[Sidenote: c. 20, 1. Der sprachliche Ausdruck.] 1. Der -sprachliche Ausdruck in seiner Gesamtheit- (S. 40) enthält folgende Teile: den -Buchstaben-, die -Silbe-, das -Bindewort-, den -Artikel-, das -Nennwort- (Substantiv), das -Zeitwort- (Verbum), die -Beugung- (Flexion) und den -Satz- (Wortgefüge). Der -Buchstabe- ist ein unzerlegbarer Laut, aber nicht in allen Fällen, sondern nur, wenn aus ihm naturgemäß ein zusammengesetztes Lautgebilde sich entwickeln kann, denn auch Tiere haben unzerlegbare Laute, von denen ich keinen einzigen als einen zusammengesetzten oder einen Buchstaben bezeichne. Die Teile dieses Lautes sind der -Selbstlauter- (Vokal), der -Nichtlauter- (Muta) und der -Halbvokal- (Liquida). Ein -Vokal- hat einen hörbaren, ohne Anlegung (der Zunge) an die Lippen oder die Zähne gebildeten Laut, der -Halbvokal- hat einen mit Anlegung (der Zunge) gebildeten, hörbaren Laut, wie z.B. R und S, der -Nichtlauter- ist zwar ebenfalls mit Anlegung (der Zunge) gebildet, hat aber für sich keinen zusammengesetzten hörbaren Laut, sondern wird nur hörbar in Verbindung mit solchen, die irgend ein zusammengesetztes Lautgebilde haben, wie z.B. G und D. Diese Lautgebilde unterscheiden sich nun wiederum nach den Mundbildungen und den Mundstellen, durch den rauhen und leichten Hauch (Spiritus asper und lenis), durch Länge und Kürze (Quantität), endlich durch Tonhöhe und Tiefe und das Mittlere. Die Erörterung über diese Dinge im Einzelnen gehört aber in das Gebiet metrischer Untersuchungen. 2. Die -Silbe- ist ein zusammengesetzter, bedeutungsloser Laut, gebildet aus einer Muta und einem Vokal, denn G + R ohne A bildet keine Silbe, wohl aber mit A, wie in GRA. Jedoch die (S. 41) Erörterung auch dieser Unterschiede ist Sache der Metrik. 3. -Bindewort- ist ein zusammengesetztes, bedeutungsloses (1457a) Lautgebilde, wie z.B. -men- (= zwar), -ētoi- (= wahrlich), -dê-" (= aber), oder aber ein Lautgebilde, das dazu bestimmt ist, aus mehreren Lautgebilden eines Lautes (?) einen einzigen bedeutsamen Laut (?) herzustellen. 4. -Artikel- ist ein zusammengesetztes, bedeutungsloses Lautgebilde, welches Anfang oder Ende oder die Gliederung eines Satzes anzeigt, wie z.B. -amphi- (= um), -perí- (= über) usw. oder[45] aber ein zusammengesetztes bedeutungsloses Lautgebilde, welches einen einzigen bedeutungsvollen und aus mehreren Lauten entstandenen Laut weder verhindert noch hervorbringt und naturgemäß sowohl an die Spitze wie auch in die Mitte (des Satzes) sich stellen läßt. 5. -Substantiv- ist ein zusammengesetztes, bedeutsames Lautgebilde ohne Zeitbestimmung, von dem kein Teil an und für sich etwas bedeutet, denn in zusammengesetzten Wörtern gebrauchen wir ihre Teile nicht als an und für sich bedeutsam, wie z.B. in -Theodoros- (= Gottesgeschenk) -dōros- keine (selbständige) Bedeutung hat. [Sidenote: c. 20, 6. Der sprachliche Ausdruck.] 6. -Verbum- ist ein zusammengesetztes, bedeutsames Lautgebilde mit Zeitbestimmung, von dem kein Teil ebenso wie beim Substantivum an und für sich Bedeutung hat. So bezeichnet -Mensch- oder -weiß- nicht das Wann, dagegen -er geht- oder -er ist gegangen gangen- oder -er wird gehen- bezeichnet die Gegenwart (S. 42) Vergangenheit und Zukunft. 7. -Beugung- (-Flexion-) bezieht sich auf das Substantivum oder das Verbum und bezeichnet teils das Wessen (= Genetiv) oder Wem (= Dativ) und anderes der Art, teils die Einzahl oder Mehrzahl, wie -der Mensch- oder -die Menschen-, teils endlich die Ausdrucksweisen, wie z.B. Frage und Befehl, denn -ging er-? oder -geh-! ist eine Flexion des Verbums nach diesen Modalitäten. 8. Das -Wortgefüge- (Satz) ist ein zusammengesetztes bedeutsames Lautgebilde, von dem einige Teile an und für sich etwas bedeuten, denn nicht jedes Wortgefüge besteht aus Verben und Substantiven, wie z.B. die Definition des Menschen[46], sondern es kann auch ohne Verba ein Satzgefüge entstehen, aber es wird dennoch stets irgend einen bedeutsamen Bestandteil enthalten, wie z.B. -Im Gehen, Kleon, der Sohn des Kleon-. 9. Eine Einheit kann aber auch das Wortgefüge auf zweifache Weise sein, entweder nämlich, daß es (an sich) ein Einheitliches bezeichnet oder aber, daß dieses aus der Verbindung von mehreren entsteht. So ist z.B. die -Ilias- eine Einheit durch eine solche Verbindung der Satz vom Menschen aber dadurch, daß er (aus sich) eine Einheit bezeichnet. * * * * * KAPITEL XXI 1. Von den -Arten des Substantivs- sind die einen -einfach-, die anderen -zweiteilig-. Unter einem einfachen verstehe ich ein solches, das aus nicht bezeichnenden (S. 43) Teilen besteht, wie z.B. -Erde- (Gé), unter diesem ein solches, das einerseits aus einem bezeichnenden und einem nichtbedeutsamen Teil besteht, nur daß innerhalb des (zweiteiligen) Substantivums der bezeichnende und nichtbedeutsame Bestandteil nicht in Betracht kommt, andrerseits sich nur aus bezeichnenden Bestandteilen zusammensetzt. Es gibt freilich auch ein dreifaches und vierfaches Kompositum, ja sogar ein vielfaches, wie viele Bildungen der Massalioten, z.B. -Hermokaikoxanthos-. (1457b) 2. Jedes Wort ist entweder ein -allgemein gebräuchliches- oder eine -Glosse- oder eine -Metapher- oder eine -schmückende Bezeichnung- oder ein -neugebildetes- oder ein -gedehntes- oder ein -verkürztes- oder ein -umgewandeltes-. 3. Unter einem -allgemein gebräuchlichen- Wort verstehe ich, was jedermann gebraucht, unter einer -Glosse- das, was Fremde gebrauchen, so daß offenbar ein und dasselbe Wort sowohl eine Glosse wie allgemein gebräuchlich sein kann, nur freilich nicht bei denselben Personen. So ist -Sígynon- (= Wurfspieß) bei den -Kypriern- allgemein gebräuchlich, bei uns aber eine Glosse, und umgekehrt -dory- (= Wurfspieß) bei uns allgemein gebräuchlich, bei den -Kypriern- dagegen eine Glosse. [Sidenote: c. 21, 4. Der sprachliche Ausdruok.] 4. Eine -Metapher- besteht darin, daß man einem Worte eine ihm (ursprünglich) nicht zukommende Bedeutung beilegt, sei es (1) von der Gattung auf die Art oder (2) von der Art auf die Gattung oder (3) von der Art auf eine (andere) Art oder endlich (4) auf Grund einer Proportion. Als Beispiel von der Gattung auf die Art nenne ich "Hier steht mein Schiff"[47], denn "vor Anker liegen" bezeichnet das "Stehen" eines bestimmten Gegenstandes (S. 44) (2) Von der Art auf die Gattung: "-Ja, der zehntausend herrliche Taten vollbrachte, Odysseus-".[48] Diesen Ausdruck "zehntausend" braucht er (der Dichter) nämlich statt "viele". (3) Von der Art auf die Art z.B. "-Mit dem Erze abschöpfend die Seele-" und "-abschneidend (von fünf Brunnen) mit dem unverwüstlichen ehernen Kruge-,[49] denn dort bezeichnet das "Wegschöpfen" ein "Schneiden", hier dagegen das "Schneiden" ein "Wegschöpfen", beides sind aber (besondere) Bezeichnungen für etwas "wegnehmen". (4) Eine -Proportion- nehme ich an, wenn das Zweite (B) sich zum ersten (A) ebenso verhält, wie das vierte (D) zum dritten (C). Dann wird man an Stelle des zweiten (B) das vierte (D) oder an Stelle des vierten (D) das zweite (B) nennen können. Zuweilen fügte man auch das, an dessen Stelle man etwas nennt, zu dem mit ihm in einem gewissen Verhältnis stehenden hinzu (+ A oder + C). Ich meine z.B., die Trinkschale (B) verhält sich zu -Dionysos- (A) genau so wie der Schild (D) zu -Ares- (C). Man wird mithin die Trinkschale (B) den Schild des -Dionysos- (D + A) und den Schild (D) die -Trinkschale des Ares-[50] (B + C) nennen können. Oder, was das Greisenalter (D) zum Leben (C), das ist der Abend (B) zum Tage (A). Man wird mithin den Abend (B) als das Greisenalter des Tages (D + A) oder auch [wie Empedokles] das Greisenalter (D) den Abend des Lebens (B + C) oder den -Untergang des Lebens-[51] nennen können. Bei einigen Metaphern gibt es keine Bezeichnung für (S. 45) das proportionale Glied, trotzdem wird man sich in ähnlicher Weise ausdrücken können. Z.B. heißt den "Samen ausstreuen" "säen", dagegen gibt es für "Flamme ausstreuen" von Seiten der Sonne keine eigene Bezeichnung aber dies (Ausstreuen der Flamme) (B) verhält sich zur Sonne (A) ebenso wie das "Säen" (D) zu dem "Samen (C) und deshalb sagt (der Dichter): -Säend die gottgeschaffene Flamme- (D + A)[52]. Nun kann man aber diese Art der Metapher auch noch in einer anderen Weise anwenden, indem man einem Gegenstande Fremdartiges unterlegt und ihm dadurch zugleich etwas von seinen eigentümlichen Eigenschaften abspricht, so z.B., wenn man den Schild zwar eine Trinkschale, aber nicht des -Ares-, sondern "weinlos" nennen würde. 5. < -Die schmückende Bezeichnung -...> 6. Ein -neugebildetes Wort- ist, was von niemandem überhaupt (vorher) gebraucht der Dichter selbst (dem Sprachschatz) hinzufügt, denn es scheint einige Wörter dieser Art zu geben, wie z.B. statt "Hörner" -érnyges-(--Sprossen)[53] und statt "Priester" ārētēr (= Beter)[54]. [Sidenote: c. 21, 7. Der sprachliche Ausdruck.] 7. Das verlängerte und verkürzte Wort betreffend, (1458a) so entsteht ersteres durch die Anwendung eines längeren Vokals als dem Worte zukommt oder durch Hinzufügung einer Silbe, letzteres, wenn ihm etwas entzogen wird. Ein verlängertes Wort ist z.B. -polēos- (--Stadt) neben -poleōs- und < -Pēlēos- neben> -Pēleos- und -Pělēiádeō- ; ein verkürztes (S. 46) z.B. -krí- (= kríthē "Gerste") und -dō- (= dōma "Haus") und -Eins wird beider Anschau- (= Anschauung, -ops- für -opsis-).[55] 8. -Umgewandelt- ist endlich ein Wort, wenn man den einen Teil beibehält, einen anderen aber hinzufügt, wie z.B. unter der "-rechteren-" -Brust-[56], statt der rechten (-dexíteron- = -déxion-). 9. Von Substantiven selbst sind die einen -männlich-, andere -weiblich-, wieder andere -dazwischen- (= sächlich). Männlich sind die, welche auf N und E und S ausgehen und solche, die mit letzterem zusammengesetzt sind, deren es zwei gibt, Xi (= Ksi) und Psi; weiblich, die auf Vokale, die stets lang sind, nämlich auf Eta und Omega (ē u. ō), und auf A, unter den Vokalen, die verlängert werden können, ausgehen. So trifft es sich, daß die Anzahl der Endungen für die männlichen und weiblichen die gleiche ist, denn -Xi- und -Psi- sind nur zusammengesetzt. Auf einen Stummlauter (Muta) endet kein Substantivum, noch auf einen stets kurzen Vokal. Auf "i" nur drei, nämlich -méli- (Honig), -kómmi- (Gummi), -péperi- (= Pfeffer), auf y ("ü") fünf, nämlich -dóry- (= Lanze), -pōy- (= Herde), -nápy- (= Senf), -góny-(= Knie), -ásty-(Stadt). Die sächlichen enden auf dieselben Buchstaben sowie auf N und S, wie z.B. -déndron- (= Baum) auf N und -génos- (= Geschlecht) auf S. * * * * * KAPITEL XXII 1. Die -Güte des sprachlichen Ausdrucks- be steht darin, daß er -klar- und -nicht flach- (banal) (S. 47) ist. Am klarsten ist er nun freilich, wenn er sich nur allgemein gebräuchlicher Wörter bedient, was aber Flachheit mit sich bringt. Ein Beispiel dafür bietet die Dichtung des -Kleophon- und die des -Sthenelos-. Erhaben und das Gewöhnliche (Alltägliche abstreifend wird er durch die Anwendung fremdartiger Wörter. Unter einem fremdartigen Wort verstehe ich die Glosse, die Metapher, die Erweiterung und überhaupt alles, was sich von dem Alltäglichen entfernt. 2. Wollte aber jemand in lauter derartigen Wörtern dichten, so wird sich entweder ein -Rätsel- oder ein -Kauderwelsch- (Barbarismus) ergeben und zwar, falls in Metaphern, ein -Rätsel-; falls in Glossen, ein Kauderwelsch. Denn es liegt im Wesen des Rätsels, zwar Tatsächliches zu sagen, aber Unmögliches zu verbinden. Durch die Verknüpfung anderer Wörter kann man dies nicht bewirken, durch eine Verknüpfung von Metaphern aber ist dies möglich, wie z.B. -Einen sah ich mit Feuer das Erz anlöten dem andern-[57] und dergleichen. Aus Glossen entsteht (wie gesagt), der Barbarismus ....>. Man muß daher diese Formen, nämlich die Glosse, die Metapher, die schmückende Bezeichnung und die übrigen bereits erwähnten Arten in einer gewissen Mischung verwenden. So wird man etwas nicht Alltägliches und nicht Flaches schaffen, das Allgemeingebräuchliche wird dagegen die (nötige) Deutlichkeit verleihen. [Sidenote: c. 22, 3. Der sprachliche Ausdruck.] 3. Aber den keineswegs geringsten Teil zur Klarheit (1458b) des sprachlichen Ausdrucks, ohne darum ins Alltägliche zu verfallen, tragen Verlängerungen, Verkürzungen und Umwandlungen bei. Da sie nämlich anders lauten als (S. 48) das allgemein Gebräuchliche bewirkt das vom Üblichen Abweichende, daß man nichts Alltägliches zustande bringt; durch die Verquickung mit dem allgemein Gebräuchlichen dagegen wird die Klarheit sich ergeben. 4. Deshalb sind diejenigen Nörgler im Unrecht, welche eine derartige Redeweise einer scharfen Kritik unterziehen und den Dichter (Homer) verhöhnen, wie -Eukleides- der Ältere es getan, indem er behauptete, daß es gar leicht sei zu dichten, wenn jemand berechtigt wäre, (Vokale) nach Gutdünken zu verlängern oder zu verkürzen und jenes (Verfahren) in dem Ausdruck selbst verspottete.[58] -Ĕ̅pichár|en-[59] -ĭ̅|don Mara|thónade bă̅di|zonta- (= -Aepicharen sah ich gen Marathón spazieren gehen-) -Ouk an|g' ě̅ramen|os ton|keínon|ellě̅|bŏ̅ron-[60] (= -Der wohl kaum in Liebe entbrannte für jenes Niésswurz-.) Freilich ist ein irgendwie augenfälliges Verfahren dieser Art lächerlich. Aber eine maßvolle Anwendung ist überhaupt eine gemeinsame (Vorbedingung) für alle Teile (des sprachlichen Ausdrucks). Denn wollte jemand geschmacklos, d.h. absichtlich auf die komische Wirkung rechnend, Metaphern, Glossen und die übrigen Arten anwenden, würde er dasselbe erreichen (wie bei jenen Dehnungen). [Sidenote: c. 22, 5. Der sprachliche Ausdruck.] 5. Welch einen -Unterschied die angemessene Verwendung- (dieser Formen) -macht-, möge man am Epos sich veranschaulichen, indem man die -allgemein- (S. 49) -gebräuchlichen Wörter in den Vers- setzt und auch wenn jemand bei der Glosse, der Metapher und den übrigen Arten die allgemein gebräuchlichen Wörter dafür eintauscht, würde er sehen, daß unsere Behauptung wahr ist. So hat z.B. Euripides denselben jambischen (Trimeter) gedichtet wie -Aischylos- und nur durch das Einsetzen eines einzigen Wortes, nämlich einer Glosse statt eines allgemein gebräuchlichen, üblichen Wortes, bewirkt, daß sein Vers nun trefflich, der -des Aischylos- aber gewöhnlich erscheint. -Aischylos- dichtete nämlich im -Philoktet-: /* -Das Krebsgeschwür, das meines Fußes Fleisch frißt-. */ Jener (Euripides) setzte an Stelle von "frißt" den Ausdruck "schmaust." Und ebenso (gewöhnlich würde es sein), wenn jemand in dem Verse /* -Nun de m'eón olígos te kai outidanós kai aeikés-[61] */ (-Nun aber ist's so ein Zwerg, so ein nichtsnutz'ges, unschönes Männlein-) die allgemein gebräuchlichen Wörter einsetzen würde: /* -Nyn de m'eón mikrós te kai asthenikós kai aeidés- */ (-Nun aber ist's so ein kleines und schwächliches häßliches Männlein-) und ebenso statt /* -díphron t'aikélion katathéis oligén te trápezan-[62] */ (-Niedersetzend den armsel'gen Stuhl und den winzigen Eßtisch-) /* -díphron mochtherón katatheís mikrán te trápezan- (S. 50) */ (-Niedersetzend den schlechten Stuhl und den kleinlichen Eßtisch-) oder endlich, statt /* Ēiones boóōsin[63] (es brüllten die Ufer) Ēiones krázousin (es schrien die Ufer). */ 6. So hat auch -Ariphrades- die Tragiker verspottet, weil sie Ausdrücke anwenden, deren sich niemand in der Umgangssprache bediene, z.B. domátōn apó (von den Häusern weg[64], [nicht apó domátōn] (weg von den Häusern) und séthen[65] (= deines, statt su), egó de nin (= ich aber ihn statt autón[66]), und Achilléōs peri[67] (Achilles wegen) [nicht peri Achilléōs] (wegen Achilles) und was dergleichen (1459a) mehr sind. Denn gerade weil alle derartigen Wendungen nicht unter die allgemein gebräuchlichen fallen, verleihen sie dem sprachlichen Ausdruck den Charakter des nicht Alltäglichen. Das wußte aber jener (Spötter) nicht. 7. Ist es nun schon wichtig jede der erwähnten Ausdrucksarten in angemessener Weise zu verwenden, sowohl die Komposita wie die Glossen, so ist doch der metaphorische Ausdruck der bei weitem wichtigste, denn diesen allein kann man nicht von einem anderen lernen, ist dies doch gewissermaßen ein Zeichen von Genialität. Denn gute Metaphern erfinden heißt einen Spürsinn (scharfen Blick) für das (S. 51) Ähnliche (im Unähnlichen) haben. 8. Von den Wortarten selbst nun eignen sich -Komposita- am meisten für die -Dithyramben-, die -Glossen- für die -Heldengedichte-, die -Metaphern- für -jambische Trimeter- (der Tragödie). In Heldengedichten sind alle die genannten Arten anwendbar, in jambische Trimeter dagegen, da sie, soweit wie irgend möglich, den Gesprächston nachahmen, fügen sich nur diejenigen Wortarten, deren jemand auch in der prosaischen Rede sich bedienen würde, der Art sind aber das allgemein Gebräuchliche, die Metapher und die schmückende Bezeichnung. Über die Tragödie, d.h. über die im Handeln sich vollziehende nachahmende Darstellung mag uns also das Gesagte genügen. * * * * * KAPITEL XXIII 1. Was nun die erzählende und in einem (einheitlichen) Versmaß verfaßte nachahmende Darstellung betrifft, so leuchtet es ein, daß diese Stoffe wie in den Tragödien dramatisch angelegt sein müssen, d.h. daß sie sich um eine -einheitliche, eine ganze und in sich abgeschlossene Handlung bewegen müssen-, die Anfang und Mitte und Ende hat, auf daß sie, wie ein einheitliches und vollständiges Lebewesen, die ihr eigentümliche Lustempfindung hervorrufe. [Sidenote: c. 23, 2. Das Epos.] 2. Auch ist es klar, daß -diese Kompositionen nicht den Geschichtsdarstellungen ähnlich sein dürfen-, die sich notwendigerweise nicht die Darlegung einer einheitlichen Handlung zum Ziel setzen, sondern die eines einzelnen Zeitabschnittes und alles, was etwa in diesem an einer Person oder an mehreren sich ereignet hat, von welchen Begebenheiten jede in (S. 52) einem beliebigen Verhältnis zu einer anderen steht. So fanden die Seeschlacht bei -Salamis- und die Schlacht der -Karthager- in Sizilien zwar gleichzeitig statt, ohne jedoch auf dasselbe Endziel hinzusteuern. Und so erfolgt auch zuweilen in eng aufeinanderfolgenden Zeitabschnitten das Eine auf das Andere, von denen keines auf ein und denselben Zweck abzielt, wenngleich die meisten (epischen) Dichter dementsprechend verfahren. 3. Deshalb, wie wir schon hervorhoben, dürfte auch darin -Homer- sich als ein gottbegnadeter -Dichter- im Vergleich zu den übrigen erweisen, daß er gar -nicht den Versuch gemacht hat, den ganzen- (Trojanischen) -Krieg-, wiewohl er einen (regelrechten) Anfang und ein (ebensolches) Ende hat, -darzustellen-. Denn gar zu groß und unübersichtlich dürfte der Stoff geworden sein oder, selbst wenn der Dichter sich in bezug auf den Umfang Grenzen auferlegt hätte, so würde der Stoff trotzdem durch seine bunte Fülle allzu verwickelt gewesen sein. Bei dieser Sachlage hat er nur einen Teilabschnitt abgesondert und viele der Begebenheiten in Episoden untergebracht, wie z.B. den Schiffskatalog[68] und andere Episoden, mit denen er seine Dichtung schmückt. 4. Die übrigen (Epiker) dagegen behandelten, was sich in bezug auf eine einzelne Person oder einen einzelnen Zeitabschnitt abspielte oder, wenn schon auf eine einzige Handlung, so doch eine vielteilige, wie z.B. der Verfasser der -Kyprien- und der der -Kleinen Ilias-. Denn aus einer -Ilias- und -Odyssee- läßt sich nur je eine Tragödie entnehmen oder höchstens zwei, aus den -Kyprien- dagegen viele und aus der -Kleinen Ilias- acht, nämlich das Waffengericht, -Neoptolemos-, (S. 53) 1459b [Eurypylos] -Philoktet-, Die Bettlerrhapsodie, [Die Lakonierinnen] die Zerstörung -Ilions-, die Abfahrt, -Sinon- und die -Troerinnen-[69]. * * * * * KAPITEL XXIV 1. Weiterhin muß die -epische Dichtung dieselben Arten haben wie die Tragödie-, denn sie muß entweder einfach oder verflochten, charakterzeichnend (ethisch) oder leidvoll (pathetisch) sein, auch die Teile mit Ausnahme der musikalischen Komposition und der szenischen Ausstattung müssen die nämlichen sein, denn auch das Epos bedarf der Peripetien (Schicksalswendungen), der Erkennungen und der leidvollen Begebenheiten Endlich müssen die Gedanken und der sprachliche Ausdruck kunstgerecht sein. 2. All diesen Forderungen hat -Homer-, sowohl als erster wie in genügender Weise, Eechnung getragen. Denn er hat jedes seiner Gedichte dementsprechend angelegt, die -Ilias- einfach und leidvoll, die -Odyssee- verflochten --beruht sie doch ganz auf Erkennungen--und charakterschildernd. Dazu kommt, daß sie im sprachlichen Ausdruck und in der Gedankenbildung alle (anderen Epen) übertroffen haben. [Sidenote: c. 24, 3. Das Epos.] 3. Was nun die -Komposition- anbelangt, so unterscheidet sich die epische Dichtung (von der Tragödie) in betreff ihrer -Ausdehnung- und ihres -Versmaßes-. In bezug auf die -Ausdehnung- dürfte die bereits angegebene Begrenzung hinreichend sein, nämlich, daß man imstande sein müsse Anfang und Ende zu überblicken. Dies wäre der Fall, wenn einerseits die Kompositionea von geringerer Ausdehnung als die der alten (Epiker) (S. 54) wären, andrerseits dem Gesamtumfang der für eine einzelne (Tages-) Vorstellung angesetzten Tragödien gleichkämen. 4. Für die Ausdehnung des Umfangs kommt nun der epischen Dichtung ferner eine gewisse Eigentümlichkeit sehr zu statten, insofern es in der Tragödie (dem Dichter) nicht möglich ist, viele Teile, die sich gleichzeitig zugetragen haben, nachahmend darzustellen, sondern nur den Teil, der sich auf der Bühne und in Verbindung mit den Schauspielern abspielt. In der epischen Dichtung dagegen als einer erzählenden Darstellung kann man viele sich gleichzeitig vollziehende Teile vorführen, wodurch, falls sie innerlich zusammenhängen der Körper des Dichtwerks stattlicher wird, so daß dieser (vorteilhafte) Umstand seiner Prachtentfaltung dient, den Zuhörer in einen Stimmungswechsel versetzt und das Gedicht durch ungleichartige Episoden erweitert; ist es doch das nur zu rasch sättigende Einerlei, das den Mißerfolg von Tragödien zu verschulden pflegt. 5. Was aber das -Versmaß- anbelangt, so hat sich das heroische (der Hexameter) erfahrungsgemäß als das angemessene erwiesen. Denn wollte jemand in irgend einem anderen Versmaße eine erzählende Dichtung nachahmend darstellen oder gar in mehreren, so würde das unpassend erscheinen. Denn das heroische ist von allen Versmaßen das gemessenste und gewichtvollste, weshalb es auch vorzugsweise Glossen, Metaphern und Zusätze aller Art aufnimmt; sticht doch auch die erzählende nachahmende Darstellung (selbst) gerade darin von anderen dichterischen Darstellungen ab. Der jambische Trimeter und der trochäische Tetrameter haben einen beweglichen Charakter, und zwar eignet sich dieser zum Tanz, jener zum Handeln. Noch verkehrter (1460a) wäre es, wenn jemand allerhand Versmaße untereinander (S. 55) mischen würde, wie dies -Chairemon- getan. Deshalb hat auch noch niemand eine lange (epische) Komposition in einem anderen als dem heroischen Versmaß gedichtet, sondern die Natur selbst hat, wie wir sagten, das jener zusagende Versmaß zu wählen gelehrt. 6. -Homer-, wie er in vielen anderen Dingen lobenswert ist, ist es auch darin, daß er allein unter allen Dichtern nicht im Unklaren darüber ist, -was er selbst zu tun habe-. Der Dichter soll nämlich -so wenig wie möglich in eigner Person reden-, denn nicht nach dieser Richtung hin ist er ein nachahmender Darsteller. Die übrigen (epischen) Dichter dagegen treten durchgängig in eigener Person auf und stellen daher nur weniges und auch das nur gelegentlich nachahmend dar. Jener aber (Homer) führt nach einer kurzen Einleitung sofort einen Mann oder ein Weib oder irgend eine andere Figur ein, und zwar nicht ohne Charaktereigenschaft, sondern mit einem (bestimmt ausgeprägten) Charakter. [Sidenote: c. 24, 7. Das Epos.] 7. In der Tragödie muß man das -Wunderbare- darstellen in der epischen Dichtung dagegen hat vielmehr das -Vernunftwidrige-, auf dem in der Hauptsache das Wunderbare beruht, seinen Platz, weil man (daselbst) nicht auf den Handelnden seine Blicke wendet; wie denn z.B. die Vorgänge bei der Verfolgung -Hektors-[70] auf der Bühne dargestellt einen lächerlichen Eindruck machen würden, auf der einen Seite die stillstehenden und nicht verfolgenden Mannen, auf der anderen einer[71], der abwinkt. Im Epos dagegen bleibt das Widersinnige (eines solchen Vorgangs) verborgen, denn das Wunderbare erregt Wohlgefallen. Ein Beweis dafür (S. 56) ist, daß alle Erzähler übertreiben, in der Absicht damit zu erfreuen. 8. Im besonderen hat -Homer- auch die anderen (Epiker) belehrt, wie man (zweckmäßig) -Unwahres sagen könne-. Dies beruht aber auf einem -Trugschluß-. Die Menschen glauben nämlich, da, wenn ein erstes (A, die erste Praemisse) ist oder geschieht, auch ein zweites (B, die zweite Praemisse) eintritt, daß nun ebenso, falls das Spätere (B) wirklich ist, auch das Frühere (A) wirklich ist oder geschieht. Das ist aber ein Fehlschluß. Falls nämlich das erste (A) falsch ist, etwas anderes (B) aber--die Richtigkeit des ersten (A) vorausgesetzt --notwendigerweise wirklich ist oder geschieht, so muß man eben jenes zweite (B) hinzufügen. Denn weil man weiß, daß dieses (B) wahr ist, schließt unser Geist, daß nun auch das erste (A) wahr ist. Ein Beispiel ist folgendes aus der Badeszene[72] <....> 9. Endlich muß man dem -unmöglichen Wahrscheinlichen vor dem möglichen Unglaubhaften den Vorzug geben-. Allerdings darf man nicht die Stoffe auf vernunftwidrige Einzelteile aufbauen, sie sollen wo möglich überhaupt nichts Vernunftwidriges enthalten, wenn aber dies nicht möglich, so möge es (wenigstens) außerhalb der (eigentlichen) Handlung Hegen, wie z.B. (das Vernunftwidrige) im -Oidipus-, seine Unkenntnis nämlich, auf welche Weise -Laios- ums Leben kam[73], aber nicht innerhalb des Dramas, wie z.B. in der Elektra[74] die Berichterstattung über die pythischen Spiele oder in den -Mysern- der Mann, (S. 57) der stumm von Tegea bis Mysien wanderte.[75] Zu sagen, daß sonst die Fabel in die Brüche gehen würde, wäre also lächerlich, man muß eben von vornherein keine derartigen Fabeln anlegen. Hat man es aber dennoch getan und erscheint das Stück im allgemeinen glaubwürdig, so mag man auch das etwa Vernunftwidrige mit in den Kauf nehmen. Würde doch die Unzuträglichkeit der Szenen in der -Odyssee-, die sich bei der Aussetzung[76] (des schlafenden Odysseus) abspielen (1460b) sofort in die Augen fallen, wenn ein minderwertiger Dichter sie verfaßt hätte. Wie die Sache aber liegt, hat der Dichter durch andere Vorzüge das Vernunftwidrige versüßt und dadurch (dem Bewußtsein) entrückt. 10. Dem -sprachlichen Ausdruck- soll der Dichter seine -besondere Sorgfalt in den inhaltsleeren Teilen zuwenden-, d.h. solchen, die weder durch Charakterschilderung noch durch Gedanken sich auszeichnen. Andrerseits würde freilich ein allzu glänzender Stil sowohl die Charakterzeichnung wie den Gedankeninhalt verdunkeln. * * * * * KAPITEL XXV [Sidenote: c. 25, 1. Das Epos, Probleme und Lösungen.] 1. Über die -Probleme-[77] (kritische Bedenken) und deren -Lösungen- (Widerlegungen), auf wie vielen und wie beschaffenen Gesichtspunkten sie beruhen, wird man sich durch folgende Betrachtung ein klares Bild machen können. Da nämlich der Dichter ebenso wie der Maler oder irgend ein anderer bildschaffender (S. 58) Künstler ein nachahmender Darsteller ist, so muß er notwendigerweise stets eine bestimmte von -drei- möglichen Arten nachahmend darstellen, nämlich entweder (1) -wie die Dinge waren oder sind- oder (2) -wie man sagt, daß sie seien- oder -wie sie zu sein scheinen- oder (3) -wie sie sein sollen-. Diese Dinge werden nun dargestellt durch die allgemein gebräuchliche Ausdrucksweise oder auch durch Glossen und Metaphern oder was es sonst noch von Wandlungen des sprachlichen Ausdrucks gibt, denn diese (Freiheiten) gestatten wir ja den Dichtern. 2. Dazu kommt ferner, daß die -Richtigkeit in der Politik und der Dichtkunst- sowenig als in irgend einer anderen Kunst oder Wissenschaft und der Dichtkunst -ein und dasselbe bedeutet-. In der Dichtkunst selbst gibt es -zweierlei Fehler-, der eine betrifft ihr -Wesen-, der andere ist rein -äußerlich-. 3. Hat sich der Dichter zum Vorwurf genommen nachahmend darzustellen, aus eigenem Unvermögen, so liegt der -Fehler in der Dichtkunst selbst-; wenn er dagegen den Vorwurf richtig gestellt, aber Unmögliches geschildert hat, wie z.B. ein Pferd, das mit beiden rechten Beinen zugleich ausschreitet, oder was sonst in jeglicher Kunst, wie der Medizin oder irgend einer anderen, welcher Art auch immer, ein Fehler sein würde, so betrifft dieser -nicht das Wesen- der Kunst. Man muß daher nach diesen Gesichtspunkten die tadelnden Einwürfe in den Problemen betrachten und lösen (widerlegen). 4. Erstens also was die -Lösungen- in bezug auf die gegen die Kunst als solche gerichteten Einwürfe betrifft Wenn -Unmögliches- dargestellt wurde, so liegt zwar ein Verstoß vor, aber die Sache hat doch ihre Richtigkeit, falls damit der Zweck der Dichtung (S. 59) erreicht wird; der Zweck nämlich ist, wie bereits erwähnt wenn der Dichter eine erschütterndere "Wirkung, sei es in dem betreffenden Teil oder in einem anderen, damit erzielt. Ein Beispiel bietet jene Verfolgung des -Hektor-.[78] Wenn es aber möglich war, den Zweck, sei es in höherem oder geringerem Grade, auch entsprechend der in diesen Dingen herrschenden Kunstregel zu erreichen, so hat es mit dem Fehler nicht seine Richtigkeit, denn, wenn es irgendwie angeht, soll überhaupt keinerlei Fehler begangen werden. 5. Man kann ferner die Frage aufwerfen, -worin denn- der Fehler begangen ist, -ob gegen die Kunstregel- oder -irgend etwas anderes Zufälliges-; denn weit geringer ist das Versehen, wenn jemand z.B. nicht wußte, daß die Hindin keine Hörner hat[79], als wenn er sie ohne (eigentlich) nachahmend darzustellen gezeichnet hätte. 6. Wenn ferner getadelt wird, daß die Darstellung nicht wahr sei, müßte man den Einwand so entkräften: Aber -vielleicht wie sie sein sollte-, wie ja auch -Sophokles- gesagt hat, er stelle Menschen dar, wie sie sein sollen, -Euripides- aber, wie sie sind. [Sidenote: c. 25, 7. Probleme und Lösungen.] 7. Läßt sich aber keins von beiden behaupten, so kann man sich darauf berufen, daß -man eben so sagt-, wie in den Erzählungen über die Götter. Vielleicht ist es aber weder besser sie so darzustellen, noch der Wahrheit entsprechend, sondern es verhält sich möglicherweise damit so, wie es bei -Xenophanes- lautet[80] (1461a) <....>, dann (erwidere man), allein man sagt nun (S. 60) einmal so. 8. Anderes wiederum ist zwar -vielleicht nicht zweckmäßiger, aber eswar tatsächlich einmal so-, wie z.B. das über die Waffen Gesagte: "-Aber die Lanzen- | -standen empor auf dem Fuße des Schaftes-[81], solchen Brauch nämlich befolgte man damals, wie auch heute noch die Illyrier. 9. In der Beurteilung der Frage, -ob das von jemand Gesagte oder Getane sittlich gut oder nicht ist-, muß man nicht nur die Handlung und die Eede selbst in Betracht ziehen und darauf achten, ob sie edel oder gemein ist, sondern auch den Handelnden oder Redenden ins Auge fassen (und untersuchen) im Verhältnis, zu wem oder wann oder zu wessen Gunsten oder zu welchem Zweck (es geschieht), z.B., ob eines größeren Gutes wegen, das erreicht, oder eines größeren Übels wegen, das verhütet werden soll. 10. Andere Einwände muß man durch Beobachtung des -sprachlichen Ausdrucks- beseitigen, z.B. durch Annahme einer -Glosse-. "-Die Mäuler zuerst-."[82] Vielleicht meint nämlich (der Dichter) mit dem Worte -ourēas-, nicht "Maultier", sondern die "Wächter". Und von Dolon sagt er: "-Der von Gestalt (eidos) zwar häßlich-"[83]. Damit bezeichnet er nicht einen unebenmäßigen Körper, sondern ein häßliches Gesicht; gebrauchen doch die -Kreter- das Wort -eueides- (= schöngestaltet) im Sinne von -euprosōpon-(= schön von Antlitz). Ferner, "-Mische reineren Wein-"(zōróteron),[84] d.h. nicht ungemischten Wein, wie für Trunkenbolde (S. 61) sondern (mische) "schneller." 11. Ein anderes ist -metaphorisch- gesagt z.B. /* "-Alle nunmehr, so Götter wie rossegerüstete Krieger Schliefen die ganze Nacht-" */ und doch heißt es unmittelbar darauf /* "-Siehe, so oft er sein Aug' hinwandte zum troischen Felde. Der Syringen und Pfeifen Getön und der Menge-."[85] */ Jenes, "-Alle-" wird an Stelle von "Viele" metaphorisch gesagt, denn ein "Alles" ist nur eine Art des "Vielen". Auch jenes "-allein nicht teilnimmt-"[90] ist metaphorisch zu verstehen, denn das "bekannteste" ist (hier) das "alleinige". 12. Ferner kann man auf Grund der -Prosodie- (Einwände widerlegen), wie -Hippias- der Thasier dies tat in jenem "-wir gewähren- (dídomen) -ihm aber-"[87] und "-Das zum Teil durch den Regen verfault-"[88]. [Sidenote: c. 25, 13. Probleme und Losungen.] 13. Wieder anderes vermittelst der -Interpunktion-, wie z.B. -Empedokles-[89] sagt: /* "-Schnell erwuchs als sterblich, wasfrüher unsterblich sich wußte, Und als gemischt, was lauter zuvor-." */ [Sidenote: c. 25, 14. Probleme und Lösungen.] 14. Anderes sodann durch die Annahme einer -Amphibolie- (S. 62) (Doppelsinn): /* "-Von der Nacht entschwand der größere Teil-"[91] */ denn der Ausdruck "größere" (-pleíō-) ist doppelsinnig. 15. Andere -Bedenken- (lösen sich) mit Berufung auf den -Sprachgebrauch-: Ein Mischgetränk, sagt man, sei Wein. Nach diesem Gesichtspunkt wurde gebildet: /* "-Schiene von neubereitetem Zinne-"[92], */ nennt man doch die Eisenschmiede auch Kupferarbeiter. Wiederum nach demselben Gesichtspunkt heißt es: Ganymed /* "-schenkt dem Zeus Wein ein-", */ obwohl sie (die Götter) keinen Wein trinken[93]. Doch könnte man dieses Beispiel auch als Metapher auffassen. 16. Man muß auch, wenn ein Wort etwas -Widersprechendes- zu bezeichnen scheint, untersuchen, wie vielfach es diesen Sinn an der (betreffenden) Stelle haben kann, wie z.B. in jenem "-Da hielt die eherne Lanze an-"[94], wie vielfach es dort den Sinn "hemmen" annehmen kann. 17. Ob so oder wie jemand die Sache vorzugsweise (1461b) auffassen möchte, ist zu erwägen, im Gegensatz zu dem Verfahren, von dem -Glaukon- berichtet. Einige gehen von grundlosen Voraussetzungen aus und nach dem sie eigenmächtig ein richterliches Urteil gefällt (S. 63) haben, bauen sie Schlüsse darauf und tadeln dann den Dichter, falls sie auf etwas stoßen, das ihrer (vorgefaßten Meinung widerspricht, weil er nicht das gesagt hat, was in ihren Kram paßt. So erging es mit den Erörterungen über -Ikarios-. Man geht nämlich von der Voraussetzung aus, er sei ein -Lakone-. Es schien daher ungereimt, daß -Telemachos-, als er nach -Sparta- kam[95], mit ihm nicht zusammengetroffen sei. Es verhielt sich damit aber vielleicht so, wie die -Kephallenier- berichten. Sie erzählen, daß Odysseus sich bei ihnen seine Frau geholt habe und es sei -Ikadios- und nicht -Ikarios- (sein Schwiegervater). Demnach ist es wahrscheinlich, daß jenes Problem einem Mißverständnis entsprungen ist. 18. Im allgemeinen muß man das -Unmögliche- in der Dichtung entweder auf das -Zweckmäßigere- oder auf die -herrschende Meinung- zurückführen. Denn für die Dichtung ist das glaubhaft Unmögliche dem zwar Unglaubhaften, jedoch Möglichen vorzuziehen Mag es nun auch vielleicht unmöglich sein, daß es solche Personen gibt, wie sie z.B. -Zeuxis- zu malen pflegte, so ist es doch zweckmäßig (sie so darzustellen), denn dem Ideal gebührt der Vorrang. 19. -Das Vernunftwidrige muß man auf das, was die Leute sagen, zurückführen- und man kann es sowohl in dieser Weise rechtfertigen, wie auch damit, daß es zuweilen ja gar nicht vernunftwidrig sei, da es wahrscheinlich ist, daß etwas auch gegen die Wahrscheinlichkeit sich ereignet. [Sidenote: c. 25, 20. Probleme und Lösungen.] 20. -Das in widerspruchsvoller Weise Gesagte soll man so prüfen, wie die Widerlegungen in der Dialektik-, ob es sich um das Nämliche oder ob es in derselben Beziehung oder derselben (S. 64) Art und Weise gilt, mithin auch der -Dichter- entweder gegen das, was er selbst sagt, oder gegen das, was ein vernünftiger Mensch voraussetzen würde, (sich in Widerspruch verwickeln darf). 21. Gerecht dagegen ist der Tadel, sowohl gegen Vernunftwidrigkeit wie Schlechtigkeit, wenn (der Dichter) ohne jeden äußeren Zwang sich des Vernunftwidrigen bedient, wie z.B. Euripides im Falle des -Aigeus-[96], oder der Charakterschlechtigkeit, wie im -Orestes-[97] der des -Menelaos-. 22. Die Einwendungen ergeben sich demnach aus -fünf Arten-, denn entweder -tadelt- man etwas als -unmöglich- oder als -vernunftwidrig- oder als -sittenverderblich- oder als -widerspruchsvoll- oder als -einen Verstoß gegen die technische Kunstrichtigkeit-. Die -Lösungen- (Widerlegungen) aber sind nach den aufgezählten Unterabteilungen zu betrachten deren es -zwölf- gibt. * * * * * KAPITEL XXVI 1. Man könnte nun die Frage aufwerfen, -ob die epische nachahmende Darstellung oder die tragische die vorzüglichere sei-. Ist nämlich die minder plumpe die vorzüglichere, der Art ist aber die, welche auf ein besseres (gebildeteres) Publikum Bezug nimmt, so ist offenbar diejenige nachahmende Darstellung, die sich an Krethi und Plethi wendet, eine plumpe. In der Überzeugung nämlich, die Zuschauer würden kein Verständnis (für die Darstellung) zeigen, falls er (der Schauspieler) nicht seinerseits etwas dazu (S. 65) beiträgt, so bewegen sich diese in starken Verrenkungen; es wälzen sich z.B. die stümperhaften Flötisten, wenn es gilt den Diskuswurf nachahmend darzustellen und zerren den Chorführer (am Gewände), wenn sie die -Skylla- blasen. 2. Die Tragödie ist nun der Art, wie auch die älteren Schauspieler ihre Nachfolger beurteilten, denn -Mynniskos- nannte den -Kallipides-, weil er gar zu sehr übertrieb, einen -Kallias-[98] und in einem ähnlichen (üblen) Rufe stand auch -Pindaros-. Wie sich nun (1462a) jene (älteren Schauspieler) zu diesen verhalten, so verhalte sich die ganze (tragische) Kunst zur epischen Dichtkunst. Diese, so behauptet man, wende sich an hochstehende Zuschauer, die keiner (tänzelnden) Bewegungen bedürfen, die tragische dagegen an niedrige. Wenn sie demnach eine plumpe Kunst ist, so sei sie offenbar auch die tiefer stehende. 3. Allein -erstens- ist das eine Anklage -gar nicht gegen die Dichtkunst, sondern gegen die Vortragskunst-, denn es kann auch der Rhapsode durch Bewegungen übertreiben, wie dies -Sosistratos- getan und (ebenso) bei den musischen Wettkämpfen, wie dies -Mnasitheos- der Opuntier getan. Sodann ist keineswegs jede Körperbewegung zu verwerfen, da ja auch der Tanz nicht verworfen wird, sondern nur die Bewegung von Stümpern, wie ja auch -Kallipides- getadelt wurde und heutzutage andere, weil sie freie Frauen nachahmend darzustellen nicht verständen. [Sidenote: c. 26, 4. Vorzug der Tragödie vor dem Epos.] 4. Ferner erreicht die Tragödie auch ohne (schauspielerische Bewegung -ihren Zweck, genau so wie die epische Dichtung-, denn schon durch die bloße Lektüre zeigt sie, von welcher Art sie ist. Wenn sie (S. 66) also im übrigen wenigstens (dem Epos) überlegen ist, braucht ihr jedenfalls jener Tadel nicht notwendig anzuhaften. 5. Sodann (2) (ist sie überlegen) -weil sie alles besitzt was die epische Dichtung hat-, denn auch dasselbe Metrum kann sie anwenden und darüber hinaus hat sie einen nicht unbedeutenden Teil an der musikalischen Aufführung und den szenischen Ausstattungen durch welche die Lustempfindungen überaus lebendig verwirklicht werden. Sodann übt sie diese lebendige Wirkung auch aus sowohl bei der Lektüre wie bei den (tatsächlichen) Aufführungen. 6. Ferner (3) -erreicht die Tragödie das Ziel- (1462b) -der- nachahmenden Darstellung -innerhalb eines kleineren Umfangs-; denn was gedrängter ist, ist angenehmer, als was mit viel Zeitaufwand (wie mit Wasser) vermischt ist. Ich denke dabei an folgendes: Wenn jemand den -Oidipus- des -Sophokles- in so viel Verse setzen würde wie die -Ilias- hat <....>. 7. Endlich (4) ist die -epische Dichtung eine weniger einheitliche- nachahmende Darstellung. Beweis dafür ist, daß aus jeder beliebigen nachahmenden Darstellung sich mehrere Tragödien bilden lassen, sodaß, selbst wenn sie (die Epiker) eine einheitliche Fabel schaffen sollten, diese, entweder abgehackt, falls kurz dargestellt oder, falls sie mit der Ausdehnung der (epischen) Versgattung gleichen Schritt hält, wässerig erscheinen würde. Ich meine damit, wenn es (das Epos) z.B. aus mehreren Handlungen sich zusammensetzt wie die -Ilias- viele derartige Teile hat und die -Odyssee-, Teile, die auch für sich schon eine (genügende) Ausdehnung besitzen. Und doch hat er (Homer) diese Gedichte in der denkbar trefflichsten Weise gebaut und es ist seine nachahmende Darstellung, soweit dies nur irgend möglich, die einer einheitlichen Handlung. (S. 67) 8. Wenn demnach sie (die Tragödie) in all diesen (Vorzügen) -überlegen- ist und überdies indem -Ziel- der Kunst--denn diese (Dichtarten) sollen nicht jede beliebige Lustempfindung erzeugen, sondern nur die bereits erwähnte--so leuchtet ein, -daß sie vortrefflicher als die epische Dichtung ist-, indem sie ihren Endzweck vollständiger erreicht. [Sidenote: c. 26, 9. Vorzug der Tragödie vor dem Epos.] 9. Über die Tragödie also und das Epos sowohl an sich wie über ihre Arten und Bestandteile, wie viele deren sind und wie sie sich unterscheiden, welches die Ursachen ihres Erfolges oder Mißerfolges sind, und über die Probleme und deren Lösungen mag derartiges gesagt sein.... * * * * * NAMENVERZEICHNIS[99] (S. 68) Agathon (c. 447--400): c. 9, 5. 18, 4. 5. 6. Berühmter, von Aristoteles hochgeschätzter Tragiker. Sein erster Sieg (417/6) liegt der Rahmenerzählung von Piatons Gastmahl zugrunde, an dem er auch als Unterredner teilnimmt. Seine Selbständigkeit und Originalität kennzeichnen die allerdings nicht lobenswerte Loslösung der Chorgesänge von der Handlung durch Einlegung von Intermezzi (Embolima) und besonders seine völlig freierfundene Tragödie -Anthe-, früher fälschlich -Anthos- "Blume" und seit Welcker oft auch -Antheus- betitelt. -Aias-dramen: c. 18, 2. Solche gab es außer dem erhaltenen des Sophokles auch von Aischylos ("Waffengericht"), Karkinos, Theodektes, Astydamas d. J., Livius, Ennius, Pacuvius, Accius und Augustus. In dem Wettstreit um die Waffen des Achilles siegte Odysseus. Diese Niederlage nahm sich Aias so zu Herzen, daß er in Wahnsinn verfiel. In diesem Zustande richtete er unter einer Viehherde ein Blutbad an in dem Glauben, seine Feinde, Agamemnon und Odysseus, zu vernichten. Als er dann wieder zu sich kam und seinen Irrtum erkannte, stürzte er sich aus Scham in sein Schwert. Aus dieser Inhaltsübersicht ersieht man, daß Aristoteles das Drama mit Recht zu den pathetischen zählt. -Aigisthos-: c. 13, 6. Der Buhle der Klytaimestra, Mörder des Agamemnon und von deren Sohn, Orestes, getötet (Aischylos' Agamemnon und Choephoren, Soph. und Eurip. Elektra).--Die Komödie, auf die hier angespielt wird, war vermutlich von Alexis, einem der berühmtesten Vertreter der sogenannten mittleren Komödie und Zeitgenossen des Aristoteles. -Aischylos- (525/4--456): c. 4, 9. In der Poetik kaum berücksichtigt, ja Aristoteles ignoriert sogar den trilogischen Aufbau seiner Dramen, was c. 18, 4 geradezu bestätigt, nicht widerlegt wird. /* -Choephoren-: c. 16, 4. Elektra erschließt die Ankunft ihres Bruders aus der Haarlocke am Altar und aus Fußtapfen. In dem von Aristoteles gebildeten Syllogismus läßt sich nicht erkennen ob zu "ähnlich", "Orestes" oder "mir" zu ergänzen ist. Nach der Art, wie Sophokles, Euripides und Aristophanes auf diese Erkennungsszene anspielen, ist das erstere, mit alleiniger (S. 69) Berücksichtigung der Haarlocke, wahrscheinlicher. -Myser-: c 24, 9. Der Held der nicht erhaltenen Tragödie war Telephos, der Sohn des Herakles und der Auge. Er war nach sakralem Brauch zum Schweigen verurteüt, bis er sich von einer Blutschuld gereinigt hatte. Denselben Stoff behandelten Sophokles, Agathon, Nikomachos und auch Euripides, doch spricht das bei Aischylos sehr beliebte Schweigmotiv mehr dafür, daß dessen Drama hier gemeint, ist. -Niobe-: c. 18, 4. Wer den ganzen Sagenstoff behandelt hat, wissen wir nicht. Tragödien desselben Titels gab es aber von Sophokles und einem gewissen Meliton. -Philoktet-: c. 22, 5. 23, 4. Nicht erhalten, doch kennen wir seine Behandlung im Vergleich zu der des Sophokles (erhalten) und Euripides aus Dio Chrysostomos. -Phorkiden-: c. 18, 2. Ein 339 wieder aufgeführtes Satyrdrama dessen Inhalt unbekannt ist, doch scheint Perseus der Held gewesen zu sein. -Prometheus-: c. 18, 2. Es ist nicht zu entscheiden, ob der uns erhaltene oder der "Gelöste Prometheus" hier gemeint ist. */ -Alkinoos-, Mär des: S. Homer. -Alkmeon-: c. 18, 4. 14, 4. Ermordete seine Mutter Eriphyle. Ein vielbehandelter Tragödienstoff, so von Sophokles, Euripides, Agathon, Nikomachos, Euaretos, Theodektes und Astydamas d. Älteren (c. 14, 5). [-Amphiaraos-]: S. Karkinos. -Anthe-: S. Agathon. -Antigone-: S. Sophokles. -Argas-: c. 2, 3. Falls die Lesart richtig, wohl identisch mit dem Dichter und Kitharoden, einem Zeitgenossen des Aristoteles. Der Titel des Nomos ist ausgefallen. -Ariphrades-: c. 22, 6. Wohl der Verfasser einer Schrift über den tragischen oder den dichterischen Stil überhaupt. Nicht identisch mit dem von Aristophanes gegeißelten Lüstling. -Aristophanes- (c. 450--385): c. 3, 2. Die Art der Erwähnung zeigt, daß schon zur Zeit des Aristoteles, der der "alten Komödie" nicht besonders freundlich gesinnt war, Aristophanes bereits als der Hauptvertreter der Gattung anerkannt war. -Astydamas- (Ende des 4. Jahrh.): c. 14, 5. Urgroßneffe des Aischylos, sein Sohn gleichen Namens und sein Vater waren ebenfalls tragische Dichter. Er soll 240 Tragödien verfaßt haben, von denen nur 18 Verse erhalten sind, von dem hier genannten "Alkmeon" kein einziger. -C-. s. auch unter K. (S. 70) -Chairemon-: c. 1, 5. 24, 5. Älterer Zeitgenosse des Aristoteles, gewöhnlich als Verfasser von Lesedramen genannt, zu denen wohl auch sein "Verwundete Odysseus" gehörte den Aristoteles vielleicht in c. 14, 5 im Auge hatte. S. unter Sophokles Odysseus Akanthoplex. Das hier erwähnte polymetrische Gedicht "Der Kentaur" muß eine Art Epyllion, das zum Vortrag bestimmt war, gewesen sein, da es als eine Rhapsodie bezeichnet wird. Wenn es einmal auch als "polymetrisches Drama" zitiert wird, so geschah dies wohl wegen einiger in jambischen Trimetern verfaßten Dialogpartien. -Chionides-: c. 3, 4. Der älteste attische Komödiendichter, dessen erster Sieg in das Jahr 487 fällt. Die unter seinem Namen zur Zeit des Aristoteles im Umlauf gewesenen Komödien waren aber Fälschungen. S. auch Magnes. -Choephoren-: S. Aischylos. [-Danaos-]: S. Theodektes. -Dikaiogenes-: c. 16, 3. Tragiker und Dithyrambendichter, Zeitgenosse des Agathon. Neben den -Kypriern- wird noch eine Tragödie "Medea" genannt. In jener scheint Teukros der Held gewesen zu sein. Nach dem Tode seines Vaters, Telamon, der ihn verstoßen hatte, kehrte er in seine Heimat Salamis zurück, woselbst sich die hier erwähnte Erkennungsszene zugetragen haben wird. Aus der Art, wie Aristoteles darauf anspielt läßt sich schließen daß er die Tragödie bei seinen Zuhörern als bekannt voraussetzen konnte. -Dionysios-: c 2, 2. Berühmter Maler aus Kolophon, Zeitgenosse des Polygnot, mit dem er auch sonst zusammengestellt wurde. Er war ihm in vielem nicht unähnlich, nur daß ihm die Erhabenheit abging, was mit dem ihm hier zugeschriebenen Realismus sich wohl vereinigen läßt. -Dolon-: c. 25, 10. Der trojanische Held der sogenannten Doloneia in B. X der Ilias. -Elektra-: S. Sophokles. -Empedokles- (blühte um 450) aus Agrigent: c. 1, 5 [21, 4]. 25, 13. Berühmter Dichterphilosoph, auch Naturforscher. Arzt, Redner und Priester. Sehr zahlreiche, zum Teil umfangreiche Fragmente erhalten. Wenn er in dem Dialog "Über die Dichter", im Gegensatz zu 1, 5, gerade als Dichter verherrlicht und mit dem Beinamen "homerisch" geehrt wird, so ist dies nur ein scheinbarer Widerspruch, da jenes Loblied vermutlich dem Gesprächsgegner des Aristoteles in den Mund gelegt worden war. Überdies wird er an unserer Stelle von einem anderen (S. 71) Gesichtspunkt aus beurteilt. -Epichares-: c. 22, 4. Ein fingierter, aber auch sonst bezeugter Eigenname. -Epicharmos- (blühte Ende des 6. Jahrh.): c. 3, 4. Einer der berühmtesten griechischen Komödiendichter, von dessen, wie es scheint, "Dramen" betitelten Werken wir noch sehr zahlreiche Überreste, jedoch nur kleineren Umfangs besitzen. Er war in Krastos (Sizilien), nicht Kos, 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599 600 601 602 603 604 605 606 607 608 609 610 611 612 613 614 615 616 617 618 619 620 621 622 623 624 625 626 627 628 629 630 631 632 633 634 635 636 637 638 639 640 641 642 643 644 645 646 647 648 649 650 651 652 653 654 655 656 657 658 659 660 661 662 663 664 665 666 667 668 669 670 671 672 673 674 675 676 677 678 679 680 681 682 683 684 685 686 687 688 689 690 691 692 693 694 695 696 697 698 699 700 701 702 703 704 705 706 707 708 709 710 711 712 713 714 715 716 717 718 719 720 721 722 723 724 725 726 727 728 729 730 731 732 733 734 735 736 737 738 739 740 741 742 743 744 745 746 747 748 749 750 751 752 753 754 755 756 757 758 759 760 761 762 763 764 765 766 767 768 769 770 771 772 773 774 775 776 777 778 779 780 781 782 783 784 785 786 787 788 789 790 791 792 793 794 795 796 797 798 799 800 801 802 803 804 805 806 807 808 809 810 811 812 813 814 815 816 817 818 819 820 821 822 823 824 825 826 827 828 829 830 831 832 833 834 835 836 837 838 839 840 841 842 843 844 845 846 847 848 849 850 851 852 853 854 855 856 857 858 859 860 861 862 863 864 865 866 867 868 869 870 871 872 873 874 875 876 877 878 879 880 881 882 883 884 885 886 887 888 889 890 891 892 893 894 895 896 897 898 899 900 901 902 903 904 905 906 907 908 909 910 911 912 913 914 915 916 917 918 919 920 921 922 923 924 925 926 927 928 929 930 931 932 933 934 935 936 937 938 939 940 941 942 943 944 945 946 947 948 949 950 951 952 953 954 955 956 957 958 959 960 961 962 963 964 965 966 967 968 969 970 971 972 973 974 975 976 977 978 979 980 981 982 983 984 985 986 987 988 989 990 991 992 993 994 995 996 997 998 999 1000