Emma reichte ihm den Arm. Sie traten den Rückweg an.
»Was hatten Sie denn vorhin?« fragte er. »Was war es? Ich habe Sie
nicht begriffen. Gewiß haben Sie mich mißverstanden. Sie thronen
in meinem Herzen wie eine Madonna, hoch und hehr und unerreichbar!
Aber ich kann ohne Sie nicht leben! Ich muß Ihre Augen sehen, Ihre
Stimme hören, Ihre Gedanken wissen! Seien Sie meine Freundin,
meine Schwester, mein Schutzengel!«
Er schlang seinen Arm um ihre Taille. Sie versuchte, sich ihm
sanft zu entwinden, aber er ließ sie nicht los. So gingen sie
nebeneinander hin. Da hörten sie ihre Pferde, die Blätter von den
Bäumen rupften.
»Noch nicht!« bat Rudolf. »Reiten wir noch nicht zurück! Bleiben
Sie!«
Er zog sie mit sich vom Wege ab in die Nähe eines kleinen Weihers,
dessen Spiegel mit Wasserlinsen bedeckt war. Zwischen Schilf
träumten verwelkte Wasserrosen. Vor dem Geräusch ihrer Schritte im
Gras hüpften die Frösche davon und verschwanden.
»Es ist nicht recht von mir ... es ist nicht recht von mir! Ich
bin toll, daß ich auf Sie höre!«
»Warum? Emma! Emma!«
»Ach, Rudolf!« flüsterte die junge Frau, indem sie sich an ihn
anschmiegte.
Das Tuch ihres Jacketts lag dicht am Samt seines Rockes. Sie bog
ihren weißen Hals zurück, den ein Seufzer schwellte. Halb
ohnmächtig und tränenüberströmt, die Hände auf ihr Gesicht
pressend und am ganzen Leib zitternd, gab sie sich ihm hin ...
Die Dämmerung sank herab. Die Sonne stand blendend am Horizont und
flammte in den Zweigen. Hier und da, um die beiden herum, im Laub
und auf dem Boden, tanzten lichte Flecke, als hätten Kolibris im
Vorbeifliegen ihre schimmernden Federn verloren. Rings tiefes
Schweigen. Die Bäume atmeten süße Melancholie.
Emma fühlte, wie ihr Herz wieder klopfte, wie ihr das Blut durch
den Körper kreiste.
In der Ferne, hinter dem Walde, über der Höhe ertönte ein
langgezogener seltsamer Schrei, unaufhörlich. Dem lauschte sie
schweigend. Er mischte sich in die verklingenden Schwingungen
ihrer zuckenden Nerven und ward zu Musik ...
Rudolf rauchte eine Zigarette und stellte mit Hilfe seines
Taschenmessers einen zerrissenen Zügel wieder her.
Auf demselben Wege ritten sie nach Yonville zurück. Sie sahen im
weichen Boden die Spuren ihres Hinrittes, die Huftritte beider
Pferde dicht beieinander, sie erkannten die Büsche wieder und
einzelne Steine am Rain. Nichts um sie herum hatte sich verändert,
und doch kam es Emma vor, als sei etwas höchst Bedeutsames
geschehen, als seien die Berge von ihrem Platze geschoben. Von
Zeit zu Zeit beugte sich Rudolf zu ihr herüber, um ihre rechte
Hand zu erfassen und zu küssen. Er fand Emma im Sattel entzückend
aussehend, bei ihrem geraden Sitz, ihrer schlanken Figur, der
schicken Haltung ihres rechten Knies, ihren von der scharfen Luft
geröteten Wangen, -- alles im Abendrot.
Als sie Yonville erreichten, wurde ihr Pferd unruhig. Einmal
machte es sogar kehrt. Aus allen Fenstern sah man ihr zu.
Beim Essen machte Karl die Bemerkung, Emma sähe vorzüglich aus.
Als er sich aber darnach erkundigte, wie der Spazierritt gewesen
sei, tat sie, als hätte sie die Frage überhört. Sie stützte sich
auf die Ellenbogen und starrte über ihren Teller weg in die
flackernden Kerzen.
»Emma!«
»Was denn?«
»Weißt du, ich bin heute nachmittag beim Pferdehändler gewesen. Er
hat eine recht gut aussehende alte Mutterstute zu verkaufen. Die
Knie sind nur ein bißchen durch. Ich bin überzeugt, für hundert
Taler ...« Da sie nichts dazu sagte, fuhr er nach ein paar
Augenblicken fort: »Ich habe gedacht, es sei dir erwünscht, und da
habe ich mir den Gaul zurückstellen lassen ... nein, gleich
gekauft ... Ists dir recht? Sag mal!«
Sie nickte bejahend mit dem Kopfe.
Eine Viertelstunde später fragte sie:
»Gehst du heute abend aus?«
»Ja. Warum denn?«
»Ach, ich wollt es bloß wissen, Bester!«
Sobald sie von Karl befreit war, ging sie in ihr Zimmer hinauf und
schloß sich ein.
Sie war zunächst noch wie unter einem Banne. Sie sah im Geist die
Bäume, die Wege, die Gräben, den Geliebten und fühlte seine
Umarmung. Das Laub wisperte um sie herum, und das Schilf rauschte.
Dann aber erblickte sie sich im Spiegel. Sie staunte über ihr
Aussehen. So große schwarze Augen hatte sie noch nie gehabt! Und
wie tief sie lagen! Etwas Unsagbares umfloß ihre Gestalt. Sie kam
sich wie verklärt vor.
Immer wieder sagte sie sich: »Ich habe einen Geliebten! Einen
Geliebten!«
Der Gedanke entzückte sie. Es war ihr, als sei sie jetzt erst Weib
geworden. Endlich waren die Liebesfreuden auch für sie da, die
fiebernde Glückseligkeit, auf die sie bereits keine Hoffnung mehr
gehabt hatte! Sie war in eine Wunderwelt eingetreten, in der alles
Leidenschaft, Verzückung und Rausch war. Blaue Unermeßlichkeit
breitete sich rings um sie her, vor ihrer Phantasie glänzte das
Hochland der Gefühle, und fern, tief unten, im Dunkel, weit weg
von diesen Höhen, lag der Alltag.
Sie erinnerte sich an allerlei Romanheldinnen, und diese Schar
empfindsamer Ehebrecherinnen sangen in ihrem Gedächtnisse mit den
Stimmen der Klosterschwestern. Entzückende Klänge! Jene
Phantasiegeschöpfe gewannen Leben in ihr; der lange Traum ihrer
Mädchenzeit ward zur Wirklichkeit. Nun war sie selber eine der
amoureusen Frauen, die sie so sehr beneidet hatte! Dazu das Gefühl
befriedigter Rache! Hatte sie nicht genug gelitten? Jetzt
triumphierte sie, und ihre so lange unterdrückte Sinnlichkeit
wallte nun auf und schäumte lebensfreudig über. Sie genoß ihre
Liebe ohne Gewissenskämpfe, ohne Nervosität, ohne Wirrungen.
Der Tag darauf verging in neuem süßen Glück. Sie schworen sich
ewige Treue. Emma erzählte ihm von ihren Leiden und Trübsalen. Er
unterbrach sie mit Küssen. Sie sah ihn mit halbgeschlossenen Augen
an und bat ihn immer wieder, sie bei ihrem Vornamen zu nennen und
ihr noch einmal zu sagen, daß er sie liebe. Es war wiederum im
Walde, in einer verlassenen Holzschuhmacherhütte. Die Wände waren
von Strohmatten und das Dach so niedrig, daß man drin nicht
aufrecht stehen konnte. Sie saßen dicht beieinander auf einer
Streu von trocknem Laub.
Von diesem Tag an schrieben sie sich beide regelmäßig alle Abende.
Emma trug ihren Brief hinter in den Garten, wo sie ihn unter einen
lockeren Stein der kleinen Treppe, die zum Bach führte, verbarg.
Dort holte ihn Rudolf ab und legte einen von sich hin. Seine
Briefe waren sehr kurz, worüber sie sich alle Tage beklagte.
Eines Morgens, da Karl bereits vor Sonnenaufgang fortgegangen war,
geriet sie plötzlich auf den Einfall, unverweilt Rudolf sehen zu
wollen. Ehe die Yonviller aufständen, konnte sie nach der Hüchette
gehen, eine Stunde dort verweilen und wieder zurückkommen. Dieser
Plan ließ sie gar nicht recht zur Besinnung kommen. Ein paar
Augenblicke später war sie schon mitten in den Wiesen. Ohne sich
umzublicken, schritt sie eilig ihres Wegs.
Der Tag begann zu grauen. Schon von weitem erkannte sie das Gut
des Geliebten. Der Schwalbenschwanz der Wetterfahne auf dem
höchsten Giebel zeichnete sich schwarz vom fahlen Himmel ab.
Über den Hof weg stand ein großes Gebäude. Das mußte das
Herrenhaus sein. Dort trat sie ein. Es war ihr, als öffnete sich
ihr alles von selbst. Eine breite Treppe führte auf einen Gang.
Emma drückte auf die Klinke einer Tür, und da erblickte sie im
Hintergrunde dieses Zimmers einen Mann im Bett. Es war Rudolf. Sie
frohlockte laut.
»Du? Du!« rief er aus. »Wie hast du das fertig gebracht? Dein Kleid
ist feucht ...«
»Ich liebe dich!« war ihre Antwort, indem sie ihm die Arme um den
Hals schlang.
Nachdem ihr dieses Wagnis beim ersten Male geglückt war, kleidete
sich Emma jedesmal, wenn Karl frühzeitig fort mußte, rasch an und
schlich sich wie ein Wiesel durch die hintere Gartenpforte, auf
dem Treppchen, das hinunter nach dem Bache führte, aus dem Hause.
Aber wenn die Planke, die als Steg über das Wasser diente,
zufällig weggenommen war, mußte sie ein Stück bis zum nächsten
Steg an den Gartenmauern längs des Baches hingehen. Die bewachsene
Böschung war steil und glitschig, und so mußte sie sich mit der
einen Hand an Büscheln der vertrockneten Mauerblumen festhalten,
um nicht zu fallen. Dann aber eilte sie querfeldein über die
Äcker, ungeachtet, daß ihre zierlichen Schuhe einsanken, daß sie
oft stolperte oder stecken blieb. Das Chiffontuch, das sie sich um
Kopf und Hals gewunden hatte, flatterte im Winde. Aus Angst vor
den weidenden Ochsen begann sie zu laufen. Atemlos, mit glühenden
Wangen, ganz vom frischen Duft der Natur, ihrer Säfte, ihres Grüns
und der freien Luft durchtränkt, kam sie an. Rudolf schlief dann
meist noch. Sie kam zu ihm in sein Gemach wie der
leibhaftgewordene Frühlingsmorgen.
Die gelben Gardinen vor den Fenstern machten das eindringende
goldene Morgenlicht traulich und dämmerig. Mit blinzelnden Augen
fand sich Emma zurecht. Die Tautropfen an ihren Gewändern
leuchteten wie Topase und verliehen ihr etwas Feenhaftes. Rudolf
zog sie lachend zu sich und drückte sie an sein Herz.
Darnach sah sie sich im Zimmer alles an, zog alle Fächer auf,
kämmte sich mit seinem Kamm und betrachtete sich in seinem
Rasierspiegel. Mitunter nahm sie seine große Tabakspfeife in den
Mund, die auf dem Nachttisch lag, zwischen Zitronen und
Zuckerstücken, neben der Wasserflasche.
Zum Abschiednehmen brauchten sie immer eine Viertelstunde. Emma
vergoß Tränen. Am liebsten wäre sie gar nicht wieder von ihm
weggegangen. Eine unwiderstehliche Gewalt trieb sie immer von
neuem in seine Arme.
Da eines Tages, als er sie unerwartet eintreten sah, machte er ein
bedenkliches Gesicht, als ob es ihm nicht recht wäre.
»Was hast du denn?« fragte sie. »Hast du Schmerzen? Sprich!«
Schließlich erklärte er ihr in ernstem Tone, ihre Besuche begönnen
unvorsichtig zu werden. Sie kompromittiere sich.
Zehntes Kapitel
Allmählich machten Rudolfs Befürchtungen auf Emma Eindruck. Zuerst
hatte die Liebe sie berauscht, und so hatte sie an nichts andres
gedacht. Jetzt aber, da ihr diese Liebe zu einer Lebensbedingung
geworden war, erwachte die Furcht in ihr, es könne ihr etwas davon
verloren gehen oder man könne sie ihr gar stören. Wenn sie von dem
Geliebten wieder heimging, hielt sie mit rastlosen Blicken
Umschau; sie spähte nach allem, was sich im Gesichtskreise regte,
sie suchte die Häuser des Ortes bis hinauf in die Dachluken ab, ob
jemand sie beobachte. Sie lauschte auf jedes Geräusch, jeden
Tritt, jedes Rädergeknarr. Manchmal blieb sie stehen, blasser und
zittriger als das Laub der Pappeln, die sich über ihrem Haupte
wiegten.
Eines Morgens, auf dem Heimwege, erblickte sie mit einem Male den
Lauf eines Gewehrs auf sich gerichtet. Es ragte schräg über den
oberen Rand einer Tonne hervor, die zur Hälfte in einem Graben
stand und vom Gebüsch verdeckt wurde. Vor Schreck halb ohnmächtig
ging Emma dennoch weiter. Da tauchte ein Mann aus der Tonne wie
ein Springteufel aus seinem Kasten. Er trug Wickelgamaschen bis
an die Knie, und die Mütze hatte er tief ins Gesicht
hereingezogen, so daß man nur eine rote Nase und bebende Lippen
sah. Es war der Feuerwehrhauptmann Binet, der auf dem Anstand lag,
um Wildenten zu schießen.
»Sie hätten schon von weitem rufen sollen!« schrie er ihr zu.
»Wenn man ein Gewehr sieht, muß man sich bemerkbar machen!«
Der Steuereinnehmer suchte durch seine Grobheit seine eigene Angst
zu bemänteln. Es bestand nämlich eine landrätliche Verordnung,
nach der man die Jagd auf Wildenten nur vom Kahne aus betreiben
durfte. Bei allem Respekt vor den Gesetzen machte sich also Binet
einer Übertretung schuldig. Deshalb schwebte er in steter Furcht,
der Landgendarm könne ihn erwischen, und doch fügte die Aufregung
seinem Vergnügen einen Reiz mehr zu. Wenn er so einsam in seiner
Tonne saß, war er stolz auf sein Jagdglück und seine Schlauheit.
Als er erkannte, daß es Frau Bovary war, fiel ihm ein großer Stein
vom Herzen. Er begann sofort ein Gespräch mit ihr.
»Es ist kalt heute! Ordentlich kalt!«
Emma gab keine Antwort. Er fuhr fort:
»Sie sind heute schon zeitig auf den Beinen?«
»Jawohl!« stotterte sie. »Ich war bei den Leuten, wo mein Kind
ist...«
»So so! Na ja! Und ich! So wie Sie mich sehen, sitze ich schon
seit Morgengrauen hier. Aber das Wetter ist so ruppig, daß man
auch nicht einen Schwanz vor die Flinte kriegt ...«
»Adieu, Herr Binet!« unterbrach sie ihn und wandte sich kurz von
ihm ab.
»Ihr Diener, Frau Bovary!« sagte er trocken und kroch wieder in
seine Tonne.
Emma bereute es, den Steuereinnehmer so unfreundlich stehen
gelassen zu haben. Zweifellos hegte er allerlei ihr nachteilige
Vermutungen. Auf eine dümmere Ausrede hätte sie auch wirklich
nicht verfallen können, denn in ganz Yonville wußte man, daß das
Kind schon seit einem Jahre wieder bei den Eltern war. Und sonst
wohnte in dieser Richtung kein Mensch. Der Weg führte einzig und
allein nach der Hüchette. Somit mußte Binet erraten, wo Emma
gewesen war. Sicherlich würde er nicht schweigen, sondern es
ausklatschen! Bis zum Abend marterte sie sich ab, alle möglichen
Lügen zu ersinnen. Immer stand ihr dieser Idiot mit seiner
Jagdtasche vor Augen.
Als Karl nach dem Essen merkte, daß Emma bekümmert war, schlug er
ihr vor, zur Zerstreuung mit zu »Apothekers« zu gehen.
Die erste Person, die sie schon von draußen in der Apotheke im
roten Lichte erblickte, war -- ausgerechnet -- der
Steuereinnehmer. Er stand an der Ladentafel und sagte gerade:
»Ich möchte ein Lot Vitriol.«
»Justin,« schrie der Apotheker, »bring mir mal die Schwefelsäure
her!« Dann wandte er sich zu Frau Bovary, die die Treppe zum
Zimmer von Frau Homais hinaufgehen wollte.
»Ach, bleiben Sie nur gleich unten! Meine Frau kommt jeden
Augenblick herunter. Wärmen Sie sich inzwischen am Ofen ...
Entschuldigen Sie!« Und zu Bovary sagte er: »Guten Abend, Doktor!«
Der Apotheker pflegte nämlich diesen Titel mit einer gewissen
Vorliebe in den Mund zu nehmen, als ob der Glanz, der darauf
ruhte, auch auf ihn ein paar Strahlen würfe. »Justin, nimm dich
aber in acht und wirf mir die Mörser nicht um! So! Und nun holst
du ein paar Stühle aus dem kleinen Zimmer! Aber nicht etwa die
Fauteuils aus dem Salon! Verstanden?«
Homais wollte selber zu seinen Fauteuils stürzen, aber Binet bat
noch um ein Lot Zuckersäure.
»Zuckersäure?« fragte der Apotheker eingebildet. »Kenne ich nicht!
Gibt es nicht! Sie meinen wahrscheinlich Oxalsäure? Also
Oxalsäure, nicht wahr?«
Der Steuereinnehmer setzte ihm auseinander, daß er nach einem
selbsterfundenen Rezepte ein Putzwasser herstellen wollte, zur
Reinigung von verrostetem Jagdgerät.
Bei dem Wort »Jagd« schrak Emma zusammen.
Der Apotheker versetzte:
»Gewiß! Bei solch schlechtem Wetter braucht man das!«
»Es gibt aber doch Leute, die es nicht anficht!« meinte Binet
bissig.
Emma bekam keine Luft.
»Und dann möcht ich noch ...«
»Will er denn ewig hier bleiben!« seufzte sie bei sich.
»... je ein Lot Kolophonium und Terpentin, acht Lot gelbes Wachs
und sieben Lot Knochenkohle, bitte! Zum Polieren meines
Lederzeugs.«
Der Apotheker wollte gerade das Wachs abschneiden, als seine Frau
erschien, die kleine Irma im Arme, Napoleon zur Seite, und Athalia
hinterdrein. Sie setzte sich auf die mit Plüsch überzogene
Fensterbank. Der Junge lümmelte sich auf einen niedrigen Sessel,
während sich seine ältere Schwester am Kasten mit den Malzbonbons
zu schaffen machte, in nächster Nähe von »Papachen«, der mit dem
Trichter hantierte, die Fläschchen verkorkte, Etiketten darauf
klebte und dann alles zu einem Paket verpackte. Um ihn herrschte
Schweigen. Man hörte nichts, als von Zeit zu Zeit das Klappern der
Gewichte auf der Wage und ein paar leise anordnende Worte, die der
Apotheker dem Lehrling erteilte.
»Wie gehts Ihrem Töchterchen?« fragte plötzlich Frau Homais.
»Ruhe!« rief ihr Gatte, der den Betrag in das Geschäftsbuch
eintrug.
»Warum haben Sies nicht mitgebracht?« fragte sie weiter.
»Sst! Sst!« machte Emma und wies mit dem Daumen nach dem
Apotheker.
Binet, der in die erhaltene Nota ganz vertieft war, schien nicht
darauf gehört zu haben. Endlich ging er. Erleichtert stieß Emma
einen lauten Seufzer aus.
»Bißchen asthmatisch?« bemerkte Frau Homais.
»Ach nein, es ist nur recht heiß hier!« entgegnete Frau Bovary.
Alles das hatte zur Folge, daß die Liebenden tags darauf
beschlossen, ihre Zusammenkünfte anders einzurichten. Emma schlug
vor, ihr Hausmädchen ins Vertrauen zu ziehen und durch ein
Geschenk mundtot zu machen. Rudolf aber hielt es für besser, in
Yonville irgendein stilles Winkelchen ausfindig zu machen. Er
versprach, sich darnach umzusehen.
Den ganzen Winter über kam er drei- oder viermal in der Woche bei
Anbruch der Nacht in den Garten. Emma hatte ihm den Schlüssel zur
Hinterpforte gegeben, während Karl glaubte, er sei verloren
gegangen. Zum Zeichen, daß er da war, warf Rudolf jedesmal eine
Handvoll Sand gegen die Jalousien. Emma erhob sich daraufhin, aber
oft mußte sie noch warten, denn Karl hatte die Angewohnheit, am
Kamine zu sitzen und ins Endlose hinein zu plaudern. Emma verging
beinahe vor Ungeduld und wünschte ihren Mann wer weiß wohin.
Schließlich begann sie ihre Nachttoilette zu machen; dann nahm sie
ein Buch zur Hand und tat so, als sei das Buch über alle Maßen
fesselnd. Karl ging indessen zu Bett und rief ihr zu, sie solle
auch schlafen gehn.
»Komm doch, Emma!« rief er. »Es ist schon spät!«
»Gleich! Gleich!« erwiderte sie.
Das Kerzenlicht blendete ihn. Er drehte sich gegen die Wand und
schlief ein. Sie schlüpfte hinaus, mit verhaltenem Atem, lächelnd,
zitternd, halbnackt.
Rudolf hüllte sie ganz mit hinein in seinen weiten Mantel, schlang
die Arme um sie und zog sie wortlos hinter in den Garten, in die
Laube, auf die morsche Holzbank, auf der sie dereinst so oft mit
Leo gesessen hatte. Das war an Sommerabenden gewesen. Wie verliebt
hatten seine Augen geschimmert! Aber jetzt dachte Emma nicht mehr
an ihn.
Durch die kahlen Zweige der Jasminbüsche funkelten die Sterne.
Hinter dem Paare rauschte der Bach, und hin und wieder knackte am
Ufer das vertrocknete hohe Schilf. Manchmal formte es sich im
Dunkel zu einem massigen Schatten, der mit einem Male Leben bekam,
sich emporrichtete und wieder neigte und wie ein schwarzes Ungetüm
auf die beiden zuzukommen schien, um sie zu erdrücken.
In der Kälte der Nacht wurden ihre Umarmungen um so inniger und
ihr Liebesgestammel um so inbrünstiger. Ihre Augen, die sie
gegenseitig kaum erkennen konnten, erschienen ihnen größer, und in
der Stille ringsum bekamen ihre ganz leise geflüsterten Worte
einen kristallenen Klang, drangen tief in die Seelen und zitterten
in ihnen tausendfach wider.
Wenn die Nacht regnerisch war, flüchteten sie in Karls
Sprechzimmer, das zwischen dem Wagenschuppen und dem Pferdestall
gelegen war. Emma zündete eine Küchenlampe an, die sie hinter den
Büchern bereitgestellt hatte. Rudolf machte sichs bequem, als sei
er zu Hause. Der Anblick der »Bibliothek«, des Schreibtisches, der
ganzen Einrichtung erregte seine Heiterkeit. Er konnte nicht
umhin, über Karl allerhand Witze zu machen, was Emma ungern hörte.
Sie hätte ihn viel lieber ernst sehen mögen, ihretwegen
theatralischer, wie er es einmal gewesen war, als sie in der
Pappelallee das Geräusch von näherkommenden Tritten hinter sich zu
vernehmen wähnten.
»Es kommt jemand!« sagte sie einmal.
Er blies das Licht aus.
»Hast du eine Pistole bei dir?«
»Wozu?«
»Damit du ... dich ... verteidigen kannst!«
»Gegen deinen Mann? Der arme Junge!« Dazu machte er eine Gebärde,
die etwa sagen sollte: »Der mag mir nur kommen!«
Dieser Mut entzückte sie, wenngleich sie die Unzartheit und
urwüchsige Roheit heraushörte und darüber entsetzt war.
Rudolf dachte viel über diese kleine Szene nach.
»Wenn das ihr Ernst war,« sagte er sich, »so war das recht
lächerlich, sogar häßlich.« Er hatte doch wahrlich keinen Anlaß,
ihren gutmütigen Mann zu hassen. Sozusagen »von Eifersucht
verzehrt«, das war er nicht. Überdies hatte ihm Emma ihre
körperliche Treue mit einem feierlichen Eid beteuert, der ihm
ziemlich abgeschmackt erschienen war. Überhaupt fing sie an, recht
sentimental zu werden. Er hatte Miniaturbildnisse mit ihr tauschen
müssen, und sie hatten sich alle beide eine ganze Handvoll Haare
für einander abgeschnitten, und jetzt wünschte sie sich sogar
einen wirklichen Ehering von ihm, zum Zeichen ewiger
Zusammengehörigkeit. Häufig schwärmte sie ihm von den Abendglocken
vor oder von den Stimmen der Natur. Oder sie erzählte von ihrer
seligen Mutter und wollte von der seinigen etwas wissen. Rudolfs
Mutter war schon zwanzig Jahre tot. Trotzdem tröstete ihn Emma mit
allerlei Koseworten der Klein-Kindersprache, als ob es gölte, ein
Wickelkind zu beruhigen. Mehr als einmal hatte sie, zu den Sternen
aufblickend, ausgerufen:
»Ich glaube fest, da droben, unsre beiden Mütter segnen unsre
Liebe!«
Aber sie war so hübsch! Und eine so unverdorbene Frau hatte er
noch nie besessen. Solch eine Liebschaft ohne Unzüchtigkeiten war
ihm, der das Verdorbenste kannte, etwas ganz Neues, das seinen
Mannesstolz und seine Sinnlichkeit verführerisch umschmeichelte.
Selbst Emmas Überschwenglichkeiten, so zuwider sie einem
Naturmenschen wie ihm waren, fand er bei näherer Betrachtung
reizend, da sie doch ihm galten. Aber weil er so sicher war, daß
er geliebt wurde, ließ er sich gehen, und allmählich änderte sich
sein Benehmen.
Nicht mehr wie einst hatte er für sie jene süßen Worte, die Emma
zu Tränen rührten, nicht mehr die stürmischen Liebkosungen, die
sie toll gemacht hatten. Und so kam es ihr vor, als ob der Strom
ihrer eignen großen Liebe, in der sie völlig untergetaucht war,
niedriger würde; sie sah gleichsam auf den schlammigen Grund. Vor
dieser Erkenntnis schauderte sie, und darum verdoppelte sie ihre
Zärtlichkeiten. Rudolf indessen verriet seine Gleichgültigkeit
immer mehr.
Emma war sich selber nicht klar darüber, ob sie es bereuen müsse,
sich ihm geschenkt zu haben, oder ob es nicht besser für sie sei,
wenn sie ihn noch viel mehr liebte. Dann aber begann sie ihre
Schwachheit als Schmach zu empfinden, und der Groll darüber
beeinträchtigte ihr den sinnlichen Genuß. Sie gab sich ihm nicht
mehr hin, sie ließ sich jedesmal von neuem verführen. Aber er
meisterte sie, und sie fürchtete sich beinahe vor ihm.
Ihre Beziehungen zueinander gewannen nach außen ein harmloses
Gepräge wie nie zuvor. Das war so recht nach Rudolfs Wunsch. So
war ihm der Ehebruch recht. Nach einem halben Jahre, als der
Frühling ins Land kam, waren sie fast wie zwei Eheleute
zueinander, die ihre Liebesopfer an der gemütlichen Flamme des
häuslichen Herdes bringen.
Um diese Zeit schickte Vater Rouault wie alljährlich eine
Truthenne zur Erinnerung an das geheilte Bein. Mit der Gabe kam,
wie immer, ein Brief. Emma zerschnitt den Bindfaden, mit dem er an
den Korb gebunden war, und las die folgenden Zeilen:
»Meine liben Kinder, hofentlig trift euch di hir gesund und wol
und is si so gut wi di früeren. Mir komt sie nämlig ein bissel
zarter vor sozusagen nich so kombakt, das nächste mal schik ich
euch zur abwekslung mal einen Han oder wolt ür liber ein par junge
un schikt mir den Korb zerük, bite un auch di vorgen, ich hab
Unglük mit der römise gehabt der ihr Dach ist mir neulig nachts
bei dem grosen Sturm in die Bäume geflogen, die ernte ist diesmal
nich besonders berümt. Kurz und gut ich weis nicht wan ich zu euch
zu besuch kome, das ist jez so ne Sache, ich kan schwer vom Hofe
weg seit ich allein bin meine arme Emma.«
Hier war ein großer Absatz, als ob der gute Mann seine Feder
hingelegt hatte, um dazwischen eine Weile zu träumen.
»Was mich anbelangt so gehts mir leidlig bis auf den Schnuppen den
ich mir neulig auf der messe in Yvetot geholt hab wo ich war,
einen neuen Schäfer zu mieten. Den alten hab ich nämlig
nausgeschmisen wegen seiner Grosen klape. Es is wirklig schrecklig
mit diesen Gesindel, mausen tat er übrigens auch.
»Von nem Hausierer der vergangnen Winter durch eure Gegend gekomen
is und sich bei euch nen Zan hat zihn lasen, hab ich vernomen das
Karl imer feste ze tun hat. Das wundert mich kar nich und den Zan
hat er mir gezeigt. Ich hab in zu ner tase Kafee dabehalten. Ich
fragt in ob er dich auch gesehen hat, da sagte er Nein aber im
Stale häte er zwei Gäule stehn sehn woraus ich schlise das der
kurkenhandel bei euch gut geht. Das freut mich sehr meine liben
Kinder der libe got mög euch ales möglige Glük schenken. Es tut
mir sör leid das ich mein libes Enkelkind Berta Bovary noch imer
nich kene. Ich habe für si unter deiner Stube ein Flaumenbäumgen
geflanzt. Das sol nich angerürt werden auser später um die Flaumen
für Berta einzumagen. Di werde ich dan im schrank aufheben und wen
si komt krigt si imer welge. Adiö libe Kinder. Ig küse dich libe
Emma un auch dich liber Schwigerson und di kleine auf ale beide
Baken un verbleibe mit tausen Grüsen euer euch
libender vater
Theodor Rouault.«
Ein paar Minuten hielt sie das Stück grobes Papier noch nach dem
Lesen in den Händen. Die Verstöße gegen die Rechtschreibung jagten
sich in den väterlichen Zeilen nur so, aber Emma ging einzig und
allein dem lieben Geist darin nach, der wie eine Henne aus einer
dicken Dornenhecke allenthalben hervorgackerte. Rouault hatte die
noch nassen Schriftzüge offenbar mit Herdasche getrocknet, denn
aus dem Briefe rieselte eine Menge grauen Staubes auf das Kleid
der Leserin. Sie glaubte, den Vater geradezu leibhaftig vor sich
zu sehen, wie er sich nach dem Aschekasten bückte. Ach, wie lange
war es schon her, daß sie nicht mehr bei ihm war! Im Geiste sah
sie sich wieder auf der Bank am Herde sitzen, wie sie das Ende
eines Steckens an der großen Flamme des Funken sprühenden
Ginsterreisigs anbrennen ließ. Und dann dachte sie zurück an
gewisse sonnendurchglühte Sommerabende, wo die Füllen so hell
aufwieherten, wenn man in ihre Nähe kam, und dann weggaloppierten.
Diese drolligen Galoppsprünge! Im Vaterhause, unter ihrem Fenster,
da stand ein Bienenkorb, und manchmal waren die Bienen, wenn sie
in der Sonne ausschwärmten, gegen die Scheiben geflogen wie
fliegende Goldkugeln. Das war doch eigentlich eine glückliche Zeit
gewesen! Voller Freiheit! Voller Erwartung und voller Illusionen!
Nun waren sie alle zerronnen! Bei dem, was sie erlebt, hatte sie
ihre Seele verbraucht, in allen den verschiedenen Abschnitten
ihres Daseins, als junges Mädchen, dann als Gattin, zuletzt als
Geliebte. Sie hatte von ihrer Seele verloren in einem fort, wie
jemand, der auf einer Reise in jedem Gasthause immer ein Stück von
seinen Habseligkeiten liegen läßt.
Aber warum war sie denn so unglücklich? Was war Bedeutsames
geschehen, daß sie mit einem Male aus allen Himmeln gestürzt war?
Sie erhob sich und blickte um sich, gleichsam als suche sie den
Anlaß ihres Herzeleids.
Ein Strahl der Aprilsonne glitzerte auf dem Porzellan des
Wandbrettes. Im Kamin war Feuer. Durch ihre Hausschuhe hindurch
spürte sie den weichen Teppich. Es war ein heller Frühlingstag,
und die Luft war lau.
Da hörte sie, wie ihr Kind draußen laut aufjauchzte.
Die kleine Berta rutschte im Grase herum. Das Kindermädchen wollte
sie am Kleide wieder in die Höhe ziehen. Lestiboudois war dabei,
den Rasen zu scheren. Jedesmal, wenn er in die Nähe des Kindes
kam, streckte es ihm beide Ärmchen entgegen.
»Bring sie mir mal herein!« rief sie dem Mädchen zu und riß ihr
Töchterchen hastig an sich, um es zu küssen. »Wie ich dich liebe,
mein armes Kind! Wie ich dich liebe!«
Als sie bemerkte, daß es am Ohre etwas schmutzig war, klingelte
sie rasch und ließ sich warmes Wasser bringen. Sie wusch die
Kleine, zog ihr frische Wäsche und reine Strümpfe an. Dabei tat
sie tausend Fragen, wie es mit der Gesundheit der Kleinen stehe,
just als sei sie von einer Reise zurückgekehrt. Schließlich küßte
sie sie noch einmal und gab sie tränenden Auges dem Mädchen
wieder. Felicie war ganz verdutzt über diesen Zärtlichkeitsanfall
der Mutter.
Am Abend fand Rudolf, Emma sei nachdenklicher denn sonst.
»Eine vorübergehende Laune!« tröstete er sich.
Dreimal hintereinander versäumte er das Stelldichein. Als
er wieder erschien, behandelte sie ihn kühl, fast geringschätzig.
»Schade um die Zeit, mein Liebchen!« meinte er. Und er tat so, als
merke er weder ihre sentimentalen Seufzer noch das Taschentuch,
das sie herauszog.
Jetzt kam wirklich die Reue über sie. Sie fragte sich, aus welchem
Grunde sie eigentlich ihren Mann hasse und ob es nicht besser
gewesen wäre, wenn sie ihm treu hätte bleiben können. Aber Karl
bot ihr keine besondere Gelegenheit, ihm ihren Gefühlswandel zu
offenbaren. Wenn der Apotheker nicht zufällig eine solche
heraufbeschworen hätte, wäre alle ihre hingebungsvolle Anwandlung
tatenlos geblieben.
Elftes Kapitel
Homais hatte letzthin die Lobpreisung einer neuen Methode,
Klumpfüße zu heilen, gelesen, und als Fortschrittler, der er war,
verfiel er sofort auf die partikularistische Idee, auch in
Yonville müsse es strephopodische Operationen geben, damit es auf
der Höhe der Kultur bleibe.
»Was ist denn dabei zu riskieren?« fragte er Frau Bovary. Er
zählte ihr die Vorteile eines solchen Versuches an den Fingern
auf. Erfolg so gut wie sicher. Wiederherstellung des Kranken.
Befreiung von einem Schönheitsfehler. Bedeutende Reklame für den
Operateur. »Warum soll Ihr Herr Gemahl nicht beispielsweise den
armen Hippolyt vom Goldnen Löwen kurieren? Bedenken Sie, daß er
seine Heilung allen Reisenden erzählen würde. Und dann ...« Der
Apotheker begann zu flüstern und blickte scheu um sich, »... was
sollte mich daran hindern, eine kleine Notiz darüber in die
Zeitung zu bringen? Du mein Gott! So ein Artikel wird überall
gelesen ... man spricht davon ... schließlich weiß es die ganze
Welt. Aus Schneeflocken werden am Ende Lawinen! Und wer weiß? Wer
weiß?«
Warum nicht? Bovary konnte in der Tat Erfolg haben. Emma hatte gar
keinen Anlaß, Karls chirurgische Geschicklichkeit zu bezweifeln,
und was für eine Befriedigung wäre es für sie, die geistige
Urheberin eines Entschlusses zu sein, der sein Ansehen und seine
Einnahmen steigern mußte. Sie verlangte mehr als bloß die Liebe
dieses Mannes.
Vom Apotheker und von seiner Frau bestürmt, ließ sich Karl
überreden. Er bestellte sich in Rouen das Werk des Doktors Düval,
und nun vertiefte er sich jeden Abend, den Kopf zwischen den
Händen, in diese Lektüre. Während er sich über Pferdefußbildungen,
Varus und Valgus, Strephocatopodie, Strephendopodie,
Strephexopodie (d.h. über die verschiedenartigen inneren und
äußerlichen Verkrüppelungen des menschlichen Fußes),
Strephypopodie und Strephanopodie (das sind Fußleiden, die
oberhalb oder unterhalb der Verkrüppelung um sich greifen)
unterrichtete, suchte Homais den Hausknecht vom Goldnen Löwen mit
allen Mitteln der Überredungskunst zur Operation zu bewegen.
»Du wirst höchstens einen ganz leichten Schmerz spüren«, sagte er
zu ihm. »Es ist nichts weiter als ein Einstich wie beim
Aderlassen, nicht schlimmer, als wenn du dir ein Hühnerauge
schneiden läßt.«
Hippolyts blöde Augen blickten unschlüssig um sich.
»Im übrigen«, fuhr der Apotheker fort, »kann mirs natürlich ganz
egal sein. Dein Nutzen ist es. Ich rate dirs nur aus purer
Nächstenliebe. Mein lieber Freund, ich möchte dich gar zu gern von
deinem scheußlichen Hinkfuß befreit sehen, von diesem ewigen Hin-
und Herwackeln mit den Hüften. Du kannst dagegen sagen, was du
willst: es stört dich in der Ausübung deines Berufs doch
erheblich!«
Nun schilderte ihm Homais, wie frei und flott er sich nach einer
Operation werde bewegen können. Auch gab er ihm zu verstehen, daß
er dann mehr Glück bei den Weibern haben würde, worüber der
Bursche albern grinste.
»Schockschwerebrett! Du bist doch auch ein Mann! Du hättest doch
auch nicht kneifen können, wenn man dich zu den Soldaten
ausgehoben und in den Krieg geschickt hätte! Also Hippolyt!«
Homais wandte sich von ihm ab und meinte, so ein Dickkopf sei ihm
noch nicht vorgekommen. Er begreife nicht, wie man sich den
Wohltaten der Wissenschaft derartig störrisch entziehen könne.
Endlich gab der arme Schlucker nach. Das war ja die reine
Verschwörung gegen ihn! Binet, der sich sonst niemals um die
Angelegenheiten anderer kümmerte, die Löwenwirtin, Artemisia, die
Nachbarn und selbst der Bürgermeister, alle drangen sie in ihn,
redeten ihm zu und machten ihn lächerlich. Und was vollends den
Ausschlag gab: die Operation sollte ihm keinen roten Heller
kosten. Bovary versprach sogar, Material und Medikamente umsonst
zu liefern. Emma war die Anstifterin dieser Generosität. Karl
pflichtete ihr bei und sagte sich im stillen: »Meine Frau ist doch
wirklich ein Engel!«
Beraten vom Apotheker, ließ Karl nach drei fehlgeschlagenen
Versuchen durch den Tischler unter Beihilfe des Schlossers eine
Art Gehäuse anfertigen. Es wog beinahe acht Pfund, und an Holz,
Eisen, Blech, Leder, Schrauben usw. war nicht gespart worden.
Um nun zu bestimmen, welche Sehne zu durchschneiden sei, mußte
zunächst festgestellt werden, welche besondere Art von Klumpfuß
hier vorlag. Hippolyts Fuß setzte sich an sein Schienbein nahezu
geradlinig an. Dazu war er noch nach innen zu verdreht. Es war
also Pferdefuß, verbunden mit etwas Varus oder, anders
ausgedrückt, ein Fall leichten Varus mit starker Neigung zu einem
Pferdefuß.
Trotz dieses Klumpfußes, der in der Tat plump wie ein Pferdehuf
war und runzelige Haut, ausgedörrte Sehnen und dicke Zehen mit
schwarzen wie eisern aussehenden Nägeln hatte, war der Krüppel von
früh bis abend munter wie ein Wiesel. Man sah ihn unaufhörlich im
Hofe um die Wagen herumhumpeln. Es hatte sogar den Anschein, als
sei sein mißratenes Bein kräftiger denn das gesunde. Offenbar
hatte sich Hippolyt, von Jugend auf im schweren Dienst, sehr viel
Geduld und Ausdauer zu eigen gemacht.
An einem Pferdefuß muß zunächst die Achillessehne durchschnitten
werden, dann die vordere Schienbeinmuskel. Eher kann der Varus
nicht beseitigt werden. Karl wagte es kaum, beide Schnitte auf
einmal zu machen. Auch hatte er große Angst, einen wichtigen Teil
zu verletzen. Seine anatomischen Kenntnisse waren mangelhaft.
Ambrosius Paré, der fünfzehn Jahrhunderte nach Celsus die erste
unmittelbare Unterbindung einer Arterie wagte, Düpuytren, der es
unternahm, einen Abszeß am Gehirn zu öffnen, Gensoul, der als
erster eine Oberkiefer-Abtragung ausführte, -- allen diesen hat
sicherlich nicht so das Herz geklopft und die Hand gezittert, und
sie waren gewiß nicht so aufgeregt wie Bovary, als er Hippolyt
unter sein Messer nahm.
Im Stübchen des Hausknechts sah es aus wie in einem Lazarett. Auf
dem Tische lagen Haufen von Scharpie, gewichste Fäden, Binden,
alles was in der Apotheke an Verbandszeug vorrätig gewesen war.
Homais hatte das alles eigenhändig vorbereitet, sowohl um die
Leute zu verblüffen als auch um sich selbst etwas vorzumachen.
Karl führte den Einschnitt aus. Ein platzendes Geräusch. Die Sehne
war zerschnitten, die Operation beendet.
Hippolyt war vor Erstaunen außer aller Fassung. Er nahm Bovarys
Hände und bedeckte sie mit Küssen.
»Erst mal Ruhe!« gebot der Apotheker. »Die Dankbarkeit für deinen
Wohltäter kannst du ja später bezeigen!«
Er ging hinunter, um das Ereignis den fünf oder sechs Neugierigen
mitzuteilen, die im Hofe herumstanden und sich eingebildet hatten,
Hippolyt werde erscheinen und mit einem Male laufen wie jeder
andere. Karl schnallte seinem Patienten das Gehäuse an und begab
sich sodann nach Haus, wo ihn Emma angstvoll an der Türe
erwartete. Sie fiel ihm um den Hals.
Sie setzten sich zu Tisch. Er aß viel und verlangte zum Nachtisch
sogar eine Tasse Kaffee; diesen Luxus erlaubte er sich sonst nur
Sonntags, wenn ein Gast da war.
Der Abend verlief in heiterer Stimmung unter Gesprächen und
gemeinsamem Pläneschmieden. Sie plauderten vom kommenden Glücke,
von der Hebung ihres Hausstandes. Er sah seinen ärztlichen Ruf
wachsen, seinen Wohlstand gedeihen und die Liebe seiner Frau
immerdar währen. Und sie, sie fühlte sich beglückt und verjüngt,
gesünder und besser in ihrer wiedererstandenen leisen Zuneigung
für diesen armen Mann, der sie so sehr liebte. Flüchtig schoß ihr
der Gedanke an Rudolf durch den Kopf, aber ihre Augen ruhten
alsbald wieder auf Karl, und dabei bemerkte sie erstaunt, daß
seine Zähne eigentlich gar nicht häßlich waren.
Sie waren bereits zu Bett, als Homais trotz der Abwehr des
Mädchens plötzlich ins Zimmer trat, in der Hand ein frisch
beschriebenes Stück Papier. Es war der Reklame-Aufsatz, den er für
den »Leuchtturm von Rouen« verfaßt hatte. Er brachte ihn, um ihn
dem Arzte zum Lesen zu geben.
»Lesen Sie ihn vor!« bat Bovary.
Der Apotheker tat es:
»Ungeachtet der Vorurteile, in die ein Teil der Europäer
noch immer verstrickt ist wie in ein Netz, beginnt es in unserer
Gegend doch zu tagen. Am Dienstag war unser Städtchen
Yonville der Schauplatz einer chirurgischen Tat, die zugleich
ein Beispiel edelster Menschenliebe ist. Herr Karl Bovary,
einer unserer angesehensten praktischen Ärzte, ...«
»Ach, das ist zu viel! Das ist zu viel!« unterbrach ihn Karl, vor
Erregung tief atmend.
»Aber durchaus nicht! Wieso denn?«
Er las weiter:
»... hat den verkrüppelten Fuß ...«
Er unterbrach sich selbst:
»Ich habe hier absichtlich den terminus technicus vermieden,
wissen Sie! In einer Tageszeitung muß alles gemeinverständlich
sein ... die große Masse ...«
»Sehr richtig!« meinte Bovary. »Bitte fahren Sie fort!«
»Ich wiederhole:
Herr Karl Bovary, einer unserer angesehensten praktischen Ärzte,
hat den verkrüppelten Fuß eines gewissen Hippolyt Tautain
operiert, des langjährigen Hausknechts im Hotel zum Goldnen Löwen
der verwitweten Frau Franz am Markt. Das aktuelle Ereignis und das
allgemeine Interesse an der Operation hatten eine derartig große
Volksmenge angezogen, daß der Zugang zu dem Etablissement gesperrt
werden mußte. Die Operation selbst vollzog sich wunderbar schnell.
Bluterguß trat so gut wie nicht ein. Kaum ein paar Blutstropfen
verrieten, daß ein hartnäckiges Leiden endlich der Macht der
Wissenschaft wich. Der Kranke verspürte dabei erstaunlicherweise
-- wie der Berichterstatter als Augenzeuge versichern darf --
nicht den geringsten Schmerz, und sein Zustand läßt bis jetzt
nichts zu wünschen übrig. Allem Dafürhalten nach wird die
vollständige Heilung rasch erfolgen, und wer weiß, ob der brave
Hippolyt nicht bei der kommenden Kirmes mit den flotten Urlaubern
um die Wette tanzen und seine Wiederherstellung durch muntere
Sprünge feiern wird? Ehre aber den hochherzigen Gelehrten, Ehre
den unermüdlichen Geistern, die ihre Nächte der Menschheit zum
Heile opfern! Ehre, dreimal Ehre ihnen!
Der Tag wird noch kommen, wo verkündet werden wird, daß die
Blinden sehen, die Tauben hören und die Lahmen gehen! Was der
kirchliche Aberglaube ehedem nur den Auserwählten versprach,
schenkt die Wissenschaft mehr und mehr allen Menschen. Wir werden
unsere verehrten Leser über den weiteren Verlauf dieser so
ungemein merkwürdigen Kur auf dem laufenden erhalten.«
Trotz alledem kam fünf Tage darauf die Löwenwirtin ganz verstört
gelaufen und rief:
»Zu Hilfe! Er stirbt! Ich weiß nicht, was ich machen soll!«
Karl rannte Hals über Kopf nach dem Goldnen Löwen, und der
Apotheker, der den Arzt so über den Markt stürmen sah, verließ
sofort im bloßen Kopfe seinen Laden. Atemlos, aufgeregt und mit
rotem Gesichte erreichte er den Gasthof und fragte jeden, dem er
auf der Treppe begegnete:
»Na, was macht denn unser interessanter Strephopode?«
Der Strephopode wand sich in schrecklichen Zuckungen, so daß das
Gehäuse, in das sein Bein eingezwängt war, gegen die Wand
geschlagen ward und entzwei zu gehen drohte.
Mit vieler Vorsicht, um ja dabei die Lage des Fußes nicht zu
verschieben, entfernte man das Holzgehäuse. Und nun bot sich ein
gräßlicher Anblick dar. Die Form des Fußes war unter einer
derartigen Schwellung verschwunden, daß es aussah, als platze
demnächst die ganze Haut. Diese war blutunterlaufen und von
Druckflecken bedeckt, die das famose Gehäuse verursacht hatte.
Hippolyt hatte von Anfang an über Schmerzen geklagt, aber man
hatte ihn nicht angehört. Nachdem man nunmehr einsah, daß er im
Rechte gewesen war, gönnte man ihm ein paar Stunden Befreiung.
Aber sowie die Schwellung ein wenig zurückgegangen war, hielten es
die beiden Heilkünstler für angebracht, das Bein wieder
einzuschienen und es noch fester einzupressen, um dadurch die
Wiederherstellung zu beschleunigen.
Aber nach drei Tagen vermochte es Hippolyt nicht mehr auszuhalten.
Man nahm ihm den Apparat abermals ab und war höchst über das
verwundert, was sich nunmehr herausstellte. Die schwärzlichblau
gewordene Schwellung erstreckte sich über das ganze Bein, das ganz
voller Blasen war; eine dunkle Flüssigkeit sonderte sich ab. Man
wurde bedenklich.
Hippolyt begann sich zu langweilen, und Frau Franz ließ ihn in die
kleine Gaststube bringen neben der Küche, damit er wenigstens
etwas Zerstreuung hätte. Aber der Steuereinnehmer, der dort seinen
Stammplatz hatte, beschwerte sich über diese Nachbarschaft.
Nunmehr schaffte man den Kranken in das Billardzimmer. Dort lag
er wimmernd unter seinen schweren Decken, blaß, unrasiert, mit
eingesunkenen Augen. Von Zeit zu Zeit wandte er seinen in Schweiß
gebadeten Kopf auf dem schmutzigen Kissen hin und her, wenn ihn
die Fliegen quälten.
Frau Bovary besuchte ihn. Sie brachte ihm Leinwand zu den
Umschlägen, tröstete ihn und sprach ihm Mut ein. Auch sonst fehlte
es ihm nicht an Gesellschaft, zumal an den Markttagen, wenn die
Bauern drin bei ihm Billard spielten, mit den Queuen
herumfuchtelten, rauchten, zechten, sangen und Spektakel machten.
»Wie geht dirs denn?« fragten sie ihn und klopften ihm auf die
Schulter. »So recht auf dem Damme bist du wohl nicht? Bist aber
selber schuld daran!« Er hätte dies oder jenes machen sollen. Sie
erzählten ihm von Leuten, die durch ganz andere Heilmittel
wiederhergestellt worden seien. Und zum sonderbaren Trost meinten
sie:
»Du bist viel zu zimperlich! Steh doch auf! Du läßt dich wie ein
Fürst verhätscheln! Das ist Unsinn, alter Schlaumeier! Und
besonders gut riechst du auch nicht!«
Inzwischen griff der Brand immer weiter um sich. Bovary ward fast
selber krank davon. Er kam aller Stunden, aller Augenblicke.
Hippolyt sah ihn mit angsterfüllten Augen an. Schluchzend
stammelte er:
»Lieber Herr Doktor, wann werd ich denn wieder gesund? Ach, helfen
Sie mir! Ich bin so unglücklich, so unglücklich!«
Bovary schrieb ihm alle Tage vor, was er essen solle. Dann verließ
er ihn.
»Hör nur gar nicht auf ihn, mein Junge!« meinte die Löwenwirtin.
»Sie haben dich schon gerade genug geschunden! Das macht dich bloß
immer noch schwächer! Da, trink!«
Sie gab ihm hin und wieder Fleischbrühe, ein Stück Hammelkeule,
Speck und manchmal ein Gläschen Schnaps, den er kaum an seine
Lippen zu bringen wagte.
Abbé Bournisien, der gehört hatte, daß es Hippolyt schlechter
ging, kam ihn zu besuchen. Er bedauerte ihn, dann aber erklärte
er, in gewisser Beziehung müsse sich der Kranke freuen, denn es
sei des Herrn Wille, der ihm Gelegenheit gäbe, sich mit dem Himmel
zu versöhnen.
»Siehst du,« sagte der Priester in väterlichem Tone, »du hast
deine Pflichten recht vernachlässigt! Man hat dich selten in der
Kirche gesehen. Wieviel Jahre lang hast du das heilige Abendmahl
nicht genommen? Ich gebe zu, daß deine Beschäftigung und der
Trubel der Welt dich abgehalten haben, für dein Seelenheil zu
sorgen. Aber jetzt ist es an der Zeit, daß du dich darum kümmerst.
Verzweifle indessen nicht! Ich habe große Sünder gekannt, die,
kurz ehe sie vor Gottes Thron traten, (du bist noch nicht so weit,
das weiß ich wohl!) seine Gnade erfleht haben; sie sind ohne
Verdammnis gestorben! Hoffen wir, daß auch du uns gleich ihnen ein
gutes Beispiel gibst! Darum: sei vorsichtig! Niemand verwehrt dir,
morgens ein Ave-Maria und abends ein Paternoster zu beten! Ja, tue
das! Mir zuliebe! Was kostet dich das? Willst du mir das
versprechen?«
Der arme Teufel gelobte es. Tag für Tag kam der Seelsorger wieder.
Er plauderte mit ihm und der Wirtin, und bisweilen erzählte er den
beiden sogar Anekdoten, Späße und faule Witze, die Hippolyt
allerdings nicht verstand. Aber bei jeder Gelegenheit kam er auf
religiöse Dinge zu sprechen, wobei er jedesmal eine salbungsvolle
Miene annahm.
Dieser Eifer verfehlte seine Wirkung nicht. Es dauerte nicht
lange, da bekundete der Strephopode die Absicht, eine Wallfahrt
nach Bon-Secours zu unternehmen, wenn er wieder gesund würde,
worauf der Priester entgegnete, das sei nicht übel. Doppelt genäht
halte besser. Er riskiere ja dabei nichts.
Der Apotheker war empört über »diese Pfaffenschliche«, wie er sich
ausdrückte. Er behauptete, das verzögre die Genesung des
Hausknechts nur.
»Laßt ihn doch nur in Ruhe!« sagte er zur Löwenwirtin. »Mit euren
Salbadereien macht ihr den Mann nur verdreht!«
Aber die gute Frau wollte davon nichts hören. Er und kein anderer
sei ja an der ganzen Geschichte schuld! Und auch rein aus
Widerspruchsgeist hing sie dem Kranken zu Häupten einen
Weihwasserkessel und einen Buchsbaumzweig auf.
Allerdings nützten offenbar weder der kirchliche noch der
chirurgische Segen. Unaufhaltsam schritt die Blutvergiftung vom
Beine weiter in den Körper hinauf. Man versuchte immer neue Salben
und Pflaster, aber der Fuß wurde immer brandiger, und schließlich
antwortete Bovary mit einem zustimmenden Kopfnicken, als Mutter
Franz ihn fragte, ob man angesichts dieser hoffnungslosen Lage
nicht den Doktor Canivet aus Neufchâtel kommen lassen solle, der
doch weitberühmt sei.
Canivet war Doktor der Medizin, fünfzig Jahre alt, ebenso
wohlhabend wie selbstbewußt. Er kam und entblödete sich nicht,
über den Kollegen geringschätzig zu lächeln, als er das bis an das
Knie brandig gewordene Bein untersuchte. Sodann erklärte er, das
Glied müsse amputiert werden.
Er suchte den Apotheker auf und wetterte gegen »die Esel, die das
arme Luder so zugerichtet« hätten. Er faßte Homais am Rockknopf
und hielt ihm in seiner Apotheke eine Standpauke:
»Da habt Ihr so 'ne Pariser Erfindung! Solchen Unsinn hecken die
Herren Gelehrten der Weltstadt nun aus! Genau so steht es mit
ihren Schieloperationen, Chloroform-Betäubungen, Blaseneingriffen!
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