Pläne nicht verwirklicht hatten.
»Nun, wie steht es?« frug ihr Gatte sie, als sie wieder nach Hause
zurückgekehrt waren.
»Er nimmt sie nicht,« sagte Kity, in Lächeln und Sprachweise an den
Vater gemahnend, was Lewin häufig mit Vergnügen an ihr wahrnahm.
»Warum sollte er nicht?« --
»So steht es,« sprach sie, die Hand des Gatten ergreifend, sie an ihren
Mund führend und mit geschlossenen Lippen berührend; »so wie man die
Hand des Priesters küßt.«
»Wer aber mag denn wohl nicht?« sagte er lachend.
»Beide. -- Sie müßten so hier« --
»Es kommen Bauern vorüber« --
»Sie haben nichts gesehen.« --
6.
Während die Kinder den Thee erhielten, saßen die Erwachsenen auf dem
Balkon und unterhielten sich, als sei nichts vorgefallen, obwohl doch
alle und insbesondere Sergey Iwanowitsch und Warenka, recht gut wußten,
daß sich ein wenn auch negativer, so doch sehr wichtiger Umstand
ereignet hatte.
Sie empfanden beide das nämliche Gefühl, ähnlich dem, welches wohl
ein Schüler haben mag, der nach einem mißglückten Examen in der alten
Klasse zurückgeblieben, oder für immer aus der Anstalt ausgewiesen
worden ist. Alle Anwesenden, gleichfalls empfindend, daß etwas
geschehen sei, sprachen lebhaft von Nebendingen.
Lewin und Kity fühlten sich besonders glücklich und liebeerfüllt an
diesem Abend. Daß sie glücklich waren in ihrer Liebe, das schloß
freilich einen unangenehmen Wink für diejenigen in sich, welche es
ebenfalls sein wollten und nicht konnten -- und hieraus machten sie
sich ein Gewissen.
»Denkt an mein Wort, =Alexandre= wird nicht kommen,« sagte die alte
Fürstin.
Am heutigen Abend erwartete man Stefan Arkadjewitsch von der Bahn, und
auch der alte Fürst hatte geschrieben, daß er vielleicht gleichfalls
kommen werde.
»Ich weiß, woher es kommt,« fuhr die Fürstin fort, »er sagt, man müsse
junge Leute in der ersten Zeit allein lassen.«
»So hat Papa auch uns gelassen. Wir haben ihn noch nicht
wiedergesehen,« sagte Kity, »und was wären wir denn für junge Eheleute?
Wir sind doch schon so alt!«
»Nun, wenn er nicht kommt, muß ich euch verlassen, Kinder,« sprach die
Fürstin, bekümmert seufzend.
»Was ist dir, Mama?« fielen ihr beide Töchter ins Wort. »Bedenke doch,
sein Befinden -- wir sind doch jetzt« --
-- Die Stimme der alten Fürstin begann plötzlich und unverhofft zu
schwanken. Die Töchter verstummten und blickten sich gegenseitig an.
»=Maman= findet stets eine rührende Seite für sich,« sagten sie mit
diesem Blick. Sie wußten nicht, daß, so wohl sich auch die Fürstin
bei ihrer Tochter befand, so notwendig sie sich für diese auch hier
fühlte, es ihr gleichwohl qualvoll traurig zu Mute war, ihr, wie ihrem
Gatten, seit der Zeit, seit welcher sie ihre letzte geliebte Tochter
verheiratet hatten, und das elterliche Heim verödet war.
»Was ist Euch, Agathe Michailowna?« frug Kity plötzlich die mit
geheimnisvoller Miene und bedeutungsvollem Gesicht stehen gebliebene
Agathe Michailowna.
»Die Bestimmung für das Abendessen.«
»Schön so,« sagte Dolly, »gehe du, um deine Verfügungen zu treffen, ich
will mit Grischa dessen Lektion wiederholen; er hat ohnehin heute noch
nichts gethan.«
»Laß mich doch diese Lektion geben! Nein, Dolly, ich will gehen« --
sagte Lewin aufspringend.
Grischa, welcher bereits das Gymnasium besuchte, mußte im Sommer
seine Lektionen repetieren. Darja Aleksandrowna, welche schon in
Moskau mit ihrem Sohne zugleich die lateinische Sprache gelernt hatte,
hatte es sich, nachdem sie zu Lewin gekommen war, zum Gesetz gemacht,
mit ersterem die schwierigsten Lektionen im Lateinischen und der
Arithmetik, wenigstens einmal täglich, zu repetieren.
Lewin hatte sich erboten, sie abzulösen, aber die Mutter, welche einmal
den Unterricht Lewins mit angehört, und bemerkt hatte, daß derselbe
nicht so erteilt würde, wie der Lehrer in Moskau repetierte, so
erklärte sie ihm, verlegen und sich bemühend, Lewin nicht zu verletzen,
bestimmt, daß man nach dem Buche so vorgehen müsse, wie der Lehrer, und
daß sie dies am liebsten wohl selbst wieder thun möchte.
Lewin ereiferte sich über Stefan Arkadjewitsch, weil dieser in seiner
Sorglosigkeit sich nicht selbst mit der Überwachung des Unterrichts
befaßte, sondern die Mutter, welche doch nichts davon verstand,
und ferner auch über die Lehrer, weil sie die Kinder so schlecht
unterrichteten; seiner Schwägerin aber gab er das Versprechen, daß er
den Unterricht so geben wolle, wie sie es wünschte. Er ging daher mit
Grischa nicht mehr nach seiner Methode weiter, sondern nach dem Buche,
und daher mit Widerwillen und häufig die Lehrzeit vergessend.
So war es auch heute.
»Nein, ich gehe, Dolly, bleib du sitzen,« sagte er; »wir werden schon
alles machen, wie es der Ordnung gemäß ist, nach dem Buche. Sobald
Stefan gekommen ist, wollen wir zur Jagd gehen; wir werden uns dann
schon die Zeit vertreiben.«
Lewin begab sich zu Grischa.
Das Nämliche sagte Warenka zu Kity. Warenka hatte es verstanden, sich
in dem glücklichen, wohlbestellten Haus der Lewin nützlich zu machen.
»Ich will das Abendessen bestellen, Ihr aber bleibt nur sitzen,« sagte
sie und erhob sich, um zu Agathe Michailowna zu gehen.
»Man hat wohl keine jungen Hühner gefunden. Denn« -- sagte Kity.
»Ich werde schon mit Agathe Michailowna überlegen« -- und Warenka
verschwand mit dieser.
»Welch ein liebes Mädchen,« sagte die Fürstin.
»Nicht lieb, =Maman=, reizend, wie es keines weiter giebt.«
»So erwartet Ihr also heute Stefan Arkadjewitsch?« sprach Sergey
Iwanowitsch, der augenscheinlich das Gespräch über Warenka nicht
fortzusetzen wünschte. »Es dürfte schwer sein, zwei Schwager zu finden,
die einander weniger ähnlich wären,« sagte er mit feinem Lächeln. »Der
Eine beweglich, nur in der Gesellschaft lebend wie ein Fisch im Wasser;
der Andere, unser Konstantin, lebhaft, schnell, empfänglich für alles;
aber sobald er in der Gesellschaft ist, erstirbt er, oder schlägt sich
sinnlos wie ein Fisch auf dem Lande.«
»Ja, er ist sehr unüberlegt,« sagte die Fürstin, sich zu Sergey
Iwanowitsch wendend, »ich wollte Euch eben bitten, ihm zu sagen,
daß sie,« sie wies auf Kity, »unmöglich hier bleiben kann, sondern
jedenfalls nach Moskau kommen muß. Er sagt, er würde einen Arzt
verschreiben« --
»=Maman=, er thut alles und ist mit allem einverstanden,« antwortete
Kity, voll Verdruß über die Mutter, weil sie in dieser Angelegenheit
Sergey Iwanowitsch zum Richter berief.
Mitten in ihrer Unterhaltung wurde in der Allee das Schnauben von
Pferden und das Geräusch von Rädern auf dem Schotter vernehmbar.
Dolly hatte sich noch nicht erhoben, um ihrem Mann entgegenzugehen,
als Lewin aus dem Fenster des Zimmers, in welchem Grischa lernte,
hinabsprang und Grischa heruntersetzte.
»Es ist Stefan!« rief Lewin unter dem Balkon hinauf, »wir sind fertig
Dolly; fürchte nichts!« fügte er hinzu, und begann wie ein Knabe, der
Equipage entgegenzurennen.
»=Is, ea id, eius eius eius=,« schrie Grischa, auf der Allee
hinspringend.
»Und noch jemand ist mit! Wahrscheinlich der Papa!« rief Lewin, am
Eingang der Allee stehen bleibend. »Kity geh nicht zu der steilen
Treppe herunter!«
Lewin irrte indes, wenn er den, der noch im Wagen saß, für den alten
Fürsten gehalten hatte. Als er dem Wagen näher kam, erkannte er neben
Stefan Arkadjewitsch nicht den Fürsten, sondern einen rot aussehenden,
wohlbeleibten, jungen Mann in schottischer Mütze mit langen
Bandstreifen hinten hinunter.
Dies war Wasjenka Wjeslowskij, ein Vetter im dritten Gliede von den
Schtscherbazkiy, und ein in Petersburg und Moskau glänzender junger
Mann, »ein ausgezeichneter Mensch und leidenschaftlicher Jäger«, wie
ihn Stefan Arkadjewitsch vorstellte.
Durchaus nicht verlegen über die Enttäuschung, die er hervorrief,
indem er mit seiner Person die des alten Fürsten vertrat, begrüßte
Wjeslowskij Lewin heiter, an die alte Bekanntschaft erinnernd, und
Grischa in den Wagen hebend, setzte er denselben an des Pointeurs
Stelle, den Stefan Arkadjewitsch mitgebracht hatte, weiterfahrend.
Lewin setzte sich nicht mit in den Wagen, sondern ging hinterdrein.
Er war verdrießlich, daß der alte Fürst nicht mitgekommen war, den
er umsomehr liebte, je mehr er ihn kennen lernte, sowie darüber, daß
dieser Wasjenka Wjeslowskij, ein vollständig fremder und überflüssiger
Mensch erschienen war. Derselbe kam ihm um so fremder und überflüssiger
vor, als er, indem Lewin zur Freitreppe schritt, auf welcher sich der
ganze lebhafte Trupp der Erwachsenen und Kinder versammelt hatte,
bemerkte, wie Wasjenka Wjeslowskij mit besonderer Zärtlichkeit und
galanter Miene Kity die Hand küßte.
»Aha, wir sind ja Cousins mit Eurer Frau und alte Bekannte,« sagte
Wasjenka Wjeslowskiy, die Hand Lewins wiederholt außerordentlich stark
drückend.
»Nun, giebt es viel Wild hier?« wandte sich Stefan Arkadjewitsch an
Lewin, der kaum mit der Begrüßung eines jeden fertig wurde. »Ich und
der da, wir haben die ernstesten Absichten. Nun =maman=, seit dem
letzten Male nicht wieder in Moskau gewesen! Tanja, für dich habe ich
Etwas! Hole dir's, im Wagen, hinten,« so sprach er nach allen Seiten.
»Wie du dich erholt hast, Dollchen,« sagte er zu seiner Frau, ihr
nochmals die Hand küssend, indem er dieselbe in der seinen hielt und
sie von oben mit der andern sanft pätschelte.
Lewin, eine Minute zuvor noch in der heitersten Stimmung gewesen,
blickte jetzt finster auf alle; es gefiel ihm jetzt nichts mehr.
»Wen mag er gestern mit diesen Lippen da geküßt haben?« dachte er, die
Zärtlichkeit Stefan Arkadjewitschs für seine Gattin sehend. Er schaute
Dolly an, und auch sie gefiel ihm nicht. »Sie glaubt doch nicht an
seine Liebe. Weshalb ist sie denn so erfreut? -- Widerlich,« dachte
Lewin.
Er schaute auf die Fürstin, die einen Augenblick zuvor noch so
liebenswürdig mit ihm gewesen war, und es gefiel ihm die Art und Weise
nicht, mit welcher sie diesen Wasjenka mit seinen Bändern bewillkommte,
als lüde sie ihn in ihr eigenes Haus.
Selbst Sergey Iwanowitsch, der gleichfalls auf die Freitreppe
herausgetreten war, erschien ihm unangenehm mit jener geheuchelten
Freundlichkeit, mit der er Stefan Arkadjewitsch begegnete, obwohl doch
Lewin wußte, daß sein Bruder Oblonskiy weder liebte noch achtete.
Selbst Warenka -- selbst diese war ihm zuwider, dadurch, daß sie sich
mit ihrem Ausdruck =sainte nitouche= mit diesem Herrn da bekannt
gemacht hatte, obwohl sie doch nur daran dachte, wie sie wohl einen
Mann bekommen könne. Am allerverhaßtesten aber war ihm Kity, da sie
sich dem nämlichen Tone der Heiterkeit hingab, mit welchem dieser
Herr, wie an einem Festtag, für sich und alle, seine Ankunft auf dem
Dorfe betrachtete, und sie war ihm ganz besonders unangenehm durch das
eigenartige Lächeln, mit welchem sie dem seinigen antwortete.
In geräuschvoller Unterhaltung gingen alle in das Haus; man hatte sich
aber kaum niedergelassen, als Lewin sich wandte und hinausging.
Kity sah, daß in ihrem Manne etwas vor sich ging. Sie wollte eine
Minute erhaschen, um mit ihm allein zu sprechen, er aber beeilte sich,
vor ihr fortzukommen, indem er sagte, er müsse nach dem Comptoir.
Seit langem waren ihm die Wirtschaftsangelegenheiten nicht so wichtig
erschienen, als jetzt. »Sie haben hier immer Feiertag,« dachte er,
»hier aber giebt es Arbeiten, die nicht müßiger Natur sind, welche
nicht warten, und ohne die man nicht existieren kann.«
7.
Lewin kehrte erst nach Hause zurück, als man ihn zum Abendessen hatte
rufen lassen. Auf der Treppe stand Kity und Agathe Michailowna in der
Beratung über die Weine für das Abendessen.
»Aber wozu solchen Aufwand machen? Setzt doch vor, was es gewöhnlich
giebt.«
»Nein; Stefan trinkt nicht -- aber Konstantin, so warte doch, was ist
denn mit dir?« rief Kity, ihm nacheilend; er aber ging unbarmherzig,
ohne auf sie zu warten, mit großen Schritten nach dem Salon und mischte
sich sofort in das allgemeine, lebhafte Gespräch, das hier Wasjenka
Wjeslowskij und Stefan Arkadjewitsch unterhielten.
»Nun, fahren wir morgen zur Jagd?« sagte Stefan Arkadjewitsch.
»Bitte, fahren wir,« sagte Wjeslowskij, sich seitwärts auf einen
anderen Stuhl setzend und das fette Bein unterschlagend.
»Freut mich sehr, wir werden fahren. Habt Ihr schon gejagt dieses
Jahr?« sagte Lewin zu Wjeslowskij, aufmerksam dessen Fuß betrachtend,
aber mit erheuchelter Freundlichkeit, die Kity so gut an ihm kannte,
und die ihm so wenig stand. »Ob wir Wachteln finden werden, weiß ich
nicht, doch Bekassinen sind viel vorhanden; nur muß man zeitig fahren.
Ihr seid doch nicht müde? Bist du nicht ermattet, Stefan?«
»Ich ermattet? Ich bin noch nie matt gewesen. Wir wollen die ganze
Nacht nicht schlafen! Fahren wir spazieren!«
»In der That; wir wollen einmal nicht schlafen! Ausgezeichnet!« stimmte
Wjeslowskij bei.
»O, wir sind davon überzeugt, daß du nicht zu schlafen vermagst, und
andere nicht schlafen lassen kannst,« sagte Dolly zu ihrem Gatten mit
jener kaum bemerkbaren Ironie, mit welcher sie sich jetzt fast stets
an ihn wandte. »Aber nach meiner Ansicht ist es jetzt schon Zeit -- ich
will gehen, ich werde nicht zu Abend essen.« --
»Nein, du bleibst sitzen, Dollchen,« rief Stefan Arkadjewitsch, auf
ihre Seite am großen Tische hinübergehend, an welchem zu Abend gegessen
wurde. »Ich habe dir noch soviel zu erzählen.«
»In Wahrheit aber nichts.«
»Weißt du, Wjeslowskij war bei Anna; und er wird wieder zu den beiden
fahren. Sie sind freilich einige siebzig Werst weit von euch entfernt.
Auch ich werde zweifellos einmal hinfahren. Wjeslowskij, komm doch
hierher!«
Wasjenka war zu den Damen gegangen, und hatte sich neben Kity
niedergelassen.
»Ach bitte erzählt uns doch, bitte, Ihr waret also bei ihr? Wie geht es
ihr?« wandte sich Darja Aleksandrowna an ihn.
Lewin war auf der anderen Seite des Tisches geblieben und sah, ohne in
dem Gespräch mit der Fürstin und Warenka innezuhalten, daß zwischen
Stefan Arkadjewitsch, Dolly, Kity und Wjeslowskij ein lebhaftes und
geheimnisvolles Gespräch geführt wurde. Obwohl das Gespräch leise
geführt wurde, gewahrte Lewin doch auf dem Gesicht seiner Frau den
Ausdruck einer ernsten Empfindung, als sie unverwandt in das rote
Gesicht Wasjenkas blickte, der lebhaft erzählte.
»Es geht ihnen sehr gut,« berichtete Wasjenka von Wronskiy und Anna.
»Ich natürlich möchte es nicht auf mich nehmen, zu urteilen, aber in
ihrem Hause befindet man sich wie in der Familie.«
»Was beabsichtigen sie denn zu thun?«
»Wie es scheint, wollen sie für den Winter nach Moskau.«
»Wie schön wäre es, wenn wir zusammen zu ihnen reisen könnten. Wann
wirst du fahren?« frug Stefan Arkadjewitsch Wasjenka.
»Ich werde den Juli bei ihnen zubringen.«
»Und auch du wirst doch mitfahren?« wandte sich Stefan Arkadjewitsch an
seine Frau.
»Ich habe schon lange hingewollt und werde sicher fahren,« sagte
Dolly. »Sie thut mir leid, und ich kenne sie. Sie ist ein schönes
Weib. Ich werde allein reisen, wenn du weggehst, und niemand dadurch
belästigen. Es ist sogar besser, wenn du nicht da bist.«
»Auch gut,« sagte Stefan Arkadjewitsch, »und Kity?«
»Ich? Weshalb sollte ich hinreisen?« antwortete Kity, in mächtige
Aufregung geratend, und schaute nach ihrem Gatten.
»Aber Ihr seid doch mit Anna Arkadjewna bekannt?« frug sie Wjeslowskij,
»sie ist ein sehr anziehendes Weib.«
»Ja,« antwortete sie Wjeslowskij, noch tiefer errötend, erhob sich, und
ging zu ihrem Manne.
»Du willst also morgen auf die Jagd fahren?« sagte sie.
Seine Eifersucht in diesen wenigen Augenblicken war, besonders
angesichts dieser Röte, die ihre Wangen bedeckte, als sie mit
Wjeslowskij sprach, schon hoch gestiegen. Jetzt faßte er, indem er ihre
Worte vernahm, diese nach seiner Weise auf. So seltsam es ihm auch
erschien, wenn er späterhin hieran zurückdachte, jetzt schien es ihm
klar zu sein, daß sie, wenn sie ihn frug, ob er auf die Jagd fahre, nur
interessierte, zu erfahren, ob er Wasjenka Wjeslowskij das Vergnügen
machen wolle, ihm, in den sie nach seiner Auffassung schon verliebt war.
»Ja, ich werde fahren,« antwortete er mit unnatürlicher, ihm selbst
abstoßend erscheinender Stimme.
»Aber Ihr verbrächtet doch besser den Tag morgen hier; Dolly hat ja
sonst ihren Mann gar nicht gesehen; übermorgen könntet Ihr fahren,«
sagte Kity.
Der Sinn dieser Worte Kitys war von Lewin bereits so gewandelt: »Trenne
mich nicht von ihm. Daß du fährst, ist mir ganz gleichgültig, doch laß
mich die Gesellschaft dieses reizenden jungen Mannes genießen.«
»Ach, wenn du willst, so werden wir morgen zu Haus bleiben,« antwortete
Lewin mit eigentümlicher Zuvorkommenheit.
Wasjenka mittlerweile, der nicht im geringsten das Leid ahnte, welches
seine Anwesenheit verursacht hatte, war mittlerweile nach Kity vom
Tische aufgestanden und ihr, sie mit freundlichem lächelnden Blick
verfolgend, nachgegangen.
Lewin sah diesen Blick. Er erblich und vermochte eine Minute nicht,
Atem zu schöpfen. »Wie kann man sich erlauben, so auf mein Weib zu
schauen,« schäumte es in ihm.
»Also morgen? Fahren wir also,« sagte Wasjenka, sich auf den
Stuhl niederlassend und wiederum nach seiner Gewohnheit den Fuß
unterschlagend.
Die Eifersucht Lewins stieg noch höher. Er sah sich schon als
betrogenen Gatten, den die Frau und ihr Liebhaber nur dazu brauchen,
ihnen die Annehmlichkeiten des Lebens und Vergnügungen zu gewähren.
Aber nichtsdestoweniger frug er Wasjenka liebenswürdig und
gastfreundlich nach seinen Jagdzügen, seinem Gewehr, den Stiefeln und
war einverstanden damit, morgen zu fahren.
Zum Glück für Lewin kürzte die alte Fürstin seine Leiden dadurch, daß
sie sich erhob und Kity anriet, schlafen zu gehen. Aber auch hierbei
ging es nicht ohne einen neuen Schmerz für Lewin ab. Als sich Wasjenka
von der Frau des Hauses verabschiedete, wollte er wiederum ihre Hand
küssen, allein Kity sagte errötend, und mit einer naiven Herbheit,
wegen der ihr später die alte Fürstin Vorwürfe machte, indem sie ihm
ihre Hand entzog: »Das ist bei uns nicht üblich!«
In den Augen Lewins war sie dadurch schuldig, daß sie solche
Beziehungen überhaupt zugelassen hatte, und noch schuldiger, weil sie
so ungeschickt bewiesen hatte, daß dieselben ihr nicht gefielen.
»Was ist das für ein Vergnügen zu schlafen!« sprach Stefan
Arkadjewitsch, nachdem er beim Abendessen einige Gläser Wein geleert
hatte und in seine gemütliche und poetische Stimmung geraten war.
»Sieh Kity,« sagte er, auf den hinter den Linden heraufsteigenden
Mond weisend, »wie reizend! Wjeslowskij, das wäre etwas, wenn du eine
Serenade singen willst. Weißt du, er hat nämlich eine großartige
Stimme, wir haben zusammen unterwegs gesungen. Er hat schöne Romanzen
mit, zwei neue; die könnte man mit Barbara Andrejewna singen!«
* * * * *
Als sich alles schon zurückgezogen hatte, ging Stefan Arkadjewitsch mit
Wjeslowskij noch in der Allee spazieren, und man hörte ihre Stimmen in
der neuen Romanze.
Lewin saß, den Stimmen lauschend, finster in dem Lehnstuhl im
Schlafgemach seiner Frau und schwieg hartnäckig auf deren Fragen, was
er denn habe; doch als sie endlich selbst schüchtern lächelnd frug:
»hat dir etwa irgend etwas mit Wjeslowskij nicht gefallen?« da brach
es hervor aus ihm, und er sagte alles. Das, was er aber hervorbrachte,
kränkte ihn, und erzürnte ihn nur so noch mehr.
Er stand vor ihr mit furchtbar unter den finsterzusammengezogenen
Brauen blitzenden Augen, und preßte die starken Hände auf die Brust,
als biete er alle seine Kräfte auf, an sich zu halten. Der Ausdruck
seines Gesichtes wäre rauh und selbst hart gewesen, wenn nicht zugleich
auch der Schmerz sich darauf ausgeprägt hätte, was sie rührte. Seine
Kinnbacken knirschten und seine Stimme brach ab.
»Verstehe wohl, daß ich nicht etwa eifersüchtig bin; dies ist ein
häßliches Wort! Ich kann nicht eifersüchtig sein und glauben, daß --
ich kann nicht sagen, was ich fühle, doch dies ist furchtbar! Ich bin
nicht eifersüchtig, aber beleidigt, erniedrigt, dadurch, daß jemand
wagt, zu denken -- wagt, mit solchen Augen auf dich zu blicken!« -- --
»Aber mit was für Augen?« sagte Kity, sich bemühend, so gewissenhaft
als möglich sich alle ihre Reden und Bewegungen vom heutigen Abend,
sowie alle Schattierungen derselben ins Gedächtnis zurückzurufen.
Auf dem Grund ihrer Seele fand sie, daß in jener Minute, als er ihr
nach dem andern Ende des Tisches gefolgt war, in der That etwas
gelegen hatte, aber sie wagte dies nicht einmal auch nur sich selbst
einzugestehen, und entschloß sich daher um so weniger, es ihm zu sagen
und dadurch seinen Schmerz noch zu vergrößern.
»Was soll nur Anziehendes sein an mir, wie ich jetzt bin« --
»Ach!« rief er, sich an den Kopf greifend; »hättest du nicht so
gesprochen -- das heißt also, wenn du anziehend gewesen wärest« --
»Mein Konstantin, halt ein, höre doch!« -- sprach sie, ihn mit
leidendem und mitleidvollem Ausdruck anblickend. »Was denkst du nur? Wo
es für mich doch keinen Menschen giebt, keinen, keinen! Willst du, daß
ich niemand hier sehen soll?«
In der ersten Minute war seine Eifersucht beleidigend für sie gewesen;
es war ihr verdrießlich gewesen, daß ihr auch die kleinste Zerstreuung,
selbst die unschuldigste, untersagt wurde; jetzt aber hätte sie sich
gern, nicht in solchen Kleinigkeiten, sondern in allem für seine Ruhe
geopfert, um ihn von dem Schmerz zu befreien, den er litt.
»Begreife doch nur das Entsetzliche und das Komische meiner Lage,«
fuhr er in verzweifeltem Flüsterton fort, »daß er in meinem Hause
ist, daß er nichts Unanständiges begangen hat, abgesehen von jener
Ungezwungenheit und dem Übereinanderschlagen seiner Füße. Er hält dies
für den besten Ton, und demzufolge muß ich noch mit ihm liebenswürdig
sein!«
»Aber, liebster Konstantin, du übertreibst ja,« sagte Kity, in der
Tiefe ihres Herzens erfreut über die Kraft seiner Liebe zu ihr, die
sich jetzt in seiner Eifersucht ausdrückte.
»Am Entsetzlichsten von allem ist, daß du -- jetzt so wie du es stets
gewesen, ein Heiligtum für mich -- daß wir so glücklich gewesen sind,
so selten glücklich -- und plötzlich konnte dieser Wicht -- nicht
Wicht; weshalb sollte ich ihn schimpfen? -- Ich habe mit ihm nichts zu
schaffen! Aber weshalb soll mein Glück, dein Glück« -- --
»Weißt du, ich begreife, woher dies alles gekommen ist,« begann Kity.
»Woher? Woher?«
»Ich habe gesehen, wie du blicktest, als wir beim Abendessen sprachen.«
»Nun ja, nun ja!« sagte Lewin erschreckt.
Sie erzählte ihm, wovon man gesprochen hatte, und als sie es erzählte,
kam sie vor Erregung außer Atem. Lewin verstummte, betrachtete ihr
bleiches, angstvolles Gesicht und griff sich plötzlich an den Kopf.
»Katja, ich habe dich gemartert! Mein Täubchen, verzeihe mir! Dieser
Wahnsinn! Katja, ich bin unendlich schuldig! Kann man nur durch solche
Thorheit sich quälen!«
»Nein, du nur thust mir leid.«
»Ich? Ich? Was für ein Wahnwitziger ich bin! Weshalb thue ich dir leid?
Es ist mir entsetzlich zu denken, daß jeder fremde Mensch unser Glück
zerstören kann.«
»Natürlich! das ist eben das Kränkende« --
»Nein; so werde ich ihn mit Absicht den ganzen Sommer bei uns behalten
und mich in Liebenswürdigkeiten gegen ihn überbieten,« sprach Lewin,
ihr die Hand küssend. »Du wirst sehen. Morgen. Ja, es ist wahr, morgen
wollen wir fahren.«
8.
Am andern Tage hatten sich die Damen noch nicht erhoben, als die
Jagdwagen schon vor der Einfahrt standen und Laska, der bereits am
Morgen gemerkt hatte, daß es zur Jagd gehe, sich heulend und nachdem er
sich satt getummelt hatte, in den einen der Wagen neben dem Kutscher
setzte, welcher ärgerlich und mißlaunig über die Verspätung nach der
Thür blickte, aus welcher die Jäger noch immer nicht herauskommen
wollten.
Zuerst erschien Wasjenka Wjeslowskij, in großen neuen Jagdstiefeln,
welche bis zur Hälfte der dicken Schenkel gingen; in grüner Bluse,
mit einer neuen, nach Juchten duftenden Patronentasche gegürtet und
in seiner Bändermütze und dem neuen englischen Gewehr. Laska sprang
ihm entgegen, begrüßte ihn, sprang an ihm empor und frug ihn auf seine
Weise, ob bald noch die anderen herauskommen würden, kehrte aber dann,
da er keine Antwort von ihm erhielt, auf seinen Warteposten zurück, um
hier wieder still zu werden, den Kopf auf die Seite gewendet und das
eine Ohr spitzend.
Endlich öffnete sich kreischend die Thür, und heraus flog, sich
wirbelnd und in der Luft drehend, Krak, der hellgescheckte Pointeur
Stefan Arkadjewitschs, worauf dieser selbst heraustrat, die Flinte in
den Händen und die Cigarre im Munde. Freundlich rief er seinem Hunde
zu, der ihm die Pfoten auf Leib und Brust setzte und sich mit denselben
in der Jagdtasche verwickelte.
Stefan Arkadjewitsch war mit ledernen Schnürstücken mit untergelegten
Strumpflappen an den Füßen, einem zerrissenen Beinkleid und einem
kurzen Rock bekleidet. Auf dem Kopfe saß die Ruine eines Hutes, das
Gewehr aber, nach modernstem System, war ein wahres Spielzeug und
die Jagdtasche und Patrontasche, obwohl abgetragen, von vorzüglicher
Qualität.
Wasjenka Wjeslowskij hatte früher diese echte Jägerkoketterie
nicht begriffen, in Lumpen zu gehen, und dabei ein Jagdgerät von
vorzüglichster Güte zu führen. Er begriff sie aber jetzt, als er Stefan
Arkadjewitsch mit diesen Lumpen, in all seiner eleganten, wohlgenährten
und behaglich gestimmten Herrenerscheinung erblickte, und faßte den
Entschluß, sich bei der nächsten Jagd unfehlbar ebenso zu equipieren.
»Nun, und was macht unser Wirt?« frug er.
»Ein junges Weib,« sagte Stefan Arkadjewitsch lächelnd.
»Und noch dazu ein reizendes.«
»Er war bereits angekleidet, aber wahrscheinlich ist er nochmals zu ihr
gelaufen.«
Stefan Arkadjewitsch hatte es erraten. Lewin war mehrmals zu seiner
Gattin geeilt, um sie noch einmal zu fragen, ob sie ihm seine gestrige
Dummheit vergeben habe, und dann, um sie zu bitten, doch um Christi
willen vorsichtiger zu sein. Hauptsächlich -- sich vor den Kindern
ferner zu halten -- sie konnten sie leicht einmal stoßen. Dann mußte er
von ihr nochmals die Versicherung erhalten, daß sie ihm nicht gram sei
darüber, daß er auf zwei Tage fortfuhr, und sie bitten, ihm unbedingt
morgen früh, mit dem ersten Zug, ein Billet zu schicken, und ihm
wenigstens zwei Worte zu schreiben, damit er nur wußte, daß sie sich
wohl befinde.
Kity war es wie stets schmerzlich, sich auf zwei Tage von ihrem
Gatten trennen zu sollen; allein als sie seine lebhafte Erscheinung,
die besonders groß und kraftvoll in den Jagdstiefeln und der weißen
Bluse erschien, und einen gewissen, ihr unverständlichen Schimmer der
Jagdfreude wahrgenommen hatte, vergaß sie, um ihm seine Freude zu
lassen, ihren Schmerz, und verabschiedete sich heiter von ihm.
»Entschuldigung, meine Herren!« sagte er, auf die Freitreppe
herauskommend. »Hat man das Frühstück eingepackt? Warum ist der Fuchs
rechts gespannt? Nun gleichviel! Laska -- leg' dich! -- Laß sie in die
ledige Herde,« wandte er sich an den Viehwärter, der an der Treppe mit
einer Frage über die Wallachen wartete.
Lewin sprang vom Wagen, auf dem er sich schon setzen wollte, zu einem
Zimmermann hin, der mit einem Ellenmaß zur Treppe gekommen war.
»Gestern ist er nicht ins Comptoir gekommen und heute hält er mich nun
ab. Was ist denn?«
»Wir müssen noch drei Stufen hinzunehmen; dann paßt es; sie wird dann
bequemer liegen.«
»Hättest du mir gehorcht,« antwortete Lewin ärgerlich. »Ich habe
gesagt, du sollst zuerst die Treppenlager, und die Stufen zuletzt
machen! Jetzt kommst du nun nicht aus. Thu wie ich dir befohlen habe,
und mache ein neues Lager.«
Es handelte sich darum, daß in einem im Bau befindlichen Flügel der
Zimmermann die Treppe verpfuscht hatte, indem er sie selbständig, ohne
die Höhe zu berechnen, gefertigt hatte, sodaß nun alle Stufen schräg
hingen, als man die Treppe an ihrem Platz aufstellte. Der Zimmermann
wollte nun, die Treppe lassend wie sie war, nur noch drei Stufen
hinzufügen.
»Es wird so viel besser werden.«
»Aber wohin willst du denn kommen mit den drei Stufen!«
»Gestattet,« antwortete der Zimmermann mit geringschätzigem Lächeln;
»da sie sich von unten erhebt,« er sprach dies mit überzeugender
Gebärde, »muß es gehen, sie muß passen!«
»Aber drei Stufen gehen doch noch in die Länge? Wohin soll sie denn da
kommen?«
»Da sie von unten auf geht, so muß sie passen,« beharrte der Zimmermann.
»Bis unter die Decke und an die Wand kommt sie.«
»Aber, mit Verlaub, sie kommt doch von unten, da wird sie passen.«
Lewin ergriff seinen Ladestock und begann ihm im Staube die Treppe zu
zeichnen.
»Siehst du nun?«
»Wie Ihr befehlt,« sagte der Zimmermann, plötzlich mit den Augen hell
aufblickend und endlich offenbar die Sache begreifend. »Es ist klar, es
muß eine neue Treppe gezimmert werden.«
»Nun also, thue nun, wie dir geheißen ist,« rief Lewin und setzte sich
wieder in den Wagen. »Fahr zu! -- Halt die Hunde, Philipp!«
Lewin empfand jetzt, nachdem er alle Sorgen des Hauses und der
Wirtschaft hinter sich gelassen hatte, ein so mächtiges Gefühl von
Lebensfreude und Erwartung, daß er keine Lust verspürte, zu sprechen.
Er hatte auch das Gefühl der konzentrierten Aufregung, welche jeder
Jäger verspürt, wenn er sich seinem Revier nähert. Wenn ihn jetzt
überhaupt etwas beschäftigte, so waren es nur die Fragen, ob man im
Kolpenskischen Moor etwas finden werde, wie sich Laska im Vergleich zu
Krak zeigen, und wie ihm selbst heute das Jagdglück lächeln würde.
Daß man sich vor einem fremden Jäger keine Blöße gab; daß Oblonskiy ihn
nicht überschießen möchte, auch dies kam ihm in den Kopf.
Oblonskiy hatte ein ganz ähnliches Gefühl, und war gleichfalls
wortkarg. Nur Wasjenka Wjeslowskij schwatzte lustig und unaufhörlich
weiter.
Als Lewin ihn jetzt hörte, fühlte er sich beschämt, wenn er daran
dachte, wie ungerecht er gestern gegen ihn gewesen sei.
Wasjenka war in der That ein vorzüglicher, naiver, gutmütiger
und sehr heiterer Mensch. Wäre Lewin noch unverheiratet mit ihm
zusammengekommen, so würde er sich ihm genähert haben. Nur war ihm ein
wenig unangenehmer seine müßige Stellung zum Leben, und eine gewisse
Ungezwungenheit bei aller Eleganz. Er schien sich gewissermaßen selbst
eine hohe unzweifelhafte Bedeutung beizumessen, daß er lange Nägel
und eine kleine Mütze trug und alles übrige dementsprechend, doch
konnte man dies bei seiner Gutherzigkeit und Solidität entschuldigen.
Er gefiel Lewin wegen seiner guten Erziehung, einer ausgezeichneten
Aussprache des Französischen und Englischen, und dann deshalb, weil er
ein Mensch seiner eignen Welt war.
Wasjenka gefiel das donische Steppenpferd am linken Strang
außerordentlich. Er war fortwährend exaltiert davon, »wie schön muß es
sich auf einem Steppenpferd durch die Steppe jagen lassen! Ha? Nicht
so?« sprach er. Er stellte sich in dem Ritt auf einem Steppenroß etwas
wundersames poetisches vor, woraus sich zwar nichts ergab, aber seine
Naivetät, besonders im Verein mit seiner Schönheit, seinem freundlichen
Lächeln und der Grazie seiner Bewegungen war sehr anziehend. Kam es
nun davon her, daß seine Natur Lewin sympathisch war, oder davon, daß
Lewin sich bemühte, zur Sühne für seinen gestrigen Fehltritt alles an
ihm gut zu finden, genug, Lewin fühlte sich angenehm von ihm berührt.
Nachdem man drei Werst gefahren war, tastete Wjeslowskij plötzlich nach
seinen Cigarren und der Brieftasche, und wußte nicht, ob er beides
verloren oder auf dem Tische liegen gelassen hatte.
In der Brieftasche waren dreihundertsiebzig Rubel, und daher durfte man
sie nicht im Stich lassen.
»Wißt Ihr was, Lewin, ich werde auf diesem donischen Beipferd nach
Hause reiten. Das wäre ausgezeichnet. Nicht?« sagte er, schon bereit,
aufzusitzen.
»Nein; warum das?« antwortete Lewin, der schon berechnet hatte, daß
Wasjenka nicht weniger als sechs Pud Gewicht haben müsse. »Ich werde
den Kutscher schicken.«
Der Kutscher ritt auf dem Beipferd ab, und Lewin lenkte nun selbst die
beiden übrigen Pferde.
9.
»Was haben wir denn für eine Marschroute? Erzähle doch gefälligst ein
wenig,« sagte Stefan Arkadjewitsch.
»Der Plan ist folgender: Jetzt werden wir bis Gwozdjowo fahren. In
Gwozdjowo befindet sich diesseits eine Niederung mit Schnepfen,
hinter Gwozdjowo aber ziehen sich wunderbare Bekassinensümpfe hin,
und Schnepfen sind auch da. Es ist jetzt heiß; wir werden gegen Abend
-- es sind noch zwanzig Werst -- ankommen, ein Abendfeld nehmen, dann
übernachten, und morgen schon in die großen Sümpfe gehen.«
»Aber giebt es denn unterwegs nichts?«
»O doch, aber wir würden uns da nur aufhalten und es ist heiß. Es giebt
zwei ausgezeichnete Plätze, aber schwerlich wird es da etwas geben.«
Lewin hatte selbst Lust, nach jenen Plätzen zu gehen, aber dieselben
lagen seiner Wohnung zu nahe und er konnte sie stets erreichen; die
Plätze waren auch klein -- drei konnten nicht auf ihnen schießen.
Infolge dessen schlug er im Geiste einen Haken, und sagte, es dürfte
kaum etwas dort zu finden sein. Als sie an dem kleinen Sumpfe
angekommen waren, wollte Lewin vorüberfahren, doch der erfahrene
Jägerblick Stefan Arkadjewitschs unterschied sogleich die vom Wege her
sichtbare Feuchtigkeit.
»Wollen wir nicht hinfahren?« sagte er, auf den Sumpf weisend.
»Lewin bitte; wie reizend!« begann Wasjenka Wjeslowskij zu bitten, und
Lewin mußte einwilligen.
Sie hatten noch nicht Halt gemacht, als schon die Hunde, sich
gegenseitig jagend, dem Sumpf zuflogen.
»Krak! Laska!«
Die Hunde kehrten zurück.
»Zu Dreien wird es uns zu eng werden. Ich werde hier bleiben,« sagte
Lewin, in der Hoffnung, daß sie nichts finden möchten als Kibitze, die
sich vor den Hunden erhoben und sich im Fluge überschlagend, kläglich
über dem Sumpfe schrieen.
»Nein! -- Kommt! Wir wollen zusammen gehen, Lewin!« rief Wjeslowskij.
»Richtig ist das; es wird zu eng! -- Laska, zurück; -- Laska! --
Braucht Ihr dann nicht einmal einen anderen Hund?«
Lewin blieb bei dem Wagen und schaute voll Mißgunst auf die Jäger.
Diese durchwanderten den ganzen Sumpf, aber außer einer Henne und
Kibitzen, von denen Wjeslowskij einen erlegte, war nichts darin.
»Nun da seht Ihr, daß ich den Sumpf nicht bedauerte,« sagte Lewin,
»wohl aber den Zeitverlust.«
»Ach nein; es war immerhin ganz hübsch! Habt Ihr es gesehen?« sprach
Wasjenka Wjeslowskij, unbehilflich auf den Wagen kletternd, die Flinte
und den Kibitz in den Händen. »Wie ich den gut getroffen habe, nicht
wahr? Nun, werden wir denn bald an den richtigen Ort kommen?«
Plötzlich rissen die Pferde in das Geschirr, Lewin schlug mit dem
Kopf an den Lauf eines der Gewehre, und ein Schuß ging los. Der Schuß
an sich ertönte schon früher, aber es schien Lewin nur so. Wasjenka
Wjeslowskij hatte, die Hähne in Ruhe setzend, den einen Drücker
berührt, während er den andern Hahn gehalten hatte.
Die Ladung ging in die Luft, ohne jemand Schaden zuzufügen. Stefan
Arkadjewitsch schüttelte den Kopf und lächelte Wjeslowskij
vorwurfsvoll zu, Lewin aber war nicht in der Stimmung, ihm einen
Vorwurf zu machen; erstens wäre jeder Vorwurf nur durch die
vorübergegangene Gefahr und die Beule, welche auf der Stirn Lewins
auftrat, hervorgerufen erschienen, zweitens aber war Wjeslowskij
anfangs so naiv ärgerlich, und fing dann so gutmütig und ansteckend an
über die allgemeine Aufregung zu lachen, daß es unmöglich war, nicht
mit zu lachen.
Als sie an den zweiten Sumpf gelangten, welcher ziemlich groß war, und
daher viel Zeit in Anspruch nehmen mußte, suchte Lewin dahin zu wirken,
daß man nicht hineinging. Doch Wjeslowskij besiegte ihn wieder durch
sein Bitten, und wiederum blieb Lewin, als gastfreundlicher Wirt, bei
dem Wagen zurück.
Sogleich bei der Ankunft witterte Krak nach den Maulwurfshügeln.
Wasjenka Wjeslowskij lief als der Erste hinter dem Hunde her und
Stefan Arkadjewitsch war noch nicht herangekommen, als schon ein Vogel
aufging. Wjeslowskij schoß fehl und der Vogel ließ sich in einer
ungemähten Wiese wieder nieder. Wjeslowskij aber war diese Beute
bestimmt. Krak fand sie wieder auf, stellte sie und er schoß sie und
kehrte dann zu dem Wagen zurück.
»Jetzt geht Ihr, und ich will bei den Pferden bleiben,« sprach er.
Lewin begann der Jagdneid zu ergreifen. Er übergab Wjeslowskij die
Zügel und begab sich in den Sumpf.
Laska, der schon lange kläglich gewinselt und sich über die
Ungerechtigkeit beklagt hatte, eilte vorauf direkt nach einem
verheißungsvollen, Lewin bekannten Gebiet, in welches Krak noch nicht
gekommen war.
»Weshalb hältst du ihn denn nicht zurück?« rief Stefan Arkadjewitsch.
»Er wird dich nicht schrecken,« antwortete Lewin, voll Freude über
seinen Hund, und ihm eilig folgend.
Auf der Suche Laskas wuchs, je näher dieser den bekannten Hügeln
kam, mehr und mehr der Ernst der Situation. Ein kleiner Sumpfvogel
zerstreute diesen nur auf einen Augenblick. Er beschrieb einen Kreis
vor den Hügeln, begann einen zweiten, erschrak dann plötzlich und
verschwand.
»Geh, geh Stefan!« rief Lewin, welcher fühlte, wie ihm das Herz höher
zu schlagen begann, und wie plötzlich, gleich als ob sich ein Riegel in
seiner seelischen Spannung zurückbewege, alle Geräusche, den Maßstab
ihrer Entfernung verlierend, ihn ungeregelt, aber scharf zu treffen
begannen. Er vernahm die Schritte Stefan Arkadjewitschs, sie für das
ferne Stampfen der Pferde haltend, er vernahm das spröde Geräusch
der mit den Wurzeln sich loslösenden Ecke eines Maulwurfhaufens, auf
welchen er getreten war, indem er dasselbe für den Flug eines Vogels
hielt. Er vernahm auch im Rücken in nicht großer Entfernung ein
Klatschen auf dem Wasser, von welchem er sich nicht Rechenschaft zu
geben vermochte.
Indem er sich einen Standort für die Füße suchte, bewegte er sich auf
seinen Hund zu.
Eine Bekassine machte sich vor dem Hunde auf. Lewin legte das Gewehr
an, aber in dem Augenblicke, als er zielte, verstärkte sich jenes
Geräusch von Klatschen auf dem Wasser; es kam näher, und mit ihm
vereinigte sich die Stimme Wjeslowskijs, der in sonderbarer Weise laut
rief.
Lewin sah, daß er mit der Flinte die Bekassine von hinten treffen
werde, schoß aber gleichwohl.
Überzeugt, daß er einen Fehlschuß gethan, blickte er um sich und
gewahrte, daß die Pferde mit dem einen Jagdwagen gar nicht mehr auf dem
Wege, sondern im Sumpfe waren.
Wjeslowskij, welcher das Schießen hatte sehen wollen, war in den Sumpf
gefahren und hatte die Pferde in eine Untiefe geführt.
»Hol' ihn der Teufel,« sagte Lewin zu sich selbst, zu der
feststeckenden Equipage zurückkehrend. »Weshalb seid Ihr denn
fortgefahren,« sagte er mit dürren Worten zu ihm, und machte sich,
nachdem er den Kutscher herbeigerufen hatte, daran die Pferde
loszubringen.
Lewin war verdrießlich geworden, daß man ihn im Schießen gestört und
die Pferde in den Sumpf geführt hatte, hauptsächlich aber auch, daß
bei dem Ausspannen der Pferde, was erforderlich war um sie wieder
freizumachen, weder Stefan Arkadjewitsch, noch Wjeslowskij ihm und
dem Kutscher Hilfe leisteten, weil weder dieser noch jener auch nur
den geringsten Begriff davon hatte, worin eigentlich das Anschirren
bestehe. Ohne Wjeslowskij ein Wort auf dessen Versicherung, es sei
hier ganz trocken, zu antworten, arbeitete Lewin schweigend mit dem
Kutscher daran, die Pferde zu befreien.
Als er indessen bei der Arbeit warm geworden war und sah, wie beflissen
und eifrig Wjeslowskij den Wagen an der Deichselstange zog, sodaß er
diese sogar abbrach, machte er sich selbst Vorwürfe darüber, daß er
unter dem Einfluß der gestrigen Empfindung allzu kalt gegen Wjeslowskij
gewesen war, und bemühte sich mit besonderer Liebenswürdigkeit seine
Barschheit wieder gutzumachen.
Nachdem alles wieder in Ordnung gebracht war, und die Wagen sich wieder
auf dem Wege befanden, ließ Lewin das Frühstück bringen.
»=Bon appétit -- bonne conscience! Ce poulet va tomber jusqu'au fond
de mes bottes=,« sagte Wjeslowskij, wieder lustig geworden, mit einem
französischen Sprichwort, ein zweites Hühnchen verspeisend. »Jetzt sind
unsere Leiden zu Ende und alles wird nun glücklich gehen. Nur will ich
wegen meines Vergehens dazu gezwungen sein, auf dem Bocke zu sitzen.
Ist es nicht recht so? Nein, ich bin Automedon! Paßt auf, wie ich Euch
fahren werde!« versetzte er, ohne die Zügel loszugeben, als ihn Lewin
bat, den Kutscher fahren zu lassen. »Nein; ich muß mein Vergehen wieder
gut machen, und befinde mich ganz wohl auf dem Bocke,« und er fuhr.
Lewin fürchtete ein wenig, er möchte die Pferde malträtieren, besonders
das Handpferd, einen Fuchs, den er nicht zu lenken verstand; doch
unwillkürlich fügte er sich seiner Heiterkeit, lauschte er den
Romanzen, welche Wjeslowskij, auf dem Bocke sitzend, den ganzen Weg
entlang sang, oder seinen Erzählungen und Vorführungen, wie man auf
englische Manier =four in hand= fahre -- und alle fuhren nach dem
Frühstück in der heitersten Stimmung nach dem Sumpfe von Gwozdjowo.
10.
Wasjenka trieb die Pferde so schnell, daß sie zu früh bei dem Sumpfe
ankamen, und es noch immer heiß war.
Als sie bei der Niederung angelangt waren, dem Hauptziele der Fahrt,
dachte Lewin unwillkürlich, wie er Wasjenka los werden und ohne eine
Störung jagen könnte. Stefan Arkadjewitsch wünschte augenscheinlich
das Nämliche, und auf seinem Gesicht sah Lewin den Ausdruck einer
Besorgnis, welche bei dem echten Jäger stets vor Beginn der Jagd
da zu sein pflegt, sowie den einer gewissen ihm eigenen gutmütigen
Verschlagenheit.
»Wie wollen wir fahren? Der Sumpf ist ausgezeichnet, ich sehe es; auch
Habichte sind da,« sagte Stefan Arkadjewitsch auf zwei über dem Ried
kreisende, große Vögel weisend. »Wo Habichte sind, ist sicher auch
Wild.«
»Nun, seht ihr Herren,« sagte Lewin, mit etwas mürrischem Ausdruck
seine Stiefel hochziehend und die Pistons auf dem Gewehr nachsehend;
»seht ihr diesen Ried?« Er wies auf eine kleine, dunkel in Schwarzgrün
schimmernde Insel, in einem weiten, sich auf dem rechten Ufer des
Flusses ausdehnenden, bis zur Hälfte gemähten nassen Wiesengrund.
»Der Sumpf beginnt hier, gerade vor uns, seht ihr -- wo das Grün ist.
Von da geht er rechts, wo die Pferde sind; -- hier befinden sich
auch Maulwurfshaufen und Bekassinen -- dann rund um diese Wiese bis
zu jenem Erlenwald und dicht bis zu der Mühle, dort wo man die Bucht
sieht. Das ist ein ausgezeichneter Platz; ich habe einmal siebzehn
Bekassinen hier geschossen; wir wollen uns nun mit den beiden Hunden
nach den verschiedenen Seiten trennen, und dort bei der Mühle wieder
zusammenkommen.«
»Aber wer geht rechts; wer links?« frug Stefan Arkadjewitsch. »Rechts
ist es weiter; geht dort zu Zweien, ich will links gehen,« sagte er, so
harmlos, wie er nur konnte.
»Schön; wir wollen ihn überschießen; also gehen wir, gehen wir,«
drängte Wasjenka.
Lewin konnte damit nur einverstanden sein, und so trennten sie sich.
Kaum waren sie in den Sumpf gelangt, als beide Hunde gleichzeitig zu
suchen begannen und nach dem Schlamme witterten. Lewin kannte dieses
Suchen Laskas, vorsichtig und zurückhaltend; er kannte auch den Platz,
und erwartete den Schwarm der Schnepfen.
»Wjeslowskij, geht nebenher, nebenher!« sagte er mit leiser
Stimme, zu dem im Wasser hinterher plätschernden Gefährten, dessen
Gewehrlaufrichtung Lewin nach dem unvorhergesehenen Schuß am
Kolpenskischen Sumpfe unwillkürlich interessierte.
»Ach nein, ich will Euch nicht im Wege sein, denkt nur nicht an mich!«
Lewin dachte aber unwillkürlich an ihn, und rief sich die Worte Kitys
ins Gedächtnis, mit denen diese ihn von sich gelassen: »Paßt auf, und
schießt einander nicht!« -- Näher und näher kamen die Hunde, einer am
anderen vorüber und jeder seine Spur verfolgend; die Erwartung war so
mächtig, daß Lewin das Schmatzen seines aus dem Schlamme emporgehobenen
Stiefelabsatzes als Schrei einer Schnepfe erschien, sodaß er den Kolben
des Gewehres packte und preßte.
»Puff, puff,« klang es ihm in die Ohren. Wasjenka hatte in eine Schar
Enten geschossen, welche über dem Sumpfe schwebten und jetzt bei weitem
noch nicht für Jäger in Schußweite gekommen waren. Lewin hatte sich
kaum umgeschaut, als eine Schnepfe schmatzte; eine zweite, eine dritte
-- noch acht dazu erhoben sich -- eine nach der anderen.
Stefan Arkadjewitsch erlegte eine gerade im Augenblick, als sie ihre
Zickzacklinien zu beschreiben begann, und die Schnepfe fiel wie ein
Klumpen in den Moorgrund. Oblonskiy legte hastig auf eine zweite an,
die noch niedrig flog, und auch diese fiel, zugleich mit dem Fall des
Schusses, und es war deutlich zu erkennen, wie sie von dem gemähten
Grunde aufsprang, mit dem heilgebliebenen weißen Flügel schlagend.
Lewin war nicht so glücklich; er hatte auf die erste Schnepfe zu nahe
geschossen und gefehlt; er hatte auf sie angelegt, indem sie sich noch
erhob, aber zur gleichen Zeit flog noch eine weitere dicht vor seinen
Füßen auf, lenkte ihn ab, und er that einen zweiten Fehlschuß.
Während sie die Gewehre wieder luden, erhob sich eine weitere Bekassine
und Wjeslowskij, der soeben zum zweitenmale geladen hatte, sandte
ihr über das Wasser noch zwei Ladungen feinen Schrot nach. Stefan
Arkadjewitsch sammelte seine Schnepfen und schaute mit glänzenden Augen
auf Lewin.
»Nun, jetzt wollen wir uns trennen,« sprach er, und schritt, auf dem
linken Fuße hinkend, die Flinte in Bereitschaft haltend und dem Hunde
pfeifend, nach der einen Seite.
Lewin mit Wjeslowskij gingen nach der anderen.
Lewin ging es stets so, daß er, wenn die ersten Schüsse unglücklich
waren, in Wallung geriet, ärgerlich wurde und den ganzen Tag schlecht
schoß. So war es auch jetzt.
Bekassinen zeigten sich eine Menge; dicht vor den Hunden, vor den Füßen
der Jäger gingen sie unaufhörlich auf, und Lewin hätte sein Mißgeschick
wieder gut machen können, aber je mehr er schoß, umsomehr blamierte er
sich vor Wjeslowskij, der wohlgemut darauf losplatzte, ohne etwas zu
erlegen, dadurch aber nicht im geringsten aus der Fassung kam.
Lewin geriet in Unruhe, und mehr und mehr in Hitze, so daß er beim
Schießen schon fast nicht mehr hoffte, noch etwas zu erlegen. Auch
Laska schien dies zu verstehen; er begann, träger zu suchen, und
schaute wie zweifelnd und vorwurfsvoll auf die Jäger. Schuß auf Schuß
fiel. Pulverdampf lagerte sich um die Jäger, aber in dem großen Netze
der Jagdtasche befanden sich nur drei leichte kleine Bekassinen, von
denen eine noch durch Wjeslowskij, eine von beiden gemeinsam erlegt
war. Währenddem vernahm man auf der andern Seite des Sumpfes zwar nicht
häufige, wohl aber, wie Lewin schien, bedeutungsvolle Schüsse von
Stefan Arkadjewitsch, bei denen fast nach einem jeden ein: »Krak, Krak,
apport!« hörbar wurde.
Dies regte Lewin noch mehr auf; die Bekassinen kreisten ohne
Aufhören in der Luft über der Niederung. Ihr Schmatzen am Boden und
das Schnarren in der Höhe war ohne Unterbrechung von allen Seiten
vernehmbar; die vorher aufgestiegenen, und in der Luft kreisenden Vögel
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