Da sprang er schnell hinter den Wagen, aus der Gefahr schöpfte er eine
fast übermenschliche Kraft, stemmte den Rücken gegen die Achse, die Füße
fest auf den Boden und drängte das schwerfällige Fuhrwerk einige Schritte
vorwärts.
Der gewaltige Block flog vorüber, streifte dem jungen Manne fast die Brust
und benahm ihm den Athem, wie eine vorbeisausende Kanonenkugel. Knisternd
und Funken sprühend zersprangen die Steine auf der Straße.
„Bruder!“ hatte zum Tode erschrocken Nadia gerufen, welche die ganze Scene
beim Leuchten eines Blitzes mit angesehen hatte.
-- Nadia! antwortete Michael Strogoff, keine Furcht, Nadia!
-- Um meinetwillen könnte ich mich niemals fürchten.
-- Gott ist mit uns, Schwester!
-- Mit mir gewiß, Bruder, da er mich auf Deinen Weg geleitet hat!“ sagte
halblaut das junge Mädchen.
Der Anstoß, den der Tarantaß durch Michael Strogoff’s Anstrengung erhielt,
sollte nicht verloren sein. Er ward zur Anregung für die stutzenden
Pferde, die frühere Richtung wieder einzuschlagen. Von Michael Strogoff
und dem Jemschik so zu sagen gezerrt, klommen sie bergauf bis zu einem
schmalen von Norden nach Süden verlaufenden Kamme, wo sie gegen den
directen Anprall des Unwetters einigermaßen gesichert waren. Die Berglehne
zur Rechten bildete hier eine Art Sägewerk durch einen vorspringenden
Felsen, der sich mitten in einem schäumenden Wildwasser erhob. Hier
wüthete wenigstens kein gefahrdrohender Wirbelwind und der Platz schien
einigermaßen haltbar, während in der Peripherie dieser scheinbaren Cyclone
sich gewiß kein Mensch oder Thier hätte aufrecht erhalten können.
Wirklich wurden einige Tannen, die mit ihren Wipfeln den Felsenscheitel
überragten, in einem Augenblick geköpft, so als sauste eine Riesensense
über die Hochfläche dahin.
Das Unwetter tobte jetzt in vollster Wuth. Grell flammten die Blitze in
den Engpaß hinein und in einem Athem rollte der furchtbare Donner. Der
Boden schien unter den furchtbaren Schlägen zu erzittern, so als würde die
ganze Uralkette erschüttert.
Zum Glück hatte man den Tarantaß in einer tiefen Felsenaushöhlung ziemlich
gut unterbringen können, wo ihn der Sturm nur etwas von der Seite traf;
doch war er nicht so vollkommen geschützt, daß er nicht manchmal durch
einige von den Bergvorsprüngen abgeleitete Seitenströmungen tüchtig
geschüttelt worden wäre. Dabei stieß er wohl gegen die Felsmauer, daß man
befürchten mußte, ihn in tausend Trümmer zersplittert zu sehen.
Nadia mußte den von ihr eingenommenen Platz verlassen. Michael Strogoff
fand bei einer Nachsuchung mit Hilfe einer Laterne eine kleine Aushöhlung,
die wahrscheinlich nur von der Spitzhaue eines Bergmanns herrührte und in
welche sich das junge Mädchen verkriechen mußte, bis es möglich würde, die
Fahrt wieder fortzusetzen.
Jetzt begann – es war gegen ein Uhr Morgens – der Regen in Strömen
herabzustürzen, und nun wuchsen die aus Luft und Wasser gemengten
Sturmwehen zu einer ungeheuren Gewalt an, ohne das Feuer des Himmels zu
verlöschen. Unter diesen Verhältnissen war an den Wiederaufbruch natürlich
gar nicht zu denken.
Trotz aller Ungeduld Michael Strogoff’s – und man begreift wohl, wie groß
diese war – mußte er doch das schlimmste Unwetter erst vorübergehen
lassen. Da übrigens der Bergrücken, über den die Straße von Perm nach
Jekaterinenburg führt, schon erreicht war, so handelte es sich nur noch
darum, die Bergabhänge des Ural hinabzufahren, und eine solche Thalfahrt,
jetzt, über einen von unzähligen Bergbächen durchwühlten Boden, mitten in
dem Sturm und den Regenschauern, hieß wirklich das Leben auf’s Spiel
setzen, dem Verderben selbst entgegen eilen.
„Abwarten – es ist schwer, sagte da Michael Strogoff, aber es sichert doch
gegen vielleicht noch längere Verzögerungen. Die Heftigkeit des Gewitters
läßt mich annehmen, daß es nur von kurzer Dauer sein werde. Gegen drei Uhr
muß der Tag grauen, und wenn wir es gar nicht wagen dürfen, in der
Finsterniß bergab zu fahren, so wird das nach Sonnenaufgang wenn auch
nicht leicht, so doch mindestens ausführbar sein.
-- So wollen wir warten, Bruder, erwiderte Nadia, doch wenn Du die Abfahrt
aufschiebst, so geschehe es nicht, um mir eine Anstrengung oder Gefahr zu
ersparen.
-- Ich weiß es, Nadia, daß Du entschlossen bist, Alles zu wagen; wenn ich
uns Beide aber bloßstelle, dann setze ich einen noch höheren Preis ein,
als mein Leben oder das Deinige, dann entziehe ich mich der Pflicht und
dem Auftrage, die ich vor Allem zu erfüllen habe.
-- Einer Pflicht!...“ murmelte Nadia.
Eben zerriß ein grellleuchtender Blitz den Himmel und schien den Regen
gleichsam zu zerstäuben. Gleichzeitig vernahm man einen kurzen, trockenen
Krach. Die Luft erfüllte sich mit schwefeligem, fast erstickendem Geruche
und eine zwanzig Schritte von dem Tarantaß entfernte Gruppe alter Kiefern
flammte, von dem elektrischen Fluidum entzündet, gleich einer
Gigantenfackel lodernd in die Höhe.
Der Jemschik stürzte, wie von einem Rückschlag getroffen, zu Boden, erhob
sich aber glücklicher Weise unverletzt wieder.
Hierauf, als das letzte Rollen des Donners sich in den Tiefen des Gebirges
verloren hatte, fühlte Michael Strogoff seine Hand fest von der Nadia’s
ergriffen und hörte sie die Worte in sein Ohr sprechen:
„Hilferufe, Bruder! Hörst Du sie?“
Elftes Capitel.
Reisende in Noth.
Wirklich vernahm man in der kurzen Ruhepause weiter oben von der Straße
her und unfern der Aushöhlung, welche den Tarantaß deckte, wiederholtes
Hilferufen.
Es klang wie ein verzweifelter letzter Rettungsversuch, der offenbar von
irgend einem gefährdeten Reisenden ausging.
Michael Strogoff lauschte aufmerksam.
Der Jemschik horchte gleichfalls auf, aber mit einem Kopfschütteln, so als
scheine es ihm unmöglich, hier Beistand zu leisten.
„Das sind Reisende, welche um Hilfe bitten, rief Nadia.
-- Auf uns werden sie nicht zählen dürfen!... fiel rasch der Jemschik ein.
-- Und warum das nicht? fragte Michael Strogoff etwas streng. Was Jene
unter gleichen Verhältnissen gewiß für uns thun würden, sollen wir das
unversucht lassen?
-- Ihr setzt aber Pferde und Wagen auf’s Spiel!...
-- Ich werde zu Fuß gehen, unterbrach Michael Strogoff den besorgten
Geschirrführer.
-- Und ich begleite Dich, Bruder, erbot sich die junge Liefländerin.
-- Nein, bleibe, Nadia. Der Jemschik wird bei Dir sein. Ich möchte diesen
nicht allein lassen ...
-- So werd’ ich dableiben, erwiderte Nadia.
-- Was auch geschehe, verlasse diese geschützte Stelle nicht!
-- Du wirst mich da wieder finden, wo ich jetzt bin.“
Michael Strogoff drückte dankend die Hand seiner Gefährtin, eilte nach der
Ecke des Abhangs und verschwand bald im Dunklen.
„Dein Bruder handelt unrecht, sagte der Jemschik zu dem jungen Mädchen.
-- Er handelt recht“, antwortete einfach Nadia.
Inzwischen klomm Michael Strogoff rasch bergan. Wenn er große Eile hatte
den Bedrängten, welche jene Rufe erschallen ließen, helfend beizuspringen,
so war doch auch sein Wunsch nicht minder groß, zu erfahren, wer jene
Reisenden sein möchten, die auch dieses Unwetter nicht abgehalten hatte,
sich in die Berge zu wagen, denn er zweifelte gar nicht daran, daß es
dieselben Leute seien, deren Teleg immer seinem Tarantaß vorausrollte.
Der Regen hatte jetzt nachgelassen, aber der Sturm tobte eher mit
verdoppelter Wuth. Die Ausrufe, welche der Wind mit dahertrug, wurden
immer deutlicher. Von der Stelle, an der Michael Strogoff Nadia zurück
gelassen hatte, war nichts zu sehen. Die Straße verlief mehrfach gekrümmt
und der bläuliche Schein der Blitze erleuchtete nur den Bergvorsprung, der
sich in einen solchen Straßenbogen hineinschob. Der Wind bildete, indem er
sich an allen jenen Ecken und Kanten brach, sehr schwer zu passirende
Wirbel, denen Michael Strogoff nur mit dem Aufgebot aller Kräfte zu
widerstehen vermochte.
Jedoch, es zeigte sich sehr bald, daß die Reisenden, von denen jene
Hilferufe ausgingen, nicht mehr sehr fern sein konnten. Waren sie für
Michael Strogoff auch noch nicht sichtbar – ob das nun daher kam, daß Jene
sich nicht auf der Straße selbst befanden, oder daß nur die herrschende
Dunkelheit sie seinen Blicken noch verbarg, – jedenfalls verstand er ihre
Worte schon ganz deutlich.
Da hörte er denn, – natürlich zu seiner nicht geringen Verwunderung, –
Folgendes:
„Wirst Du wohl zurückkommen, Schlingel?
-- Dich erwartet die Knute auf dem nächsten Relais.
-- Hörst Du, Du Postillon der Hölle! He! Du, da unten!
-- So wird man in diesem verwünschten Lande befördert.
-- Und das nennen sie einen Teleg!
-- He, Du dreifacher Erztölpel! – Da reißt er aus und scheint’s gar nicht
zu bemerken, daß er uns hier sitzen gelassen hat!
-- Nein, mich so zu behandeln! Mich, einen wohlbeglaubigten Engländer! Ich
werde mich beim Kanzleramte beklagen und den Burschen dingfest machen
lassen!“
Der, welcher diese Worte herauspolterte, schäumte vor Wuth. Aber plötzlich
schien es Michael Strogoff, als ob ein Zweiter die Situation von ganz
anderer Seite betrachtete, denn er hörte nach einem hellen, bei solcher
Scene gewiß unerwarteten Gelächter die Worte:
„Bei Gott, diese Geschichte ist gar zu drollig!
-- Was? Sie wagen auch noch zu lachen? entgegnete in ärgerlichem Tone der
Bürger des Vereinigten Königreichs.
-- Natürlich, lieber College, und ganz aus vollem Herzen; was soll ich denn
Besseres dabei thun! Ich rathe Ihnen, es ebenso zu machen! Auf Ehrenwort!
Das ist gar zu drollig, das ist noch gar nicht dagewesen!...“
Da erfüllte ein heftiger Donnerschlag den Engpaß mit schrecklichem
Krachen, das der Widerhall der Berge noch mächtig verstärkte. Dann, als
das letzte schwache Rollen verlöscht war, ließ sich wiederum die lustige
Stimme vernehmen:
„Ja, ja, ganz ausnehmend drollig! Das könnte in Frankreich wahrlich nicht
passiren!
-- In England auch nicht!“ antwortete der Brite.
Beim Scheine der Blitze sah jetzt Michael Strogoff auf der Straße und
gegen zwanzig Schritt vor sich zwei Männer auf dem hohen Rücksitz eines
sonderbaren Fuhrwerks, das in dem tiefen Schlamme eines ausgefahrenen
Geleises fest zu sitzen schien.
Michael Strogoff näherte sich den beiden Reisenden, deren Einer immer
weiter lachte, der Andre unverdrossen weiter schimpfte, und erkannte bald
die beiden Zeitungscorrespondenten, welche auf dem „Kaukasus“ den Weg von
Nishny-Nowgorod nach Perm mit ihm zurückgelegt hatten.
„Ei guten Tag, mein Herr! rief der Franzose. Sehr erfreut, Sie unter
diesen Umständen wieder zu sehen! Erlauben Sie, Ihnen meinen intimsten
Feind, Herrn Blount, hier vorzustellen.“
Der englische Reporter grüßte und vielleicht wollte er nach allen Regeln
des Anstandes eben seinerseits seinen Collegen Alcide Jolivet vorstellen,
als ihn Michael Strogoff unterbrach:
„Nicht nöthig, meine Herren, wir kennen uns ja wohl, da wir die Wolga
gemeinschaftlich befahren haben.
-- Ah, sehr gut! Ganz richtig! Herr ...?
-- Nicolaus Korpanoff, Kaufmann aus Irkutsk, antwortete Michael Strogoff.
Aber wollen Sie mich wissen lassen, welcher für den Einen so erheiternde,
für den Andern so beklagenswerthe Unfall sich hier zugetragen hat?
-- Gut, ich rufe Sie als Richter an, Herr Korpanoff, entgegnete Alcide
Jolivet. Stellen Sie sich vor, daß unser Postillon mit dem Vordertheile
seines vermaledeiten Fuhrwerks davon gefahren ist und hat uns hier ruhig
sitzen lassen mit sammt dem Hintertheile seines nichtswürdigen Fahrzeugs.
Da haben wir nun die schlechtere Hälfte eines Telegs für uns Zwei, aber
keinen wegekundigen Kutscher, keine Pferde mehr! Ist das nicht unbedingt
und über alle Maßen drollig?
-- Ich finde gar nichts Lächerliches dabei! knurrte der Engländer.
-- Und doch, College! Sie verstehen die Sache nur nicht von ihrer besten
Seite anzusehen.
-- Aber wie denken Sie denn, daß es möglich werden soll, unsern Weg
fortzusetzen? fragte Harry Blount.
-- Nichts einfacher als das, spottete Alcide Jolivet. Sie spannen sich
beispielsweise vor das uns verbliebene Restchen des Wagens; ich ergreife
die Zügel, ich nenne Sie ‚mein Täubchen‘, wie ein leibhaftiger Jemschik,
und Sie trotten dann drauf los, ganz wie ein ...
-- Herr Jolivet, fiel der Engländer ein, ein solcher Scherz geht zu weit
und ...
-- O, beruhigen Sie sich, Herr College. Sobald Sie sich verfangen haben,
trete ich an Ihre Stelle und Sie mögen mich dann als engbrüstige Schnecke
oder ohnmächtige Schildkröte behandeln, wenn ich Sie nicht in einem
Höllengalop dahinfahre!“
Alcide Jolivet schüttelte das Alles mit einem so liebenswürdigen Humor
hervor, daß Michael Strogoff sich eines Lächelns nicht enthalten konnte.
„Meine Herren, nahm er darauf das Wort, da weiß ich doch besseren Rath.
Wir befinden uns jetzt hier sehr nahe dem höchsten Kamme des Ural und
folglich haben wir den Gebirgsabhang nur noch hinabzufahren. Mein Wagen
befindet sich fünfhundert Schritt weiter rückwärts. Ich will Ihnen eines
meiner Pferde abtreten, das spannen wir vor den Rest Ihres Telegs und
kommen, wenn uns kein Zwischenfall abhält, morgen zusammen in
Jekaterinenburg an.
-- Herr Korpanoff, sagte Alcide Jolivet verbindlich, das ist ein Vorschlag,
der aus sehr edelmüthigem Herzen kommt.
-- Ich bemerke noch, mein Herr, daß ich Ihnen deshalb nicht anbiete meinen
Tarantaß mit zu benutzen, weil er nur zwei Plätze enthält, die ich mit
meiner Schwester nothwendiger Weise selbst brauche.
-- O, keine Entschuldigungen, mein Herr, antwortete Alcide Jolivet, mein
College und ich würden mit Ihrem Pferde und dem Hintertheil unsers
Halbtelegs nöthigenfalls bis an’s Ende der Welt kommen.
-- Mein Herr, fiel nun auch Harry Blount ein, wir nehmen Ihren großmüthigen
Vorschlag an. Aber jener Jemschik ...
-- O glauben Sie, es wird nicht das erste Mal gewesen sein, daß ihm solch’
kleiner Unfall zustieß, bemerkte Michael Strogoff.
-- Nun, warum kehrt er dann aber nicht zurück? Er wird recht gut wissen,
daß er uns hier im Stiche gelassen hat, der Elende!
-- Er!? Er weiß sicher kein Sterbenswörtchen davon.
-- Was? Dieser brave Kerl sollte die Zerreißung des Telegs in zwei Hälften
gar nicht bemerkt haben?
-- Nein, sicherlich nicht; der bringt seinen Vordertheil im besten Glauben
von der Welt nach Jekaterinenburg hinein.
-- Sagt’ ich es Ihnen nicht vorher, Herr College, rief lachend Alcide
Jolivet, daß uns nur die allerlustigste Geschichte passirt sei?
-- Nun denn, meine Herren, mahnte Michael Strogoff, wenn es Ihnen gefällig
ist mir zu folgen und meinen Wagen aufzusuchen ...
-- Aber der Teleg? bemerkte der Engländer.
-- Fürchten Sie nicht, daß er uns davon fliege, mein lieber Blount,
tröstete Alcide Jolivet, der steht hier so gut im Erdboden fest gewurzelt,
daß er kommendes Frühjahr Knospen treiben müßte, wenn man ihn stehen
ließe.
-- Kommen Sie also, meine Herren, sagte Michael Strogoff, wir wollen den
Tarantaß nun hierher schaffen.“
Der Franzose und der Engländer verließen ihre Bank, die aus einem Rücksitz
zum Vordersitz geworden war, und folgten Michael Strogoff.
Auch unterwegs plauderte Alcide Jolivet immer weiter in seiner
rosenfarbenen Laune, welche eben Nichts zu zerstören im Stande war.
„Meiner Treu, Herr Korpanoff, wandte er sich an Michael Strogoff, Sie
ziehen uns hier allerdings aus einer argen Verlegenheit.
-- Ich that noch weiter nichts, mein Herr, erwiderte Michael Strogoff, als
was jeder Andere an meiner Stelle ebenfalls gethan hätte. Wenn sich
Reisende erst nicht mehr gegenseitig unterstützen wollen, möge man lieber
gleich die Landstraßen sperren.
-- Wir bleiben Ihnen zu Gegendiensten verbunden, mein Herr. Im Fall Sie
weit durch die Steppe reisen, könnten wir uns wohl auch noch einmal
begegnen, und ...“
Alcide Jolivet fragte zwar nicht direct, wohin Michael Strogoff ginge,
dieser aber erwiderte, um sich nicht den Schein der Heimlichthuerei zu
geben:
„Ich reise nach Omsk, meine Herren.
-- Und Herr Blount und ich, erklärte Alcide Jolivet, wir reisen eigentlich
nur der Nase nach, dahin, wo es vielleicht eine Kugel, jedenfalls aber
Neuigkeiten zu erwischen giebt.
-- Nach den empörten Provinzen? fragte Michael Strogoff mit einem gewissen
Eifer.
-- Ganz recht, Herr Korpanoff, und wahrscheinlich begegnen wir uns dort
wohl nicht wieder!
-- Wahrlich, mein Herr, antwortete Michael Strogoff, ich bin gar nicht
lüstern nach einer Büchsenkugel oder einem Lanzenstiche und zu
friedliebender Natur, um mich unnöthig dahin zu begeben, wo man sich
herumschlägt.
-- Bedaure, mein Herr, bedaure, es sollte uns gewiß leid thun, so schnell
von Ihnen wieder Abschied zu nehmen. Vielleicht will es unser guter Stern
aber doch, daß wir wenigstens von Jekaterinenburg aus noch ein Stück Weges
zusammen zurücklegen, und wäre es nur während weniger Tage?
-- Sie gehen vielleicht auch nach Omsk? fragte Michael Strogoff nach kurzer
Ueberlegung.
-- Das wissen wir freilich selbst noch nicht, erwiderte Alcide Jolivet.
Jedenfalls wenden wir uns direct nach Ichim und dort werden die
Verhältnisse unseren weiteren Weg bestimmen.
-- Nun wohl, meine Herren, sagte Michael Strogoff, bis nach Ichim werden
wir also zusammen sein.“
Michael Strogoff hätte es gewiß vorgezogen, allein zu reisen, er konnte
sich aber, ohne damit aufzufallen, nicht wohl von den beiden Reisenden
absondern, welche des nämlichen Weges zogen wie er. Bei der von Alcide
Jolivet ausgesprochenen Absicht, sammt seinem Begleiter in Ichim Halt zu
machen und nicht unmittelbar nach Omsk weiter zu gehen, lag für ihn
übrigens kein besonderer Grund vor, diesen Theil der Reise in ihrer
Gesellschaft zurück zu legen.
„Also, meine Herren, es ist abgemacht. Wir reisen zusammen.“
Dann setzte er mit möglichst gleichgiltigem Tone hinzu:
„Haben Sie vielleicht einige sicherere Nachrichten über den
Tartareneinfall?
-- Leider nein, erwiderte Alcide Jolivet, wir wissen davon ebenso viel, als
in Perm allgemein bekannt war. Die Tartarenhaufen Feofar-Khan’s haben die
ganze Provinz Semipalatinsk überschwemmt und dringen jetzt in Eilmärschen
längs des Bettes des Irtysch vor. Sie werden sich also ein wenig beeilen
müssen, ihnen bis Omsk noch zuvorzukommen.
-- Ja, Sie haben Recht, bemerkte Michael Strogoff.
-- Dazu geht das Gerücht, es sei dem Oberst Ogareff gelungen, verkleidet
die Grenze zu passiren, und er werde sich, in der Mitte der insurgirten
Provinz, dem Tartarenchef unverzüglich anschließen.
-- Wie will man das aber wissen? warf Michael Strogoff ein, den diese mehr
oder weniger begründeten Neuigkeiten selbstverständlich sehr
interessirten.
-- Ei, so wie man eben Alles weiß, antwortete Alcide Jolivet; das liegt so
in der Luft.
-- Und Sie haben begründete Ursache zu glauben, daß Colonel Ogareff in
Sibirien sei?
-- Ich habe mindestens davon sprechen hören, daß er den Weg von Kasan nach
Jekaterinenburg eingeschlagen habe.
-- O, Sie wüßten das, Herr Jolivet? ließ sich da Harry Blount vernehmen,
den jene Bemerkung des französischen Correspondenten aus seiner
Schweigsamkeit aufrüttelte.
-- Ich wußte es, erwiderte Alcide Jolivet.
-- Und es war Ihnen auch bekannt, daß er als Zigeuner verkleidet ging?
fragte Harry Blount.
-- Als Zigeuner! rief Michael Strogoff fast unwillkürlich, da er sich der
Anwesenheit des alten Tsiganen in Nischny-Nowgorod, seiner Fahrt auf dem
„Kaukasus“ und seiner Ausschiffung in Kasan erinnerte.
-- Ich hatte davon eben genug erfahren, um darüber einen Brief an meine
Cousine zu richten, antwortete lächelnd Alcide Jolivet.
-- Sie haben in Kasan Ihre Zeit nicht verloren! bemerkte der Engländer in
trockenem Tone.
-- Gewiß nicht, liebster College, und während der ‚Kaukasus‘ sich
verproviantirte, that ich ganz dasselbe!“
Michael Strogoff achtete ferner nicht auf das Wortgeplänkel, das sich
zwischen Harry Blount und Alcide Jolivet entsponnen hatte. Er gedachte
jener Zigeunergruppe, jenes alten Tsiganen, dessen Gesicht er nicht
ordentlich sehen konnte, des fremden Weibes in seiner Begleitung, die
jenen sonderbaren Blick auf ihn geworfen hatte, und er bemühte sich, alle
Details jenes Zusammentreffens wieder im Gedächtniß aufzufrischen, als in
geringer Entfernung ein Knall hörbar wurde.
„Ah, vorwärts, meine Herren! rief Michael Strogoff.
-- Sieh da, ein braver Kaufmann, der die Flintenschüsse flieht, meinte
Alcide Jolivet, der läuft über Hals und Kopf dahin, wo er solche hört!“
Schnell eilte er aber sowohl selbst, als hinter ihm Harry Blount, der auch
nicht der Mann dazu war, feig zurück zu bleiben, Michael Strogoff
furchtlos nach.
Nach wenig Augenblicken befanden sich Alle bei dem Felsenvorsprunge, der
den Tarantaß deckte.
Noch loderten die Flammen aus der durch den Blitzschlag entzündeten
Fichtengruppe empor. Die Straße war leer. Und doch, Michael Strogoff
konnte sich unmöglich getäuscht haben; das mußte ein Gewehrschuß sein, der
vorher an sein Ohr schlug.
Da hörte man plötzlich ein schreckliches Brummen und am Abhange krachte
ein zweiter Schuß.
„Ein Bär! rief Michael Strogoff, dem jenes Brummen ja bekannt genug war.
Nadia! Nadia!“
Sein Dolchmesser aus dem Gürtel reißend stürzte Michael Strogoff hastig
vorwärts und lief um den Felsen, hinter dem das junge Mädchen zu warten
versprochen hatte.
Grell beleuchteten die von der Wurzel bis zum Gipfel brennenden Fichten
den Schauplatz.
In dem Augenblicke, als Michael Strogoff den Tarantaß erreichte, wälzte
sich ihm eine enorme Masse entgegen.
Es war ein ungeheurer Bär. Der Sturm mochte ihn aus dem Gehölz, das diese
Abhänge der Uralberge bedeckt, vertrieben und er eine Zuflucht in seiner
gewohnten Höhle gesucht haben, in derselben, welche eben Nadia deckte.
Zwei von den Pferden zerrissen da, erschreckt über den Anblick des
furchtbaren Raubgesellen, ihre Stränge und entflohen; der Jemschik, dem
nur seine Thiere am Herzen lagen und der dabei ganz vergaß, daß das junge
Mädchen nun allein dem Angriffe des Bären ausgesetzt blieb, jagte ihnen
nach.
Die muthige Nadia verlor den Kopf aber nicht. Das Thier mochte sie zuerst
nicht bemerkt haben, denn es stürzte sich auf das dritte Pferd. Nadia
schlüpfte aus der Höhlung, welche sie verbarg, lief nach dem Wagen,
ergriff einen von Michael Strogoff’s Revolvern, ging kaltblütig auf den
Bären los und feuerte auf ihn aus unmittelbarer Nähe.
Leicht an der Schulter verwundet hatte sich das Thier gegen das junge
Mädchen gewendet, die ihm auszuweichen suchte und um den Tarantaß lief,
dessen einzig übrig gebliebenes Pferd sich ebenfalls loszureißen suchte.
Verirrten sich diese Pferde aber alle in dem Gebirge, so war die ganze
Weiterfahrt zunächst in Frage gestellt. Nadia war also dem Bären wieder
entgegen getreten und gab mit bewunderungswürdig ruhigem Blute, gerade als
jener die gewaltigen Tatzen erhob, um auf sie niederzuschlagen, zum
zweiten Male Feuer.
Das war jener zweite Schuß, welcher ganz in der Nähe Michael Strogoff’s
aufblitzte. Mit einem Satze warf sich dieser zwischen den Bären und das
junge Mädchen. Sein Arm machte nur eine Bewegung von unten nach oben, und
das gewaltige Thier fiel, aufgeschlitzt vom Bauch bis zur Gurgel, eine
leblose Masse, vor ihm zusammen.
Es war ein hübsches Pröbchen jener Methode der sibirischen Jäger, die
stets darauf achten, das kostbare und von ihnen hoch im Preise gehaltene
Fell eines Bären nicht zu beschädigen.
„Du bist nicht verletzt, Schwester? war Michael Strogoff’s erste Frage,
als er sich zu dem jungen Mädchen wandte.
-- Nein, Bruder“, antwortete Nadia.
Gerade jetzt kamen auch die beiden Journalisten zur Stelle.
Alcide Jolivet sprang nach dem Kopfe des Pferdes, und er mußte wohl eine
kräftige Faust haben, denn es gelang ihm, jenes zu bändigen. Sein
Begleiter und er hatten den kurzen Kampf Michael Strogoff’s mit angesehen.
„Zum Teufel! platzte Alcide Jolivet heraus, für einen einfachen Kaufmann,
Herr Korpanoff, wissen Sie mit dem Jagdmesser doch recht leidlich
umzugehen.
-- Sogar sehr geschickt, fügte Harry Blount hinzu.
-- In Sibirien, meine Herren, antwortete Michael Strogoff, sind wir
genöthigt, uns um Alles ein wenig zu bekümmern.“
Alcide Jolivet betrachtete den jungen Mann.
Wie er so in voller Beleuchtung dastand, das blutige Waidmesser fest in
der Hand, den einen Fuß auf dem Körper des erlegten Bären, sah Michael
Strogoff bei seinem hohen Wuchse und dem entschlossenen Blicke wirklich
schön aus.
„Ein famoser Kerl!“ sagte Alcide Jolivet für sich.
Dann trat er respectvoll, den Hut in der Hand, vor und begrüßte das junge
Mädchen.
Nadia verneigte sich leicht.
Alcide Jolivet kehrte sich darauf nach seinem Begleiter um und sagte:
„Die Schwester ist des Bruders werth! Wenn ich ein Bär wäre, ich riebe
mich nicht an diesem ebenso achtunggebietenden als liebenswürdigen
Pärchen!“
Harry Blount stand, gerade wie eine Hopfenstange, mit abgezogenem Hute in
einiger Entfernung. Die zwanglose Höflichkeit seines Collegen vermehrte
nur seine natürliche Steifheit.
Jetzt erschien auch der Jemschik wieder, dem es gelungen war, seine beiden
Pferde wieder einzufangen. Er warf zuerst einen bedauernden Blick auf das
prächtige, am Boden liegende Thier, das hier als Beute für die Raubvögel
liegen bleiben sollte, und machte sich dann erst daran, das Geschirr
wieder in Ordnung zu bringen.
Michael Strogoff setzte ihn von der Lage der beiden andern Reisenden in
Kenntniß und sagte, daß er diesen ein Pferd vom Tarantaß zur Verfügung
stellen wolle.
„Ganz wie es Dir beliebt, entgegnete der Jemschik. Indeß, zwei Wagen statt
des einen ...
-- Schon gut, Freundchen, fiel Alcide Jolivet, der dieses Zögern schnell
genug verstand, ihm in’s Wort, Du wirst natürlich auch doppelte Bezahlung
erhalten.
-- Nun denn vorwärts, meine Turteltäubchen!“ rief der Jemschik.
Nadia hatte den Tarantaß wieder bestiegen, während Michael Strogoff und
seine Begleiter diesem zu Fuße nachfolgten.
Es mochte gegen drei Uhr sein. Der Sturm war nun im Abnehmen und jagte
nicht mehr mit unwiderstehlicher Gewalt durch den Hohlweg, so daß man
leidlich schnell vorwärts kam.
Mit dem ersten Schimmer des Morgenrothes hatte der Tarantaß das
Telegrestchen erreicht, das gewissenhaft bis zur Mitte der Räder in den
Schlamm eingesunken war. Man erkannte jetzt recht wohl, daß ein heftiger
Ruck der Bespannung die Trennung der beiden Wagentheile veranlaßt hatte.
Das eine der Seitenpferde des Tarantaß ward nun so gut es eben anging mit
Stricken an den Sitzkasten des Teleg gespannt. Die beiden Journalisten
nahmen auf der Bank ihres etwas sonderbaren Fahrzeugs Platz, und
gleichzeitig setzten sich beide Wagen in Bewegung. Uebrigens hatte man ja
nur die Bergabhänge des Ural hinunter zu fahren, was keine besondere
Schwierigkeit bot.
Sechs Stunden später langten die beiden Fuhrwerke eines dicht nach dem
anderen in Jekaterinenburg an, ohne daß ein weiterer Unfall diesen zweiten
Theil der Fahrt noch einmal unterbrochen hätte.
Das erste Individuum, das den Journalisten schon am Thore des Posthauses
in die Augen fiel, war ihr eigener Jemschik, der sie mit der größten
Gemüthsruhe zu erwarten schien.
Ohne alle Verlegenheit ging der gutmüthige Russe seinen Passagieren
lächelnd entgegen und streckte die Hand hin, um sein Trinkgeld
einzuheimsen.
Die Wahrheit verlangt es nicht zu verschweigen, daß Harry Blount’s Zorn
dabei mit voller britannischer Heftigkeit zum Ausbruch kam, und wäre der
Jemschik nicht klüglich zurückgewichen, so hätte ihm ein nach allen Regeln
der edlen Boxkunst geführter Faustschlag wohl sein ‚-na vodku-‘ mitten
in’s Gesicht gezeichnet.
Als Alcide Jolivet diesen Zornesausbruch sah, wand er sich fast vor Lachen
und jubelte auf, wie er vielleicht früher noch nie gelacht hatte.
„Er hat ja ganz Recht, der arme Teufel da! rief er. Er ist in seinem
vollen Rechte, lieber College! Das ist doch seine Schuld nicht, wenn wir
keine Mittel fanden, ihm zu folgen!“
Er zog einige Kopeken aus der Tasche.
„Da, Freundchen, sagte er, indem er sie dem Jemschik hinreichte, da,
steck’ sie ein. Wenn Du sie nicht verdient hast, war’s ja Deine Schuld
nicht!“
Das verdoppelte aber nur noch die Aufregung Harry Blount’s, der sich an
dem Postmeister schadlos halten und ihm einen Prozeß an den Hals werfen
wollte.
„Einen Prozeß! Und in Rußland! rief Alcide Jolivet; aber unter den
obwaltenden Verhältnissen, bester College, wären Sie nicht im Stande,
dessen Ende abzusehen. Da ist Ihnen die herrliche Geschichte von jener
russischen Amme wohl nicht bekannt, welche der Familie ihres Säuglings
gegenüber klagbar wurde, daß sie jenen weiter nähren wollte?
-- Ich kenne sie nicht, entgegnete Harry Blount.
-- Dann wissen Sie auch nicht, was aus jenem Säugling geworden war, als das
Gericht das Endurtheil zu seinen Gunsten fällte?
-- Und was, wenn ich bitten darf?
-- Ja, mein Gott, ein Oberst der Gardehusaren war aus ihm geworden!“
Alle brachen in helles Gelächter aus.
Alcide Jolivet holte in dieser lustigen Stimmung sein Notizbuch hervor und
bereicherte es, um einst in einem moskowitischen Wörterbuche zu figuriren,
durch folgende Bemerkung:
„Teleg, ein in Rußland gebräuchlicher Wagen, wenn er abfährt mit vier, –
wenn er ankommt mit zwei Rädern!“
Zwölftes Capitel.
Eine Herausforderung.
Jekaterinenburg ist seiner geographischen Lage nach eine Stadt Asiens,
denn es erhebt sich jenseit des Ural, auf den letzten Ausläufern der
östlichen Berglehne. Trotzdem gehört es zu dem Gouvernement von Perm und
bildet also einen Theil des ausgedehnten Gebietes des europäischen
Rußlands. Dieser administrative Uebergriff muß wohl seinen Grund haben. Er
betrifft ein Stück Sibirien, das zwischen den Kinnbacken Rußlands
verblieb.
Weder Michael Strogoff noch die beiden Berichterstatter konnten in einer
so großen, schon im Jahre 1723 gegründeten Stadt um die Beschaffung der
nöthigen weiteren Reisegelegenheit in Verlegenheit kommen.
In Jekaterinenburg befindet sich die erste und bedeutendste Münzstätte des
ganzen Reiches; dort domicilirt auch die kaiserliche Generaldirection der
Erzbergwerke. Die Stadt bildet also einen wichtigen industriellen
Mittelpunkt in einem Lande, wo Erzhütten, Gold- und Platinwäschereien fast
im Ueberfluß vorhanden sind.
Zu jener Zeit hatte die Bevölkerung Jekaterinenburgs sich ganz
ausnahmsweise stark vermehrt. Von dem feindlichen Einfall bedrohte Russen
und Sibirier strömten dort zusammen nach ihrer Flucht aus den von
Feofar-Khan’s Horden schon überflutheten Provinzen und vorzüglich aus dem
Lande der Kirghisen, das sich im Südwesten des Irtysch bis zu den Grenzen
von Turkestan ausdehnt.
Fehlten also die Beförderungsmittel sehr, um nach Jekaterinenburg zu
gelangen, so waren sie dagegen im Ueberfluß vorhanden, um diese Stadt
verlassen zu können. Bei der jetzigen Lage der Dinge fühlten die meisten
Fremden kein besonderes Verlangen, sich nach Sibirien hinein zu begeben.
Unter eben diesen Umständen gelang es Alcide Jolivet und Harry Blount
natürlich leicht, ihren Halbteleg durch einen completen Teleg zu ersetzen.
Was Michael Strogoff betrifft, so gehörte der Tarantaß ja ihm an;
letzterer hatte durch die Ueberschreitung der Uralkette auch nicht
sonderlich gelitten, und es bedurfte nur des Vorspanns dreier flotter
Pferde, um ihn schnell auf der Straße nach Irkutsk weiter zu befördern.
Bis Tiumen und selbst bis Novo-Zaimskoë verlief diese Straße noch sehr
hügelig, denn sie wand sich bis dahin über die launenhaften
Bodenerhebungen, welche die ersten Stufenwellen der Uralkette bilden.
Jenseit der Etappe Novo-Zaimskoë aber begann die grenzenlose Steppe, die
sich bis in die Nähe von Krasnojarsk erstreckt, d. h. über einen Raum von
1700 Werst (= 1815 Kilom.) Durchmesser.
Nach Ischim wollten sich die beiden Berichterstatter, wie wir es im
Vorigen erfahren haben, zunächst begeben; diese Stadt liegt 630 Werst von
Jekaterinenburg entfernt. Dort gedachten sie sich näher über den Verlauf
der Ereignisse zu unterrichten, und beabsichtigten von hier aus nach den
im Aufstand begriffenen Gegenden weiter zu ziehen, getrennt oder vereint,
je nachdem ihr Jägerinstinct sie auf die eine oder die andere Fährte
leiten würde.
Dieselbe Straße von Jekaterinenburg nach Ischim, – die sich auch nach
Irkutsk fortsetzt, – war aber auch diejenige, welche Michael Strogoff
unbedingt benutzen mußte. Da er jedoch nicht dem Einsammeln von
Tagesneuigkeiten nachging und das von den Rebellen besetzte Land eher zu
vermeiden als aufzusuchen alle Ursache hatte, so war er für seinen Theil
fest entschlossen, nirgends unnöthig eine Stunde zu verweilen.
„Meine Herrn, begann er also zu seinen neuen Begleitern, es wird mir sehr
angenehm sein, einen Theil der bevorstehenden Reise in Ihrer Gesellschaft
zurückzulegen, doch muß ich Sie im Voraus darauf aufmerksam machen, daß
ich die größte Eile habe, in Omsk anzukommen, denn meine Schwester und ich
wollen dort unsere Mutter treffen. Wer weiß, ob es uns überhaupt möglich
werden wird, diese Stadt zu erreichen, bevor sie den Tartaren in die Hände
fällt! Ich werde mich also auf den Relais nie längere Zeit aufhalten, als
das Umspannen der Pferde erfordert, und werde Tag und Nacht reisen.
-- Wir denken vorläufig nicht anders zu verfahren, bemerkte Harry Blount.
-- Nun gut, erwiderte Michael Strogoff, so verlieren Sie auch keinen
Augenblick. Miethen oder kaufen Sie einen Wagen, der ...
-- Der so freundlich ist, fügte Alcide Jolivet hinzu, mit wohl verbundenem
Vorder- und Hintertheil bei der nächsten Station anzukommen.“
Eine halbe Stunde später hatte der rührige Franzose denn auch ohne
besondere Mühe einen Tarantaß aufgetrieben, der dem Michael Strogoff’s
ziemlich ähnlich war und in welchem er mit seinem Begleiter sich sofort
bequem einrichtete.
Michael Strogoff und Nadia nahmen ihre Plätze im Tarantaß ebenfalls wieder
ein, und zu Mittag verließen beide Fuhrwerke zusammen Jekaterinenburg.
Nadia war endlich in Sibirien, auf jenem langen, weiten Wege, der nach
Irkutsk führt! Welcher Art mochten die Gedanken der jungen Liefländerin da
wohl sein? Drei hurtige Rosse zogen sie durch dieses Land der Verbannten,
in dem ihr Vater, vielleicht lange und so unendlich weit von der geliebten
Heimat zu leben verurtheilt war! Aber sie sah die unendlichen Steppen sich
kaum vor ihrem Auge entrollen, jene Steppen, die sie beinahe selbst nicht
einmal hätte betreten dürfen; ihr Blick schweifte hinaus über den
entfernten Horizont, hinter dem sie das Gesicht des Verbannten suchte. Sie
beobachtete nichts von der Landschaft, die sie mit einer Schnelligkeit von
sechzehn Werst die Stunde durchflog, nichts von den Gegenden des
westlichen Sibiriens, die sich von dem des östlichen so merklich
unterscheiden. Hier begegnet man nur sehr selten angebauten Feldern,
einem, mindest auf der Oberfläche, sehr mageren Boden, denn in seinem
Innern birgt er neben einem Ueberfluß von Eisen auch viel Kupfer, Gold und
Platin. Deshalb sieht man wiederholt wohl hüttengewerbliche Anlagen, aber
fast nirgends landwirthschaftliche Ansiedelungen. Woher sollte man auch
die nöthigen Arme nehmen, die Erde zu pflügen, die Felder zu besäen, die
Erndten einzuholen, wenn es einträglicher ist, die Eingeweide der Erde mit
Spitzhaue und Schlägel zu durchwühlen? Hier hat der Landbauer dem Bergmann
den Platz geräumt. Die Hacke trifft man überall, den Spaten nirgends.
Manchmal lösten sich Nadia’s Gedanken indeß doch von den entlegenen
Provinzen am Baikalsee los und richteten sich mit Interesse auf ihre
gegenwärtige Lage. Das Bild ihres Vaters verwischte sich ein wenig und sie
sah wieder ihren edelmüthigen Reisegefährten zuerst auf der Eisenbahn von
Wladimir, wo sie die Vorsehung zum ersten Male mit ihm zusammen geführt
hatte. Sie erinnerte sich seiner Aufmerksamkeit während der Fahrt, seines
Erscheinens auf dem Polizei-Amte von Nishnij-Nowgorod, der wohlthuenden
Einfachheit, mit der er sie mit der Bezeichnung Schwester anredete, seiner
Sorgfalt für sie während der Fahrt auf der Wolga, endlich alles dessen,
was er in der schrecklichen Gewitternacht im Ural gethan hatte, um mit
Gefahr seines Lebens das ihrige zu retten!
Nadia dachte also an Michael Strogoff. Sie dankte Gott dafür, daß er ihr
gerade diesen wachsamen Beschützer, diesen edelmüthigen und verschwiegenen
Freund zugeführt hatte. Sie fühlte sich neben ihm, unter seinem Schutze
vollkommen in Sicherheit. Ein wirklicher Bruder hätte nicht besser an ihr
handeln können. Sie fürchtete jetzt kein Hinderniß mehr; sie war
überzeugt, ihr Endziel zu erreichen.
Michael Strogoff selbst sprach nur wenig und gab sich vielmehr seinen
Gedanken hin. Er dankte seinerseits Gott, daß er ihm durch diese Begegnung
mit Nadia erstens ein Mittel gegeben habe, seine Individualität gegen
Entdeckung besser zu sichern, und dann auch eine Gelegenheit, ein gutes
Werk zu thun. Die ruhige Unerschrockenheit des jungen Mädchens erweckte
die Sympathie seines muthigen Herzens. War sie nicht in der That seine
Schwester? Er empfand für seine schöne heroische Begleiterin ebenso viel
Hochachtung als Zuneigung. Er fühlte es, daß in ihr eines jener reinen und
seltenen Herzen pulsire, auf welche man in jedem Fall zählen kann.
Seitdem er indeß den Boden Sibiriens durchzog, begannen für Michael
Strogoff erst die eigentlichen Schwierigkeiten. Wenn die beiden
Journalisten sich nicht etwa täuschten, wenn Iwan Ogareff wirklich die
Grenze überschritten hatte, so mußte er überall mit der größten Vorsicht
auftreten. Die Verhältnisse lagen hier umgekehrt, denn in den sibirischen
Provinzen wimmelte es gewiß von tartarischen Spionen. Wurde sein Incognito
gelüftet, seine Eigenschaft als Courier des Czaar erkannt, so war es um
seine Mission, ja vielleicht um sein Leben geschehen. Michael Strogoff
empfand die Verantwortlichkeit immer schwerer, die jetzt auf ihm lastete.
So gestalteten sich die Umstände in dem ersten Wagen, und wie sah es denn
in dem zweiten aus? Ganz und gar wie gewöhnlich. Alcide Jolivet sprach in
lustigen Sätzen, Harry Blount antwortete mit einsylbigen Brocken. Jeder
sah die Sachen von dem ihm eigenen Standpunkte aus an und notirte sich
Anmerkungen über Vorkommnisse während der Reise, Ereignisse, welche
übrigens während dieses Zuges durch die ersten Gebietstheile Westsibiriens
nicht von besonderem Gewichte waren.
Auf jedem Relais stiegen die beiden Berichterstatter aus und suchten
Michael Strogoff auf. Sollte im Posthause nicht eine Mahlzeit eingenommen
werden, so verließ Nadia den Tarantaß gar nicht. Beabsichtigte man zu
frühstücken oder zu Mittag zu speisen, so nahm sie zwar mit an der Tafel
Platz, hielt sich aber sehr zurückgezogen und betheiligte sich möglichst
wenig bei der Unterhaltung.
Ohne jemals die Grenzen gebildeter Höflichkeit zu überschreiten, zeigte
Alcide Jolivet doch für die junge Liefländerin, die er übrigens reizend
fand, stets die größte Sorgsamkeit. Er bewunderte die schweigsame Energie,
die sie den Strapazen einer unter so beschwerlichen Umständen ausgeführten
Reise gegenüber zeigte.
Diese Zeiten gezwungenen Aufenthaltes gefielen Michael Strogoff nur sehr
mittelmäßig. Auf jedem Relais trieb er zuerst zur Weiterfahrt, feuerte die
Postmeister an, ließ die Jemschiks nicht zu Athem kommen und beeilte das
Anspannen. War dann die Mahlzeit im Fluge verzehrt – gewöhnlich zu schnell
und zum großen Leidwesen Harry Blount’s, der nun einmal ein methodischer
Esser war, – so fuhr man ab, die Journalisten gleichfalls als Adler, denn
sie bezahlten fürstlich und, wie Alcide Jolivet sagte, „als und mit
russischen Adlern(3)“.
Es versteht sich von selbst, daß Harry Blount sich des jungen Mädchens
wegen in keinerlei Unkosten steckte. Es war das einer der wenigen
Unterhaltungsgegenstände, über welche er mit seinem Gefährten nicht gern
plauderte. Der ehrenwerthe Gentleman hatte nicht die Gewohnheit, zwei
Sachen auf einmal zu thun.
Als Alcide Jolivet ihn einmal so nebenbei fragte, wie alt die junge
Liefländerin wohl sein möge, antwortete er ganz ernsthaft und mit
halbgeschlossenen Augen:
„Welche junge Liefländerin?
-- Nun, zum Kukuk, die Schwester Nicolaus Korpanoff’s.
-- Das ist seine Schwester?
-- Nein, seine Großmutter! versetzte Alcide Jolivet, den dieses Phlegma
außer Fassung brachte. -- Nun, welches Alter trauen Sie ihr zu?
-- Wäre ich bei ihrer Geburt anwesend gewesen, so würde ich es wissen!“
antwortete einfach Harry Blount, der sich offenbar nicht weiter einlassen
wollte.
Der Landstrich, durch den die beiden Tarantaß dahinrollten, war fast
vollkommen verlassen. Das Wetter blieb ziemlich gut, der Himmel leicht
bewölkt, die Temperatur erträglich. Mit besser auf Federn befestigten
Wagen hätten sich die Reisenden nach keiner Seite zu beklagen gehabt. Sie
kamen wie mit den Berlinen der russischen Post, d. h. ungemein schnell
vorwärts.
Wenn das Land aber verlassen schien, so lag das nur in den gegenwärtigen
Verhältnissen. Auf den seltenen Feldern fanden sich nur wenig oder gar
keine sibirischen Bauern mit ihrem bleichen und ernstem Gesicht, welche
Bauern eine berühmte Reisende mit den Castiliern verglichen hat, nur fehlt
ihnen deren trotziger Stolz. Da und dort verriethen auch schon einige
verlassene Dörfer die Annäherung der tartarischen Heerhaufen. Die
Einwohner waren unter Mitführung ihrer Heerden von Schafen, Kameelen und
Pferden nach den nördlicheren Ebenen entflohen. Einige treu gebliebene
Stämme der großen Kirghisenhorde hatten ihre Zelte gleichfalls über den
Irtysch und Obi hinaus geschafft, um den Plünderungen der Eindringlinge zu
entgehen.
Glücklicher Weise erlitt der Postbetrieb hier noch keine Störung, so wenig
wie das Telegraphenwesen, so weit der ununterbrochene Draht eben noch
reichte. Auf jedem Relais lieferten die Postmeister Pferde zu den
vorschriftsmäßigen Bedingungen. Auf jeder Station befanden sich die
Beamten an ihren Schaltern zur Beförderung der aufgegebenen Telegramme,
welche höchstens durch die vielen Staatsdepeschen einige Verzögerung
erfuhren. Auch Harry Blount und Alcide Jolivet machten von dem Telegraphen
ausgiebigen Gebrauch.
Bis hierher ging Michael Strogoff’s Reise also unter befriedigenden
Umständen von Statten. Der Courier des Czaar hatte sich nirgends
verspätet, und wenn es ihm gelang, die Spitze der von Feofar-Khan über
Krasnojarsk hinaus geschobenen Heereshaufen noch zu umgehen, war er auch
sicher, vor ihnen und in der kürzesten bis jetzt gebrauchten Zeit in
Irkutsk anzulangen.
Am folgenden Tage, nachdem die beiden Tarantaß Jekaterinenburg verließen,
erreichten sie um sieben Uhr Morgens die kleine Stadt Tuluguisk nach
Zurücklegung einer Strecke von 220 Werst, ohne daß sich dabei ein irgend
nennenswerther Zufall ereignet hätte.
Dort wurde dem Frühstück ein halbes Stündchen gegönnt. Gleich darauf
eilten die Reisenden mit einer Geschwindigkeit weiter, welche nur das
Versprechen einer gewissen Summe Kopeken erklärlich machte.
Denselben Tag, den 22. Juli, langten die beiden Fuhrwerke sechzig Werst
weiter in Tiumen an.
Tiumen, dessen normale Bevölkerung gegen 10,000 Seelen zählt, beherbergte
jetzt wohl die doppelte Zahl. Diese Stadt, übrigens das erste von den
Russen in Sibirien gegründete Industriestädtchen, dessen schöne
metallurgische Werkstätten und Glockengießereien weithin bekannt sind, bot
noch nie vorher einen so belebten Anblick.
Die beiden Correspondenten begaben sich sofort auf die Jagd nach
Neuigkeiten. Was die sibirischen Flüchtlinge vom Kriegsschauplatze
mittheilten, klang nicht eben sehr tröstlich.
Man sagte unter Anderem, die Armee Feofar-Khan’s nähere sich in
Eilmärschen dem Thale des Ischim, und man bestätigte mehrfach, daß der
Tartarenchef sich sehr bald mit dem Oberst Iwan Ogareff die Hand bieten
werde, wenn das nicht gar schon geschehen sei. Man folgerte daraus ganz
richtig, daß die Operationen bald mit mehr Nachdruck im Osten Sibiriens
geführt werden würden.
Die russischen Truppen mußten ihrer Mehrzahl nach erst aus den
europäischen Provinzen herangezogen werden, und standen noch viel zu
entfernt, um sich dem Einfall entgegen werfen zu können. Dagegen bewegten
sich die Kosaken des Gouvernements Tobolsk in forcirten Märschen auf Tomsk
zu und hofften die Tartarenschwärme dort abzuschneiden.
Um acht Uhr Abends hatten die Tarantaß weitere fünfundsiebzig Werst
zurückgelegt und kamen in Jalutorowsk an.
Man wechselte rasch die Pferde und passirte gleich außerhalb der Stadt auf
einer Fähre den Tobolfluß. Sein sehr friedliches Gewässer erleichterte
diese Ueberfahrt, welche sich im weiteren Verlauf der Fahrt noch mehrmals,
und dann wohl unter minder günstigen Umständen wiederholen mußte.
Gegen Mitternacht wurde, fünfundfünfzig Werst weiter, der Flecken
Novo-Saimsk erreicht und nun ließen die Reisenden endlich den leicht
wellenförmigen Boden mit seinen waldbedeckten Hügeln, den letzten Wurzeln
der Uralberge, hinter sich.
Hier begann nun wirklich die eigentliche sibirische Steppe, die sich bis
in die Nachbarschaft von Krasnojarsk ausdehnt. Das war die Ebene ohne
Grenzen, eine Art mit Gräsern bestandener Wüste, an deren Umfang sich
Himmel und Erde, wie in einem mit dem Zirkel geschlagenen Bogen berührten.
Diese Steppe bot dem Auge keine anderen Haltepunkte, als die
Telegraphenpfähle zu beiden Seiten der Straße, längs der die Drähte leise,
wie die Saiten einer riesigen Aeolsharfe, bei dem sanften Winde erklangen.
Der Weg unterschied sich im Uebrigen von der weiten Ebene nur durch den
feinen Staub, der unter den Rädern der Tarantaß aufwirbelte. Ohne dieses
weißliche Band, das sich hinzog, so weit man sehen konnte, hätte man
geglaubt, in der Wüste zu sein.
Durch die Steppe jagten Michael Strogoff und seine Gefährten mit noch
größerer Schnelligkeit. Die von den Jemschiks angetriebenen Pferde hatten
kein besonderes Hinderniß zu überwinden, und der Weg verschwand sichtbar
hinter ihnen. Die Tarantaß flogen direct auf Ischim zu, woselbst die
beiden Correspondenten zunächst bleiben wollten, wenn kein besonderer
Zwischenfall ihre Absichten kreuzte.
Zweihundert Werst etwa trennen Novo-Saimsk von der Stadt Ischim, und am
Morgen des andern Tages sollten und konnten diese zurückgelegt sein,
vorausgesetzt, daß man eben keinen Augenblick verlor. In den Augen der
Jemschiks verdienten die Reisenden, wenn sie nicht wirklich große Herren
oder hohe Beamte waren, doch, es zu sein, mochte diese Ansicht auch nur in
der Freigebigkeit bezüglich der vertheilten Trinkgelder begründet sein.
Am andern Tage, dem 23. Juli, befanden sich die beiden Tarantaß in der
That nur noch dreißig Werst von Ischim.
Da bemerkte Michael Strogoff auf der Straße und vor einer wallenden
Staubwolke kaum sichtbar, daß noch ein Wagen dem seinigen vorausfuhr. Da
seine weniger ermüdeten Pferde sehr schnell liefen, mußte er diesen
offenbar bald einholen.
Jenes war weder ein Tarantaß, noch ein Teleg, sondern eine Postkutsche;
über und über mit Staub bedeckt, schien sie einen weiten Weg hinter sich
zu haben. Der Postillon schlug unausgesetzt auf seine Gäule los und suchte
sie mit Zurufen und mit der Peitsche im Galop zu erhalten. Diese Berline
hatte Novo-Saimsk offenbar nicht passirt. Sie mußte auf die Straße nach
Irkutsk über irgend einen verlorenen Weg durch die Steppe gelangt sein.
Als Michael Strogoff und seine Begleiter die Berline sahen, hatten sie
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