es uns erzählen--nicht wahr, Herr Doktor?
(Dr. Valentine.) Die Miete will er gar nicht haben. Er hat sich an
einer brasilianischen Nuß einen Zahn gebrochen und mich gebeten, ihn
zu untersuchen und dann mit ihm zu frühstücken.
(Dolly.) So rufen Sie ihn herein und ziehen Sie ihm den Zahn gleich
aus; dann wollen wir ihn auch zum Frühstück mitnehmen! Sagen Sie dem
Mädchen, sie soll ihn heraufholen. (Sie läuft zur Glocke und klingelt
energisch. Dann wendet sie sich mit plötzlichem Bedenken zu Dr.
Valentine und fügt hinzu:) Ich nehme an, daß er ein angesehener Mann
ist... wirklich angesehen?
(Dr. Valentine.) Sicherlich! Nicht wie ich.
(Dolly.) Ganz gewiß?
(Frau Clandon ringt schwach nach Atem, aber ihre Kraft zum
Protestieren ist erschöpft.)
(Dr. Valentine.) Ganz gewiß!
(Dolly.) Dann los--bringen Sie ihn herauf!
(Dr. Valentine blickt zögernd auf Frau Clandon:) Ohne Zweifel würde er
entzückt sein, wenn--wenn--
(Frau Clandon erhebt sich und sieht auf die Uhr:) Ich würde mich sehr
freuen, Ihren Freund kennen zu lernen, wenn Sie ihn zum Kommen bewegen
können. Aber ich kann jetzt nicht auf ihn warten; ich habe um
dreiviertel eins im Hotel eine Verabredung mit einem alten Freund, den
ich achtzehn Jahre lang--seit ich England verließ--nicht gesehen habe.
--Wollen Sie mich also entschuldigen, bitte?
(Dr. Valentine.) Gewiß, Frau Clandon.
(Gloria.) Soll ich mitkommen?
(Frau Clandon.) Nein, mein Kind. Ich will allein sein.
(Sie geht ab, sichtlich noch ziemlich erregt. Dr. Valentine öffnet
ihr die Tür und folgt ihr.)
(Philip bedeutungsvoll zu Dolly:) Hm hm...
(Dolly bedeutungsvoll zu Philip:) Aha! (Das Stubenmädchen hat dem
Glockenzeichen Folge geleistet:) Führen Sie den alten Herrn herauf.
(Das Stubenmädchen verblüfft:) Gnädiges Fräulein?
(Dolly.) Den alten Herrn mit den Zahnschmerzen.
(Philip.) Den Hausherrn!
(Das Stubenmädchen.) Herrn McNaughtan?
(Philip.) Heißt er McNaughtan?
(Dolly zu Philip:) Das klingt rheumatisch, nicht wahr?
(Philip.) Wahrscheinlich hat er Gichtknoten.
(Dolly über die Schulter zum Stubenmädchen:) Führen Sie Herrn
Gichtknoten herauf.
(Das Stubenmädchen verbessernd:) Herrn McNaughtan, gnädiges Fräulein.
(Ab.)
(Dolly wiederholt den Namen wie eine Lektion:)
McNaughtan--McNaughtan--McNaughtan--McNaughtan... (Sie setzt sich
nachdenklich an den Schreibtisch:) Ich muß diesen Namen lernen, oder
der Himmel weiß, wie ich ihn nennen werde.
(Gloria.) Phil, kannst du an diese entsetzliche Mitteilung glauben,
die uns die Mutter eben über unsern Vater gemacht hat?
(Philip.) Oh, es gibt viele Menschen solchen Schlages. Der alte
Chamico pflegte seine Frau und seine Töchter mit einer Pferdepeitsche
durchzubleuen.
(Dolly verachtungvoll:) Ja, ein Portugiese!
(Philip.) Menschen, die Tiere sind, haben immer viel Ähnlichkeit, ob
es nun Portugiesen oder Engländer sind, Dolly. Verlaß dich auf meine
Menschenkenntnis. (Er nimmt seine Stellung auf dem Kaminteppich mit
einem verantwortlichen altklugen Aussehen wieder ein.)
(Gloria mit bekümmertem Gewissen:) Ich glaube nicht, daß wir jemals
unser altes Rätselspiel "wer mag unser Vater sein" wieder spielen
werden.--Dolly, tut's dir um deinen Vater leid--den Vater mit dem
vielen Geld?
(Dolly.) Und du, wie steht es mit deinem Vater, dem einsamen alten
Mann, mit dem zärtlichen kummervollen Herzen? Der ist dir nun auch
durch die Binsen gegangen, wie es scheint.
(Philip.) Es steht außer Zweifel, daß der alte Herr ein zerplatzter
Aberglauben ist. (Man hört Dr. Valentine vor der Tür mit jemandem
sprechen:) Aber still--er kommt!
(Gloria nervös:) Wer?
(Dolly.) Gichtknoten.
(Philip.) Sch! Aufgepaßt! (Sie nehmen ihre besten Manieren zusammen.)
(Philip setzt mit leiser Stimme zu Gloria hinzu:) Wenn er fein
genugist, daß man ihn zum Frühstück einladen kann, nick' ich Dolly zu;
und wenn sie dir zunickt, lad ihn sofort ein.
(Dr. Valentine kehrt mit seinem Hausherrn zurück. Herr Fergus
McNaughtan ist ein Mann von ungefähr sechzig Jahren, groß, abgehärtet
und sehnig, mit einem furchtbar hartnäckigen, übellaunigen,
habgierigen Mund und einer gebieterisch streitsüchtigen Stimme. Dabei
ist er ungemein nervös und empfindlich, was man an seiner dünnen,
durchsichtigen Haut und an seinen schmalen Fingern erkennen kann.
Seine daraus folgende Fähigkeit, unter der Unbeliebtheit, die sein
Temperament und seine Halsstarrigkeit über ihn bringen, stark zu
leiden, kommt in seinen ernsten, schmerzlichen Augen zum Ausdruck, in
dem klagenden Ton seiner Stimme, einem schmerzlichen Mangel an
Vertrauen auf das Willkommen, das man ihm bieten wird, und in einer
fortgesetzten, aber nicht sehr erfolgreichen Bemühung, seine angeboren
unhöflichen Manieren zu verbessern und seine Empfindlichkeit
abzustreifen. Seine kühn geschweiften Brauen und seine Stirn
verraten deutlich einen befähigten Menschen; ein Zeichen
beschränkter Geldmittel oder geschäftlichen Mißkredits ist an ihm
nicht bemerkbar. Er ist gut gekleidet und könnte auf den ersten
Blick für den wohlhabenden Chef einer von einer alten Familie der
Geschäftsaristokratie ererbten Firma gehalten werden. Sein
marineblaue Rock ist nicht nach dem üblichen modernen Muster; es ist
nicht gerade ein Lotsenrock, aber der Zuschnitt seines Anzugs, die
großen Knöpfe und breiten Aufschläge würden besser auf eine
Schiffswerft als in ein Kontor passen. Er hat Gefallen an Dr.
Valentine gefunden, der sich aus seiner Vierschrötigkeit nichts macht
und ihn mit einer respektlosen Menschlichkeit behandelt, für die er Dr.
Valentine heimlich dankbar ist.)
(Dr. Valentine.) Darf ich die Herrschaften bekannt machen?--Herr
McNaughtan--Fräulein Dorothea Clandon--Herr Philip Clandon--Fräulein
Gloria Clandon. (McNaughtan steht da und verbeugt sich nervös. Sie
verbeugen sich alle:) Nehmen Sie Platz, Herr McNaughtan.
(Dolly auf den Operationsstuhl zeigend:) Das ist der bequemste Stuhl,
Herr--McNaughtan.
(McNaughtan.) Ich danke. Aber will nicht das gnädige Fräulein da
sitzen--? (Er zeigt auf Gloria, die neben dem Stuhl steht.)
(Gloria.) Ich danke Ihnen, Herr McNaughtan. Wir wollen gerade gehn.
(Dr. Valentine weist ihn mit gutmütiger Entschiedenheit nach dem Stuhl:
) Setzen Sie sich--setzen Sie sich. Sie sind müde.
(McNaughtan.) Na, da ich weitaus der Älteste unter den Anwesenden bin,
darf ich vielleicht--(Er beendigt den Satz, indem er sich mit etwas
gichtischer Gebärde in den Operationsstuhl setzt. Inzwischen nickt
Philip, der ihn während seines Ganges durch das Zimmer kritisch
studiert hat, Dolly zu, und Dolly nickt Gloria zu.)
(Gloria.) Wenn wir recht verstanden haben, sind wir schuld, daß Herr
Dr. Valentine nicht mit Ihnen frühstückt; da wir ihn mithaben wollen.
Meine Mutter wird sich nur sehr freuen, wenn Sie auch mitkommen.
(McNaughtan, nachdem er sie einen Augenblick ernst betrachtet hat,
dankbar:) Ich danke Ihnen, ich werde mit Vergnügen erscheinen.
/* (Gloria) (murmeln:) Ich danke Ihnen sehr für... (Dolly) } (höflich:
) Es freut uns außerordentlich, daß... (Philip) Wir sind wirklich
entzückt, Ihre... */
(Die Unterhaltung stockt. Gloria und Dolly blicken erst einander und
dann Dr. Valentine und Philip an. Die beiden Männer, der Lage nicht
gewachsen, sehen von ihnen fort, einander in die Augen und sind
augenscheinlich dadurch so verwirrt, daß sie wieder zurückschauen und
den Augen von Gloria und Dolly begegnen. So sucht einer das Auge des
andern der Reihe nach, und sie sehen alle auf nichts und sind total
verlegen. McNaughtan sieht sich um und wartet auf die andern, bevor
er beginnt. Das Stillschweigen fängt an, unerträglich zu werden.)
(Dolly plötzlich, um die Unterhaltung aufrechtzuerhalten:) Wie alt
sind Sie, Herr McNaughtan?
(Gloria schnell:) Ich fürchte, wir müssen eilen, Herr Doktor.--Es
bleibt also dabei, daß wir uns um halb zwei Uhr im Marinehotel treffen.
(Sie geht zur Tür, Philip folgt ihr, Dr. Valentine geht an den
Glockenzug.)
(Dr. Valentine.) Punkt halb zwei. (Er klingelt:) Vielen Dank. (Er
begleitet Gloria und Philip zur Tür und geht mit ihnen hinaus.)
(Dolly, die sich inzwischen zu McNaughtan hingeschlichen hat:) Lassen
Sie sich Lachgas geben--das kostet noch fünf Schillinge extra, aber
die Sache ist es wert.
(McNaughtan belustigt:) Ausgezeichnet! (Sie ernster betrachtend:) Sie
wollen also wissen, wie alt ich bin--wirklich? Ich bin
siebenundfünfzig.
(Dolly mit Überzeugung:) Sie sehen auch so alt aus.
(McNaughtan grimmig:) Jawohl, das ist wahrscheinlich der Fall.
(Dolly.) Warum sehen Sie mich so forschend an? Ist etwas an mir nicht
in Ordnung? (Sie befühlt ihren Hut, ob er in Ordnung ist.)
(McNaughtan.) Sie erinnern mich an wen.
(Dolly.) An wen?
(McNaughtan.) Nun--Sie haben eine merkwürdige Ähnlichkeit mit meiner
Mutter.
(Dolly ungläubig:) Mit Ihrer Mutter?!... Meinen Sie nicht vielleicht
mit Ihrer Tochter?
(McNaughtan bricht plötzlich haßerfüllt aus:) Nein--verlassen Sie sich
darauf, daß ich nicht meine Tochter meine!
(Dolly teilnahmsvoll:) Tut Ihnen der Zahn sehr weh? (McNaughtan.)
Nein, nein--es ist nichts. Ein Anfall von Erinnerungen, nicht von
Zahnschmerzen, Fräulein Clandon.
(Dolly.) Heraus damit! "Wurzelnden Gram ausreuten dem
Gedächtnis"[*]--mit Lachgas, fünf Schillinge extra.
[Footnote *: MacBeth, 5. Akt, 3. Szene (Schlegel und Tieck).]
(McNaughtan rachsüchtig:) Nein, kein Schmerz. Eine Beleidigung, die
mir einst zugefügt wurde! Ich kann Beleidigungen nicht vergessen--und
ich will sie nicht vergessen! (Sein Gesicht legt sich in
unversöhnliche Falten.)
(Dolly McNaughtans Ausdruck kritisch betrachtend:) Ich glaube nicht,
daß wir Sie werden leiden mögen, wenn Sie über erlittenem Unrecht
brüten.
(Philip der unbeobachtet wieder eingetreten ist und sich hinter Dolly
geschlichen hat:) Meine Schwester meint es ehrlich, Herr McNaughtan,
aber sie ist indiskret.--Nun, Dolly, fort! (Er geht mit ihr zur Tür.)
(Dolly in einem vollkommen hörbaren Flüsterton:) Er behauptet, daß er
erst siebenundfünfzig ist--er hält mich für das Ebenbild seiner
Mutter--er haßt seine Tochter--und... (Sie wird durch die Rückkehr Dr.
Valentines unterbrochen.)
(Dr. Valentine.) Fräulein Clandon ist schon voraus.
(Philip.) Vergessen Sie nicht--Punkt halb zwei.
(Dolly.) Bitte, lassen Sie Herrn McNaughtan so viel Zähne übrig, daß
er mit uns essen kann. (Sie gehen ab.)
(Dr. Valentine kommt herab zu seiner Instrumentenlade und öffnet sie.)
(McNaughtan.) Das ist ein verzogenes Kind, Herr Doktor! Das richtige
Früchtchen der modernen Erziehung! Als ich im Alter dieser jungen
Dame war, hatte ich immer die letzte Tracht Prügel frisch in der
Erinnerung, um mich gute Manieren zu lehren.
(Dr. Valentine nimmt Zahnspiegel und Sonde von der seiner Lade
gegenüber befestigten Platte:) Wie gefiel Ihnen ihre Schwester?
(McNaughtan.) Die war Ihnen lieber, nicht wahr!
* * * * *
(Dr. Valentine überschwenglich:) Sie hat mich ergriffen, als ein
Wesen--(Er besinnt sich und fügt prosaisch hinzu:) Doch das hat nichts
mit dem Geschäft zu tun. (Er stellt sich hinter McNaugthans rechte
Schulter und nimmt seinen berufsmäßigen Ton an:) Aufmachen, bitte.
(McNaughtan öffnet den Mund.)
(Dr. Valentine steckt den Spiegel hinein und untersucht seine Zähne:)
Hm!... Na, den haben Sie nett abgebrochen--wie schade! So ein
prächtiges Gebiß zu ruinieren!--Warum knacken Sie damit Nüsse auf?
(Er zieht den Spiegel zurück und tritt vor, um mit McNaugthan zu
sprechen.)
(McNaughtan.) Ich habe immer mit den Zähnen Nüsse geknackt--wozu hat
man sie denn? (Entschieden:) Das richtige Mittel, seine Zähne in
gutem Zustand zu erhalten, besteht darin, daß man sie an Knochen und
Nüssen genügend abnützt und sie täglich mit Seife putzt--mit
gewöhnlicher Schmierseife!
(Dr. Valentine.) Seife?... Warum mit Seife?
(McNaughtan.) Als Junge fing ich damit an, weil man mich dazu anhielt,
und seitdem hab' ich's immer getan. Und ich hab' in meinem ganzen
Leben keine Zahnschmerzen gehabt!
(Dr. Valentine.) Finden Sie das nicht ziemlich ekelhaft?
(McNaughtan.) Ich habe gefunden, daß die meisten Dinge, die mir gut
getan haben, ekelhaft waren; aber ich wurde angelernt, mich damit
abzufinden, und man sorgte dafür, daß ich mich damit abfand. Jetzt
bin ich daran gewöhnt;--wahrhaftig, ich liebe den Geschmack, wenn die
Seife wirklich gut ist.
(Dr. Valentine macht gegen seine Absicht eine Grimasse:) Sie scheinen
sehr sorgfältig erzogen worden zu sein, Herr McNaughtan.
(McNaughtan grimmig:) Jedenfalls bin ich nicht verzogen worden!
(Dr. Valentine lächelt vor sich hin:) Sind Sie dessen ganz sicher?
(McNaughtan.) Wie meinen Sie das?
(Dr. Valentine.) Nun, Ihre Zähne sind gut--ich gebe es zu; aber ich
habe in manchem Mund, der mit sich sehr nachsichtig umging, ebenso
gute gesehn. (Er geht an den Rand der Lade und vertauscht die Sonde
mit einer andern.)
(McNaugthan.) Es kommt nicht auf die Zähne an, sondern auf den
Charakter.
(Dr. Valentine versöhnlich:) Oh! Auf den Charakter--ich verstehe.
(Er nimmt die Behandlung wieder auf:) Etwas weiter, bitte--hm!... Der
da wird heraus müssen--er ist nicht mehr zu retten. (Er zieht die
Sonde zurück und tritt wieder seitwärts an den Stuhl, um zu plaudern:)
Fürchten Sie sich nicht, Sie werden gar nichts fühlen; ich werde Ihnen
Lachgas geben.
(McNaughtan.) Unsinn, Mensch! Ich brauche kein Lachgas! Heraus damit!
Zu meiner Zeit hat man den Leuten beigebracht, notwendige Schmerzen
zu ertragen.
(Dr. Valentine.) Oh! Wenn Sie Schmerzen gern mögen--schön. Ich werde
Ihnen so weh tun, wie Sie nur wollen--ohne für den günstigen Einfluß
auf Ihren Charakter irgendeinen Preisaufschlag zu verlangen.
(McNaughtan erhebt sich und starrt ihn an:) Junger Mann, Sie schulden
mir sechs Wochen Miete!
(Dr. Valentine.) Richtig.
(McNaughtan.) Können Sie mich bezahlen?
(Dr. Valentine.) Nein.
(McNaughtan zufrieden mit seinem Vorteil:) Das habe ich mir gedacht.
--Wann, glauben Sie, werden Sie zahlungsfähig sein, da Sie nichts
Besseres wissen, als sich über Ihre Patienten lustig zu machen? (Er
setzt sich wieder.)
(Dr. Valentine.) Mein lieber Herr McNaughtan. Meine Patienten haben
nicht alle ihren Charakter an Schmierseife gebildet.
(McNaughtan packt ihn plötzlich am Arm, während Dr. Valentine sich
wieder nach der Lade wendet:) Desto schlimmer für sie! Ich sage Ihnen,
Sie verstehen meinen Charakter nicht! Wenn ich all meine Zähne
entbehren könnte ich würde sie mir, einen nach dem andern, von Ihnen
ziehen lassen, um Ihnen zu zeigen, was ein tüchtiger, abgehärteter
Mann aushalten kann, wenn er sich einmal dazu entschlossen hat. (Er
nickt Dr. Valentine zu, um diese Erklärung zu bekräftigen, und läßt
ihn los.)
(Dr. Valentine, dessen sorglose Scherzhaftigkeit sich gar nicht stören
läßt:) Und Sie wollen noch mehr abgehärtet werden, nicht wahr?
(McNaughtan.) Ja.
(Dr. Valentine schlendert fort zur Glocke:) Für mich sind Sie als
Hausherr--schon abgehärtet genug.
(McNaughtan quittiert diesen Scherz mit einem Brummen grimmigen Humors.)
(Dr. Valentine klingelt und fragt in heiterer, beiläufiger Weise,
während er auf die Antwort wartet:) Warum haben Sie nie geheiratet,
Herr McNaughtan? Eine Frau und Kinder würden Ihnen Ihre Abhärtung
schon ein wenig ausgetrieben haben.
(McNaughtan mit unerwarteter Wildheit:) Was zum Teufel geht Sie das
an?!
(Das Stubenmädchen erscheint an der Tür.)
(Dr. Valentine höflich:) Bitte, etwas warmes Wasser. (Sie zieht sich
zurück, und Dr. Valentine geht wieder an die Lade, durch McNaughtans
Grobheit durchaus nicht aus dem Konzept gebracht. Er setzt die
Unterhaltung fort, während er eine Zange aussucht und sie sich zur
Hand legt, zusammen mit einem Sperrholz und einem Trinkglas:) Sie
fragten eben, was zum Teufel mich das angeht... Nun, ich habe vor,
mich selbst zu verheiraten.
(McNaughtan mit brummiger Ironie:) Natürlich, Mensch--natürlich! Wenn
ein junger Mann auf den letzten Heller heruntergekommen ist und in
vierundzwanzig Stunden von seinem Hausherrn gepfändet werden soll,
dann heiratet er. Das habe ich schon öfter beobachtet.--Gut, heiraten
Sie und werden Sie unglücklich!
(Dr. Valentine.) Oh, gehen Sie, was wissen Sie davon?
(McNaughtan.) Ich bin kein Junggeselle!
(Dr. Valentine.) Dann gibt es also eine Frau McNaughtan?
(McNaughtan zusammenzuckend, mit einem Gefühl des Unwillens:) Ja--der
Teufel soll sie holen!
(Dr. Valentine unerschütterlich:) Hm!... Am Ende sind Sie auch Vater,
nicht nur Ehemann, Herr McNaughtan?
(McNaughtan.) Drei Kinder!
(Dr. Valentine höflich:) Der Teufel soll sie holen--was?
(McNaughtan eifersüchtig:) Nein, Herr: die Kinder gehören mir so gut
wie ihr.
(Das Stubenmädchen bringt einen Krug heißes Wasser herein.)
(Dr. Valentine.) Danke. (Er nimmt ihr den Krug ab und bringt ihn an
den Stuhl; dann fährt er in dem gleichen nachlässigen Ton fort:) Ich
möchte wirklich gern Ihre Familie kennen lernen, Herr McNaughtan. (Er
gießt etwas warmes Wasser in das Trinkglas.)
(Das Stubenmädchen geht hinaus.)
(McNaughtan.) Ich bedaure, Sie nicht vorstellen zu können. Ich bin so
glücklich, nicht zu wissen, wo sie alle sind, und ich bin's zufrieden,
solange sie mir nicht in den Weg kommen.
(Dr. Valentine tut mit einer Bewegung seiner Augenbrauen und Schultern
die leise an den Glasrand klirrende Zange in das Glas heißen Wassers.)
(McNaughtan.) Meinetwegen brauchen Sie das Dings da nicht zu wärmen;
ich habe keine Angst vor dem kalten Stahl. (Dr. Valentine beugt sich
vor, um den Gasschlauch und den Zylinder neben dem Stuhl in Ordnung zu
bringen:) Was ist das für ein schweres Ding?
(Dr. Valentine.) O nichts! Ich setze bloß meinen Fuß darauf, wenn ich
den nötigen Stützpunkt für einen kräftigen Zug bekommen will.
(McNaughtan sieht gegen seinen Willen beunruhigt aus.)
(Dr. Valentine steht aufrecht neben ihm und setzt das Glas mit der
Zange in Bereitschaft. Er fährt fort mit herausfordernder
Gleichgültigkeit zu plaudern:) Sie raten mir also, mich nicht zu
verheiraten, Herr McNaughtan? (Er bückt sich, um die Kurbel an den
Apparat zu befestigen, durch die der Stuhl gehoben und gesenkt werden
kann.)
(McNaughtan reizbar:) Ich rate Ihnen, mir den Zahn nun zu ziehen und
endlich aufzuhören, mich an meine Frau zu erinnern! Vorwärts, Herr!
(Er klammert sich an lit Stuhllehnen und stählt sich.)
(Dr. Valentine setzt ab, die Hand auf der Kurbel, siebt ihn an und
sagt:) Um wie viel wollen Sie wetten, daß ich den Zahn herauskriege,
ohne daß Sie es spüren?
(McNaughtan.) Um Ihre sechswöchige Miete, mein Junge! Mich foppen Sie
nicht!
(Dr. Valentine nimmt die Wette mit Freude an und dreht die Kurbel
kräftig hinauf, so daß der Sessel steigt:) Abgemacht! Sind Sie
bereit? (McNaughtan, der beunruhigt über sein plötzliches
Gehobenwerden die Stuhllehnen losgelassen hat, kreuzt die Arme, setzt
sich steif aufrecht und bereitet sich auf das Schlimmste vor. Dr.
Valentine läßt den Rücken des Stuhles plötzlich zu einem stumpfen
Winkel hinab.)
(McNaughtan packt mit festem Griff die Stuhllehnen, während er
zurückfällt:) Au! Nehmen Sie sich in acht, Mensch! Ich bin ganz
wehrlos in dieser La--
(Dr. Valentine hält ihm mit dem Sperrholz geschickt den Mund offen und
erfaßt das Mundstück des Gasschlauchs:) Sie werden gleich noch
wehrloser sein! (Er preßt das Mundstück über McNaughtans Mund und
Nase und lehnt sich dabei über McNaugthans Brust so zurück, daß er ihm
Kopf und Schultern gut in den Stuhl niederhalten kann.)
(McNaughtan stößt einen unartikulierten Laut in das Mundstück aus und
versucht, Dr. Valentine zu packen, den er sich gegenüber glaubt. Nach
einem Augenblick greifen seine Arme ins Leere, senken sich und fallen
herab. Er ist vollständig bewußtlos.)
(Dr. Valentine wirft mit einem Ausdruck nachdenklichen Triumphes das
Mundstück rasch beiseite, nimmt die Zange geschickt aus dem Glas und
der Vorbang fällt.)
ZWEITER AKT
(Die Terrasse des Marinehotels--eine viereckige gepflasterte Planform,
die in der Sonne funkelt und auf der Seeseite von einer Brustwehr aus
schweren Stützpfeilern eingefaßt ist, die wie schwerfällige Ölkrüge
aussehen und eine breite steinerne Mauerkappe tragen.)
(Der Oberkellner des Etablissements, der damit beschäftigt ist, auf
einem Frühstückstisch Servietten zu ordnen, wendet dem Meere den
Rücken zu und hat das Hotel zu seiner Rechten; zu seiner Linken, in
der Ecke, befindet sich in der Nähe des Meeres die Flucht von Stufen,
die hinunter zum Strand führen. Wenn er vor sich die Terrasse
hinunterblickt, sieht er gegenüber, etwas zu seiner Linken, einen
Herrn in mittleren Jahren, der auf einem eisengitternen Stuhle an
einem kleinen eisernen Tische sitzt, auf dem sich eine von drei Wespen
umschwirrte Zuckerdose befindet. Er liest den "Standard" und hat
seinen Schirm aufgespannt, um sich gegen die Augustsonne zu schützen,
die--es ist noch nicht ein Uhr nachmittag--seine ausgestreckten Beine
röstet. Ihm gegenüber, auf der Hotelseite der Terrasse, steht eine
Gartenbank von der gewöhnlichen Strandpromenadenform. Besucher treten
durch einen Eingang in der Mitte der Fassade ins Hotel, wohin man über
ein paar Stufen gelangt, die sich auf einem breiten, erhöhten,
gepflasterten Viereck erheben. Näher an der Brüstung ist ein geheimer
Weg in die Küche durch ein kleines Gitterportal maskiert. Der Tisch,
an dem der Kellner sich beschäftigt, ist sehr lang. Er steht quer
über der Terrasse und ist mit fünf Gedecken versehen; vor jedem Gedeck
steht ein Stuhl, und zwar befinden sich zwei Stühle auf jeder
Längsseite und ein Stuhl an der dem Hotel zugewandten Schmalseite.
Gegen die Brustwehr lehnt ein zweiter, als Büfett eingerichteter Tisch,
von dem aus serviert werden soll.)
(Der Kellner ist in seiner Art ein bemerkenswerter Mensch. Ein zarter
alter Mann mit weißen Haaren und sanften Augen, jedoch so freudig und
zufrieden, daß in seiner ermutigenden Gegenwart Ehrgeiz sich als
Gemeinheit gerügt fühlt und Einbildungskraft als Verrat an dem
überströmenden Reichtum und Interesse der Wirklichkeit. Er hat jenen
gewissen Ausdruck, der Menschen eigen ist, die in ihrem Beruf
hervorragend sind und die, im Bewußtsein der Nichtigkeit des Erfolges,
von Neid unberührt bleiben.)
(Der Herr an dem eisernen Tischchen ist nicht für den Strand gekleidet.
Er trägt seinen Londoner Gehrock und Handschuhe; sein hoher Zylinder
steht auf dem Tisch neben der Zuckerdose. Die vortreffliche
Verfassung und Qualität dieser Kleidung, der goldgeränderte Zwicker,
mit dem er den "Standard" liest und die "Times", die an seinem
Ellbogen über der Ortszeitung liegt--alles weist auf seine Achtbarkeit
hin. Er ist ungefähr fünfzig Jahre alt, glatt rasiert und
kurzgeschoren. Seine Mundwinkel sind absichtlich herabgezogen, als
hätte er sie im Verdacht, hinaufschnellen zu wollen, und wäre
entschlossen, ihnen den Willen nicht zu lassen. Er hat große, weite
Ohren, Augen von der Farbe des Stockfisches und eine energische Stirn,
die er resolut offen trägt, als wenn er, wiederum, in seiner Jugend
beschlossen hätte, wahrheitsliebend, großmütig, unbestechlich zu
bleiben, es ihm aber niemals gelungen wäre, diese geistige Gewöhnung
automatisch und unbewußt zu machen. Trotzdem macht er durchaus keinen
lächerlichen Eindruck; kein Zeichen der Dummheit oder Willensschwäche
ist an ihm bemerkbar;--im Gegenteil, er würde dem Anblick nach überall
für einen Menschen von mehr als durchschnittlichen geschäftlichen
Fähigkeiten und geschäftlicher Verantwortung gehalten werden.
Augenblicklich genießt er das Wetter und das Meer zu sehr, um die
Geduld zu verlieren; aber er hat alles Neue in seinen Zeitungen
durchgelesen und ist gegenwärtig auf die Inserate angewiesen, die aber
nicht interessant genug sind, ihn für die Dauer zu fesseln.)
(Der Herr gähnt und verzichtet auf die Zeitung als ungenießbar:)
Kellner!
(Der Kellner.) Bitte? (Er nähert sich ihm.)
(Der Herr.) Wissen Sie ganz bestimmt, daß Frau Clandon vor dem
Frühstück zurückkommt?
(Der Kellner.) Ganz bestimmt. Sie erwartet den Herrn um dreiviertel
auf Eins. (Der Herr, den des Kellners Stimme sofort besänftigt, sieht
ihn mit einem lässigen Lächeln an. Der Kellner hat eine ruhige,
sanfte, melodische Stimme, die seinen alltäglichsten Bemerkungen ein
sympathisches Interesse verleiht; er spricht mit dem süßesten Anstand,
ohne seine H's zu verschlucken oder sie zu verlegen, oder in
irgendeine andere Vulgarität zu verfallen. Der Kellner sieht nach der
Uhr und fährt fort:) Es ist noch nicht so viel, nicht? Erst zwölf Uhr
dreiundvierzig... nur noch zwei Minuten muß sich der Herr gedulden.--
Schöner Morgen, nicht wahr?
(Der Herr.) Ja. Sehr frisch im Vergleich zu London.
(Der Kellner.) Ja. Das sagen alle unsere Gäste.--Eine sehr angenehme
Familie, die von Frau Clandon.
(Der Herr.) Sie mögen sie? (Der Kellner.) Ja. Sie haben ein sehr
unbefangenes, einnehmendes Betragen--wahrhaftig, sehr einnehmend.
Namentlich die junge Dame und der junge Herr.
(Der Herr.) Fräulein Dorothea und Herr Philip wahrscheinlich.
(Der Kellner.) Jawohl. Die junge Dame sagt immer, wenn sie mir einen
Befehl erteilt oder so etwas: "Sie wissen, William, daß wir Ihretwegen
in dieses Hotel gekommen sind, weil wir gehört haben, was für ein
vollendeter Kellner Sie sind." Der junge Herr sagt mir immer, daß ich
ihn sehr an seinen Herrn Vater erinnere, (der Herr fährt auf bei
diesen Worten:) und daß er von mir erwartet, daß ich mich gegen ihn
auch wie ein Vater benehmen werde. (Mit beruhigendem sonnigem Tonfall:
) Oh, so liebenswürdig... wirklich, sehr höflich und freundlich sind
sie!
(Der Herr.) Sie sollen seinem Vater ähnlich sein! (Er lacht über
diese Idee.)
(Der Kellner.) Oh, wir dürfen nicht zu ernst nehmen, was die
Herrschaften sagen. Wenn es wahr wäre, so würde die junge Dame die
Ähnlichkeit natürlich auch bemerkt haben.
(Der Herr.) Hat sie das nicht?
(Der Kellner.) Nein. Sie fand, ich hätte mit der Shakespear-Büste in
der Stratford-Kirche Ähnlichkeit; deshalb nennt sie mich auch
"William"--mein richtiger Name ist Walter. (Er wendet sich um, will
nach dem Tisch zurückgeben und erblickt Frau Clandon, die über die
Stufen vom Strand her die Terrasse heraufkommt.) Da ist Frau Clandon.
(Zu Frau Clandon, in einem bescheiden vertraulichen Tone:) Ein Herr
ist da, der Sie sprechen will, gnädige Frau.
(Frau Clandon.) Es werden noch zwei Herren mit uns frühstücken,
William.
(Der Kellner.) Sehr wohl, gnädige Frau. Danke schön, gnädige Frau.
(Er zieht sich in das Hotel zurück.)
(Frau Clandon kommt nach vorn und sieht sich nach ihrem Besucher um,
geht aber an dem Herrn vorbei, ohne irgendein Zeichen des Erkennens zu
geben.)
(Der Herr sieht verschmitzt nach ihr unter dem Schirm hervor:)
Erkennen Sie mich nicht?
(Frau Clandon sieht ihn scharf und ungläubig an:) Sind Sie Finch
McComas?
(McComas.) Können Sie das nicht raten? (Er schließt den Schirm,
stellt ihn zur Seite, pflanzt sich mit den Händen in den Hüften lustig
vor ihr auf und laßt sich betrachten.)
(Frau Clandon.) Mir scheint, Sie sind es wirklich! (Sie reicht ihm
die Hand. Der Händedruck, der folgt, ist der alter Freunde nach einer
Langen Trennung:) Wo ist Ihr Bart?
(McComas komisch feierlich:) Würden Sie einen Anwalt mit einem Bart
beschäftigen?
(Frau Clandon zeigt auf den Zylinder, der auf dem Tischchen steht:)
Ist das Ihr Hut?
(McComas.) Würden Sie einen Anwalt mit einem Sombrero beschäftigen?
(Frau Clandon.) Ich habe Sie während der ganzen achtzehn Jahre in
Gedanken mit einem Bart und einem großen, runden Hut vor mir gesehen.
(Sie setzt sich auf die Gartenbank. McComas nimmt seinen Platz wieder
ein.) Gehen Sie noch immer zu den Versammlungen der philosophischen
Gesellschaft?
(McComas ernst:) Ich besuche keine Versammlungen mehr.
(Frau Clandon.) Finch, ich merke, was mit Ihnen vorgegangen ist! Sie
sind respektabel geworden!
(McComas.) Und Sie nicht?
(Frau Clandon.) Nicht im geringsten.
(McComas.) Sie halten noch immer an Ihren alten Ansichten fest?
(Frau Clandon.) Fester denn je.
(McComas.) Was Sie sagen!... Und sind Sie noch immer bereit,
öffentlich zu sprechen, trotz Ihres Geschlechts? (Frau Clandon nickt.
) Halten Sie sogar noch immer an der Ansicht fest, eine verheiratete
Frau sei berechtigt, ihr eigenes Vermögen von dem ihres Gatten zu
trennen? (Frau Clandon nickt wieder.) Sind Sie noch immer
Vorkämpferin für die Lehre Darwins von der Abstammung der Arten und
für John Stuart Mills Schrift über die Freiheit? (Sie nickt.) Lesen
Sie noch immer Huxley, Tyndall und George Eliot? (Sie nickt dreimal.)
Und verlangen Sie noch immer für die Frauen so gut wie für die Männer
den Zutritt zur Universität, die Ausübung aller Gewerbe und das
parlamentarische Wahlrecht?
(Frau Clandon energisch:) Jawohl. Ich bin nicht um Haares Breite
davon abgewichen, und ich habe Gloria dazu erzogen, mein Werk dort
fortzusetzen, wo ich es abgebrochen habe.--Das ist es auch, was mich
nach England zurückgeführt hat. Ich fühlte, daß ich kein Recht hatte,
meine Tochter lebend in Madeira zu begraben--mein Sankt Helena, Finch!
--Sie wird wohl ausgezischt werden, wie ich es wurde--aber sie ist
darauf vorbereitet.
(McComas.) Ausgezischt?... Meine liebe gute Frau Clandon, heutzutage
könnte Gloria mit allen diesen Ansichten sogar einen Erzbischof
heiraten.--Sie haben mir eben vorgeworfen, daß ich respektabel
geworden bin. Sie haben sich geirrt--ich halte an unsern alten
Meinungen fest, ebenso wie damals--ich gehe nicht in die Kirche, und
ich tue nicht so, als ob ich es täte. Ich bekenne, was ich bin: ein
radikaler Philosoph, der für Freiheit und für die Rechte des
Individuums eintritt, wie mein Meister Herbert Spencer es mich gelehrt
hat. Werde ich ausgezischt?... Nein! Ich werde nachsichtig
belächelt, wie ein altmodischer Kauz! Ich bin vollständig erledigt,
weil ich mich geweigert habe, das Knie vor dem Sozialismus zu beugen.
(Frau Clandon entsetzt:) Sozialismus!
(McComas.) Ja, Sozialismus--vor Ablauf eines Monats wird Fräulein
Gloria bis über die Ohren drin sein, wenn Sie sie hier loslassen.
(Frau Clandon mit Emphase:) Aber ich kann ihr beweisen, daß der
Sozialismus ein Trugschluß ist!
(McComas pathetisch:) Dadurch, daß ich es bewies, habe ich alle meine
Schüler verloren, Frau Clandon. Nehmen Sie sich in acht, lassen Sie
Gloria ihren eigenen Weg gehen. (Etwas bitter:) Wir sind altmodisch
geworden, die Welt denkt, wir seien hinter ihr zurückgeblieben! Es
gibt nur noch einen einzigen Ort in England, wo Ihre Anschauungen für
vorgeschritten gelten würden.
(Frau Clandon spöttisch und nicht überzeugt:) Die Kirche vielleicht?
(McComas.) Nein, das Theater.--Und jetzt zur Sache. Warum haben Sie
mich hierher kommen lassen?
(Frau Clandon.) Nun, zum Teil, weil ich Sie wiedersehen wollte.
(McComas mit gutmütiger Ironie:) Danke!
(Frau Clandon.) Und zum Teil, weil ich möchte, daß Sie den Kindern
alles erklären. Sie wissen nichts. Und jetzt, wo wir nach England
zurückgekehrt sind, ist es unmöglich, sie noch länger im unklaren zu
lassen. (Aufgeregt:) Finch, ich kann mich nicht dazu entschließen, es
ihnen zu sagen... ich--(Sie wird durch die Zwillinge und Gloria
unterbrochen. Dolly kommt hastig die Stufen heraufgestürzt, im
Wettlauf mit Philip, der ein schreckliches Tempo mit einer ungestörten
Korrektheit des Betragens verbindet, die ihn jedoch das Rennen kostet.
Dolly erreicht ihre Mutter zuerst und stößt durch die Heftigkeit
ihrer Ankunft die Gartenbank beinahe über den Haufen.)
(Dolly atmenlos:) Es ist alles in Ordnung, Mama! Der Zahnarzt kommt,
und seinen alten Hausherrn bringt er mit!
(Frau Clandon.) Liebe Dolly, siehst du Herrn McComas nicht?
(McComas erhebt sich lächelnd.)
(Dolly mit langem Gesicht, das offensichtlich die größte Enttäuschung
ausdrückt:) Der?!... Wo sind die wallenden Locken?
(Philip sekundiert ihr warm:) Und wo der Bart?!--Der Mantel?--Das
poetische Aussehen?!
(Dolly.) Oh, Herr McComas! Sie haben sich ganz und gar verdorben!
Warum haben Sie nicht gewartet, bis wir Sie gesehen haben?!
(McComas verdutzt, aber seinen Humor zusammennehmend, um sich der
schwierigen Lage gewachsen zu zeigen:) Weil für einen Rechtsanwalt
achtzehn Jahre eine zu lange Zeit ist, um sich da nicht die Haare
schneiden zu lassen.
(Gloria auf der andern Seite von McComas:) Guten Tag, Herr McComas.
(Er wendet sich um, und sie ergreift seine Hand und drückt sie, mit
einem geraden, aufrichtigen Blick in seine Augen:) Wir freuen uns, Sie
endlich zu sehen.
(McComas.) Fräulein Gloria, nicht wahr? (Gloria lächelt zustimmend
und zieht ihre Hand mit einem letzten Druck zurück. Sie tritt hinter
die Gartenbank und neigt sich über die Lehne neben Frau Clandon:) Und
dieser junge Herr?
(Philip.) Ich wurde in einer verhältnismäßig prosaischen Laune getauft.
Ich heiße--
(Dolly ergänzt sein Zitat für ihn, deklamatorisch:) "Ich heiße Norval,
auf den Grampianhügeln"...
(Philip ernsthaft deklamierend:) "mein Vater weidet seine Herde, nur
ein Schäfer"--[*]
[Footnote *: Norval ist der Sohn eines alten Bauern im Trauerspiel
"Douglas" von John Horne (1724-1808).]
(Frau Clandon unterbrechend:) Meine lieben Kinder, seid nicht so
albern!--Alles erscheint ihnen hier so neuartig, Finch, daß sie in der
tollsten Laune sind. Sie halten jeden Engländer, dem sie begegnen,
für einen Witz.
(Dolly.) Ja, das ist er auch! Wir können nichts dafür!
(Philip.) Meine Menschenkenntnis ist recht ausgedehnt, Herr McComas;
aber es ist mir unmöglich, die Bewohner dieser Insel ernst zu nehmen.
(McComas.) Ich vermute, Sie sind der junge Herr Philip? (Er bietet
ihm die Hand.)
(Philip nimmt McComas' Hand und betrachtet ihn feierlich:) Ich war der
junge Philip--das war ich durch viele Jahre. Genau so wie Sie einmal
der junge Finch gewesen sind. (Er schüttelt ihm einmal die Hand; dann
läßt er sie fallen und ruft gedankenvoll aus:) Wie sonderbar ist es
doch, so auf seine Knabenzeit zurückzublicken!
(McComas starrt ihn an, durchaus nicht erfreut.)*
(Dolly zu Frau Clandon:) Hat Finch schon was zu trinken bekommen?
(Frau Clandon abwehrend:) Liebes Kind, Herr McComas wird mit uns
frühstücken.
(Dolly.) Hast du sieben Gedecke bestellt? Vergiß nur nicht den alten
Herrn!
(Frau Clandon.) Ich habe ihn nicht vergessen, mein Kind. Wie heißt er?
(Dolly.) Gichtknoten.--Er wird um halb zwei hier sein. (Zu McComas:)
Sind wir so, wie Sie sich uns vorgestellt haben?
(Frau Clandon ernst, sogar etwas gebieterisch:) Dolly, Herr McComas
hat euch etwas Ernsteres mitzuteilen als das.--Kinder: ich habe meinen
alten Freund gebeten, die Frage, die ihr heute morgen an mich
gerichtet habt, zu beantworten. Er ist sowohl der Freund eures Vaters
als auch der meine, und er wird euch die Geschichte meines Ehelebens
besser erzählen, als ich es könnte.--Gloria, bist du nun zufrieden?
(Gloria ernst und aufmerksam:) Herr McComas ist sehr gütig.
(McComas nervös:) Durchaus nicht, mein Fräulein, durchaus nicht. Doch
das kommt ziemlich plötzlich... ich bin kaum darauf vorbereitet--
(Dolly argwöhnisch:) Oh! wir wollen auch gar nichts Vorbereitetes
hören.
(Philip ihn ermunternd:) Sagen Sie uns die Wahrheit.
(Dolly nachdrünklich:) Die nackte Wahrheit!
(McComas gereizt:) Ich hoffe, Sie haben die Absicht, ernst zu nehmen,
was ich zu sagen habe?
(Philip mit tiefem Ernst:) Ich hoffe, daß es das verdient, Herr
McComas. Meine Menschenkenntnis lehrt mich, niemals zuviel zu
erwarten.
(Frau Clandon abwehrend:) Phil--
(Philip.) Ja Mutter, schon gut. Entschuldigen Sie, Herr McComas,
stoßen Sie sich nicht an uns.
(Dolly versöhnlich:) Wir meinen es gut.
(Philip.) Schweigen wir beide!
(Dolly hält ihre Lippen fest. McComas nimmt einen Stuhl vom
Frühstückstisch, setzt ihn zwischen den kleinen Tisch und die
Gartenbank, so daß Dolly zu seiner Rechten und Philip zu seiner Linken
zu stehen kommt. Er setzt sich mit der Miene eines Mannes, der im
Begrift steht, eine lange Auseinandersetzung zu beginnen. Die
Clandons beobachten ihn erwartungsvoll.)
(McComas.) Hm!--Ihr Vater--
(Dolly.) Wie alt ist er?
(Philip.) Sch!
(Frau Clandon sanft:) Liebe Dolly, wir wollen Herrn McComas nicht
unterbrechen.
(McComas mit Nachdruck:) Ich danke Ihnen, Frau Clandon--ich danke!
(Zu Dolly:) Ihr Vater ist siebenundfünfzig Jahre alt.
(Dolly mit einem Satz, überrascht und aufgeregt:) Siebenundfünfzig?!...
Wo lebt er?
(Frau Clandon zurechtweisend:) Dolly! Dolly!
(McComas sie unterbrechend:) Lassen Sie mich dies beantworten, Frau
Clandon. Die Antwort wird Sie sehr überraschen.--Er lebt hier, an
diesem Ort.
(Frau Clandon erhebt sich sehr böse, setzt sich aber wieder sprachlos
nieder. Gloria beobachtet sie ganz starr.)
(Dolly mit Überzeugung:) Ich wußte es!... Phil--Gichtknoten ist unser
Vater!
(McComas.) Gichtknoten--?!
(Dolly) Oder McNaughty... oder sonst wie--was weiß ich! Er sagte mir,
ich sähe seiner Mutter ähnlich; ich wußte es ja, daß er seine Tochter
meinte.
(Philip sehr ernst:) Herr McComas: ich möchte Ihre Gefühle auf jede
mögliche Art berücksichtigen--aber ich warne Sie! Wenn Sie den langen
Arm des Zufalls derart verlängern, daß Sie mir einreden wollen, der
hier lebende Herr McNaughtan sei mein Vater, so weigere ich mich, auf
Ihre Auskünfte auch noch einen Augenblick weiter einzugehen.
(McComas.) Und warum, wenn ich bitten darf?
(Philip.) Weil ich diesen Herrn gesehen habe und er gänzlich
ungeeignet ist, mein Vater, oder Dollys Vater, oder Glorias Vater,
oder der Mann meiner Mutter zu sein!
(McComas.) Oh, wirklich?--So. Dann muß ich Ihnen sagen--ob Sie es nun
gern hören oder nicht--: er ist tatsächlich Ihr Vater und der Vater
Ihrer Schwester und Frau Clandons Gatte.--Nun, was sagen Sie dazu?
(Dolly weinerlich:) Sie brauchen nicht so böse zu sein! Gichtknoten
ist ja nicht Ihr Vater!
(Philip.) Herr McComas, Ihr Benehmen ist herzlos. Sie finden hier
eine Familie, die den unsagbaren Frieden und die Annehmlichkeit
genießt, verwaist zu sein--wir haben niemals das Antlitz eines
Verwandten gesehen--niemals ein Band anerkannt, mit Ausnahme des
Bandes einer frei gewählten Freundschaft--und jetzt wollen Sie einen
Mann in die intimste Verwandtschaft mit uns hineinstoßen, den wir
nicht kennen....
(Dolly heftig:) Einen entsetzlichen alten Mann! (Vorwurfsvoll:) Und
Sie fingen an, als ob Sie einen ganz netten Vater für uns hätten!
(McComas ärgerlich:) Woher wissen Sie, daß er nicht nett ist? Und
welches Recht haben Sie, sich Ihren eigenen Vater zu wählen? (Seine
Stimme erhebend:) Ich muß Ihnen sagen, Fräulein Clandon, daß Sie zu
jung sind, um--
(Dolly unterbricht ihn plötzlich mit Heftigkeit:) Still! Das hab' ich
ja ganz vergessen... hat er Geld?
(McComas.) Er hat sehr viel Geld.
(Dolly entzückt:) Oh, was habe ich immer gesagt, Phil?
(Philip.) Dolly, wir haben den alten Mann vielleicht zu schnell
verurteilt.--Fahren Sie fort, Herr McComas.
(McComas.) Ich werde nicht fortfahren, junger Herr. Ich bin zu empört,
zu verletzt dazu.
(Frau Clandon kämpft mit ihrem Zorn:) Finch, können Sie die ganze
Sachlage mit allen Folgen überblicken? Wissen Sie, daß meine Kinder
diesen Mann zum Frühstück eingeladen haben und daß er in einigen
Augenblicken hier sein wird? (McComas ganz außer sich:) Was!...
Meinen Sie--soll ich wirklich annehmen--ist es...
(Philip nachdrücklich:) Ruhig Blut, Finch! Denken Sie darüber langsam
und sorgfältig nach.--Er kommt--kommt zum Frühstück.
(Gloria.) Wer von uns soll ihm die Wahrheit sagen? Habt ihr darüber
nachgedacht?
(Frau Clandon.) Finch, Sie müssen es ihm sagen!
(Dolly.) Oh, Finch ist ganz unbrauchbar, um so was zu sagen! Schau
doch, was er damit angerichtet hat, daß er es uns gesagt hat!
(McComas.) Man hat mich nicht zu Worte kommen lassen. Ich protestiere.
(Dolly ergreift schmeichlerisch seinen Arm:) Lieber Finch, nicht böse
sein!
(Frau Clandon.) Gloria, wir wollen hineingehen; er kann jeden
Augenblick kommen!
(Gloria stolz:) Rühr' dich nicht vom Fleck, Mutter. Ich werde mich
auch nicht rühren. Wir dürfen nicht davonlaufen.
(Frau Clandon sie zurechtweisend:) Mein Kind, so können wir nicht zu
Tisch gehen. Wir kommen gleich wieder. Wir müssen kein Heldentum
posieren. (Gloria zuckt zusammen und geht stumm ins Hotel:) Komm,
Dolly! (Als sie sich der Hoteltüre nähert, kommt ihr der Kellner
daraus entgegen. Er trägt ein Servierbrett, auf dem sich Teller für
die zwei hinzugekommenen Gedecke befinden.)
(Der Kellner.) Sind die Herren schon da, gnädige Frau?
(Frau Clandon.) Es kommen noch zwei. Sie werden gleich da sein. (Sie
geht ins Hotel. Der Kellner geht mit seinem Geschirr an den
Serviertisch.)
(Philip.) Ich habe eine Idee--Herr McComas. Die Mitteilung, die Sie
zu machen haben, erfordert doch einen Mann von unendlich viel Takt,
nicht wahr?
(McComas.) Es gehört sicherlich Takt dazu.
(Philip.) Dolly, wessen Takt ist dir erst heute morgen aufgefallen?
(Dolly ergreift die Idee mit Begeisterung:) O ja! ich weiß, wen du
meinst! William!
(Philip.) Das ist der Mann! (Rufend:) William!
(Der Kellner.) Zu Befehl, junger Herr.
(McComas entsetzt:) Der Kellner?!... Nein! Nein! Das kann ich nicht
zugeben, ich--
(Der Kellner taucht zwischen Philip und McComas auf:) Ich stehe zu
Diensten.
(McComas setzt sich außer Fassung. Sein Gesicht wird aschfahl, und
seine Augen werden bewegungs--und ausdruckslos. Er setzt sich total
verdutzt.)
(Philip.) William, erinnern Sie sich an meine Bitte, mich als Ihren
Sohn zu betrachten?
(Der Kellner mit respektvoller Nachsicht:) Gewiß, junger Herr?--Alles,
womit ich Ihnen dienen kann.
(Philip.) William: Ihre Karriere als mein Vater hat kaum begonnen, und
schon ist ein Rivale auf der Bildfläche aufgetaucht.
(Der Kellner.) Ihr wirklicher Vater, junger Herr? Nun, das war früher
oder später zu erwarten, nicht wahr? (Er wendet sich mit einem
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