-- Du hast Recht... ich werde Dich begleiten, mein Sohn. Ich verstehe mich auf derlei Waaren, mit denen ich mein Leben lang zu thun gehabt habe. -- Ich danke Ihnen, Herr O'Brien, nur weiß ich nicht, wie ich Ihnen meine Erkenntlichkeit beweisen kann.... -- Versuchen wir, aus der Sache ein gutes Geschäft zu machen, mehr verlange ich nicht. -- Dann ist aber keine Zeit zu verlieren, erwiderte Findling, die Versteigerung ist schon für übermorgen angesetzt.... -- Ich bin bereit, mein Sohn; ich brauche nur meine Reisetasche zu holen. Morgen sehen wir uns die Ladung der »Doris« ganz genau an. Uebermorgen kaufen wir sie oder kaufen sie nicht, je nach ihrer Güte und ihrem Preis, und am Abend geht's zurück nach Dublin.« Findling benachrichtigte Grip und Sissy sofort von seiner Absicht, ein Geschäft zu wagen, das fast seine gesammten Geldmittel in Anspruch nehmen würde. Er vertraute ihnen also für achtundvierzig Stunden die Oberleitung des Bazars »Zum kleinen Geldbeutel« an. So kurz die Trennung auch war, konnten sich Grip und Bob doch gar nicht darein finden... vorzüglich der kleine Knabe nicht. Seit viereinhalb Jahren war es das erste Mal, daß Findling und er nicht bei einander sein sollten. Auch zwei leibliche Brüder hätte kein innigeres Band verknüpfen können. Sissy sah »ihr liebes Kind« nicht ohne Beunruhigung fortgehen. Eine Abwesenheit von wenigen Tagen hatte am Ende aber doch nicht viel zu bedeuten. Was das Vorgehen Findlings selbst betraf, das auch O'Brien gebilligt hatte, wußte sie ja, daß jener nichts unternehmen würde, was seine Lage erschüttern und einer halsbrecherischen Speculation ähnlich sein könnte. Mit dem Zuge zehn Uhr abends fuhren die beiden Kaufleute, der alte und der junge, ab. Diesmal kam Findling über Belfast, die Hauptstadt der Grafschaft Down hinaus... Belfast, wo er seine liebe Sissy wiedergefunden hatte. Am folgenden Morgen um acht Uhr langten die beiden Reisenden am Bahnhofe in Londonderry glücklich an. Wie seltsam doch das Schicksal spielt! In Londonderry, wo er jetzt ein bedeutendes Handelsgeschäft abschließen wollte, befand sich Findling nur dreißig Meilen weit von dem Weiler Rindock, im Herzen von Donegal, wo sein Leben unter so elenden Verhältnissen begonnen hatte. Ein Dutzend Jahre waren vergangen, er hatte inzwischen ganz Irland durchstreift und wie viel Glückswechsel erlitten, wie viele Widerwärtigkeiten zu besiegen gehabt! Mußte er nicht unwillkürlich an die jetzige Veränderung seiner Lage denken? O'Brien unterwarf die Ladung der »Doris« einer sehr eingehenden Prüfung. Der Qualität und der Art nach entsprachen die Waaren vollständig den Ansprüchen des Hauses zum »Kleinen Geldbeutel«. Konnte er sie billig erstehen, so erzielte er damit einen großen Gewinn, der sein Capital mindestens vervierfachte. Der alte Kaufmann hätte auch nicht gezögert, dieses Geschäft für eigne Rechnung zu unternehmen. Er rieth Findling sogar, den Gebrüdern Harrington noch vor der Auction einen annehmbaren Preis zu bieten. Der Rath erwies sich gut. Findling traf mit den Gläubigern der »Doris« ein Uebereinkommen und erhielt die ganze Ladung zu einem desto annehmbareren Preise, als er sofortige Bezahlung dafür leistete. Wenn schon die Jugend des Käufers die Verwunderung der Herren Harrington erweckte, so that das der Scharfsinn, womit dieser sein Interesse wahrnahm, nur noch viel mehr. Da sich auch O'Brien persönlich verbürgte, wickelte sich die Angelegenheit ganz allein ab und wurde bei der ersten Verhandlung darüber mittelst eines Checks auf die Bank von Irland geregelt. Für dreitausendfünfhundert Pfund -- fast das ganze Vermögen Findlings -- erhielt dieser die ganze Ladung der »Doris«, nach Abschluß des Geschäfts aber konnte er sich einer gewissen Erregung doch nicht ganz erwehren. Was den Transport der Fracht nach Dublin betraf, schien es am einfachsten, gleich die »Doris« dazu zu benützen, um eine Ueberladung nach einem andern Schiffe zu ersparen. Der Kapitän derselben verlangte auch gar nicht mehr, als daß ihm seine Schiffsmiethe gesichert wurde, und bei günstigem Wind konnte die Ueberfahrt kaum mehr als zwei Tage in Anspruch nehmen. Nachdem auch das geordnet war, hatten O'Brien und sein junger Begleiter nur wieder den Abendzug zu besteigen, dann würde ihre Abwesenheit nicht mehr als sechsunddreißig Stunden gedauert haben. Da kam es Findling in den Sinn, O'Brien den Vorschlag zu machen, auf der »Doris« nach Dublin heimzukehren. »Ich danke Dir, mein Sohn, antwortete der alte Kaufmann, doch das Meer und ich, wir sind niemals die besten Freunde gewesen. Doch wenn Du Lust hast... -- Gewiß, Herr O'Brien. Eine so kurze Ueberfahrt bietet ja keine so besondre Gefahr und ich würde lieber bei meiner Waarenladung bleiben.« O'Brien fuhr also allein nach Dublin zurück, wo er mit dem Frühroth des folgenden Tages eintraf. Im gleichen Augenblick verließ die »Doris« den Canal der Foyle und steuerte nach dem engen Fahrwasser, das die Bai mit dem Canal des Nordens in Verbindung setzt. Die Nordwestbrise war ihrer Fahrt günstig; bei Fortdauer derselben mußte die Ueberfahrt ausgezeichnet verlaufen. Der Schooner konnte sich in der Nähe der Küste halten, wo das Meer unter dem Schutze der hohen Küsten stets ruhiger ist. Freilich ist man im Monat März bei Annäherung der Tagundnachtgleiche im irischen Meere niemals vor Ueberraschung sicher. Die »Doris« wurde von einem Kapitän der Küstenfahrt John Clear befehligt, der acht Matrosen zu ihrer Bedienung hatte. Alle schienen mit ihrer Aufgabe bestens vertraut und kannten die Küste von Irland von vielen Fahrten längs derselben her genau. Von Londonderry nach Dublin wären sie zur Noth mit geschlossenen Augen gesegelt. Unter vollen Segeln glitt die »Doris« aus der Bai hinaus. Auf dem Meere angelangt, konnte Findling den Hafen von Innishafen erkennen, der am Eingang einer durch die Spitze von Donegal gedeckten Bai liegt, und weiterhinaus das mit dem Cap Malin auslaufende lange Vorgebirge, das im Norden Irlands am allerweitesten hinausragt. Der erste Tag ließ sich ganz glücklich an. Für den jungen Knaben war es ein wahrer Hochgenuß, unter den Segeln der »Doris« über das leicht bewegte Meer dahinzuschaukeln. Von der Seekrankheit fühlte er keine Spur. Ein Schiffsjunge hätte nicht mehr Seemann sein können als er. Nur ein Gedanke beschäftigte ihn wiederholt, der an die im Raum der Goëlette verstaute Fracht und daneben an die ungeheure Tiefe, die sich nur zu öffnen brauchte, um sein ganzes Vermögen zu verschlingen. Für diese Befürchtung lag jedoch kaum ein Grund vor. Die »Doris« war ein solides Fahrzeug und ein vortrefflicher Segler, mit dem ihr Kapitän unter allen Verhältnissen umzugehen verstand. Wie schade, daß Bob nicht mit an Bord war! Wie hätte sich dieser gefreut, einmal wirklich zu schwimmen, nicht wie auf dem »Vulcan«, wenn dieser im Hafen von Cork oder Dublin vor Anker lag. Hätte Findling eine Ahnung von dieser Rückfahrt zu Wasser gehabt, so würde er Bob unzweifelhaft mitgenommen haben und dieser wäre am Ziele seiner sehnlichsten Wünsche gewesen. Das Ufer, das sich längs der Grafschaft Antrim hinzieht, ist herrlich anzusehen. Es hat überall weiße Mauern von Kreidefelsen und in diesen so viele Höhlen, daß das ganze Personal der gaëlischen Mythologie darin Raum gefunden hätte. Hier ragen die »Kaminschornsteine« empor, deren Rauch nur aus dem Wasserdunst der Brandung besteht, und erheben sich trotzige Steilufer, die mehr den Mauern einer Festung gleichen. Dort wieder dehnt sich die Chaussée der Riesen aus, die aus lothrecht stehenden Säulen, wunderlichen Basaltpfeilern, gebildet ist, welche von den anprallenden Wogen einen metallischen Ton geben, und deren es, wenn man den Touristen glauben darf, über vierzigtausend geben soll. Alles das bietet einen bezaubernden Anblick. Die »Doris« hütete sich freilich, dem Riffgürtel nahe zu kommen, und um vier Uhr nachmittags segelte sie, das schottische Mull von Cantire nordöstlich liegen lassend, zwischen dem Cap Fair und der Insel Rathlin ein, um den Nordcanal zu gewinnen. Die Nordwestbrise hielt sich bis drei Uhr nachmittags und zertheilte die hoch in der Luft dahinziehenden Wolken. Während der Schooner so in zwei bis drei Meilen Entfernung vom Ufer dahinsteuerte, war kaum ein leichtes Rollen, und vorzüglich gar kein Schlingern des Schiffes wahrzunehmen. Findling hatte das Deck keinen Augenblick verlassen; hier wollte er bleiben, bis ihn vielleicht die nächtliche Kälte nach der Cabine des Kapitäns hinuntertrieb. Voraussichtlich ließ diese erste Seefahrt in ihm die angenehmste Erinnerung zurück, und er beglückwünschte sich schon, seine Ladung selbst begleitet zu haben. Er hoffte mit einem gewissen Stolz in den Hafen von Dublin einzulaufen, wo ihn Grip, Sissy, Bob und Kat, die ja von O'Brien benachrichtigt sein mußten, gewiß mit Jubel empfangen würden. Zwischen vier und fünf Uhr nachmittags ballten sich im Osten dichte Dunstmassen zusammen. Der Himmel nahm schnell ein mehr bedrohliches Aussehen an. Die scharfbegrenzten, vor entgegengesetztem Winde treibenden Wolken stiegen mit großer Schnelligkeit auf. Keine Lichtung verrieth, daß diese Windrichtung vor Einbruch der Nacht wieder umschlagen würde. »Achtung vor der Böe!« Das schien am äußersten Rande des Meeres geschrieben zu sein. John Clear verstand es, denn seine Stirn verdüsterte sich, als er den Horizont aufmerksam musterte. »Nun, Herr Kapitän, fragte Findling, den die Haltung John Clear's nicht weniger wie die der Matrosen etwas staunen machte. -- Ja, die Sache gefällt mir nicht,« antwortete der Kapitän, der sich nach Westen zu wandte. In der That flaute die bisherige Brise schon merkbar ab. Die schlaffen Segel begannen klatschend an die Masten zu schlagen. Nur dann und wann vermochte sie noch ein leiser Windhauch zu schwellen. Die jetzt weniger gehaltene »Doris« begann zu rollen. Das Steuerruder versagte, da das Schiff kaum noch Fahrt machte, fast den Dienst. Findling litt von diesem Rollen indeß nicht allzuviel, obwohl dasselbe auf den sonst ruhigen Meeren unangenehmer erscheint, und er ging auch nicht nach der Kapitänscabine hinunter, wozu ihn John Clear schon aufgefordert hatte. Inzwischen wurden die Windstöße von Osten her häufiger und stärker, so daß sie das Wasser der Oberfläche des Canals zerstäubten. Ueber zwei Drittel des Horizonts flohen lange Wolken hin, die bei den Strahlen der sinkenden Sonne noch drohender erschienen, als sie vielleicht wirklich waren. Der Kapitän Clear ordnete nun die nöthigen Vorsichtsmaßregeln an; er ließ die Segel einziehen oder brassen, und behielt nur die Stagsegel bei, die ein Schiff nicht entbehren kann, wenn es gegen einen Sturm aufkommen will. Der Schooner war übrigens schon vorher etwas weiter vom Ufer abgebracht worden, um, wenn er den Wind nicht passend abfangen konnte, wenigstens nicht bis ans Land getrieben zu werden. Jeder Seemann weiß, daß die atmosphärischen Strömungen zur Zeit der Aequinoctien vorzüglich im Norden häufig mit furchtbarer Gewalt auftreten. Noch war es auch nicht Nacht geworden, als die »Doris« vom heulenden Sturm gepackt wurde. Niemand, der nicht selbst Zeuge eines solchen Vorganges gewesen ist, vermag sich davon eine richtige Vorstellung zu machen. Nach Sonnenuntergang erschien der Himmel vollkommen schwarz. Die Luft zerriß ein schrilles Pfeifen, unter dem zahlreiche Möwen nach dem Lande zu flatterten. In einem Augenblick wurde der Schooner vom Kiel bis zu den Mastspitzen gewaltig erschüttert. Das Meer kam, wie der Ausdruck lautet, »von drei Seiten«, das heißt, die von wechselnden Windstößen gepeitschten Wogen stürzten sich gleichzeitig über den Bug und über die Seiten der »Doris« herein. Alles, vom Klüverbaum bis zum Steuerruder, wurde umgerissen und nur mit größter Mühe vermochte man sich auf dem Verdeck zu erhalten. Der Mann am Steuer mußte festgebunden werden und die Matrosen suchten sich längs der Bordwand zu schützen. »Gehen Sie hinunter, sagte John Clear zu Findling. -- Erlauben Sie mir, Kapitän... -- Nein, nein, hinunter, sag' ich, oder Sie werden von einer Sturzwelle mit hinausgespült.« Findling gehorchte. Sehr beunruhigt kam er nach der Cabine, obwohl er weit weniger an sich selbst dachte. Nur seine Ladung lag ihm am Herzen. Sein ganzes Vermögen war jetzt an Bord eines Schiffes in Gefahr... und wenn er es einbüßte, mußte er auf alles, was er Gutes thun wollte, verzichten.... Die Lage wurde allmählich sehr ernst. Vergebens hatte der Kapitän versucht, die »Doris« dem Sturme gerade entgegenzustellen, um sich von der Küste zu entfernen, oder wenigstens nicht näher an dieselbe herangetrieben zu werden. Da wurde gegen ein Uhr nachts leider die Fock- und die Bugsprietstenge weggerissen und eine Stunde später brachen auch Masten. Sofort neigte sich die »Doris« auf Steuerbord, und da die Fracht im Raum sich verschoben hatte, konnte sie sich nicht wieder aufrichten und kam in Gefahr, über die Reling voll Wasser zu laufen. Findling, der gegen die Wände der Cabine geschleudert worden war, kam, im Finstern umhertappend, mit Mühe wieder auf die Füße. Da drang in einem ruhigeren Augenblicke lautes Geschrei bis zu ihm herab. Auf dem Verdeck entstand ein unerkennbares Geräusch, so daß man fast glauben konnte, es sei durch eine einstürzende Welle eingeschlagen worden. Doch nein. Außer Stande, die Goëlette wieder emporzurichten und in der Befürchtung, daß sie untergehen werde, traf John Clear Vorbereitungen, sie zu verlassen. Trotz der Schwierigkeit, die das Schiefstehen des Schiffes mit sich brachte, hatte man bereits die Schaluppe ins Wasser niedergelassen, um sich sofort in diese zu retten. Findling begriff das, als er sich vom Kapitän durch die geöffnete Treppenkappe rufen hörte. Ihm konnte es aber gar nicht in den Sinn kommen, die Goëlette und alles, was sie trug, zu verlassen. Wenn es nur eine einzige Aussicht auf Rettung gab, wollte er diese wahrnehmen. Er kannte ja die Seegesetze: wenn das Meer ein verlassenes Schiff nicht verschlingt, gehört es dem ersten, der an Bord desselben kommt. Das ist gesetzliche Bestimmung und wird in England buchstäblich so gehalten. Das Schreien wurde lauter. John Clear rief auch noch immer nach Findling. »Wo steckt er denn? wiederholte er. -- Wir sinken!... Wir sinken! riefen die Matrosen. -- Aber... der Knabe?... -- Wir können nicht warten... -- O, ich werde ihn finden!« Der Kapitän kam die Treppe herunter. Findling war nicht mehr in der Cabine. Ohne darüber nachzudenken, mehr von Instinct geleitet, hatte er sich, fest entschlossen, auf dem Schiffe auszuhalten, durch eine gebrochene Luke in den untern Raum geflüchtet. »Wo ist er? Wo ist er? wiederholte der Kapitän ihn laut rufend. -- Er wird auf's Verdeck gekommen sein... meinte ein Matrose. -- Wird ins Meer gestürzt sein, setzte ein andrer hinzu. -- Wir sinken!... Wir sinken!« Diese Rufe kreuzten sich unter einem entsetzlichen Wirrwarr. Die »Doris« hatte sich in der That bei einer furchtbaren Rollbewegung so weit geneigt, daß man fürchten konnte, sie würde bald mit dem Kiel nach oben schwimmen. Ein Zögern war nicht mehr möglich. Da Findling keine Antwort gab, war er sicherlich, bei der Finsterniß von keinem bemerkt, nach dem Verdeck hinausgekommen und über Bord geschwemmt worden. Der Kapitän Clear erschien wieder, als die Goëlette unter zwei ungeheuern Wellenbergen fast verschwand. Seine Mannschaft und er sprangen in die Schaluppe, deren Taue sofort losgeworfen wurden. So wenig man hoffen konnte, daß das Boot dem wüthenden Meere werde Trotz bieten können, so gab es doch die letzte Aussicht auf Rettung, und unter kräftigem Ruderschlage entfernte es sich, um nicht in den Strudel des versinkenden Schooners hineingezogen zu werden. Die »Doris« war nun ohne Kapitän, ohne Mannschaft; sie war aber kein verlassnes Fahrzeug, keine Seetrift, da Findling sich noch darauf befand. Er war allein... allein... jeden Augenblick bedroht, in die Tiefe gerissen zu werden. Und doch verzweifelte er nicht; ein wunderbares Vertrauen hielt ihn aufrecht. Nach dem Deck emporgestiegen, glitt er bis zur Schanzkleidung unter dem Winde nach einer Stelle, wo das Wasser nicht durch Speigatten eindringen konnte. Doch wie drängten sich da die Gedanken in seinem Kopfe! Vielleicht war es zum letzten Male, daß er derer gedachte, die er liebte, der Mac Carthy's, der Familie, die er sich mit Grip, Sissy, Bob, Kat und O'Brien geschaffen hatte, und inbrünstig flehte er zu Gott, daß er ihn retten möchte um ihret-, wie um seiner selbst willen.... Die »Doris« beugte sich nicht weiter zur Seite, so daß eine unmittelbare Gefahr ausgeschlossen schien. Zum Glück hatte der feste Rumpf des Schiffes gut zusammengehalten und noch konnte kein Wasser in dessen Inneres dringen. Lag die Goëlette im Course eines andern Schiffes und machten deren Retter ein Eigenthumsrecht daran geltend, so würde Findling bei der Hand sein, seine unversehrt gebliebene Fracht zu beanspruchen, die von dem aufgeregten Meere ja nicht erreicht worden war. Die Nacht verging. Mit dem ersten Morgenrothe verlor der Sturm an Stärke. Freilich dauerte der hohe Seegang noch immer fort. Findling lugte ins Weite hinaus und in der Richtung nach dem Lande zu. Im Westen war nichts zu erkennen, keine Umrisse einer Küste in Sicht. Jedenfalls hatte der nächtliche Sturm die »Doris« aus dem Nordcanal verschlagen und schwankte sie jetzt auf dem freien irischen Meere, vielleicht Dundalk oder Drogheda gegenüber... doch in welcher Entfernung von da?... Draußen auf hoher See zeigte sich auch weder ein Schiff noch ein Fischerboot, und von einem solchen aus hätte man den schiefliegenden Rumpf, der immer und immer wieder von den Wellenbergen verdeckt wurde, kaum bemerken können. Die einzige Hoffnung lag aber doch darin, bald aufgefunden zu werden. Wenn die »Doris« etwa wieder weiter nach Westen hintrieb, mußte sie noch auf den Klippen, die die Küste umgürten, elend zu Grunde gehen. Leider erwies sich jeder Versuch, ihr eine bestimmte Richtung zu geben, ganz vergeblich, und vergeblich spannte Findling einen Fetzen Leinen zwischen zwei Tauen auf. Auf eigne Hilfe konnte er also nicht mehr rechnen -- er war nur noch in der Hand Gottes. Der Tag verstrich ohne Verschlimmerung der Lage. Findling fürchtete jetzt nicht mehr, daß die »Doris« untergehen könne, vorzüglich, da auch ihre Neigung nach Steuerbord nicht weiter zugenommen hatte. Nun blieb ihm nur noch eins übrig: Ausschau zu halten, ob sich nicht ein Schiff in der Ferne zeige. Inzwischen verzehrte der Knabe einen Imbiß, um wieder etwas zu Kräften zu kommen, und keinen Augenblick bemächtigte sich seiner, der die volle Herrschaft über seine geistigen Fähigkeiten behielt, die Verzweiflung. Er hatte nur das Eine im Auge: er vertheidigte hier sein ganzes Hab und Gut. Um drei Uhr nachmittags wirbelte im Osten eine Rauchsäule in die Luft. Eine halbe Stunde später wurde ein großer Dampfer sichtbar, der in der Entfernung von fünf bis sechs Meilen von der »Doris« nach Norden zu steuerte. Findling gab mit einer Flagge Nothzeichen... sie wurden nicht bemerkt. Die außergewöhnliche Energie des Knaben ließ ihn auch jetzt den Muth noch nicht verlieren, wo er mit herangekommenem Abend auf eine weitere Begegnung nicht mehr zählen durfte. Nichts deutete darauf hin, daß er sich nahe dem Lande befand. Die bewölkte, mondlose Nacht mußte ganz dunkel werden. Zum Glück schien wenigstens der Wind nicht wieder auffrischen zu wollen und das Meer hatte sich wesentlich beruhigt. Da es ziemlich kalt geworden war, schien es ihm am rathsamsten, in die Cabine hinunter zu gehen, denn vom Deck aus hätte er schon auf eine halbe Kabellänge hinaus doch nichts zu erkennen vermocht. Erschöpft von den langen Stunden der Angst und außer Stande, dem Schlafe zu widerstehen, zog Findling die Decke vom Lager, auf das er sich wegen der schiefen Haltung des Schiffes nicht hätte legen können und nachdem er sich eingehüllt und neben der Wand hingestreckt hatte, fiel er bald in tiefen Schlummer. Der Tag begann schon zu grauen, als er durch ein lautes Zanken draußen erweckt wurde. Er richtete sich auf und lauschte. Befand sich die »Doris« jetzt nahe der Küste? War sie am frühen Morgen von einem andern Schiffe aufgefunden worden? »Uns gehört es!... Wir waren zuerst daran! riefen einige Männerstimmen. -- Nein... uns!« antworteten andre. Findling begriff sofort, was hier vorging. Irgendwelche Schiffsmannschaften hatten wettgeeifert, das Wrack anzulaufen, und stritten sich jetzt, wem es zufallen sollte. Jetzt hatten sie den Rumpf erklettert, waren auf das Verdeck gekommen und geriethen ins Handgemenge. Zwischen den Rettungsmannschaften hagelte es Schläge. Findling hätte sich nur zu zeigen gebraucht, um die Kampfhähne zur Ruhe zu bringen. Dessen hütete er sich aber weislich. Die Leute hätten sich einfach gegen ihn gewendet und ihn jedenfalls über Bord geworfen, um jeder späteren Reclamation zu entgehen. Er mußte sich also ohne Säumen verstecken und brachte sich zwischen den Waarenballen im Schiffsraume in Sicherheit. Einige Minuten später hatte der Tumult aufgehört -- ein Beweis, daß die Leute Friede geschlossen hatten. Sie waren übereingekommen, das verlassene Schiff vereint nach dem nächsten Hafen zu bugsieren und dort ihre Beute zu theilen. Zwei Fischerboote, die vor Tagesanbruch aus der Bai von Dublin abgesegelt waren, hatten den treibenden Schooner zwei bis drei Meilen seewärts entdeckt und sofort aus Leibeskräften darauf zugehalten, denn nach geltendem Gesetz und Recht gehörte die Trift dem, der zuerst die Hand daran legte. Die Boote waren jedoch zu gleicher Zeit herangekommen. Daraus entstand der Streit, das Handgemenge, die Prügelei, und schließlich der beiderseitige Beschluß, die Beute zu theilen. Da hätten die saubern Küstenfischer freilich »einen schönen Fang« gemacht. Kaum hatte Findling sich in den Frachtraum geflüchtet, als die Kerle auch schon die Treppe herabgepoltert kamen, um die Cabine zu untersuchen. Findling konnte sich wahrlich Glück wünschen, ein sichres Versteck aufgesucht zu haben, als er die Worte hörte: »Es ist ein wahrer Segen, daß sich kein Mensch an Bord befindet! -- O, wenn's nur einer war, den hätten wir ja bald abgethan!« Die rohen Patrone würden auch vor einem Verbrechen nicht zurückgeschreckt sein, um sich das Eigenthum an der Seetrift zu sichern. Eine halbe Stunde später wurde der Rumpf der »Doris« von zwei Booten ins Schlepptau genommen, die mit Hilfe der Segel und der Ruder der Bai von Dublin zustrebten. Um neuneinhalb Uhr befanden sie sich an deren Eingange. Da sie bei der herrschenden Ebbe die »Doris« aber nur schwierig hätten hineinlootsen können, wendeten sie sich nach Kingstown, wo sie am Bollwerke anlegten. Hier warteten viele Leute. Da die Ankunft der »Doris« signalisirt worden war, hatten O'Brien, Grip und Sissy, Bob und Kat, die von deren Rettung erfuhren, sofort einen Zug nach Kingstown benutzt und befanden sich jetzt am Bollwerk. Ihren Schmerz, als sie hörten, daß die Fischer nur ein verlassenes Wrack hereingeschleppt hätten, kann man sich wohl vorstellen. Findling war nicht mehr an Bord... er war also umgekommen. Grip und Sissy, Bob und Kat weinten heiße Zähren. Da erschien der Hafenkapitän, dem die Untersuchung der Bergung oblag und der zu entscheiden hatte, wem Schiff und Ladung rechtlich zukam. Hier schienen die Bergungsmannschaften außergewöhnliches Glück gehabt zu haben. Plötzlich tauchte durch die Treppenkappe ein Knabe auf. Da jubelten die Seinigen hoch auf vor Freude und murrten und schimpften die Fischer als Antwort. Im nächsten Augenblick befand sich Findling auf dem Quai, wo ihn alle herzlich umarmten. Dann trat er auf den Hafenkapitän zu. »Die »Doris« ist niemals verlassen gewesen, erklärte er mit fester Stimme, und die Fracht, die sie trägt, gehört mir!« In der That hatte er die reiche Ladung nur durch sein Verbleiben an Bord gerettet. Jede Verhandlung erschien überflüssig. Findlings Anrecht war unbestreitbar, das Eigenthum an der Fracht wurde ihm zugesprochen, wie das an der »Doris« dem Kapitän Clear und seinen Leuten, die sich am Tage vorher zu retten vermocht hatten. Die Fischer mußten sich mit dem gesetzlich bestimmten Bergelohn begnügen. Das war nun eine Freude, als alle eine Stunde später im Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« wieder vereinigt waren. Die erste Seefahrt Findlings hatte sich leider gar zu gefährlich gestaltet. Und doch rief Bob immer: »Ach, ich möchte mit Dir auf dem Schiffe gewesen sein! -- Auch unter diesen Verhältnissen, Bob? -- Ja, erst recht!« XV. Und warum nicht? Entschieden verfolgte das Glück geradezu Findling, seit er Trelingar-castle den Rücken gekehrt hatte, das Glück, Bob gerettet und zu sich genommen, Grip und Sissy wiedergefunden und sie miteinander vermählt zu haben, ohne von den erfolgreichen Geschäften zu reden, die der junge Chef des »Kleinen Geldbeutels« machte. Er ging mit Sicherheit in Folge seiner Intelligenz, sagen wir auch, seines Muthes, der Gewinnung eines beträchtlichen Vermögens entgegen. Sein Verhalten auf der »Doris« legte von seinem Muthe gewiß ein rühmliches Zeugniß ab. Nur eines fehlte ihm, ohne das er nicht vollkommen glücklich sein konnte: der Familie Mac Carthy die Wohlthaten, die er von ihr genossen hatte, nicht haben vergelten zu können. Jetzt erwartete er die Ankunft des »Queensland« mit größter Ungeduld, wenn er sich auch sagte, daß von Wind und Wetter abhängige Segler ja sehr häufig Verspätungen in ihrer Fahrt erleiden. Uebrigens hatte Findling nicht versäumt, nach Queenstown zu schreiben, damit die Rheder des »Queensland« ihn sofort benachrichtigten, wenn ein Schiff gemeldet wurde. Inzwischen legte man im Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« die Hände nicht in den Schoß. Durch sein Abenteuer und sein muthiges Aushalten auf der »Doris« war Findling zu einem Helden geworden -- einem Helden von fünfzehn Jahren, was ihm das Interesse der ganzen Stadt nur noch mehr sicherte. Die mit eigner Lebensgefahr vertheidigte Waarenladung brachte ihm über die maßen Glück. Der Zulauf im Laden wurde immer größer, denn jedermann wollte Thee aus der »Doris«, Zucker aus der »Doris«, Gewürze und Wein... immer aus der »Doris« haben. Jetzt trat das Spielwaarengeschäft etwas zurück. Bob mußte deshalb Findling, Grip und noch zwei eingestellten Verkäufern helfen, während Sissy kaum mit dem Schreiben der Rechnungen fertig wurde. Nach O'Brien's Ansicht mußte sich das in jene Speculation gewagte Capital binnen wenigen Monaten vervierfacht, wenn nicht verfünffacht haben. Aus den dreitausend Pfund wurden voraussichtlich fünfzehntausend Pfund Sterling. Der Exkaufmann gab Findling bezüglich dieses Unternehmens gern allein die Ehre. Dabei zugeredet hatte er ihm wohl, den ersten Gedanken daran hatte aber Findling gehabt, als er die Anzeige in der »Shipping-Gazette« las, und der Leser weiß, mit welcher Energie er sein Vorhaben durchgeführt hatte. So erscheint es als kein Wunder, daß der Bazar von Little Boy nicht allein der reichlichst ausgestattete, sondern auch der schönste in der Bedford-Street, ja im ganzen Stadtviertel wurde. Daß hier eine Frauenhand eingriff, erkannte man an tausend Kleinigkeiten. Grip, der redlich half, fing auch allmählich an zu glauben, daß er deren Ehemann sei, vorzüglich als ihm die Ahnung kam, daß die Reihe seiner Vorfahren nicht mit ihm abschließen würde. Alle fühlten sich glücklich und dankbar verpflichtet dem Knaben, der ihnen ein so schönes Los zu bereiten verstanden hatte -- das heißt alle, die sich jetzt im Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« um Findling vereinigt fanden. Was aus den andern, die in seinem Leben eine mehr vorübergehende Rolle spielten, geworden wäre oder werden würde, darüber wollte sich Findling nicht den Kopf zerbrechen. Thornpipe zog wahrscheinlich noch im Lande umher und stellte seine etwas alt gewordenen Königspuppen zur Schau; O'Bodkins wurmte gewiß noch die freche Zerstörung seiner musterhaften Bücher; der Marquis und die Marquise Piborne lebten in der hochvornehmen Geistesbeschränktheit weiter, die ihr Sohn unverändert geerbt hatte; Scarlett verwaltete ohne Zweifel Trelingar-castle und was dazu gehörte zu seinem Vortheil weiter und Miß Anna Walston.... starb jedenfalls fast Abend für Abend im fünften Acte. Von keinem der genannten war je etwas zu hören gewesen, außer daß sich -- nach der Times -- Lord Piborne doch einmal entschlossen hatte, im Oberhause eine Rede zu halten, welch löbliche Absicht nur deshalb nicht zur Ausführung kam, weil, als er das Wort ergreifen wollte, das künstliche Gebiß des hochedlen Herrn nicht nach Wunsch fungierte. Carker war zum Erstaunen Grips noch immer nicht gehenkt worden; er näherte sich dem Galgen aber jedenfalls mehr und mehr, nachdem er unlängst in London bei einer polizeilichen Razzia mit einer ganzen Rotte seines Schlags hinter Schloß und Riegel gebracht worden war. Nun blieben nur die Mac Carthy's übrig, an die Findling unausgesetzt dachte und deren Heimkehr er ungeduldig erwartete. In den Seenachrichten fand sich noch nichts vom »Queensland«. Erschien er binnen einigen Wochen noch nicht, so mußte man für ihn fürchten, denn in der letzten Zeit war der Atlantische Ocean von sehr heftigen Stürmen heimgesucht worden. Und noch immer traf keine Depesche von den Rhedern in Queenstown ein! Am 5. April brachte diese endlich ein Telegraphenbote. Bob hatte sie in Empfang genommen und sofort ertönte seine Stimme: »Eine Depesche aus Queenstown!... Ein Telegramm aus Queenstown!« Endlich eine Nachricht über die Adoptiveltern Findlings, die also jedenfalls in Irland zurück waren... die erste, einzigste Nachricht über sie! Alle liefen erwartungsvoll zusammen. Die Depesche hatte folgenden Inhalt: »Queenstown, 5. April 9, 25, 20. »Findling, Little Boy and Co., Bedford-Street, Dublin. »Queensland« diesen Morgen eingelaufen. Familie Mac Carthy an Bord. Erwarten Ihre Ordres. Benett«. Findling war es, als ob er ersticken sollte. Sein Herz hatte einen Augenblick still gestanden. Reichliche Thränen brachten ihm Erleichterung und er begnügte sich, als er die Depesche in die Tasche steckte, zu sagen: »Es ist gut.« Weiterhin sprach er gar nicht mehr von den Mac Carthy's, was Herrn und Frau Grip, Bob, die Kat und O'Brien nicht wenig verwunderte. Er widmete sich vielmehr seiner Thätigkeit wie gewöhnlich. Balfour erhielt nur Auftrag, ihm einen Check von hundert Pfund auszufertigen, über dessen Verwendung der junge Chef sich nicht äußerte. Vier Tage verstrichen, die letzten vier Tage der Charwoche, denn jenes Jahr fiel Ostern auf den 10. April. Am Sonnabend Morgen rief Findling sein gesammtes Personal zusammen und verkündete: »Der Bazar bleibt bis nächsten Dienstag Abend geschlossen.« Damit erhielten Balfour und die beiden Verkäufer Urlaub. Bob, Grip und Sissy beabsichtigten, die freie Zeit nach eignem Belieben auszunützen, als sie Findling fragte, ob sie nicht geneigt wären, während der drei Tage eine Reise zu machen. »Eine Reise? rief Bob. Ich bin dabei. Wohin soll's denn gehen? -- Nach der Grafschaft Kerry, die ich einmal wiedersehen möchte,« erklärte Findling. Sissy sah ihn fragend an. »Und wir sollen Dich dahin begleiten? -- Es würde mir ein großes Vergnügen machen. -- Ich soll also auch dabei sein? fragte Grip. -- Selbstverständlich. -- Und Birk? setzte Bob hinzu. -- Birk ebenfalls.« Das war also abgemacht. Der Bazar sollte unter Obhut der Kat bleiben und man beschäftigte sich mit den Vorbereitungen, die eine dreitägige Abwesenheit erheischt. Nachmittag um vier Uhr wollte man den Expreßzug benutzen, um elf Uhr würde die Gesellschaft in Tralee eintreffen, dort übernachten, und am nächsten Tage... nun, am nächsten Tage würde Findling das weitere Programm kund geben. Um vier Uhr befanden sich alle auf dem Bahnhofe, Grip und Bob höchst vergnügt, Sissy aber etwas nachsinnend, da ihr Findling gar so unergründlich vorkam. »Tralee, sagte sich die junge Frau, das ist doch ganz in der Nähe von Kerwan... Will er denn etwa in die Farm zurückkehren?« Birk hätte ihr darauf vielleicht antworten können; dessen bekannte Discretion hielt sie aber ab, eine bezügliche Frage zu stellen. Der Hund wurde im Packwagen untergebracht und von Bob der Sorgfalt des Packmeisters unter Hinzufügung eines vollwichtigen Schillings besonders empfohlen. Dann nahmen Findling und seine Begleiter ein Coupé erster Classe ein. Die siebzig Meilen zwischen Dublin und Tralee wurden in sieben Stunden zurückgelegt. Von den durch den Zugführer ausgerufenen Stationsnamen machte besonders einer auf Findling einen eigenthümlichen Eindruck. Das war der Name Limerick. Er erinnerte ihn an sein Debut auf dem dortigen Theater in dem Drama »Die Reue einer Mutter« und an die Scene, wo er sich so krampfhaft an die Herzogin von Kendall in der Person der Miß Anna Walston anklammerte.... Es war das aber nur eine Erinnerung, welche wie die flüchtigen Bilder eines Traumes wieder verschwand. Findling führte seine Freunde in Tralee nach dem ersten Hôtel, wo sie gut zu Abend aßen und eine ruhige Nacht verbrachten. Am nächsten Tage, dem Ostersonntage, stand Findling frühzeitig auf. Während Sissy noch Toilette machte, Grip bei seiner Frau blieb und Bob sich streckend erst die Augen öffnete, wanderte er durch die Straßen des Ortes. Leicht fand er den Gasthof wieder, wo Martin und Martine mit ihm einzukehren pflegten, den Marktplatz, wo er zuerst am Handel Geschmack gewonnen hatte, und auch die Apotheke, in der er einen Theil von seiner Guinee für die Großmutter hingegeben hatte, die er nicht wieder sehen sollte. Um sieben Uhr hielt vor der Thür des Hôtels ein Jaunting-car mit tüchtigem Pferde und gutem Kutscher, wofür der Wirth gutsagte. Dann wurde gewissenhaft der Preis festgestellt: so viel für den Wagen, so viel für das Zugthier, für den Kutscher, für Trinkgelder u. s. w., wie das in Irland üblich ist. Nach frugalem Frühstück wurde die Fahrt um halb acht Uhr angetreten. Ein Sonntag ohne Regen -- und heute schien die Sonne und wehte ein angenehmer Wind -- gehört auf der Smaragdnen Insel zu den Ausnahmen. Dieses Jahr schien der Frühling zeitig einsetzen und die Bäume zum knospen bringen zu wollen. Ein Dutzend Meilen trennt Tralee von dem Kirchspiele Silton. Wie oft hatte Findling diese Strecke im Wagen Mac Carthy's zurückgelegt! Das letzte Mal war er hier freilich allein gewesen... auf dem Heimwege von Tralee nach der Farm... er hatte sich hinter einem beschneiten Busch versteckt, als die Polizei- und Gerichtsdienerabtheilung vorüber kam. Das trat ihm jetzt lebhaft vor die Augen. Der Weg selbst sah ja noch ganz so aus wie damals. Da und dort lag ein Gasthof daran und begrenzten ihn Brachfelder. Paddy ist ein Feind der Veränderung; in Irland bleibt ja alles im Gleichen, selbst das Elend!... Um zehn Uhr hielt der Wagen im Dorfe Silton. Es war die Stunde der Messe. Die Glocke ertönte. Da stand sie noch immer, die alte, bescheidne, windschiefe, englische Kirche, in der die Doppeltaufe Findlings und des Töchterchens Murdocks stattgefunden hatte. Er trat mit den andern hinein. Weder der Geistliche, noch seine Assistenten oder ein andrer Kirchenbesucher erkannte ihn wieder. Während der Messe fragten sich die Leute, wer die Familie sei, von der kein Mitglied dem andern ähnelte. Und während Findling seine Erinnerungen aus glücklicher und unglücklicher Zeit auffrischte, beteten Sissy, Grip und Bob dankbaren Herzens für den, dem sie so viel Lebensglück verdankten. Nach einem Frühstück im besten Gasthofe von Silton rollte der Jaunting-car nach der drei Meilen entfernten Farm von Kerwan weiter. Findling wurden die Augen feucht auf diesem Wege, den er des Sonntags so oft mit Martine und Kitty und auch mit der Großmutter, wenn diese es konnte, gegangen war. Welch traurigen Anblick bot das verlassene Land! Ueberall Ruinen... mit Gewalt hergestellte Ruinen, die den vertriebenen Insassen das letzte Obdach vereiteln sollten. Da und dort fanden sie Maueranschläge mit der Bekanntmachung, daß diese Farm, jene Hütte oder ein Feld zu verpachten oder zu verkaufen sei. Doch wer hätte hier kaufen oder pachten sollen, wo er sich nur das Unglück einhandeln konnte! Endlich, gegen eineinhalb Uhr, wurde die Farm von Kerwan sichtbar. Findlings Brust entrang sich ein Seufzer. »Hier stand sie!« murmelte er. Doch welch' entsetzlicher Anblick bot sich hier jetzt! Die Hecken niedergerissen, die Thür eingerammt, die Wirthschaftsgebäude in Trümmern, der Hof furchtbar verwildert -- kurz, ein Bild trostlosester Zerstörung. Seit fünf Jahren hatten Regen, Schnee, Wind und Sonne ihr Werk gethan. Wie traurig sahen die kahlen Wände der Zimmer aus, und erst das, wo Findling in der Nähe der Großmutter geschlafen hatte. »Ja, das ist Kerwan!« wiederholte er öfter, doch es sah aus, als wagte er gar nicht einzutreten. Bob, Grip und Sissy hielten sich schweigend hinter ihm. Nur Birk lief unruhig hin und her und schnüffelte am Boden hin... in ihm erwachten gewiß auch Erinnerungen von vergangenen Zeiten.... Plötzlich bleibt der Hund stehen und erhebt den Kopf, seine Augen leuchten und er wedelt mit dem Schweife. Vor dem Thore steht eine Gruppe von Menschen -- vier Männer, zwei Frauen und ein kleines Mädchen, alle in ärmlicher Kleidung. Der älteste tritt heraus und nähert sich Grip, der seinem Alter nach die Hauptperson der Fremden zu sein scheint. »Wir sind hierher, beginnt er, zu einem Zusammentreffen bestellt worden. Ohne Zweifel... waren Sie es... -- Ich? fällt Grip ein, der den Mann gar nicht kennt und ihn verwundert anstarrt. -- Ja. Als wir in Queenstown ans Land kamen, wurde uns eine Summe von hundert Pfund von der Rhederei ausgehändigt, die den Auftrag hatte, uns nach Tralee zu befördern....« In diesem Augenblick schlug Birk mit lautem Freudengebell an und stürmte unter tausend Freundschaftsbezeugungen auf die ältere der Frauen zu. »Ach, ruft diese, das ist ja Birk... unser Hund Birk! Ich erkenne ihn wieder...« -- Und mich erkennen Sie nicht, meine liebste Mutter Martine, sagt Findling, mich erkennen Sie nicht mehr? -- Er!... Ach, unser Kind!« Die Feder vermag die Scene nicht zu schildern, die sich nun abspielte. Martin, Murdock, Pat und Sim pressen Findling in ihre Arme und er bedeckt Martine und Kitty mit heißen Küssen. Dann hebt er das kleine Mädchen in die Höhe... er verzehrt sie fast mit seinen Küssen und stellt sie Bob, Sissy und Grip vor mit den Worten: »Meine Jenny!... Mein Töchterchen!« Nachher setzen sich alle auf die umherliegenden Trümmer. Die Mac Carthy's mußten ihre beklagenswerthe Geschichte erzählen. Nach der Austreibung hatte man sie nach Limerick gebracht, wo Murdock zu einigen Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Nach Ablauf seiner Strafzeit hatte sich Martin mit den seinigen nach Belfast begeben, von wo sie ein Auswandrerschiff nach Australien beförderte. Pat, der seinen Beruf aufgab, war ihnen bald nachgekommen. Doch was hatten sie dann zu leiden gehabt, um schließlich... nichts zu erreichen! Nur zuweilen fanden sie, vereint oder auch einzeln, auf einer Farm, doch unter den schlechtesten Bedingungen, etwas Arbeit. Endlich, nach fünf Jahren, hatten sie jenes Land verlassen können, das gegen sie ebenso grausam gewesen war, wie der heimatliche Boden. Findling betrachtete die armen Leute mit tiefstem Seelenschmerz. Martin war stark gealtert, Murdock noch ebenso düster wie vorher, Pat und Sim herabgekommen von Anstrengungen und Entbehrungen, Martine kaum ein Schattenbild der lebensfrischen Hausfrau vor wenigen Jahren, Kitty geschwächt durch ein Fieber, das sie nicht verließ, und Jenny verkümmert durch die Leiden, die sie schon in so jungen Jahren erduldet hatte. Es war zum Herz zerbrechen! Sissy weinte mit den Frauen und Mägdlein und suchte sie zu trösten. »Ihr Unglück hat nun ein Ende, Frau Martine, wie das unsrige schon lange... und Dank Ihrem Adoptivkinde... -- Er? rief Martine verwundert. Was vermöchte er...? -- Du, mein Junge?« fragte auch Martin. Findling war außer Stande zu antworten; ihm raubte die Erregung den Athem. »Warum hast Du uns nach dieser Stelle verlangt, die uns an die traurigste Vergangenheit mahnt? fragte Murdock. Was sollen wir hier, wo wir so lange und so schwer gelitten haben? Findling, warum erwecktest Du uns diese traurigen Erinnerungen?« Dieselbe Frage lag wohl auf aller Lippen, auch auf denen Sissys, Grips und Bobs. »Warum? antwortete er, sich mühsam beherrschend. Kommt alle, mein Vater, meine Mutter, meine Brüder, kommt mit mir!« Sie folgten ihm nach der Mitte des Hofes. Hier erhob sich inmitten von wildem Gebüsch und Brombeergesträuch eine kleine grünende Tanne. »Jenny, redete er das kleine Mädchen an, siehst Du diesen Baum?... Ihn hab' ich am Tage Deiner Geburt gepflanzt. Er ist jetzt, wie Du, acht Jahre alt.« Kitty, die dabei an die Zeit dachte, wo sie so glücklich gewesen war und auf die Andauer dieses Glücks bauen zu können glaubte, schluchzte vor Schmerz. »Jenny... mein liebes Kind, fuhr Findling fort, Du siehst auch dieses Messer...« Er hatte dabei ein Messer aus seinem Gürtel gezogen. »Das war das erste Geschenk, das mir Großmutter machte... Deine Urgroßmutter, die Du kaum gekannt hast....« Bei Erwähnung dieses Namens hier inmitten der Trümmer wollte Martin, seiner Gattin und seinen Kindern fast das Herz zerspringen. »Jenny, fuhr Findling fort, nun nimm dieses Messer und grabe damit die Erde am Fuße der Tanne auf.« Ohne ihn ganz zu verstehen, kniete das Kind nieder, entfernte das Strauchwerk und höhlte ein Loch an der bezeichneten Stelle aus. Bald stieß das Messer auf einen harten Gegenstand. Hier befand sich die Steinkruke, die unter der Erdschicht ganz gut erhalten war. »Hebe das Gefäß heraus, Jenny, und öffne es!« Das Mägdlein that, wie ihr geheißen, und alle sahen ihr in erwartungsvollem Schweigen zu. Als die Kruke geöffnet war, bemerkte man darin eine Anzahl Kieselsteine, wie sie zahlreich im Bette des benachbarten Cashen lagen. »Herr Martin, begann nun Findling, erinnern Sie sich wohl?... Jeden Abend, wenn Sie mit mir zufrieden gewesen waren, gaben Sie mir einen solchen Stein.... -- Ja, mein Sohn; es kam aber kein Tag, an dem Du keinen davon erhalten hättest. -- Sie geben die Zeit an, die ich in der Farm von Kerwan zugebracht habe. Jetzt zähle sie, Jenny. Du kannst doch zählen, nicht wahr? -- O, gewiß!« versicherte das kleine Mädchen. Nach längerer Arbeit rief sie laut: »Fünfzehnhundertundvierzig. -- Richtig, bestätigte Findling. Das ergiebt über vier Jahre, Jenny, die ich in Deiner Familie, die auch die meinige geworden war, zugebracht habe. -- Und diese Kieselsteine, ließ sich Martin, die Augen niederschlagend, vernehmen, sind der einzige Lohn, den Du je von mir erhalten hast... diese Steine, die ich einst in Schillinge umzuwechseln hoffte.... -- Und die sich für Sie, mein guter Vater, in Guineen verwandeln sollen!« Weder Martin noch einer der Seinigen konnten glauben, konnten begreifen, was sie eben hörten. Ein solches Vermögen! War Findling denn bei Sinnen? Sissy erkannte diesen Gedanken ganz und sagte sogleich: »Nein, liebe Freunde, sein Herz ist ebenso gesund wie sein Geist, und hier hat sein Herz gesprochen. -- Ach, mein Vater Martin, meine Mutter Martine, meine Brüder Murdock, Pat und Sim, und Du, Kitty, und Dein Töchterchen, ja, ich fühle mich hochbeglückt, Euch einen Theil des Guten, das Ihr mir erwiesen habt, zurückerstatten zu können. Dieser Grund und Boden ist zu verkaufen. Ihr werdet ihn erwerben und erbaut die Farm von neuem. An den nöthigen Mitteln soll es nicht fehlen. Später braucht Ihr keinen herzlosen Harbert mehr zu fürchten. Ihr wohnt dann auf eigner Scholle... seid Eure eignen Herren!« Findling berichtete nun über sich selbst, seit dem Tage, wo er von der Farm von Kerwan weinend weggeschlichen war, und in welchen Verhältnissen er sich jetzt befände. Die Summe, die er der Familie Mac Carthy zur Verfügung stellte, diese Summe in Guineen -- so viele wie Kieselsteine gezählt waren -- belief sich auf fünfzehnhundertundvierzig Pfund Sterling -- für arme Irländer ein großes Vermögen. Vielleicht war es zum ersten Male, daß auf diesen so oft von Schmerzensthränen begossenen Erdboden warme Thränen der Freude und Dankbarkeit niederrieselten. * * * * * Die Familie Mac Carthy verweilte die drei Osterfeiertage mit Findling, Bob, Sissy und Grip in Silton und nach rührendem Abschied kehrten die letzteren nach Dublin zurück, wo sich am Morgen des 11. April der Bazar wieder aufthat. Ein Jahr verstrich, das Jahr 1887, das als eines der glücklichsten im Leben dieser kleinen Welt gelten konnte. Der junge Kaufmann war nun sechzehn Jahre alt. Sein Glück war gemacht. Der Erfolg der Speculation mit der »Doris« hatte selbst O'Brien's Erwartungen weit übertroffen, und das Capital von Little Boy and Co. belief sich jetzt auf zwanzigtausend Pfund Ein Theil dieses Vermögens gehörte zwar dem Ehepaar Grip und ein Theil Bob, den Gesellschaftern der Firma »Zum kleinen Geldbeutel«, alle bildeten am Ende aber nur eine einzige Familie. Die Mac Carthy's hatten, nach vortheilhafter Erwerbung von zweihundert Acres Land, die Farm wieder aufgebaut und eingerichtet, auch den Viehbestand aufs neue angeschafft. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß sie mit der Behaglichkeit und dem unerwarteten Glück auch Kräfte und Gesundheit wieder erlangt hatten. Bei Irländern, die so lange unter der Geißel des Landlordismus geseufzt hatten und die jetzt nur für sich, nicht mehr für einen unerbittlichen Herrn schafften und wirkten, ist das ja kein Wunder zu nennen. Findling aber vergißt nicht und wird es nicht vergessen, daß er ihr Adoptivkind ist, und es könnte sich eines Tages wohl ereignen, daß er sich mit ihnen noch durch engere, zartere Bande verknüpfte. Jenny geht in ihr zehntes Jahr, sie verspricht ein sehr hübsches Mädchen zu werden.... Doch sie ist ja so gut wie seine Tochter, wird der freundliche Leser einwerfen. Nun, doch nicht im strengen Sinne des Wortes; warum also nicht?... -Ende.- Fußnoten [1] Eine unter dem Eide gleichwerthiger Bekräftigung bei Gericht niederzulegende Urkunde meist über die Tatsachen eines Vorfalles, der gerichtlich verfolgt werden soll. [2] »Licht, mein Herr... Licht!« (d. h. nämlich: Feuer). 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599 600 601 602 603 604 605 606 607 608 609 610 611 612 613 614 615 616 617 618 619 620 621 622 623 624 625 626 627 628 629 630 631 632 633 634 635 636 637 638 639 640 641 642 643 644 645 646 647 648 649 650 651 652 653 654 655 656 657 658 659 660 661 662 663 664 665 666 667 668 669 670 671 672 673 674 675 676 677 678 679 680 681 682 683 684 685 686 687 688 689 690 691 692 693 694 695 696 697 698 699 700 701 702 703 704 705 706 707 708 709 710 711 712 713 714 715 716 717 718 719 720 721 722 723 724 725 726 727 728 729 730 731 732 733 734 735 736 737 738 739 740 741 742 743 744 745 746 747 748 749 750 751 752 753 754 755 756 757 758 759 760 761 762 763 764 765 766 767 768 769 770 771 772 773 774 775 776 777 778 779 780 781 782 783 784 785 786 787 788 789 790 791 792 793 794 795 796 797 798 799 800 801 802 803 804 805 806 807 808 809 810 811 812 813 814 815 816 817 818 819 820 821 822 823 824 825 826 827 828 829 830 831 832 833 834 835 836 837 838 839 840 841 842 843 844 845 846 847 848 849 850 851 852 853 854 855 856 857 858 859 860 861 862 863 864 865 866 867 868 869 870 871 872 873 874 875 876 877 878 879 880 881 882 883 884 885 886 887 888 889 890 891 892 893 894 895 896 897 898 899 900 901 902 903 904 905 906 907 908 909 910 911 912 913 914 915 916 917 918 919 920 921 922 923 924 925 926 927 928 929 930 931 932 933 934 935 936 937 938 939 940 941 942 943 944 945 946 947 948 949 950 951 952 953 954 955 956 957 958 959 960 961 962 963 964 965 966 967 968 969 970 971 972 973 974 975 976 977 978 979 980 981 982 983 984 985 986 987 988 989 990 991 992 993 994