(Die Musik fangt an; man tanzt.)
Mehr Lichter her, ihr Schurken, und die Tische aus dem Weg; und
laßt das Feuer abgehen, es ist zu warm im Zimmer--Gelt, junger Herr,
ein unvermutheter Spaß ist der angenehmste--Nun sezt euch, sezt
euch, mein guter Vetter Capulet, denn die Tanz-Zeit ist doch bey
euch und mir vorbey: Wie lang ist es wohl, seit ihr und ich das
leztemal auf einem Masken-Bal tanzten?
2. Capulet.
Bey unsrer Frauen! dreißig Jahre.
1. Capulet.
Wie, Mann? Es ist noch nicht so lang, es ist noch nicht so lang; es
war an Lucentio's Hochzeit; es wird auf kommende Pfingsten fünf und
zwanzig Jahre, daß wir in Masken tanzten.
2. Capulet.
Es ist mehr, es ist mehr; sein Sohn ist älter, Herr; sein Sohn hat
schon dreißig.
1. Capulet.
Das werdet ihr mir nicht weiß machen; sein Sohn war vor zwey Jahren
noch nicht mündig.
Romeo (in einem andern Theil des Saals.)
Wer ist die junge Dame, die dort jenem Ritter die Hand giebt?
Bedienter.
Ich weiß es nicht.
Romeo.
O, sie glänzt mehr als alle diese Fakeln zusammen genommen; ihre
Schönheit hängt an der Stirne der Nacht, wie ein reiches Kleinod an
eines Mohren Ohr: Und welch eine Schönheit! Sie ist zu reich zum
Gebrauch, und zu kostbar für diese Erde. So glänzt die schneeweisse
Daube aus einem Schwarm von Krähen, wie dieses Fräulein unter ihren
Gespielen glänzt. Wenn der Tanz vorbey ist, will ich mir den Plaz
merken, wo sie steht, und ihr meine Hand geben. Welch eine
Glükseligkeit ihre Hand zu berühren!--Nein, ich habe noch nie
geliebt--Schwör es, mein Auge; vor dieser glüklichen Nacht wußtest
du nicht, was Schönheit ist.
Tybalt (der dem Romeo bey den lezten Worten sich nähert.)
Der Stimme nach sollte dieß ein Montague seyn--hol mir einen Degen,
Junge--wie? der Sclave darf sich erfrechen in einer Maske hieher zu
kommen, und unsrer feyerlichen Lust zu spotten? Nein, bey der
bejahrten Ehre meines Geschlechts, es ist keine Sünde, den
Nichtswürdigen zu todt zu schlagen.
Capulet.
Wie, wie, Vetter? Warum so stürmisch?
Tybalt.
Oheim, hier ist einer unsrer Feinde, ein Montague; ein Bube der
gekommen ist, uns unter die Nase zu lachen, und unsre Familien-
Freude zu stören--
Capulet.
Ist es vielleicht der junge Romeo?
Tybalt.
Er selbst, der Schurke Romeo!
Capulet.
Gieb dich zu frieden, lieber Vetter, laß ihn gehen; er sieht einem
jungen wakern Edelmann gleich; und, wenn ich die Wahrheit sagen
soll, er hat den Ruf eines tugendhaften wohlgesitteten Jünglings,
der Verona Ehre macht. Ich wollte nicht um unsre ganze Stadt, daß
ihm in meinem Hause was zu Leide gethan würde. Seyd also ruhig,
thut als ob ihr ihn nicht kennet; ich will es so haben, und wenn
ihr einige Achtung für mich habt, so heitert eure Stirne auf, und
macht keine Gesichter, die sich so übel zu einer Lustbarkeit
schiken.
Tybalt.
Sie schiken sich, wenn ein solcher Bube sich zum Gast aufdringt:
ich will ihn nicht dulden!
Capulet.
Das sollt ihr aber! Wie, Herr Junge?--Ihr sollt, sag ich--Geht,
geht, bin ich hier Meister oder ihr? Geht, geht--Ihr wollt ihn
nicht dulden? Hol mich Gott, ihr würdet mir einen feinen Lermen
unter meinen Gästen anrichten! Ihr wollt mir hier den Eisenfresser
machen? Gelt, das wollt ihr?
Tybalt.
Wie, Oehm, es ist eine Schande--
Capulet.
Geht, geht, ihr seyd ein abgeschmakter Knabe--
(auf die Seite zu einem von der Gesellschaft.)
Ist es so, in der That?--
(zu Tybalt)
ihr könnt was anfangen, das euch gereuen wird, ich weiß was ich
sage--
(Seitwärts;)
wohl gesprochen, meine Kinder--
(zu Tybalt,)
Ihr seyd ein Hasenfuß, geht--seyd ruhig, oder--
(seitwärts.)
Mehr Lichter, mehr Lichter, es ist eine Schande, so dunkel ist's--
(zu Tybalt)
ich will euch ruhig machen--
(Seitwärts:)
Wie, munter, meine Herzen!
Tybalt.
Geduld und Zorn vertragen sich nicht wohl bey mir zusammen; sie
stossen, indem sie sich begegnen, die Köpfe so hart an einander an,
daß mir alle Glieder davon wakeln. Ich will mich entfernen, aber er
soll mir diese Zudringlichkeit bezahlen!
(Tybalt geht ab.)
Romeo (zu Juliette.)
* [Wenn meine unwürdige Hand diesen heiligen Leib entweiht hat, so
laß dir diese Busse gefallen: Meine Lippen, zween erröthende
Pilgrimme, stehen bereit den Frefel, mit einem zärtlichen Kuß
abzubüssen.
{ed.-* Dieser Dialogus ist im Original eine Elegie mit verschränkten
Reimen.}
Juliette.
Ihr thut eurer Hand unrecht, mein lieber Pilgrim; sie hat nichts
gethan, als was die bescheidenste Andacht zu thun pflegt; Heilige
haben Hände, die von den Händen der Wallfahrenden berührt werden,
und Hand auf Hand ist eines Pilgrims Kuß.
Romeo.
Haben Heilige nicht Lippen, und andächtige Pilgrimme auch?
Juliette.
Ja, Pilgrim, sie haben Lippen, aber zum Beten.
Romeo.
O so erlaube, theure Heilige, erlaube den Lippen nur, was du den
Händen gestattest; sie bitten, (und du, erhöre sie,) daß du den
Glauben nicht in Verzweiflung fallen lassest.
Juliette.
Heilige rühren sich nicht, wenn sie gleich unser Gebet erhören.
Romeo.
O so rühre du dich auch nicht, indem ich mich der Würkung meines
Gebets versichre--
(Er küßt sie.)
Die Sünde meiner Lippen ist durch die deinige getilgt.]
Juliette.
Also tragen nun meine Lippen die Sünde, die sie von den deinigen
weggenommen haben.
Romeo.
Sünde von meinen Lippen? O! angenehme Strenge! Gebt mir meine Sünde
nur wieder zurük.
Juliette.
Ihr habt küssen gelernt; ich verstehe mich nicht darauf.
Amme.
Gnädiges Fräulein, eure Frau Mutter möchte gern ein Wort mit euch
sprechen--
(Juliette entfernt sich.)
Romeo.
Wer ist ihre Mutter?
Amme.
Sapperment, junger Herr, ihre Mutter ist hier die Frau vom Hause,
und eine brave, gescheidte, tugendsame Frau. Ich säugte ihre
Tochter, mit der ihr geredet habt; und ich sag euch, wer sie kriegt,
bekommt so gewiß eine Jungfer--
Romeo (indem er sich entfernt, vor sich.)
Eine Capulet? O Himmel! Mein Herz und mein Leben sind
unwiderbringlich in der Gewalt meiner Feindin.
Benvolio.
Weg, wir wollen gehen, der gröste Spaß ist vorbey.
Romeo.
Das fürcht' ich selbst, das übrige wird mich mehr als meinen Schlaf
kosten.
Capulet.
Nein, ihr Herren, geht noch nicht weg, wir haben noch ein kleines
schlechtes Nachtessen vor uns--Wie, muß es denn seyn? Nun dann, so
dank ich euch allen--Ich dank euch, meine liebe Herren, gute Nacht--
Mehr Fakeln her--
(Zu den übrigen:)
Kommt hinein, und dann zu Bette.--Ah, guter Freund, bey meiner
Treu, es ist schon späte. Ich will in mein Bette.
(Sie gehen nach einander ab.)
Juliette.
Ein wenig hieher, Amme--Wer ist der junge Herr dort?
Amme.
Der einzige Sohn des alten Tiberio.
Juliette.
Wer ist der, der eben izt zur Thüre hinausgeht?
Amme.
Das ist der junge Petrucchio, bild' ich mir ein.
Juliette.
Wer ist der, der ihm folgt, der nicht tanzen wollte?
Amme.
Ich kenn' ihn nicht.
Juliette.
Geh, frage nach seinem Namen
(leise.)
Wenn er schon vermählt ist, so ist sehr wahrscheinlich, daß mein
Grab mein Braut-Bette seyn wird.
Amme.
Er heißt Romeo, er ist ein Montague, der einzige Sohn von unserm
großen Feind.
Juliette (vor sich.)
O Himmel! der, den ich einzig lieben kan, ist der, den ich einzig
hassen sollte--Zu früh gesehn, eh ich ihn kannte; und zu spät
erkannt; was für eine seltsame Mißgeburt ist meine Liebe--ich liebe--
meinen verhaßtesten Feind.
Amme.
Was sagtet ihr da? Was habt ihr?
Juliette.
Ein paar Reime, die ich eben von einem gelernt, mit dem ich tanzte.
(Man ruft hinter der Scene Juliette.)
Amme.
Gleich, gleich; Kommt, wir wollen gehen, die Fremden sind schon
alle fort.
(Sie gehen ab.)
([Zum Beschluß dieses Aufzugs tritt ein Chor auf, und sagt den
Zuschauern in vierzehn Reimen, was sie vermuthlich von selbst
errathen hätten--daß Romeo, seit der Nacht, da er die schöne
Juliette gesehen, seine erste Liebste nicht mehr schön befunden--
daß er nun Julietten liebe, und von ihr wieder geliebt werde)--(daß
die tödtliche Feindschaft ihrer Häuser zwar die Sympathie ihrer
Herzen nicht habe verhindern können, aber ihnen hingegen alle
Gelegenheit abschneide, sich zu sehen und zu sprechen, ohne daß
jedoch dieser harte Zwang eine andre Würkung gethan habe, als die
Heftigkeit ihrer Liebe und Sehnsucht zu verdoppeln.])
Zweyter Aufzug.
Erste Scene.
(Die Strasse.)
(Romeo tritt allein auf.)
Romeo.
Kan ich weggehen, wenn mein Herz hier ist? Dreh dich zurük, plumpe
Erde, und suche deinen Mittelpunct.
(Er geht ab.)
(Indem er sich entfernt, treten Benvolio und Mercutio von der
andern Seite auf und werden ihn gewahr.)
Benvolio.
Romeo, Vetter Romeo!
Mercutio.
Er ist klug, und schleicht sich, auf mein Leben, heim zu Bette.
Benvolio.
Nein er lief diesen Weg, und sprang dort über die Garten-Mauer. Ruf
ihm, Mercutio!
Mercutio.
Nicht nur das, ich will ihn gar beschwören. He! Romeo!
Grillenfänger! Wetterhahn! Tollhäusler! Liebhaber! Erscheine du,
erschein in der Gestalt eines Seufzer, rede, aber in lauter Reimen,
und ich bin vergnügt. Ächze nur, Ach und O! reime nur Liebe und
Triebe, sag meiner Gevatterin Venus nur ein einziges hübsches
Wörtchen, häng' ihrem stokblinden Sohn und Erben nur einen einzigen
Über-Namen an, (dem jungen Abraham Cupido, ihm der so gut schoß,
als König Cophetua um ein Bettel-Mädchen seufzte*--doch er hört
nicht, er rührt sich nicht, er giebt kein Zeichen von sich; der
Affe ist todt, ich muß ihn schon beschwören--So beschwör' ich dich
dann bey Rosalinens schönen Augen, bey ihrer hohen Stirne, und bey
ihren Purpur-Lippen, bey ihrem niedlichen Fuß, schlanken Bein,
runden Knie, und bey den angrenzenden schönen Gegenden, beschwör'
ich dich, daß du uns in deiner eignen Gestalt erscheinest!
{ed.-* Eine doppelte Anspielung, auf eine alte Ballade, oder
Romanze, und einen damals bekannten Schüzen, der Abraham hieß.}
Benvolio.
Wenn er dich hörte, würdest du ihn böse machen.
Mercutio.
Das kan ihn nicht böse machen: Das würd' ihn böse machen, wenn ich
einen Geist von irgend einer seltsamen Gestalt in seines Mädchens
Circel citierte, und ihn so lange dort stehen liesse, bis sie ihn
gelegt und zu Boden beschworen hätte; das wäre was, das er
vielleicht übel nehmen könnte--Aber meine Citation ist ehrlich und
redlich, und ich beschwör' ihn, in seiner Liebsten Namen, einzig
und allein zu seinem eignen Besten.
Benvolio.
Kommt, er hat sich vermuthlich hinter diese Bäume verstekt, um
keine andre Gesellschaft zu haben, als die schwermüthige Nacht; die
Liebe ist blind, und schikt sich am besten in die Dunkelheit.
Mercutio.
Izt wird er dir unter einem Mispeln-Baum sizen, und wünschen, daß
seine Liebste von der Art von Früchten seyn möchte, welche die
Mädchens Mispeln nennen, wenn sie allein zusammen schwazen--Gute
Nacht, Romeo, ich will in mein Roll-Bette, ich; dieses Feld-Bette
ist mir zu kalt; kommt, wollen wir gehen?
Benvolio.
Es wird klüger seyn, als hier jemand zu suchen, der sich nicht
finden lassen will.
Zweyte Scene.
(Verwandelt sich in Capulets Garten.)
(Romeo tritt auf.)
Romeo.
Der lacht über Narben, die nie keine Wunde fühlte--Aber stille! was
für ein Licht bricht aus jenem Fenster hervor? Es ist der Osten,
und Juliet ist die Sonne--
(Juliette erscheint oben am Fenster.)
Geh auf, schöne Sonne, und lösche diese neidische Luna aus, die
schon ganz bleich und krank vor Verdruß ist, daß du, ihr Mädchen,
schöner bist als sie. Sey nicht länger ihre Aufwärterin, da sie so
neidisch ist; ihre Vestalen-Livree ist nur blaß und grün, und wird
nur von Thörinnen getragen; wirf sie ab--Sie spricht, und sagt doch
nichts; was ist das?--Ihr Auge redt, ich will ihm antworten--Wie
voreilig ich bin! Sie redt nicht mit mir: Zween von den schönsten
Sternen des ganzen Himmels, die anderswo Geschäfte haben, bitten
ihre Augen, daß sie, indessen bis sie wiederkommen, in ihren
Sphären schimmern möchten--Wie wenn ihre Augen dort wären, und jene
in ihrem Kopfe? Der Glanz ihrer Wangen würde diese Sterne beschämen,
wie Tag-Licht eine Lampe; ihre Augen, wenn sie am Himmel stühnden,
würden einen solchen Strom von Glanz durch die Luft herabschütten,
daß die Vögel zu singen anfiengen, und dächten, es sey nicht Nacht:
Sieh! sie lehnt ihre Wange an ihre Hand! O daß ich ein Handschuh an
dieser Hand wäre, damit ich diese Wange berühren möchte!
Juliette.
Ach! ich Unglükliche!--
Romeo.
Sie redt. O, rede noch einmal, glänzender Engel! Denn so über
meinem Haupt schwebend scheinst du diesen Augen so glorreich als
ein geflügelter Bote des Himmels den weitofnen emporstarrenden
Augen der Sterblichen, die, vor Begierde ihn anzugaffen, auf den
Rüken fallen--wenn er die trägschleichenden Wolken theilend auf dem
Busen der Luft in majestätischem Flug dahersegelt.
Juliette.
O Romeo, Romeo--Warum bist du Romeo?--Verläugne deinen Vater und
entsage deinem Namen--oder wenn du das nicht willt, so schwöre mir
nur ewige Liebe und ich will keine Capulet mehr seyn.
Romeo (leise.)
Soll ich länger zuhören, oder auf dieses antworten?
Juliette.
Nicht du, bloß dein Nahme ist mein Feind; du würdest du selbst seyn,
wenn du gleich kein Montague wärest--Was ist Montague?--Es ist
weder Hand noch Fuß, weder Arm noch Gesicht, noch irgend ein andrer
Theil. Was ist ein Name; Das Ding das wir eine Rose nennen, würde
unter jedem andern Namen eben so lieblich riechen. Eben so würde
Romeo, wenn er schon nicht Romeo genannt würde, diese ganze
reizende Vollkommenheit behalten, die ihm, unabhängig von diesem
Namen, eigen ist--Romeo, gieb deinen Namen weg, und für diesen
Namen, der kein Theil von dir ist, nimm mein ganzes Ich.
Romeo.
Ich nehme dich beym Wort; nenne mich nur deinen Freund, und ich
will meinem Taufnamen entsagen, ich will von nun an nicht mehr
Romeo seyn.
Juliette.
Wer bist du, der hier, in Nacht gehüllt, mein einsames
Selbstgespräche belauscht?
Romeo.
Durch einen Namen weiß ich dir nicht zu sagen, wer ich bin; mein
Name, theure Heilige, ist mir selbst verhaßt, weil er ein Feind von
dir ist. Ich wollt' ihn zerreissen, wenn ich ihn geschrieben hätte.
Juliette.
So neu sie mir ist, so kenn' ich doch diese Stimme--Bist du nicht
Romeo, und ein Montague?
Romeo.
Keines von beyden, schöne Heilige, wenn dir eines davon mißfällt.
Juliette.
Wie kamst du hieher, sage mir das, und warum? Die Garten-Mauer ist
hoch und schwer zu ersteigen, und der Ort Tod, wenn dich einer von
meinen Verwandten gewahr würde.
Romeo.
Mit der Liebe leichten Flügeln überflog ich diese Mauern, einen zu
schwachen Wall gegen den mächtigsten Gott; was die Liebe thun kan,
dazu hat sie auch den Muth; und deßwegen können deine Verwandten
mich nicht abschreken.
Juliette.
Wenn sie dich sehen, so ermorden sie dich.
Romeo.
O Götter! Es ist mehr Gefahr in deinem Aug als in zwanzig ihrer
Schwerdter; sieh nur du mich huldreich an, so verlache ich alles
was ihr Groll gegen mich unternehmen kan.
Juliette.
Ich wollte nicht um die ganze Welt, daß sie dich hier sähen.
Romeo.
Der Mantel der Nacht wird mich vor ihren Augen verbergen, und wenn
nur du mich liebst, so mögen sie mich immer finden; besser daß ihr
Haß mein Leben ende, als daß der Mangel deiner Liebe meinen Tod
verlängre.
Juliette.
Wer gab dir Anweisung diesen Plaz zu finden?
Romeo.
Die Liebe, die mich antrieb ihn zu suchen; sie lehnte mir Wiz, und
ich lehnte ihr Augen--Ich bin kein Steuermann, aber wärst du so
fern als jenes vom entferntesten Ocean bespülte Ufer, ich würd' um
ein solches Kleinod mein Leben wagen.
Juliette.
Die Maske der Nacht liegt auf meinem Gesicht, sonst würde meine
glühende Wange dir zeigen, wie beschämt ich bin, daß du mich reden
hörtest da ich allein zu seyn glaubte. Vergeblich würd' ich izt
mich befremdet stellen wollen, vergeblich, vergeblich läugnen
wollen was ich gesprochen habe--So fahre dann wohl, Verstellung!
Liebst du mich? Ich weiß, du wirst sagen, ja; und ich will mit
deinem Wort zufrieden seyn--wenn du schwörst, so könntest du
meineydig werden; Jupiter lacht nur, sagen sie, zu den falschen
Schwüren der Verliebten. O werther Romeo, sey redlich, wenn du mir
sagst, du liebest mich: Oder wenn du denkst, ich lasse mich zu
leicht gewinnen, so will ich sauer sehen, und verkehrt seyn, und
dir nein sagen--aber anders nicht um die ganze Welt--In der That
liebenswürdiger Montague, ich bin zu zärtlich; du könntest deswegen
nachtheilig von meiner Aufführung denken; Aber glaube mir, edler
Jüngling, du wirst mich in der Probe zuverläßiger finden, als
diejenigen welche List genug haben sich zuverstellen und Umstände
zu machen. Ich würde selbst mehr gemacht haben, ich muß es bekennen,
wenn der Zufall dich nicht, mir unwissend, zum Zeugen meiner
zärtlichen Gesinnungen gemacht hätte. Vergieb mir also, und denke,
um dieser schleunigen Ergebung willen, nicht schlimmer von einer
Liebe, die dir die dunkle Nacht so unverhoft entdekt hat.
Romeo.
Fräulein, bey jenem himmlischen Mond schwör' ich, der alle diese
frucht-vollen Wipfel mit Silber mahlt--
Juliette.
O schwöre nicht bey dem Mond, dem unbeständigen Mond, der alle
Wochen in seinem cirkelnden Kreise sich ändert--oder deine Liebe
könnte eben so veränderlich werden.
Romeo.
Wobey soll ich denn schwören?
Juliette.
Schwöre gar nicht, oder wenn du ja willst, so schwöre bey deinem
anmuthsvollen Selbst, bey dem theuren Gegenstand meiner Anbetung,
und ich will dir glauben.
Romeo.
Wenn jemals meine redliche Liebe--
Juliette.
Gut, schwöre nicht--So angenehm du selbst mir bist, so ist mir doch
diese nächtliche Verbindung nicht angenehm; sie ist zu rasch, zu
unbesonnen, zu plözlich zu ähnlich dem Bliz, der schon aufgehört
hat zu seyn, eh man sagen kan, es blizt--Gute Nacht, mein Liebster.
Diese Knospe von Liebe kan durch des Sommers reiffenden Athem sich
zu einer schönen Blume entfalten, bis wir wieder zusammen kommen.
Gute Nacht, gute Nacht--Eine so süsse Ruhe komme über dein Herz,
als die, so ich in meiner Brust empfinde!
Romeo.
O, willt du mich so unbefriediget verlassen?
Juliette.
Und was für eine Befriedigung kanst du noch verlangen?
Romeo.
Die Auswechslung des Gelübds deiner treuen Liebe gegen das Meinige.
Juliette.
Das that ich schon, eh du mich darum batest, und ich wollte lieber
ich hätt' es nicht gethan.
Romeo.
Möchtest du dein Herz wieder zurüknehmen? Warum das, meine Liebe?
Juliette.
Nur damit ich dir's noch einmal geben könnte--und doch, was wünsch'
ich mir damit, als was ich schon habe? Meine Zärtlichkeit ist so
grenzenlos als die See, meine Liebe so tief; je mehr ich dir gebe,
je mehr ich habe, denn beyde sind unerschöpflich--Ich höre ein
Getöse--Lebe wohl, mein Geliebter--
(Man ruft Julietten hinter der Scene.)
Gleich, gute Amme; lieber Romeo, sey getreu warte nur ein wenig,
ich komme gleich wieder.
(Sie geht weg.)
Romeo.
O, glükliche, glükliche Nacht! Ich besorge nur, weil es Nacht ist,
daß alles das nur ein Traum sey; es ist zu schmeichelnd-süß um
würklich zu seyn. (Juliette kommt wieder.)
Juliette.
Drey Worte, liebster Romeo, und dann gute Nacht, im Ernst--Wenn die
Absicht deiner Liebe rechtschaffen ist, und auf eine geheiligte
Verbindung abzielet, so laß mich durch jemand, den ich morgen an
dich schiken will, wissen, wann und wo du die Ceremonien verrichten
lassen willst, und ich bin bereit, mein ganzes Glük zu deinen
Füssen zu legen, und dir, mein Liebster, durch die ganze Welt zu
folgen.
(Man ruft Julietten hinter der Scene.)
Ich komme gleich--wenn du es aber nicht wohl meynst, so bitt' ich
dich--
(Man ruft wieder)
Den Augenblik--ich komme--gieb deine Bewerbung auf und überlaß
mich meinem Gram--Morgen will ich schiken--
Romeo.
So möge meine Seele leben--
Juliette.
Tausendmal gute Nacht--
(Sie geht weg.)
Romeo.
Wie kann dein Wunsch erfüllt werden, da du mich verlässest?--
Schmerzen-volles Scheiden!--Liebe zu Liebe eilt so freudig wie
Schulknaben von ihren Büchern--aber wenn Liebe sich von Liebe
scheiden soll, da geht's der Schule zu, mit schwermüthigen Bliken--
(Er entfernt sich.)
(Juliette kommt noch einmal zurük.)
Juliette.
St! Romeo! St!--Wo nemm' ich eines Falkeniers Stimme her, um diesen
Terzelot sachte wieder zurük zuloken--Ich darf nicht laut ruffen,
sonst wollt ich die Höle wo Echo ligt zersprengen, und ihre helle
Zunge von Wiederholung meines Romeo heiser machen.
Romeo.
Ist es meine Liebe die mir bey meinem Namen ruft? welche Musik tönt
so süß als die Stimme der Geliebten durch die Nacht hin dem
Liebenden tönt!
Juliette.
Romeo!
Romeo.
Meine Liebe!
Juliette.
In welcher Stunde soll ich morgen zu dir schiken?
Romeo.
Um neun Uhr.
Juliette.
Ich will es nicht vergessen, es ist zwanzig Jahre bis dahin--Ich
habe vergessen, warum ich dich zurükrief.
Romeo.
Laß mich hier stehen, biß es dir wieder einfällt.
Juliette.
Deine Gegenwart ist mir so angenehm, daß ich vergessen werde, daß
ich dich zu lange hier stehen lasse.
Romeo.
Und ich stehe so gerne hier, daß ich mich nicht erinnre eine andre
Heimat zu haben als diese.
Juliette.
Es ist bald Morgen--Ich wollte du wärest weg, und doch nicht weiter
als der Vogel eines spielenden Mädchens, den sie ein wenig von
ihrer Hand weghüpfen läßt, aber aus zärtlicher Eifersucht über
seine Freyheit, wenn er sich zu weit entfernen will, den armen
kleinen Gefangnen gleich wieder an einem seidnen Faden zurükzieht.
Romeo.
Ich wollt' ich wäre dein Vogel.
Juliette.
Das wollt' ich auch, mein Herz, wenn ich nicht fürchtete daß ich
dich gar zu tode liebkosen möchte. Gute Nacht, gute Nacht. Das
Scheiden kommt mich so sauer an, daß ich so lange gute Nacht sagen
werde, biß es Morgen ist.
(Sie geht weg.)
Romeo.
Schlummer ruhe auf deinen Augen, und süsser Friede in deiner Brust!
Möcht' ich der Schlaf und der Friede seyn, um so lieblich zu ruhen!--
Ich gehe nun in die Celle meines Geistlichen Vaters, ihm mein Glük
zu entdeken und ihn um seinen Beystand zu bitten.
(ab.)
Dritte Scene.
(Verwandelt sich in ein Kloster.)
(Pater Lorenz tritt mit einem Korb auf.)
Lorenz.
Der grau-augichte Morgen lächelt die runzelnde Nacht weg, und
zeichnet die östlichen Wolken mit Streiffen von Licht; indem die
geflekte Finsterniß gleich einem Betrunknen, den brennenden Rädern
des Titan aus dem Wege taumelt. Nun ist es Zeit, daß ich, eh das
flammende Auge der Sonne näher kömmt, dem Tag zu liebkosen, und den
nächtlichen Thau aufzutroknen, diesen Korb mit balsamischen
Kräutern und Blumen von heilsamer Kraft anfülle. Die Erde, die
Mutter der Natur, ist auch ihr Grab, und dieses fruchtbare Grab
ists, aus dessen Schoos alle diese verschiednen Kinder entspringen,
die wir saugend an ihrem mütterlichen Busen hangen sehen; jede Art
mit besondern Kräften begabt, jede mit einer eignen Tugend
geschmükt, und keine der andern gleich. Wie groß ist nicht die
manchfaltige Kraft die in Pflanzen, Kräutern und Steinen ligt!
Nichts was auf der Erde sich findet, ist so schlecht, daß die Erde
nicht irgend einen besondern Nuzen davon ziehe; nichts so gut,
dessen Mißbrauch nicht schädlich sey. Die Tugend selbst, wird durch
Überspannung oder irrige Anwendung zum Laster, und das Laster
hingegen zuweilen durch die Art wie es ausgeübt wird, geadelt--In
dieser kleinen Blume hier liegt Gift und Heil-Kraft beysammen; ihr
Geruch stärkt und ermuntert alle Lebens-Kräfte; gekostet hingegen,
raubt sie den Sinnen alle Empfindung, und das Leben selbst. Zween
eben so feindselige Gegner ligen allezeit in jedes Menschen Brust,
die Gnade, und der verdorbne Wille, und wo dieser die Oberhand
gewinnt, da hat der krebsartige Tod nur gar zu bald die ganze
Pflanze aufgefressen. (Romeo zu dem Vorigen.)
Romeo.
Guten Morgen, Vater.
Bruder Lorenz.
Benedicite! Was für eine frühe Zunge grüßt mich so freundlich?--
Junger Sohn, es zeigt einen verstörten Kopf an, daß du dein Bette
so früh schon verlässest. Sorgen wachen wohl in alter Leute Augen,
und wo Sorge wohnt, wird der Schlaf nie sein Nachtlager nehmen:
Aber wo kummerfreye Jugend mit unbeladnem Hirn ihre Glieder ruhen
läßt, da herrschst der goldne Schlaf. Dein frühes Aufseyn ist mir
also ein Zeichen daß irgend eine aufrührische Leidenschaft deine
innerliche Ruhe stört--oder wenn dieses nicht ist, nun, so ist's
bald errathen, daß unser Romeo diese Nacht gar nicht zu Bette
gegangen ist.
Romeo.
Das leztere ist wahr, weil mir eine süssere Ruhe zu theil ward.
Bruder Lorenz.
Gott verzeihe dir deine Sünde! warst du bey Rosalinen?
Romeo.
Bey Rosalinen, mein geistlicher Vater? Nein. Ich habe sie bis auf
ihren Namen vergessen.
Bruder Lorenz.
Das ist mein guter Sohn! Aber wo bist du denn gewesen?
Romeo.
Ich will es aufrichtig gestehen; ich befand mich vor einiger Zeit,
unerkannt, bey einem Gastmal meines Feindes; dort wurd' ich
unversehens, von einer Person verwundet, die ich zu gleicher Zeit
verwundet habe; du besizest die geheiligte Arzney, die uns allein
helfen kan; du siehest, heiliger Mann, daß ich keinen Haß in meinem
Herzen hege, da meine Bitte sich auf meinen Feind erstrekt.
Bruder Lorenz.
Rede gerad und ohne Umschweiffe mit mir, mein Sohn; eine
räthselhafte Beicht' erhält auch nur einen räthselhaften Ablaß.
Romeo.
So wisse dann, daß ich des reichen Capulets schöne Tochter liebe;
ihr Herz hängt an meinem, wie das meinige an dem ihrigen: Alles ist
schon unter uns verglichen, und um gänzlich vereinigt zu seyn,
fehlt uns nichts, als der Knoten, den du machen kanst. Wenn, wo,
und wie, wir einander zuerst gesehen, geliebt, und unsre Herzen
ausgetauscht haben, will ich dir hernach erzählen; alles warum ich
izt bitte, ist, daß du einwilligest uns heute noch zu vermählen.
Bruder Lorenz.
Heiliger Franciscus! Was für eine Veränderung ist das! Ist Rosaline,
die du so zärtlich liebtest, so schnell vergessen? So sizt wohl
die Liebe junger Leute bloß in ihren Augen und nicht im Herzen!
Jesu, Maria! Was für Fluthen von Thränen haben deine Wangen um
Rosalinen willen überschwemmt! Die Sonne hat deine Seufzer noch
nicht vom Himmel weggewischt, dein Gewinsel hallt noch in meinen
alten Ohren; sieh, hier sizt auf deiner Wange noch der Flek von
einer alten Thräne, die noch nicht weggewaschen ist. Wenn du damals
du selbst warst, so gehörst du Rosalinen--und du bist ihr untreu
worden? So gestehe dann, daß es unbillig ist, auf den Leichtsinn
der Weiber zu schmählen, da in Männern selbst keine Standhaftigkeit
ist.
Romeo.
Und doch beschaltest du mich so oft, daß ich Rosalinen liebe?
Bruder Lorenz.
Daß du in sie vernarrt warst, nicht daß du sie liebtest, mein Kind--
Romeo.
Und befahlst mir, meine Liebe zu begraben?
Bruder Lorenz.
Aber nicht eine neue aus ihrem Grab heraus zu holen.
Romeo.
Ich bitte dich, schohne meiner; Sie die ich liebe, erwiedert meine
Zuneigung durch die ihrige; das that die andre nicht.
Bruder Lorenz.
Ohne Zweifel sagte ihr Herz ihr vorher, wie unzuverläßig das
deinige sey! Doch komm nur, junger Flattergeist, folge mir; dein
Wankelmuth kan vielleicht gute Folgen nach sich ziehen. Diese
Verbindung kan das gesegnete Mittel werden, den alten Haß eurer
Familien auszulöschen--und in dieser einzigen Betrachtung will ich
dir behülflich seyn.
Romeo.
O laß uns gehen, ich habe keine Zeit zu versäumen--
Bruder Lorenz.
Bedächtlich und langsam! Wer zu schnell lauft, stolpert leicht.
(Sie gehen ab.)
Vierte Scene.
(Verwandelt sich in die Strasse.)
(Benvolio und Mercutio treten auf.)
Mercutio.
Wo, zum T**, mag denn dieser Romeo seyn? Kam er verwichene Nacht
nicht nach Hause?
Benvolio.
Sein Bedienter sagt, nein.
Mercutio.
Wie, zum Henker, dieses bleichsüchtige, hartherzige Mensch, diese
Rosaline quält ihn, daß er endlich zum Narren d'rüber werden wird.
Benvolio.
Tybalt, des alten Capulets Neffe, hat einen Brief in seines Vaters
Haus geschikt.
Mercutio.
Eine Ausforderung, auf mein Leben!
Benvolio.
Romeo wird ihm antworten, wie sich's gebührt.
Mercutio.
Auf einen Brief kan endlich ein jeder antworten, der Schreiben
gelernt hat.
Benvolio.
Nein, ich meyne, Tybalt wird seinen Mann in Romeo finden.
Mercutio.
Wollte Gott! Aber ach, der arme Romeo! er ist schon tod; von einer
weissen Dirne schwarzem Aug zu tod gestochen! mit einem Liebes-
Liedchen durch und durch--die Ohren gestossen! Der kleine blinde
Bogenschüze hat ihm den Herz-Bendel abgeschossen; und er soll der
Mann seyn, sich mit einem Tybalt zu messen?
Benvolio.
Wie, was ist denn Tybalt--
Mercutio.
Mehr als der Fürst der Kazen; das glaube mir--O, das ist der
herzhafte Obrist-Leutenant aller Complimente; er ficht dir so
leicht als du einen Gassen-Hauer singst, und bohrt dir nach der
Cadenz, troz dem besten Tanzmeister--mit eins, zwey, drey, sein
Federmesser in den Busen, daß es eine Lust zu sehen ist--ein wahrer
Mörder eines seidnen Knopfs, ein Duellist, ein Duellist! Ein Mann,
der immer zu förderst an der Spize seines hohen Hauses steht, ein
Mann der sich nach den Noten schlägt--ah, der unsterbliche
(Passado), der (Punto reverso), der--Hey! --
Benvolio.
Der--was?
Mercutio.
Der Henker hohle diese frazigten, lispelnden, affectierten Narren!
Diese süssen Bürschchen, die mit einem halbausländischen Accent
ausruffen: Jesu! die allerliebste Klinge!--Der allerliebste
Grenadier!--die allerliebste H**!--Wie, ist es nicht erbärmlich,
Großvater, daß wir mit diesen Schmetterlingen, mit diesen Mode-
Frazen, diesen (pardonnés-moi's) heimgesucht seyn sollen, die so
steiff auf der neuen Mode halten, daß sie unmöglich auf dem alten
Bank ruhig sizen können?--O! ihre (bons), ihre (bons!) (Romeo zu
den Vorigen.)
Benvolio.
Hier kommt Romeo, hier kommt er--
Mercutio.
Ohne seinen Rogen, wie ein gedörrter Häring--O Fleisch, Fleisch,
wie bist du fischificiert!--Izt ist er in den Harmonien vertieft,
worinn Petrarch daherfließt: Laura war gegen sein Fräulein nur ein
Küchen-Mensch--Zum Henker, sie hatte einen Liebhaber der sie besser
bereimen konnte--Dido war gegen sein Mädchen nur eine dike Säug-
Amme, Helena und Hero Mezen und Landstreichers-Waare, Thisbe ein
kazen-augichtes Ding, oder so was--Aber nun zur Sache! Signor Romeo,
(bon jour); das ist ein französischer guter Morgen für eure
französischen Hosen--Ihr spieltet uns einen artigen Streich lezte
Nacht--
Romeo.
Guten Morgen--meine Freunde: Was für einen Streich spielt' ich euch
dann?
Mercutio.
Daß ihr so davon schlüpftet, wie wir euch ruften.
Romeo.
Um Vergebung, mein lieber Mercutio, mein Geschäfte war wichtig, und
in einem solchen Fall wie der meinige, ist es einem ehrlichen Mann
erlaubt, eine kleine Ausnahme von den Regeln der Höflichkeit zu
machen--* (Die Amme, mit Peter, ihrem Diener, zu den Vorigen.)
{ed.-* Hier fängt sich bis zum Auftritt der Amme eine Art von wizigem
Duell mit Wortspielen, und abgeschmakt-sinnreichen Einfällen
zwischen Romeo und Mercutio an, welcher leztere zuweilen auch noch
mit schmuzigen Scherzen um sich wirft, wenn er sich nicht anders
mehr zu helfen weiß--Man kennt schon diese Mode-Seuche von unsers
Autors Zeit, und erlaubt uns, eine Lüke zu machen, wo es in unsrer
Sprache unmöglich ist so wizig zu seyn wie seine Spaß-Macher.}
Amme.
Peter--
Peter.
He?
Amme.
Meinen Fächer, Peter--
Mercutio.
Thu es, guter Peter, damit sie ihr Gesicht verbergen kan; ihr
Fächer ist doch das schönste von beyden.
Amme.
Guten Tag geb euch Gott, ihr Herren.
Mercutio.
Ein gutes Mittag-Essen geb euch Gott, schönes Frauenzimmer.
Amme.
Ist es schon Mittag-Essens-Zeit?
Mercutio.
Es ist nicht weniger, sag ich euch; denn die--** ([Nachdem diese
drey jungen Herren eine Zeitlang ihren geistreichen Spaß mit der
Amme gehabt haben, welche dem Romeo sagt, daß sie einen Auftrag an
ihn habe, so führen sich endlich die beyden andern ab, und Romeo
bleibt bey der Amme zurük.])
{ed.-** Eine abermalige Lüke, die sich von einer Zote des sinnreichen
Mercutio anhebt, und im Original mit dem albersten Zeug von der
Welt ausgefüllt ist.}
Amme.
Ich bitte euch, Gnädiger Herr, wer war der grobe Geselle da, der so
voller Raupereyen stekte?
Romeo.
Ein junger Edelmann, Amme, der sich selber gerne reden hört, und in
einer Minute mehr sagt, als er in einem Monat zu verantworten im
Sinn hat.
Amme.
Wenn er etwas wider mich sagte, so wollt' ich ihn auf den Boden
kriegen, und wenn er noch einmal so muthig wär' als er ist, und
zwanzig solche Hansen; und wenn ich nicht kan, so will ich die wol
finden, die es können--der Schurke, der! Ich bin keine von seinen
Fleder-Wischen; ich bin keine von seinen Unter-Pfülben! Und du must
so da stehn, und zusehen, wie ein jeder Flegel seine Lust an mir
büßt?
Peter.
Ich sah niemand seine Lust an euch büssen; wenn ich so was gesehen
hätte, ich wollte bald mit der Fuchtel heraus gewesen seyn, das
versichr' ich euch. Ich habe so viel Herz als ein andrer, wenn ich
Sicherheit in einem Handel sehe, und das Gesez auf meiner Seite ist.
Amme.
Nun, bey Gott, ich bin so übel, daß alles an mir zittert--der
garstige Mensch! Ich bitte euch, Gnädiger Herr, ein einziges Wort;
und wie ich euch sagte, mein junges Fräulein befahl mir euch
aufzusuchen; was sie mir sagte, daß ich sagen sollte, will ich bey
mir behalten; aber ich will nur so viel sagen, wenn ihr sie ins
Narren-Paradies führen würdet, wie man zu sagen pflegt, so wär' es
gewißlich eine grosse Sünde, denn das Fräulein ist jung, und wenn
ihr sie also nur betrügen wolltet, so wär' es in der That nicht
hübsch mit einem jungen Fräulein umgegangen--
Romeo.
Empfiehl mich deiner Fräulein; ich protestiere dir--
Amme.
Das gute Herz! Wohl, meiner Treue, das will ich ihr sagen: Herr,
Gott, sie wird sich vor Freude kaum zu lassen wissen--
Romeo.
Was willt du ihr denn sagen, Amme? Du hörst mich ja nicht an.
Amme.
Ich will ihr sagen, Gnädiger Herr, daß ihr protestiert, welches,
wie ich's verstehe, ein recht honnettes Anerbieten von einem jungen
Cavalier ist--
Romeo.
Sag ihr, sie möchte ein Mittel ausfindig machen, diesen Nachmittag
zur Beichte zu gehen; so solle sie in Bruder Lorenzens Celle zu
gleicher Zeit absolviert und copuliert werden--Hier ist was für
deine Mühe.
Amme.
Nein, wahrhaftig, Gnädiger Herr, nicht einen Pfenning.
Romeo.
Geh, geh, mach keine Umstände, du must--
Amme.
Diesen Nachmittag, Gnädiger Herr? Gut, wir wollen uns einfinden.
Romeo.
Noch eins, gute Amme; warte hinter der Kloster-Mauer, mein Diener
soll binnen dieser Stunde bey dir seyn, und dir eine Strik-Leiter
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