Prinz Heinrich. In unsern beyden Heeren ist manche Seele, die für diese trozige Ausforderung theuer bezahlen wird. Sagt euerm Neffen, der Prinz von Wales vereinige sich mit der ganzen Welt zum Lobe von Heinrich Percy: Bey meinen Hoffnungen! (dieses gegenwärtige Unterfangen bey Seite gesezt,) denk ich nicht, daß ein braverer, unerschroknerer und tapfrerer junger Mann in der Welt lebt als er; er, den die Natur hervorgebracht zu haben scheint, das Gedächtniß der ehmaligen Helden in unserm Alter zu erneuern. Was mich betrift, zu meiner Schande sag ich's, ich habe mein Leben noch mit keiner edeln That bezeichnet; und er ist berechtigt, mich des Namens eines Ritters unwürdig zu halten, wie ich höre daß er's thut. Aber vor seiner Majestät erklär' ich mich hier, ich bin's zufrieden, daß er sich des ganzen Vortheils seines ruhmvollen Namens über mich bediene, und erbiete mich, um beyder Theile Blut zu sparen, in einem einzelnen Kampf mein Glük mit ihm zu versuchen. König Heinrich. Und wir sezen Vertrauen genug in dich, Prinz von Wales, dein Erbieten gut zu heissen, so unendlich viele Betrachtungen dir gleich im Wege stehen--Nein, guter Worcester, nein; wir lieben unser Volk; wir lieben auch diejenigen, die sich auf euers Neffen Seite haben verleiten lassen; und wollen sie unsre angebotne Gnade annehmen, so soll er und sie und ihr, und ein jeder wer er seyn mag, wieder mein Freund seyn, und ich will der seinige seyn. Diß sagt euerm Neffen, und meldet mir zurük, was er thun will. Will er sich aber nicht zum Ziel legen, so wacht scharfe Züchtigung an meiner Seite, und sie soll ihr Amt thun. Hiemit kehrt zurük; wir wollen izt durch keine Antwort beunruhiget seyn; unser Anerbieten ist edel, überlegt es wohl. (Worcester und Vernon gehen ab.) Prinz Heinrich. Es wird nicht angenommen werden, bey meinem Leben! Dowglas und Hot- Spur sind beyde zu stolz, sich von einer Welt in Waffen schreken zu lassen. König Heinrich. Also hinweg, jeder Anführer an seinen Plaz. Sobald wir ihre Antwort haben, wollen wir den Angriff thun; und Gott sey auf unsrer Seite, wie unsre Sache gerecht ist! (Sie gehen ab.) Zweyte Scene. (Der Prinz und Falstaff bleiben zurük.) Falstaff. Hal, wenn du mich im Treffen ligen siehst, so sey so gut und leg mich so zu rechte; es ist ein Freundschafts-Dienst-- Prinz Heinrich. Den dir niemand, als ein Colossus leisten kan. Sprich dein Gebet und leb wohl. Falstaff. Ich wollt' es wäre Bettzeit, Hall, und alles wäre vorbey. Prinz Heinrich. Wie? du bist dem Himmel deinen Tod schuldig, und du must doch einmal bezahlen. Falstaff. Aber nicht izt; und es sollte mir leid seyn, wenn ich ihn vor meinem Termin bezahlte. Was brauch' ich so voreilig zu seyn, da er mich nicht anfordert? Gut, was thut das zur Sache, die Ehre fordert mich auf--Ganz recht, und wenn mich also die Ehre auffordert und ich komme um, wie dann? Kan die Ehre mir ein Bein ansezen? Nein: Oder einen Arm? Nein: Oder kan sie mir den Schmerz einer Wunde wegnehmen? Nein: Die Ehre versteht sich also nicht auf die Chirurgie? Nein: Was ist dann die Ehre? Ein Wort: Was ist das Wort Ehre? Luft. Wer hat sie? Der arme Jak, der an einer Mittwoche starb. Fühlt er sie dann? Nein. Hört er sie? Nein. Sie fällt also nicht in die Sinnen? Nicht in die Sinnen eines Todten. Aber lebt sie etwann mit den Lebenden? Nein, das läßt ihr der Neid nicht zu. Ich verlange also nichts davon; die Ehre ist nichts mehr als ein gemahlter Wappenschilt an einem Sarge, und hier endet sich mein Catechismus. (Er geht ab.) Dritte Scene. (Verwandelt sich in Percys Lager.) (Worcester und Vernon treten auf.) Worcester. O nein, mein Neffe muß das gütige Anerbieten des Königs nicht erfahren, Sir Richard. Vernon. Und doch wär's am besten, er wißt' es. Worcester. Dann wären wir alle verlohren. Es ist unmöglich, es kan nicht seyn, daß der König sein Versprechen halte, wieder unser Freund zu seyn; er wird uns nimmer trauen, und bald genug Mittel gefunden haben, uns neuer Verbrechen zu beschuldigen, um dieses bestraffen zu können. Ein niemals einschlummernder Verdacht wird, so lange wir leben, hundert spähende Augen auf uns geheftet halten; denn der Verrätherey traut man nicht mehr als einem Fuchs, der, so zahm er sich stellt, und so freundlich man mit ihm umgeht, doch immer einen Rest von seinen angebohrnen Tüken behält. Wir möchten aussehen wie wir wollten, frölich oder düster, so würd' es uns übel ausgedeutet werden; kurz, wir würden gehalten werden wie die Ochsen im Stall, je besser gefüttert, desto näher dem Tode. Meines Neffen Vergehen könnte noch vergessen werden; ihm kömmt die Entschuldigung der Jugend und des Bluts zustatten; sein Beyname Hot-Spur giebt ihm schon ein Privilegium, und man schreibt bey ihm alles auf die Rechnung des cholerischen Temperaments, von dem er beherrscht wird; ich und sein Vater müßten für seine Sünde büssen. Wir hätten ihn verleitet, würd' es heissen; wir als die Quelle von allem, müßten für alles bezahlen. Laßt ihn also, mein lieber Vetter, ja nichts von dem Anerbieten des Königs wissen, es mag gehen wie es will. Vernon. Sagt ihm was ihr für gut haltet, ich will es bekräftigen. Hier kommt euer Neffe. Vierte Scene. (Hot-Spur und Dowglas zu den Vorigen.) Hot-Spur. Mein Oheim ist wieder da: Sezt den Lord von Westmorland in Freyheit. Oheim, was giebt's Neues? Worcester. Der König ist entschlossen, es auf ein Treffen ankommen zu lassen. Dowglas. So wollen wir ihn durch den Lord von Westmorland heraus fordern. Hot-Spur. Lord Dowglas, geht und sagt ihm das. Dowglas. Das will ich, und mit Freuden. (Dowglas geht ab.) Worcester. Der König scheint gar nicht zum Verzeihen geneigt. Hot-Spur. Batet ihr darum? Das verhüte Gott! Worcester. Ich sagte ihm ganz glimpflich von unsern Beschwerungen, von seinem gebrochnen Eid; und er wußte sich nicht besser zu helfen, als daß er seinen Meineid mit einem zweyten läugnete. Er nennt uns Rebellen, Verräther, und droht ganz trozig, uns nach der Schärfe davor zu züchtigen. (Dowglas kommt zurük.) Dowglas. Waffnet euch, Milords, waffnet euch; ich habe dem König Heinrich eine brave Ausfordrung in die Zähne gestossen; Westmorland, der als Geisel hier war, trägt sie ihm zu, und er kan nun nicht anders als sie schleunig wieder zurük bringen. Worcester. Der Prinz von Wales trat vor dem König hervor, und forderte euch zum Zweykampf heraus, Neffe. Hot-Spur. Wollte der Himmel, wir beyde hätten den Handel allein auszumachen, und niemand müßte heut kurzen Athem holen, als ich und Harry Monmouth! Sagt mir, sagt mir, wie sprach er von mir? That er verächtlich? Vernon. Nein, auf meine Seele! In meinem Leben hört' ich keine bescheidnere Ausforderung; ein Bruder könnte den andern nicht höflicher auffordern, wenn es um eine blosse Waffenübung, um ein Ritterspiel zu thun wäre. Er bezeugte alle Hochachtung gegen euch, die ein Mann fordern kan, erhob euern Werth mit einer fürstlichen Zunge, und sprach von euern Verdiensten wie eine Chronik; und was in der That ein Zeichen eines fürstlichen Gemüths war, er sprach mit Schaamröthe von sich selbst, und beschalt seine übel zugebrachte Jugend mit einem Anstand, der zu beweisen schien, daß seine bessere Seele über die andre meister seyn könne, sobald er wolle. Hier hielt er inn; aber laßt mich der Welt sagen, wenn er den Neid dieses Tages überlebt, so hat England nie eine schönere Hoffnung besessen, so sehr auch die Ausschweiffungen seiner Jugend sie verdunkelt haben. Hot-Spur. Vetter, ich glaube du bist in seine Thorheiten verliebt; ich habe nie von einem Prinzen gehört, der die ausgelassenste Wildheit so weit getrieben hätte. Aber sey er was er will, eh es Nacht ist, will ich ihn mit einer so soldatischen Umarmung bewillkommen, daß er unter meiner Höflichkeit zusammenschrumpfen soll. Zun Waffen, hurtig! Und ihr, Cameraden, und Freunde, bedenkt selbst was ihr zu thun habt, da ich, der die Gabe der Beredsamkeit nicht hat, nicht geschikt bin, euer Blut durch meinen Zuspruch zu erhizen. Fünfte Scene. (Ein Bote zu den Vorigen.) Bote. Milord, hier sind Briefe für Eu. Gnaden. Hot-Spur. Ich kan sie izt nicht lesen. O meine Freunde, wir haben eine kurze Zeit zu leben, und von dieser kurzen Zeit eine einzige Minute unedel zu verschwenden, wäre zu lange. Ueberleben wir diesen Tag, so leben wir, um auf Könige zu treten; sterben wir, ist das nicht ein schöner Tod, wenn Könige mit uns sterben müssen? (Ein andrer Bote.) Bote. Gnädiger Herr, der König ist im Anzug. Hot-Spur. Ich dank ihm, daß er mich in meinem Mährchen unterbricht, denn reden ist nicht meine Sache. Nur noch diß, ein jeder thue sein Bestes. Und hier zieh ich ein Schwerdt, dessen Stahl ich, an diesem gefahrvollen Tage, mit dem besten Blut, das ich finden kan, färben werde. Nun, (Esperanza!) Percy!* und rükt aus; laßt alle die muntern Instrumente des Kriegs ertönen, und bey dieser Musik laßt uns einander umarmen; denn ich wollte den Himmel an die Erde sezen, daß einige von uns die Zeit nicht sehen werden, einander wieder so zu bewillkommen. (Sie umarmen sich und gehen ab. Die Trompeten lassen sich hören.) {ed. * Diß war, nach Halls Chronik Bl. 22, das Wort zum Angriff in Percy's Armee. Pope.} Sechste Scene. (Der König mit seiner Armee; man bläßt zum Angriff.) (Hernach treten Dowglas und Sir Walter Blunt auf.) Blunt. Wer bist du, daß du mir überall so in den Weg kommst? Was für Ehre suchst du an mir einzulegen? Dowglas. Wisse denn, mein Name ist Dowglas, und ich verfolge dich deßwegen so, weil man mir sagt, du seyst ein König. Blunt. Man sagt dir die Wahrheit. Dowglas. Der Lord von Stafford hat bereits davor bezahlt, daß er dir gleich sieht; denn weil ich ihn für dich ansah, König Harry, so hat ihm dieses Schwerdt ein Ende gemacht. Und so soll es auch dir thun, es wäre dann, daß du dich mir gefangen geben willst. Blunt. Ich bin nicht gebohren mich zu ergeben, du übermüthiger Schotte, und du sollt einen König finden, der Staffords Tod rächen wird. (Sie fechten, Blunt fällt.) (Indem tritt Hot-Spur auf.) Hot-Spur. O Dowglas, hättest du zu Holmedon so gefochten, nie hätt ich über einen Schotten gesiegt. Dowglas. Alles ist gethan, alles gewonnen, todt ligt der König hier! Hot-Spur. Wo? Dowglas. Hier. Hot-Spur. Dieser, Dowglas? Nein: Ich kenne sein Gesicht zu wohl; ein braver Ritter war es, sein Name war Blunt; er trägt nur eine Rüstung wie der König. Dowglas. Ah! du Unsinniger! zu theuer hast du einen geborgten Titel erkauft. Warum sagtest du mir, du seyst ein König? Hot-Spur. Der König hat viele, die in seinen Kleidern gehen. Dowglas. So will ich, bey meinem Schwerdt, alle seine Kleider umbringen, seine ganze Garderobe, Stük für Stük bis ich ihn selbst antreffe. Hot-Spur. Auf und hinweg; unsre Leute halten sich so gut, daß wir uns den Sieg versprechen können. (Sie gehen ab.) Siebende und achte Scene. (Falstaff und der Prinz Heinrich.) (Falstaff redt im Ton einer Memme eine kleine Weile mit sich selbst; der Prinz der dazu kommt verlangt seinen Degen von ihm; Falstaff will ihn nicht hergeben, so lange Percy noch lebe, und bietet dem Prinzen sein Pistol an; indem es der Prinz aus dem Hulfter herausziehen will, zieht er eine Flasche mit Sect heraus; ein lautes Gelächter aus dem Paradies bewillkommt diesen guten Einfall, und die Absicht dieser Scene ist erreicht.) Neunte Scene. (Trompeten und Feldgeschrey; Excursionen; der König, der Prinz, Lord John von Lancaster, und der Graf von Westmorland treten auf.) König Heinrich. Ich bitte dich, Harry, zieh' dich zurük, du blutest zu stark; Lord John von Lancaster, geht ihr mit ihm. Lancaster. Nicht eher, Gnädigster Herr, bis ich auch blute. Prinz Heinrich. Ich bitte Eu. Majestät, auszuharren, unsre Entfernung möchte unsre Freunde in Verwirrung sezen. König Heinrich. Ich will; Milord von Westmorland, führt ihn in sein Zelt. Westmorland. Kommt, Milord, ich will euch in euer Zelt führen. Prinz Heinrich. Mich führen, Milord? Ich bedarf eurer Hülfe nicht. Der Himmel verhüte, daß eine Nadelrize den Prinzen von Wales von einem solchen Feld wie dieses ist, treiben soll, wo so viel Edle Männer in ihrem Blute zertreten ligen, und triumphierende Rebellen den Tod um sich her verbreiten. Lancaster. Wir athmen hier zu lange; kommt, Vetter von Westmorland, auf diesem Weg ligt unsre Pflicht; um's Himmels willen, kommt. Prinz Heinrich. Beym Himmel, du hast mich betrogen, Lancaster; ich dachte nicht daß du Herr von einem solchen Geiste seyst; sonst liebt' ich dich als einen Bruder, John, aber nun lieb' ich dich wie meine eigne Seele. König Heinrich. Ich sah' ihn dem Lord Percy mit einem Muth die Spize bieten, den ich von einem so jungen Krieger nicht vermuthen durfte. Prinz Heinrich. O, dieser Junge hat Feuer für uns alle. (Sie gehen ab.) (König Heinrich bleibt; Dowglas tritt auf.) Dowglas. Wieder ein König? Sie wachsen wie die Köpfe der Hydra. Ich bin Dowglas, allen verderblich die diese Farbe tragen--Wer bist du, der hier die Person eines Königs machen will? König Heinrich. Der König selbst, Dowglas, der herzlich bedaurt, daß du schon so viele Schatten von ihm angetroffen, eh du ihn selbst gefunden hast. Ich habe zween Söhne, die dich und Percy auf dem ganzen Schlachtfeld aufsuchen; aber da du mir so glüklich in die Hände fällst, will ich's mit dir aufnehmen; vertheidige dich! Dowglas. Ich fürchte, du bist auch nur ein Phantom; und doch trägst du dich in der That wie ein König; aber mein bist du, das bin ich gewiß, wer du auch bist, und so will ich dich gewinnen. (Sie fechten; indem der König in Gefahr ist, kommt der Prinz von Wales dazu.) Prinz Heinrich. Hebe deinen Kopf auf, du nichtswürdiger Schotte, oder du sollst nimmer ihn nicht wieder empor heben: die Geister von Scherley, Stafford und Blunt sind in meinen Armen; der Prinz von Wales ists, der dir dräut, und der nie verspricht, was er nicht zu bezahlen gedenkt. (Sie fechten, Dowglas flieht.) Munter, Gnädigster Herr! Wie befindet sich Euer Majestät? Sir Nicolas Gawsey hat um Hülfe geschikt, und das hat auch Clifton gethan. Ich will gerade zu Clifton. König Heinrich. Bleib und athme einen Augenblik. Du hast meine verlohrne Achtung wieder erkauft, Harry, und durch diese edle Rettung bewiesen, daß dir mein Leben nicht gleichgültig ist. Prinz Heinrich. O Himmel! das gröste Unrecht thaten die mir, die jemals gesagt haben, daß ich euern Tod wünsche. Wär' es so, so hätt ich nur Dowglassens dräuende Hand allein über euch lassen können; sie würde euer Ende schneller als alles Gift der Welt befördert, und euerm Sohn die verrätherische Mühe erspart haben. König Heinrich. Eile du izt zu Clifton; ich will zu Sir Nicolas Gawsey. (Der König geht ab.) Zehnte Scene. (Hot-Spur, der Prinz von Wales.) Hot-Spur. Wenn ich recht sehe, so bist du Harry Monmouth. Prinz Heinrich. Du sprichst, als ob ich meinen Namen verläugnen wolle. Hot-Spur. Mein Nam' ist Harry Percy. Prinz Heinrich. Ich sehe also einen sehr tapfern Rebellen, der diesen Namen trägt. Ich bin der Prinz von Wales, und denke nicht, Percy, länger neben mir um den Preis der Ehre zu buhlen. Zween Sterne können ihren Lauf nicht in einer Sphäre halten, und Ein England kan sich in kein doppeltes Reich für Harry Percy, und für den Prinzen von Wales theilen. Hot-Spur. Auch soll es nicht; die Stunde ist gekommen, die einem von uns beyden ein Ende machen muß; und wollte der Himmel, dein Name im Krieg wär' izt so groß als meiner. Prinz Heinrich. Er soll größer werden, eh wir von einander scheiden, und ich will alle diese aufblühenden Ehren von deinem Kamme pflüken, um einen Kranz für meine Stirne daraus zu machen. Hot-Spur. Ich kan dich nicht länger so prahlen hören. (Sie fechten.) (Falstaff kommt dazu.) Falstaff. Bravo, Hall, drauf los, Hall! Hey sa, ihr werdet hier kein Kinderspiel finden, das kan ich euch sagen. (Dowglas tritt auf, und ficht mit Falstaff, der sogleich zu Boden fällt, als ob er todt sey; Dowglas geht wieder ab, und der Prinz stößt den Percy nieder.) Hot-Spur. O Harry, du hast mich meines Ruhms beraubt; der Verlust des Lebens schmerzt mich weniger, als alle die stolzen Titel, die du mir abgewonnen hast; sie verwunden meine Seele tiefer als dein Schwerdt mein Fleisch; aber die Seele ist eine Sclavin des Lebens, und das Leben ein Spiel des Glüks--O, ich könnte propheceyen, wenn die kalte Hand des Todes nicht auf meiner Zunge läge, nun, Percy, bist du Staub, eine Speise für-- (Er stirbt.) Prinz Heinrich. Würmer, braver Percy. Fahr du wohl! Unglüklicher Ehrgeiz, wie klein schrumpfest du zusammen! Wie dieser Leib noch einen Geist in sich hatte, war ein Königreich ein zu kleiner Raum für ihn; izt sind zween Schritte verächtliche Erde Raums genug. Diese Erde, die den todten Percy trägt, trägt keinen Lebenden, der ihm gleicht. Wär'st du noch empfindlich, so würd' es mir nicht erlaubt seyn, meiner Achtung für dich diesen Ausbruch zu lassen. Aber nun laß mich dein zerfeztes Antliz verhüllen, und nimm diesen lezten Dienst der Liebe von meiner Hand. Fahre wohl, und nimm deinen Ruhm mit dir gen Himmel; deine Schmach schlafe mit dir in deinem Grab, und werde nicht in deiner Grabschrift erwähnt!-- (Er sieht Falstaffen.) Wie, alte Bekanntschaft? Konnte alle diese Menge Fleisch nicht ein wenig Leben verwahren? Armer Jak, fahr wohl! Einen bessern Mann möcht' ich besser gespart haben.* (Geht ab.) {ed. * Man läßt hier ein halb Duzent kahle Reime weg, die des Prinzen unwürdig sind, und die ganze Scene entstellen.} Eilfte Scene. (Falstaff steht wieder auf, und amüsirt sich selbst mit frostigen Wortspielen über die Vorsichtigkeit die er gehabt, sich todt zu stellen. Zulezt besorgt er, Percy möchte auch wieder aufwachen, und giebt ihm deßwegen noch einen Stoß, indem die folgende Scene angeht.) Zwölfte Scene. (Prinz Heinrich, und John von Lancaster treten auf.) Prinz Heinrich. Komm, Bruder John; du hast dich das erstemal vortrefflich wol gehalten. Lancaster. Sachte, wen haben wir hier? Sagtet ihr mir nicht, dieser dike Kerl sey todt? Prinz Heinrich. Das that ich, ich sah ihn ohne Athem auf dem Boden ligen. Bist du bey Leben, oder sehen wir dein Gespenst? Rede, unsre Ohren müssen das Zeugniß unsrer Augen bestätigen, wenn wir ihnen glauben sollen; du bist nicht, was du scheinst. Falstaff. Nein, das ist gewiß; ich bin nicht gedoppelt; aber wenn ich nicht Hans Falstaff bin, so will ich ein Hans Dampf seyn. Hier ligt Percy; wenn euer Vater mir eine Ehre dafür anthun will, so mag er's; wo nicht, so kan er den nächsten Percy selber umbringen. Ich hoffe entweder Graf oder Herzog zu werden, das kan ich euch versichern. Prinz Heinrich. Wie? Ich erlegte den Percy, und dich sah ich todt ligen. Falstaff. Thatst du das? Herr, Herr! Wie die Welt dem Lügen ergeben ist! Ich versichre euch, ich lag ohne Athem auf dem Boden, und er auch; aber wir stunden beyde zugleich wieder auf, und fochten eine ganze lange Stunde, nach der Gloke von Schrewsbury; wenn man mir's glauben will, gut; wo nicht, so mögen diejenige, so die Tapferkeit belohnen sollten, die Sünde auf sich nehmen; ich will mein Leben dran sezen, daß ich ihm die Wunde in das dike Bein gegeben habe: Wenn der Mann noch lebte, und es läugnen wollte, ich wollte ihm ein Stük von meinem Degen zu fressen geben. Lancaster. Das ist die seltsamste Begebenheit, die ich jemals gehört habe. Prinz Heinrich. Das ist der seltsamste Bursche, Bruder John--Komm du, nimm dein Bagage hübsch auf den Rüken, und wenn eine Lüge dir was Gutes thun kan, so will ich sie, dir zu gefallen, mit den günstigsten Ausdrüken übergülden, die ich finden kan.-- (Man hört zum Rükzug blasen.) Das Feld ist unser! Komm, Bruder, wir wollen mitten auf das Schlachtfeld, und sehen, welche von unsern Freunden noch leben, und welche gefallen sind. (Sie gehen ab.) Falstaff. Ich will auch hinter drein. Das will ich doch sehen, wie sie mich belohnen werden. Der Himmel lohn' es dem, der mich belohnt! Wenn ich groß werde, so werd' ich um die Hälfte meines Bauchs kleiner werden; denn ich will dann purgieren, und den Sect lassen, und ein ordentliches Leben führen, wie ein Edelmann thun soll. (Er geht ab.) Dreyzehnte Scene. (Trompeten: König Heinrich, der Prinz von Wales, Lord John von Lancaster, Graf von Westmorland, mit Worcester und Vernon als Gefangnen, treten auf.) König Heinrich. So fand die Empörung noch allemal ihre Züchtigung. Uebelgesinnter Worcester, sandten wir nicht euch allen Gnade, Verzeihung, und freundschaftliche Erbietungen zu? Und du erfrechtest dich unsre Erklärung in das Gegentheil zu verkehren, und durch diesen Betrug deines Vetters Zutrauen zu seinem Verderben zu mißbrauchen! Drey tapfre Ritter, die an diesem Tag auf unsrer Seite gefallen sind, ein edler Graf, und viele andre wakern Leute würden noch leben, wenn du redlich, wie ein Christ, für das Beste unsrer Armeen gedacht hättest. Worcester. Was ich gethan habe, dazu zwang mich meine Erhaltung; und ich unterziehe mich geduldig meinem Schiksal, da es nicht in meiner Macht stund, ihm auszuweichen. König Heinrich. Führet Worcestern und Vernon zum Tode; den übrigen Mitschuldigen geben wir noch Frist. Wie steht es im Felde? Prinz Heinrich. Der tapfre Schotte, Lord Douglas, wie er sah, daß keine Hoffnung übrig war, diesen Tag zu gewinnen; daß Percy erschlagen war, und die Furcht alle seine Leute ergriffen hat, entfloh mit den übrigen; und ein Fall, den er that, richtete ihn so übel zu, daß er in die Hände der Nachsezenden fiel. Er ist in meinem Zelt, und ich bitte Euer Majestät um die Gnade, daß ich über ihn disponieren dürfe. König Heinrich. Herzlich gern. Prinz Heinrich. So übertrag' ich dann euch, Bruder Lancaster, die Vollziehung dieses rühmlichen Werks der Großmuth. Geht zu Douglas, und sezt ihn, ohne Lösegeld und Bedingung, in völlige Freyheit. Die Tapferkeit, die er an dem heutigen Tag auf unsre Köpfe erprobet hat, hat uns gelehrt, so schöne Thaten selbst an unsern Feinden hochzuschäzen. Lancaster. Ich danke Euer Gnaden für einen Auftrag, den ich sogleich mit Vergnügen befolgen werde. König Heinrich. Nun bleibt nichts übrig, als unsre Macht zu theilen. Ihr, Sohn Johann, und mein Vetter Westmorland, sollt euch in möglichstes Eile nach York wenden, um Northumberlanden und den Prälaten Scroop anzugreiffen, die sich wie wir hören, mit grossem Eifer zum Krieg rüsten. Ich selbst und mein Sohn Harry, werden nach Wales ziehen, mit Glendower und dem Grafen von March zu fechten. [Noch ein Tag wie dieser, wird der Empörung den Muth benehmen; laßt uns, nach einem so schönen Anfang, nicht ablassen, bis wir alles Unsrige wieder gewonnen haben.]* {ed. * Reime im Original.} 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599 600 601 602 603 604 605 606 607 608 609 610 611 612 613 614 615 616 617 618 619 620 621 622 623 624 625 626 627 628 629 630 631 632 633 634 635 636 637 638 639 640 641 642 643