drangen ja auch gar nicht in die Tiefe des Hölzchens ein. Auf dem Boden hinkriechend, näherte sich Michael Strogoff seinem Pferde, das sich gelagert hatte. Er streichelte es mit der Hand, sprach ihm leise freundlich zu und brachte es geräuschlos wieder auf die Füße. Eben jetzt verlöschten zu Michael Strogoff’s Glück die völlig niedergebrannten Fackeln, und es herrschte, mindestens unter den Gipfeln der Lärchenbäume, die dichteste Finsterniß. Nachdem Michael Strogoff das Gebiß wieder eingelegt, den Sattelgurt festgeschnallt und die Riemen der Steigbügel geprüft hatte, begann er sein Pferd langsam am Zügel fortzuziehen. Uebrigens folgte das intelligente Thier, so als verstände es, was man von ihm wolle, willig seinem Herrn, ohne nur ein einziges Mal zu wiehern. Dennoch hoben einige usbeckische Pferde neugierig die Köpfe und wandten sich dem Rande des Gehölzes zu. In der rechten Hand hielt Michael Strogoff seinen Revolver, bereit, dem ersten tartarischen Reiter, der sich nähern würde, den Kopf zu zerschmettern. Glücklicher Weise hörte er aber keinen Weckruf und konnte den rechts auslaufenden Winkel des Wäldchens, da wo dieser an die Straße herantrat, erreichen. Um womöglich nicht gesehen zu werden, beabsichtigte Michael Strogoff sich erst so spät als möglich in den Sattel zu schwingen, und jedenfalls erst, nachdem er über eine Wendung des Weges, die sich etwa 200 Schritte jenseit des Gehölzes befand, hinter sich haben würde. Zum Unglück aber witterte ihn, als Michael Strogoff eben den Waldrand überschritt, das Roß eines Usbeck, wieherte und trabte auf ihn zu. Sein Reiter lief ihm nach, es zurück zu führen, als er aber beim ersten schwachen Tagesgrauen ein unerwartetes Schattenbild bemerkte, rief er laut: „Achtung!“ Auf diesen Ruf erhob sich die ganze Mannschaft des Bivouaks und stürzte hervor auf die Straße. Michael Strogoff hatte sich nur in den Sattel zu schwingen und im Galop davon zu jagen. Die beiden Officiere des Detachements hatten sich an die Spitze ihrer Leute gestellt und trieben diese an, sich schnell fertig zu machen. Jetzt saß Michael Strogoff schon auf dem Pferde. Da krachte ein Schuß und eine Kugel durchlöcherte den Mantel des Couriers. Ohne den Kopf zu wenden und ohne den Angriff zu erwidern, gab er beide Sporen, erreichte mit einem kühnen Sprunge vom Waldrande aus die Straße und jagte mit verhängtem Zügel in der Richtung nach dem Obi davon. Die usbeckischen Pferde waren abgezäumt worden, er mußte also vor den Reitern des Detachements einigen Vorsprung gewinnen können; freilich beeilten auch diese sich, ihm nachzusetzen, und wirklich hörte er, kaum zwei Minuten nachdem er das Hölzchen verlassen, die schnellen Tritte mehrerer Pferde, welche ihm nach und nach näher kamen. Schon begann es im Osten zu tagen und deutlicher traten in einem weiteren Umkreise alle Gegenstände hervor. Michael Strogoff sah, als er sich einmal umwendete, daß ein Reiter ihn besonders schnell einzuholen drohte. Es war der Deh-Baschi. Dieser vorzüglich berittene Officier sprengte der ganzen Abtheilung voraus und mußte den Flüchtling bald erreichen. Ohne anzuhalten schlug Michael Strogoff mit gewohnter sicherer Hand den Revolver auf ihn an, zielte einen Augenblick, und mitten in die Brust getroffen sank der Officier vom Pferde. Aber die andern Reiter folgten ihm auf dem Fuße nach, und ohne sich wegen ihres gefallenen Führers aufzuhalten, sausten sie unter wildem Rachegeschrei, die Sporen fest in die Flanken der Pferde gedrückt, weiter, und mehr und mehr verminderte sich die Distanz zwischen ihnen und Michael Strogoff. Etwa eine halbe Stunde lang vermochte sich Letzterer außerhalb der Tragweite ihrer Schießwaffen zu halten, aber er bemerkte leider, daß die Kräfte seines Pferdes nun zu Ende gingen, und fürchtete mit Recht, daß dieses, wenn es gegen irgend ein Hinderniß stieße, stürzen würde, um nicht wieder aufzustehen. Jetzt war es schon ziemlich tageshell geworden, wenn auch die Sonne noch nicht über dem Horizonte stand. In einer Entfernung von etwa zwei Werst schlängelte sich eine durch Bäume begrenzte hellere Linie hin. Das war der Obi, der fast im gleichen Niveau mit dem Erdboden von Südwesten nach Nordosten dahinfloß und als dessen Thalbett man füglich die ganze umgebende Steppe ansehen mußte. Wiederholt knatterten die Gewehre hinter Michael Strogoff her, ohne daß eine Kugel ihn verletzte, und mehrmals mußte auch er gegen Reiter, die ihm zu gefährlich nahe kamen, von seinem Revolver Gebrauch machen. Jedesmal rollte ein Usbeck, unter dem Wuthgeheul seiner Kameraden, schwerverwundet in den Sand. Trotz alledem konnte diese Hetzjagd endlich nur zum Nachtheil Michael Strogoff’s ausfallen. Sein Pferd keuchte athemlos und bis zum Tode erschöpft, doch gelang es ihm noch, dasselbe bis an das Flußufer zu treiben. Die Abtheilung Usbecks befand sich jetzt kaum noch fünfzig Schritte hinter ihm. Auf dem vollständig verlassenen Obi erblickte er weder eine Fähre, noch ein Fahrzeug, die zum Uebersetzen über den Strom hätten dienen können. „Jetzt Muth, mein wackres Roß! rief Michael Strogoff. Vorwärts! Jetzt gilt’s die letzte Anstrengung!“ Er stürzte sich in den Fluß, dessen Breite hier wohl eine halbe Werst betragen mochte. Gegen die rasche Strömung war nur schwer anzukämpfen. Michael Strogoff’s Pferd konnte nirgends Fuß fassen. Ohne jeden Stützpunkt mußte es die brausend schnell dahinziehenden Wellen also nur durchschwimmen. Ein Wunder von Muth gehörte für Michael Strogoff dazu, diesem Wasserschwalle zu trotzen. Die Reiter hatten am Ufer des Stromes Halt gemacht; sie zauderten, sich ebenfalls in denselben nachzustürzen. In diesem Augenblick aber ergriff der Pendja-Baschi sein Gewehr und zielte sorgfältig auf den Flüchtling, der sich schon in der Mitte der Strömung befand. Der Schuß krachte, und tödtlich in der Flanke getroffen versank das Pferd Michael Strogoff’s unter seinem Reiter. Noch zeitig genug befreite sich dieser aus den Steigbügeln, eben als sein treues Thier unter den Wellen des Flusses verschwand. Endlich gelangte er unter fortwährendem Niedertauchen und nur auf Augenblicke an der Oberfläche Athem schöpfend trotz des nachgesendeten Kugelregens glücklich an das rechte Flußufer und verschwand hinter den Gebüschen, die sich längs des Obirandes hinzogen. Siebenzehntes Capitel. Bibelsprüche und Liederverse. Michael Strogoff befand sich einigermaßen in Sicherheit; immerhin war seine Lage noch eine schreckliche. Jetzt, da das treue Thier, das ihm bis hierher so muthig gedient, in den Wellen des Stromes den Tod gefunden hatte, wie sollte er seine Reise fortsetzen können? Er war zu Fuß, ohne Lebensmittel, in einem durch die Empörung verwüsteten, durch die Plänkler des Emir schon ausgesaugten Lande und dabei noch eine große Strecke von dem Ziele, das er erreichen mußte, entfernt. „Bei Gott, ich komme doch noch dahin! rief er wie als Antwort auf alle Einwände der Ohnmacht, die in seinem Geiste einen Augenblick aufstiegen. Der Herr schützt das heilige Rußland!“ Michael Strogoff befand sich jetzt außerhalb des Bereichs der usbeckischen Reiter. Diese hatten nicht gewagt, ihn durch den Fluß weiter zu verfolgen, und mußten auch annehmen, daß er ertrunken sei, da sie ihn nach dem letzten Verschwinden unter dem Wasser am rechten Ufer des Obi nicht wieder auftauchen sahen. Aber Michael Strogoff erreichte, unter dem mannshohen Schilfe des Ufers hinschlüpfend eine höhere Stelle des Abhanges, wenn auch nur mit großer Mühe, da ein tiefer, von dem Austreten des Stromes zurückgebliebener Schlamm seinen Weg sehr schlüpfrig machte. Als er festen Grund und Boden unter sich fühlte, hielt Michael Strogoff an und überlegte, was nun zu thun sei. Vor Allem war er mit sich darüber einig, Tomsk, das von tartarischen Truppen besetzt war, bestimmt zu vermeiden. Dennoch mußte er einen bewohnten Ort, mindestens ein Postrelais zu treffen suchen, um sich daselbst wieder ein paar Pferde zu verschaffen. Mit diesen wollte er sich außerhalb der besetzten Wege halten und die Straße nach Irkutsk erst in der Gegend von Krasnojarsk wieder einschlagen. Wenn er sich beeilte, durfte er hoffen, den Weg noch frei zu finden, so daß er nach dem Südosten der Provinzen am Baïkalsee herabgelangen konnte. Zunächst begann Michael Strogoff sich zu orientiren. Zwei Werst vor ihm längs des Obi erhob sich eine kleine Stadt in pittoresken Stufen auf einem leichten Landrücken. Einige Kirchen mit byzantinischen, grün und goldig verzierten Kuppeln zeichneten sich am grauen Himmelsgrunde ab. Das war Kolywan, wohin die niederen und höheren Beamten aus Kamsk und anderen Städten sich zu wenden pflegen, um dem ungesunden Klima der Barabinen-Steppe zu entfliehen. Kolywan konnte nach den letzten Berichten, die der Courier des Czaar vernommen hatte, noch nicht in den Händen der Eindringlinge sein. Die in zwei Colonnen einherziehenden Tartarenhaufen hatten sich links nach Omsk, rechts nach Tomsk gewendet, das Land in der Mitte aber frei liegen lassen. Das einfache und logische Project, das Michael Strogoff entwarf, bestand darin, Kolywan vor den usbeckischen Reitern, die dem linken Ufer des Flusses folgten, zu erreichen. Dort wollte er sich, und wäre es auch um den zehnfachen Preis, Kleider und ein Pferd verschaffen und den Weg nach Irkutsk durch die innere Steppe wieder einschlagen. Es war drei Uhr Morgens. Die zur Zeit noch ganz ruhigen Umgebungen von Kolywan schienen vollkommen verlassen. Offenbar hatte sich die Landbevölkerung auf der Flucht vor dem Einfall, dem sie keinen Widerstand entgegen zu setzen vermochte, mehr nach Norden in das Gouvernement Jeniseïsk zurückgezogen. Michael Strogoff wandte sich demnach raschen Schrittes nach Kolywan, als entfernte Detonationen an sein Ohr schlugen. Er stand still und unterschied deutlich ein dumpfes Rollen, welches die Luftschichten erschütterte, und dazu ein trockenes Knattern, über dessen Natur er sich nicht täuschen konnte. „Das ist Kanonendonner! Das ist Gewehrfeuer! sprach er für sich. Das kleine russische Corps ist also mit der Tartarenarmee zusammengetroffen! O gebe der Himmel, daß ich vor ihnen in Kolywan ankomme!“ Michael Strogoff täuschte sich nicht. Bald wurden die Detonationen deutlicher, und weiter rückwärts, links von Kolywan, lagerten sich weiße Dämpfe unten am Horizonte, keine Rauchwolken, sondern jene dichten, scharf abgegrenzten Dampfwolken, wie sie das Feuer der Artillerie erzeugt. Am linken Ufer des Obi hatten die usbeckischen Reiter Halt gemacht, um den Ausgang der Schlacht abzuwarten. Von dieser Seite hatte Michael Strogoff also nichts zu fürchten und beeilte deshalb seinen Marsch nach der Stadt. Inzwischen wurde der Kanonendonner stärker und näherte sich merklich. Es war kein verschwimmendes Rollen mehr, sondern eine Folge deutlich unterscheidbarer Donnerschläge. Gleichzeitig erhob sich der vom Winde entführte Dampf in die Luft, und man erkannte, daß die Kämpfer im Süden offenbar an Terrain gewannen. Kolywan war somit einem Angriff von der Westseite ausgesetzt. Vertheidigten es aber die Russen gegen die Tartarenhorden oder suchten sie es den Soldaten des Feofar-Khan wieder zu entreißen? Das ließ sich für jetzt unmöglich erkennen und setzte Michael Strogoff in nicht geringe Verlegenheit. Nur eine halbe Werst von Kolywan befand er sich, als ein hoher Feuerstrahl mitten aus den Häusern der Stadt aufleuchtete und der Thurm einer Kirche unter einem Wirbel von Staub und Flammen zusammenbrach. Tobte der Streit schon in Kolywan? Michael Strogoff mußte es wohl glauben; in diesem Falle kämpften die Russen und Tartaren also in den Straßen der Stadt. Bot sie ihm jetzt noch eine Zuflucht? Lief Michael Strogoff nicht Gefahr, daselbst gefangen zu werden, und durfte er hoffen, daß es ihm gelingen werde, aus Kolywan ebenso glücklich zu entfliehen, wie vorher aus Omsk? Alle diese Gedanken flogen durch seinen Kopf. Er zauderte; er stand einen Augenblick still. Erschien es nicht besser, sich zu Fuß nach Süden oder Osten, bis zu irgend einem Flecken, vielleicht nach Diachinsk oder einem andern, durchzuschlagen, und sich dort um jeden Preis ein Pferd zu verschaffen? Jedenfalls war das der einzige Ausweg, und sofort wandte sich Michael Strogoff, indem er das Ufer des Obi verließ, nach der rechten Seite von Kolywan. Gerade jetzt krachten die Geschütze lauter als je. Bald züngelten Flammen an der rechten Seite der Stadt in die Höhe; die Feuersbrunst ergriff ein ganzes Stadtviertel von Kolywan. Michael Strogoff lief, was er laufen konnte, quer durch die Steppe und suchte den Schutz einiger Bäume zu erlangen, welche da und dort verstreut standen, als eine Abtheilung tartarischer Cavallerie auf dem rechten Stromufer erschien. Michael Strogoff konnte seine Flucht in der vorigen Richtung nicht mehr fortsetzen; die Reiter sprengten auf die Stadt zu, und es wäre ihm schwer geworden, ihnen zu entgehen. Da bemerkte er neben einem kleinen, aber dichten Gebüsch ein isolirtes Häuschen, das er wohl zu erreichen hoffen durfte, bevor jene ihn sahen. Michael Strogoff hatte nichts Anderes zu thun, als dort hin zu eilen, sich daselbst zu verstecken, um Etwas zu bitten, nöthigenfalls sich anzueignen, womit er seine Kräfte wieder herstellen könnte, denn er war nun wirklich erschöpft von Hunger und Strapazen. Er stürzte also auf dieses höchstens eine halbe Werst entfernte Häuschen zu. Näher gekommen sah er erst, daß dieses Gebäude ein Telegraphenbureau war. Zwei Drähte liefen davon nach Osten und Westen aus und ein dritter Draht war in der Richtung nach Kolywan gespannt. Wohl hätte man voraussetzen können, daß dieses Bureau unter den jetzigen Verhältnissen verlassen sei, doch mochte dem sein wie ihm wollte, Michael Strogoff konnte dahin fliehen, im Nothfalle die Nacht abwarten und sich dann wieder in die Steppe hinaus wagen, welche die tartarischen Plänkler durchirrten. Michael Strogoff eilte geraden Wegs auf die Thür des Hauses zu und stieß sie schnell und heftig auf. Eine einzige Person befand sich in dem Zimmer, in dem die Telegraphenleitungen zusammenliefen. Es war ein Beamter, der in seiner Ruhe, in seinem Phlegma sich nicht um das Geringste kümmerte, was in der Außenwelt vorging. Treu auf seinem Posten ausharrend, wartete er, daß das Publicum seine Dienste in Anspruch nehme. Michael Strogoff rannte auf ihn zu und fragte mit vor Erschöpfung gebrochener Stimme: „Was wissen Sie Neues? -- Ei nichts, erwiderte der Beamte lächelnd. -- Es sind doch Russen und Tartaren handgemein geworden? -- Man sagt es. -- Aber wer ist Sieger? -- Das weiß ich selbst nicht.“ So viel Gemütlichkeit unter so schrecklichen Verhältnissen, so viel Indifferenz erschien doch kaum glaublich. „Und der Draht ist noch nicht zerschnitten? fragte Michael Strogoff. -- Zwischen Kolywan und Krasnojarsk ist die Leitung zerstört, sie functionirt aber noch zwischen Kolywan und der russischen Grenze. -- Für die Regierung? -- Für die Regierung, wenn sie es für nöthig erachtet, für das Publicum, wenn dasselbe zahlt. Das Wort kostet zehn Kopeken. Wenn es Ihnen beliebt, mein Herr?“ Michael Strogoff wollte eben diesem Beamten ohne Gleichen antworten, daß er keine Depesche abzusenden habe, sondern nur gekommen sei, um etwas Brod und Wasser zu erbitten, als die Thür des Hauses wieder hastig aufgerissen wurde. Michael Strogoff bereitete sich schon, in dem Glauben, das Haus sei von Tartaren überfallen, zu einem Sprunge durch das Fenster, als er noch sah, daß nur zwei einzelne Männer in den Raum eintraten, die tartarischen Soldaten nicht im Geringsten ähnelten. Mit einem leicht erklärlichen Erstaunen erkannte Michael Strogoff in diesen zwei Männern zwei Persönlichkeiten wieder, an die er jetzt nicht im Entferntesten dachte und die er überhaupt niemals wieder zu sehen geglaubt hatte. Es waren die beiden Berichterstatter Harry Blount und Alcide Jolivet, jetzt keine Reisegefährten mehr, sondern Rivalen, ja Feinde, seitdem sie ihre Thätigkeit auf dem Kriegsschauplatze begannen. Ischim verließen sie seiner Zeit nur wenige Stunden nach Michael Strogoff’s Weiterreise, und wenn sie auf derselben Straße Kolywan vor ihm erreichten, ja, ihn selbst unterwegs überholten, so kam das daher, daß Michael Strogoff am Ufer des Irtysch drei Tage eingebüßt hatte. Jetzt, nach Beobachtung des Kampfes zwischen den russischen und tartarischen Truppen dicht vor der Stadt, hatten sie Kolywan in dem Augenblicke verlassen, als der Streit sich in die Straßen der Stadt hinein fortsetzte, waren nach der Telegraphenstation gelaufen, um ihre rivalisirenden Depeschen nach Europa abzulassen und Einer dem Andern die erste Meldung der Tagesereignisse streitig zu machen. Michael Strogoff trat etwas bei Seite an eine dunklere Stelle und konnte von hier aus, ohne selbst gesehen zu werden, Alles sehen und hören. Jedenfalls durfte er auf wichtige Neuigkeiten hoffen, um aus diesen abnehmen zu können, ob er sich nach Kolywan hinein wagen dürfe oder nicht. Harry Blount, der sich noch mehr beeilte, als sein College, hatte den Platz am Schalter eingenommen, während Alcide Jolivet ganz gegen seine Gewohnheit ungeduldig mit den Füßen stampfte. „Jedes Wort kostet zehn Kopeken“, sagte der Beamte, die Depesche entgegen nehmend. Harry Blount stapelte auf einer Zähltafel eine kleine Säule Rubel auf, die sein College mit einer gewissen Verwunderung betrachtete. „Schön, schön“, sagte der Beamte. Und mit der unerschütterlichsten Kaltblütigkeit der Welt begann er folgende Depesche abzutelegraphiren: -„Daily-Telegraph, London.- -„Aus Kolywan, Gouvernement Omsk in Sibirien, am 6. August.- -„Gefecht zwischen russischen Truppen und Tartaren ...“- Da die Worte laut vorgelesen wurden, hörte Michael Strogoff auch Alles, was der englische Correspondent seinem Journale mittheilte. -„Die russischen Truppen mit großen Verlusten zurückgedrängt. Tartaren an demselben Tage in Kolywan eingezogen ...“- Diese Worte beendigten die Depesche. „Nun ist die Reihe an mir, rief Alcide Jolivet, der eine an seine Cousine im Faubourg Montmartre adressirte Depesche aufgeben wollte. Das wollte aber dem englischen Reporter keineswegs passen; denn dieser dachte gar nicht daran, den Schalter zu verlassen, um alle Ereignisse, die er von hier aus etwa noch beobachten konnte, sofort nach Hause berichten zu können. Er machte also seinem Gefährten nicht Platz. „Sie sind aber doch fertig! ... rief Alcide Jolivet. -- Ich bin noch nicht zu Ende“, antwortete einfach Harry Blount. Er schrieb sofort eine Reihe Worte auf, die er dem Beamten übergab, welcher sie mit stets gleichmäßig ruhiger Stimme durchlas: -„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde!...“- Es waren die ersten Verse aus der Bibel, welche Harry Blount telegraphirte, um die Zeit auszufüllen und seinem Collegen gegenüber den einmal eingenommenen Platz zu behaupten. Dieser Ausweg kostete seinem Journal vielleicht einige tausend Rubel, aber es erhielt dafür auch die allerersten Berichte. Frankreich konnte warten! Man begreift wohl den Aerger und die Wuth Alcide Jolivet’s. Unter allen anderen Verhältnissen hätte er zwar begriffen, daß dieses Verfahren ein gesetzlich vollkommen begründetes war, jetzt suchte er aber den Beamten womöglich zu nöthigen, daß er seiner Depesche vor der Fortsetzung der seines Collegen den Vorzug gebe. „Der Herr ist in seinem Recht“, bedeutete ihn ruhig der Beamte, indem er auf Harry Blount wies und ihm liebenswürdig zulächelte. Und er fuhr pflichtgetreu fort, an den Daily-Telegraph den ersten Vers der heiligen Schrift zu telegraphiren. Während der Manipulationen an den Apparaten begab sich Harry Blount ruhig an’s Fenster und beobachtete mit einem Fernglase, was etwa um Kolywan vorging, um seine Berichte zu vervollständigen. Einige Augenblicke später nahm er seinen Platz am Schalter wieder ein und fügte seinem Telegramm hinzu: -„Zwei Kirchen stehen in Flammen. Die Feuersbrunst scheint sich nach dem rechten Flußufer zu auszubreiten. Und die Erde --war wüste und leer und es war finster auf der Tiefe ...“- In Alcide Jolivet stieg eine höllische Lust auf, den ehrenwerthen Correspondenten des Daily-Telegraph einfach zu erwürgen. Wiederholt interpellierte er den Beamten, der ihm stets mit der nämlichen Ruhe die Antwort gab: „Der Herr ist in seinem Recht, vollkommen in seinem Recht ... Das Wort kostet zehn Kopeken.“ Und unverdrossen telegraphirte er die folgende Neuigkeit, die ihm Harry Blount brachte. -„Russische Flüchtlinge drängen sich aus der Stadt. Und Gott sprach, es werde Licht und es ward Licht!...“- Alcide Jolivet wollte buchstäblich vor Wuth bersten. Inzwischen war Harry Blount wieder zum Fenster zurückgekehrt, zog aber seine Beobachtung, wahrscheinlich gefesselt von Interesse an dem Schauspiel, das sich vor seinen Augen abspielte, etwas zu sehr in die Länge. Sobald der Telegraphist also den dritten Vers der Bibel abgesendet hatte, nahm Alcide Jolivet geräuschlos am Schalter Platz und übergab, nach Deponirung einiger recht anständiger Rubelrollen, seine Depesche dem Beamten, der sie wiederum mit lauter Stimme verlas: -„Madeleine Jolivet,- -„10, Faubourg Montmartre (Paris).- -„Aus Kolywan, Gouvernement Omsk in Sibirien, am 6. August.- -„Flüchtlinge entweichen aus der Stadt. Die Russen geschlagen. Heftige Verfolgung durch die tartarische Cavallerie ...“- Und als Harry Blount nach dem Schalter zurückkehrte, vernahm er nur, wie Alcide Jolivet sein Telegramm in halb singendem, lustigem Tone vervollständigte: -„Es ist ein kleines Männchen,- -Gekleidet ganz in Grau,- -In Paris!...“- Da er es für unpassend hielt, Profanes und Heiliges unter einander zu mengen, so benutzte er den Refrain eines lustigen Liedes Béranger’s an Stelle der Bibelverse. „Oha! platzte Harry Blount heraus. -- Ja ja, so geht’s“, erwiderte lachend Alcide Jolivet. Inzwischen gestalteten sich die Verhältnisse in den Umgebungen Kolywans immer bedrohlicher. Die Schlacht wälzte sich näher heran, der Geschützdonner krachte immer entsetzlicher. Da erzitterte plötzlich das ganze Telegraphenamt in allen Fugen. Eine Granate hatte die Mauer durchschlagen und eine dichte Staubwolke erfüllte den ganzen Raum. Alcide Jolivet schrieb erst noch folgende Zeilen vollends nieder: -„Bausbäckig, wie ein Apfel,- -Doch ohn’ ein’n Heller Geld ...“- Dann hielt er inne, stürzte auf die Granate zu, erfaßte sie noch vor der Explosion derselben mit beiden Händen, warf sie zum Fenster hinaus und trat wieder an den Schalter – Alles das Werk eines Augenblicks. Fünf Secunden später zersprang die Granate vor dem Hause in tausend Stücke. Alcide Jolivet ließ sich im weiteren Aufsetzen seines Telegramms gar nicht stören und fügte dem völlig ruhig und kaltblütig hinzu: -„Eine sechspfündige Granate schlug soeben durch die Mauer des Telegraphenamtes. In Erwartung noch weiterer von gleichem Kaliber ...“- Michael Strogoff schwand jeder Zweifel, daß die Russen aus Kolywan vertrieben seien. Sein einziger Ausweg blieb es also, sich durch die südliche Steppe zu wagen. Da knatterte eine furchtbare Gewehrsalve nahe dem Telegraphenamte und ein Hagelschauer von Kugeln zersplitterte die Fensterscheiben. An der Schulter getroffen fiel Harry Blount zur Erde. Alcide Jolivet eilte, seiner Depesche noch einen Anhang hinzuzufügen. -„Harry Blount, Correspondent des Daily-Telegraph, an meiner Seite von einer Kugel getroffen ...“- Da unterbrach ihn der kaltblütige Beamte und sagte mit seiner unerschütterlichen Ruhe: „Mein Herr, die Leitung ist unterbrochen.“ Den Schalter schließend griff er ganz ruhig nach seinem Hute, bürstete ihn sorgfältig mit dem Ellbogen und verließ, immer lächelnd, das Haus durch eine kleine Nebenthür, welche Michael Strogoff bis dahin entgangen war. Das Gebäude ward unmittelbar darauf von tartarischen Truppen besetzt, so daß weder Michael Strogoff noch die beiden Journalisten ihren Rückzug zu bewerkstelligen vermochten. Mit seiner nun zwecklosen Depesche in der Hand eilte Alcide Jolivet zu dem auf dem Boden liegenden Harry Blount und gab sich Mühe, letzteren auf die Schultern zu nehmen in der Absicht, mit ihm zu entkommen ... Zu spät! Beide wurden gefangen und gleichzeitig mit ihnen fiel Michael Strogoff, als er sich eben anschickte, zu einem Fenster hinaus zu springen, in die Hände der Tartaren! Ende des ersten Bandes. Collection Verne. Band 23. *Der Courier des Czaar.* (Michael Strogoff.) Von *Julius Verne.* -Autorisirte Ausgabe- Zweiter Band. *Vierte Auflage.* Wien. Pest. Leipzig. -A. Hartleben’s Verlag.- Alle Rechte vorbehalten. K. u. K. Hofbuchdruckerei Carl Fromme in Wien.MICHAEL STROGOFF. Zweiter Theil. Erstes Capitel. Ein tartarisches Feldlager. Eine Tagereise von Kolyvan und einige Werst jenseit des Fleckens Diachinsk breitet sich eine große Ebene aus, auf der sich einige hohe Bäume, vorzüglich Tannen und Cedern, erheben. Während der warmen Jahreszeit wird dieser Theil der Steppe gewöhnlich von sibirischen Hirten besucht und gewährt auch den zahlreichen Heerden derselben hinlängliche Nahrung. Jetzt hätte man wohl vergeblich nach einem dieser nomadisirenden Bewohner gesucht. Nicht daß diese fruchtbare Ebene verlassen und öde gewesen wäre, – im Gegentheil, sie zeigte ein ganz außergewöhnliches Leben. Hier erhoben sich nämlich die Zelte der Tartaren, hier lagerte Feofar-Khan, der grausame Emir von Bukhara, und eben an diesem Morgen, am 7. August, wurden die bei Kolyvan nach der Zersprengung des kleinen russischen Corps gemachten Gefangenen hierher eingebracht. Von jenen 2000 Mann, welche sich zwischen die zwei auf Omsk und Tomsk gestützten, feindlichen Heersäulen gewagt hatten, waren nur noch einige hundert Soldaten davon gekommen. Der Verlauf der Ereignisse war also kein günstiger, und die kaiserliche Regierung erschien jenseit des Ural ernstlich bedrängt, – mindestens für den Augenblick, denn früher oder später mußte es den Russen ja wohl gelingen, die Eindringlinge zu Paaren zu treiben. Jedenfalls hatten die räuberischen Horden das Herz Sibiriens erreicht und drohte der feindliche Einfall sich über das empörte Land entweder nach den Provinzen im Westen, oder nach denen im Osten zu verbreiten. Irkutsk war jetzt von aller Verbindung mit Europa abgeschnitten. Wenn die Truppen vom Amur und aus der Provinz Jakutsk nicht rechtzeitig eintrafen, um diese Hauptstadt Sibiriens zu besetzen, so mußte sie wohl, bei den mangelhaften Kräften zu ihrer Vertheidigung, den Tartaren in die Hände fallen, und bevor es dann möglich wurde, sie diesen wiederum zu entreißen, blieb der Großfürst, der Bruder des Kaisers, den Rachegelüsten Iwan Ogareff’s preis gegeben. Was war nun mit Michael Strogoff geschehen? Beugte er sich unter der Last so vieler Prüfungen? Betrachtete er sich als besiegt durch so viel Hindernisse, die ihn seit dem Unfalle von Ichim unausgesetzt verfolgten? Gab er seine Partie verloren, sah er seine Sendung für verfehlt, die Ueberlieferung seines Mandats für unmöglich an? Michael Strogoff gehörte zu den Menschen, die sich erst dann nicht mehr regen, wenn sie todt zusammengebrochen sind. Jetzt lebte er noch, war sogar ganz unverwundet geblieben, das kaiserliche Handschreiben verwahrte er noch immer, sein Incognito war noch unverletzt. Gewiß befand er sich unter den zahlreichen Gefangenen, welche die Tartaren wie eine Heerde Vieh daher trieben; aber mit der Annäherung an Tomsk kam er auch Irkutsk näher, und jedenfalls blieb Iwan Ogareff immer hinter ihm zurück. „Ich werde noch ankommen!“ wiederholte er sich immer wieder. Seit jener Affaire bei Kolyvan drängte sich seine ganze Lebenskraft zusammen in dem einen Gedanken, seine Freiheit zu erlangen. Wie er den Soldaten des Emirs entrinnen würde? – Das wollte er sehen, wenn der passende Zeitpunkt da wäre. Feofar’s Feldlager bot einen prächtigen Anblick. Zahllose Zelte aus Thierfellen, Filz oder Seidenstoffen schillerten in den Strahlen der Sonne. Lange, reiche Troddeln auf ihren schlank zulaufenden Spitzen wiegten sich zwischen buntfarbigen Fahnen, Standarten und Feldzeichen hin und her. Die am reichsten ausgestatteten Zelte gehörten den Seids und den Khodjas, den vornehmsten Männern des Khanates, an. Eine besondere Flagge, mit einem Pferdeschweif als Schmuck, deren Lanzenschaft sich aus einem kunstvoll geordneten Bündel rother und weißer Stäbe erhob, bezeichnete den hohen Rang dieser Tartarenhäuptlinge. Weit über Sehweite hinaus erstreckten sich endlich die Reihen jener turkomanischen Zelte, „Karaoys“ genannt, die auf dem Rücken der Kameele mitgeführt wurden. Das ganze Lager zählte mindestens 150,000 Mann Soldaten, sowohl Fußvolk als auch Reiterei. Unter diesen sah man, als die Urtypen von Turkestan, zuerst die Tadjiks mit ihren schönen, regelmäßigen Zügen, weißer Hautfarbe, schwarzen Augen und Haaren und dem hohen, mächtigen Wuchse, – die Hauptmacht der Tartarenarmee, zu der die Khanate von Khokhand und Kunduz nahezu ein gleich großes Contingent wie Bukhara geliefert hatten. Neben diesen Tadjiks fanden sich die Vertreter anderer Stämme, welche entweder in Turkestan seßhaft waren oder deren Heimat doch an jene Gebiete grenzte. Da sah man Usbecks von kleiner Gestalt und mit brennend rothem Barte, ganz ähnlich denen, welche zur Verfolgung Michael Strogoff’s ausgesendet worden waren. Ferner Kirghisen mit abgeplattetem, dem der Kalmücken ähnlichen Gesicht, in Panzerhemden gekleidet, von denen ein Theil Lanzen, Bogen und Pfeile asiatischer Herkunft führte, ein anderer mit dem Säbel, einem Luntengewehre und dem „Tschakane“, d. i. eine kurz gestielte Axt, welche leicht tödtliche Wunden verursacht, ausgerüstet erschien. Dazu mittelgroße Mongolen mit schwarzem, langem Haar, das in einen Zopf geflochten auf den Rücken hinabfiel, mit rundlichem, sonnenverbranntem Gesicht, dunklen, lebhaften Augen und mangelndem oder sehr spärlichem Barte, gekleidet in blaue, mit schwarzem Pelz verbrämte Nankingstoffe, geschmückt mit Ledergürteln, mit Silberschnallen, Schnürstiefeln und seidenen, wiederum mit Pelz garnirten Mützen, von denen nach rückwärts drei Bänder hinausflatterten. Endlich sah man auch tiefdunkle Afghanen; Araber, wahre Musterbilder der schönen semitischen Racen und Turkomanen mit engen gedrückten Augen, an denen die Lider ganz zu fehlen schienen, – Alle vereinigt unter der Kriegsfahne des Emirs, einer Fahne von Mordbrennern und zerstörungssüchtigen Horden. Neben diesen freien Soldaten fand sich auch noch eine gewisse Anzahl Sklavenhaufen, vorzüglich Perser, welche von eingeborenen Anführern befehligt und in der Armee Feofar-Khans keineswegs gering geschätzt wurden. Rechne man hierzu noch die als Diener fungirenden Juden in ihrem mittels eines Strickes zusammengehaltenen langen Rocke, den Kopf, an Stelle des ihnen verbotenen Turbans, bedeckt mit einem dunkelfarbigen Tuchkäppchen, und endlich darunter gemischt noch Hunderte „Kalender“, eine Art religiöser Bettler in zerfetzter, mit einem Leopardenfelle nothdürftig bedeckter Kleidung, so wird man zu einer nahezu vollständigen Vorstellung des fast unübersehbaren Gemisches der verschiedenen Völker und Stämme gelangen, welche die Tartarenarmee bildeten. Fünfzigtausend Soldaten der Armee waren beritten und die Pferde derselben nicht minder verschieden, als die Mannschaften. Unter den Thieren, die zu je zehn an zwei parallelen Stricken angebunden und deren Schweife in Knoten geknüpft, deren Rücken aber mit einem seidenen Netze bedeckt waren, unterschied man die feingebauten, großen Turkomanen mit glänzendem Haar und stolzer Haltung; die ausdauernden, kräftigen Usbecks; die Khokhandiner, welche außer ihrem Reiter noch zwei Zelte und eine ganze Kücheneinrichtung tragen; die hellfarbigen Kirghisenrosse, die von den Ufern des Emba-Flusses herstammen, wo man sie mittels „Arkan“, d. i. der Lasso der Tartaren, einfängt, und endlich viele andere Abkömmlinge gekreuzter Racen von geringerem Werthe. Lastthiere zählten hier ebenfalls nach Tausenden. Hier fanden sich kleinere, aber wohlgebaute Kameele mit langer Behaarung, deren dichte Mähne ihren Hals verhüllte, gelehrige und leichter als die Dromedare zähmbare Thiere; ferner einhöckerige „Nars“ mit rothgelbem, gelocktem Felle; endlich eine Menge Esel, welche unverdrossen ihre Arbeit leisten und deren sehr geschätztes Fleisch zum nicht geringen Theile die Nahrung der Tartaren ausmacht. Ueber diese ganze Masse von Menschen und Thieren, über diese ungeheuren Haufen von Zelten verbreiteten in größeren Gruppen zusammen stehende Cedern und Fichten einen angenehmen, erfrischenden Schatten, der da und dort durch einige besonnte Stellen unterbrochen wurde. Das Bild bot einen höchst pittoresken Anblick, zu dessen Wiedergabe ein Maler wohl alle Farben seiner Palette hätte erschöpfen müssen. Als die bei Kolyvan gemachten Gefangenen vor den Zelten Feofar’s und der Großwürdenträger des Khanates anlangten, wirbelten die Trommeln und schmetterten die Trompeten. Zu dem entsetzlichen Getöse mischte sich aber auch noch das Knattern von Gewehrfeuer und der Donner vier- und sechspfündiger Geschütze, welche die Artillerie des Emirs bildeten. Feofar lebte hier unter rein militärischer Umgebung und Lebensweise. Seine Haushaltung und sein Harem befanden sich, ebenso wie die seiner Bundesgenossen, jetzt in Tomsk, das in den Händen der Tartaren war. Nach Aufhebung des Lagers sollte der Sitz des Emirs ebendahin verlegt werden, bis er diese Residenz endlich mit der Hauptstadt von Ostsibirien endgiltig zu vertauschen hoffte. Feofar’s Fürstenzelt überragte die Zelte seiner Nachbarn. Errichtet aus breiten Stücken eines prachtvollen Seidenstoffes, den Schnuren mit goldenen Fransen zusammenhielten, überragt von dichten Troddeln, welche der Luftzug fächerartig hin und her wiegte, nahm es den Mittelpunkt einer weiten Lichtung ein, die im Vordergrunde durch prächtige Birken und gigantische Fichten abgeschlossen war. Vor diesem Zelte lag auf einem glänzenden, feinen, mit Edelsteinen ausgelegten Tische geöffnet der heilige Koran, dessen Blätter aus ganz dünnen, fein gravirten Goldplättchen bestanden. Darüber flatterte die tartarische Fahne. Am Umfange der Lichtung erhoben sich im Halbkreise die Zelte der höchsten Beamten von Bukhara. Da wohnten der Großstallmeister, dem das Recht zusteht, dem Emir bis in den Hof seines Palastes zu Pferde zu folgen; der Groß-Falkenier, der „Housch-Begui“, d. i. der Siegelbewahrer des Herrschers, der „Toptschi-Baschi“, d. i. der Oberbefehlshaber der Artillerie, der „Khodja“ oder Vorsitzende des Großen Rathes, der von dem Fürsten geküßt wird und sich vor ihm mit offenem Gürtel zeigen darf, der „Scheik-ul-Islam“, der Erste der Ulemas und Vertreter der Priesterkaste, der „Cazi-Askev“, der in Abwesenheit des Emirs über alle Streitfragen zwischen Militärs zu entscheiden hat, und endlich der Chef der Astrologen, deren Hauptgeschäft es ist, die Sterne zu befragen, sobald der Khan beabsichtigt, seinen Aufenthalt zu wechseln. Der Emir befand sich, als die Gefangenen in das Lager getrieben wurden, glücklicher Weise in seinem Zelte. Eine Handbewegung, ein Wort von ihm hätte wohl hingereicht, ein blutiges Strafgericht in Scene zu setzen. Er hielt sich aber zurück in jener Isolirtheit, welche zum Theil die Majestät der orientalischen Fürsten erhält. Man bewundert Den, der sich nicht zeigt, und fürchtet ihn mehr. Die Gefangenen selbst wurden in einer Umzäunung eingepfercht, wo sie mißhandelt, nur nothdürftig ernährt und allen verderblichen Einflüssen des Klimas ausgesetzt, der Entscheidung Feofar’s entgegen harrten. Der gelehrigste von Allen, wenn auch nicht der geduldigste, war gewiß Michael Strogoff. Er ließ sich gern führen, denn man führte ihn dahin, wohin er selbst wollte, und das in verhältnißmäßiger Sicherheit, die er, frei und allein reisend, auf dem Wege von Kolyvan nach Tomsk nie hätte finden können. Eine Flucht vor Erreichung letzterer Stadt hätte ihn unzweifelhaft in die Hände der Plänkler zurück geliefert, welche die umgebende Steppe durchschwärmten. Die östlichste, von den Schaaren der Meuterer zur Zeit besetzte Linie lag nicht über dem zweiundachtzigsten Meridian, welcher Tomsk durchschneidet, hinaus. Nach Ueberschreitung dieses Meridianes durfte Michael Strogoff darauf rechnen, sich außerhalb des von Feinden überschwemmten Gebietes zu befinden, den Yeniseï gefahrlos zu passiren und Krasnojarsk zu erreichen, bevor Feofar-Khan auch diese Provinz besetzte. „Einmal in Tomsk, wiederholte er sich manchmal, um einige Regung seiner Ungeduld, deren er nicht völlig Meister werden konnte, zu unterdrücken, werde ich binnen wenigen Minuten über die Vorpostenkette hinaus sein, und zwölf Stunden vor Feofar, zwölf Stunden nur vor Ogareff voraus zu sein, das genügt mir, um ihnen nach Irkutsk zuvor zu kommen!“ Was Michael Strogoff am meisten fürchtete und wohl auch fürchten mußte, das war die Anwesenheit Iwan Ogareff’s in dem tartarischen Lager. Abgesehen von der Gefahr, erkannt zu werden, verrieth ihm ein gewisser Instinct, daß es für ihn von besonderer Wichtigkeit sei, gerade diesem Verräther zuvor zu kommen. Er sah auch recht wohl ein, daß durch die Vereinigung der Heeresabtheilungen Iwan Ogareff’s und Feofar-Khan’s die feindliche Armee nun vollzählig wurde und mit aller Macht nach der ostsibirischen Hauptstadt zu aufbrechen werde. Eben diese Aussicht erregte in ihm aber die schwersten Befürchtungen, und aufmerksam lauschte er auf jeden schmetternden Trompetenstoß, ob dieser etwa das Eintreffen jenes Unterbefehlshabers des Emirs verkünde. An solche Gedanken reihten sich dann noch die Erinnerungen an seine Mutter und an Nadia, deren Erstere in Omsk zurück geblieben, die Andere auf den Barken des Irtysch weggeschleppt worden war. Unzweifelhaft seufzte diese ebenso wie Marfa Strogoff in harter Gefangenschaft. Und er vermochte Nichts für sie zu thun! Würde er jene Zwei überhaupt wiedersehen? Krampfhaft zuckte ihm das Herz bei dieser Frage, welche er sich nicht zu beantworten wagte. Gleichzeitig mit Michael Strogoff und vielen anderen Gefangenen waren auch Harry Blount und Alcide Jolivet in das Tartarenfeldlager transportirt worden. Ihr früherer Reisegefährte wußte zwar, daß Jene in derselben dicht mit Wachtposten besetzten Umzäunung untergebracht waren, er hatte sich ihnen aber nicht zu nähern gesucht. Nur wenig kümmerte es ihn jedoch, was sie über ihn bezüglich des Auftrittes im Posthofe zu Ichim denken möchten; er wollte vielmehr allein sein, um im gegebenen Fall schneller allein handeln zu können. Deshalb hielt er sich stets mehr bei Seite. Alcide Jolivet hatte seit dem Augenblick, da sein College an seiner Seite fiel, diesem die größte Sorgfalt gewidmet. Von Kolyvan bis nach dem Lager, daher auf einem Wege von mehreren Stunden, konnte Harry Blount dadurch, daß er sich auf den Arm seines Rivalen stützte, dem Gefangenenzuge folgen. Erst wollte er sich in seiner Eigenschaft als Engländer legitimiren, das hätte ihm aber gegenüber diesen Barbaren, welche nur mit Lanzenstößen und Säbelhieben antworteten, nicht im mindesten genützt. Der ehrenwerthe Correspondent des Daily-Telegraph theilte also zunächst das Schicksal aller Uebrigen, und blieb es ihm überlassen, später zu reclamiren und Satisfaction für die erlittene Behandlung zu verlangen. Diesen Weg legte er aber seiner Wunde wegen nur mit der größten, schmerzlichen Anstrengung zurück, und ohne Alcide Jolivet’s Hilfe wäre er wohl kaum im Stande gewesen, das Lager zu erreichen. Alcide Jolivet, den seine praktische Philosophie niemals im Stiche ließ, hatte seinen Genossen physisch und moralisch durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel möglichst gestärkt. Als er sich unabwendbar in jene Hürde eingeschlossen sah, eilte er zunächst, Harry Blount’s Wunde zu untersuchen. Es gelang ihm recht gut, Jenen zu entkleiden, und er überzeugte sich, daß dessen Schulter nur von dem Sprengstück einer Kugel gestreift worden war. „O, es ist nichts! sagte er. Eine ganz einfache Schramme. Nach zwei oder drei kühlen Aufschlägen ist die ganze Sache vorüber. -- Aber diese nothwendigen Umschläge?... fragte Harry Blount. -- Die mache ich Ihnen selbst. -- Sie sind also ein wenig Arzt? -- Alle Franzosen sind halbe Aerzte!“ Nach dieser dreisten Versicherung zerriß Alcide Jolivet sein Taschentuch, zupfte aus einem Stücke desselben Charpie, legte ein anderes zu einem Tampon zusammen, holte aus einem in der Mitte des Platzes gelegenen Ziehbrunnen Wasser, wusch die glücklicher Weise nur leichte Wunde sorgfältig aus und legte mit großer Geschicklichkeit die feuchten Leinenstücke auf Harry Blount’s Schulter. „Ich behandle Sie mit Wasser, sagte er. Diese Flüssigkeit ist das wirksamste Sedativum, das man bei der Behandlung von Verwundungen kennt, und wird jetzt auch ganz allgemein angewendet. Die Aerzte haben nur 6000 Jahre gebraucht, um das zu entdecken! Ja, in runder Zahl so gegen 6000 Jahre! -- Ich danke Ihnen, Herr Jolivet, erwiderte Harry Blount, indem er sich auf ein Lager von dürren Blättern hinstreckte, das sein Begleiter ihm im Schatten einer Birke zurecht gemacht hatte. -- Ei, das ist ja nicht der Rede werth. Sie hätten an meiner Stelle dasselbe gethan. -- Ja, ich weiß nicht ... antwortete Harry Blount ziemlich naiv. -- Sie Spaßvogel! Alle Engländer sind edelmüthig! -- Gewiß, aber die Franzosen ...? -- Nun ja, die Franzosen sind gut, vielleicht sogar etwas einfältig; aber was das wieder gut macht, ist, daß sie eben Franzosen sind. Doch sprechen wir nicht mehr davon, oder noch besser, sprechen wir jetzt lieber gar nicht mehr. Sie brauchen nun vor allen Dingen Ruhe.“ Harry Blount hatte aber verzweifelt wenig Lust zu schweigen. Wenn er als Verwundeter vernünftiger Weise daran denken konnte, zu schlafen, so war das doch mit ihm als Correspondenten des Daily-Telegraph keineswegs der Fall. „Herr Jolivet, begann er, glauben Sie, daß unsere letzten Depeschen noch über die russische Grenze befördert worden sind? -- Wie kommen Sie darauf? antwortete Alcide Jolivet. Um die jetzige Stunde wird meine glückselige Cousine schon wissen, was von dem Treffen bei Kolyvan zu halten ist. -- Wie viele Exemplare dieser Depeschen druckt Ihre Cousine? forschte Harry Blount, der diese Frage zum ersten Male unumwunden an seinen Collegen richtete. -- Sehr gut! erwiderte lachend Alcide Jolivet. Meine Cousine ist eine ungemein discrete Person, die nicht gern von sich reden hört und unglücklich sein würde, wenn sie Ihnen den so nothwendigen Schlummer störte. -- Ich mag nicht schlafen, versetzte der Engländer. -- Was urtheilt Ihre Cousine wohl über die Sachlage? -- Nun, daß es mit den Russen augenblicklich nicht am besten steht. Doch, was da! die moskowitische Regierung ist mächtig, sie braucht sich wegen eines Barbareneinfalls nicht ernstlich zu beunruhigen, und Sibirien wird und kann ihr nicht verloren gehen. -- Ueberhebung hat schon die größten Reiche gestürzt! antwortete Harry Blount, der von einer gewissen „englischen“ Eifersüchtelei wegen der russischen Prätensionen in Centralasien nicht ganz frei war. -- O bitte, nur keine Politik treiben, rief Alcide Jolivet. Das ist von der Facultät untersagt! Für Schulterwunden giebt es gar nichts Gefährlicheres! ... Sie müßten denn dadurch einschlummern wollen! -- So sprechen wir davon, was uns zu thun übrig bleibt, lenkte Harry Blount ein. Ich, Herr Jolivet, verspüre nicht die mindeste Lust, hier unbedingt Gefangener der Tartaren zu bleiben. -- Ich bei Gott auch nicht! -- Wir werden uns bei erster bester Gelegenheit davon zu machen suchen. -- Ja, wenn’s zur Wiedererlangung unserer Freiheit kein anderes Mittel giebt. -- Wissen Sie ein anderes? fragte Harry Blount und sah seinen Begleiter erwartungsvoll an. -- Gewiß! Wir sind keine Combattanten, wir sind neutral und werden reclamiren. -- Bei Feofar-Khan? Bei diesem wilden Thiere? -- Nein, er verstände das nicht, erwiderte Alcide Jolivet; aber bei Iwan Ogareff, seinem Untergeneral. -- Der ist ein Schurke! -- Zugegeben; aber dieser Schurke ist wenigstens ein Russe. Er weiß, daß er mit dem Völkerrecht nicht spielen darf, und hat auch kein Interesse, uns zurückzuhalten. Von dem Herrn etwas zu verlangen, das soll mir nicht schwer werden. -- Dieser Herr befindet sich aber nicht im Lager, mindestens habe ich ihn noch nicht bemerkt, äußerte Harry Blount. -- Er wird hierher kommen. Das kann nicht fehlen. Er muß sich hier dem Emir anschließen. Jetzt ist Sibirien in zwei Kriegstheater getheilt, und offenbar erwartet ihn nur Feofar’s Armee, um nach Irkutsk abzumarschiren. -- Und was thun wir, wenn wir frei sind? -- Ei nun, wir setzen ebenfalls unsern Feldzug fort und folgen den Tartaren, bis sich Gelegenheit bietet, in das Lager der Gegner überzugehen. Zum Teufel, man darf doch nicht fahnenflüchtig werden! Wir stehen ja erst im Anfang. Sie, Herr College, haben schon das Glück gehabt, im Dienste des Daily-Telegraph eine Wunde davon zu tragen, aber ich, – ich habe im Dienste meiner Cousine noch gar nichts geleistet. Vorwärts! Vorwärts! – Ach, schön, fuhr Alcide Jolivet leiser fort, er schlummert ein. Einige Stunden Schlaf und ein Paar Compressen mit frischem Wasser, mehr bedarf es nicht, um einen Engländer wieder auf die Beine zu bringen. Diese Leute sind aus Eisenblech construirt!“ Und während Harry Blount der Ruhe genoß, wachte Alcide Jolivet an seiner Seite, nachdem er ein Taschenbuch hervor geholt hatte, das er mit Notizen bedeckte, gleichzeitig fest entschlossen, diese mit seinem Begleiter, gewiß zur größten Befriedigung der Abonnenten des Daily-Telegraph, ehrlich zu theilen. Der Gang der Ereignisse hatte die beiden Männer an einander geknüpft und sie weiterer Eifersüchtelei enthoben. Was also Michael Strogoff vor Allem fürchtete, gerade das wünschten die beiden Journalisten sehnsüchtig herbei. Das Erscheinen Iwan Ogareff’s mußte für diese offenbar von Vortheil sein, denn sobald ihre Eigenschaft eines englischen und französischen Correspondenten erst festgestellt war, 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599 600 601 602 603 604 605 606 607 608 609 610 611 612 613 614 615 616 617 618 619 620 621 622 623 624 625 626 627 628 629 630 631 632 633 634 635 636 637 638 639 640 641 642 643 644 645 646 647 648 649 650 651 652 653 654 655 656 657 658 659 660 661 662 663 664 665 666 667 668 669 670 671 672 673 674 675 676 677 678 679 680 681 682 683 684 685 686 687 688 689 690 691 692 693 694 695 696 697 698 699 700 701 702 703 704 705 706 707 708 709 710 711 712 713 714 715 716 717 718 719 720 721 722 723 724 725 726 727 728 729 730 731 732 733 734 735 736 737 738 739 740 741 742 743 744 745 746 747 748 749 750 751 752 753 754 755 756 757 758 759 760 761 762 763 764 765 766 767 768 769 770 771 772 773 774 775 776 777 778 779 780 781 782 783 784 785 786 787 788 789 790 791 792 793 794 795 796 797 798 799 800 801 802 803 804 805 806 807 808 809 810 811 812 813 814 815 816 817 818 819 820 821 822 823 824 825 826 827 828 829 830 831 832 833 834 835 836 837 838 839 840 841 842 843 844 845 846 847 848 849 850 851 852 853 854 855 856 857 858 859 860 861 862 863 864 865 866 867 868 869 870 871 872 873 874 875 876 877 878 879 880 881 882 883 884 885 886 887 888 889 890 891 892 893 894 895 896 897 898 899 900 901 902 903 904 905 906 907 908 909 910 911 912 913 914 915 916 917 918 919 920 921 922 923 924 925 926 927 928 929 930 931 932 933 934 935 936 937 938 939 940 941 942 943 944 945 946 947 948 949 950 951 952 953 954 955 956 957 958 959 960 961 962 963 964 965 966 967 968 969 970 971 972 973 974 975 976 977 978 979 980 981 982 983 984 985 986 987 988 989 990 991 992 993 994 995 996 997 998 999 1000