(Sie gehen ab.) Dritte Scene. (Ein dritter Bedienter des Timon mit Sempronius.) Sempronius. Mußt' er denn gerade mich damit beunruhigen? Vor allen andern? Er hätt' es bey Lord Lucius oder Lucullus versuchen können, und nun ist auch Ventidius reich, den er aus dem Gefängniß erledigt hat; alle diese drey haben ihm ihr Vermögen zu danken. Bedienter. O Gnädiger Herr, sie sind alle auf die Probe gesezt und falsch befunden worden; sie haben ihn alle abgewiesen. Sempronius. Wie? Abgewiesen? Ventidius und Lucullus, beyde ihn abgewiesen? Und nun schikt er zu mir? Drey! hum--Es zeigt wenig Freundschaft oder Vernunft auf seiner Seite an. Muß ich seine lezte Zuflucht seyn? Seine Freunde, die gleich Aerzten sich auf seine Unkosten bereichert haben, geben ihn au? Muß ich nun die Cur übernehmen? er hat mir eine schlechte Ehre damit angethan; es verdrießt mich, er hätte wol wissen können, wer ich bin; ich kan keinen Grund erdenken, warum er nicht zuerst an mich gekommen ist, wenn er jemands Hülfe nöthig hatte. Auf mein Gewissen, ich war der erste unter allen die iemals Gutes von ihm genossen haben; und denkt er denn so unbillig von mir, daß ich der lezte seyn werde, es wett zu machen? Es wird allen übrigen eine Materie zum Lachen geben, und ich werde der Narr unter dem Atheniensischen Adel seyn. Ich wollte dreymal so viel als er von mir verlangt darum geben, er hätte zu mir zuerst geschikt, wenn es auch nur gewesen wäre, um meiner Gemüthsart Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen; ich wäre so geneigt gewesen ihm Gutes zu thun. Aber so geh' nur wieder heim, und seze zu den abschlägigen Antworten der übrigen, in meinem Namen, noch dieses hinzu: Wer meiner Ehre zu nahe tritt, soll nimmermehr mein Geld zu sehen kriegen. (Er geht ab.) Bedienter. Vortreflich! Euer Gnaden ist ein feiner Spizbube. Der Teufel wußte gewiß nicht was er that, wie er die Leute politisch machte; er schadete sich selbst dadurch; und ich kan nichts anders als glauben, am Ende werden sie ihn selbst mit ihren Schelmenstreichen zum Narren machen.--Das waren nun diejenigen, auf die mein Herr seine besten Hoffnungen gesezt hatte; nun sind alle zurükgetreten, und ausser den Göttern bleibt ihm niemand übrig. Seine Freunde sind todt. Thüren, die so manches glükliche Jahr her nie mit ihren Schlössern bekannt worden, müssen nun gebraucht werden, ihren Herrn vor dem Ungestüm seiner Glaubiger sicher zu stellen. Das ist alles, was er von seiner Freygebigkeit davon trägt! (Er geht ab.) Vierte Scene. (Verwandelt sich in Timons Vorhaus.) (Varro, Titus, Hortensius, Caphis, und andre Bediente von Timons Gläubigern treten auf, um auf sein Ausgehen zu warten.) Varro. Treffen wir uns hier an? Guten Morgen, Titus und Hortensius. Titus. Ebenmässig, mein werther Varro. Hortensius. Caphis, sehen wir einander auch hier? Caphis. Ich denke wir haben alle einerley Verrichtung. Die meinige ist, Geld zu fordern. Titus. Das ist die unsrige auch. (Philo zu den Vorigen.) Caphis. Da kommt auch Herr Philo. Philo. Guten Tag allerseits. Caphis. Willkommen, Bruder. Wie viel, denkt ihr, ist es an der Zeit? Philo. Nicht weit von neun Uhr. Caphis. Schon so viel? Philo. Hat sich Milord noch nicht sehen lassen? Caphis. Noch nicht. Philo. Das wundert mich, er pflegte sonst um sieben Uhr schon zu scheinen. Caphis. Ja, aber die Tage haben bey ihm abgenommen; ihr müßt bedenken, daß der Lauf eines Verschwenders dem Sonnenlauf gleich ist, aber ich fürchte mit dem Unterscheid, daß er nicht wieder von vornen anfangt. Es ist tiefster Winter in Timons Sekel; das ist, es mag einer tief genug hinunter langen, und doch nicht viel finden. Philo. Das besorg' ich auch. Titus. Ihr könnt bey dieser Gelegenheit eine feine Beobachtung machen: Euer Herr hat euch geschikt, den Timon um Geld anzufodern. Hortensius. So ist's. Titus. Und er trägt in diesem Augenblik Juweelen, die ihm Timon geschenkt hat, wofür ich die Bezahlung fordern soll. Hortensius. Ich thue es ungern genug. Caphis. Das ist seltsam, daß Timon mehr bezahlen soll, als er schuldig ist; und es kommt eben so heraus, als ob euer Herr kostbare Kleinode trüge, und schikte um Geld dafür. Hortensius. Die Götter sind meine Zeugen, daß mich diese Verrichtung recht sauer ankommt; ich weiß, mein Herr hat dem Timon geholfen, sein Vermögen durchzubringen; seine Undankbarkeit macht, daß es izt ärger ist, als wenn er's ihm gestohlen hätte. Varro. Meine Forderung ist dreytausend Cronen; wie viel ist die eurige? Caphis. Fünftausend. Varro. Das ist viel; aus der Summe sollte man schliessen, euer Herr habe mehr Confidenz gehabt als der meinige, sonst hätt' dieser gewiß seine Fordrung eben so groß gemacht.* (Flaminius zu den Vorigen.) Titus. Hier kommt einer von Timons Leuten. Caphis. Flaminius! Herr, ein Wort; ich bitte euch, ist Milord noch nicht fertig heraus zu kommen? Flaminius. Nein, in der That, er ist nicht. Titus. Wir warten auf Se. Gnaden, seyd so gut und sagt ihm das. Flaminius. Das hab ich nicht nöthig ihm zu sagen, er kennt eure Aufwartsamkeit. (Flavius, in einen Mantel eingehüllt.) Caphis. Ha! Ist das nicht der Verwalter, der so vermummt ist? Er lauft wie in einem Sturm davon; ruft ihn, ruft ihn. Titus. Hört ihr, Herr-- Varro. Mit eurer Erlaubniß, Herr. Flavius. Was wollt ihr von mir, mein Freund? Titus. Wir warten hier wegen gewissen Geld-Summen, Herr. Flavius. Wenn euer Geld so gewiß wäre als euer Warten, so wär' es sicher genug. Warum wieset ihr denn eure Rechnungen und Schuld- Verschreibungen nicht damals vor, als eure verräthrischen Herren aus meines Herrn Schüsseln assen? Damals konnten sie seine Schulden anlächeln, und die Interessen in ihren heißhungrigen Rachen hinunter schluken. Ihr thut euch nur selbst Schaden, wenn ihr mich aufreizet; laßt mich in Ruhe meines Wegs gehen. Glaubt mir, Milord und ich sind fertig; ich habe nichts mehr zu rechnen, und er nichts mehr auszugeben. Caphis. Schon recht, aber die Antwort dient nicht-- Flavius. Wenn sie nicht dienen mag, so ist sie nicht so niederträchtig als ihr; denn ihr dient Schelmen. (Er geht ab.) Varro. Wie? was brummt seine verwalterische Herrlichkeit? Titus. Laßt es gehen--er ist arm, und das ist Straffe genug. Wer darf sich breiter machen, als einer der kein Haus hat, wo er seinen Kopf hinein steken kan? Solche Leute dürfen sich wol über Paläste aufhalten. (Servilius zu den Vorigen.) Titus. O, hier ist Servilius; nun werden wir doch eine Antwort kriegen. Servilius. Wenn ich euch bitten dürfte, meine Herren, zu einer andern Zeit wieder zu kommen, so würdet ihr mir einen Gefallen thun. Denn bey meiner Seele, Milord ist auf eine seltsame Art unmuthig; sein leutseliges Wesen hat ihn ganz verlassen, er ist gar nicht wohl auf, er hütet das Zimmer. Caphis. Manche hüten das Zimmer, die nicht krank sind; und wenn es so übel mit seiner Gesundheit steht, so däucht mich, sollt' er seine Schulden nur desto eher bezahlen, und sich einen offnen Weg zu den Göttern machen. Servilius. Ihr gütigen Götter! Titus. Das können wir für keine Antwort nehmen. Flaminius (hinter der Bühne.) Servilius, helft--Milord, Milord! * Ein Wortspiel mit (Confidence), welches im Englischen Zutrauen und Unverschämtheit heissen kan. Fünfte Scene. (Timon lauft in der Wuth heraus.) Timon. Wie, ist mir nicht mehr erlaubt zu meiner Thür heraus zu gehen? Ich bin immer frey gewesen, und soll nun mein Haus mein Kerker werden? Muß mich die eisenherzige Grausamkeit der Menschen bis in den Plaz verfolgen, wo ich ihnen Bankette gab? Caphis. Bring dein Gewerb' izt an, Titus. Titus. Gnädiger Herr, hier ist meine Obligation. Caphis. Hier ist die meinige. Varro. Und hier die meinige, Milord. Philo und die Übrigen. Und hier die unsrige. Timon. Schlagt mich damit zu Boden--Spaltet mich bis an den Gürtel. Caphis. Aber, Milord-- Timon. Schneid mein Herz in Stüke. Titus. Meine ist fünfzig Talente. Timon. Rechne sie an meinem Blut ab. Caphis. Fünftausend Cronen, Milord. Timon. Fünftausend Tropfen zahlen das. Wie viel ist eure--und eure? Varro. Milord!-- Philo. Milord!-- Timon. Hier nehmt mich, zerreißt mich, und die Götter zerschmettern euch, und die so euch geschikt haben! (Er geht ab.) Hortensius. Bey meiner Treue, ich sehe, unsre Herren können ihre Kappen nach ihrem Gelde werfen; diese Schulden können wohl verzweifelt genennt werden, denn der sie bezahlen soll, ist wahnwizig. (Sie gehen ab.) (Timon und Flavius kommen zurük.) Timon. Sie haben mich ganz ausser Athem gebracht, die Sclaven! Gläubiger!-- Teufel! Flavius. Mein theurer Herr-- Timon. Wie, wenn ich es so machte? Flavius. Mein theurer Herr-- Timon. So soll es seyn!--Mein Verwalter! Flavius. Hier, Milord. Timon. Du bist schnell da--Geh, lade alle meine Freunde ein, Lucius, Lucullus, Sempronius, Alle! Ich will diesen Galgenschwengeln noch einmal zu schmausen geben. Flavius. Ach, mein gütiger Herr, ihr sprecht in der Zerstreuung euers Gemüths; es ist nicht einmal so viel übrig, als zu einer mässigen Mahlzeit nöthig ist. Timon. Bekümmre dich nicht um das; geh' und lade sie alle ein, laß die Fluth von Schelmen noch einmal herein; mein Koch und ich wollen schon davor sorgen. Sechste Scene. (Verwandelt sich in das Rath-Haus.) (Die Senatoren und Alcibiades.) 1. Senator. Milord, ihr habt meine Stimme dazu, das Verbrechen ist blutig, er muß dafür sterben; nichts muntert die Sünden mehr auf als Barmherzigkeit. 2. Senator. Sehr richtig; das Gesez muß sie zerschmettern. Alcibiades. Heil, Ehre und Mitleiden dem Senat! 1. Senator. Nun, Feldherr-- Alcibiades. Ich komme, Euern Herrlichkeiten eine demüthige Bitte vorzutragen. Mitleiden ist der echte Geist der Geseze, und nur Tyrannen machen einen grausamen Gebrauch davon. Zeit und Unglük verfolgen einen von meinen Freunden, der in der Hize seines Blutes in das Gesez gefallen ist, welches für diejenige, die unvorsichtiger Weise hineinplätschern, eine bodenlose Tieffe zu seyn pflegt. Er ist, dieses Vergehen bey Seite gesezt, ein Mann von Ehre und Tugend, und dieses kauft seinen Fehler los. Auch ist seine That mit keiner Niederträchtigkeit beflekt; sondern mit einer edeln Wuth und einem ruhmwürdigen Stolz sezt' er sich seinem Feind, der seiner Ehre eine tödtliche Wunde beygebracht hatte, entgegen; nachdem er lange genug seinen Zorn zurük gehalten, und sich mit einem so gemässigten Eifer vertheidigt hatte, als ob er nur einen academischen Saz behauptete. 1. Senator. Ihr übernehmt etwas allzu anstößiges, indem ihr euch so viele Mühe gebt, einer häßlichen That einen schönen Anstrich zu geben; ihr habt nicht anders gesprochen, als ob ihr im Sinn hättet, den Menschen-Mord in Schwang zu bringen, und Schlägereyen auf Rechnung der Dapferkeit zu sezen, die doch bloß von einer unächten Dapferkeit ihren Ursprung haben, und in die Welt kamen, eh noch bürgerliche Geseze den neugebohrnen Factionen und Zerrüttungen Einhalt gethan hatten. Der ist wahrhaftig dapfer, der das ärgste, was ein Mensch athmen kan, weislich erträgt; und, anstatt Beleidigungen bis zu seinem Herzen dringen, und es in gefährliches Feuer sezen zu lassen, sie für Kletten ansieht, die nur an seinen Kleidern hangen bleiben -- Alcibiades. Milord-- 1. Senator. Ihr könnt schwarze Verbrechen nicht weiß waschen; Nicht Rache, sondern Geduld ist Tapferkeit. Alcibiades. So vergebet mir dann, gnädige Herren, wenn ich wie ein Soldat spreche. Warum sind denn die Leute so albern und wagen ihr Leben in einem Treffen? Und warum erdulden sie nicht lieber alle Drohungen des Feindes, schlaffen ruhig dabey ein, und lassen sich von den Feinden, ohne Wiederstand, die Hälse abschneiden? Wenn im Erdulden eine so grosse Tapferkeit ist, was machen wir im Felde? So sind also unleugbar die Weiber, die zu Hause bleiben, tapfrer als wir; so ist der Esel dapfrer als der Löwe; ja ein Kerl der eine Last von Eisen auf dem Rüken trägt, ist weiser dann ein Rathsherr, wenn im Tragen Weisheit ligt. O, Milords, wie ihr groß seyd, so seyd auch gütig und mitleidig; wer kan nicht bey kaltem Blut das Vergehen eines heissen Bluts verdammen? Morden, ich gesteh es, ist das schwerste Verbrechen; aber zu seiner Vertheidigung--Bey allem was billig ist, dieses macht es gerecht. Sich seinem Zorn überlassen, ist Sünde; aber wo ist der Mann, der nicht zornig werden kan? Wägt das Verbrechen nur nach diesem ab. 2. Senator. Du verschwendest deinen Athem umsonst. Alcibiades. Umsonst? Die Dienste, die er zu Byzanz und Lacedämon geleistet, sollten allein vermögend seyn, seine Begnadigung zu erbitten. 1. Senator. Was ist das? Alcibiades. Ich sage, Milords, er hat gute Dienste gethan, und in der Schlacht manchen von euern Feinden erschlagen. Wie dapfer hielt er sich nur in dem lezten Treffen, und was für ergiebige Wunden macht' er nicht! 2. Senator. Er ist ein vollkommen lüderlicher Mensch; er hat noch eine andre böse Gewohnheit, die seine Dapferkeit oft in Wein ertränkt; wenn gleich keine Feinde wären, so wäre das allein genug, ihn zu übermannen. Man weiß, daß er in dergleichen viehischer Raserey die grösten Ausschweiffungen begangen, und Tumult angefangen hat. Es ist uns geklagt worden, seine Tage seyen unnüze, und seine im Trunk verbrausende Nächte gefährlich. 1. Senator. Er muß sterben. Alcibiades. Hartes Schiksal! Er hätt' im Kriege sterben können. Milords, wenn euch seine eigne Verdienste nicht bewegen können, (obgleich sein rechter Arm seine Sache gut machen sollte, ohne jemand anderm etwas schuldig zu werden) so nehmt meine Verdienste zu den seinigen; und da ich weiß, daß euer ehrwürdiges Alter Sicherheit liebt, will ich euch meine Siege, meine Ehrenzeichen zum Pfand seiner Besserung geben. Wenn er dieses Verbrechens halben sein Leben dem Gesez schuldig ist, so laßt ihn's im Krieg auf eine dapfre Art in Wunden ausströmen; wenn das Gesez scharf ist, so ist es der Krieg nicht weniger. 1. Senator. Wir sind um des Gesezes willen da, er stirbt, treib es nicht weiter, bey den strengsten Folgen unsers Mißvergnügens; Freund oder Bruder, wer eines andern Blut vergießt, macht sich seines eignen verlustig. Alcibiades. Muß es denn seyn? Es muß nicht seyn; Milords, ich bitte euch, mißkennt mich nicht. 2. Senator. Wie? Alcibiades. Erinnert euch meiner! 3. Senator. Was?-- Alcibiades. Ich kan nicht anders als denken, euer Alter muß mich vergessen haben; es wäre sonst unmöglich, daß ich so verächtlich in euern Augen seyn sollte, um eine so gemeine Gnade zu bitten, und abgewiesen zu werden. Meine Wunden schmerzen mich um euertwillen. 1. Senator. Trozt ihr unserm Zorn--er braucht wenig Worte, aber die Würkung reicht weit--Wir verbannen dich auf ewig. Alcibiades. Mich verbannen? Verbannt euern Aberwiz, verbannt den Wucher, die den Senat verachtenswürdig machen! 1. Senator. Wenn nach zween Tagen Athen dich noch enthält, so erwart' unser strengeres Urtheil. Und damit dein unmächtiger Stolz noch mehr aufschwelle, soll er diesen Augenblik hingerichtet werden. (Sie gehen ab.) Alcibiades. Die Götter lassen euch alt genug werden, daß ihr nur noch in Knochen lebet, und euer Anblik alle Welt verscheuche! Ich bin mehr als unsinnig; ich habe ihre Feinde von ihnen entfernt gehalten, indessen daß sie ihr Geld gezählt, und auf Wucher ausgeliehen haben; Wunden sind mein ganzer Gewinn dabey--Und alles das für diß? Ist das der Balsam, den der filzichte Senat in eines Feldherrn Wunden gießt? Ha! Verbannung! Doch es kommt nicht ungelegen; ich bin es zufrieden, verbannt zu seyn; es ist mir eine gerechte Ursache, Athen meine Wuth empfinden zu lassen. Ich will meine mißvergnügten Truppen aufmuntern, und alles aufs Spiel sezen. Es ist Ehre einzulegen, wenn man es mit einer überlegnen Anzahl aufnimmt. Soldaten schluken so wenig eine Beleidigung ein, als die Götter. (Er geht ab.) Siebende Scene. (Verwandelt sich in Timons Haus.) (Verschiedene Senatoren treten durch verschiedne Thüren auf.) 1. Senator. Guten Tag, mein Herr. 2. Senator. Ebenfalls; ich denke dieser würdige Edelmann sezte uns lezthin nur auf die Probe. 1. Senator. Ich dachte nur eben auch daran. Ich hoffe, es steht nicht so schlimm mit ihm, als er vorgab, wie er seine Freunde auf die Probe sezte. 2. Senator. Es sollte nicht seyn, wenn man von diesem neuen Banket schliessen darf. 1. Senator. Ich kan nicht anders denken; er hat mir eine ernstliche Einladung zugesandt, die ich wegen vieler nothwendiger Geschäfte gerne abgelehnt hätte; allein, er hat mich so anhaltend bitten lassen, daß ich kommen mußte. 2. Senator. Ich befand mich in gleichen Umständen, allein er wollte keine Entschuldigung gelten lassen. Es ist mir leid, daß ich nicht versehen war, wie er um Geld zu mir schikte. 1. Senator. Es verdrießt mich für meinen Theil nicht weniger, da ich nun merke, wie die Sachen stehen. 2. Senator. Es ist keiner hier, dem es nicht eben so ist, wie uns. Wie viel wollt' er von euch entlehnen? 1. Senator. Fünfzig Talente. 2. Senator. Fünfzig Talente? 1. Senator. Wie viel von euch? 2. Senator. Er schikte zu mir--Hier kommt er. (Timon tritt mit seinem Gefolg auf.) Timon. Von Herzen willkommen, meine Herren beyderseits--und wie steht es? 1. Senator. Aufs allerbeste, da wir gute Zeitungen von Eu. Gnaden hören. 2. Senator. Die Schwalbe folgt dem Sommer nicht williger, als wir Eu. Gnaden. Timon (bey Seite.) Und verläßt den Winter nicht lieber; solche Sommer-Vögel sind die Menschen--Meine Herren, unsre Mahlzeit wird nicht werth seyn, daß wir so lange drauf warten; Tractirt indessen eure Ohren mit der Musik, wenn Trompeten-Schall nicht eine zu harte Speise für sie ist; wir werden uns gleich sezen können. 1. Senator. Ich hoffe Euer Gnaden werde keinen Unwillen gefaßt haben, daß ich euch einen leeren Boten zurükgeschikt habe. Timon. O mein Herr, laßt euch das nicht beunruhigen. 2. Senator. Mein edler Lord-- Timon. Ah, mein guter Freund, wie gehts? (Das Essen wird aufgetragen.) 2. Senator. Mein hochgeehrtester Herr, ich bin ganz krank vor Schaam, daß ich so ein unglüklicher Bettler war, als Euer Gnaden neulich zu mir schikte. Timon. Denkt nicht an das, mein Herr. 2. Senator. Hättet ihr nur zwo Stunden eher geschikt-- Timon. Laßt euch das nicht von angenehmern Erinnerungen abhalten--He, stellt alles zugleich auf! 2. Senator (zum Ersten.) Lauter bedekte Schüsseln? 1. Senator. Ein Königliches Tractament, ich steh' euch dafür. 3. Senator. Daran ist kein Zweifel, was Geld und die Jahrszeit aufbringen können. 1. Senator. Wie befindet ihr euch? Was giebt's Neues? 2. Senator. Alcibiades ist aus der Stadt verwiesen worden. 1. Senator. Alcibiades verwiesen? 3. Senator. Es ist nichts gewissers. 1. Senator. Wie das? wie das? 2. Senator. Ich bitte euch, weswegen? Timon. Meine würdigen Freunde, wollt ihr nicht näher kommen? 3. Senator. Ich will's euch sogleich sagen--Wir haben ein prächtiges Gastmahl vor uns. 2. Senator. Er ist noch immer der vorige Mann. 3. Senator. Wird es dauern? wird es dauern? 2. Senator. Es wird, wenn Zeit und Glük will, und so-- 3. Senator. Ich versteh euch. Timon. Ein jeder nehme seinen Plaz, so begierig, als ob er an die Lippen seiner Liebsten wollte; ihr werdet an allen Pläzen gleich gehalten werden. Macht nicht eine Stadt-Gasterey daraus, und laßt das Essen kalt werden, eh man einig werden kan, wer zu oberst sizen soll. Sezt euch, sezt euch! Die Götter fordern unsern Dank: "Ihr grossen Wohlthäter, besprengt unsre Gesellschaft mit Dankbarkeit. Macht, daß ihr für eure Gaben gepriesen werdet; aber behaltet immer etwas, das ihr geben könnt, sonst möchten Eure Gottheiten in Verachtung gerathen. Leihet einem jeden genug, damit keiner nöthig habe dem andern zu leihen; denn wenn Eure Gottheiten selbst dazu kämen, daß sie von Menschen entlehnen müßten, so würden die Menschen Atheisten seyn. Macht die Mahlzeit beliebter, als den der sie giebt. Laßt keine Versammlung von fünfzehn ohne eine Mandel Bösewichter seyn. Wenn zwölf Weiber an einem Tisch sizen, so laßt ein Duzend von ihnen seyn--was sie sind--den Rest eurer Feinde, o ihr Götter, die Senatoren von Athen, nebst der Grund-Suppe des übrigen Volks, zählet, ihr Götter, dem Verderben zu. Was diese meine Freunde betrift--So, wie sie für mich Nichts sind, so segnet sie auch mit Nichts, und zu Nichts sind sie mir willkommen." (Man dekt auf, und alle Schüsseln sind mit Hunden von verschiedner Gattung angefüllt.) Etliche von den Gästen. Was meynen Se. Gnaden damit? Andre. Das weiß ich nicht. Timon. Daß ihr nie keine bessere Mahlzeit sehet, ihr Maul-Freunde; Dampf und laues Wasser ist euer vollkommnes Ebenbild. Das ist Timons Leze. Lebt lang, und von aller Welt verabscheut, ihr glatten, lächelnden, verwünschten Schmarozer, ihr liebkosenden Zerstörer, schmeichlerische Wölfe, zahme Bären, ihr Glüks-Narren, Teller-Leker, und Fleisch-Fliegen, ihr Kopf- und Kniebeugenden Sclaven, daß alle ungezählten Krankheiten von Menschen und Vieh euch in diesem Augenblik überdeken! Wo gehst du hin! Sachte, nimm erst deine Arzney ein--du auch--und du -- (Er wirft die Teller nach ihnen, und jagt sie hinaus.) Halt, ich will dir Geld leihen, ich will keines borgen. Wie? Alle in Bewegung? Von nun an sey kein Gastmahl, wo ein Bösewicht nicht willkommen sey! Brenn' auf den Grund ab, Haus; sink', Athen; und Timon hasse von nun an den Menschen, und alles was menschlich ist! (Geht ab.) (Die Senatoren kommen zurük.) 1. Senator. Wie gefällt euch das, Milords? 2. Senator. Kennt ihr die Beschaffenheit von Lord Timons Wuth? 3. Senator. Zum Henker, habt ihr meine Müze nicht gesehen? 4. Senator. Ich habe meinen Oberrok verlohren. 1. Senator. Lord Timon ist nichts bessers als ein Narr, er läßt sich lediglich durch die Laune regieren. Lezthin schenkt' er mir ein Kleinod, und nun hat er mir's von meiner Müze abgeworfen. Seht ihr mein Kleinod nicht? 2. Senator. Habt ihr meine Müze nicht gesehen? 3. Senator. Hier ist sie. 4. Senator. Hier ligt mein Rok. 1. Senator. Wir wollen uns nicht länger aufhalten. 2. Senator. Lord Timon ist verrükt. 3. Senator. Das fühl ich an meinen Beinen. 4. Senator. Den einen Tag giebt er uns Diamanten, und den andern Steine. (Sie gehen ab.) Vierter Aufzug. Erste Scene. (Ein Plaz ausser den Mauern von Athen.) (Timon tritt auf.) Timon. Laßt mich noch einmal nach euch zurüksehen, o ihr Mauern, die diese Wölfe umzingeln! Versink' in den Erdboden, Athen! ihr vermählten Frauen, werdet unkeusch! ihr Kinder empört euch wider eure Eltern, und Sclaven und wahnwizige mögen den ehrwürdigen grauen Senat von seinen Bänken reissen, und an ihrer Stelle den Staat regieren! Gieb dich der allgemeinen Unzucht Preiß, unreiffe Jungferschaft, thut es vor euerer Eltern Augen! haltet fest, ihr Bankerotierer; eh ihr den Rüken kehret, die Messer heraus, und schneidet euern Gläubigern die Kehlen ab! Stehlt, ihr Sclaven; euere ehrsamen Herren sind nur Diebe mit längern Händen, und stehlen unter dem Schuz der Geseze. In deines Herrn Bette, Mädchen; deine Frau ist im Bordell. Sechszehnjähriger Sohn, reiß deinem alten hinkenden Vater die Krüke aus der Hand, und schlag ihm damit das Hirn aus! Furcht und Mitleiden, Scheu vor den Göttern, Friede, Gerechtigkeit, Wahrheit, häusliche Zucht, Nacht-Ruhe, Nachbarschaft, Unterricht, Sitten, Religions-Gebräuche, Unterschied der Stände, Herkommen, Gewohnheiten und Geseze, artet in euer zerrüttendes Gegentheil aus, und nichts als die Zerrüttung bestehe!--Ihr Plagen alle, deren der Mensch fähig ist, häuffet eure gährenden anstekenden Fieber über Athen zusammen; es ist reif zum Untergang! Du kalte Gicht, mach' unsre Rathsherren zu Krüppeln, damit ihre Glieder so lahm seyn mögen als ihre Aufführung! Zaumlose Ueppigkeit und wilde Frechheit kriech in die Herzen und in das Mark unsrer Jugend, daß sie dem Strom der Tugend entgegen arbeiten, und sich selbst in Ruchlosigkeit ertränken! Kräze und Eyterbeulen überdeken jeden Atheniensischen Busen, und ihr Kropf sey lauter Aussaz; ein Athem steke den andern an, damit ihre Gesellschaft (wie ihre Freundschaft) durch und durch vergiftet sey. Nichts will ich aus dir hinaustragen als Naktheit, du abscheuliche Stadt! Nimm noch, mit vervielfachten Flüchen, diese Versicherung: Timon will in den Wald, wo er die wildesten Thiere milder als den Menschen finden wird. Die Götter verderben (o hört mich, ihr guten Götter alle!) die Athenienser inner- und ausserhalb ihrer Mauern, und verleihen, daß mit jedem Tage seines Lebens Timons Haß gegen das ganze Geschlecht der Menschen wachse! (Geht ab.) Zweyte Scene. (Verwandelt sich in Timons Haus.) (Flavius mit zween oder dreyen Bedienten.) 1. Bedienter. Hört ihr, guter Herr Verwalter, wo ist unser Herr? Sind wir verdorben, ist alles aus, ist nichts übrig? Flavius. Ach, meine lieben Cameraden, was soll ich euch sagen? So wahr als ich wünsche, daß die wohlthätigen Götter sich meiner erinnern, ich bin so arm als ihr. 1. Bedienter. Daß ein solches Haus gebrochen, ein so edler Herr gefallen seyn soll! Alles hin! und nicht ein einziger Freund, der ihm in seinem Unglük unter die Arme greiffe? 2. Bedienter. Wie wir uns von einem Bekannten wegwenden, der in sein Grab gesenkt worden, so schleichen seine Freunde von seinem begrabnen Glüksstand alle hinweg, hinterlassen ihm ihre treulosen Schwüre und Versprechungen; und er selbst, ein dem freyen Himmel preißgegebner Bettler, mit einem Uebel das alle Welt von ihm scheucht, mit Dürftigkeit behaftet, geht, bleibt, gleich der Verachtung, allein.-- Noch mehr von unsern Cameraden. (Es treten noch einige Bediente auf.) Flavius. Lauter zerbrochnes Geräthe eines zerstörten Hauses! 3. Bedienter. Doch tragen unsre Herzen noch Timons Liverey, das seh' ich in euer aller Gesicht. Wir sind noch alle Cameraden, die, da sie ihrem Herrn sonst nichts mehr dienen können, ihre Treu durch ihren Kummer zeigen. Unsre Barke ist lek, und wir armen Tropfen stehen auf dem sinkenden Verdek, und hören die Wellen dräuen; wir müssen alle in dem Meer der weiten Luft, jeder so gut er kan, seine Rettung suchen. Flavius. Meine guten Cameraden, ich will das äusserste meines Vermögens mit euch theilen. Wo wir uns jemals wieder antreffen, wollen wir, um Timons willen, immer gute Freunde seyn, unsre Köpfe schütteln, und sagen: Wir haben bessere Tage gesehen. Jeder nehme seinen Antheil; nein, streket alle eure Hände aus--Kein Wort mehr -- (Er giebt ihnen Geld, sie umarmen einander und scheiden, der eine diesen, der andre einen andern Weg.) Wer wollte sich Reichthum wünschen, wenn Reichthum in Elend und Verachtung aufhört? Wer wollte (nach diesem Beyspiel,) sich durch einen Traum von schimmerndem Glük und Freundschaft täuschen lassen? Durch ein Gepränge von Herrlichkeit und Wohlleben, aber alles nur gemahlt, wie diese gefirnißten Freunde! Mein armer redlicher Herr! durch sein eignes gutes Herz so weit herunter gebracht! Durch Güte zu Grunde gerichtet! Wie seltsam, daß zuviel Güte eines Menschen gröste Sünde seyn soll! Unbegränzte Güte macht Götter, und verderbt Menschen--Mein theurester Herr, einst so glüklich um desto elender, so reich um desto dürftiger zu seyn; dein grosser Wohlstand ist die Gelegenheit zu deinen grösten Widerwärtigkeiten worden! Ach! der gütige Herr! Er ist in Wuth aus dem undankbaren Siz unnatürlicher Freunde geflohen, und hat nichts mit sich genommen, was sein Leben unterhalten, oder diesen Unterhalt verschaffen kan. Ich will ihm folgen und ihn aufsuchen; ich will ihm um seines Herzens willen immer mit bestem Willen dienen, und, so lang ich Gold habe, immer sein Verwalter bleiben. (Er geht ab.) Dritte Scene. (Der Wald.) (Timon tritt auf.) Timon. O Sonne, Quelle der segensvollesten Einflüsse, ziehe faule Dünste aus der Erde, und vergifte die Luft unter deiner Schwester Kreis-- Zwillings-Brüder, zugleich gezeugt, von einer Mutter gebohren und gesäugt, sind im Glüke getheilt. Der Grössere verschmäht den Kleinern. Die menschliche Natur selbst, sie, die von so unzählbaren Uebeln belagert wird, kan zu keinem grossen Glüke kommen, ohne sich ihrer selbst zu schämen. Erhebt mir diesen Bettler und zieht mir diesen Lord aus, so wird der Lord so verachtet seyn, als ob er zum Bettler gebohren worden wäre, und der Bettler geehrt werden, als ob er kein gebohrner Bettler wäre. Es ist die Weide, die des Widders Seiten spikt, und der Mangel, der ihn mager macht. Wo ist der, dem die Aufrichtigkeit seiner eignen unverfälschten Seele den Muth giebt aufzustehen, und zu sagen: Dieser Mann ist ein Schmeichler? Wenn einer es ist, sind es alle; denn jede Stuffe des Glüks findt ihre Schmeichler eine Stuffe niedriger; der gelehrte Kopf bükt sich vor dem goldnen Narren; alles ist krumm, es ist nichts gerades in unsrer verfluchten Natur, als unverbesserliche Büberey. So sey dann alle Gesellschaft und alle Gemeinschaft mit Menschen von mir verabscheut! Alle von seiner Gattung, ja sich selbst hasset Timon. Verderben über das ganze Menschen-Geschlecht!--Erde, gieb mir Wurzeln. (Er gräbt die Erde auf.) Wer etwas bessers von dir begehrt, dem würze den Rachen mit deinem würksamsten Gifte!--Was ist hier! Gold! gelbes, blinkendes, feines Gold? Nein, ihr Götter, das verlangt' ich nicht von euch; Wurzeln, gütiger Himmel! Nur so viel von diesem hier ist genug, weiß, schwarz; schön, häßlich; unrecht, recht; niederträchtig, edel; ein altes Gesicht, jung; und eine feige Memme, tapfer zu machen. Ihr Götter, wozu das? warum das? Ihr Götter! wie, das kan eure Priester von eurer Seite loken, und Leute mit frischem Herzen ins Grab befördern; dieser gelbe Sclave kan geheiligte Bündnisse zusammenkütten und auflösen; dem Verfluchten Segnungen, und dem grindigen Aussaz Anbetung zuziehen; Diebe zu Ehrenstellen erheben und ihnen neben den Senatoren, Titel, Kniebeugungen und Beyfall geben: Diß ist's, was die bekümmerte Wittwe wieder freyen macht, und was einer von Geschwüren und Krebsschäden zerfressenen Candidatin des Siechenhauses, durch seine balsamische Kraft die frische Anmuth der Jugendblüthe wieder giebt. Komm, du verdammte Erde, du gemeine Meze des menschlichen Geschlechts, die so viel Lermens unter der Rotte der Nationen macht-- (Man hört von fern einen Marsch.) Ha, eine Trummel--Du bist sehr lebendig, aber ich will dich doch begraben; wenn deine podagrische Besizer nicht mehr stehen, kanst du noch davon lauffen--Doch nein, bleib noch ein wenig da, ich will dich für Handgeld gebrauchen. (Er stekt eine Anzahl Goldstüke zu sich.) Vierte Scene. (Alcibiades zieht auf eine kriegrische Weise mit Trummel und Pfeiffen auf; und Phrynia und Timandra.) Alcibiades. Wer bist du hier? Sprich! Timon. Eine Bestie, wie du bist. Daß der Krebs dein Herz dafür durchfresse, daß du mir wieder ein menschliches Gesicht zu sehen giebst! Alcibiades. Wie ist dein Name? Ist der Mensch dir so verhaßt, und du bist selbst ein Mensch? Timon. Ich bin Misanthropos, und hasse das menschliche Geschlecht. Was dich betrift, so wünscht' ich, du wär'st ein Hund, damit ich dich ein wenig lieben könnte. Alcibiades. Ich kenne dich wol; aber was für Unfälle dir zugestossen seyn müssen, davon weiß ich nichts. Timon. Ich kenne dich auch, und verlange nicht mehr von dir zu wissen, als ich weiß; zieh deiner Trummel nach, färbe den Boden mit Menschen- Blut; roth, roth;--Religions-Gebräuche, bürgerliche Geseze sind grausam, was soll dann der Krieg seyn? Diese faule Meze hier hat mit allen ihren Cherubin-Bliken mehr Zerstörung in sich als dein Schwerdt. Phrynia. Daß dir die Lippen verfaulen! Timon. Das könnte nur begegnen wenn ich dich küßte, und das will ich nicht. Alcibiades. Wie kam der edle Timon zu diesem Wechsel? Timon. Wie der Mond, weil er kein Licht mehr zu geben hatte; aber ich konnte mich nicht wieder erneuern wie der Mond, denn es waren keine Sonnen da, von denen ich hätte borgen können. Alcibiades. Edler Timon, was für Freundschaft kan ich dir erweisen? Timon. Keine, als mich in meiner Meynung zu bestärken. Alcibiades. Was ist diese, Timon? Timon. Mir Freundschaft zu versprechen, und keine zu halten. Wenn du mir keine versprechen willst, so verderben dich die Götter! denn du bist ein Mensch; und wenn du sie hältst, so sollen sie dich gleichfalls verderben, denn du bist ein Mensch. Alcibiades. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599 600 601 602 603 604 605 606 607 608 609 610 611 612 613 614 615 616 617 618 619 620 621 622 623 624 625 626 627 628 629 630 631 632 633 634 635 636 637 638 639 640 641 642 643 644 645 646 647 648 649 650 651 652 653 654 655 656 657 658 659 660 661 662 663 664 665 666 667 668 669 670 671 672 673 674 675 676 677 678 679 680 681 682 683 684 685 686 687 688 689 690 691 692 693 694 695 696 697 698 699 700 701 702 703 704 705 706 707 708 709 710 711 712 713 714 715 716 717 718 719 720 721 722 723 724 725 726 727 728 729 730 731 732 733 734 735 736 737 738 739 740 741 742 743 744 745 746 747 748 749 750 751 752 753 754 755 756 757 758 759 760 761 762 763 764 765 766 767 768 769 770 771 772 773 774 775 776 777 778 779 780 781 782 783 784 785 786 787 788 789 790 791 792 793 794 795 796 797 798 799 800 801 802 803 804 805 806 807 808 809 810 811 812 813 814 815 816 817 818 819 820 821 822 823 824 825 826 827 828 829 830 831 832 833 834 835 836 837 838 839 840 841 842 843 844 845 846 847 848 849 850 851 852 853 854 855 856 857 858 859 860 861 862 863 864 865 866 867 868 869 870 871 872 873 874 875 876 877 878 879 880 881 882 883 884 885 886 887 888 889 890 891 892 893 894 895 896 897 898 899 900 901 902 903 904 905 906 907 908 909 910 911 912 913 914 915 916 917 918 919 920 921 922 923 924 925 926 927 928 929 930 931 932 933 934 935 936 937 938 939 940 941 942 943 944 945 946 947 948 949 950 951 952 953 954 955 956 957 958 959 960 961 962 963 964 965 966 967 968 969 970 971 972 973 974 975 976 977 978 979 980 981 982 983 984 985 986 987 988 989 990 991 992 993 994 995 996 997 998 999 1000