sumpf, der nie austrocknet, weil
er aus trüben unterirdischen Quellen immer wieder gespeist wird, und der
mit seinen Miasmen die ganze Luft verpestet. Nichts Gesundes und
Lebenskräftiges kann er jemals hervorbringen, er kann sich nicht aus
sich selbst heraus in einen klaren See verwandeln. Um seine Wirkungen zu
beseitigen, giebt es nur ein Mittel: er selbst muß verschwinden.
Der Handel.
Die Ausbreitung der Frauenarbeit im Handel ist in nennenswertem Umfang
erst viel später in Erscheinung getreten, als in anderen
Arbeitsgebieten. Zwar petitionierten bereits 1848 die Berliner Kommis an
das preußische Staatsministerium um Einschränkung der weiblichen
Konkurrenz[694], aber erst seit den letzten zwanzig Jahren droht ihnen
durch sie eine ernste Gefahr. Einerseits sind es die Töchter des
mittleren und kleinen Bürgerstandes, die mehr und mehr vor die
Notwendigkeit, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, gestellt werden
und im kaufmännischen Beruf ein standesgemäßes Unterkommen zu finden
glauben, andererseits sieht die aufstrebende Arbeiterklasse in ihm eine
höhere Stufe der sozialen Stufenleiter und versucht in steigendem Maße
ihre Töchter hinauf zu heben.
Die Entwicklung des Handels, seine Konzentrierung in Bazaren und
Warenhäusern kommt diesen Bestrebungen entgegen. Immer geringer werden
hier die Anforderungen an kaufmännische Bildung und genaue
Warenkenntnis, da jede Verkäuferin nur eine bestimmte Abteilung
zugewiesen bekommt und auf den einzelnen Gegenständen die Preise meist
deutlich vermerkt zu werden pflegen. Infolgedessen ist es erklärlich,
daß in zahlreichen Geschäftszweigen, besonders in den Geschäften für
Bekleidung und solchen für frische Nahrungsmittel mehr Frauen als Männer
zu finden sind; sie rekrutieren sich meist aus proletarischen Kreisen,
haben oft nur die Volksschule besucht und können, wie z.B. in Berlin,
nur selten grammatikalisch und orthographisch richtig schreiben.[695]
Aber nicht nur ihrer Herkunft, sondern vor allem den Bedingungen ihrer
Arbeit nach, müssen die Verkäuferinnen zu den Kreisen der proletarischen
Frauenarbeit gerechnet werden. Die Untersuchungen aller Länder,
die sich mit ihrer Lage beschäftigen, stimmen darin überein, daß
der Lohn zur Leistung in größtem Mißverhältnis steht, und alle
charakteristischen Zeichen der proletarischen Arbeit,--Ueberarbeit und
Arbeitslosigkeit,--auch auf sie zutreffen.
Was zunächst die Lohnfrage betrifft, so ist ein einigermaßen
ausreichendes Material zu ihrer Beleuchtung nicht vorhanden. Selbst die
deutsche Kommission für Arbeiterstatistik hat es bei Gelegenheit ihrer
Untersuchungen der Lage der Handelsgehilfen unbegreiflicherweise
förmlich ängstlich vermieden, sich über den Stand der
Arbeitsentschädigung Aufklärung zu verschaffen. Auch die englische
Arbeitskommission bringt nur spärliche Ziffern. Wir müssen uns daher im
wesentlichen auf die Resultate privater Enqueten stützen.
Das Durchschnittseinkommen Berliner Verkäuferinnen wird vom
kaufmännischen Hilfsverein für weibliche Angestellte auf 58 Mk.
monatlich geschätzt. Da die Zeit der Arbeitslosigkeit durchschnittlich
1-3/4 Monate betragen soll, so würde ein Jahreseinkommen von 594 Mk.,
eine tägliche Einnahme von 1,60 Mk. zu verzeichnen sein.[696] Schon mit
dieser Summe ist es für die großstädtische Verkäuferin nicht möglich
auszukommen. Es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn eine Jahreseinnahme
von 900 bis 1000 Mk. erst als diejenige angesehen werden kann, die der
Berliner Verkäuferin eine sorgenfreie Existenz zu sichern vermag. Nun
gehören aber die Mitglieder des Hilfsvereins für weibliche Angestellte
zweifellos zur Elite der Ladengehilfinnen; ihr Lohn kann daher für die
große Masse nicht maßgebend sein. Thatsächlich kommen selbst in Berlin
Monatslöhne von 30 bis 40, ja sogar von 20 bis 30 Mk. vor; in der
Provinz, besonders in den kleinen Städten, sind solche Sätze keine
Seltenheit; das Durchschnittsgehalt der Verkäuferinnen in Köln betrug
40, in Frankfurt 39, in Kassel 30, in Königsberg gar nur 27 Mk.[697],
ein Lohn, der vielfach hinter dem der Fabrikarbeiterinnen zurücksteht.
Selbst Leipzig weist Monatslöhne von 20 bis 30, ja sogar solche unter 20
Mk. auf.[698] Verkäuferinnen, die eben die Lehrzeit hinter sich haben,
müssen sich sogar oft genug mit 10 Mk. im Monat einrichten.[699]
Männlichen Verkäufern wagt man solchen Gehalt nur höchst selten
anzubieten, wo es geschieht, handelt es sich um einen Anfangsgehalt, der
schnell gesteigert wird; ihr Durchschnittseinkommen wird auf 100 Mk.
angegeben, beträgt also fast das Doppelte des Einkommens ihrer
weiblichen Kollegen. Je nach der Zahl der Dienstjahre kann nun zwar auch
die Verkäuferin auf Steigerung des Gehalts rechnen; 70 und 80 Mk.
bezeichnen aber in den meisten Fällen ein nur schwer erreichbares
Maximum, Monatseinnahmen von 100 bis 120 Mk. kommen nur ausnahmsweise
vor. Da die Zeit der Arbeitslosigkeit sich häufig bis auf drei Monate
ausdehnt, so schrumpft die im ganzen Jahr der Verkäuferin zu Gebote
stehende Summe so sehr zusammen, daß ein Auskommen schwer möglich ist.
Die Angaben Berliner Handelsgehilfinnen bestätigen das. Danach betrug
die durchschnittliche Ausgabe für Kost und Wohnung 51 Mk., 30 Mk. wurde
als das geringste bezeichnet, womit das Leben sich notdürftig bestreiten
ließe.[700] Stellen wir diesen Ausgaben die Durchschnittseinnahme von 58
Mk. gegenüber, so ist ohne weiteres klar, daß mit einem Rest von 7 Mk.
die Ausgaben für Wäsche, Kleidung, Tramwayfahrten etc.--vom Vergnügen
ganz abgesehen--nicht gedeckt werden können. Besonders die Ansprüche an
die Toilette, die das Budget der Handelsangestellten so sehr belasten,
können damit nicht bezahlt werden und doch riskiert die Verkäuferin
ihre Stellung, wenn sie sie nicht erfüllt. Wie hoch sie sind, beweist
eine amerikanische Zusammenstellung der Ausgaben für Wohnung und
Kleidung je nach den Berufen der Arbeiterinnen. Während die
Fabrikmädchen oft kaum den vierten Teil dessen für ihre Kleidung
verwenden, was sie für ihre Wohnung ausgeben, übersteigt die Summe, mit
der die Verkäuferinnen ihre Toilette bestreiten, fast immer die Ausgaben
für die Wohnung, sehr oft sogar ist sie höher, als diejenige, die sie
für ihren ganzen Lebensunterhalt anlegen.[701] Denken wir nun aber an
Monatseinnahmen, die den Durchschnitt von 58 Mk. nicht erreichen, die
vielleicht nur 20 oder 30 Mk. betragen, so ist, selbst bei einer
Aufwendung von nur 30 Mk. für Kost und Wohnung, wobei nur eine
Schlafstelle in Betracht kommen kann und die Unterernährung chronisch
wird, ein bedeutendes Defizit unvermeidlich. Die Existenz ist nur dann
gesichert, wenn die dermaßen niedrig Entlohnten bei ihrer Familie
wohnen. In welchem Umfang dies thatsächlich geschieht, läßt sich nicht
feststellen. Eine Privatenquete, die 825 Berliner Handelsangestellte
umfaßte, ergab, daß 585, also 71 %, von ihnen bei Familienangehörigen
wohnen; 240 sind darauf angewiesen, sich ihr Unterkommen selbst zu
beschaffen, und zwar haben 36,75 % dieser selbständigen Mädchen eine
Monatseinnahme von unter 30 bis zu 60 Mk.[702], sie gehören also zu
denjenigen, die nach unserer Berechnung entweder nur unter größten
Entbehrungen, oder unter fortwährender Anhäufung von Schulden ihr Leben
fristen können. Da es sich jedoch auch bei diesen Handelsgehilfinnen um
besonders Bevorzugte handelt,--nur die besser gestellten,
intelligenteren unter ihnen entschließen sich, einem Verein beizutreten,
und Vereinsmitglieder waren sämtliche Expertinnen,--so ergiebt sich, daß
für die Allgemeinheit sowohl der Prozentsatz der niedrig Entlohnten, als
der der Alleinstehenden ein wesentlich höherer sein muß. Aber selbst
wenn wir die sehr günstige Berliner Berechnung zu Grunde legen, um die
Lage aller Handelsgehilfinnen danach zu beurteilen, zeigt es sich, daß
von 365005 nicht weniger als 105851 allein stehen, und von diesen wieder
beinahe 17000 von dem Ertrag ihrer Arbeit nicht leben können.
In England sind die Lohnverhältnisse keineswegs besser, obwohl man
zuweilen versucht ist, es anzunehmen, weil die Handelsangestellten neben
dem Gehalt freie Station haben. Aber selbst den unwahrscheinlichen Fall
angenommen, daß diese so vortrefflich ist, daß ein Zuschuß zur Ernährung
aus dem eigenen Beutel sich nicht als nötig erweist, reicht ein
Jahreseinkommen von 10 bis 12 £[703] in den Großstädten Englands bei
weitem nicht aus, um die notwendigen Ausgaben, die den Verkäuferinnen
erwachsen, zu bestreiten. Dabei herrscht in England das Unwesen der
Strafgelder in ausgedehntestem Maße. In manchen Geschäften giebt es bis
zu hundert verschiedene Versäumnisse, die durch Lohnabzüge gebüßt werden
müssen.[704]
Für Frankreich können wir uns auf offizielle Untersuchungen nicht
berufen, um die Lage der Handelsangestellten danach zu schildern; dafür
liegt in Zolas "Au Bonheur des Dames" ein weit wertvolleres Dokument
vor. Es zeigt uns den kleinen Laden mit seinen schlecht genährten und
schlecht bezahlten Arbeitern, es führt uns in das fieberhafte Getriebe
des großen Warenhauses, das Nerven- und Muskelkräfte untergräbt; es
öffnet uns die Thür zu den winzigen, unheizbaren, allen Komforts
entbehrenden Dachkammern, wo die Mädchen abends halb ohnmächtig auf ihr
Lager sinken und zu den Eßsälen, wo die menschlichen Arbeitsmaschinen
mit weit weniger Sorgfalt gespeist werden, als die eisernen
Maschinen in den Fabriken. Es nimmt uns mit seiner großartigen
Wirklichkeitsschilderung jede Illusion über die Lage der Ladenmädchen.
Aber weit mehr noch als für das Riesenhandelshaus, das durch seinen
gewaltigen Umsatz im stande ist, seinen Angestellten eine gesicherte
Stellung zu geben, trotz aller Ausbeutung und Vernachlässigung, gilt es
für die kleinen, mühsam um ihr Bestehen kämpfenden Geschäfte, wenn sich
der äußere Glanz des kaufmännischen Berufs bei näherem Zuschauen in sein
Gegenteil verwandelt. Je kleiner der Laden und die Stadt, desto
trauriger steht es um die Angestellten, desto klarer ist es vor allem,
daß die Wohnung und Beköstigung im Hause des Prinzipals zwar eine
Wohlthat ist, aber nicht für die Angestellten, sondern für ihn. Er
macht dadurch nicht nur Ersparnisse, sondern er hat auch ein Mittel in
der Hand, über seine Angestellten wie über häusliche Dienstboten frei
verfügen zu können.[705] Die Beköstigung im Hause des Chefs, die in
Deutschland besonders auch dort häufig üblich ist[706], wo die
Verkäuferinnen für ihre Wohnung selbst zu sorgen haben, bietet den
willkommenen Vorwand, die Mittagspause entweder sehr einzuschränken oder
überhaupt dem Zufall und der momentanen Geschäftsruhe zu überlassen. In
England wurden Mittagspausen von zehn bis höchstens zwanzig Minuten
festgestellt, die noch dazu jeden Augenblick durch den Eintritt von
Kunden unterbrochen werden konnten[707]; in Deutschland ist es nicht
viel besser; dabei ist diese Pause oft die einzige; Frühstücks- und
Vesperpausen werden, vor allem in den kleinen Geschäften, sehr selten
gewährt.[708] Abendbrot giebt es in England häufig gar nicht, so daß die
Mädchen genötigt sind, es sich selbst zu beschaffen[709]; die
Beköstigung ist dort wie in Deutschland meist, was Quantität und
Qualität betrifft, gleich minderwertig[710], und muß im Geschäftsraum
selbst oder in engen, dumpfigen Nebenräumen hastig verschlungen werden.
Nur die großen Geschäfte, die großen Warenhäuser und Bazare machen hie
und da eine rühmliche Ausnahme; wo sie überhaupt ihren Angestellten
Beköstigung bieten, ist sie ausreichend, besondere Speisesäle sind dafür
angelegt und die Zeit zu ihrer Einnahme ist so weit gesteckt, daß sie
auch ein Ausruhen in sich schließen kann. In den kleinen Städten und in
den kleinen Geschäften, wo die weiblichen Angestellten auch häusliche
Arbeiten verrichten müssen, ist ihre Lage durchweg eine traurige; auch
in Bezug auf die Wohnung unterscheiden sie sich nicht von den
Dienstmädchen: es werden ihnen unheizbare Dachstuben oder schlecht
gelüftete, halbdunkle Räume neben dem Laden zur Unterkunft
angewiesen[711]; in England und Amerika gilt dasselbe sogar in den
großen Städten und Geschäften. Londoner Verkäuferinnen müssen sich oft
zu zweien in ein Bett teilen, und die Räume, in denen sie hausen,
entbehren jeder Bequemlichkeit.[712] In den Riesengeschäften New-Yorks
wohnen die Mädchen so eng, daß man Gefangenen solch einen Mangel an
Luftraum nicht bieten würde.[713] Damit sind die Nachteile der freien
Station jedoch noch nicht erschöpft; die Prinzipale bestimmen auch,
unter dem Vorwand der Aufrechterhaltung der Moral und des
patriarchalischen Familienverhältnisses, über die freie Zeit der
Angestellten. Sie sind nicht nur im Hause selbst der strengsten Aufsicht
unterworfen, sie dürfen auch nur an bestimmten Abenden der Woche
ausgehen und müssen vor Thorschluß heimkehren, da sie sonst keinen
Einlaß mehr finden.[714] In England sind sie andererseits vielfach
verpflichtet, am Sonntag früh das Zimmer zu verlassen und erst spät
abends heimzukehren.[715] Der Prinzipal spart auf diese Weise an sechzig
Tagen des Jahres die Beköstigung; die arme Verkäuferin aber, die oft am
liebsten den Tag verschlafen, oder die ihn, als die einzige freie Zeit,
zur Herstellung ihrer Garderobe benutzen möchte, muß entweder an solch
erzwungenen Festtagen ihre schmale Börse leeren, oder Bekanntschaft
suchen, die sie versorgt.
Die Beraubung der schwer verdienten Ruhe ist hierbei wohl das härteste,
denn die Arbeitszeit der Handelsgehilfin war bis vor kurzem eine ganz
unbeschränkte. Die Ladenzeit betrug im Deutschen Reich im Maximum bis zu
achtzehn Stunden, im Durchschnitt vierzehn Stunden täglich[716]; nicht
weniger als 43 % der Betriebe mit weiblichem Personal hatten eine
Ladenzeit von dreizehn bis sechzehn Stunden.[717] Die längste fand sich
in der Lebensmittel-und Bekleidungsbranche; in Breslauer
Kolonialwarenhandlungen kam es vor, daß der Laden um fünf Uhr früh
geöffnet und um zehn oder elf Uhr nachts geschlossen wurde.[718] In der
Hochsaison verlängerte sie sich überall, dabei war von einer Vergütung
der Überstunden selten die Rede,[719] und wenn der Laden geschlossen
war, ging die aufreibende Arbeit hinter verschlossenen Jalousien bis in
die sinkende Nacht weiter. In England waren die Verhältnisse genau
dieselben.[720] Und doch wären diese Zustände noch erträglich zu nennen,
wenn sie nicht durch die schlimmsten Qualen verschärft worden wären:
nicht nur, daß die armen Mädchen von morgens bis abends mit freundlichem
Diensteifer die Kunden,--und unter ihnen die unangenehmsten,--zu
bedienen haben, daß sie die Leitern hinauf und hinab klettern, Stöße von
Waren hin und her schleppen müssen, sie dürfen sich, auch wenn niemand
im Laden ist, auch wenn ihre Kniee zittern und ihre Füße schmerzen,
nicht setzen[721]! Stehen--stehen--zwölf, vierzehn und mehr Stunden
stehen--und dabei lächeln, immer lächeln! Eine Folter, die würdig wäre,
spanische Inquisitoren zu Erfindern zu haben!
Erst in jüngster Zeit hat man allenthalben den Versuch gemacht, diesen
Übelstand aus der Welt zu schaffen; bei der Zaghaftigkeit aber, mit der
vorgegangen wurde, ist wohl anzunehmen, daß er, in etwas gemilderter
Form vielleicht, noch immer besteht. In Betreff der Arbeitszeit gilt
dasselbe; ist doch sogar nicht einmal die Sonntagsruhe den abgehetzten
Mädchen überall gesichert; auch am Sonntag müssen sie stundenweise im
Laden stehen, damit nur ja dem Herrn Prinzipal kein Pfennig Profit
entgeht.
Am schlimmsten von allen sind die Lehrlinge, wahre Prügelknaben und
Mädchen für alles, daran. Kaum der Schule entwachsene Kinder werden mit
Vorliebe aufgenommen; sie kosten wenig und lassen sich widerstandslos
ausnutzen. Welchen riesigen Umfang ihre Beschäftigung annimmt, geht
daraus hervor, daß sie in einem Viertel aller deutschen Geschäfte die
Gehilfen an Zahl überragen, in einem Fünftel sich noch einmal so viel
Lehrlinge als Gehilfen befinden, und es sogar vorkommt, daß Geschäfte
vielfach alle Gehilfen durch Lehrlinge ersetzen.[722] Sie sind
Laufmädchen, Hausmädchen, Verkäuferin--alles in einer Person. In einem
Alter, wo der weibliche Körper der Schonung bedarf, müssen sie
dieselben, ja oft noch längere Arbeitszeiten aushalten, als die
Erwachsenen.[723] Nur die Stärksten überstehen es, die anderen werden in
der Blüte geknickt, noch ehe ihnen die Frühlingssonne recht aufging.
Trotzdem fehlt es nie an neuem Nachwuchs; in Scharen, wie die Motten,
fliegen die Mädchen zu dem blendenden Licht hinter den Spiegelscheiben,
von dem sie Märchenwunder erwarten. Und der Handel braucht Jugend! Die
Kunden sehen nicht gern alte Gesichter; ein hübsches junges Mädchen ist
eine stärkere Anziehungskraft, als die beste Ware. Sehen wir uns um in
den Geschäften, besonders in denen der Großstadt: fast lauter junge
Dinger mit hochfrisiertem Lockenkopf und glänzenden Augen treten uns
entgegen. Die Statistik bestätigt das: von den Berliner Verkäuferinnen
sind 71 % 15 bis 21 Jahre alt[724]! Wo bleiben die Alternden,
diejenigen, die nicht heiraten, die nicht das ungewöhnliche Glück haben,
sich selbständig machen zu können? Die edelsten Pferde haben das
traurige Schicksal, daß sie aus dem Rennstall-Palais, wo sie in ihrer
Jugend genährt, gepflegt und gehütet wurden, sorgfältiger als mancher
Mensch, zuerst in den engen Stall des Droschkenkutschers und dann zu den
armseligen Ackergäulen des Bauern geraten--je älter sie werden, desto
härter wird ihr Los. Den arbeitenden Frauen, und unter ihnen ganz
besonders den Verkäuferinnen, geht es nicht anders. Werden sie alt und
häßlich, so treten Junge an ihren Platz, und sie müssen sich mit immer
schlechteren Stellungen begnügen. Der in Deutschland bisher übliche
Modus, wonach keine oder nur ganz kurze Kündigungsfristen ausgemacht
wurden,--d.h. der Prinzipal konnte die Angestellte oft von einem Tag zum
andern entlassen, die Angestellte aber mußte die Kündigung vier Wochen
vorher einreichen,[725]--hatte zur Folge, daß die alternden Gehilfinnen
sich einer dauernden Wanderschaft ausgesetzt sahen und nie wissen
konnten, ob nicht der nächste Tag sie arbeitslos macht. Mit 40 Jahren
freilich sind sie so wie so schon verbraucht.
Infolge des vielen Stehens, der langen Arbeitszeit und der schlechten
Ernährung tritt schon früh allgemeine Entkräftung und Muskelschwäche
ein. Die jungen Mädchen werden fast durchweg von der Bleichsucht
heimgesucht,--ein Blick in die Gesichter der Verkäuferinnen beweist das
zur Genüge,--Unterleibsleiden treten hinzu. Dabei schwellen die
Fußgelenke an, an den Beinen zeigen sich Krampfadern, Magenkrankheiten
zerstören den Rest der Nervenkraft. Infolgedessen wird die Mutterschaft
für die meisten ehemaligen Verkäuferinnen zu einer schweren
Krankheit.[726] Die große körperliche Abspannung, die oft so weit geht,
daß die jungen Mädchen sich abends mit den Kleidern aufs Bett werfen,
weil sie nicht mehr die Kraft haben, sich auszuziehen,[727] führt
schließlich auch zu geistiger Erschlaffung. Selten nur reichen die
Interessen über die alltäglichen, persönlichen hinaus; ein energischer
Kampf um bessere Arbeitsbedingungen liegt ganz außerhalb der
Vorstellungsmöglichkeit.
Neben die körperlichen und geistigen Folgen der proletarischen
Frauenarbeit im Handel treten aber noch die traurigen moralischen hinzu.
Die große Masse der Angestellten kann von ihrem Arbeitseinkommen nicht
leben; nicht nur, daß sie sehr häufig das einfachste Leben kaum fristen
können, ihre Ansprüche sind auch von Haus aus höhere und werden durch
ihre ganze Umgebung, besonders in den Bazaren und Konfektionsgeschäften,
noch gesteigert. Und Gewohnheit und Ansprüche gilt es in Rechnung zu
ziehen, wenn man Notlagen und die Größe der damit verbundenen Gefahren
richtig beurteilen will. Eine Fabrikarbeiterin in irgend einer kleinen
sächsischen Fabrikstadt kann sich durch dasselbe Einkommen gesichert und
befriedigt fühlen, das eine Verkäuferin in einem Berliner Geschäft der
Schande in die Arme treibt. Weit stärkere Einflüsse, als auf die arme
Arbeiterin, wirken bei ihr noch mit: diese heiratet leicht, nach der
Ansicht kühler Rechenmeister, leichtsinnig; ihr Erwählter sieht in ihrer
Arbeitskraft ihre wertvollste Mitgift, für jene aber ist die Heirat ein
selten erreichter Traum, denn ihre männlichen Arbeitsgenossen suchen vor
allem eine klingende Mitgift, um sich dadurch selbständig machen zu
können, und schließt für die Frauen ihr Beruf die Ehe aus. Wenn die Not
sie nicht zu Falle bringt, so ist es der Durst ihres Herzens und ihrer
Sinne, der sie in jene Liebesverhältnisse verstrickt, die so oft ein
tragisches Ende finden. Dabei naht ihr auch die Verführung mehr als
anderen durch den Verkehr mit der Kundschaft. Es ist nicht übertrieben,
sondern entspricht den täglich zu beobachtenden Thatsachen, daß die
Lebemänner der Großstädte in den Bazaren und Warenhäusern ein beliebtes
Feld für ihre Jagd nach Menschenware erblicken. Aber auch für die Chefs
selbst sind ihre Angestellten nicht selten Freiwild. Ein armes Mädchen
muß entweder ein hohes Maß an sittlicher Kraft, Selbstverleugnung und
Entsagungsfähigkeit, oder einen traurigen Mangel an Jugendlust und
Liebessehnsucht besitzen, um rein und unangefochten aus diesem Leben
hervorzugehen. Wie Zolas Denise sieht sie sich umgeben nicht nur von
leichtsinnigen, sondern auch von moralisch verdorbenen Kolleginnen. Und
damit berühren wir einen der traurigsten Punkte der Frauenarbeit im
Handel, der es so vielen unmöglich macht, sich durch eigene Kraft
ehrlich durchzuschlagen: unter dem Deckmantel der Verkäuferin und mehr
noch der Probiermamsell verbirgt sich häufig die Prostitution in grober
und feiner Art. Die femme soutenue ist es besonders, die hierbei in
Betracht kommt, und da sie hübsch ist und jung und elegant, auf die Höhe
des Lohnes wenig Wert legt, so macht der Unternehmer ein gutes Geschäft
durch ihre Anstellung. Schulter an Schulter mit ihr machen die
wohlerzogenen Töchter des mittleren Bürgerstandes, die Wohnung und Kost
bei ihren Eltern haben und mit einer Einnahme, die nur ein Taschengeld
repräsentiert, zufrieden sind, den alleinstehenden, mühsam sich
emporringenden Arbeiterinnen die empfindlichste Konkurrenz. Sie erhalten
die Löhne auf einem niedrigen Niveau, ja sie drücken sie durch ihr
massenhaftes Eintreten in den Handel vielfach noch herunter.
Infolgedessen zeigt sich in höherem Maße noch als in der Fabrikarbeit,
daß die Entwicklung der Löhne mehr und mehr die Tendenz hat, sich nach
den Frauenlöhnen zu gestalten, so daß der Unterhalt der Familie auf dem
Erwerb von Mann und Frau beruht. Da die verheiratete Frau aber unter den
Angestellten eine beinahe unmögliche Erscheinung ist,--die Heirat
bedeutet fast stets den Austritt aus dem Geschäft,--so sind die Folgen
dieser Entwicklung zunächst für Mann und Weib gleich traurige.
Die Lage der Handelsgehilfinnen würde eine verzweifelte sein, wenn sich
nicht in der öden Wüste ihres Daseins Quellen künftigen blühenden Lebens
nachweisen ließen. Eine der stärksten und wichtigsten ist auch hier die
Entwicklung zum Großbetrieb. Je größer der Betrieb desto höher ist der
Lohn, desto kürzer die Arbeitszeit und geregelter die Ruhepausen, desto
mehr nimmt aber auch die im Hause des Prinzipals lebende Zahl der
Angestellten ab. Damit schwindet das patriarchalische Verhältnis mehr
und mehr, der Angestellte nimmt nach und nach dieselbe Stellung ein, wie
der Fabrikarbeiter, dessen persönliches, häusliches Leben und Treiben
den Unternehmer nicht kümmert. Hierdurch und durch die allerdings erst
in den ersten Anfängen steckende Regelung der Arbeitszeit, wird es
schließlich auch der verheirateten Frau leichter möglich sein, ihrem
Mädchenberuf treu zu bleiben. Das alles würde aber nur wenig nützen,
wenn nicht noch ein anderes Moment hinzukäme: die Töchter des
Bürgerstandes werden durch den Druck der Verhältnisse,--nicht zum
mindesten hervorgerufen durch die, das kleine Geschäft tötenden
Warenhäuser,--gezwungen werden, den Lohn nicht mehr als Mittel zur
Befriedigung von Luxusbedürfnissen, sondern als Mittel zum
Lebensunterhalt anzusehen. In der Not selbst liegen die Keime für ihre
Beseitigung.
Neben der Entwicklung zum Großbetrieb, die aber,--das sei all denen
gesagt, die bequem genug sind, sich durch Zukunftshoffnungen über die
Gegenwart trösten zu lassen,--eine außerordentlich langsame ist, läuft
eine andere her, die eine entgegengesetzte Tendenz zu haben scheint und
gerade im Hinblick auf die Frauen sehr wichtig ist: die Zunahme der von
Frauen geleiteten Alleinbetriebe. Nach der Zählung von 1895 gab es deren
145165, was gegenüber der Zählung von 1882 einer Zunahme von 41 %
gleichkam, während die von Männern geleiteten Alleinbetriebe um 5 %
abgenommen haben.[728] Trotz der Selbständigkeit der Händlerinnen ist
ihre Existenz eine proletarische, ihr Kampf ums Dasein ebenso so hart,
als der der Arbeiterin. Ueber die Hälfte,--56 %,--sind Witwen, 27 %
verheiratete Frauen, aber nur 17 % ledige. Die Witwen richten das
Geschäft, wenn es nicht vom Manne ererbt ist, mit einem oft winzigen
Kapital ein, um sich und ihre Kinder zu erhalten; die verheirateten
Frauen, häufig ehemalige Dienstmädchen, wenden ihren Sparpfennig daran,
um durch ihren eigenen Erwerb den des Mannes zu ergänzen; alternde
Mädchen, oft frühere Verkäuferinnen in ähnlichen Geschäften, versuchen
gleichfalls damit ihr Brot zu verdienen. Eine wichtige Rolle spielt bei
dieser Art Frauenarbeit der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten
und gerade er ist geeignet, sich auch fernerhin in Zwergbetrieben zu
konzentrieren: die Waren bilden den täglichen Bedarf jeder
Hauswirtschaft, sie müssen also möglichst in der Nähe zu haben sein und
können daher auch nicht in Warenhäusern aufgestapelt werden; allein das
Wachstum der Städte führt ihre Vermehrung herbei, die scharfe Konkurrenz
jedoch macht sie zu wahren Eintagsfliegen und zwingt die Besitzerinnen,
die bisher mühsam ihre Selbständigkeit aufrecht erhielten, zur
Lohnarbeit. Trotzdem ist ihre Zunahme, solange die Privatküchen bestehen
werden, wahrscheinlich und sicher ist, daß sich gerade dieses
Handelszweiges mehr und mehr die Frauen bemächtigen werden.
Welches Los härter ist, das der Angestellten im glänzenden Kaufhaus, die
in seinem Dienst hinwelkt, die ihre Jugend entweder vertrauern oder
wegwerfen muß, oder das der Händlerin im düsteren Keller oder stickigen
Laden, die oft auch noch die Nächte opfert, um ihre armselige
Häuslichkeit in Ordnung zu halten, und sich um ein paar Pfennige plagt
von früh bis spät--das wage ich nicht zu entscheiden.
Die Landwirtschaft.
Während die Industriearbeiterin und die Handelsangestellte Erscheinungen
sind, die in den Augen der meisten feste Gestalt gewonnen haben, die
das Interesse der Nationalökonomen, der Politiker und der Gesetzgeber
erregen, ist die Landarbeiterin bisher ein ziemlich vager Begriff
geblieben. Man ereifert sich höchstens über ihre Landflucht und wundert
sich, daß sie ihr gesundes, gesichertes Leben so leichten Herzens
preisgiebt. Wie dies Leben sich in Wirklichkeit abspielt, das machen
sich nur Wenige klar und diese wenigen müssen sich teils auf ihre
eigenen beschränkten Beobachtungen, teils auf Privat-Untersuchungen
stützen, die auch immer nur unzulänglich bleiben können. Aber noch durch
einen anderen Umstand wird die Kenntnis der Lage der Landarbeiterinnen
erschwert.
Sie bilden keine durch gleiche Arbeitsbedingungen gekennzeichnete Masse,
sie gliedern sich vielmehr in zwei Kategorien von Arbeitern: die
kontraktlich gebundenen und die freien, und in eine ganze Anzahl von
Unterabteilungen beider. Zu den ersteren gehören zunächst die in festem
Jahreslohn stehenden Mägde, die Wohnung und Nahrung von der
Herrschaft empfangen und deren Arbeit eine teils häusliche, teils
landwirtschaftliche ist. Zu ihnen gehören ferner im ostelbischen
Deutschland die Instleute, die vom Gutsherrn Wohnung und ein Stück Land,
außerdem einen gewissen Anteil am Ertrage des Gutes erhalten, dafür aber
nicht nur ihre eigene und die Arbeitskraft ihrer Frau in seinen Dienst
stellen, sondern auch eine Anzahl, gewöhnlich zwei, andere Arbeiter für
den Gutsherrn halten müssen; es sind das die Scharwerker, meist
Angehörige des Instmanns, seine Töchter und Söhne, auch seine Mutter
oder sein Enkelkind, sehr oft aber auch fremde Mägde und Knechte, die
der Instmann zu dem Zweck dingt.[729] Im Westen Deutschlands nehmen die
Heuerleute eine ähnliche Stellung ein, nur daß ihnen Wohnung und Land
nicht geliefert wird, sondern daß sie es gegen geringes Entgelt pachten
müssen, dafür aber verpflichtet sind, für eine bestimmte Reihe von Tagen
um die Hälfte des ortsüblichen Lohns für den Besitzer Arbeit zu
leisten.[730] Eine breite Schicht der Landarbeiter sind in Ostelbien
auch noch die Deputanten, die neben dem Lohn rohe Lebensmittel
geliefert bekommen. Im übrigen Deutschland wiederholt sich häufig den
Tagelöhnern gegenüber eine gleiche Art der Entlohnung. Neben diesen
Arbeiterkategorien finden sich noch die Tagelöhner mit selbständigem
Landbesitz, von dessen Ertrag sie jedoch nicht leben können, so daß sie
gezwungen sind Lohnarbeit zu suchen. Sie gehören ebenso zweifellos zu
den Proletariern, wie ihre Frauen, obwohl diesen zumeist die Bearbeitung
und Bestellung der eigenen kleinen Landwirtschaft obliegt. Auch der
Bauer und die Bäuerin, die keine Lohnarbeiter beschäftigen, sondern sich
von früh bis spät allein abrackern, um sich vom Ertrage ihrer Mühen zu
ernähren, sind, trotzdem sie auf eigenem Grund und Boden stehen, nichts
anderes als Proletarier.[731]
Die eigenartigste Klasse unter dem ländlichen Proletariat ist die der
Wanderarbeiter. Unter dem Namen Sachsengänger begegnen wir ihnen in
Deutschland; in England war es das Gangsystem, das ihre Beschäftigung
beförderte; in Frankreich sind es zum großen Teil belgische Arbeiter,
die sich saisonweise verdingen; auch in Amerika zeigt sich je nach den
Erfordernissen der landwirtschaftlichen Betriebe eine innere Wanderung
der Arbeiter. Während das landwirtschaftliche Gesinde und die Instleute
die älteste Art der Landarbeiter, gewissermaßen die Nachkommen der
Hörigen und Leibeignen, darstellen, repräsentieren die Wanderarbeiter
die modernisierte Landwirtschaft. Sie nimmt durch das Eindringen der
Maschinen, besonders der Dreschmaschinen, die in kurzer Zeit eine Arbeit
verrichten, durch die sonst wochenlang viele Arbeiter Beschäftigung
fanden, mehr und mehr den Charakter des Saisongewerbes an. Die
intensivere Kultur der landwirtschaftlichen Betriebe,--dabei sei nur an
die Molkereien und an die Zuckerrübenpflanzungen erinnert,--zu der die
zu geschäftlichen Unternehmern sich umwandelnden Landwirte notwendig
gedrängt werden, unterstützt gleichfalls die allmähliche Umwandlung des
ländlichen Proletariats.[732] In England, das zwar im allgemeinen noch
alle Arten landwirtschaftlicher Arbeiter beschäftigt: mit eigenem Land,
mit Allotment, mit Haus- und Gartenüberlassung oder mit bestimmtem
Deputat, hat sich diese Umwandlung besonders im Osten, wo nur mit
wöchentlich oder täglich engagierten freien Tagelöhnern gearbeitet wird,
schon vollzogen.[733] Bezeichnend dafür ist, daß der Begriff des
Landarbeiters im modernen Sinn erst im 19. Jahrhundert entstand, denn
der Bedarf an Landarbeitern wurde früher durch die zum Dienst
verpflichteten Bauern, in Preußen auch durch die zum Zwangsgesindedienst
genötigten Bauernkinder[734], in außereuropäischen Ländern, besonders in
Amerika, durch die Sklaven gedeckt.
Aus dem Gesagten geht hervor, daß es sehr schwierig ist, die Einnahmen
der Landarbeiter festzustellen, die sich aus Geld und Naturallohn, aus
freier oder pachtweiser Ueberlassung von Wohnung und Land, aus Anteilen
am allgemeinen Gutsertrag zusammensetzen. Was zunächst das ländliche
Gesinde betrifft, so variiert allein in Deutschland sein Jahreslohn
ungemein. Er ist am niedrigsten, wo die Frauenarbeit am stärksten ist;
je weiter nach Osten, desto tiefer sinkt er. In Ostpreußen kamen
Mägdelöhne von 50 Mk. vor; Kuhmägde pflegen 75 bis 80 Mk. jährlich zu
verdienen, sogenannte Leuteköchinnen 90 Mk. Im Westen und Süden, z.B. in
Oldenburg, Hannover, Hessen und Württemberg, variieren die Frauenlöhne
zwischen 50 und 150, 75 und 150, 60 und 100, 50 und 150 Mk.[735] Die
höchsten Lohnsätze finden sich in Schleswig-Holstein und im Jeverlande,
wo der Mangel an Mägden schon zu einer großen Kalamität geworden ist.
Hier beträgt der niedrigste Lohn 90 Mk., die Großmägde kommen zu einem
Verdienst von 200 bis 230 Mk., Löhne von 250 Mk. werden auch zuweilen
gezahlt.[736] Neben diesem Geldlohn wird Verpflegung und Wohnung selten
berechnet; für Württemberg werden die Ausgaben für eine Magd
einschließlich des Versicherungsgeldes und der Geschenke mit 120 bis 230
Mk. angegeben, so daß ihre Gesamteinnahme 295 bis höchstens 400 Mk.
jährlich beträgt.[737] So begegnet uns hier wieder die beinahe typische
Jahreseinnahme aller schlecht gestellten Proletarierinnen. Die
französischen Landmägde stehen sich, was den Lohn betrifft, der 150 bis
200 fr. zu betragen pflegt, noch schlechter, ihre Beköstigung dagegen
wird im allgemeinen höher veranschlagt werden dürfen.[738]
Bedeutend schwieriger ist es, die Jahreseinnahme der ostelbischen
Instleute und ihrer Scharwerker, und der westdeutschen Heuerlinge
festzustellen, da sie von der Beschaffenheit dessen, was ihnen geliefert
wird, von ihrer eigenen Geschicklichkeit, etwa im Aufziehen und
Verkaufen von Vieh und Geflügel, und von dem jeweiligen Anteil an dem
Ertrag des Gutes abhängig ist. Der Geldlohn der Frauen beträgt
gewöhnlich im Sommer 30 bis 50, im Winter 20 bis 35 Pf. täglich. Dieser
Lohn wird jedoch niemals der Frau direkt, sondern stets dem Instmann,
als dem Familienoberhaupt, mit dem der Arbeitsvertrag zugleich für seine
Frau und seine Scharwerker abgeschlossen wurde[739], ausgezahlt. Für
seine Frau, noch mehr aber für die Scharwerksmädchen, die er natürlich
bei der eigenen Armut nur auf das notdürftigste unterhält, bedeutet das
eine große Benachteiligung. Ihr sauer verdienter Lohn fließt nur zu oft
in die Tasche des Schankwirts. Kein Wunder daher, wenn nur sehr niedrig
stehende, physisch oder moralisch herabgekommene Mädchen sich zum
Scharwerksdienst verstehen wollen. Weit besser ist die Lage der
westdeutschen Heuerlingsfrauen, obwohl auch sie von den Männern
vollständig abhängig sind. Sie sind jedoch nur zu einem geringeren Maß
von Arbeit verpflichtet und ihre Pachtung wirft ihnen mehr ab, als der
dürftige Boden des ostelbischen Instmanns. Die bevorzugteste Schicht der
kontraktlich gebundenen Landarbeiter sind aber diejenigen, die nicht wie
die Instleute zum großen Teil abhängig sind von den schwankenden
Erträgnissen des herrschaftlichen Gutes, noch wie die Heuerlinge von
denen der eigenen Pachtung, sondern die neben dem Lohn ein festes
Deputat erhalten. Da aber auch dieses ein Familieneinkommen darstellt,
so ist damit auch die Frau zur Arbeit verpflichtet. In allen drei
Fällen, bei den Instleuten, einschließlich der Scharwerker, den
Heuerlingen und den Deputanten, wiederholt sich demnach dasselbe
eigentümliche Bild einer völligen Abhängigkeit auch der arbeitenden Frau
von ihrem Ehemann. Die Stellung einer selbständigen Lohnarbeiterin ist
für sie nur ein toter Begriff, sie ist nichts als der dritte Arm des
Mannes, von einem bestimmten ihr zufallenden Lohn kann nicht gesprochen
werden.
Eine Stufe höherer Entwicklung in Bezug auf die Selbständigkeit des
weiblichen Landarbeiters bedeutet daher die freie Tagelöhnerarbeit. Auch
sie wird teils nur durch Geld, teils durch Geld und Beköstigung
entlohnt, und zwar ist der Lohn nicht nur niedriger als der des
Mannes,--obwohl die Arbeitsteilung nicht immer dazu berechtigt,--sehr
häufig wird den Frauen auch eine geringere Menge an Nahrung gewährt,
wodurch die Ersparnis des Gutsbesitzers durch weibliche Arbeit noch
erhöht wird. Ueber die Lohnverhältnisse in Deutschland giebt folgende
Tabelle einige Aufklärung:[740]
Land | ohne Kost | mit Kost
| Pf. | Pf.
-----------------------------+-----------+---------
Posen| 30- 50| --
Regierungsbezirk Magdeburg| 60-130| 40- 90
Regierungsbezirk Merseburg| 60-125| 40- 90
Regierungsbezirk Erfurt| 70-130| 50-120
Provinz Hannover | 70-150| 40- 80
Regierungsbezirk Kassel| 60-150| 30-100
Provinz Hessen-Nassau | 80-150| 50-100
Großherzogtum Hessen| 80-175| 30-100
Provinz Schleswig-Holstein| 50-150| 20-120
Herzogtum Anhalt | 70-150| 40- 75
Thüringische Staaten| 60-150| 40-100
Königreich Sachsen | 60-150| 40- 80
Bayern | 60-120| 30-100
Hohenzollern | 70-220| 30-160
Die höchsten Löhne werden im Sommer, hauptsächlich zur Erntezeit
gezahlt, die niedrigsten im Winter. Eine ununterbrochene Arbeit zu allen
Jahreszeiten hat keine Tagelöhnerin. Rechnen wir, daß sie etwa 250 Tage
voll beschäftigt ist, davon während 125 Tagen den höchsten täglichen
Durchschnittslohn (ohne Kost) mit 1,43 Mk., also im ganzen 178,75 Mk.,
während weiterer 125 Tage den täglichen Mindest-Durchschnittslohn mit 63
Pf., also im ganzen 78,75 Mk. erhält, so erreicht sie einen
Jahresverdienst von 257,50 Mk. Berechnen wir ihre Einnahmen mit
Beköstigung nach demselben Schema, so beträgt ihre Jahreseinnahme nur
172,50 Mk. Daß diese Summen noch viel zu hoch gegriffen sind, geht z.B.
aus der Berechnung der Einnahme einer Tagelöhnerfamilie in Holstein
hervor, wo Mann und Frau zusammen bei fleißigster Arbeit nur 450 bis 600
Mk., jährlich verdienen.[741] Uebersteigt die Zahl der Familienglieder
vier Personen, sind womöglich alte Eltern oder kränkliche Angehörige mit
zu versorgen, so ist eine Existenz auf Grund solcher Einnahmen eine
äußerst kümmerliche. Hat der Tagelöhner eigenen Landbesitz, zieht er
Schweine oder Geflügel, so kann seine Einnahme sich auf 700 bis 800 Mk.
steigern[742], dann ist aber auch die Arbeitskraft der Frau eine bis an
die Grenze des Möglichen ausgenutzte, da ihr fast ganz allein die
Bewirtschaftung des eigenen Landes und die Zucht der Tiere zufällt.[743]
In der schlimmsten Lage aber befindet sich die Alleinstehende, um so
schlimmer, wenn sie Kinder hat. Selbst auf dem Lande läßt sich das Leben
mit einem Einkommen von 150 bis 250 Mk. nicht fristen. Die Kinderarbeit
mit all ihren Schrecken, das Hütekinderwesen mit seinen traurigen Folgen
an physischer und sittlicher Verwahrlosung sind die nächsten
selbstverständlichen Resultate solcher Lohnverhältnisse.
In Frankreich sind sie kaum besser. Der Durchschnittsverdienst der
Frauen beträgt im Winter ohne Kost 1,42 fr., mit Kost 79 c.; im Sommer
1,87 fr. resp. 1,14 fr.[744]; in einzelnen Landstrichen, z.B. in der
Bretagne, sinken die Löhne bis auf 50 c. resp. 1 fr. täglich, während
sie andererseits freilich zuweilen, z.B. in der Normandie, bis auf 2 und
3 fr. steigen[745]; im allgemeinen übersteigt die Jahreseinnahme der
französischen Tagelöhnerin höchst selten 229 fr., während 300 fr. das
mindeste ist, womit ein Existenzminimum ihr gesichert wird.[746] Ihre
deutsche Arbeitsgenossin im fernen Osten, wo in kurzer Sommerszeit
mühsam der Erde ihre Früchte abgerungen werden, hat also keinen Grund,
die Schwester in dem sonnigen, reichen Frankreich zu beneiden. In einer
etwas besseren Lage befindet sich die englische Landarbeiterin. Sie
nimmt, wie wir gesehen haben, an Zahl rapide ab, infolgedessen steigen
ihre Löhne und ermöglichen ihr ein erträgliches Leben.[747] Mehr und
mehr aber beschränkt sie sich auf die ausschließliche Bewirtschaftung
des eigenen kleinen Eigentums, während ihr Mann als Tagelöhner in Arbeit
geht. Mit ihr auf gleicher Stufe steht die Frau und die Tochter des
kleinen selbständigen Landwirts, nur daß ihre Einkommen lediglich vom
Ertrage ihrer Besitzung abhängen. Sie sind fast immer wahre
Arbeitssklaven, sehr häufig tüchtiger als die Männer, die nur zu oft dem
Alkoholteufel zum Opfer fallen. Trotzdem sind diese armen
Proletarierinnen von ihnen abhängiger, als irgend eine Lohnarbeiterin
von ihrem Arbeitgeber. Ihre Arbeit wird als eine ebenso
selbstverständliche angesehen, wie die der Instmannsfrau, und ihr
klingender Ertrag fließt allein in die Tasche des Familienoberhauptes.
Dies Verhältnis vollkommener Abhängigkeit drückt sich in der Picardie
noch heute dadurch aus, daß die Frau ihren Mann nicht anders nennt als
-mon maître-, und der Mann sein Weib in der Vendée nicht anders als
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
107
108
109
110
111
112
113
114
115
116
117
118
119
120
121
122
123
124
125
126
127
128
129
130
131
132
133
134
135
136
137
138
139
140
141
142
143
144
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
163
164
165
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
208
209
210
211
212
213
214
215
216
217
218
219
220
221
222
223
224
225
226
227
228
229
230
231
232
233
234
235
236
237
238
239
240
241
242
243
244
245
246
247
248
249
250
251
252
253
254
255
256
257
258
259
260
261
262
263
264
265
266
267
268
269
270
271
272
273
274
275
276
277
278
279
280
281
282
283
284
285
286
287
288
289
290
291
292
293
294
295
296
297
298
299
300
301
302
303
304
305
306
307
308
309
310
311
312
313
314
315
316
317
318
319
320
321
322
323
324
325
326
327
328
329
330
331
332
333
334
335
336
337
338
339
340
341
342
343
344
345
346
347
348
349
350
351
352
353
354
355
356
357
358
359
360
361
362
363
364
365
366
367
368
369
370
371
372
373
374
375
376
377
378
379
380
381
382
383
384
385
386
387
388
389
390
391
392
393
394
395
396
397
398
399
400
401
402
403
404
405
406
407
408
409
410
411
412
413
414
415
416
417
418
419
420
421
422
423
424
425
426
427
428
429
430
431
432
433
434
435
436
437
438
439
440
441
442
443
444
445
446
447
448
449
450
451
452
453
454
455
456
457
458
459
460
461
462
463
464
465
466
467
468
469
470
471
472
473
474
475
476
477
478
479
480
481
482
483
484
485
486
487
488
489
490
491
492
493
494
495
496
497
498
499
500
501
502
503
504
505
506
507
508
509
510
511
512
513
514
515
516
517
518
519
520
521
522
523
524
525
526
527
528
529
530
531
532
533
534
535
536
537
538
539
540
541
542
543
544
545
546
547
548
549
550
551
552
553
554
555
556
557
558
559
560
561
562
563
564
565
566
567
568
569
570
571
572
573
574
575
576
577
578
579
580
581
582
583
584
585
586
587
588
589
590
591
592
593
594
595
596
597
598
599
600
601
602
603
604
605
606
607
608
609
610
611
612
613
614
615
616
617
618
619
620
621
622
623
624
625
626
627
628
629
630
631
632
633
634
635
636
637
638
639
640
641
642
643
644
645
646
647
648
649
650
651
652
653
654
655
656
657
658
659
660
661
662
663
664
665
666
667
668
669
670
671
672
673
674
675
676
677
678
679
680
681
682
683
684
685
686
687
688
689
690
691
692
693
694
695
696
697
698
699
700
701
702
703
704
705
706
707
708
709
710
711
712
713
714
715
716
717
718
719
720
721
722
723
724
725
726
727
728
729
730
731
732
733
734
735
736
737
738
739
740
741
742
743
744
745
746
747
748
749
750
751
752
753
754
755
756
757
758
759
760
761
762
763
764
765
766
767
768
769
770
771
772
773
774
775
776
777
778
779
780
781
782
783
784
785
786
787
788
789
790
791
792
793
794
795
796
797
798
799
800
801
802
803
804
805
806
807
808
809
810
811
812
813
814
815
816
817
818
819
820
821
822
823
824
825
826
827
828
829
830
831
832
833
834
835
836
837
838
839
840
841
842
843
844
845
846
847
848
849
850
851
852
853
854
855
856
857
858
859
860
861
862
863
864
865
866
867
868
869
870
871
872
873
874
875
876
877
878
879
880
881
882
883
884
885
886
887
888
889
890
891
892
893
894
895
896
897
898
899
900
901
902
903
904
905
906
907
908
909
910
911
912
913
914
915
916
917
918
919
920
921
922
923
924
925
926
927
928
929
930
931
932
933
934
935
936
937
938
939
940
941
942
943
944
945
946
947
948
949
950
951
952
953
954
955
956
957
958
959
960
961
962
963
964
965
966
967
968
969
970
971
972
973
974
975
976
977
978
979
980
981
982
983
984
985
986
987
988
989
990
991
992
993
994
995
996
997
998
999
1000