Bernard Shaw
Der Amateursozialist
Roman
Gustav Kiepenheuer Verlag
Potsdam 1921
-Aus dem Englischen übersetzt-
von
Wilhelm Cremer
-Autorisierte Ausgabe-
Druck der Buchdruckerei Gustav Ascher G. m. b. H., Berlin SW 61
Erstes Kapitel.
In der Dämmerung eines Oktoberabends trat eine nervös aussehende Frau
von etwa vierzig Jahren durch eine Eichenholztür auf einen breiten
Flur, der sich im ersten Stockwerk eines alten englischen Landhauses
befand. Eine Haarlocke war über ihre Stirne gefallen, als ob sie
tiefgebückt beim Lesen oder Schreiben gesessen hätte, und sie stand
jetzt einen Augenblick still, um sie zurückzustreichen, und starrte
nachdenklich -- aber durchaus nicht träumerisch -- durch das hohe,
schmale Fenster. Von der Pracht des Sonnenuntergangs konnte sie nichts
sehen, denn dieses Fenster ging nach Osten zu, wo die Landschaft mit
ihren Schaftriften und Weidegründen langsam in dem trüben, grauen
Dunkel versank.
Die Dame blieb eine Zeitlang unschlüssig auf dem Flur stehen, wie
jemand, der nur selten Ruhe und Frieden genießen kann. Dann ging sie
auf eine andere Tür zu, auf der in weißen Buchstaben »Klassenzimmer
Nr. 6« geschrieben stand. An der Schwelle machte sie aber wieder
halt, da sie im oberen Stockwerk eine flüsternde Stimme hörte, und
blickte vorsichtig an dem breiten, runden Geländer hinauf, das in
einer ununterbrochenen Kurve und in gleichmäßiger Neigung durch alle
Stockwerke des Hauses lief.
Eine jugendliche Stimme, die offenbar jemand nachäffte, erscholl jetzt
von oben. »Bitte, meine Damen, wir gehen nunmehr zu den =Etudes de la
vélocité= über.«
In demselben Augenblick schoß ein Mädchen in einem Leinenkleid an dem
Geländer herunter. Sie wirbelte in furchtlosem Schwung um die Kurve und
verschwand unten in der Dunkelheit. Ein stattliches Mädchen in Grün,
das beim Abwärtsgleiten ängstlich den Atem anhielt, folgte ihr, und
dann kam eine schon fast erwachsene Dame in Schwarz, die mit den Zähnen
auf ihre Unterlippe biß und entsetzt ihre schönen braunen Augen aufriß.
Ihr Flug erregte einen Miniatursturmwind, der die Haare der Dame auf
dem Flur von neuem in Unordnung brachte. In atemloser Aufregung wartete
sie, bis ein zweimaliges leichtes Aufspringen und ein schwereres
Hinplumpsen des großen Mädchens ihr zeigten, daß die Luftschifferinnen
glücklich im Hausflur gelandet waren.
»Himmel!« rief die Stimme, die auch vorhin gesprochen hatte. »Da ist
Susanna.«
»Sie können Gott danken, daß Sie nicht den Hals gebrochen haben,«
entgegnete eine aufgeregte Stimme. »Diesmal erzähl ich es Miß Wylie!
Wirklich, ich tu es. Und Sie, Miß Carpenter: ich wundere mich, daß Sie
bei Ihrem Alter und Ihrer Größe nicht mehr Vernunft haben! Miß Wilson
muß Sie ja hören, wenn Sie so aufplumpsen. Das ganze Haus zittert.«
»Ach, Unsinn!« sagte Miß Wylie. »Die Lady Abbeß hütet sich, uns jedes
Geräusch zu verbieten. Jetzt wollen wir --«
»Mädchen,« sagte die Dame oben mit ruhiger, aber unheilvoll fester
Stimme.
Schweigen und äußerste Bestürzung folgten. Dann antwortete Miß Wylie in
honigsüßem Tone. »Riefen Sie uns, -liebe- Miß Wilson?«
»Ja. Bitte, kommen Sie alle drei herauf.«
Sie zauderten eine Weile, da jede der andern den Vortritt anbot.
Zuletzt kamen sie alle drei herauf, in derselben Reihenfolge, in der
sie heruntergeflogen waren, nur nicht in derselben Schnelligkeit. Sie
folgten Miß Wilson in das Klassenzimmer und standen in einer Reihe vor
ihr, während vom Westen her aus den drei Fenstern sie ein orangerotes
Licht überstrahlte. Miß Carpenter, die größte von den dreien, glühte
vor Verwirrung. Sie ließ die Arme herunterhängen und spielte mit den
Fingern an den Falten ihres Kleides. Miß Gertrude Lindsay, die in
blasses Seegrün gekleidet war, hatte einen kleinen Kopf, eine zarte
Figur und perlenfeine Zähne. Sie stand aufrecht da, mit dem Ausdruck
kühler Verachtung für Vorwürfe jeder Art. Das Leinenkleid der dritten
Sünderin, das in dem grauen Zwielicht des Treppenhauses gelb gewesen
war, sah jetzt im Zimmer in der warmen Abendglut weiß aus. Ihr Gesicht
hatte einen glänzenden, olivenfarbenen Ton und schien wie von einem
goldenen Flimmer überzogen. Ihre Augen und Haare waren nußbraun, und
ihre Zähne, deren obere Reihe sie offen zeigte, waren wie aus feinem
Marmor. Sie standen übrigens ziemlich nach außen und hätten ihren Mund
verunziert, wären sie nicht von einer vollen Unterlippe und einem
fein geschwungenen, etwas dreisten Kinn getragen worden. Ihrem halb
schmeichelnden und halb spöttischen Gesicht und ihrem schnellen Lächeln
konnte man nicht leicht ernst entgegentreten. Miß Wilson wußte das, und
sie wollte sie nicht ansehen, selbst als sie ein krampfhaftes Auffahren
und einen ärgerlichen Seitenblick Miß Lindsays bemerkte, die von ihrer
Nachbarin gezwickt worden war.
»Sie wissen, daß Sie die Regeln übertreten haben,« sagte Miß Wilson
ruhig.
»Es war nicht unsere Absicht. Wirklich nicht«, sagte das Mädchen in dem
Leinenkleid in schmeichelndem Tone.
»Bitte, Miß Wylie, was war denn Ihre Absicht?«
Miß Wylie nahm dies unerwarteterweise als eine witzige Entgegnung und
nicht als einen Vorwurf auf. Sie stieß einen komischen Schrei aus, der
in einen langen Ausbruch von Gelächter überging.
»Agatha, wollen Sie wohl still sein!« sagte Miß Wilson streng. Agatha
machte ein zerknirschtes Gesicht, und Miß Wilson wandte sich hastig
zu der ältesten von den dreien. »Über Sie, Miß Carpenter, bin ich am
meisten erstaunt. Sie scheinen keine Lust zu haben, mir Ihr Wort zu
halten und sich nach den Regeln zu richten, obgleich Sie alt genug
sind, um deren Notwendigkeit einzusehen. Ich werde Sie nicht mit
Vorwürfen oder Bitten belästigen, denn ich bin jetzt überzeugt, daß
Sie sich doch nichts daraus machen« -- hier brach Miß Carpenter nach
einem stummen Protest in Tränen aus -- »aber Sie sollten wenigstens die
Gefahr bedenken, in die Sie die jüngeren Mädchen durch Ihre Kinderei
bringen. Was würden Sie sagen, wenn Agatha ihr Genick gebrochen hätte?«
»Oh!« rief Agatha und faßte sich schnell mit der Hand nach ihrem Nacken.
»Ich glaubte nicht, daß eine Gefahr dabei sei,« sagte Miß Carpenter,
mit ihren Tränen kämpfend. »Agatha hat es schon so oft getan -- oh,
mein Gott, du hast mir das Kleid zerrissen!« Miß Wylie hatte ihre
Mitschülerin am Rock gezogen, und der Ruck war zu stark gewesen.
»Miß Wylie«, sagte Miß Wilson leicht errötend, »ich muß Sie bitten, das
Zimmer zu verlassen.«
»O nein,« schrie Agatha und faltete betrübt die Hände. »Bitte, tun
Sie es nicht, liebe Miß Wilson. Es tut mir so leid. Ich bitte Sie um
Verzeihung.«
»Da Sie nicht tun wollen, um was ich Sie bitte, muß ich selbst gehen,«
sagte Miß Wilson streng. »Kommen Sie mit in mein Arbeitszimmer,« fügte
sie, zu den beiden andern gewendet, hinzu. »Wenn Sie versuchen sollten,
mir zu folgen, Miß Wylie, werde ich das als eine Zudringlichkeit
ansehen.«
»Aber ich will ja gehen, wenn Sie es wünschen. Ich wollte Ihnen nicht
ungehorsam --«
»Ich werde Sie jetzt nicht stören. Kommen Sie beide!«
Die drei gingen hinaus, und Miß Wylie, die in Ungnade zurückblieb,
schnitt Miß Lindsay ein grimmiges Gesicht, als diese sich noch
einmal nach ihr umsah. Als sie allein war, ließ ihre Lebhaftigkeit
nach. Sie ging langsam zu dem Fenster und blickte verzweiflungsvoll
auf die Landschaft. Einmal, als von oben der Klang der Stimmen zu
ihr herunterdrang, leuchteten ihre Augen auf und ihre flinke Lippe
bewegte sich. Aber dann wurde es wieder still, und sie versank in eine
verdrießliche Gleichgültigkeit, bis ihre zwei Genossinnen mit sehr
ernsten Gesichtern wieder hereinkamen.
»Nun,« sagte sie plötzlich munter, »hat sie moralische Überredung
angewandt? Müßt ihr euch in das Sündenbuch eintragen?«
»Still, Agatha,« sagte Miß Carpenter. »Du solltest dich über dich
selber schämen.«
»Nein, du solltest es, du Gans. Du hast mich in eine hübsche Patsche
gebracht!«
»Du warst es selbst schuld. Du hast mein Kleid zerrissen.«
»Ja, als du mich verklatschtest, weil ich manchmal das Geländer
heruntergleite.«
»Oh!« sagte Miß Carpenter langsam, als ob sie daran noch gar nicht
gedacht hatte. »Deshalb hast du mich am Kleid gezogen?«
»Mein Gott! Das wird dir jetzt erst klar? Du bist ein schrecklich
blödsinniges Mädchen, Jane. Was hat die Lady Abbeß gesagt?«
Miß Carpenter begann wieder zu weinen und konnte nicht antworten.
»Sie ist natürlich entrüstet über uns,« sagte Miß Lindsay.
»Sie sagte, du wärest an allem schuld,« schluchzte Miß Carpenter.
»Oh, Liebste, das macht nichts,« sagte Agatha begütigend. »Schreib es
in das Sündenbuch.«
»Ich schreibe kein Wort in das Sündenbuch, wenn du es nicht zuerst
tust,« sagte Miß Lindsay ärgerlich. »Du hast mehr Schuld als wir.«
»Gewiß, Liebste,« entgegnete Agatha. »Meinetwegen eine ganze Seite.«
»Ich -- ich glaube, du schreibst -gern- in das Sündenbuch,« sagte
Miß Carpenter hämisch.
»Ja, Jane. Das ist der beste Spaß, den man hier in diesem Loch hat.«
»Es mag dir Spaß machen,« sagte Miß Lindsay scharf, »aber für mich ist
es nicht sehr rühmlich, wie Miß Wilson grade sagte, daß ich in der
Moralphilosophie einen Preis bekommen habe und dann einschreiben muß,
ich wüßte mich selbst nicht zu benehmen. Außerdem laß ich mir nicht
gerne sagen, ich sei schlecht erzogen.«
Agatha lachte. »Was für eine kluge, alte Person sie ist! Sie weiß uns
stets bei unseren kleinen Schwächen zu fassen, die sie genau kennt.
Meinst du, sie würde jemals mir oder Jane erzählen, wir wären schlecht
erzogen!«
»Ich verstehe dich nicht,« sagte Miß Lindsay stolz.
»Natürlich nicht. Du verstehst aber von der Moralphilosophie nicht
soviel wie ich, trotzdem ich niemals einen Preis darin bekam.«
»Du hast überhaupt noch keinen Preis bekommen,« sagte Miß Carpenter.
»Und hoffentlich bekomm ich auch in Zukunft keinen,« sagte Agatha.
»Lieber würde ich mich wie die Straßenjungens im Schnee um
heißgemachte Pfennige herumbalgen, als mich darum streiten, wer die
meisten Fragen beantworten kann. Ich habe genug Moralphilosophie an
Doktor Watts. Aber jetzt wollen wir uns das Sündenbuch holen.«
Sie ging an ein Gestell und holte ein schweres, in schwarzes Leder
gebundenes Buch in Quartformat herunter, auf dem in roten Buchstaben
die Inschrift -Meine Vergehen- stand. Sie warf es unehrerbietig auf ein
Pult und blätterte die Seiten um, bis sie an eine kam, die erst zum
Teil mit Bekenntnissen ausgefüllt war.
»Merkwürdig,« sagte sie, »hier sind ja zwei Eintragungen, die nicht von
mir herstammen. Sarah Gerram! Was hat sie gebeichtet?«
»Lies es nicht,« sagte Miß Lindsay schnell. »Du weißt, das ist das
Schändlichste, was eine von uns tun kann.«
»Puh! Wegen unserer kleinen Sünden braucht man nicht solches Geschrei
zu machen. Ich habe es immer gern, wenn andere meine Eintragungen
lesen, ich komme mir dann wie eine Schriftstellerin vor. Natürlich
lese ich dann aus christlicher Nächstenliebe auch das von den andern.
Also das Schuldbekenntnis der armen Sarah. >1. Oktober. Es tut mir
sehr leid, daß ich heute morgen im Badezimmer Miß Chambers einen Klaps
gab und ihr dabei einen Zahn ausschlug. Es war sehr häßlich, aber er
fiel schon von selbst aus, und sie hat mir verziehen, weil ein neuer
kommt. Sie hat auch nur geschwindelt, als sie sagte, sie hätte ihn
heruntergeschluckt. Sarah Gerram.<«
»So ein Schaf!« sagte Miß Lindsay. »Und mit solchen kleinen Kindern
muß man sich in dasselbe Buch einschreiben!«
»Hier ist ein rührendes Bekenntnis. >4. Oktober. Helen Plantagenet tut
es sehr leid, daß sie gestehen muß, sie hat den ersten Platz in Algebra
gestern mit Unrecht erhalten. Miß Lindsay sagte mir vor, und --<«
»Oh!« rief Miß Lindsay errötend aus. »So dankt sie mir für das
Vorsagen? Wie darf sie -meine- Vergehen in das Sündenbuch eintragen?«
»Das geschieht dir recht, weil du ihr vorgesagt hast,« sagte
Miß Carpenter. »Sie war immer eine falsche Katze, und du hättest sie
besser kennen sollen.«
»Oh, du kannst mir glauben, ich tat es nicht um ihretwillen,«
entgegnete Miß Lindsay. »Ich wollte nur verhindern, daß das
Jackson-Mädchen den ersten Platz bekam. Helen Plantagenet kann ich
nicht ausstehen, aber sie ist wenigstens eine Dame.«
»Unsinn, Gertrude,« sagte Agatha mit etwas Ernst in ihrer Stimme. »Wenn
man dich hört, glaubt man, deine Großmutter ist eine Köchin gewesen.
Sei doch nicht so albern.«
»Miß Wylie,« sagte Gertrude heftig errötend, »Sie sind sehr -- oh!
oh! Halt Ag-- oh! Ich werde es Miß W-- oh!« Agatha hatte einen Finger
zwischen ihre Rippen gesteckt und kitzelte sie unerträglich.
»Sst,« flüsterte Miß Carpenter ängstlich. »Die Tür ist offen.«
»Bin ich Miß Wylie?« fragte Agatha, indem sie unbarmherzig mit ihrer
Folterung fortfuhr. »Bin ich wirklich -- was du da sagen wolltest? Bin
ich --? bin ich --? bin ich?«
»Nein, nein,« keuchte Gertrude und sank fast in Krämpfen in einen
Stuhl. »Du bist sehr böse, Agatha. Du hast mir weh getan.«
»Du verdienst es. Wenn du mir noch einmal zürnst oder mich Miß Wylie
nennst, werde ich dich -töten-. Ich werde dir die Fußsohlen mit einer
Feder kitzeln« -- Miß Lindsay schüttelte sich und verbarg ihre Füße
unter dem Stuhl -- »bis deine Haare weiß werden. Und jetzt, wenn du
wirklich solche Reue fühlst, schreibe dich in das Buch ein.«
»Du mußt es zuerst tun. Du warst an allem schuld.«
»Aber ich bin die jüngste,« sagte Agatha.
»Nun gut,« sagte Gertrude in dem Bestreben, die Sache zu beschleunigen,
aber entschlossen, nicht zuerst zu schreiben, »dann laß Jane Carpenter
beginnen. Sie ist die älteste.«
»Oh, natürlich,« sagte Jane mit kläglicher Ironie. »Laß Jane alle
häßlichen Sachen zuerst tun. Ich halte das für sehr unfreundlich. Ihr
bildet euch ein, Jane sei euer Narr, aber ihr irrt euch.«
»Du bist sicher nicht so närrisch, wie du aussiehst, Jane,« sagte
Agatha ernst. »Aber wenn ihr wollt, will ich zuerst schreiben.«
»Nein, du sollst nicht,« schrie Jane und riß ihr die Feder aus den
Händen. »Ich bin die älteste, und ich laß mich nicht von meinem Platz
verdrängen.«
Sie tauchte entschlossen die Feder in die Tinte und schickte sich an,
zu schreiben. Dann hielt sie inne, überlegte und machte ein verwirrtes
Gesicht. Schließlich wandte sie sich flehend an Agatha.
»Was soll ich schreiben?« fragte sie. »Du verstehst dich auszudrücken,
ich nicht.«
»Setz zuerst das Datum,« sagte Agatha.
»Natürlich,« sagte Jane, indem sie es schnell schrieb. »Ich vergaß das.
Und dann?«
»Jetzt schreibe: Es tut mir leid, daß mich Miß Wilson sah, als ich
heute abend das Geländer hinunterglitt. Jane Carpenter.«
»Das ist alles?«
»Das ist alles. Oder du kannst auch noch etwas Selbsterfundenes
hinzufügen.«
»Hoffentlich ist es nicht unpassend,« sagte Jane und warf Agatha einen
mißtrauischen Blick zu. »Doch es kann nichts Schlimmes dabei sein, denn
es ist die einfache Wahrheit. Wenn du mir aber wieder einen Streich
spielst, bist du ein häßliches, gemeines Geschöpf, und ich sehe dich
nicht mehr an. Jetzt kommst du an die Reihe, Gertrude. Bitte, sieh mal
nach, ob ich keinen Fehler gemacht habe.«
»Ich bin nicht dein Orthographielehrer,« sagte Gertrude, indem
sie die Feder in die Hand nahm. Und während Jane etwas über ihre
Ungeschliffenheit murmelte, schrieb sie in flotten, großen Buchstaben:
»Ich habe die Regeln übertreten, indem ich heute mit Miß Carpenter und
Miß Wylie das Geländer herunterglitt. Miß Wylie tat es zuerst.«
»Du Schuft!« rief Agatha aus, die ihr über die Schultern sah. »Und
-dein- Vater ist ein Admiral!«
»Ich glaube, es ist ganz aufrichtig,« sagte Miß Lindsay
eingeschüchtert, aber doch in dem Ton eines Sittenrichters. »Es ist die
reine Wahrheit.«
»All mein Vermögen ist im Handel erworben,« sagte Agatha, »aber ich
würde mich doch vor mir selber schämen, wenn ich meine Schuld auf deine
aristokratischen Schultern abwälzte. Du armseliges Ding! Hier, gib mir
die Feder.«
»Ich will es ausstreichen, wenn du es wünschst! Aber ich glaube --«
»Nein, es soll da stehen bleiben und gegen dich zeugen. Jetzt paß
auf, wie ich meine Sünden bekenne.« Und sie schrieb in einer feinen,
flinken Handschrift: »Heute abend trafen mich Gertrude Lindsay und
Jane Carpenter oben auf der Treppe. Sie sagten, sie möchten gerne das
Geländer heruntergleiten, und würden es auch tun, wenn ich voranginge.
Ich sagte ihnen, es sei gegen die Regeln, aber sie meinten, das
machte nichts. Und da sie älter sind als ich, ließ ich mich von ihnen
verleiten und glitt hinunter.« Agatha legte das Buch offen hin. »Nun,
was haltet ihr davon?« fragte sie.
Sie lasen es und erhoben lauten Widerspruch.
»Es ist die reine Wahrheit,« sagte Agatha feierlich.
»Es ist schmutzig, gemein,« sagte Jane energisch. »Erst wirfst du
Gertrude ihren Fehler vor und dann gehst du hin und handelst selbst
zweimal so schlecht! So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht
gesehen.«
»Ja, wer Wind sät, wird Sturm ernten! heißt es in unserm Lesebuch,«
sagte Agatha und fügte ihrer Beichte noch einen weiteren Abschnitt
hinzu. »Aber ich war an allem schuld. Ich war auch ungezogen gegen Miß
Wilson und weigerte mich, das Zimmer zu verlassen, als sie es mir
befahl. Ich war aber nur beim Hinabgleiten mit Vorsatz böse. Ich liebe
das Hinabgleiten so sehr, daß ich der Versuchung nicht widerstehen
konnte.«
»Laß dich warnen, Agatha,« sagte Jane eindrücklich. »Wenn du
unverschämte Bemerkungen in das Buch schreibst, wirst du weggejagt.«
»Allerdings!« entgegnete Agatha bedeutsam. »Warte nur, bis Miß Wilson
sieht, was -du- geschrieben hast.«
»Gertrude,« schrie Jane in plötzlicher Besorgnis, »hat sie mich
verleitet, etwas Ungehöriges zu schreiben? Agatha, -bitte-, sag es mir,
wenn --«
Eine Glocke ertönte. Die drei Mädchen riefen wie aus einem Munde
»Futtern!« und stürmten aus dem Zimmer.
Zweites Kapitel.
An einem sonnigen Nachmittag trieb ein Hansom mit großer Schnelligkeit
die Belsize Avenue, St. Johns Wood, hinunter und hielt vor einem
großen, vornehmen Hause. Eine junge Dame sprang heraus, rannte die
Stufen hinauf und klingelte ungeduldig. Sie hatte einen bräunlichen
Teint und scharfgeschnittene Gesichtszüge, dunkle Augen mit langen
Wimpern, einen feinen Kopf, kleine Füße, Hände mit langen, spitzen
Fingern und einen geschmeidigen und sehr schlanken Körper, der sich
mit schlangenartiger Anmut bewegte. Ein orientalischer Geschmack
schien die Farben ihrer Kleidung zusammengestellt zu haben. Sie trug
ein weißes, eng anschließendes Kleid, das mit kunstvollen chinablauen
Mustern bedruckt war, ferner einen gelben Strohhut, der mit künstlichem
Weißdorn und roten Beeren bedeckt war. Die lohgelben Handschuhe
reichten bis an die Ellbogen und waren mit einer Überfülle von goldenen
Armbändern behangen.
Da die Türe nicht sofort geöffnet wurde, klingelte sie in heftiger
Weise noch einmal und wurde gleich darauf von einem Mädchen
hereingelassen, das erstaunt schien, sie zu sehen. Ohne sich mit
einer Frage aufzuhalten, stürzte sie die Treppen hinauf in das
Gesellschaftszimmer, wo eine gesundaussehende Matrone, deren Züge den
feinsten jüdischen Typus zeigten, beim Lesen saß. Ein hübscher Knabe in
schwarzem Samtanzug war noch im Zimmer.
»Mama,« rief er, »da ist Henrietta!«
»Arthur,« sagte die junge Dame erregt, »geh sofort hinaus. Und du
brauchst nicht wiederzukommen, bis du Erlaubnis bekommst.«
Die gute Laune des Knaben verschwand, und er ging mürrisch hinaus, ohne
ein Wort zu sprechen.
»Ist etwas passiert?« fragte die Matrone und legte das Buch hin mit der
sorglosen Gleichgültigkeit eines erfahrenen Menschen, der einen Sturm
in einem Wasserglase voraussieht. »Wo ist Sidney?«
»Fort ist er -- fort! Er hat mich verlassen! Ich --« Der jungen Dame
versagten plötzlich die Worte, und sie ließ sich mit leidenschaftlichem
Schluchzen auf eine Ottomane hinsinken.
»Unsinn! Ich glaubte, Sidney hätte mehr Vernunft. Henrietta, sei nicht
so töricht. Ihr habt euch natürlich gezankt.«
»Nein! Nein!! Nein!!!« schrie Henrietta und stampfte auf den Teppich.
»Nicht ein Wort haben wir uns gesagt. Seit meiner Verheiratung habe ich
nicht ein einziges Mal meine gute Laune verloren -- ich schwör es dir
feierlich. Ich werde Selbstmord begehen, es gibt keinen andern Weg. Auf
mir liegt ein Fluch. Ich bin bestimmt, unglücklich zu sein. Er --«
»Schweig still! Was ist denn geschehen, Henrietta? Du bist doch
jetzt schon sechs Wochen verheiratet und darfst dich nicht wundern,
wenn einmal ein kleiner Zwist ausbricht. Du bist so leicht erregbar!
Du kannst aber nicht erwarten, daß der Himmel immer wolkenlos ist.
Wahrscheinlich trägst du die Schuld, denn Sidney ist viel vernünftiger
als du. Hör mit Weinen auf und benimm dich wie eine verständige Frau.
Ich werde selbst zu Sidney hingehen und alles wieder in Ordnung
bringen.«
»Aber er ist fortgegangen, und ich weiß gar nicht, wohin. Oh, was soll
ich tun?«
»Was ist denn geschehen?«
Henrietta machte eine ungeduldige Bewegung. Dann zwang sie sich dazu,
ihre Geschichte zu erzählen, und sagte: »Wir verabredeten am Montag,
ich sollte auf zwei Tage zu Tante Judith auf Besuch gehen, anstatt
ihn nach Birmingham auf diesen schrecklichen Gewerkschaftskongreß
zu begleiten. Wir schieden im besten Einvernehmen voneinander. Er
konnte nicht herzlicher sein. Aber ich gehe in den Tod, mir ist jetzt
alles gleich. Und als ich Mittwoch zurückkam, da war er fort, und
dieser Brief --« Sie zog einen Brief aus der Tasche und weinte noch
bitterlicher als vorher.
»Laß mich ihn lesen.«
Henrietta zauderte, aber ihre Mutter nahm ihr den Brief ab, setzte
sich nahe ans Fenster und begann ihn zu lesen, ohne den heftigen
Schmerz ihrer Tochter im geringsten zu beachten. Der Brief lautete
folgendermaßen:
Montag abend.
Meine einzig Geliebte,
ich bin fortgegangen, übersättigt von Liebe, und will mein eigenes
Leben leben und meine eigene Arbeit tun. Ich hätte Dich auf diese
Absicht nur durch Kälte oder Vernachlässigung vorbereiten können.
Aber das war mir unmöglich, solange der Zauber Deiner Anwesenheit auf
mich wirkte. Darum mußte ich fliehen, um mich selbst zu retten.
Ich fürchte, ich kann Dir für meinen Schritt keine genügenden und
verständlichen Gründe angeben. Du bist ein schönes und kostbares
Geschöpf, das Leben gibt Dir nur dann volle Befriedigung, wenn es
ein Karneval der Liebe ist. Mein Fall liegt grade umgekehrt. Bevor
mir drei zärtliche Worte entschlüpft sind, mache ich mir schon
Vorwürfe wegen meiner Torheit und Unaufrichtigkeit. Bevor eine
Liebkosung erkalten kann, regt sich schon in mir in stärkster Weise
das entgegengesetzte Gefühl. Ich muß wieder zu meinem alten, einsam
strengen Einsiedlerleben zurückkehren, zu meinen trocknen Büchern,
meiner Agitation für den Sozialismus, meinen Entdeckungsreisen durch
die Wildnis des Gedankens. Ich heiratete Dich in dem unsinnigen
Glauben, ich hätte auch jene natürliche Zuneigung, die andere Männer
eine lebenslange Ehe ertragen läßt. Aber ich habe meinen Irrtum
eingesehen. Du bist für mich die lieblichste Frau von der Welt. Nun
habe ich fünf Wochen lang mit der lieblichsten Frau von der Welt
zusammengelebt, ich habe mit ihr geplaudert und gescherzt, und das
Ende ist, daß ich von ihr fliehe und in eine Einsiedelei gehe, bis
ich sterbe. Die Liebe kann mich nicht beherrschen. Alles, was stark
ist in mir, lehnt sich gegen sie auf und schüttelt sie ab. Vergib
mir, daß ich Dir Unsinn schreibe, den Du nicht verstehst, und urteile
nicht zu hart über mich. Ich war gegen Dich so gut, wie ich es mit
meinem selbstsüchtigen Wesen sein konnte. Suche mich nicht aus meiner
Verborgenheit aufzustören, in der ich bleiben will und bleiben muß.
Mein Anwalt wird Deinem Vater schreiben und alle geschäftlichen
Angelegenheiten in Ordnung bringen. Du sollst so glücklich sein, wie
Wohlstand und Freiheit Dich machen können. Wir werden uns wiedersehen
-- später einmal.
Leb wohl, meine letzte Liebe.
Sidney Trefusis.
»Nun?« fragte Mrs. Trefusis, die durch ihre Trauen bemerkte, daß ihre
Mutter den Brief gelesen hatte und voll Verwirrung nachdachte.
»Wahrhaftig!« sagte Mrs. Jansenius mit erregter Stimme. »Glaubst
du, daß er ganz richtig im Kopf ist, Henrietta? Oder hast du zuviel
Aufmerksamkeit von ihm verlangt. Die Männer widmen nicht gerne ihr
ganzes Wesen ihren Frauen, selbst in den Flitterwochen nicht.«
»Er sagte, er sei nur in meiner Nähe glücklich,« schluchzte Henrietta.
»Noch nie hat es so etwas Grausames gegeben. Ich habe oft selbst nach
einer Veränderung verlangt, aber ich fürchtete, seine Gefühle zu
verletzen, wenn ich es sagte. Und jetzt hat er gar keine Gefühle. Aber
er -muß- zu mir zurückkommen. Nicht wahr, Mama?«
»Natürlich müßte er. Hoffentlich ist er nicht mit einer andern
davongelaufen?«
Henrietta sprang auf, und ihre Wangen wurden rot. »Wenn ich das dächte,
ich würde ihn bis an das Ende der Welt verfolgen und sie ermorden. Aber
nein, er ist nicht wie die andern. Er haßt mich. Alle hassen sie mich.
Du machst dir auch nichts daraus, ob ich verlassen bin oder nicht, und
Papa nicht und niemand hier im Hause.«
Mrs. Jansenius blieb noch immer gleichgültig bei der Aufregung ihrer
Tochter. Sie überlegte einen Augenblick und sagte dann friedlich:
»Du kannst nichts tun, bis wir Nachricht von dem Anwalt bekommen.
Inzwischen kannst du hier bei uns wohnen, wenn du es willst. Ich habe
nicht erwartet, daß du mich sobald besuchen würdest, aber dein Zimmer
ist, seit du fortgegangen, noch nicht benutzt worden.«
Mrs. Trefusis hörte auf zu weinen. Diese erste Andeutung, daß ihres
Vaters Haus nicht mehr das ihrige sei, kühlte sie ab. Ein wirkliches
Gefühl von Verlassenheit kam über sie. Unter seinem kalten Einfluß
gewann sie ihre Fassung wieder, und ihr Stolz legte sich wie eine
Schranke zwischen sie und ihre Mutter.
»Ich will nicht lange hierbleiben,« sagte sie. »Wenn sein Anwalt
mir nicht sagen will, wo er ist, werde ich ganz England nach ihm
durchstöbern. Es tut mir leid, daß ich euch hier Störung mache.«
»Oh, du wirst uns keine größere Störung machen, als du es immer getan
hast,« sagte Mrs. Jansenius ruhig und war befriedigt, weil ihre Tochter
den Wink verstanden hatte. »Du gehst jetzt am besten hinauf und wäschst
dein Gesicht. Es kann Besuch kommen, und du willst doch die Leute nicht
in dem Zustand empfangen. Wenn du Arthur auf der Treppe siehst, sag
ihm, bitte, er solle hereinkommen.«
Henrietta verzog boshaft ihre Lippen und verließ das Zimmer. Dann kam
Arthur herein und stellte sich in mürrischem Schweigen an das Fenster,
indem er darüber brütete, warum er wohl vorhin aus dem Zimmer verjagt
war. Plötzlich rief er: »Da kommt Papa, und es ist noch nicht fünf
Uhr!«, worauf ihn seine Mutter zum zweiten Male hinausschickte.
Mr. Jansenius war ein Mann von würdigem Aussehen. Er war noch keine
fünfzig Jahre alt, aber auch nicht weit davon ab. Er bewegte sich
mit abgemessener Ruhe und machte ein Gesicht, als ob hinter seinen
wulstigen Brauen kostbare Gedanken verborgen lägen. Seine schöne
Adlernase und die scharfen, dunklen Augen verrieten seine jüdische
Abstammung, deren er sich übrigens schämte. Die Leute, die das nicht
wußten, glaubten natürlich, er sei stolz darauf, und begriffen nicht,
warum er seine Kinder als Christen erziehen ließ. Er war wohlerfahren
in Geschäftsangelegenheiten und hatte außer seiner Liebe zur Familie,
seinem Streben nach Ansehen, Behaglichkeit und Wohlhabenheit keine
Leidenschaften. So hatte er nicht nur das ererbte väterliche Vermögen
bewahrt, sondern es auch beträchtlich vergrößert. Er war Bankier
und stand auf dem Standpunkt, die unendlichen Ersparnisse, die das
Banksystem mit sich führt, soviel wie möglich aufzufangen und in seine
Tasche zu stecken und im übrigen die Welt grade so hart arbeiten
zu lassen, wie sie es tat, bevor das Banksystem eingeführt war.
Da aber die Welt unter solcher Bedingung überhaupt nicht zur Bank
gegangen wäre, so gab er ihr, um sie anzulocken, ein wenig von diesen
Ersparnissen ab. So hatten die Leute ihren kleinen Vorteil und er seine
Genugtuung, daß er zugleich ein wohlhabender Staatsbürger und ein
öffentlicher Wohltäter war, schwer an Geld und leicht im Gewissen.
Er trat schnell in das Zimmer, und seine Frau sah, daß ihn etwas erregt
hatte.
»Weißt du, was geschehen ist, Ruth?« fragte er.
»Ja, sie ist oben.«
Mr. Jansenius starrte sie an. »Was, sie ist schon fortgegangen?« fragte
er. »Welche Veranlassung hat sie, hierher zu kommen?«
»Das ist doch ganz natürlich. Wo sollte sie sonst hingehen?«
Mr. Jansenius, der nie seiner eigenen Ansicht traute, wenn sie von der
seiner Frau abwich, entgegnete langsam: »Warum ging sie nicht zu ihrer
Mutter?«
Mrs. Jansenius war diesmal daran, erstaunt zu werden. Sie sah ihn mit
kühler Verwunderung an und bemerkte: »Ich bin doch ihre Mutter, oder
nicht?«
»Ich wußte das nicht. Ich bin erstaunt, es zu hören, Ruth. Hast du auch
einen Brief bekommen?«
»Ich habe den Brief gelesen. Aber was wolltest du damit sagen, du
wüßtest nicht, daß ich Henriettas Mutter sei? Du willst wohl Witze
machen?«
»Henrietta! Ist -sie- hier? Ist das -noch- ein Ärger?«
»Ich weiß es nicht. Wovon sprichst du eigentlich?«
»Ich spreche von Agatha Wylie.«
»Oh, und ich sprach von Henrietta.«
»Was ist denn mit Henrietta los?«
»Was ist mit Agatha Wylie los?«
Jetzt geriet Mr. Jansenius in Zorn, und sie hielt es für das beste, ihm
Henriettas Bericht mitzuteilen. Als sie ihm Trefusis Brief gab, sagte
er etwas ruhiger: »Ein Unglück kommt nie allein. Lies das,« und gab ihr
einen andern Brief, so daß sie beide zu gleicher Zeit zu lesen begannen.
Mrs. Jansenius las folgendes:
An Mrs. Wylie,
Acacia Lodge, Chiswick.
Alton College, Lyvern.
Sehr geehrte, gnädige Frau,
zu meinem großen Bedauern muß ich Sie bitten, sofort Miß Wylie von
Alton College zurückzuholen. In einem Institut wie dem meinigen,
in dem die Schülerinnen so wenig wie möglich in ihrer Freiheit
beschränkt sind, ist es notwendig, daß alle sich ohne Klagen und
Widerstreben den wenigen unentbehrlichen Vorschriften fügen.
Miß Wylie hat sich diesen Bedingungen nicht unterworfen. Sie erklärt,
daß sie fortgehen will, und maßt sich ein Benehmen gegen mich und
meine Kolleginnen an, das wir in Rücksicht auf uns selbst und auf
ihre Mitschülerinnen nicht so hinnehmen können. Sollte Miß Wylie
irgendeinen Grund haben, sich über ihre Behandlung oder über den
Schritt, zu dem sie uns gezwungen hat, zu beklagen, so wird sie Ihnen
das sicher mitteilen.
Vielleicht sind Sie so freundlich und setzen sich mit Miß Wylies
Vormund, Mr. Jansenius, ins Einvernehmen. Ich werde dann mit ihm ein
Abkommen treffen, da Sie ja das Schulgeld für das laufende Jahr schon
bezahlt haben.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Maria Wilson.
»Das ist ja eine hübsche, junge Dame!« sagte Mrs. Jansenius.
»Das verstehe ich nicht,« sagte Mr. Jansenius, der einen roten Kopf
bekommen hatte, als er den Brief seines Schwiegersohnes las. »Ich kann
das nicht fassen. Was bedeutet das, Ruth?«
»Ich weiß es auch nicht. Sidney ist wahrscheinlich verrückt, die
Flitterwochen haben die Krankheit zum Ausbruch gebracht. Aber du darfst
nicht dulden, daß er mir Henrietta wieder auf den Hals lädt.«
»Verrückt! Glaubt er vielleicht, er könnte sich seinen Pflichten gegen
seine Frau entziehen, weil sie meine Tochter ist? Glaubt er, weil sein
Großvater von mütterlicher Seite ein Baron war, er könnte Henrietta
an die Seite werfen, sobald er ihrer Gesellschaft überdrüssig geworden
ist?«
»Oh, das ist es nicht. An uns hat er gar nicht gedacht.«
»Aber ich werde dafür sorgen, daß er an uns denkt,« schrie
Mr. Jansenius mit lauter, aufgeregter Stimme. »Er soll mir Genugtuung
geben.«
Grade jetzt trat Henrietta wieder ins Zimmer und sah ihren Vater wütend
auf und ab gehen und mehrmals wiederholen: »Er soll mir Genugtuung
dafür geben.«
Mrs. Jansenius winkte ihrer Tochter, daß sie ruhig bleiben sollte, und
sagte begütigend: »Rege dich nicht auf, John.«
»Aber ich will mich aufregen. Verdammter Hund! Verfluchter Schurke!«
»Das ist er nicht!« schluchzte Henrietta, indem sie sich hinsetzte und
nach ihrem Taschentuch griff.
»Laß das nun endlich sein!« sagte Mrs. Jansenius scharf. »Du hast genug
geweint, ich will nichts mehr davon hören.«
Henrietta sprang leidenschaftlich auf. »Ich sage und tue, was ich
will,« schrie sie. »Ich bin eine verheiratete Frau und lasse mir
nichts befehlen. Und ich will meinen Mann wieder haben, und wenn er
sich wer weiß wo versteckt. Papa, kannst du ihn nicht veranlassen,
zurückzukehren? Ich sterbe sonst. Versprich mir, daß du ihn
zurückbringst.«
Dann warf sie sich ihrem Vater an die Brust und verhinderte jede
weitere Auseinandersetzung, indem sie in einen Weinkrampf verfiel und
das Haus durch ihr Geschrei in Aufruhr brachte.
Drittes Kapitel.
Eine der Lehrerinnen in Alton College war eine Mrs. Miller, eine
altmodische Schulmeisterin, die nicht an Miß Wilsons System, die
Mädchen durch moralische Überredung zu erziehen, glaubte und sich
nur unter Protest danach richtete. Sie war zwar nicht bösartig, aber
doch engherzig genug, um manchmal kleinlich zu handeln, und sie hatte
alle Welt im Verdacht, sie gering zu schätzen. Besonders glaubte sie
das von Agatha und behandelte sie, wenn sie mit ihr zu tun hatte,
was glücklicherweise selten war, mit verächtlicher Höflichkeit.
Agatha fühlte sich dadurch nicht verletzt, denn Mrs. Miller war eine
unsympathische Frau, die unter den Mädchen wenig Freundinnen hatte
und alle ihre Herzensgefühle auf einen großen Kater namens Gracchus
übertrug, den man meistens Bacchus nannte, indem man die harten
Anfangsbuchstaben milderte.
Eines Nachmittags saß Mrs. Miller mit Miß Wilson im Arbeitszimmer
und korrigierte einige Prüfungsarbeiten. Plötzlich hörte sie einen
entfernten Schrei, der wie das Klagen einer Katze klang. Sie eilte
an die Türe und lauschte. Gleich darauf erhob sich ein langgezogener
Klagelaut, der durch zwei Oktaven hinaufging und dann langsam wieder
abnahm. Es war wirklich das Schreien einer Katze, obgleich sie nicht
bestimmen konnte, woher es kam. Aber jetzt folgte ein Kreischen und
Fauchen, ein wütendes Spucken und Raufen, das ohne Zweifel aus einem
Zimmer im unteren Stockwerk herausdrang, in welchem die älteren Mädchen
zu studieren pflegten.
»Mein armer Gracchus!« rief Mrs. Miller und lief so schnell die Treppe
hinunter, wie sie konnte. Sie fand das Zimmer ungewöhnlich still.
Jedes Mädchen war in das Lernen vertieft, nur Miß Carpenter, die so
tat, als ob sie ein hingefallenes Buch aufhebe, saß da keuchend vor
unterdrücktem Lachen, und alles Blut war ihr durch das Bücken in den
Kopf gestiegen.
»Wo ist Miß Ward?« fragte Mrs. Miller.
»Miß Ward holt einige astronomische Zeichnungen, die wir brauchen,«
sagte Agatha mit ernstem Blick. Grade jetzt kam Miß Ward mit den
Zeichnungen in der Hand zurück.
»Ist dieser Kater hier gewesen?« fragte sie, ohne Mrs. Miller zu
bemerken, und in ihrem Ton lag ein starker Widerwillen gegen Gracchus.
Agatha fuhr auf und zog ihre Füße an sich, als fürchtete sie gebissen
zu werden. Sie schaute aufmerksam unter das Pult und sagte dann: »Es
ist kein Kater hier, Miß Ward.«
»Er muß aber irgendwo stecken, ich habe ihn gehört,« sagte Miß Ward
gleichgültig, indem sie ihre Zeichnungen aufrollte und sie ohne
weiteres zu erklären begann.
Mrs. Miller, die um ihren Liebling besorgt war, beeilte sich, ihn
anderswo zu suchen. Im Flur traf sie eins von den Hausmädchen.
»Susanna,« sagte sie, »haben Sie Gracchus gesehen?«
»Er schläft vor dem Kamin in Ihrem Zimmer, Madame.«
»Aber ich hörte ihn doch vorhin hier unten schreien. Es ist sicher eine
andere Katze eingedrungen, und sie haben sich gebissen.«
Susanna lächelte mitleidig. »Aber, Madame,« sagte sie, »das war
doch Miß Wylie. Sie spielt nur Theater. Sie macht die Biene an der
Fensterscheibe, den Soldat im Kamin, die Katze unter dem Küchentisch.
Alles ist so natürlich wie in der Wirklichkeit.«
»Den Soldat im Kamin!« wiederholte Mrs. Miller entsetzt.
»Ja, Madame. Wie ein Liebhaber, der sich im Kamin verbirgt, weil er die
Hausfrau kommen hört.«
Mrs. Millers Gesicht bekam einen entschlossenen Zug. Sie kehrte in das
Arbeitszimmer zurück und berichtete, was grade geschehen war. Dabei
machte sie einige spöttische Bemerkungen darüber, wie großartig die
moralische Überredung die Disziplin in der Anstalt fördere. Miß Wilson
machte ein ernstes Gesicht, überlegte eine Zeitlang und sagte
schließlich: »Ich muß darüber nachdenken. Wollen Sie für den Augenblick
die Sache in meine Hände legen?«
Mrs. Miller antwortete, es sei ihr gleichgültig, in wessen Händen sie
bliebe, vorausgesetzt, daß sie selbst damit nicht mehr behelligt würde,
und nahm ihre Korrekturarbeit wieder auf. Miß Wilson, die allein sein
wollte, ging in das leere Klassenzimmer auf der andern Seite des Flurs.
Sie nahm das Sündenbuch von dem Gestell und legte es vor sich hin.
Seine Bekenntnisse schlossen mit einem Absatz in Agathas Handschrift.
»Miß Wilson nannte mich unverschämt und schrieb meinem Onkel, ich
gehorchte nicht den Vorschriften. Aber ich war nicht unverschämt, und
ich habe mich niemals geweigert, den Vorschriften zu gehorchen. Das
nennt man moralische Überredung!«
Miß Wilson erhob sich zornig und rief: »Sie soll erfahren, ob --«
Sie stockte plötzlich und sah sich schnell um. Es überkam sie die
schreckliche Idee, Agatha könnte sich unbemerkt in das Zimmer
eingeschlichen haben. Nachdem sie sich überzeugt hatte, daß sie
allein war, prüfte sie ihr Gewissen, ob sie nicht doch Unrecht getan
hätte, als sie Agatha unverschämt nannte, und kam zu dem beruhigenden
Beschluß, Agatha sei in der Tat unverschämt gewesen. Aber sie erinnerte
sich auch, daß sie vor kurzem Jane Carpenter, die eine Mitschülerin
eine Lügnerin genannt hatte, es nicht gestattet hatte, sich auf gleiche
Weise zu rechtfertigen. War sie nun damals ungerecht gegen Jane gewesen
oder jetzt rücksichtslos gegen Agatha?
Ihre Kasuistik wurde durch jemand unterbrochen, der leise eine Stelle
aus der Ouvertüre des >Masaniello< pfiff, die in dem Pensionat beliebt
war, weil man sie auf sechs Klavieren zwölfhändig spielen konnte. Nun
gab es nur eine Schülerin, die unweiblich und musikalisch genug war, zu
pfeifen, und Miß Wilson schämte sich, weil sie bei der Aussicht, mit
Agatha zusammenzutreffen, nervös wurde. Agatha kam in trüber Stimmung
und noch immer pfeifend herein. Als sie sah, in wessen Gegenwart sie
sich befand, bat sie höflich um Verzeihung und wollte sich gerade
wieder entfernen, als Miß Wilson, indem sie alle ihre Autorität
und Sicherheit zusammennahm und hoffte, sie würde ihre anfängliche
Verlegenheit schon überwinden, sagte:
»Agatha, kommen Sie einmal her. Ich möchte mit Ihnen sprechen.«
Agatha preßte ihre Lippen zusammen, atmete tief durch die Nasenflügel
ein und trat bis auf einen Schritt an Miß Wilson heran, wo sie mit
gefalteten Händen stehen blieb.
»Setzen Sie sich.«
Agatha setzte sich mit einer einzigen Bewegung hin, wie eine Puppe.
»Ich verstehe das nicht, Agatha,« sagte sie, indem sie auf die
Eintragung im Sündenbuch hinwies. »Was meinen Sie damit?«
»Ich werde ungerecht behandelt,« sagte Agatha mit Anzeichen beginnender
Erregung.
»In welcher Weise?«
»In -jeder- Weise. Man erwartet von mir, daß ich etwas mehr bin als
andere Sterbliche. Jeder darf sich beklagen und schwach und töricht
sein. Aber ich soll keine Gefühle haben. Ich muß immer in richtiger
Verfassung sein. Alle andern können Heimweh haben, zornig werden oder
niedergeschlagen sein. Ich darf keine Nerven haben und muß die andern
den ganzen Tag am Lachen halten. Alle dürfen mürrisch werden, wenn man
ein Wort des Vorwurfs an sie richtet, so daß die Lehrerinnen Angst
haben, sie zu tadeln. Ich muß die Beschimpfung meiner Lehrerinnen
ertragen, obgleich sie weniger Selbstbeherrschung haben als ich, ein
Mädchen von siebzehn Jahren, und ich muß ihnen schmeicheln, bis ihre
schlechte Laune, in die sie sich selbst gebracht haben, verschwunden
ist.«
»Aber, Agatha --«
»Oh, ich weiß, ich rede Unsinn, Miß Wilson, aber können Sie von mir
erwarten, daß ich immer vernünftig -- daß ich unfehlbar bin?«
»Ja, Agatha, ich glaube, es ist nicht zu viel von Ihnen verlangt, immer
vernünftig zu sein und --«
»Dann haben Sie selbst weder Vernunft noch Gefühl,« sagte Agatha.
Es entstand eine peinliche Pause. Sie wußten beide nicht, wie lange sie
dauerte. Agatha fühlte, sie müßte etwas Verzweifeltes tun oder sagen,
oder sie müßte fliehen. Sie machte eine verstörte Bewegung und rannte
aus dem Zimmer.
Sie traf ihre Kolleginnen in dem großen Saal des Hauses, in dem sie
sich nach ihren Schulstunden zur >Erholung< versammelten. Diese
Erholung war ein sehr geräuschvoller Vorgang, der stets sofort
begann, wenn die Lehrerinnen gegangen waren. Agatha saß gewöhnlich
mit ihren zwei besten Freundinnen auf einer hohen Fensterbank nahe am
Herd. Diesen Platz hatte jetzt ein kleines Mädchen mit flachsgelbem
Haar eingenommen, aber Agatha packte sie, ohne an das Prinzip der
moralischen Überredung zu denken, bei den Schultern und setzte sie auf
den Boden. Dann nahm sie ihren Platz ein und sagte:
»Kinder, ich weiß etwas -ganz- Neues!«
Miß Carpenter riß begierig ihre Augen auf. Gertrude Lindsay stellte
sich gleichgültig.
»Jemand wird fortgejagt,« sagte Agatha.
»Fortgejagt! Wer?«
»Du wirst es bald genug erfahren, Jane,« entgegnete Agatha und wurde
plötzlich ernst. »Es ist jemand, der eine unverschämte Eintragung in
das Sündenbuch gemacht hat.«
Jane bekam plötzlich Angst, und sie wurde ganz rot. »Agatha,« sagte
sie, »Du hast mir gesagt, was ich schreiben sollte. Du weißt das und
kannst es nicht leugnen.«
»Ich kann das nicht leugnen? Ich bin bereit, es zu -beschwören-, daß
ich dir nie in meinem Leben ein Wort diktiert habe.«
»Gertrude weiß, daß du es getan hast,« sagte Jane erbleichend und fast
in Tränen.
»Ach, das Kind,« sagte Agatha und streichelte sie, als ob sie ein
Riesenbaby wäre. »Nein, es wird nicht weggejagt werden. Hat schon
jemand in den letzten Tagen das Sündenbuch gesehen?«
»Seit unserer letzten Eintragung nicht mehr,« sagte Gertrude.
»Knirps,« sagte Agatha zu dem flachshaarigen Mädchen, »geh hinauf
auf Numero 6, und wenn Miß Wilson nicht da ist, dann hol mir das
Sündenbuch.«
Das kleine Mädchen knurrte etwas Undeutliches und rührte sich nicht.
»Knirps,« fuhr Agatha fort, »hast du schon einmal gewünscht, nie
geboren zu sein?«
»Warum gehst du nicht selbst?« fragte das Kind eigensinnig, aber
offenbar schon etwas in Angst.
»Denn du wirst den Wunsch haben,« fuhr Agatha fort, ohne die Frage zu
beachten, »daß du tot und begraben unter den schwärzesten Fliesen im
Kohlenkeller liegst, wenn du mir das Buch nicht bringst, bevor ich
sechzehn zähle. Eins -- zwei --«
»Geh sofort und tu, was dir befohlen ist, du abscheuliches kleines
Geschöpf,« sagte Gertrude scharf. »Wie kannst du es wagen, ungehorsam
zu sein?«
»-- neun -- zehn -- elf --« fuhr Agatha fort.
Das Kind bekam Angst. Es ging hinaus und kam gleich darauf wieder, das
Sündenbuch mit den Armen umspannend.
»Du bist ein liebes, prächtiges Kind, sobald man deine besseren
Eigenschaften durch strenge Anwendung der moralischen Überredung zum
Vorschein bringt,« sagte Agatha lustig. »Erinnere mich daran, daß ich
dir morgen abend die Rosinen aus meinem Pudding aufhebe. Und jetzt,
Jane, sollst du die Eintragung sehen, wegen derer das gutherzigste
Mädchen aus der ganzen Schule weggejagt wird. =Voilà!=«
Die beiden Mädchen lasen es und waren entsetzt. Jane öffnete ihren Mund
und schnappte nach Luft, Gertrude schloß ihre Lippen und sah sehr ernst
drein.
»Du willst doch nicht sagen, du hast den schrecklichen Mut gehabt, das
der Lady Abbeß zu zeigen?« fragte Jane.
»Pah, das hätte sie mir schon vergeben. Aber ihr hättet hören sollen,
was ich ihr gesagt habe! Sie wurde dreimal ohnmächtig.«
»Das ist ein Märchen,« sagte Gertrude ernst.
»Was sagtest du?« fragte Agatha, indem sie schnell nach Gertrudes Knie
griff.
»Nichts,« schrie Gertrude und wand sich krampfhaft. »Tu es nicht,
Agatha.«
»Wie oft ist Miß Wilson in Ohnmacht gefallen?«
»Dreimal. Ich schreie, Agatha, ich schreie wirklich.«
»Dreimal, wie du sagtest. Und ich wundere mich, wie ein Mädchen,
das, wie ihr, durch moralische Überredung erzogen wurde, solch eine
Unwahrheit wiederholen kann. Aber wir hatten wirklich und wahrhaftig
einen schrecklichen Streit. Sie verlor ihre Fassung. Glücklicherweise
verliere ich die meine nie.«
»Den Teufel glaub ich das!« rief Jane zweifelnd. »Aber nur weiter.«
»Du willst aus einer alten Familie stammen und bist überaus gewöhnlich.
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