lächelnd dem eben angekommenen Wronskiy zu.
Wronskiy war nicht nur mit jedermann in diesem Kreise bekannt, sondern
sah alle die er hier antraf, täglich, und trat daher mit jenen ruhigen
Manieren ein, mit denen man in ein Zimmer kommt, das man soeben erst
verlassen hatte.
»Woher ich komme?« antwortete er sogleich auf die Frage der Frau des
Gesandten. »Nun, was ist zu thun, ich muß es schon sagen, aus der
Operette. Ich kann sie wohl zum hundertstenmale hören, aber stets höre
ich sie mit neuem Vergnügen. Das ist reizend! Ich weiß wohl, daß mir
dies nicht wohlansteht, aber in der Oper schlafe ich ein, während ich in
der Operette bis zur letzten Minute vergnügt und fröhlich aushalte.
Heute« --
Er nannte eine französische Schauspielerin und wollte sich über sie
verbreiten, aber die Frau des Gesandten unterbrach ihn mit komischem
Entsetzen.
»Bitte, nicht von diesem Theaterschrecken erzählen.«
»Nun, nun; lassen wir es; umsomehr, als alle diese Schrecken kennen.«
»Und alle würden wohl dorthin fahren, wäre dies ebenso üblich für die
Gesellschaft, wie die Oper,« fügte die Fürstin Mjagkaja hinzu.
7.
An der Eingangsthür wurden abermals Schritte vernehmbar und die Fürstin
Bezzy, welche erkannte, daß dies die Karenina sei, blickte auf Wronskiy.
Dieser schaute nach der Thür und sein Gesicht nahm einen seltsam neuen
Ausdruck an. Er blickte erfreut, starr und zugleich schüchtern geworden
auf die Eingetretene und erhob sich langsam. Im Salon erschien niemand
anders als Anna Karenina.
Wie stets mit außerordentlich gerader Haltung, die Richtung des Blickes
in nichts verändernd, legte sie mit jenem schnellen, festen und
gewandten Schritt, durch welchen sie sich vor den übrigen Damen der
großen Welt auszeichnete, die wenigen Schritte zurück, die sie von der
Dame des Hauses trennten, drückte dieser die Hand, lächelte und blickte
mit dem nämlichen Lächeln auch nach Wronskiy.
Dieser verbeugte sich tief und schob ihr einen Sessel zu.
Sie dankte nur mit einer Verneigung des Hauptes, errötete aber und wurde
finster, wandte sich indes gleich darauf, ihren Bekannten flüchtig
zunickend und ihnen die dargereichten Hände drückend, an die Fürstin
Bezzy.
»Ich war bei der Gräfin Lydia und wollte eigentlich früher kommen,
allein ich habe mich im Sitzen dort verspätet. Sir John war bei ihr; er
ist ein sehr interessanter Mann.«
»Ah, ist das nicht jener Missionar?«
»Ja wohl; er erzählt sehr fesselnd vom indischen Leben.«
Die allgemeine Unterhaltung, von der Ankunft des Gastes unterbrochen
gewesen, flackerte jetzt wieder auf wie das Licht einer ausgeblasenen
Lampe.
»Sir John! Ja, Sir John! Ich habe ihn gesehen, er spricht sehr gut. Die
Wlasjewa ist vollständig vernarrt in ihn.«
»Ist es denn wahr, daß die Wlasjewa, die jüngere, den Topoff heiraten
wird?«
»Man sagt, es sei völlig sicher.«
»Ich wundere mich über die Eltern. Man sagt, diese Ehe werde aus Liebe
geschlossen?«
»Aus Liebe? Was sind das für antediluvianische Ideen, die Ihr da habt?
Wer spricht heute noch von Liebe?« äußerte die Frau des Gesandten.
»Was ist zu thun? Diese alte dumme Mode ist noch immer nicht
abgeschafft,« sagte Wronskiy.
»Um so schlimmer für diejenigen, welche sich noch von ihr beherrschen
lassen. Ich kenne glückliche Ehen, die nur vernunftgemäß geschlossen
worden sind.«
»Mag sein, aber auch im Gegenteil; wie häufig verfliegt das Glück der
Vernunftehen gleich dem Staub, besonders dadurch, daß sich eben jene
Leidenschaft plötzlich zeigt, die wir nicht anerkannt haben,« sagte
Wronskiy.
»Aber Vernunftehen nennen wir die, welche nur von Leuten geschlossen
werden, die sich im Leben ausgetobt haben. Es ist hier wie mit dem
Scharlachfieber, man muß eben erst hindurch sein.«
»Dann muß man eben lernen die Liebe künstlich abzuimpfen, wie die
Pockenkrankheit.«
»In meiner Jugend war ich einmal in einen Kurrendesänger verliebt,«
sagte die Fürstin Mjagkaja, »ich weiß aber wirklich nicht, ob es mir
etwas genützt hat.«
»Nein, ohne Scherz, ich glaube, daß man, um die Liebe zu erkennen, sich
erst in ihr täuschen muß um sich dann zu bessern,« sagte die Fürstin
Bezzy.
»Auch noch -nach- der Heirat?« frug scherzend die Frau des Gesandten.
»Man kann nie zu spät Reue empfinden,« sagte der Diplomat in einem
englischen Sprichwort.
»Das ist es eben,« rief Bezzy, »man muß sich bessern, wenn man geirrt
hat. Wie denkt Ihr darüber?« wandte sie sich an Anna, die mit kaum
bemerkbarem, kaltem Lächeln auf den Lippen, dem Gespräch schweigend
zugehört hatte.
»Ich denke,« antwortete Anna, mit dem abgestreiften Handschuh spielend,
»ich denke wie viel Köpfe, so viel Sinne und ebenfalls, wie viel Herzen
so viel Arten von Liebe.«
Wronskiy hatte Anna angeblickt und in höchster Spannung erwartet, was
sie sagen würde. Jetzt seufzte er auf wie nach einer überstandenen
Gefahr, als sie diese Worte gesprochen hatte.
Anna wandte sich plötzlich an ihn.
»Ich habe ein Schreiben von Moskau erhalten. Man schreibt mir, daß Kity
Schtscherbazkaja sehr krank ist.«
»Sollte es möglich sein?« antwortete Wronskiy finster werdend.
Anna blickte ihn streng an.
»Interessiert Euch dies nicht?«
»Im Gegenteil, außerordentlich. Was schreibt man Euch denn, wenn die
Frage erlaubt ist?« frug er.
Anna stand auf und trat zu Bezzy.
»Gebt mir doch eine Schale Thee,« sagte sie, hinter deren Stuhl stehen
bleibend.
Während Bezzy ihr den Thee eingoß, ging Wronskiy zu Anna hin.
»Was schreibt man Euch?« wiederholte er.
»Ich denke oft, daß die Männer gar nicht erkennen, was unedel ist, und
doch stets hiervon sprechen,« sagte Anna, ohne Wronskiy zu antworten.
»Ich wollte Euch das schon lange mitteilen,« fügte sie alsdann hinzu,
einige Schritte weiter gehend und sich an einen Ecktisch mit Albums
setzend.
»Die Bedeutung Eurer Worte verstehe ich nicht ganz,« versetzte er, ihr
die Schale reichend.
Sie blickte auf den Diwan neben sich und er ließ sich sogleich auf
demselben nieder.
»Ja, ich wollte Euch sagen,« fuhr sie fort, ohne ihn anzusehen, »daß Ihr
schlecht gehandelt habt, schlecht, sehr schlecht.«
»Weiß ich etwa nicht selbst, daß ich unrecht gethan habe? Aber wer war
die Ursache, daß ich so handelte?«
»Weshalb sagt Ihr mir dies?« frug sie ihn streng anblickend.
»Ihr wißt es, weshalb,« versetzte er kühn und freudig ihrem Blick
begegnend und ohne die Augen zu senken.
Nicht er, sondern sie geriet in Verwirrung.
»Dies sagt mir nur das Eine, daß Ihr kein Herz habt,« sagte sie, aber
der Blick ihrer Augen zeugte davon, daß sie wisse, er besitze ein Herz,
und daß sie sich vor diesem Herzen fürchte.
»Wovon Ihr soeben sprecht, das war nur ein Irrtum, keine Liebe gewesen.«
»Ihr wißt, daß ich Euch verboten habe, dieses Wort auszusprechen; es
ist ein häßliches Wort,« sagte Anna erschreckend; sogleich aber empfand
sie, daß sie mit diesem einen Worte des »Verbietens« gezeigt hatte, sie
räume sich selbst gewisse Rechte über ihn ein, und dies mußte ihn nur
noch mehr ermutigen, von Liebe zu ihr zu sprechen. »Ich wollte Euch dies
schon längst sagten,« fuhr sie fort, ihm entschlossen ins Auge blickend,
während ihr Gesicht sich mit glühendem Purpur bedeckte, »heute bin ich
mit bestimmtem Vorsatz hierher gekommen, da ich wußte, ich würde Euch
hier antreffen. Ich bin gekommen, Euch zu sagen, daß dies ein Ende
nehmen muß. Ich habe nie vor jemand erröten müssen, Ihr aber bringt mich
so weit, daß ich mich vor mir selber schuldig fühlen muß.«
Er blickte sie an und war überrascht von dieser neuen, durchgeistigten
Schönheit ihres Gesichts.
»Was wollt Ihr aber von mir?« sagte er dann einfach und ernst.
»Ich will, daß Ihr wieder nach Moskau fahrt und Kity um Verzeihung
bittet,« antwortete sie.
»Ihr selbst wollt dies nicht.«
Er erkannte wohl, daß sie ihm dies sagte, weil sie sich selbst zwang
nicht das auszusprechen, was sie vielleicht wünschte.
»Wenn Ihr mich liebt, wie Ihr sagt,« flüsterte sie, »so thut es, damit
ich ruhig werde.«
Sein Gesicht leuchtete auf.
»Als ob Ihr nicht wüßtet, daß Ihr für mich das ganze Leben seid. Aber
Beruhigung verstehe ich Euch nicht zu geben und so kann ich sie Euch
also auch nicht geben. Aber mich selbst, meine Liebe -- ja. Ich kann an
Euch und mich nicht gesondert denken; und Ihr und ich sind beide für
mich eins. Daher sehe ich von vornherein weder eine Ruhe für mich
selbst, noch für Euch. Ich sehe nur die Möglichkeit einer künftigen
Verzweiflung, eines Unglücks, oder die Möglichkeit eines Glückes -- ach,
welches Glückes! Ist dieses aber unmöglich?« fügte er hinzu, nur die
Lippen leise bewegend. Sie verstand ihn aber.
Alle Kräfte ihres Geistes strengte sie an, um zu sagen, was sie sagen
mußte, aber anstatt dessen heftete sie nur einen Blick auf ihn, der voll
von Liebe war -- und brachte kein Wort hervor.
»Da haben wir's!« jubelte Wronskiy innerlich. »Gerade, als ich schon den
Mut verlor und als es schien, daß kein Erfolg mehr zu hoffen sei, -- da
haben wir's. Sie liebt mich. Sie gesteht es ein!«
»So thut es doch um meinetwillen und sprecht nie mehr solche Worte zu
mir. Wir wollen gute Freunde sein,« sprach sie, während ihr Auge ganz
anderes kündete.
»Freunde können wir nicht sein, das wißt Ihr selbst. Aber wir werden die
glücklichsten oder die unglücklichsten unter den Menschen sein, und dies
liegt in Eurer Macht.«
Sie wollte etwas erwidern, doch er unterbrach sie.
»Ich bitte freilich nur um eins, ich bitte um das Recht, hoffen zu
dürfen in Qualen, wie jetzt; wenn dies aber nicht möglich ist, so
befehlt mir zu verschwinden und ich werde verschwinden. Ihr werdet mich
dann nicht mehr sehen, sobald Euch meine Gegenwart lästig ist.«
»Ich will Euch nicht vertreiben.«
»Aber dann ändert Euch nicht in dieser Absicht, laßt alles so, wie es
ist,« sagte er mit bebender Stimme. »Dort kommt Euer Gatte« --
In der That trat in diesem Augenblick Aleksey Aleksandrowitsch mit
seinem gleichgültigen ungeschickten Gang in den Salon.
Nachdem er seine Frau und Wronskiy gemustert hatte, schritt er zu der
Dame des Hauses hin und begann, sich niedersetzend, und eine Schale Thee
nehmend, mit seiner unbewegten, stets vernehmbaren Stimme in seinem
gewohnten launigen Tone mit dieser zu reden, über irgend jemand
scherzend.
»Euer Abend ist ja recht gut besetzt,« sagte er, die Gesellschaft
überblickend, »lauter Grazien und Musen.«
Die Fürstin Bezzy vermochte indes diesen Ton seiner Rede nicht zu
ertragen weil er =sneering= war, wie sie ihn nannte, und als kluge Frau
brachte sie ihn sogleich auf ein ernstes Thema über die allgemeine
Wehrpflicht.
Aleksey Aleksandrowitsch ließ sich sofort auf das Gespräch ein und
begann mit großem Ernste die neue Verordnung vor der Fürstin Bezzy zu
verteidigen, welche ihm opponierte.
Wronskiy und Anna blieben an dem kleinen Ecktisch sitzen.
»Aber das ist doch gegen den Anstand,« zischelte eine der Damen, mit den
Augen nach der Karenina sowie nach Wronskiy und Annas Gatten hinweisend.
»Was habe ich Euch gesagt?« antwortete die Freundin Annas.
Aber nicht nur allein diese Damen, sondern fast alle, welche im Salon
waren und auch die Fürstin Mjagkaja, sowie Bezzy selbst, blickten
mehrmals auf die entfernt von dem gemeinschaftlichen Kreis befindlichen
Zwei, als ob dies störend einwirkte.
Aleksey Aleksandrowitsch war der einzige, der den Blick auch nicht
einmal nach jener Seite wandte und von dem begonnenen, interessanten
Gespräch nicht abgelenkt wurde.
Als die Fürstin Bezzy den unangenehmen Eindruck bemerkte, der bei
jedermann hervorgerufen zu sein schien, zog sie eine andere
Persönlichkeit auf ihren Platz zur Weiterführung des Gesprächs mit
Aleksey Aleksandrowitsch und begab sich zu Anna.
»Ich bin stets erstaunt über die Klarheit und Präcision der
Ausdrucksweise Eures Gatten,« sagte sie. »Die transcendentesten Begriffe
werden mir klar, wenn er spricht.«
»O ja,« antwortete Anna, von einem Lächeln des Glückes strahlend und
ohne ein Wort von dem vernommen zu haben, was Bezzy zu ihr gesagt hatte.
Sie schritt zu der großen Tafel und beteiligte sich nun an der
gemeinsamen Unterhaltung.
Aleksey Aleksandrowitsch trat, nachdem er etwa eine halbe Stunde
verweilt hatte, zu seiner Gattin und schlug ihr vor, gemeinschaftlich
heimzukehren, sie antwortete ihm jedoch, ohne ihn anzublicken, daß sie
zum Abendessen bleiben werde.
Aleksey Aleksandrowitsch verabschiedete sich und ging.
Der Kutscher der Karenina, ein alter dicker Tatar, in glänzendem
Lederkittel hielt nur mit Mühe noch das durchfrorene Handpferd, einen
Grauschimmel, welcher sich vor der Einfahrt bäumte. Ein Diener öffnete
die innere Thür. Der Portier stand an dem Außenthor.
Anna Arkadjewna nestelte mit ihrer kleinen gewandten Hand die Spitzen
ihres Ärmels von einem Häkchen im Pelze los und lauschte dabei, das
Köpfchen beugend, mit Entzücken den Worten die Wronskiy, der sie
begleitete, sprach.
»Ihr habt doch nichts gesagt, nehme ich an. Ich fordere ja auch nichts,«
sagte er, »aber Ihr wißt, daß ich nicht der Freundschaft nur bedürftig
bin, für mich ist nur ein einziges Glück im Leben möglich, und dies ist
das Wort, welches Euch so verhaßt ist, das Wort >Liebe<«.
»Liebe,« wiederholte sie langsam, mit innerlich klingender Stimme und
fügte dann plötzlich, gerade, als sie die Spitze gelöst hatte, hinzu:
»Ich liebe dieses Wort aus dem Grunde nicht, weil es für mich zuviel
bedeutet, bei weitem mehr, als Ihr begreifen könnt,« sie blickte ihm ins
Antlitz.
»Auf Wiedersehen.«
Sie reichte ihm die Hand, ging mit schnellem elastischem Schritte an dem
Portier vorüber und verschwand in ihrem Coupé.
Ihr Blick, die Berührung ihrer Hand, erfüllten ihn mit Glut. Wronskiy
küßte seine Hand an der nämlichen Stelle, wo sie dieselbe berührt hatte
und fuhr nach Hause, glücklich in dem Bewußtsein, daß er am heutigen
Abend seinem Ziele weit näher gekommen sei, als während beider
letztvergangenen Monate.
8.
Aleksey Aleksandrowitsch hatte nichts Auffallendes oder Unschickliches
darin gefunden, daß seine Frau mit Wronskiy an einem abgeänderten Tische
und in lebhaftester Unterhaltung gesessen; aber es war ihm nicht
entgangen, daß dies den Übrigen im Salon doch wohl etwas eigentümlich
und unstatthaft erschienen sein mußte. Deshalb erst erschien es ihm nun
gleichfalls unschicklich, und er konstatierte daher, daß er seiner Frau
hierüber eine Mitteilung machen müsse.
Nach Hause zurückgekehrt, begab sich Aleksey Aleksandrowitsch in sein
Kabinett, wie er dies gewöhnlich zu thun pflegte und ließ sich in seinem
Lehnstuhl nieder, ein Buch über Papismus an der durch ein eingelegtes
Papiermesser bezeichneten Stelle aufschlagend, und las bis ein Uhr
nachts, wie er es auch sonst that; nur rieb er sich heute bisweilen
dabei die hohe Stirn und schüttelte den Kopf, als wolle er etwas daraus
von sich weisen.
Zu der gewohnten Stunde erhob er sich und machte seine Nachttoilette.
Anna Karenina war noch nicht angekommen. Das Buch unter dem Arme, ging
er hinauf. Am heutigen Abend war sein Kopf anstatt mit den gewöhnlichen
Ideen und Plänen über Amtsangelegenheiten, mit Gedanken über seine Frau
angefüllt, mit dem Gedanken, als ob etwas Unangenehmes sich mit dieser
ereignet habe.
Zuwider seiner sonstigen Gepflogenheit, legte er sich nicht in das Bett,
sondern begann, die Hände auf den Rücken gelegt, in seinen Zimmern hin
und wieder zu wandern.
Er konnte nicht schlafen gehen in dem Gefühl, daß er zuvor noch den ihm
neu eingefallenen Umstand überdenken müsse.
Als Aleksey Aleksandrowitsch bei sich selbst zu dem Entschluß gelangt
war, er müsse doch mit seinem Weibe Rücksprache nehmen, schien ihm dies
sehr leicht und einfach, jetzt aber, da er über jenen neuen Umstand
nachzudenken begonnen hatte, erschien es ihm sehr verwickelt und
schwierig.
Aleksey Aleksandrowitsch war nicht eifersüchtig. Die Eifersucht kränkte
nach seiner Überzeugung ein Weib und man mußte zu dem Weibe Vertrauen
haben.
-Weshalb- man dieses Vertrauen haben müsse, das heißt die volle
Zuversicht, daß sein junges Weib ihn stets lieben werde, darüber legte
er sich keine Frage vor.
Er hatte eben noch kein Mißtrauen empfunden weil er Vertrauen hegte und
sich sagte, er müsse es hegen.
Jetzt aber, obwohl die Überzeugung in ihm, daß die Eifersucht ein
entehrendes Gefühl sei und man das Vertrauen behalten müsse, noch nicht
wankend geworden war, empfand er doch, daß er Auge in Auge mit einem
unlogischen abgeschmackten Etwas stand, aber er wußte nicht, was er thun
sollte.
Aleksey Aleksandrowitsch stand Auge in Auge mit dem Leben selbst, er
stand vor der Möglichkeit, sein Weib könne Liebe zu jemand außer ihm
empfinden, und dies dünkte ihm so abgeschmackt und unverständlich, weil
eben dies das Leben selbst war.
Sein ganzes Leben hatte Aleksey Aleksandrowitsch in den Kreisen des
Beamtenlebens verbracht, die es nur mit den Reflexen des Lebens zu thun
hatten, und stets wenn er mit diesem Leben selbst zusammenstieß, wandte
er sich von ihm ab. Er hatte jetzt ein Gefühl ähnlich dem, wie es ein
Mensch hat, der ruhig auf einer Brücke einen Abgrund überschreitet und
plötzlich inne wird, daß diese Brücke zerstört ist und klafft.
Dieser Abgrund war -- das Leben selbst, diese Brücke -- das künstliche
Dasein welches er führte. Zum erstenmale kamen ihm die Fragen über die
Möglichkeit, daß sein Weib einen andern lieben könne, und erschrak
davor.
Ohne sich zu entkleiden, ging er in gleichmäßigem Schritte auf und ab
auf dem hallenden Parkett des nur von einer Lampe erhellten
Speisesalons, auf dem Teppich des dunkeln Empfangszimmers, in welchem
nur auf dem großen erst unlängst vollendeten Porträt über dem Diwan,
welches ihn selbst darstellte, ein Lichtschein reflektiert wurde und
durch ihr Kabinett, in welchem zwei Kerzen brannten die ihren Schein auf
die Bilder ihrer Verwandten und Freundinnen warfen und auf die schönen,
ihm längst so bekannten Nippes auf ihrem Schreibtisch. Durch ihr Gemach
begab er sich bis zur Thüre des Schlafzimmers, dann kehrte er wieder um.
Bei jeder Runde seiner Wanderung und namentlich auf dem Parkett des
hellen Speisezimmers blieb er stehen und sprach zu sich selbst: »Ja, man
muß eine Entscheidung treffen; ich muß ihr meine Meinung darüber sowie
meinen Entschluß mitteilen.«
Und damit schritt er wieder zurück.
»Doch was soll ich eigentlich sagen? Welche Entscheidung soll ich ihr
mitteilen?« sprach er zu sich selbst im Salon, ohne eine Antwort auf
diese Frage zu finden. »Aber,« frug er sich selbst, vor der Umkehr nach
dem Kabinett, »was ist denn eigentlich vorgefallen? Nichts! Sie hatte
nur ziemlich lange mit ihm gesprochen. Und was ist dabei? Nichts. Soll
nicht ein Weib in der großen Welt mit jemand sprechen können? Und dann,
eifersüchtig sein, heißt sich erniedrigen, sich selbst und sie mit;« so
sprach er zu sich, in ihr Kabinett zurückkehrend. Aber dieses Urteil,
das vorher noch so großes Gewicht für ihn gehabt hatte, wog und
bedeutete jetzt nichts mehr. Er kehrte von der Thür ihres Schlafzimmers
wieder nach dem Saale zurück, aber kaum war er wieder in den dunklen
Empfangssalon gekommen, da schien ihm eine Stimme zuzuflüstern, es wäre
doch wohl anders, und wenn andere dies bemerkt, so werde wohl dennoch
etwas vorliegen. Und wiederum sprach er zu sich in dem Speisesalon, er
müsse entscheiden und mit ihr reden, und wiederum frug er sich in dem
Empfangssalon bevor er umkehrte, wie er sich entscheiden solle. Und
dann, was denn eigentlich vorgefallen sei und antwortete wiederum
»nichts«.
Seine Gedanken wie sein Körper bildeten einen vollkommenen Kreislauf der
auf nichts Neues mehr verfiel.
Er bemerkte dies endlich, rieb sich die Stirn und setzte sich in ihrem
Kabinett nieder.
Hier nahmen seine Gedanken einen anderen Weg, während er auf ein auf
ihrem Tische liegendes, angefangenes Schreiben blickte. Er begann nun,
über sie selbst nachzudenken, und darüber, was sie wohl dachte und
fühlte.
Er ließ zuerst ihr persönliches Leben an sich vorüberziehen, ihr Denken
vergegenwärtigte er sich und ihre Wünsche, und die Idee, daß sie auch
ein eigenes Leben führen könne, erschien ihm so furchtbar, daß er sie
sofort von sich wies.
Dies war jener Abgrund, in den hinabzublicken ihn graute. Sich im Denken
und Fühlen in ein anderes Wesen hineinzuversetzen, war eine geistige
Handlung, die Aleksey Aleksandrowitsch nicht kannte. Er hielt diese
geistige Handlung für schadenbringend und für eine gefährliche
Phantasterei.
»Am entsetzlichsten aber von allem,« dachte er, »ist dies, daß gerade
jetzt, wo ich meine Aufgabe zu Ende führen will,« er dachte an seinen
Plan den er jetzt durchgeführt hatte, »wo mir innere Ruhe und das
Aufgebot aller geistigen Kräfte Bedingung ist, diese ungereimte
Beunruhigung über mich kommen muß. Doch was soll ich nun thun? Ich bin
keiner von denen, welche Beängstigung oder Unruhe zu ertragen wüßten,
oder die Kraft besäßen, ihr ins Auge zu blicken! Ich muß daran denken,
einen Entschluß zu fassen um all das los zu werden,« sagte er laut zu
sich. »Die Fragen betreffs ihres Gefühlslebens, darüber was in ihrer
Seele vor sich gegangen war oder gehen könne, sind nicht meine Sache,
das ist Sache ihres Gewissens und unterliegt der Religion,« sagte er zu
sich selbst und empfand eine Erleichterung in dem Bewußtsein, daß er
nunmehr diejenige Kategorie der Bestimmungen gefunden habe, zu welcher
der aufgetauchte Umstand gehöre. »Die Fragen welche ihr Gefühlsleben
angehen und anderes mehr, sind also Fragen ihres eigenen Gewissens, und
das geht mich nichts an. Meine Aufgabe ist hier klar vorgezeichnet. Als
Haupt der Familie bin ich die Person, welche verpflichtet ist, sie zu
leiten, und infolge dessen zum Teil auch die Person welche
verantwortlich ist. Ich muß auf die Gefahr verweisen, die ich sehe, muß
sie warnen und selbst Gewalt hierbei anwenden. Ich bin verpflichtet, ihr
dies zu sagen.«
In dem Kopfe Aleksey Aleksandrowitschs hatte sich alles klar aufgebaut,
was er seinem Weibe zu sagen gedachte, als er aber so überlegte, was er
sagen wollte, beklagte er, für seine häuslichen Angelegenheiten in
dieser nichtigen Weise seine Zeit und Geisteskräfte anwenden zu müssen,
nichtsdestoweniger aber stand vor seinem geistigen Auge klar und scharf
wie eine Anklage die Form und Fassung der nachfolgenden Rede:
»Ich muß ihr sagen und erklären wie folgt: Erstens eine Erklärung der
Bedeutung der gesellschaftlichen Meinung und Etikette, zweitens eine
theologische Erklärung über die Bedeutung der Ehe, drittens, falls
erforderlich, ein Hinweis auf das möglicherweise eintretende traurige
Geschick des Sohnes, viertens eine Verweisung auf das eigene Verderben.«
Nachdem er hierbei seine Finger, einen nach dem andern, nach unten
ineinander gestreckt hatte, zog er und die Finger knackten in den
Gelenken. Diese Geste -- eine üble Angewohnheit -- hatte stets eine
beruhigende Wirkung auf ihn ausgeübt und ihm das Gleichgewicht wieder
verliehen das ihm auch jetzt so notwendig war.
Vor dem Thore vernahm man das Geräusch einer heranfahrenden Equipage.
Aleksander Aleksandrowitsch blieb inmitten des Saales stehen. Auf der
Treppe wurden weibliche Schritte hörbar.
Aleksey Aleksandrowitsch, zu seiner Rede bereit, stand, die Finger,
welche schon gekracht hatten, pressend, in der Erwartung, es werde noch
einer von ihnen knacken. Nur ein einziges Gelenk knackte noch.
Schon an dem Klang der leichten Schritte auf der Treppe empfand er ihre
Annäherung und obwohl er mit seiner Rede zufrieden war, wurde es ihm
doch bange ums Herz ob der bevorstehenden Auseinandersetzung.
9.
Anna trat ein mit gesenktem Kopfe; sie spielte mit den Zipfeln ihres
Baschliks. Ihr Gesicht leuchtete in hellem Glanze, aber dieser Glanz war
kein heiterer -- er gemahnte an den unglückverheißenden Schein der
Feuersbrunst in finsterer Nacht.
Als sie ihren Mann erblickte, hob sie den Kopf und lächelte gleich als
wäre sie erwacht.
»Bist du noch nicht zu Bett? Das wundert mich!« sagte sie, den Baschlik
abwerfend, und, ohne stehen zu bleiben, nach ihrem Toilettezimmer weiter
gehend. »Es ist Zeit, Aleksey Aleksandrowitsch,« fuhr sie fort, schon
hinter der Thüre.
»Anna, ich muß etwas mit dir besprechen.«
»Mit mir?« antwortete sie verwundert, kam aus der Thür zurück und
blickte ihn an. »Was giebt es denn? Worum handelt es sich?« frug sie,
Platz nehmend. »Also beginne, wenn es so nötig ist; besser wäre es
freilich, sich schlafen zu legen.«
Anna sprach, was ihr auf die Zunge kam, und sie verwunderte sich selbst,
als sie sich hörte, wie fähig sie der Lüge war.
Wie einfach und natürlich waren ihre Worte, und wie natürlich klang es,
als sie sagte, sie möchte nun schlafen gehen. Sie kam sich vor, als sei
sie mit einem Panzer der Lüge angethan. Sie fühlte, daß sie von einer
unsichtbaren Kraft unterstützt wurde, die sie hielt.
»Anna, ich muß dich warnen,« hub er an.
»Warnen?« antwortete sie, »wovor?«
Sie blickte ihn so offenherzig, so heiter an, daß jemand, der sie nicht
so gekannt hätte, wie ihr Gatte, nichts Unnatürliches an ihr hätte
bemerken können, weder in ihrem Tone, noch in der Bedeutung ihrer Worte.
Für ihn aber, der sie kannte, und wußte, daß er, wenn er sich nur fünf
Minuten später niederlegte als sie, von ihr vermißt und gefragt wurde
weshalb er nicht schlafen gehe, für ihn, welcher wußte, daß alle Freude
und Lust, alles Leid ihm stets von ihr mitgeteilt worden war, für ihn
bedeutete es gar viel, jetzt zu sehen, daß sie nicht bemerken wollte, in
welcher Stimmung er sich befand und kein Wort von ihm selbst sprach.
Er sah, daß die Tiefe ihrer Seele, früher stets vor ihm geöffnet
gewesen, jetzt für ihn geschlossen war. Und doch erkannte er an ihrem
Tone, daß sie hierüber nicht einmal in Verwirrung geriet, sondern fast
keck zu ihm zu sagen schien: Ja, verschlossen, und so muß und wird es in
alle Zukunft bleiben. Jetzt erfuhr er an sich ein Gefühl, ähnlich dem,
welches ein Mensch empfunden haben würde der nach Hause zurückkehrt und
sein Haus verschlossen findet. »Aber vielleicht läßt sich der Schlüssel
noch finden,« dachte Aleksey Aleksandrowitsch.
»Ich möchte dich nur davor warnen,« sagte er, mit leiser Stimme, »daß du
in deiner Unvorsichtigkeit und deinem Leichtsinn der Welt nicht Anlaß
geben möchtest zum Klatsch über dich. Deine allzu lebhafte Unterhaltung
heute mit dem Grafen Wronskiy« -- er sprach diesen Namen ruhig, in
Absätzen und mit festem Tone aus -- »hat die allgemeine Aufmerksamkeit
auf dich gelenkt.«
Er sprach und blickte ihr dabei in die lachenden, ihm jetzt in ihrer
durchdringenden Schärfe furchtbar gewordenen Augen, aber beim Sprechen
schon empfand er die ganze Nutzlosigkeit und Vergeblichkeit seiner
Worte.
»Du machst es immer so,« antwortete sie, sich stellend, als verstände
sie nicht das Geringste von alledem, was er gesprochen hatte und als
habe sie absichtlich nur das Letzte davon aufgefaßt.
»Bald ist es dir unangenehm, wenn ich langweilig bin, bald, wenn ich
heiter bin. Ich habe mich nicht gelangweilt, und dies kränkt dich?«
Aleksey Aleksandrowitsch erbebte und drückte seine Hände zusammen, um
sie knacken zu lassen.
»Ach, bitte doch, knacke nicht mit den Fingern, ich kann das nicht
ausstehen,« sagte sie.
»Anna, bist du das noch?« antwortete er leise, eine Anstrengung machend,
seine Selbstbeherrschung zu behalten und die Bewegung seiner Hände ruhen
lassend.
»Aber was ist denn eigentlich?« sagte sie mit aufrichtiger und komischer
Verwunderung; »was willst du denn eigentlich von mir?«
Aleksey Aleksandrowitsch blieb stumm und fuhr sich mit der Hand über
Stirn und Augen. Er sah ein, daß er, anstatt auszuführen, was er zu
thun beabsichtigte, nämlich seine Frau zu warnen vor einem Fehltritt in
den Augen der großen Welt, unwillkürlich über das in Erregung geriet,
was ihr Gewissen anging, und so kämpfte er gewissermaßen mit einer
Mauer, die er vor sich zu sehen wähnte.
»Ich habe mich entschlossen, das Folgende zu thun,« fuhr er kühl und
ruhig fort, »und ich bitte dich daher, mich anzuhören. Ich halte, wie du
weißt, die Eifersucht für ein beleidigendes und erniedrigendes Gefühl
und werde mir niemals gestatten, mich von demselben leiten zu lassen;
aber es giebt gewisse Gesetze des Anstandes, die man nicht ungestraft
überschreiten darf. Heute nun habe nicht etwa nur ich, sondern, nach dem
Eindruck zu urteilen, der in der Gesellschaft hervorgebracht worden ist,
-- jedermann hat bemerkt, daß du dich nicht völlig in den Schranken
bewegt hast, die eben wünschenswert erschienen.«
»Ich verstehe entschieden nichts von alledem,« antwortete Anna, die
Schultern ziehend, »es scheint ihm alles ziemlich gleichgültig zu sein,«
dachte sie bei sich; »aber man hat in der Gesellschaft etwas bemerkt und
dies beunruhigt ihn.«
»Du befindest dich nicht wohl, Aleksey Aleksandrowitsch,« fügte sie laut
hinzu, erhob sich und wollte durch die Thür hinausgehen, aber er trat
vor sie, als wünsche er, sie zurückzuhalten.
Sein Gesicht sah unschön und finster aus; wie es Anna noch nie gesehen
hatte. Sie blieb stehen und begann, den Kopf nach hinten seitwärts
wendend, mit ihrer gewandten Hand die Haarnadeln aus ihrer Frisur zu
nehmen.
»Nun, ich höre, was da kommen wird,« sagte sie ruhig und ironisch. »Ich
höre sogar mit Interesse, weil ich gern erfahren möchte, um was es sich
eigentlich handelt.«
Sie sprach und war verwundert über den natürlichen, ruhigen Ton, den
wahren Ton, mit welchem sie gesprochen hatte und über die Wahl der
Worte, die sie anwendete.
»In alle Einzelheiten deines Gefühlslebens einzugehen, habe ich kein
Recht; ich halte dies auch, im allgemeinen wenigstens, für unnütz und
selbst für schädlich,« begann Aleksey Aleksandrowitsch. »Wenn wir so in
unserem Innern Gedanken sammeln, speichern wir dabei oft vieles auf, was
dort am besten unbemerkt liegen bleiben sollte. Deine Empfindungen --
sie sind Sache deines Gewissens, ich aber bin verpflichtet vor dir, vor
mir und vor Gott, dir -deine Pflichten- zu zeigen! Unser Leben ist
verknüpft worden nicht durch die Menschen, sondern durch Gott. Dies Band
zu zerreißen vermag nur das Verbrechen, und das Verbrechen zieht nach
sich die Strafe.«
»Ich verstehe noch nichts. Mein Gott, und wie entsetzlich müde ich bin!«
sagte sie, schnell mit der Hand das Haar durchwühlend und die noch übrig
gebliebenen Haarnadeln heraussuchend.
»Anna, um Gottes willen, sprich nicht so,« warf er sanft ein,
»vielleicht irre ich mich, aber glaube mir, alles was ich auch sage,
sage ich ebenso sehr für mich, wie für dich. Ich bin dein Mann und liebe
dich!«
Einen Moment hindurch verlor ihr Gesicht an Spannkraft und der frivole
Funke in ihrem Blick erlosch, aber das Wort »ich liebe dich« erweckte
ihn wieder.
Sie dachte »er liebt mich? Kann er denn überhaupt lieben? Hätte er nicht
zufällig davon gehört, daß die Liebe existiert, so würde er doch niemals
dieses Wort gebraucht haben; denn er weiß ja doch gar nicht was Liebe
ist. »Aleksey Aleksandrowitsch, ich verstehe wahrhaftig nicht,« sagte
sie dann, »erkläre dich doch näher, was findest du denn« --
»Gestatte, laß mich ausreden. Ich liebe dich: aber ich spreche jetzt
gleichwohl nicht von mir selbst; die Personen, um die es sich
vornehmlich handelt, sind: unser Sohn und du! Es kann wohl sein, ich
wiederhole es, daß meine Worte dir nutzlos und unangebracht erscheinen;
vielleicht sind sie nur von einem Irrtum meinerseits hervorgerufen. In
diesem Falle bitte ich dich, mir zu verzeihen. Aber solltest du selbst
finden, daß auch nur die leiseste Berechtigung für sie vorhanden ist,
dann bitte ich dich nachzudenken, und dich mir, wenn das Herz in dir
spricht, zu erklären.«
Aleksey Aleksandrowitsch hatte, ohne dessen inne zu werden, gar nichts
von alledem gesprochen, was er sich vorher zurechtgelegt.
»Ich habe nichts hierauf zu sagen. Und -- wahrhaftig: es ist Zeit,
schlafen zu gehen,« sagte sie hastig, nur mit Mühe ein Lächeln
unterdrückend.
Aleksey Aleksandrowitsch seufzte und begab sich, ohne noch ein Wort zu
sagen, ins Schlafgemach.
Als sie dasselbe betrat, ruhte er schon. Seine Lippen waren streng
zusammengepreßt, seine Augen schauten sie nicht an. Anna legte sich in
ihr Bett, und erwartete, daß er nochmals das Wort an sie richten werde.
Sie fürchtete, daß er nochmals beginnen würde und doch sehnte sie sich
zugleich darnach.
Doch er schwieg. Lange verharrte sie unbeweglich; dann vergaß sie
seiner. Sie gedachte des anderen und sah ihn im Geiste; sie sah ihn und
fühlte, wie sich ihr Herz bei diesem Gedanken füllte mit Aufregung und
frevelhafter Freude. Plötzlich vernahm sie ein gleichmäßiges und leises
Schnarchen.
In der ersten Minute erschrak Aleksey Aleksandrowitsch gleichsam vor
seinem Schnarchen und hielt inne, nachdem er aber mehrere Atemzüge an
sich gehalten, begann das Schnarchen aufs neue mit ruhiger
Gleichmäßigkeit.
»Es ist schon spät, spät,« flüsterte sie lächelnd.
Lange lag sie noch, ohne sich zu regen mit offenen Augen, deren Glanz in
der Dunkelheit sie selbst zu sehen glaubte.
10.
Seit dieser Zeit entwickelte sich ein neues Leben für Aleksey
Aleksandrowitsch und für sein Weib.
Es ereignete sich nichts Besonderes. Anna verkehrte, wie bisher, in der
vornehmen Welt weiter und war besonders häufig bei der Fürstin Bezzy;
sie traf überall mit Wronskiy zusammen.
Aleksey Aleksandrowitsch sah dies wohl, doch vermochte er nichts dagegen
zu thun. Auf alle seine Versuche, sie zu einer Aussprache zu
veranlassen, begegnete sie ihm mit der undurchdringlichen Schranke einer
heiteren Verständnislosigkeit. Äußerlich waren sie die Nämlichen
geblieben, aber innerlich hatten sich ihre Beziehungen vollständig
verändert.
Aleksey Aleksandrowitsch, ein in den Regierungsgeschäften so
thatkräftiger Mann, sah sich hier ohnmächtig. Wie ein Stier, der ergeben
die Hörner senkt, so wartete er des Schlages, zu dem -- er fühlte es --
über ihm schon ausgeholt war. Stets, wenn er begann, an seine Lage zu
denken, fühlte er daß es nötig sei, noch einmal eine Probe zu machen,
daß noch eine Hoffnung da sei, durch Güte, Zärtlichkeit und Zureden sie
zu retten, sie zur Besinnung zu bringen, und täglich nahm er sich vor,
mit ihr zu sprechen. Aber stets, wenn er mit ihr zu sprechen anfing,
fühlte er auch, daß jener Geist des Bösen und Falschen, der über ihr
waltete, auch ihn beherrschte, und er sprach mit ihr dann nicht davon
und nicht in jenem Tone, in welchem er mit ihr reden wollte.
Unwillkürlich sprach er mit ihr in seinem gewohnten Tone des
Scherzenden und in diesem Tone ihr zu sagen, was er sagen mußte, war
unmöglich. -- -- --
11.
Das, was für Wronskiy fast ein ganzes Jahr hindurch der einzige
Lebenswunsch gewesen war, der alle seine früheren Wünsche ersetzte; das,
was für Anna ein unmöglicher, entsetzlicher, und gerade deshalb um so
mehr verführerischer Traum von Seligkeit gewesen -- diesem Wunsch war
jetzt Genüge geschehen. --
Bleich, mit bebenden Kinnbacken, stand er vor ihr und beschwor sie, sich
zu beruhigen, ohne selbst zu wissen, worüber und worin.
»Anna, Anna!« sprach er mit bebender Stimme, »Anna, um Gottes willen!«
--
Aber je lauter er rief, um so tiefer senkte sie das einst so stolze,
heiterschöne, jetzt entehrte Haupt. Sie war gebrochen und stürzte von
dem Diwan, auf welchem sie gesessen zu Boden, zu seinen Füßen; sie würde
auf den Teppich geglitten sein, hätte er sie nicht gehalten.
»Mein Gott! Vergieb mir!« schluchzte sie und preßte seine Hände auf
ihren Busen.
So sündig fühlte sie sich, so schuldbeladen, daß ihr nur noch übrig
blieb, sich zu erniedrigen und um Vergebung zu betteln. Im Leben stand
jetzt, außer ihm, ihr niemand mehr zur Seite, sie hatte niemand mehr, so
daß nur an ihn allein sie ihre Bitte um Verzeihung richtete. Wenn sie
ihn anschaute, empfand sie physisch ihre Erniedrigung und mehr vermochte
sie sich nicht zu sagen.
Er aber empfand, was ein Mörder empfinden muß, wenn er den Körper sieht,
der durch ihn des Lebens beraubt ist.
Der Körper, welcher hier des Lebens beraubt wurde, war ihre Liebe, oder
vielmehr die erste Periode derselben. Es lag etwas Furchtbares,
Abstoßendes in den Erinnerungen an das, was jetzt mit einem so
furchtbaren Preis von Schande bezahlt worden war.
Die Scham über ihre seelische Entblößung erstickte sie und teilte sich
auch ihm mit. Aber nicht genug, daß das ganze Entsetzen des Mörders vor
der Leiche des Getöteten hier zu Tage trat, es galt jetzt auch, den
Leichnam in Stücke zu zerschneiden, den Kadaver zu verstecken, es galt
das auszunutzen, was der Mörder durch seinen Mord erworben hatte.
Mit Erbitterung, gleichsam voll Leidenschaft, wirft sich der Mörder auf
diesen Leichnam, er zerrt ihn herum und zertrennt ihn.
So bedeckte auch er jetzt ihr Gesicht, ihre Schultern mit Küssen. Sie
hielt seine Hand fest und bewegte sich nicht. Diese Küsse waren das, was
erkauft worden war durch Schande; diese Hand da, die ihr fürderhin sein
sollte, -- war die Hand ihres Mitschuldigen.
Sie hob diese Hand und küßte sie; er fiel auf seine Kniee nieder und
suchte ihr Angesicht zu sehen, aber sie barg es und sprach nicht.
Endlich, gleichsam als sammle sie alle Kräfte, erhob sie sich und stieß
ihn weg. Noch immer war ihr Antlitz schön, doch desto mehr war es
beklagenswert.
»Vorbei,« sagte sie, »ich habe nun nichts mehr, als dich. Denke daran.«
»Ich kann nicht nur -denken- an das, was ja mein ganzes Leben ist. Für die
Minute dieser Seligkeit« --
»Welche Seligkeit!« antwortete sie mit Ekel und Entsetzen, und ihr
Schrecken teilte sich unwillkürlich auch ihm mit. »Um Gott; kein Wort,
kein Wort mehr!«
Sie erhob sich schnell und entfernte sich von ihm.
»Kein Wort mehr,« wiederholte sie und mit einem Ausdruck kalter
Verzweiflung auf den Zügen, der ihm befremdend erschien, ging sie.
Sie empfand, daß sie in diesem Augenblick das Gefühl des Ekels nicht
auszudrücken vermöge, das Gefühl der Freude und des Schreckens -- bei
diesem Eintritt in ein neues Leben; sie wollte nicht darüber sprechen
und es nicht mit falschen Worten fad machen.
Aber auch späterhin, weder am nächsten noch am übernächsten Tage, fand
sie nicht nur keine Worte, mit denen sie das ganze Gewirr ihrer
Empfindungen hätte ausdrücken können; sie fand nicht einmal Gedanken,
mit denen sie selbst völlig das hätte überdenken können, was auf ihrer
Seele lag.
Sie sprach zu sich selbst: »Nein, jetzt kann ich nicht darüber
nachdenken, später will ich es thun, wenn ich ruhiger geworden sein
werde.«
Aber diese Beruhigung im Denken trat nie ein; stets, wenn sie sich
dessen erinnerte, was sie gethan und was mit ihr werden würde, was sie
zu thun habe, überkam sie ein Entsetzen und sie scheuchte diese Gedanken
hinweg von sich.
»Später, später,« sagte sie, »wenn ich ruhiger geworden sein werde.«
Im Schlafe aber, während dessen sie keine Macht über ihre Gedanken
hatte, da stellte sich ihr ihre Lage in ihrer ganzen ungeheuren
Nacktheit vor Augen. Ein und dasselbe Traumgesicht suchte sie fast jede
Nacht.
Ihr träumte, beide Männer seien ihre Gatten und spendeten ihr ihre
Liebkosungen. Aleksey Aleksandrowitsch weinte und küßte ihr die Hand und
sprach, wie gut ist alles jetzt! -- Aleksey Wronskiy war daneben und
auch er war ihr Gatte, und sie wunderte sich darüber, daß dies ihr
früher unmöglich geschienen und erklärte beiden lachend, dies sei bei
weitem einfacher und beide müßten jetzt zufrieden und glücklich sein.
Aber dieser Traum quälte sie wie ein Alp und sie erwachte voll
Entsetzen.
12.
Während der ersten Zeit nach seiner Rückkehr von Moskau erschrak Lewin
stets und errötete, wenn er sich der Bloßstellung erinnerte, die ihm
durch jene Absage zu teil geworden war. Er sagte aber zu sich: »Ebenso
wurde ich rot und geriet in Schrecken, indem ich alles für verloren
hielt, als ich die Eins in der Physik erhielt und in der zweiten Klasse
blieb; ebenso hielt ich mich für verloren, als ich die Angelegenheit
der Schwester schlecht geführt hatte; und was ist es jetzt? Nachdem
Jahre darüber hinweggegangen sind, gedenke ich jener Zeit und bin
verwundert, wie mich dies erbittern konnte.
»Das Nämliche wird auch wieder der Fall mit diesem Schmerz. Wenn Zeit
genug verronnen sein wird, werde ich schon wieder Gleichmut für ihn
haben.«
Aber schon drei Monate waren verronnen und er war nicht gleichmütig
geworden; es war ihm noch so wie in den ersten Tagen traurig und schwer,
an seinen Versuch in Moskau zurückzudenken.
Der Grund, daß er diese Ruhe nicht zu finden vermochte, lag darin, daß
er, der so lange über das Familienleben nachgedacht hatte, der sich so
reif dafür fühlte, gleichwohl noch nicht beweibt war und weiter als er
es je gewesen, von einer Heirat entfernt stand.
Schmerzlich empfand er selbst, daß seine ganze Umgebung fühlte, daß es
nicht gut wäre in seinen Jahren, wenn der Mensch allein sei. Er entsann
sich, wie er vor seiner Abreise nach Moskau seinem Viehwärter Nikolay,
einem naiven Bauern, mit dem er gern zu sprechen pflegte, gesagt hatte:
»Nun, Nikolay, ich will heiraten,« und wie dieser eilig darauf erwidert
hatte, als ob es sich um eine Sache handelte, an der gar kein Zweifel
möglich sei: »Längst Zeit, Konstantin Dmitritsch«.
Aber jetzt war die Heirat wieder weiter von ihm hinweg getreten, als je
zuvor. Der Platz, den er sich erkoren hatte, war schon besetzt gewesen,
und wenn er sich jetzt in seiner Vorstellungskraft an diesen Platz ein
anderes der ihm bekannten jungen Mädchen setzte, da fühlte er, daß dies
vollkommen unmöglich war.
Bei alledem aber quälte ihn doch auch die Erinnerung an seine Abweisung
und die Rolle, die er dabei gespielt hatte, und erfüllte ihn mit Scham.
Wie oft er auch zu sich selbst sprechen mochte, daß er doch an nichts
schuld sei, die Erinnerung im Verein mit anderen Erinnerungen ähnlicher
Art, ließen ihn immer wieder erschüttert sein und erröten.
Auch er hatte, wie jeder Sterbliche, nur ihm bekannte unrechte
Handlungen in seiner Vergangenheit, von denen er sich gequält fühlte,
aber die Erinnerung an diese war ihm bei weitem nicht so peinlich, wie
jene unbedeutenden und doch so beschämenden Reminiscenzen.
Jene Wunden hatten sich nie geschlossen, und im Bunde mit ihnen stand
nun noch die Abweisung und die klägliche Lage in welcher er der
Gesellschaft an jenem Abend erschienen sein mußte.
Indessen die Zeit und die Arbeit thaten doch das Ihrige. Die drückenden
Erinnerungen wurden mehr und mehr von den für ihn kaum bemerkbaren, aber
bedeutungsvoll wirkenden Vorgängen innerhalb des Landlebens überwuchert.
Mit jeder Woche dachte er entschiedener über Kity; er erwartete mit
Ungeduld die Nachricht, daß sie vermählt sei oder demnächst Hochzeit
haben werde, in der Hoffnung, daß eine solche Nachricht ihn, gleich
einer Zahnoperation, vollständig von seinen Schmerzen heilen werde.
Mittlerweile war der Frühling gekommen, herrlich und lieblich, ganz
wider Erwarten und ohne die trügerische Witterung die sonst dem Frühjahr
eigen ist; es war einer jener seltenen Lenze, an denen Pflanze, Mensch
und Tier gemeinsam sich ergötzt.
Dieser herrliche Lenz hatte Lewin noch mehr ermuntert und bestärkt in
seinem Vorsatze, sich aller früheren Ideen zu entschlagen, um fest und
unabhängig sein vereinsamtes Leben weiterführen zu können.
Obwohl gar viele jener Vorsätze, mit denen er auf sein Dorf
zurückgekommen war, nicht von ihm verwirklicht waren, so war doch eines
von ihm fest beobachtet geblieben, das Hauptsächlichste, -- die Reinheit
seines Lebens.
Er empfand nicht mehr jene Beschämung an sich, welche ihn sonst
gewöhnlich zu überkommen pflegte nach einem Fehltritt und vermochte
jetzt den Menschen kühn ins Auge zu blicken.
Bereits im Februar hatte er von Marja Nikolajewna ein Schreiben
erhalten, des Inhalts, daß die Gesundheit seines Bruders Nikolay immer
schlechter werde, daß dieser sich aber keiner Kur unterziehen wolle.
Infolge dieses Briefes fuhr Lewin nach Moskau zu seinem Bruder, und es
gelang ihm, diesen zu überreden, den Rat eines Arztes in Anspruch zu
nehmen und ins Ausland in ein Bad zu reisen.
Es war ihm so leicht gelungen, dies zu bewirken, und ihm Gelder zur
Reise aufzunötigen, ohne daß der Bruder sich davon gereizt fühlte, daß
er in dieser Beziehung sehr mit sich zufrieden war.
Abgesehen davon, daß die Landwirtschaft im Frühling eine besondere
Aufmerksamkeit erforderte, hatte Lewin schon im Winter ein Werk über
Ökonomie zu schreiben begonnen, dessen Plan darin bestand, daß der
Charakter des Arbeiters in der Landwirtschaft aufzufassen sei als
absolut Gegebenes, ebenso wie dies mit Klima und Boden der Fall sei, und
daß folglich alle Grundlagen der Ökonomiewissenschaft nicht allein von
diesen beiden Faktoren abhingen, sondern von Boden, Klima und dem
bekanntlich an sich unveränderlichen Charakter des Feldarbeiters.
Lewins Leben war auf diese Weise trotz seiner Einsamkeit, oder auch
infolge seiner Einsamkeit außerordentlich ausgefüllt. Nur bisweilen
empfand er den unerfüllbaren Wunsch, die in ihm webenden Ideen andern
mitzuteilen, als nur der Agathe Michailowna, obwohl selbst diese öfters
in die Lage kam, über Physik urteilen zu müssen, über die Theorie der
Ökonomie und namentlich über Philosophisches. Die Philosophie bildete
eines der Lieblingsthemen der Agathe Michailowna.
Der Frühling war kaum herangekommen. Die letzten Fastenwochen hatten
helles, kaltes Wetter gehabt. Am Tage thaute es unter den Strahlen der
Sonne und nachts stieg die Kälte bis sieben Grad unter Null. Der Boden
war so grundlos geworden, daß man auf Wagen fuhr, da kein Weg mehr da
war, und Ostern kam im Schneegewand.
Dann aber, am zweiten Ostertag, begann plötzlich ein lauer Wind zu
wehen, Regenwolken zogen daher, und drei Tage und drei Nächte ging ein
warmer Sturmregen nieder. Am Donnerstag legte sich der Wind, und ein
dichter grauer Nebel stieg empor, gleich als ob er das Geheimnis der in
der Natur sich vollziehenden Wandlungen verhüllen wollte.
In diesem Nebel strömten die Wässer, borst das Eis und ging, trübe und
schäumend wälzten sich schnell die Flüsse dahin, und am roten Hügel
teilte sich des Abends der Nebel, zerrissen die Wolken in Flocken. Es
wurde hell, der echte Frühling erschien.
Am Morgen thaute die Sonne schnell das dünne Eis hinweg, das noch die
Gewässer überdeckte und die warme Luft begann zu erzittern von den sie
erfüllenden Ausdünstungen der auflebenden Erde.
Es grünte wieder das alte Gras wie das junge das in seinen Keimen sproß,
die Knospen des Maßholder sprangen, des Johannisbeerstrauchs und der
harzigen Birke und an den mit goldschimmernden Blüten übersäten Reisern
summte die freigelassene schwärmende Biene.
Unsichtbare Lerchen schwebten über dem sammetnen Grün und den vom Eis
befreiten Stoppeln und in den Niederungen und Sümpfen die mit dem vom
Sturme gebrachten, angesammelten Regenwasser gefüllt waren, klagten
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