Officieren und einer Abtheilung Kosaken, wobei er bis nach den
transbaïkalischen Landschaften vordrang. Nikolajowsk, die letzte russische
Stadt am Ochotskischen Meere, wurde ebenfalls mit seinem Besuche beehrt.
An den Grenzen des ungeheuren Moskowitenreiches angelangt, kehrte der
Großfürst nach Irkutsk zurück, von wo er den Weg nach Europa wieder
einschlagen wollte, als er die ersten Nachrichten von der ebenso
gefährlichen, als urplötzlichen Invasion erhielt. Er beeilte sich, die
Hauptstadt zu erreichen, bei seiner Ankunft daselbst war aber die
Verbindung mit Rußland schon unterbrochen. Einige Telegramme von
Petersburg und Moskau kamen in seine Hand, auf welche er auch noch Antwort
zu geben vermochte. Dann war die Leitung unter den uns bekannten Umständen
zerstört worden.
Isolirt lag Irkutsk am Ende der Welt.
Dem Großfürsten fiel nun blos noch die Aufgabe zu, die Vertheidigung zu
organisiren, was er mit der Festigkeit und Ruhe durchführte, von der er
bei anderer Gelegenheit hinlängliche Proben gegeben hat.
Die Nachrichten über die Einnahme von Ichim, Omsk und Tomsk gelangten eine
nach der anderen nach Irkutsk. Die Wegnahme dieser Hauptstadt Sibiriens
mußte auf jeden Fall verhindert werden. Auf baldige Hilfe durfte man nicht
rechnen. Die wenigen in der Amurprovinz und dem Gouvernement Jakutsk
zerstreuten Truppen reichten, auch wenn sie heranrückten, nicht aus, den
tartarischen Heersäulen Halt zu gebieten. Da nun Irkutsk einem Angriffe
offenbar nicht entgehen konnte, so mußte die Stadt vor allen Dingen in den
Stand gesetzt werden, eine Belagerung von einiger Dauer auszuhalten.
Die Arbeiten hierzu nahmen an demselben Tage ihren Anfang, als Tomsk in
die Hände der Tartaren fiel. Gleichzeitig mit dieser Neuigkeit erfuhr der
Großfürst, daß der Emir von Bukhara und die verbündeten Khans in Person
die Bewegung leiteten; unbekannt blieb ihm aber, daß der zweite Führer
dieser Barbarenhäuptlinge, Iwan Ogareff, ein früherer russischer Officier
war, den er selbst degradirt hatte, und den er von Person nicht kannte.
Gleich zuerst wurden die Bewohner der Provinz Irkutsk, wie wir wissen,
veranlaßt, alle Städte und Dörfer zu verlassen. Wer keine Zuflucht in der
Hauptstadt suchte, mußte sich noch weiter hinaus, jenseit des Baïkalsees,
begeben, bis wohin der Schwarm der Feinde höchst wahrscheinlich nicht
gelangen konnte. Die Vorräthe an Getreide und Fourrage wurden für die
Stadt requirirt und dieses letzte Bollwerk der moskowitischen Herrschaft
in den Stand gesetzt, wenigstens eine Zeit lang Widerstand zu leisten.
Irkutsk, gegründet im Jahre 1611, liegt am Zusammenflusse des Irkut und
der Angara, am rechten Ufer der letztgenannten. Zwei auf Pfeilern ruhende
Holzbrücken, die sich zum Zwecke der Schifffahrt in der ganzen Breite des
Fahrwassers öffnen lassen, verbinden die Stadt mit ihren Vorstädten am
linken Stromufer. Nach dieser Seite bot die Vertheidigung keine
Schwierigkeiten. Die Vorstädte wurden geräumt, die Brücken abgebrochen.
Eine Ueberschreitung der hier sehr breiten Angara wäre unter dem Feuer der
Belagerten nicht leicht auszuführen gewesen.
Der Fluß konnte ja aber auch oberhalb oder unterhalb der Stadt
überschritten werden, und folglich drohte Irkutsk auch die Gefahr eines
Angriffs von der Ostseite, wo es keine Umfassungsmauer schützte.
Alle kräftigen Arme wurden nun zunächst zu Fortificationsarbeiten
verwendet. Man war Tag und Nacht thätig. Der Großfürst fand eine überaus
eifrige Bevölkerung, die sich bei der eigentlichen Vertheidigung auch
ebenso muthvoll beweisen sollte. Soldaten, Kaufleute, Verbannte, Bauern –
Alle widmeten sich dem allgemeinen Besten. Acht Tage vor der Ankunft der
Tartaren im Angarathale hatte man ringsum Erdwälle aufgeworfen. Außerdem
war dadurch vor letzteren ein Wallgraben entstanden, den die Angara
speiste. Durch einen Handstreich konnte die Stadt also nicht leicht
weggenommen werden. Sie mußte belagert und gestürmt werden.
Das dritte tartarische Armeecorps, – dasselbe, welches im Thale des
Jeniseï hinaufgezogen war, – erschien am 24. September vor Irkutsk. Es
besetzte sofort die verlassenen Vorstädte, deren Häuser übrigens meist
niedergelegt waren, um der leider unzureichenden Artillerie des
Großfürsten keine Hindernisse zu bieten.
Die Tartaren suchten sich einzurichten und erwarteten die beiden anderen
von dem Emir und seinen Verbündeten geführten Heerhaufen.
Die Verbindung dieser verschiedenen Corps ward am 25. September durch das
Lager an der Angara bewerkstelligt und die ganze Armee, mit Ausnahme der
in den größeren Städten zurückgelassenen Besatzungen unter dem Befehle
Feofar-Khan’s vereinigt.
Da Iwan Ogareff eine Ueberschreitung der Angara in Irkutsk selbst für
unausführbar erklärte, so setzte eine starke Heeresabtheilung einige Werst
stromabwärts mittels Schiffbrücken über den Fluß. Der Großfürst griff
hiergegen nicht ein, da er dieses Vorhaben wohl etwas stören, aus Mangel
an hinreichender Feldartillerie aber doch nicht verhindern konnte, und so
blieb er, gewiß mit vollem Rechte, ruhig in Irkutsk.
Die Tartaren besetzten also auch die rechte Flußseite; dann marschirten
sie gegen die Stadt heran, brannten unterwegs die Sommerwohnung des
Generalgouverneurs in einem den Lauf der Angara beherrschenden Wäldchen
nieder, und begannen nach völliger Einschließung der Stadt die regelrechte
Belagerung.
Iwan Ogareff bemühte sich als geschickter Ingenieur diese bestens zu
leiten, nur gingen ihm die nöthigen Hilfsmittel ab, um rasche Erfolge zu
erzielen. Uebrigens hatte er darauf gerechnet, Irkutsk, das Ziel seines
Verlangens, im ersten Anlauf zu nehmen.
Wie sich nun zeigte, hatte sich die Sachlage unerwartet geändert.
Einestheils hielt die Schlacht bei Tomsk die tartarische Armee in ihrem
Marsche auf, anderntheils die Schnelligkeit, mit welcher der Großfürst die
jetzigen Vertheidigungswerke herzustellen wußte. An diesen beiden Ursachen
scheiterte seine ursprüngliche Absicht und er sah sich zu einer
regelrechten Belagerung genöthigt.
Dennoch versuchte der Emir auf sein Anrathen zweimal, ohne Rücksicht auf
die zahlreichen Opfer an Mannschaften, die Stadt zu stürmen. Er warf seine
Truppen auf die scheinbar schwächsten Punkte der Schanzen; beide Angriffe
wurden aber muthig abgeschlagen. Der Großfürst und seine Officiere setzten
sich bei dieser Gelegenheit rücksichtslos jeder Gefahr aus. Sie traten mit
ihrer eigenen Person ein und führten die Civilbevölkerung mit auf die
Wälle. Bürger und Mujiks erfüllten opferfreudig ihre Pflicht. Bei dem
zweiten Sturmangriff war es den Tartaren gelungen, eines der Thore in den
Wällen zu erobern. An dem einen Ende der großen, zwei Werst langen und
oben und unten an der Angara ausmündenden Straße von Bolchaïa kam es zu
einem Kampfe. Aber Kosaken, Gensdarmen und Bürger setzten den Tartaren
einen so hartnäckigen Widerstand entgegen, daß sich diese zuletzt in ihre
früheren Stellungen zurückziehen mußten.
Nun gedachte Iwan Ogareff durch Verrath zu erreichen, was er durch Gewalt
nicht erlangen konnte. Wir wissen, daß seine Absicht dahin ging, in die
Stadt einzudringen, sich dem Großfürsten zu nähern, dessen Vertrauen zu
erschleichen und seiner Zeit eines der Thore den Belagerern zu
überliefern. Dann wollte er seinen eigenen Rachedurst an dem Bruder des
Czaar stillen.
Die Zigeunerin Sangarre, seine Begleiterin bis in das Lager an der Angara,
trieb ihn noch an, dieses Vorhaben auszuführen.
In der That war auch Gefahr im Verzuge. Schon marschirten die Truppen aus
dem Gouvernement Jakutsk auf Irkutsk. Sie hatten sich am obern Laufe der
Lena concentrirt, deren Thale sie folgten. In höchstens sechs Tagen mußten
sie eintreffen, also wurde es nöthig, Irkutsk vor diesem Zeitpunkte durch
Verrath zu überwältigen.
Iwan Ogareff zögerte keinen Augenblick. –
Eines Abends, am 2. October, wurde in dem großen Salon des
Gouvernementspalastes, in dem der Großfürst residirte, ein Kriegsrath
abgehalten.
Dieses am Ende der Bolchaïastraße gelegene Gebäude beherrscht weithin den
Lauf des Flusses. Gegenüber den Fenstern seiner Hauptfaçade sah man das
Lager der Tartaren; hätten letztere weiter tragende Belagerungsgeschütze
besessen, so wäre dieses Gebäude ganz unhaltbar gewesen.
Der Großfürst, der General Voranzoff, der Gouverneur der Stadt, der Chef
der Kaufleute und eine Anzahl höhere Officiere besprachen eben
verschiedene nothwendige Maßregeln.
„Meine Herren, begann der Großfürst, unsere dermalige Lage ist Ihnen
hinlänglich bekannt. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß wir Irkutsk bis
zum Eintreffen von Ersatztruppen zu halten im Stande sind. Dann werden wir
leicht im Stande sein, die Barbarenhorden in die Flucht zu jagen, und an
mir soll es gewiß nicht liegen, wenn sie diesen frechen Einfall in unser
Gebiet nicht sehr theuer bezahlen.
-- Eure kaiserliche Hoheit wissen, erwiderte der General Voranzoff, daß Sie
auf die Bevölkerung von Irkutsk zählen können.
-- Gewiß, General, antwortete der Großfürst, und ich erkenne diesen
eifrigen Patriotismus gern und unumwunden an. Gott sei Dank ist die
Einwohnerschaft noch von den Schrecken einer Epidemie oder der Hungersnoth
verschont geblieben, und ich hoffe, das soll nicht anders werden; auf den
Wällen aber habe ich nur ihren Heldenmuth bewundern können. Sie hören
meine Worte, Herr Vorsteher der Kaufmannsgilde, und ich bitte Sie,
dieselben weiter zu verbreiten.
-- Ich danke Eurer Hoheit im Namen der Stadt, erwiderte der Angeredete.
Darf ich wohl auch fragen, nach welchem längsten Zeitraume auf das
Eintreffen von Ersatztruppen zu rechnen ist?
-- Höchstens nach sechs Tagen, erklärte der Großfürst. Erst heute Morgen
ist ein gewandter und kühner Emissär in die Stadt gekommen, der mir
mittheilt, daß fünfzigtausend russische Truppen unter Führung des Generals
Kisselef im Anmarsch sind. Vor zwei Tagen befanden sie sich in Kironsk, am
Ufer der Lena, und jetzt werden weder Schnee noch Kälte ihren Zug
aufzuhalten vermögen. Fünfzigtausend Mann Kerntruppen, welche die Tartaren
in der Flanke fassen, werden uns leicht von denselben befreien.
-- Ich erlaube mir hinzuzufügen, daß wir sofort, wenn Eure kaiserliche
Hoheit einen Ausfall befehlen sollten, bereit sind, diesem Befehle zu
folgen.
-- Ich danke, mein Herr, sagte der Großfürst. Warten wir es ab, bis die
Spitzen unserer Colonnen auf den nächsten Höhen erscheinen, dann wollen
wir die Feinde zerschmettern.“
Dann wandte er sich wieder an den General Voranzoff.
„Wir werden morgen, sagte er, die Arbeiten am rechten Ufer besichtigen.
Die Angara bringt schon Eisschollen mit, sie wird bald eine feste Decke
erhalten und den Tartaren den Uebergang ermöglichen.
-- Würden mir Eure Hoheit eine Bemerkung gestatten? fragte der Chef der
Kaufleute.
-- Sprechen Sie.
-- Ich habe die Temperatur wiederholt bis dreißig und vierzig Grade unter
Null herabgehen sehen, immer aber bedeckte sich die Angara nur mit losen
Schollen, ohne je ganz zuzufrieren, woran ihre rasche Strömung Schuld zu
sein scheint. Besitzen die Tartaren also keine anderen Hilfsmittel, den
Fluß zu passiren, so garantire ich Eurer Hoheit, daß sie auf diesem Wege
nie nach Irkutsk hinein gelangen werden.“
Der Generalgouverneur bestätigte die Bemerkung des Chefs der
Kaufmannschaft.
„Das ist gewiß ein recht glücklicher Umstand, äußerte der Großfürst.
Nichtsdestoweniger werden wir gut thun, jede Eventualität in’s Auge zu
fassen.“
Er wandte sich dann an den Director der Polizei.
„Sie haben mir Nichts mitzutheilen? fragte er.
-- Ich habe Ihnen zu melden, kaiserliche Hoheit, erwiderte der
Polizeidirector, daß mir durch meine Unterbeamten eine Bittschrift
übergeben wurde ...
-- Ausgehend von ...?
-- Von sibirischen Verbannten, Sire, deren Anzahl, wie Sie wissen, sich
hier auf Fünfhundert beläuft.“
Die politischen Verbannten, welche sonst über die ganze Provinz verbreitet
sind, waren seit Beginn der Invasion in Irkutsk concentrirt. Sie waren dem
Befehle nachgekommen, in der Stadt einzutreffen, und hatten die
Ortschaften verlassen, wo sie ihren verschiedenen Berufsgeschäften
oblagen, hier als Aerzte, dort als Lehrer entweder an einem Gymnasium, der
japanischen oder einer Schifffahrts-Schule. Von Anfang an hatte sie der
Großfürst, im Vertrauen auf ihren Patriotismus, mit Waffen versehen und
sie als tüchtige Vertheidiger erkannt.
„Was wünschen die Verbannten? fragte der Großfürst.
-- Sie ersuchen Eure kaiserliche Hoheit um die Erlaubniß, ein besonderes
Corps bilden und beim ersten Ausfall an der Spitze marschiren zu dürfen.
-- O, erwiderte der Großfürst, ohne seine freudige Erregung zu verbergen,
ich wußte es ja, das sind Russen; ihr Patriotismus erwirbt ihnen das
Recht, sich für ihr Vaterland zu schlagen.
-- Ich glaube Eurer kaiserlichen Hoheit versichern zu können, sagte der
Generalgouverneur, daß Sie keine besseren Soldaten zu finden vermögen.
-- Doch sie brauchen dann einen Führer, bemerkte der Großfürst. Wer soll
das sein?
-- Sie wünschten Eurer Hoheit einen aus ihrer Mitte vorzuschlagen,
antwortete der Polizeidirector, der sich schon bei mehreren Gelegenheiten
ausgezeichnet hat.
-- Ist es ein Russe?
-- Ja, ein Russe aus den baltischen Provinzen.
-- Sein Name ...?
-- Wassili Fedor.“
Der Verbannte war der Vater Nadia’s.
Wassili Fedor lebte, wie uns bekannt ist, in Irkutsk seinem Berufe als
Arzt. Ein kenntnißreicher und im Umgange liebenswürdiger Mann, war er
gleichzeitig von hohem Muthe und warmer Vaterlandsliebe beseelt. Jede
Stunde, in der er nicht von Kranken in Anspruch genommen war, widmete er
den Vertheidigungsarbeiten. Er war es auch, der seine Schicksalsgenossen
zu gemeinsamem Auftreten verbunden hatte. Bisher mitten unter der übrigen
Bevölkerung verwendet, gelang es den Verbannten doch, die Aufmerksamkeit
des Großfürsten zu erregen. Bei mehreren Ausfällen hatten sie mit dem
Blute ihre Schuld an das heilige Rußland bezahlt. Wassili Fedor benahm
sich stets als Held. Sein Name ward wiederholt mit Auszeichnung genannt,
doch er erstrebte weder Dank noch Belohnung, und als die Verbannten die
Bildung eines besonderen Corps beschlossen, dachte er gar nicht daran, daß
sie beabsichtigen könnten, ihn zu ihrem Führer auszuersehen.
Als der Polizeidirector diesen Namen genannt hatte, bemerkte der
Großfürst, daß ihm derselbe nicht unbekannt sei.
„In der That, bestätigte General Voranzoff, Wassili Fedor ist ein
muthiger, geeigneter Mann. Stets erwies sich sein Einfluß auf die anderen
Verbannten von großer Bedeutung.
-- Seit wann ist er in Irkutsk? fragte der Großfürst.
-- Seit zwei Jahren.
-- Und seine Aufführung ...?
-- Er fügt sich, antwortete der Polizeidirector, als verständiger Mann den
Vorschriften, wie sie die Verbannung eben mit sich bringt.
-- General, antwortete der Großfürst, lassen Sie mir denselben ohne Zögern
zuführen.“
Der Befehl des Großfürsten ward ausgeführt, und noch vor Ablauf einer
halben Stunde trat Wassili Fedor in den Saal ein.
Es war ein Mann von etwa vierzig Jahren, von hohem Wuchs und mit ernster,
gewinnender Physiognomie. Man sah es ihm an, daß sein ganzes Leben sich in
dem Worte: Kampf! zusammen fassen ließ, und daß er gekämpft, aber auch
gelitten hatte. Seine Züge erinnerten lebhaft an die seiner Tochter Nadia
Fedor.
Mehr als jeden Andern hatte ihn der Tartareneinfall auch persönlich
schmerzlich berührt und die liebste Hoffnung eines Vaters vernichtet, der
achttausend Werst von seiner Heimath in der Verbannung lebte. Ein Brief
hatte ihm den Tod der geliebten Gattin gemeldet zugleich mit der Abreise
seiner Tochter, welche von der Regierung die Erlaubniß ausgewirkt hatte,
ihm in Irkutsk Gesellschaft zu leisten.
Nadia hatte Riga am 10. Juli verlassen. Die Invasion begann am 15. Juli.
Wenn Nadia zu dieser Zeit schon die Grenze überschritten hatte, was war
aus ihr mitten in dem Schwarme der Feinde geworden? Von welcher Unruhe
mußte der unglückliche Vater verzehrt werden, da er seit dieser Zeit keine
Nachrichten von seiner Tochter erhalten hatte!
Wassili Fedor verneigte sich in Gegenwart des Großfürsten und erwartete
von diesem angesprochen zu werden.
„Wassili Fedor, begann der Großfürst, Deine Genossen in der Verbannung
haben sich erboten, ein Elitecorps bilden zu dürfen. Sie vergessen doch
nicht, daß in einer solchen Schaar Jeder bis zum letzten Mann zu sterben
bereit sein muß?
-- Sie sind sich dessen bewußt, erwiderte Wassili Fedor.
-- Sie wünschen Dich als Anführer?
-- Ja, kaiserliche Hoheit.
-- Und hast Du die Absicht, Dich an ihre Spitze zu stellen?
-- Wenn das Heil Rußlands es erheischt, gewiß.
-- Commandant Fedor, sagte der Großfürst, Du bist nicht mehr verbannt.
-- Ich danke, Hoheit, aber kann ich dann über Solche den Befehl führen, die
es noch sind?
-- Sie sind es nicht mehr.“
In seine Hand legte der Bruder des Czaar die Begnadigung seiner verbannten
Genossen, jetzt seiner Waffengefährten.
Tief bewegt drückte Wassili Fedor die ihm dargebotene Hand des Großfürsten
und verließ das Gemach.
Der Letztere wendete sich an seine Officiere.
„Der Czaar wird den Gnadenbrief anerkennen, den ich hier in seinem Namen
ausstelle, sagte er lächelnd. Wir brauchen Helden, um die Hauptstadt
Sibiriens zu vertheidigen, ich habe solche jetzt geschaffen.“
Diese den Verbannten von Irkutsk gewährte Gnade entsprach in der That
ebenso einer großherzigen Justiz, wie einer klugen Politik.
Die Nacht brach herein. Durch die Fenster des Palastes leuchteten die
Feuer des tartarischen Lagers, die sich da und dort in der Angara
wiederspiegelten. In dem Flusse trieben zahlreiche Eisschollen, von denen
einige an den alten Pfeilern der früheren hölzernen Brücke hängen blieben.
Die meisten flossen aber mit erstaunlicher Schnelligkeit dahin. Offenbar
konnte die Angara, wie es der Vorsteher der Kaufmannschaft schon gesagt
hatte, nur schwer in der ganzen Oberfläche zufrieren. Die Gefahr eines
Angriffs von der Wasserseite brauchten die Vertheidiger von Irkutsk also
nicht sonderlich zu fürchten.
Eben schlug es zehn Uhr. Der Großfürst verabschiedete seine Officiere und
wollte sich gerade in seine Gemächer zurückziehen, als vor dem Palaste ein
auffallender Tumult entstand.
Fast gleichzeitig öffnete sich die Thür des Salons, ein Feldjäger trat ein
und ging auf den Großfürsten zu.
„Kaiserliche Hoheit, meldete er, ein Courier des Czaar!“
Dreizehntes Capitel.
Ein Courier des Czaar.
Eine unwillkürliche Bewegung führte alle Theilnehmer der Berathung nach
der halb offenen Thür zurück. Ein Courier des Czaar, in Irkutsk
angekommen! Wenn die Officiere nur einen Augenblick über die
Wahrscheinlichkeit dieser Thatsache nachgedacht hätten, mußten sie
dieselbe für unmöglich ansehen.
Der Großfürst war lebhaft auf seinen Feldjäger zugeschritten.
„Laß den Courier eintreten!“ sagte er.
An der Schwelle erschien ein Mann. Seine äußere Erscheinung zeugte von
großer Erschöpfung. Er trug die abgenutzte, halb zerrissene Kleidung eines
sibirischen Bauern, an der sogar einige Löcher von Kugeln sichtbar waren.
Seinen Kopf bedeckte eine moskowitische Mütze. Auf der Wange sah man eine
kaum verharschte Schramme. Offenbar hatte dieser Mann einen langen und
beschwerlichen Weg hinter sich. Seine in schlechtem Stande befindliche
Fußbekleidung verrieth auch, daß er einen Theil seiner Reise zu Fuß
zurückgelegt haben mußte.
„Seine kaiserliche Hoheit der Großfürst?“ fragte er eintretend.
Der Großfürst ging auf ihn zu.
„Du bist Courier des Czaar? fragte er.
-- Ja, Hoheit.
-- Und kommst ...?
-- Aus Moskau.
-- Und hast Moskau verlassen?
-- Am 15. Juli.
-- Dein Name ...?
-- Michael Strogoff.“
Es war Iwan Ogareff. Er hatte den Namen und Charakter desjenigen
angenommen, den er unschädlich gemacht zu haben glaubte. In Irkutsk kannte
ihn weder der Großfürst, noch irgend Jemand Anderes, so daß er sein
Gesicht nicht einmal zu entstellen brauchte. Da er in der Lage war, seine
etwa angezweifelte Identität zu beweisen, hatte er keine Entdeckung zu
fürchten. Er schickte sich jetzt also an, nachdem er das Ziel durch seinen
eisernen Willen erreicht hatte, durch Verrath und Meuchelmord das Drama
des feindlichen Einfalles zu krönen.
Nach der Antwort Iwan Ogareff’s gab der Großfürst seinen Officieren ein
Zeichen mit der Hand, worauf sich diese zurückzogen.
Der falsche Michael Strogoff und er blieben allein in dem Salon zurück.
Der Großfürst betrachtete Iwan Ogareff einige Augenblicke mit scharfer
Aufmerksamkeit. Dann begann er:
„Du hast Moskau am 15. Juli verlassen?
-- Ja, Hoheit, und habe Seine Majestät den Czaaren in der Nacht vom 14. zum
15. Juli im Neuen Palais gesprochen.
-- Du hast einen Brief des Czaar?
-- Ja, hier ist er.“
Iwan Ogareff übergab dem Großfürsten das kaiserliche Schreiben, das er auf
das kleinste Format zusammengebrochen hatte.
„Dieser Brief ist Dir in diesem Zustande übergeben worden?
-- Nein, Hoheit, doch mußte ich das Couvert zerstören, um ihn vor den
Soldaten des Emirs besser verbergen zu können.
-- Warst Du Gefangener der Tartaren?
-- Ja, kaiserliche Hoheit, wenigstens einige Tage lang. Daher kommt es
auch, daß ich trotz meiner Abreise am 15. Juli von Moskau, wie sie dieser
Brief auch angiebt, erst am 2. October in Irkutsk eingetroffen bin, d. h.
also, nach einer Reise von neunundsiebenzig Tagen.“
Der Großfürst nahm den Brief. Er faltete ihn auseinander, erkannte die
Signatur des Czaar, nebst der von dessen eigener Hand geschriebenen
Eingangsformel. An der Authenticität dieses Schreibens, wie an der
Identität des Ueberbringers konnte also kein Zweifel sein. Hatte sein
wildes Antlitz auch erst einiges Mißtrauen in dem Großfürsten erweckt, so
schwand dieses doch jetzt vollständig.
Einige Augenblicke verhielt sich der Großfürst schweigend. Er durchlas
langsam den Brief, wie um seinen Sinn recht scharf zu fassen.
Endlich nahm er wieder das Wort.
„Michael Strogoff, sagte er, Du kennst den Inhalt dieses Schreibens?
-- Ja, Hoheit, ich konnte in die Lage kommen, dasselbe vernichten zu
müssen, um es nicht den Tartaren in die Hände fallen zu lassen, und war
für diesen Fall bedacht, dessen Text Eurer kaiserlichen Hoheit möglichst
genau mittheilen zu können.
-- Du weißt also, daß dieser Brief uns auferlegt, eher in Irkutsk zu
sterben, als die Stadt auszuliefern?
-- Ich weiß es.
-- Und weißt auch, daß er mir die Bewegungen der Truppen mittheilt, welche
aufgeboten worden sind, den Einfall zu bekämpfen?
-- Ja, Hoheit, aber diese Bewegungen sind verunglückt.
-- Wie so?
-- Nun Ichim, Omsk, Tomsk, um nur von den bedeutendsten Städten Sibiriens
zu sprechen, sind den Soldaten Feofar-Khan’s nach und nach in die Hände
gefallen.
-- Ohne daß es zu Gefechten gekommen wäre? Sollten unsere Kosaken nicht auf
die Tartaren getroffen sein?
-- Mehrmals, kaiserliche Hoheit.
-- Und sie sind zurückgeschlagen worden?
-- Sie verfügten nur über ungenügende Kräfte.
-- Wo haben die Treffen, von denen Du sprichst, stattgefunden?
-- Bei Kolyvan, Tomsk ...“
Bis hierher hatte Iwan Ogareff nur die Wahrheit gesagt, um aber die
Vertheidiger von Irkutsk zu entmuthigen, übertrieb er die durch die
Truppen des Emirs erlangten Vortheile und fügte hinzu:
„Und ein drittes Mal vor Krasnojarsk.
-- Und das letzte Treffen?... fragte der Großfürst, über dessen Lippen kaum
die Worte kamen.
-- Das war mehr als ein Treffen, Hoheit, das war eine Schlacht.
-- Eine Schlacht?
-- Zwanzigtausend Russen, die aus den Grenzprovinzen und dem Gouvernement
Tobolsk heranzogen, stürzten sich 150,000 Tartaren entgegen und wurden
trotz ihres verzweifelten Muthes fast aufgerieben.
-- Du lügst, rief der Großfürst, der vergeblich seinen Zorn zu bemeistern
suchte.
-- Ich spreche die Wahrheit, Hoheit, antwortete frostig Iwan Ogareff. Ich
war selbst bei der Schlacht von Krasnojarsk gegenwärtig und gerieth eben
da in Gefangenschaft!“
Der Großfürst ward wieder ruhiger und gab Iwan Ogareff durch ein Zeichen
zu erkennen, daß er nicht an seiner Aufrichtigkeit zweifle.
„An welchem Tage fand die Schlacht von Krasnojarsk statt? fragte er.
-- Am 2. September.
-- Und jetzt sind alle tartarischen Truppen um Irkutsk concentrirt?
-- Alle.
-- Und Du schätzest diese ...?
-- Auf 400,000 Mann.“
Diese Angabe beruhte wiederum auf einer zu demselben Zwecke vorgebrachten
Uebertreibung Iwan Ogareff’s.
„Und aus den westlichen Provinzen habe ich keinen Entsatz zu erwarten?
fragte der Großfürst.
-- Nein, kaiserliche Hoheit, mindestens nicht vor Ausgang des Winters.
-- Nun wohl, so höre, Michael Strogoff. Sollte ich auch weder von Osten
noch von Westen her Unterstützung bekommen, und zählten die Barbaren
600,000 Mann, ich werde Irkutsk niemals übergeben!“
Das boshafte Auge Iwan Ogareff’s bedeckte sich ein wenig. Der Verräther
schien sagen zu wollen, daß der Bruder des Czaar seine Rechnung ohne
Rücksicht auf Verrätherei machte.
Der Großfürst hatte bei seinem nervösen Temperament alle Mühe, bei diesen
Unglücksbotschaften seine Ruhe zu bewahren. Er ging im Salon auf und ab
vor den Augen Iwan Ogareff’s, die ihm wie einer schon seiner Rache
verfallenen Beute folgten. Er blieb an den Fenstern stehen, blickte nach
den Wachtfeuern der Tartaren und suchte sich über ein Geräusch
aufzuklären, das ja meist nur von den in der Angara dahintreibenden und
aneinander prallenden Eisschollen herrührte.
Eine Viertelstunde verging, ohne daß er eine weitere Frage stellte. Dann
nahm er den Brief nochmals zur Hand und durchlas eine besondere Stelle
desselben.
„Du weißt, Michael Strogoff, daß hierin von einem Verräther die Rede ist,
vor dem ich mich hüten soll?
-- Ja, Hoheit.
-- Er soll unter irgend einer Verkleidung nach Irkutsk einzudringen suchen
und sich um mein Vertrauen bewerben, um zur gegebenen Zeit die Stadt den
Tartaren zu überliefern.
-- Ich kenne das Alles, kaiserliche Hoheit, und weiß auch, daß Iwan Ogareff
geschworen hat, persönlich an dem Bruder des Czaar seine Rache zu nehmen.
-- Warum?
-- Man sagt, dieser Officier sei von dem Großfürsten zu einer entehrenden
Degradation verurtheilt worden.
-- Ja, richtig, ... ich entsinne mich ... doch, er verdiente es, dieser
Elende, der später gegen sein Vaterland diente, um einen Einfall der
Barbaren zu organisiren.
-- Seiner Majestät dem Czaar, fuhr Iwan Ogareff fort, kam es vor allem
darauf an, Sie, kaiserliche Hoheit, von den verbrecherischen Absichten
gegen Ihre Person in Kenntniß zu setzen.
-- Ja, der Brief enthält die nöthigen Aufschlüsse ...
-- Und Seine Majestät haben das mir auch selbst mitgetheilt und mir
vorzüglich eingeschärft, mich bei meiner Reise durch Sibirien ja vor
diesem Verräther zu hüten.
-- Bist Du ihm begegnet?
-- Ja, Hoheit, nach der Schlacht von Krasnojarsk. Hätte er vermuthen
können, daß ich der Träger eines an Eure kaiserliche Hoheit gerichteten
Schreibens war, das seine abscheulichen Pläne enthüllte, so würde er mir
keine Gnade gewährt haben.
-- Gewiß, dann wärst Du verloren gewesen, antwortete der Großfürst. Doch
wie bist Du überhaupt entkommen?
-- Dadurch, daß ich mich in den Irtysch stürzte.
-- Und wie kamst Du nach Irkutsk herein?
-- Bei Gelegenheit eines an diesem Abende unternommenen Ausfalles, welcher
der Vertreibung einer Tartarenabtheilung galt. Ich mischte mich unter die
Vertheidiger der Stadt, es gelang mir, mich zu erkennen zu geben, und so
führte man mich sofort vor Eure kaiserliche Hoheit.
-- Gut, Michael Strogoff, antwortete der Großfürst. Du hast bei Deiner
Schwierigen Reise Muth und Eifer gezeigt. Ich werde Dich nicht vergessen.
Hast Du mir einen Wunsch vorzutragen?
-- Nein, außer dem, mich an der Seite Eurer kaiserlichen Hoheit schlagen zu
dürfen.
-- Es sei, Michael Strogoff, ich nehme Dich von heute ab in meinen
persönlichen Dienst und Du wirst auch in diesem Palaste Wohnung erhalten.
-- Und wenn nun Iwan Ogareff sich, wie er die Absicht haben soll, Eurer
kaiserlichen Hoheit unter einem falschen Namen vorstellt? ...
-- So wird er mit Deiner Hilfe, da Du ihn ja kennst, entlarvt werden, und
soll den Tod unter der Knute erleiden. Geh!“
Iwan Ogareff salutirte vor dem Großfürsten militärisch, indem er nicht
vergaß, daß er Kapitän bei dem Corps der Couriere des Czaar sei, und zog
sich zurück.
Iwan Ogareff begann seine Rolle also mit unleugbarem Erfolge zu spielen.
Das Vertrauen des Großfürsten hatte er schnell und im vollsten Maße
errungen. Er konnte dasselbe mißbrauchen, wo und wann es ihm beliebte. Er
sollte ja gar in dem Palaste selbst wohnen, würde in alle Geheimnisse der
Vertheidigung eingeweiht sein. Er hatte demnach die Situation vollständig
in der Hand. Niemand in Irkutsk kannte ihn, Niemand konnte ihm seine Maske
abreißen. Er beschloß also ohne Zögern an’s Werk zu gehen.
Die Zeit drängte in der That. Jedenfalls mußte die Auslieferung der Stadt
vor Eintreffen der aus dem Norden und Osten erwarteten Russen erfolgen;
letzteres konnte sich aber nur um wenige Tage handeln. Waren die Tartaren
erst Herren von Irkutsk, so wären sie gewiß nur schwer wieder daraus zu
vertreiben gewesen. Und wenn sie auch gezwungen würden, es später wieder
aufzugeben, so würde das doch nicht geschehen, als bis sie es von Grund
aus zerstört und den Kopf des Großfürsten zu Feofar-Khan’s Füßen gelegt
hätten.
Da Iwan Ogareff jetzt nichts hinderte, zu sehen, zu beobachten und zu
handeln, so beschäftigte er sich schon vom andern Tage an damit, die Wälle
zu besichtigen. Ueberall ward er von den Glückwünschen der Officiere,
Soldaten und Bürger begrüßt. Dieser Courier des Czaaren erschien ihnen wie
ein Band, welches sie auf’s Neue mit dem Kaiserreiche verknüpfte. Iwan
Ogareff erzählte bei dieser Gelegenheit mit einer Sicherheit, welche ihn
niemals im Stiche ließ, von den Drangsalen seiner Reise. Dann sprach er,
ohne das zu Anfange zu sehr zu betonen, von dem Ernste der Lage, wobei er,
ebenso wie vor dem Großfürsten, die Erfolge der Tartaren und die Kräfte,
über welche sie verfügten, absichtlich übertrieb. Seiner Darstellung nach
waren die bevorstehenden Zuzüge, selbst wenn sie rechtzeitig eintrafen,
gewiß unzureichend, und es stand zu befürchten, daß eine Schlacht unter
den Mauern von Irkutsk ebenso verderblich ausfallen würde, wie die Treffen
bei Kolyvan, Tomsk und Krasnojarsk.
Mit solchen Hiobsposten ging Iwan Ogareff aber keineswegs verschwenderisch
um. Er ließ diese mit kluger Berechnung nur nach und nach hören. Er schien
nur zu antworten, wenn man ihn fragte, und dann scheinbar nur mit
Widerwillen. Allemal aber fügte er hinzu, daß man sich bis auf den letzten
Mann vertheidigen und die Stadt eher in die Luft sprengen müsse, bevor man
sie übergebe.
Auf jede Weise suchte er die üble Lage schlimmer darzustellen. Die
Garnison und die Bevölkerung von Irkutsk waren glücklicher Weise aber viel
zu patriotisch, um sich einschüchtern zu lassen. Von allen diesen Soldaten
und Bürgern einer am Ende der asiatischen Welt isolirten Stadt dachte auch
kein Einziger nur entfernt an eine Uebergabe. Die Verachtung der Russen
gegen jene Barbaren kannte eben keine Grenzen.
Dagegen argwöhnte auch Keiner die häßliche Rolle, welche Iwan Ogareff
spielte, Keiner konnte vermuthen, daß dieser scheinbare Courier des Czaar
ein erbärmlicher Verräther war.
Ganz erklärlicher Weise trat Iwan Ogareff seit seiner Ankunft in Irkutsk
bald in nähere Beziehungen zu einem der begeistertsten Vertheidiger der
Stadt, zu Wassili Fedor.
Es ist dem Leser bekannt, von welch’ verzehrender Unruhe der unglückliche
Vater gequält ward. Wenn seine Tochter, wie er der Datumsangabe ihres
letzten Briefes nach annehmen mußte, Rußland wirklich zu jener Zeit
verlassen hatte, was mochte dann jetzt aus ihr geworden sein? Würde sie
dennoch versuchen, die von den Feinden überschwemmten Provinzen zu
bereisen, oder schmachtete sie vielleicht schon lange in Gefangenschaft?
Wassili Fedor fand kein anderes Betäubungsmittel für seinen Schmerz, als
sich gegen die Tartaren zu schlagen, eine Gelegenheit, die sich leider
viel zu selten darbot.
Als Fedor da die so unerwartete Ankunft eines Couriers des Czaar vernahm,
sagte ihm ein Vorgefühl, daß er von diesem werde Nachrichten über seine
Tochter einziehen können. Wenn er sich auch nicht verhehlte, daß diese
Hoffnung auf sehr schwachen Füßen stehe, so klammerte er sich doch gern an
sie an. War dieser Courier nicht auch gefangen gewesen, wie es Nadia
vielleicht heute noch war?
Wassili Fedor suchte also Iwan Ogareff auf, der begierig diese Gelegenheit
ergriff, mit dem Commandanten in tägliche Berührung zu kommen. Dachte der
Renegat wohl daran, auch diese Gelegenheit auszunützen?
Wie dem auch sei, jedenfalls entsprach Iwan Ogareff mit geschickt
verstelltem Eifer dem Entgegenkommen des Vaters Nadia’s. Schon am Morgen
nach der Ankunft des vermeintlichen Couriers begab jener sich nach dem
Palaste des Großfürsten. Dort theilte er Iwan Ogareff die Umstände mit,
unter welchen seine Tochter höchst wahrscheinlich das europäische Rußland
verlassen hatte, und sagte ihm, welche Unruhe er jetzt um ihretwillen
empfinde.
Iwan Ogareff kannte Nadia nicht, trotzdem er sie ja auf dem Relais zu
Ichim an jenem Tage gesehen hatte, wo sie sich mit Michael Strogoff
daselbst befand. Damals hatte er aber weder auf sie noch auf die beiden
Journalisten geachtet, die sich gleichzeitig auf jenem Posthofe
aufhielten. Er war also außer Stande, Wassili Fedor die gewünschten
Nachrichten über seine Tochter mitzutheilen.
„Wann hat Ihre Tochter, fragte Iwan Ogareff, das russische Gebiet etwa
verlassen?
-- Ungefähr zu derselben Zeit, wie Sie, antwortete Wassili Fedor.
-- Ich verließ Moskau am 15. Juli.
-- Nadia wahrscheinlich ganz zu derselben Zeit, wenigstens gab mir ihr
letzter Brief diesen Termin an.
-- Sie war am 15. Juli in Moskau?
-- Ja gewiß, an eben diesem Tage.
-- Richtig ...“ sagte zögernd Iwan Ogareff.
Dann aber schien er seine Meinung zu ändern.
„Nein, nein, ich täusche mich doch ... ich verwechsele jetzt das Datum,
fügte er hinzu, leider ist es zu wahrscheinlich, daß ihre Tochter die
Grenze noch überschritten hat, und Sie können nun höchstens die einzige
Hoffnung hegen, daß sie sich hat zurückhalten lassen, wenn sie von dem
Einfall der Tartaren Nachricht erhielt.
Wassili Fedor neigte betrübt den Kopf. Er kannte Nadia zu gut und wußte,
daß nichts im Stande sein würde, sie von ihrem Vorsatz abzubringen.
Iwan Ogareff beging hier eine unnöthige Grausamkeit. Er hätte Wassili
Fedor mit einem Worte beruhigen können. Hatte Nadia auch, wie wir wissen,
die sibirische Grenze unter ganz besondern Umständen passirt, so hätte
Wassili Fedor doch, wenn Jener ihm die Uebereinstimmung jenes Datums und
des ergangenen Verbotes erwähnte, glauben müssen, daß sie nicht den
Gefahren der Invasion ausgesetzt gewesen sei und sich, wenn auch
gezwungen, doch noch auf europäischem Gebiete befinden werde.
Iwan Ogareff, ein Mann, der von Anderer Leiden niemals berührt wurde,
folgte dabei nur seiner Natur, er hätte jenes Wort sprechen können ... er
sprach es nicht. Wassili Fedor zog sich mit gebrochenem Herzen zurück.
Nach dieser Erkundigung schwand ihm die letzte Hoffnung.
An den beiden folgenden Tagen, dem 3. und 4. October, ließ der Großfürst
den vermeintlichen Michael Strogoff wiederholt zu sich bescheiden und
befahl ihm, alles zu wiederholen, was er im kaiserlichen Cabinet des Neuen
Palais gehört hatte. Iwan Ogareff antwortete, da er sich auf solche Fragen
vorbereitet hatte, stets ohne Zögern. Er verheimlichte dabei absichtlich
nicht, daß die Regierung des Czaar durch den Einfall vollständig
überrascht und der Aufstand in tiefster Verschwiegenheit vorbereitet
worden sei, da die Tartaren schon die Linie des Obi besetzt hatten, als
die ersten Nachrichten davon nach Moskau gelangten, und endlich, daß in
den russischen Provinzen Nichts bereit sei, eine zur Vertreibung der
Feinde hinreichende Truppenmacht schnell nach Sibirien zu werfen.
Da er übrigens vollkommen sein freier Herr war, begann Iwan Ogareff nun
Irkutsk recht eigentlich zu studiren, den Zustand der Befestigungen und
vorzüglich deren schwächste Punkte auszuspähen, um davon Nutzen ziehen zu
können, wenn irgend ein Umstand ihn an der Ausführung der geplanten
Verrätherei hindern sollte. Ganz besonders nahm das Thor von Bolchaïa
seine Aufmerksamkeit in Anspruch, da er dieses zu überliefern
beabsichtigte.
An diesem Abend kam er zwei Mal an das Thor. Er ging hier auf und ab ohne
die Kugeln der Belagerer zu fürchten, deren erste Posten noch keine Werst
weit von demselben entfernt waren; er wußte recht gut, daß ihm nichts
widerfahren könne, ja, daß man ihn sogar erkenne.
Da bemerkte er einen Schatten, der geräuschlos bis an den Fuß der Erdwerke
heranschlich.
Sangarre war es, die ihr Leben auf’s Spiel setzte, um von Iwan Ogareff
Nachricht zu erlangen.
Uebrigens erfreuten sich die Belagerten seit zwei Tagen einer Ruhe, an
welche die Tartaren sie bisher nicht gewöhnt hatten.
Es geschah das auf Anordnung Iwan Ogareff’s. Der Lieutenant Feofar-Khan’s
wollte alle Versuche, die Stadt mit Gewalt zu erobern, aufgeschoben
wissen. Deshalb schwieg die Artillerie seit seiner Ankunft in Irkutsk
vollkommen. Vielleicht, – wenigstens setzte er noch einige Hoffnung
hierauf, – ließ die Wachsamkeit der Belagerten doch etwas nach. Für jeden
Fall hielten sich bei den Vorposten einige tausend Tartaren bereit, seiner
Zeit gegen das von seinen Vertheidigern entblößte Thor vorzugehen, wenn
von Iwan Ogareff die Stunde für den Angriff bestimmt worden wäre.
Das konnte ja nicht lange dauern. Die Entscheidung mußte fallen, bevor die
russischen Hilfstruppen vor Irkutsk anlangten. Iwan Ogareff’s Beschluß war
gefaßt und an diesem Abend glitt ein Billet den Wall hinab in die Hand
Sangarre’s.
Am andern Tage, in der Nacht vom 5. zum 6. October, wollte Iwan Ogareff
Irkutsk den Todfeinden seines Vaterlandes überliefern.
Vierzehntes Capitel.
Die Nacht vom 5. zum 6. October.
Iwan Ogareff’s Plan war mit größter Sorgfalt vorbereitet und mußte, im
Falle nicht ganz unvorhergesehene Ereignisse dazwischen traten, gewiß
gelingen, wenn er nur dafür sorgen konnte, das Thor von Bolchaïa zur Zeit,
wo er es ausliefern wollte, von Vertheidigern entblößt zu halten.
Gleichzeitig sollte die Aufmerksamkeit der Belagerten nach einer andern
Seite der Stadt abgelenkt werden. So hatte er mit dem Emir verabredet.
Ein Scheinangriff flußauf- und flußabwärts auf dem rechten Ufer der Angara
sollte an beiden Stellen mit möglichster Kraftaufwendung ausgeführt und
auch eine Ueberschreitung des Stromes nach dem linken Ufer versucht
werden. Dabei durfte man voraussetzen, daß das Thor von Bolchaïa ziemlich
verlassen werden würde, zumal da die tartarischen Vorposten vor demselben
weiter zurückgezogen werden sollten, um den Glauben zu erregen, sie wären
an anderen Stellen verwendet worden.
Der 5. October war herangekommen. Vor Ablauf von vierundzwanzig Stunden
sollte die Hauptstadt von Sibirien in den Händen des Emirs, der Großfürst
in der Gewalt Iwan Ogareff’s sein.
Im Laufe dieses Tages entstand in dem Thale der Angara eine ganz
ungewöhnliche Bewegung. Von den Fenstern des Palastes und der Häuser am
Ufer erkannte man deutlich, daß daselbst sehr umfassende Vorbereitungen
betrieben wurden. Viele tartarische Abtheilungen marschirten nach einem
Punkte zusammen und verstärkten die Truppenmacht, welche der Emir
persönlich befehligte. Alles das gehörte zu der verabredeten Diversion und
wurde möglichst auffällig in’s Werk gesetzt.
Iwan Ogareff verhehlte auch dem Großfürsten nicht, daß von jener Seite ein
Angriff zu befürchten sei. Er glaube annehmen zu müssen, sagte er, daß von
beiden Seiten der Stadt ein Sturmangriff geplant werde, und rieth dem
Großfürsten, die bedrohten Punkte möglichst zu verstärken.
Alles, was man sehen konnte, bestätigte Iwan Ogareff’s Ansicht, der man
sich bald Rechnung zu tragen entschloß. Nach einem im Palais abgehaltenen
Kriegsrathe erging der Befehl, die verfügbare Hauptmacht an beiden Enden
der Stadt, wo sich deren Wälle auf den Strom stützten, zu concentriren.
Das war es, was Iwan Ogareff vor Allem wünschte. Er rechnete zwar bestimmt
nicht darauf, daß das Thor von Bolchaïa ganz von Mannschaften entblößt
würde, aber diese konnten doch nur in geringer Stärke daselbst verbleiben.
Iwan Ogareff suchte der Diversion der Tartaren eine solche Bedeutung zu
geben, daß der Großfürst sich genöthigt sehen sollte, alle disponiblen
Kräfte gegen dieselbe aufzubieten.
Die Verhältnisse wurden übrigens durch ein Ereigniß von ungewöhnlicher
Bedeutung, wiederum einer Erfindung Iwan Ogareff’s, ungemein erschwert,
ein Ereigniß, welches jedoch sehr wesentlich zur Erreichung seiner
Absichten beitragen mußte. Wenn auch kein Angriff auf Irkutsk an den von
dem Thore von Bolchaïa entferntestem Punkte unternommen wurde, so hätte
jener Zwischenfall hingereicht, alle Kräfte der Vertheidiger dahin zu
concentriren, wo es Iwan Ogareff wünschte. Gleichzeitig mußte es eine
entsetzliche Katastrophe über die arme Stadt herbeiführen.
Es waren also alle Aussichten vorhanden, jenes Thor zur bestimmten Stunde
fast unbedeckt zu finden, während mehrere tausend Tartaren in Verstecken
bereit lagen, gegen dasselbe anzustürmen.
Während dieser Tage hielten sich die Garnison und die Bevölkerung von
Irkutsk immerfort auf jedes Ereigniß gefaßt. Alle Maßnahmen zur
Vertheidigung bei dem erwarteten Angriff auf bisher weniger beunruhigte
Punkte wurden eiligst getroffen. Der Großfürst und der General Voranzoff
visitirten die auf ergangenen Befehl verstärkten Posten. Das Elitecorps
Wassili Fedor’s hielt den nördlichen Theil der Stadt besetzt, aber mit der
Weisung, immer dahin beizuspringen, wo die Gefahr am größten wäre. Mit
diesen rechtzeitigen und auf Befehl Iwan Ogareff’s getroffenen Maßregeln
wuchs die Hoffnung, den beabsichtigten Angriff abzuschlagen. Das Ufer der
Angara war mit der geringen Menge Artillerie besetzt worden, über die man
eben verfügte. Wenn die Tartaren aber abgewiesen wurden, so konnte man
erwarten, daß sie für den Augenblick entmuthigt, einen erneuten Angriff
doch mindestens einige Tage verschieben würden. Die von dem Großfürsten
erwarteten Truppen mußten aber doch nun jede Stunde eintreffen. Das Heil
oder das Verderben von Irkutsk hing also nur an einem Fädchen.
An diesem Tage ging die Sonne um sechs Uhr zwanzig Minuten auf und um fünf
Uhr vierzig Minuten unter, nach Beschreibung eines Tagesbogens von elf
Stunden. Zwei Stunden noch kämpfte die Dämmerung gegen das Dunkel der
Nacht. Dann hüllte sich Alles in Finsterniß, und auch auf das Erscheinen
des Mondes, der sich gerade in Conjunction befand, war ja nicht zu
rechnen.
Die tiefe Dunkelheit mußte offenbar Iwan Ogareff’s Pläne begünstigen.
Schon seit mehreren Tagen leitete eine ziemlich heftige Kälte auf die
bevorstehende Strenge des sibirischen Winters über und an eben diesem
Abend war sie doppelt fühlbar. Die auf der rechten Seite der Angara
aufgestellten Truppen, welche ihre Anwesenheit nicht verrathen sollten,
hatten deshalb kein Wachtfeuer angezündet. Sie litten von der auffälligen
Erniedrigung der Temperatur ganz entsetzlich. Wenige Schritte unter ihnen
schwammen die Eisschollen hin, welche der Strom mit herantrieb. Den ganzen
Tag über sah man sie in gedrängten Massen in breitem Zuge zwischen beiden
Ufern. Dieser von dem Großfürsten und seinen Officieren beobachtete
Umstand ward für besonders glücklich angesehen. Es lag auf der Hand, daß
an eine Ueberschreitung der Angara gar nicht zu denken sei, so lange
dieses Gewirr von Eisstücken das Bett derselben bedeckte. Die Tartaren
konnten weder Boote noch Flöße benutzen. Dabei brauchte man nicht zu
befürchten, daß sie einen Uebergang auf dem etwa frisch aneinander
gefrorenen Eise versuchen würden, da dieses für die Passage einer starken
Colonne offenbar zu wenig haltbar war.
Wenn diese Verhältnisse auch den Vertheidigern von Irkutsk ganz
vortheilhaft erschienen, so hätte Iwan Ogareff sie doch bedauern müssen.
Doch im Gegentheil! Der Verräther wußte ja recht gut, daß die Tartaren gar
nicht ernstlich daran dachten, die Angara zu passiren, und daß alle ihre
hierauf abzielenden Bewegungen nur eine Kriegslist seien.
Gegen zehn Uhr Abends veränderte sich die Oberfläche des Flusses zum
größten Erstaunen und auch zum Nachtheile der Belagerten ganz wunderbar.
Der bisher unpraktikable Uebergang wurde frei. Das ganze Bett des Stromes
reinigte sich. Die Eisschollen, die seit einigen Tagen schon in großer
Menge dahinjagten, verschwanden plötzlich stromabwärts, und nur fünf bis
sechs schwankten noch vereinzelt zwischen den beiden Ufern. Sogar ihre
Structur veränderte sich gegenüber denjenigen, welche man zu sehen gewohnt
war, ganz auffallend. Sie erschienen nur als einzelne von einem größeren
Eisfelde mit glatten Rändern abgelöste Splitter.
Die russischen Officiere meldeten, als sie die Veränderungen am Flusse
wahrnahmen, dieselben dem Großfürsten. Sie erklärten sich übrigens
dadurch, daß das Eis sich an einer engern Stelle der Angara gestaut hatte
und einen festen Schutz bildete.
Man weiß, daß dem so war.
Die Passage der Angara mußte also jetzt leichter zu forciren sein, was die
Russen nun zu noch größerer Vorsicht nach dieser Seite nöthigte.
Bis Mitternacht blieb Alles ruhig. Gerade an der Ostseite, vor dem Thore
von Bolchaïa, konnte man nicht die geringste Bewegung wahrnehmen. Kein
Feuerschein glühte in dem Walde, der in der Entfernung mit den niedrigen
Wolken des Horizontes verschmolz.
Im Thale der Angara verrieth dagegen ein vielfacher Wechsel der Feuer eine
allgemeine Bewegung des Heeres.
Etwa eine Werst stromauf- und stromabwärts von den Stellen, wo die
Erdwerke sich den Abhängen des Flußufers anschlossen, ließ sich ein
dumpfes Geräusch vernehmen, ein Beweis dafür, daß daselbst tartarische
Truppenmassen aufgestellt waren, welche irgend eines Befehles harrten.
Noch eine Stunde verging. Alles blieb wie vorher.
Es schlug zwei Uhr auf dem Glockenthurme der Kathedrale in Irkutsk, und
auch nicht eine ernsthafte Bewegung der Belagerer deutete auf weitere
feindliche Absichten.
Der Großfürst und seine Officiere fragten sich, ob sie nicht in einer
Täuschung befangen wären, zu glauben, daß die Tartaren einen Versuch zur
Ueberrumpelung der Stadt wagen wollten. Fast in keiner der vorhergehenden
Nächte ging es so ruhig zu. Immer blitzten sonst in der Vorpostenkette
einzelne Flintenschüsse auf und brausten einige gröbere Geschosse durch
die Luft, – heute blieb Alles still.
Dennoch verweilten der Großfürst, der General Voranzoff und deren
Adjutanten Jeder auf seinem Posten, bereit je nach den Umständen die
nöthigen Befehle zu geben und zu ertheilen.
Wir wissen, daß Iwan Ogareff ein Zimmer des Palastes bewohnte. Eigentlich
war dasselbe ein geräumiger Saal im Erdgeschoß, dessen Fenster nach einer
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