gar nicht nötig waren.
Auf die Frage, ob man ins Ausland reisen solle oder nicht, versank der
große Arzt in tiefes Nachdenken, gleich als ob er über einer schwierigen
Aufgabe sänne.
Die Entscheidung ward endlich gefällt; man dürfe reisen, solle sich aber
vor den Charlatanen hüten und sich in allem nur an ihn wenden.
Es schien sich förmlich eine gewisse Aufheiterung zu verbreiten, als der
große Arzt von dannen gegangen war. Die Mutter atmete auf, sich zu ihrem
Kinde wendend, und Kity stellte sich, als ob sie zu guter Laune käme.
Sie hatte sich in der letzten Zeit nur allzu häufig, ja fast stets,
verstellen müssen.
»Es ist wirklich wahr, =maman=, ich fühle mich gesund. Aber wenn Ihr
reisen wollt, so wollen wir reisen!« sagte sie, und gab sich den
Anschein, als interessiere sie sich für die bevorstehende Abreise, indem
sie von den Vorbereitungen zu derselben zu sprechen begann.
2.
Bald nach der Abfahrt des Arztes kam Dolly an. Sie wußte, daß heute der
Familienrat sein sollte, und trotzdem daß sie noch nicht lange aus dem
Wochenbett war -- sie hatte zu Ende des Winters einem Mädchen das Leben
geschenkt -- trotzdem, daß sie selbst schon genug Kummer und Sorgen zu
tragen hatte, war sie, ihren Säugling und ein erkranktes Töchterchen
daheim zurücklassend, hergekommen, um zu hören welches das Schicksal
Kitys, das sich heute entschieden hatte, sein werde.
»Nun, wie steht es?« frug sie, in den Salon tretend, ohne den Hut vom
Kopfe zu nehmen. »Ihr seid alle so fröhlich. Es steht wohl gut?«
Man versuchte nur, ihr zu erzählen, was der Arzt gesagt hatte, aber es
zeigte sich, daß, obwohl dieser sehr klar und lange gesprochen hatte,
niemand richtig das wiederzugeben wußte, was er eigentlich gesagt hatte.
Bemerkenswert war nur das Eine dabei, daß die Reise nach dem Ausland
beschlossen worden war.
Dolly seufzte unwillkürlich. Ihr bester Freund, die Schwester, reiste
fort; auch ihr eigenes Leben war ja kein heiteres. Ihr Verhältnis zu
Stefan Arkadjewitsch war nach jener Aussöhnung für sie ein
erniedrigendes geworden. Die Neulötung des Bundes, die von Anna zustande
gebracht worden war, erwies sich als nicht auf die Dauer haltbar und das
eheliche Einvernehmen war an der nämlichen Stelle wieder in die Brüche
gegangen.
Es lag hierfür keine bestimmt ausgesprochene Ursache vor, aber Stefan
Arkadjewitsch war fast nie daheim, Geld gab es gleichfalls fast nie im
Hause und der Verdacht seiner Untreue folterte Dolly beständig. Schon
mehrfach hatte sie diesen Verdacht von sich gescheucht, in der Furcht
vor jenem Schmerz der Eifersucht, den sie ja schon an sich erfahren
hatte.
Jener erste Ausbruch von Eifersucht, den sie schon einmal durchlebt,
konnte freilich nicht so wiederkehren, und selbst eine Entdeckung seiner
Untreue würde jetzt nicht mehr in demselben Maße auf sie haben wirken
können, als es zum erstenmale der Fall gewesen war.
Eine solche Entdeckung würde sie jetzt nur noch ihres ehelichen Umgangs
beraubt haben, und sie hätte sich dann gestattet, ihn und vor allem sich
verachtend, sich selbst hinwegzutäuschen über diese Schwäche.
Außerdem aber quälte sie beständig die Sorge um die große Familie. Bald
stand es schlecht um die Ernährung des neuangekommenen kleinen
Weltbürgers, bald war die Amme fortgegangen, bald lag, wie jetzt, eines
der Kinder erkrankt.
»Wie steht es denn mit deinen Verhältnissen?« frug die Mutter.
»Ach, =maman=, wir haben ja des Unglücks selbst genug zu tragen. Lily ist
krank geworden und ich fürchte, es ist Scharlach. Ich bin jetzt aber
doch wie Ihr seht, gekommen, um zu erfahren wie es hier steht, und muß
sonst sitzen und wachen, ohne an ein Verlassen des Hauses denken zu
können; wenn, möge Gott uns beschützen, es Scharlach ist.«
Der alte Fürst war nach der Verabschiedung des Arztes wieder aus seinem
Kabinett gekommen; Dolly die Wange zum Kuß bietend und einige Worte mit
ihr wechselnd, wandte er sich an seine Gattin:
»Was habt Ihr beschlossen; reist Ihr? Und wenn dem so ist, was wird
alsdann aus mir?«
»Ich denke, du solltest hier zurückbleiben, Aleksander,« antwortete die
Gattin.
»Wie Ihr wollt.«
»=Maman=, warum soll Papa nicht mit uns reisen?« sagte Kity, »ihm und uns
ist dann wohler zu Mut.«
Der alte Fürst erhob sich und glättete mit der Hand das Haar seines
Kindes. Kity erhob ihr Gesicht und blickte ihn mit gekünsteltem Lächeln
an. Es wollte ihr stets scheinen, als ob er am besten in der Familie sie
verstünde, obwohl er wenig von ihr sprach. Sie war, als die jüngste, das
Lieblingskind des Vaters und es schien, als ob ihm seine Liebe zu ihr
den Blick geschärft. Als ihr Blick jetzt seinen guten blauen Augen
begegnete, die sie aufmerksam betrachteten, dünkte es sie, als schaue er
durch sie hindurch und verstehe all das Traurige, was in ihr vorging.
Errötend neigte sie sich ihm entgegen, erwartend, daß er sie küssen
solle, aber er strich nur über ihr Haar und sprach:
»Diese dummen Chignons! Bis zu unseren eigenen Töchtern dringen wir gar
nicht durch, sondern man liebkost nur die Haare gestorbener Weiber. Nun,
Dollinka,« wandte er sich hierauf an seine älteste Tochter, »was macht
denn dein Trumpfaß?«
»Nichts, Papa,« antwortete Dolly, recht wohl verstehend, daß sich die
Worte des Vaters auf ihren Gatten bezogen. »Er ist meist fern von Hause,
und ich sehe ihn fast nie,« konnte sie nicht umhin, mit sarkastischem
Lächeln hinzuzufügen.
»Nun; ist er denn noch nicht auf das Land gefahren, um seinen Wald zu
verkaufen?«
»Nein; er ist immer noch erst im Begriff dazu.«
»So, so,« antwortete der Fürst, »dann werde ich mich wohl auch noch
einmal vorbereiten müssen?« Er nahm neben seinem Weibe Platz. »Und du
Kity,« fügte er hinzu, sich an seine jüngste Tochter wendend, »du wirst
hoffentlich eines schönen Tages erwachen und dann lachend zu dir selber
sagen, »ah, ich bin doch völlig gesund und heiter, jetzt wollen wir
wieder mit Papa gehen und die Frühpromenade mit ihm in der Morgenkälte
machen? Nicht so?«
Es schien das, was der Vater sagte, so einfach zu sein, aber Kity geriet
dabei in Verwirrung, wie ein überführter Sünder.
»Ja, er weiß alles, er versteht alles und sagt mir mit diesen Worten,
daß man, auch wenn dies schimpflich ist, seine Schmach überleben solle.«
Sie vermochte nicht, sich ein Herz zu fassen und eine Erwiderung zu
finden. Sie wollte etwas sagen, brach aber in Thränen aus und verließ
schnell das Gemach.
»Da hast du deine Scherze!« rief die Fürstin ihrem Gatten zu; »du bist
stets die Ursache zu derartigen Scenen;« begann sie vorwurfsvoll.
Der Fürst hörte geraume Zeit ihre Vorwürfe schweigend an, aber sein
Gesicht verfinsterte sich mehr und mehr.
»Sie ist so beklagenswert, die Arme, so beklagenswert; und du fühlst
nicht, daß sie Schmerz empfindet bei jeder Andeutung dessen, was die
Ursache davon ist. O, daß man sich so sehr in den Menschen irrt!« rief
die Fürstin aus und an der Veränderung des Tones ihrer Stimme erkannte
Dolly und der Fürst, daß sie Wronskiy meinte. »Ich begreife nicht, daß
es keine Gesetze giebt gegen solche Abscheuliche, Unedle!«
»Du dürftest wohl nur nicht gehört haben,« versetzte der Fürst finster
sich aus dem Lehnstuhl erhebend, und gleichsam im Wunsche, das Zimmer zu
verlassen, noch an der Thür stehen bleibend.
»Es giebt recht wohl Gesetze, meine Liebe, und wenn du mich schon dazu
herausforderst, so will ich dir sagen, wer an allem schuld ist. Du, du
und nur du! Ja, wenn das nicht wäre, was eben nicht sein dürfte -- ich
bin leider ein Greis -- so würde ich ihn vor die Barriere fordern,
diesen Gecken. Nun aber kuriert nur und führt diese Charlatane bei Euch
ein.«
Der Fürst schien noch viel sagen zu wollen, aber kaum hatte die Fürstin
seinen Ton wahrgenommen, so beruhigte sie sich und ging in sich, wie sie
dies gewöhnlich bei ernsten Fragen zu thun pflegte.
»=Alexandre, Alexandre=,« flüsterte sie, sich auf ihn zu bewegend und in
Thränen ausbrechend.
Sie hatte kaum zu weinen begonnen, als der Fürst verstummte. Er trat zu
ihr hin.
»Nun, laß sein, laß sein! Es ist dir schwer genug zu Mute, ich weiß es
wohl, aber was ist hier zu thun? Das Unglück ist noch nicht zu groß und
Gott ist barmherzig,« sagte er, ohne selbst recht zu wissen, was er
sagen sollte, und auf den feuchten Kuß der Fürstin antwortend, den er
auf seiner Hand fühlte.
Auch der Fürst verließ den Salon.
Kaum war Kity in Thränenströmen hinausgegangen als Dolly in ihrer Art
als Familienmutter sogleich erkannte, daß hier eine Weiberthat zur
Ausführung gelangen müsse und sie bereitete sich vor sie auszuführen.
Sie nahm ihren Hut ab, streifte die Rockärmel zurück und rüstete sich.
Als die Fürstin ihren Gatten angegriffen hatte, hatte sie versucht, die
Mutter zurückzuhalten, soweit dies die kindliche Ehrerbietung zuließ.
Als der Fürst darauf erwidert hatte, war sie still verblieben; sie
empfand Scham über ihre Mutter und Zuneigung für ihren Vater wegen
dessen sich sogleich wieder herauskehrender Güte. Doch als der Vater
hinausgegangen war, bereitete sie sich vor, den Hauptcoup auszuführen,
der nötig war -- zu Kity zu gehen und sie zu beruhigen.
»Ich habe Euch wohl schon vor Langem sagen wollen, =maman=, Ihr wißt wohl,
daß Lewin Kity einen Antrag zu machen beabsichtigt hat, als er zum
letztenmal hier war. Er hatte mit Stefan darüber gesprochen.«
»Was soll das? Ich verstehe nicht« --
»So hat ihn also Kity vielleicht zurückgewiesen? Hat sie Euch nicht
davon gesprochen?«
»Nein, sie hat nichts gesagt, weder etwas von diesem noch von jenem, sie
ist zu stolz dazu. Aber ich weiß, daß alles davon kommt« --
»Denkt Euch, wenn sie Lewin absagte -- sie würde ihm nicht abgesagt
haben, wenn nicht der andere dazwischen gekommen wäre, ich weiß es --
dieser andere aber hat sie grausam getäuscht.«
Der Fürstin war es unerträglich, daran zu denken, wie viel Schuld sie an
dem Unglück ihrer Tochter trug, und sie geriet in Wut.
»Ach, ich kann nichts mehr begreifen! Jetzt will die ganze Welt nur nach
ihrem Sinne leben, der Mutter nichts mehr anvertrauen, und dann, da« --
»=Maman=, ich gehe zu ihr.«
»Geh! Sollte ich es dir etwa verbieten?« sagte die Mutter.
3.
Als Dolly in das kleine Boudoir Kitys eintrat, ein freundliches mit
Rosen geschmücktes Zimmerchen, noch ebenso jugendduftig, rosig und
freundlich, wie Kity es zwei Monate vorher noch selbst gewesen war,
erinnerte sie sich, wie sie beide zusammen im vergangenen Jahre diesen
Raum geschmückt hatten, mit welcher Lust und Liebe.
Ihr Herz erstarrte, als sie Kitys ansichtig wurde, die auf einem
niedrigen Stuhle dicht an der Thür saß und den Blick unbeweglich auf die
eine Ecke des Teppichs geheftet hielt.
Kity blickte die Schwester an; der kalte ziemlich mürrische Ausdruck
ihres Gesichts veränderte sich nicht.
»Ich will jetzt wieder nach Hause fahren und daselbst sitzen bleiben, du
aber wirst nun wohl nicht mehr zu mir kommen,« sagte Darja
Alexandrowna, sich neben Kity niederlassend. »Ich möchte mit dir
einiges sprechen.«
»Worüber?« frug Kity schnell, erschreckt den Kopf hebend.
»Worüber? Nun doch jedenfalls von deinem Herzeleid.«
»Ich habe kein Herzeleid.«
»Halt ein, Kity. Denkst du etwa, ich könnte nichts davon wissen? Ich
weiß alles. Glaube mir; es ist eine so nichtswürdige Affaire -- nun, wir
haben das ja alle durchgemacht.«
Kity blieb stumm; ihr Gesicht hatte einen Ausdruck von Strenge.
»Er ist nicht so viel wert, daß du um ihn trauern dürftest« -- fuhr
Dolly fort, geradenwegs auf ihren Zweck zusteuernd.
»Ja, weil er mich verschmäht hat,« sprach Kity mit bebender Stimme.
»Sprich mir nicht mehr davon, ich bitte dich, sprich nicht mehr davon.«
»Aber wer hat dir das gesagt? Kein Mensch hat davon gesprochen. Ich bin
überzeugt, daß er in dich verliebt gewesen ist und noch verliebt ist,
aber« --
»Ach; am Entsetzlichsten von allem ist mir dieses Mitleid,« rief Kity,
plötzlich in Zorn geratend. Sie wandte sich seitwärts auf dem Stuhle,
errötete und bewegte nervös die Finger, bald mit der einen, bald mit der
anderen Hand die Schnalle des Gürtels pressend, den sie trug.
Dolly kannte diese Eigenschaft ihrer Schwester, mit den Händen in den
Gürtel zu greifen, wenn der Zorn in ihr aufwallte, sie wußte, daß Kity
imstande war, während einer augenblicklichen Wallung sich zu vergessen
und vieles Überflüssige und Unangenehme herauszupoltern, und Dolly
wollte sie doch beruhigen. Allein es war dazu schon zu spät.
»Was; was willst du mir zu fühlen geben, was?« rief Kity heftig. »Etwa
dies, daß ich einen Menschen geliebt habe, der mich nicht kennen wollte,
und das, daß ich vor Liebe zu ihm sterbe? Und dies kann mir eine
Schwester sagen, welche glaubt daß sie -- daß sie -- mich bemitleiden
soll? Ich will nichts wissen von diesem Beileid, diesen Heucheleien!«
»Kity, du bist ungerecht!«
»Weshalb quälst du mich!«
»Aber, im Gegenteil -- ich sehe, du bist gereizt!« --
Kity hörte sie nicht mehr in ihrer Erregung.
»Ich habe mich um nichts zu sorgen oder zu trösten! und habe Stolz
genug, mir nie zu gestatten, einen Menschen zu lieben, der mich nicht
liebt!«
»Aber das sage ich ja gar nicht! Nur Eins -- sage mir die Wahrheit,«
fuhr Darja Alexandrowna fort, ihre Hand ergreifend, »sage mir, hat
Lewin mit dir gesprochen?«
Die Erinnerung an Lewin schien Kity des letzten Restes von
Selbstbeherrschung zu berauben; sie sprang von ihrem Stuhle empor, warf
die Gürtelschnalle zu Boden und machte schnelle Bewegungen mit den Armen
in der Luft; dann rief sie:
»Was thut hier Lewin noch zur Sache? Ich begreife nicht, weshalb du mich
foltern mußt! Ich habe es dir gesagt und wiederhole es, daß ich Stolz
besitze, und nie -- nie und nimmermehr -- das thäte, was du thust, um
hier auf denjenigen zu kommen, der dich verraten hat, der ein anderes
Weib geliebt hat. Das verstehe ich nicht! Magst du es verstehen, ich
kann es nicht!«
Nachdem Kity diese Worte gesprochen hatte, schaute sie die Schwester an,
und als sie wahrnahm, daß Dolly schwieg und traurig den Kopf gesenkt
hatte, setzte sie sich, anstatt das Boudoir zu verlassen, wie sie
anfangs gewollt, wieder an der Thüre nieder und senkte gleichfalls den
Kopf, ihr Gesicht in dem Taschentuch bergend.
Dieses Schweigen währte mehrere Minuten. Dolly dachte über sich selbst
nach. Das nämliche Gefühl der Erniedrigung, welches sie stets empfunden
hatte, erwachte besonders schmerzend in ihr, als die Schwester vor ihr
desselben Erwähnung gethan hatte. Eine solche Härte hatte sie von der
Schwester nicht erwartet, und sie zürnte dieser nun.
Plötzlich aber vernahm sie das Rauschen eines Gewandes und indem sie die
Töne verhaltenen Schluchzens vernahm, legten sich zwei Arme von unten um
ihren Hals.
Kity lag vor ihr auf den Knieen.
»Liebste Dolly; ich bin so tief, so tief unglücklich!« stammelte Kity
schuldbewußt.
Sie verbarg das liebliche, von Thränen überthaute Antlitz in den Falten
des Kleides der Schwester.
Gleich als ob die Thränen der unumgänglich nötige Kitt wären, ohne
welchen das Getriebe eines Wechselverkehrs unter den zwei Schwestern
nicht mit Erfolg ging, so sprachen sich die beiden Schwestern nun nach
Thränenströmen, die sie vergossen, zwar nicht über das aus, was sie
eigentlich beschäftigte; aber indem sie von Nebendingen sprachen,
verstanden sie einander auch darin ganz gut.
Kity erkannte, daß ihr im Zorn geäußertes Wort über die Treulosigkeit
von Dollys Gatten und deren Entwürdigung die arme Schwester bis auf den
Grund des Herzens erschüttert hatte und diese ihr nichtsdestoweniger
verzieh.
Dolly ihrerseits aber hatte alles erfaßt, was sie hatte wissen wollen
und die Überzeugung gewonnen, daß ihre Vermutungen richtig gewesen
waren, daß das unheilbare Weh Kitys in erster Linie darin bestand, daß
Lewin ihr seine Hand angetragen hatte und zurückgewiesen worden war, daß
Wronskiy sie getäuscht und sie selbst jetzt imstande war, Lewin zu
lieben und Wronskiy zu hassen.
Kity hatte freilich kein Wort hierüber fallen lassen; sie sprach nur von
ihrem Gemütszustand.
»Ich habe kein Herzeleid,« hatte sie, ruhiger werdend, gesagt, aber du
wirst dir wohl denken können, daß mir jetzt alles abstoßend, zuwider,
rauh erscheint, und vor allem ich mir selbst. Du kannst dir nicht
vorstellen, was für böse Gedanken mir über dies alles kommen.«
»Aber wie kannst du böse Gedanken haben?« frug Dolly lächelnd.
»Die häßlichsten, die du dir denken kannst; ich vermag sie dir nicht zu
sagen. Sie kommen nicht von Lebensüberdruß oder Langeweile, sie sind
weit schlimmerer Art und mir ist, als hätte sich gleichsam alles, was
Gutes in mir war, ganz verborgen und es wäre nur das Schlechte in mir
zurückgeblieben. Was soll ich dir sagen?« fuhr sie fort, den zweifelnden
Ausdruck im Auge der Schwester gewahrend. »Papa hat soeben davon
gesprochen; mir scheint, als glaube er nur, ich müsse eben heiraten.
Mama führt mich zu Balle; mir scheint, sie thut es nur deshalb, um mich
möglichst bald zu verehelichen und mich loszuwerden. Ich weiß, daß diese
Gedanken unrecht sind, aber ich gewinne es nicht über mich, sie von mir
zu scheuchen; sogenannte Bräutigams kann ich nicht sehen. Mir scheint,
daß sie stets sich ein Maß von mir abnehmen. Früher war es mir ein
Vergnügen, im Ballkleid auszufahren, ich freute mich über mich selbst;
jetzt empfinde ich Scham darüber und fühle mich unsicher. Und was willst
du auch anderes erwarten? Der Arzt -- ha« --
Kity brach ab. Sie wollte fortfahren und sagen daß von jener Zeit, da
diese Veränderung mit ihr vorgegangen war, Stefan Arkadjewitsch ihr
unausstehlich unangenehm geworden war, und daß sie ihn nicht sehen könne
ohne Vorstellungen der niedrigsten und ungereimtesten Art dabei zu
haben.
»Alles erscheint mir im rohesten, abstoßendsten Lichte,« fuhr sie fort,
»und dies ist meine Krankheit; vielleicht, daß sie vorübergeht« --
»Aber denke nicht« --
»Ich kann nicht. Nur in der Gesellschaft von Kindern ist mir wohl; nur
bei dir.«
»Schade, daß du nicht bei mir sein kannst.«
»Nein; aber ich werde einmal zu dir kommen. Das Scharlachfieber habe ich
ja gehabt, und ich werde =maman= schon bitten.« --
Kity bestand auf ihrer Absicht und kam zur Schwester; sie pflegte die
Kinder Dollys während der ganzen Dauer des Scharlachfiebers welches
thatsächlich zum Ausbruch gekommen war.
Alle sechs Kinder brachten die beiden Schwestern glücklich durch die
Krankheit, aber die Gesundheit Kitys besserte sich dadurch nicht und zur
Zeit der großen Fasten reiste die Familie Schtscherbazkiy ins Ausland.
4.
Die höchste gesellschaftliche Sphäre in Petersburg steht ganz allein.
Alles kennt sich wohl und besucht einander, aber es giebt hier in diesem
großen Kreise auch wieder Unterabteilungen.
Anna Arkadjewna Karenina besaß Freunde und pflog Verbindungen in drei
verschiedenen Gesellschaftskreisen.
Der eine derselben war der der Beamten, welchem offiziell ihr Gatte
angehörte; derselbe setzte sich zusammen aus dessen Kollegen und
Untergebenen, welche alle unter sich auf die mannigfaltigste und
willkürlichste Weise durch gemeinsame Interessen verbunden und getrennt
waren.
Anna vermochte sich jetzt nur schwer noch des Gefühls der fast
abgöttischen Verehrung zu erinnern, welches sie in der ersten Zeit
diesen Leuten gegenüber empfunden hatte.
Jetzt kannte sie sie alle, wie man sich etwa in einem Landstädtchen
gegenseitig kennt; sie kannte die Gewohnheiten und Schwächen eines
jeden und wußte, wo einen jeden der Schuh drückte; sie kannte ihre
gegenseitigen Beziehungen und diejenigen aller zur höchsten Stelle und
wußte, wie alle untereinander standen, wie und wovon sie lebten und
worin sich die einzelnen ähnlich oder unähnlich waren.
Aber dieser Kreis von Interessen für Männer der Regierung vermochte sie
nicht im geringsten -- ungeachtet der Belehrungen der Gräfin Lydia
Iwanowna -- zu erwärmen, und sie mied daher denselben.
Der zweite, Anna näher stehende Kreis war derjenige, durch welchen
Aleksey Aleksandrowitsch seine Carriere gemacht hatte.
Der Mittelpunkt desselben war die Gräfin Lydia Iwanowna. Es war ein
Kreis alter, häßlicher, wohlthätiger und bigotter Weiber und kluger,
gelehrter ehrgeiziger Männer.
Einer von diesen klugen Männern, die zu jenem Kreise gehörten, nannte
denselben »das Gewissen der Petersburger Gesellschaft«.
Aleksey Aleksandrowitsch schätzte diesen Kreis sehr hoch, und Anna, die
es so gut verstand, sich mit jedermann zu vertragen, fand in der ersten
Zeit ihres Petersburger Aufenthalts auch in diesem Kreise Freunde für
sich. Jetzt aber, nach ihrer Rückkunft aus Moskau, war ihr diese
Gesellschaft unerträglich geworden.
Ihr schien, als ob sie selbst, wie auch alle jene Menschen, sich nur
verstelle, und es wurde ihr nun so langweilig und fad in dieser
Gesellschaft, daß sie so selten, als es nur anging, zur Gräfin Lydia
kam.
Der dritte Kreis endlich, in welchem Anna Verbindungen besaß, war die
eigentliche Welt -- die Welt der Bälle und Essen, der glänzenden
Toiletten, jene Welt, die sich mit der einen Hand am Hofe anhält, um
nicht der Halbwelt zu verfallen und welche die Angehörigen der letzteren
zu verachten glaubt, während sie mit ihr in den Geschmacksrichtungen
nicht etwa nur verwandt ist, nein, sogar übereinstimmt.
Ihre Verbindung mit diesem Kreise wurde durch die Fürstin Bezzy
Twerskaja gestützt, die Gattin ihres Vetters, welche einige
hundertzwanzigtausend Rubel jährlicher Einkünfte besaß und Anna von
deren erstem Erscheinen in der Welt an ausnehmend liebgewonnen hatte.
Sie wußte sich ihr zu nähern, sie in ihre Kreise zu ziehen und
verspottete dabei die Gesellschaft der Gräfin Lydia Iwanowna.
»Wenn ich einmal alt und häßlich bin, werde ich auch eine solche,« sagte
sie, »aber für Euch, für ein junges, hübsches Weib ist es noch zu früh
zur Gottgefälligkeit.«
Anna hatte anfänglich diese Sphäre der Fürstin Twerskaja gemieden soviel
sie gekonnt, da dieselbe erstens einen Aufwand erforderte, welcher weit
über ihre Mittel ging und sie selbst sich auch den erstgenannten ihrer
Kreise vorzog; indessen nach ihrer Rückkunft von Moskau war ein
Umschwung hierin eingetreten.
Sie mied den mehr moralischen Teil ihrer Bekannten und begab sich in die
große Welt. Hier begegnete sie Wronskiy und empfand eine stürmische
innere Freude bei diesen Begegnungen.
Besonders häufig sah sie Wronskiy bei der Fürstin Twerskaja, die selbst
eine geborene Wronskaja und eine Base von jenem war. Wronskiy selbst kam
nun überall hin, wo er nur Anna treffen konnte und er sprach zu ihr,
wenn er nur konnte, von seiner Liebe.
Sie hatte ihm keinen Anlaß hierzu gegeben, aber stets, wenn sie mit ihm
zusammentraf, flammte in ihrer Seele von neuem das nämliche Gefühl der
Aufregung empor, welches sie an jenem Tage im Waggon überkam, da sie ihn
zum erstenmale wieder erblickte.
Sie fühlte, wie bei seinem Anblick das Entzücken aus ihren Augen
leuchtete und ihre Lippen sich zu einem Lächeln kräuselten, und
vermochte den Ausdruck dieser Freude nicht zu ersticken.
Anfänglich war Anna in Wahrheit des Glaubens, daß sie über ihn
ungehalten sei, weil er sich erlaube, sie zu verfolgen; aber als sie
nach ihrer Rückkehr aus Moskau zu einer Soiree gefahren war, in der sie
Wronskiy zu treffen dachte, erkannte sie deutlich an der trüben Laune
die sich ihrer bemächtigte, als er nicht anwesend war, daß sie sich in
einer Selbsttäuschung befinde und daß diese Verfolgung ihr nicht nur
nicht unangenehm war, sondern vielmehr das gesamte Interesse ihres
Lebens bilde.
* * * * *
Eine berühmte Diva sang zum zweitenmale und die gesamte große Welt war
im Theater.
Als Wronskiy aus seinem Sessel in der ersten Reihe die Base wahrgenommen
hatte, begab er sich zu dieser -- ohne den Zwischenakt abzuwarten --
nach ihrer Loge.
»Weshalb waret Ihr nicht beim Souper?« frug ihn die Gräfin. »Ich bin
doch verwundert über diesen Scharfblick der Liebenden,« fügte sie mit
einem Lächeln hinzu, so daß nur er es hören konnte, »sie war auch nicht
da. -- Aber Ihr kommt doch nach der Oper?«
Wronskiy blickte sie fragend an; sie senkte den Kopf und er dankte ihr
mit einem Lächeln und ließ sich neben ihr nieder.
»Ah, ich entsinne mich wohl noch Eurer Galanterieen,« fuhr die Fürstin
Bezzy fort, welche ein besonderes Vergnügen in der Beobachtung der
Fortschritte dieser sich entspinnenden Leidenschaft fand.
»Wohin soll das alles führen; Ihr seid in Banden, mein Lieber!«
»Ich wünschte nur das Eine, in Banden sein zu können,« antwortete
Wronskiy mit seinem ruhigen, gleichmütigen Lächeln. »Wenn ich Etwas
beklage, so ist es nur dies, daß ich allzuwenig gefesselt bin. Um die
Wahrheit zu gestehen, ich fange an, die Hoffnung zu verlieren.«
»Welche Hoffnung könnt Ihr denn hegen?« sagte Bezzy, etwas pikiert von
ihres Freundes Vertraulichkeit. In ihren Augen indessen spielten
Reflexe, welche deutlich genug davon sprachen, daß sie recht wohl wisse
-- genau ebenso gut wie er selbst -- welche Hoffnung er haben könne.
»Keine,« sagte Wronskiy lachend und seine dichten Zähne zeigend. »Ich
habe es mir selbst zuzuschreiben,« fügte er hinzu, aus ihren Händen ein
Opernglas nehmend und sich damit beschäftigend, über ihre entblößte
Schulter hinweg die Reihe der gegenüberliegenden Logen zu mustern. »Ich
fürchte, ich mache mich lächerlich.«
Er wußte recht wohl, daß er in den Augen Bezzys und aller Lebemänner
nicht in Gefahr kam, lächerlich zu werden. Er wußte, daß in den Augen
dieser Leute nur die Rolle eines Menschen der ein junges Mädchen oder
überhaupt ein lediges Weib unglücklich liebte, lächerlich werden konnte.
Die Rolle eines Mannes aber, welcher sich einer verheirateten Frau
näherte und um jeden Preis sein Leben dafür einsetzte, sie zum Ehebruch
zu verleiten, eine solche Rolle hat nur etwas Edles, Erhabenes und kann
niemals lächerlich werden und mit stolzem und heiterem Lächeln unter den
Spitzen seines Schnurrbartes ließ er das Opernglas sinken und blickte
seine Base an.
»Weshalb seid Ihr denn nicht zu dem Essen gekommen?« frug sie mit
liebenswürdigem Lächeln.
»Das muß ich Euch freilich erzählen. Ich war beschäftigt und wollt Ihr
wissen womit? Ich würde hundert, ja tausend Rubel wetten und Ihr ratet
es nicht. Ich habe einen Mann mit dem Beleidiger seiner Frau versöhnt.
Es ist wirklich so!«
»Wie; Ihr habt versöhnt?«
»Beinahe.«
»Ah, das müßt Ihr mir erzählen,« sagte sie, sich erhebend. »Kommt im
Zwischenakt zu mir!«
»Kann nicht; ich muß jetzt in das französische Theater.«
»Der Nilson halber?« frug mit Schrecken Bezzy, die um keinen Preis der
Welt die Nilson von jeder beliebigen Choristin unterschied.
»Was soll ich anders? Ich habe dort ein Rendezvous; alles infolge meines
Versöhnungsversuchs.«
»O über diese frommen Friedensapostel, sie kommen stets gut weg,« sagte
Bezzy, sich einer ähnlichen Geschichte erinnernd, die sie einmal gehört
hatte. »Aber so nehmt doch Platz und erzählt mir, was hat es gegeben?«
5.
»Die Geschichte ist ein klein wenig übermütig, aber so hübsch, daß ich
sie sehr gern erzähle,« sagte Wronskiy, mit lachenden Augen auf sie
blickend. »Die Familie kann ich freilich nicht nennen.«
»Dann werde ich sie raten; um so besser.«
»Hört denn: Es fahren eines Tages zwei junge Leute« --
»Natürlich Offiziere Eures Regimentes?«
»Ich spreche nicht von Offizieren, nur von zwei jungen Leuten, die
miteinander gefrühstückt hatten.«
»Übertragt dies lieber: getrunken hatten.« --
»Meinetwegen. Es fahren also diese beiden zu einem Freunde in der
lustigsten Stimmung von der Welt. Da gewahren sie, wie eine hübsche
jüngere Dame sie in einem Mietwagen überholt, sich nach ihnen umblickt
und wie es scheint sogar mit dem Köpfchen nickt und lacht. Die beiden
folgen natürlich und streben ihr aus Leibeskräften nach.
Zu ihrer Verwunderung läßt die Schöne an der Einfahrt gerade des
nämlichen Hauses halten, zu dem sie selbst sich begeben. Die Schöne
begiebt sich in das erste Stockwerk; sie sehen nur ihre roten Lippen
unter dem kurzen Halbschleier hervorschimmern und ihre hübschen kleinen
Füßchen.«
»Ihr erzählt mit einer Empfindung, als schienet Ihr mir selbst einer
jener beiden jungen Leute gewesen zu sein.«
»Ah, was sagtet Ihr da! Also die jungen Leute begeben sich zu ihrem
Freunde, bei welchem ein Abschiedsessen stattfindet. Hier nun trinken
sie wohl erst viel zu viel, wie dies ja gewöhnlich bei Abschiedsessen
der Fall ist, und nach dem Essen wird gefragt, wer in dem Hause in der
oberen Etage wohne. Niemand weiß es, und nur der Diener antwortet auf
die Frage, ob oben drüber >Mamsells< wohnten, es gäbe da sehr viele.
Nach dem Essen begaben sich die jungen Leute in das Kabinett des
Gastgebers und schreiben der Unbekannten ein Billet. Sie schrieben
dasselbe in leidenschaftlichem Tone, ein Liebesgeständnis, und tragen es
selbst hinauf, um das noch zu erklären, was in dem Briefe nicht völlig
verständlich geworden wäre.«
»Weshalb erzählt Ihr mir aber solche Abgeschmacktheiten?«
»Man klingelt oben; eine Magd erscheint; man giebt den Brief ab und
versichert dem Mädchen, man sei so verliebt, daß man auf der Stelle vor
der Thürschwelle sterben möchte. Das Mädchen läßt sich unschlüssig in
eine Unterhaltung ein, plötzlich erscheint ein Herr mit wurstartigem
Backenbart, rot wie ein Krebs, und erklärt, es wohne niemand mehr hier
im Hause, als seine Frau, und jagt beide von dannen.« --
»Weshalb meint Ihr, daß der Backenbart des Mannes, wie Ihr sagtet,
wurstartig ausgesehen habe?«
»Nun hört, bitte zu. Heut erst war ich zur Aussöhnung dort.«
»Und was geschah dabei?«
»Etwas höchst Interessantes. Es stellte sich heraus, daß man es mit dem
glücklichen Ehepaar eines Titularrats und einer Titularrätin zu thun
hatte. Der Titularrat wollte die beiden verklagen und ich machte den
Friedensstifter, und was für einen! Ich versichere Euch, Talleyrand ist
nichts gewesen im Vergleich mit mir!«
»Worin lag denn die Schwierigkeit?«
»Nun hört an. Wir entschuldigten uns, wie es sich gehörte. Wir wären in
Verzweiflung, und bäten um Verzeihung für das unglückselige
Mißverständnis. Der Titularrat mit den Wurstbackenbärten begann
aufzuthauen; doch wünschte er, seinen Empfindungen Ausdruck zu
verleihen; sobald er jedoch angefangen hatte, dies zu thun, geriet er in
einen so mächtigen Zorn, und schleuderte die gröbsten Grobheiten so um
sich herum, daß ich von neuem meine diplomatischen Talente alle in
Bewegung setzen mußte. >Ich bin völlig damit einverstanden, daß die
Handlungsweise dieser Herren nicht gut war, aber ich bitte Euch, ihre
Unbesonnenheit und die Jugend berücksichtigen zu wollen; dann hatten die
Herren auch soeben erst gefrühstückt. Ihr versteht mich ja wohl. Sie
bereuen das Vorgefallene von ganzer Seele und bitten darum, daß man
ihnen ihren Fehltritt vergebe,< sagte ich.
»Der Titularrat ließ sich wiederum erweichen, >ich bin einverstanden,
Graf, und bereit, zu vergeben, aber Ihr seht wohl selbst ein, daß mein
Weib, mein Weib, eine ehrenhafte Frau, den Verfolgungen und Roheiten
einiger Buben ausgesetzt war, Niedriger< -- Ihr versteht, er nannte die
beiden, welche anwesend waren, Buben, und ich sollte das alles ins
Gütliche umsetzen. Ich mußte also wieder diplomatisch operieren, und der
Titularrat kam richtig, gerade wie ich so weit war, daß die Sache ihr
Ende finden konnte, abermals in Zorn, er wurde dunkelrot im Gesicht,
seine Backenbärte schienen sich zu erheben und abermals erging ich mich
in diplomatischen Finessen.«
»Ah, das muß er auch Euch erzählen!« wandte sich Bezzy lachend an eine
Dame, welche zu ihr in die Loge getreten war. »Er hat mich vorzüglich
belustigt.«
»Nun, bonne chance,« fügte sie hinzu, Wronskiy den Finger reichend, den
sie noch frei von dem Fächer hatte, und mit einer Bewegung der Schultern
die in die Höhe geschobene Taille des Kleides sinken lassend, damit sie,
so wie es sein sollte, möglichst dekolletiert erschien, indem sie
vortrat an die Rampe, in das Gaslicht und vor die Blicke der Menge.
Wronskiy fuhr nach dem französischen Theater, wo er thatsächlich seinen
Regimentskommandeur sehen wollte, der keine Vorstellung in diesem
Theater vorüberließ, um ihm Bericht zu erstatten über seine
Friedensmission, die ihn nun schon seit drei Tagen beschäftigte und
ergötzte.
In die Angelegenheit war Petrizkiy verwickelt, den er liebte und ein
anderer tüchtiger junger Mann, der noch nicht lange erst in Dienst
getreten war, aber als ausgezeichneter Kamerad galt, der junge Fürst
Kedroff. Vor allem aber handelte es sich darum, daß Interessen des
Regiments auf dem Spiele standen.
Beide standen in der Eskadron Wronskiys. Der Titularrat war zum
Regimentskommandeur gekommen, er hieß Wenden, und hatte eine Beschwerde
über dessen Offiziere eingereicht, weil diese seine Frau beleidigt
hätten.
Sein junges Weib -- erzählte Wenden, welcher erst seit einem halben
Jahre verheiratet war -- sei mit der Mutter in der Kirche gewesen, hatte
aber infolge eines sie plötzlich anwandelnden, aus bekannten Umständen
hervorgehenden Unwohlseins nicht mehr länger stehen können, und sei
daher in dem ersten besten, ihr begegnenden Geschirr nach Hause
gefahren. Da wären ihr nun einige Offiziere gefolgt, sie sei in Furcht
geraten, und, noch mehr unwohl geworden, die Treppen im Hause
hinaufgelaufen. Wenden selbst, aus dem Gericht zurückkehrend, hatte die
Glocke und die Stimmen vernommen und war herausgetreten, worauf er, der
berauschten Offiziere mit dem Briefe gewahr geworden, diese weggejagt
habe. Er bat um strenge Bestrafung der Schuldigen.
»Nein, was Ihr auch sagt,« meinte der Regimentskommandeur zu Wronskiy,
den er zu sich berufen hatte, »Petrizkiy wird unmöglich. Es vergeht
keine Woche, in welcher er nicht eine Affaire hätte; dieser Beamte wird
die Sache nicht auf sich beruhen lassen, er wird weiter gehen.«
Wronskiy erkannte die ganze Aussichtslosigkeit der Sachlage; daß hier
von einem Duell keine Rede sein könne und alles versucht werden müsse,
diesen Titularrat milder zu stimmen und die Sache niederzuschlagen.
Der Regimentskommandeur hatte Wronskiy hauptsächlich deshalb gerufen,
weil er diesen als einen verständigen und klugen Mann kannte, namentlich
als einen Mann, der die Ehre des Regiments hochhielt. Sie besprachen
sich über die Angelegenheit und entschieden sich dafür, Petrizkiy sowie
Kedroff müßten mit Wronskiy zu jenem Titularrat fahren und ihm Abbitte
leisten.
Der Regimentskommandeur und Wronskiy begriffen beide wohl, daß der Name
Wronskiys und der Namenszug des Flügeladjutanten viel mit zu der
Erweichung des Rates beitragen könnte.
Und in der That, diese beiden Mittel erwiesen sich zum Teil wirksam;
allein das Resultat der Versöhnung verblieb im Ungewissen, wie Wronskiy
auch berichtete.
Als dieser in das französische Theater gekommen, zog er sich mit dem
Regimentskommandeur in das Foyer zurück und rapportierte ihm über den
Erfolg oder vielmehr Nichterfolg, und nachdem der Kommandeur alles
nochmals erwogen hatte, entschied er sich dahin, die Sache ohne Folgen
bleiben zu lassen, begann aber alsdann, wie um sich daran zu ergötzen,
Wronskiy über die Einzelheiten seines Besuchs zu befragen. Er vermochte
lange Zeit nicht, vor Lachen sich zu fassen, als er die Erzählung
Wronskiys hörte, wie der Titularrat, sich beruhigend, plötzlich immer
wieder von neuem in Wut geraten sei indem er sich die Einzelheiten des
Vorkommnisses ins Gedächtnis rief, und wie Wronskiy, bei dem letzten
halben Worte, welches noch die Aussöhnung mit zustande bringen sollte,
sich lavierend zurückzog und Petrizkiy vor sich her geschoben hatte.
»Eine schmutzige Geschichte, aber zum Kranklachen. Kedroff kann sich mit
diesem Herrn nicht schlagen! Also furchtbar wütend ist er geworden?«
frug er nochmals lachend.
»Wie war heute Claire?«
»Wunderbar,« versetzte er im Hinblick auf die neue französische
Schauspielerin. »Man kann sie so oft sehen, wie man will, sie ist jeden
Tag neu. Das können doch nur die Franzosen!«
6.
Die Fürstin Bezzy verließ das Theater, ohne den Schluß des letzten Aktes
abzuwarten.
Sie war kaum in ihrem Toilettezimmer angelangt, und hatte kaum ihr
schmales, bleiches Gesicht frisch gepudert, abgerieben, sich wieder
empfangsfertig gemacht und den Thee nach dem großen Salon befohlen, als
schon die Equipagen, eine nach der anderen, vor ihrem großen Palast in
der Bolschaja Morskaja angerollt kamen. Die Gäste kamen zur breiten
Einfahrt herein; ein trunksüchtiger Portier, welcher des Vormittags zur
Erbauung der Vorhergehenden hinter der Glasthür Zeitungen las, öffnete
geräuschlos die mächtige Pforte und ließ die Ankömmlinge an sich vorbei
hereindefilieren.
Fast zu der nämlichen Zeit kamen die Dame des Hauses in erneuter Frisur
und mit erfrischtem Gesicht aus der einen Thür, die Gäste aus der
anderen; sie traten in den großen Saal mit den dunkelen Wänden, den
prächtigen Teppichen und der hellerleuchteten Tafel mit dem unter dem
Glanz der Kerzen hellschimmernden weißen Tafeltuch, dem silbernen
Samowar und dem durchsichtigen Porzellan des Theegeschirrs.
Die Dame des Hauses setzte sich an den Samowar und entledigte sich der
Handschuhe. Die Stühle mit Hilfe geräuschlos thätiger Diener
heranbewegend, setzte sich die Gesellschaft, in zwei Teile geteilt,
nämlich am Samowar bei der Dame des Hauses und am entgegengesetzten Ende
des Saals, bei der schönen Gattin eines Gesandten, in schwarzem Sammet
und mit scharfen, schwarzen Brauen.
Das Gespräch in den beiden Gruppen schwankte, wie gewöhnlich während der
ersten Minuten, durch den Eintritt neu Ankommender, durch Begrüßungen,
durch das Anbieten des Thees unterbrochen; es war, als suche man ein
Thema, bei welchem man verweilen könnte.
»Sie ist ungewöhnlich hübsch als Schauspielerin und es ist klar
ersichtlich, daß sie Kaulbach studiert hat,« sagte ein Diplomat in dem
Kreise der Frau des Gesandten, »habt Ihr bemerkt, wie sie in Ohnmacht
fiel?«
»O bitte; wir wollen doch nicht von der Nilson reden; von der läßt sich
nichts Neues mehr sagen,« äußerte eine dicke rote Dame ohne Augenbrauen
und Chignon, blond und in einem altmodischen Seidenkleide. Es war die
Fürstin Mjagkaja, eine wegen ihrer Einfachheit und Derbheit im Verkehr
=enfant terrible= benannte Dame.
Die Fürstin Mjagkaja saß in der Mitte zwischen beiden Kreisen und nahm,
aufmerksam zuhörend, bald an dem Gespräch des einen Kreises teil, bald
an dem des anderen.
»Mir haben heute nicht weniger als drei Menschen diese nämliche Phrase
über Kaulbach gesagt, gleichsam als hätten sie sich dazu verabredet. Die
Phrase hat ihnen, ich weiß nicht warum, so ausnehmend gefallen.«
Die Unterhaltung stockte infolge dieser Bemerkung und es war notwendig,
ein neues Thema ausfindig zu machen.
»Erzählt uns doch etwas Lustiges -- aber nichts Schlechtes,« wandte sich
die Gattin des Gesandten, eine große Meisterin in der schöngeistigen
Konversation, wie man sie auf englisch =small talk= nennt, an den
Diplomaten, der gleichfalls nicht wußte, was er jetzt beginnen sollte.
»Man sagt, das sei sehr schwer auszuführen, denn nur das Böse sei
lustig,« begann er jetzt lächelnd.
»Doch ich will es versuchen. Gebt mir ein Thema, alles liegt in einem
Thema, ist dieses gegeben, so kann man leicht daran anknüpfen. Ich denke
oftmals, daß es doch den großen Rednern des vorigen Jahrhunderts jetzt
sehr schwierig werden müßte, verständig zu reden, denn alles Verständige
langweilt.«
»Das ist eine alte Geschichte,« lachte die Gattin des Gesandten. Die
Unterhaltung wurde sehr energielos geführt, aber eben deshalb, weil sie
zu energielos geführt wurde, stockte sie wieder. Es war daher notwendig,
seine Zuflucht zu einem sicheren, einem nie versagenden Mittel zu
nehmen, dem des Klatsches.
»Findet Ihr nicht, daß Tuschkewitsch etwas von Ludwig dem Fünfzehnten
hat?« fuhr der Diplomat fort, mit den Augen auf einen hübschen blonden
jungen Mann weisend, welcher am Tische stand.
»O ja; er ist von der nämlichen Geschmacksrichtung wie die Dame des
Hauses; und daher ist er auch so häufig hier.«
Dieses Gespräch wurde unterstützt, indem durch Winke über etwas
gesprochen wurde, was man in diesem Salon nicht aussprechen durfte,
nämlich über die Beziehungen Tuschkewitschs zu der Fürstin Bezzy.
Um den Samowar bei der Dame des Hauses hatte man während dessen ganz in
der gleichen Weise einige Zeit hindurch zwischen drei unvermeidlichen
Thematen geschwankt, zwischen der letzten Neuigkeit aus der
Gesellschaft, dem Theater und der Verurteilung des Nächsten, und das
Gespräch war gleichfalls auf dem letzten der drei stehen geblieben, bei
dem Klatsch.
»Habt Ihr schon gehört, daß die Maltischtschewa -- nicht die Tochter,
sondern die Mutter, sich ein Kostüm von =diable rose= fertigen läßt?«
»Nicht möglich! Nein, das ist ja reizend!«
»Ich staune, wie die das hat ausdenken können -- sie ist also doch nicht
so dumm -- man sieht nur nicht, wie fein sie ist.«
Ein jeder wußte einen Brocken, den er zur Verurteilung oder doch zur
Verspottung der unglücklichen Maltischtschewa beisteuern konnte und das
Gespräch war jetzt so munter im Gange, wie ein flammender Holzstoß.
Der Gatte der Fürstin Bezzy, ein gutmütiger Dickbauch und
leidenschaftlicher Sammler von Gravuren hatte soeben gehört, daß bei
seiner Gattin Gäste seien und war daher, noch bevor er in den Klub ging,
im Salon erschienen. Unhörbar näherte er sich über den weichen Teppich
daher der Fürstin Mjagkaja.
»Wie gefiel Euch die Nilson?« war seine Begrüßung.
»Ach, wie kann man sich doch so heranstehlen? Wie habt Ihr mich jetzt
erschreckt!« antwortete sie. »Aber sprecht mir nicht mehr, um aller
Heiligen willen, von der Oper, Ihr versteht ja doch wohl gar nichts von
Musik. Es ist da schon besser, ich accomodiere mich Euch und rede mit
Euch von Majoliken und Gravuren. Nun, was für einen Schatz habt Ihr denn
da neulich gekauft?«
»Wünscht Ihr, daß ich ihn Euch zeige? Aber Ihr versteht doch nicht die
Bedeutung.«
»Zeigt ihn mir. Ich habe das bei jener -- wie nennt man sie doch -- bei
jener Bankiersfamilie gelernt -- bei denen giebt es sehr gute Gravuren.
Die haben sie uns gezeigt.«
»Wie, waret Ihr bei Schützburg?« frug die Dame des Hauses vom Samowar
herüber.
»Ich bin dort gewesen, =ma chère=. Man hatte mich eingeladen, mit meinem
Manne zur Tafel hinzukommen und erzählte mir, daß allein die Sauce zu
Tisch tausend Rubel gekostet habe,« sprach die Fürstin Mjagkaja mit
lauter Stimme in dem Gefühle, daß alles an ihrem Munde hing, »und diese
Sauce war doch häßlich, sie sah so grünlich aus. Man hätte den Gastgeber
seinerseits einladen müssen, ich hätte alsdann eine Sauce für
fünfundachtzig Kopeken hergestellt und alle würden damit sehr zufrieden
gewesen sein. Ich kann keine Saucen für Tausende von Rubeln herstellen.«
»Ist die natürlich!« bemerkte die Dame des Hauses.
»Bewundernswert,« flüsterte ein anderer.
Die Wirkung, welche die Erzählungen der Fürstin Mjagkaja hervorzurufen
pflegten, war stets einzig in ihrer Art, und das Geheimnis der Erzielung
dieses Effektes lag darin, daß sie, wenn auch nicht immer ganz so wie in
diesem Augenblicke, einfach erzählte, und was Sinn hatte.
In der Gesellschaft, in welcher sie lebte, brachten derartige Reden den
Effekt des geistreichsten Witzes hervor. Die Fürstin Mjagkaja vermochte
nicht zu begreifen, wie es kam, daß ihre Worte so wirkten, allein sie
wußte, daß dies der Fall war, und sie nutzte diese Erkenntnis aus.
Obwohl alles den Worten der Fürstin Mjagkaja die vollste Aufmerksamkeit
widmete, und selbst das Gespräch in der Umgebung der Frau des Gesandten
abgebrochen worden war, wollte gleichwohl die Herrin des Hauses das
Augenmerk der Gesellschaft auf einen Punkt lenken und wandte sich daher
an die Dame des Gesandten.
»Wollt Ihr in der That keinen Thee? Ihr hättet zu uns herüberkommen
müssen,« begann sie.
»O nein; ich sitze recht gut hier,« versetzte lächelnd die Frau des
Gesandten und setzte die angesponnene Unterhaltung fort.
Das Gespräch war sehr animiert; man richtete soeben die Karenin, Mann
und Frau.
»Anna hat sich sehr verändert seit ihrem letzten Moskauer Aufenthalt. Es
liegt so etwas Seltsames in ihr,« äußerte ihre Freundin.
»Die Veränderung rührt namentlich daher, daß sie als ihren Schatten mit
sich den Aleksey Wronskiy gebracht hat,« sagte die Frau des Gesandten.
»Was wollt Ihr doch. Grimm erzählt eine Fabel: Es war einmal ein Mensch
ohne Schatten, ein Mensch der seines Schattens beraubt worden war zur
Strafe für ein Vergehen. Ich vermag nicht zu begreifen, worin hier die
Strafe liegen soll; indessen einem Weibe muß es allerdings unangenehm
sein, keinen Schatten zu besitzen.«
»Ja, aber die Weiber, die einen solchen haben, enden meist nicht gut,«
antwortete die Freundin Annas.
»Hütet Eure Zunge,« sagte plötzlich die Fürstin Mjagkaja, welche diese
Worte vernommen hatte. »Die Karenina ist ein schönes Weib; ihren Mann
liebe ich übrigens nicht, sie aber sehr.«
»Weshalb liebt Ihr ihren Mann nicht? Er ist doch ein so bedeutender
Mensch,« frug die Frau des Gesandten. »Mein Mann sagt, daß es nur wenig
solcher Regierungsbeamten in Europa gebe.«
»Das Nämliche sagt auch mein Mann, aber ich glaube es nicht,« antwortete
die Fürstin Mjagkaja. »Hätten unsere Männer nichts gesprochen, so würden
wir schon selbst erkannt haben, wie es mit ihm steht; nach meiner
Meinung ist Aleksey Aleksandrowitsch einfach dumm. Ich sage dies nur
unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Habe ich nicht recht, daß alles
einmal herauskommt? Früher, als man mir aufoktroyiert hatte, ihn
geistreich zu finden, forschte ich fortwährend, und fand mich selbst
dumm, da ich seinen Geist nicht entdeckte; kaum aber hatte ich zu mir
selbst gesagt, -er- sei dumm, natürlich ganz im geheimen, da war mit einem
Male alles klar. Ist es nicht so?«
»O wie boshaft Ihr heute doch seid!«
»Nicht im geringsten. Ich habe keinen anderen Ausweg. Einer von uns
beiden ist dumm; und ihr wißt ja doch, von sich selbst sagt man
dergleichen nie.
»Niemand ist zufrieden mit seiner Lage, aber jeder mit seinem
Verstande,« warf der Diplomat mit einem französischen Verse ein.
»Da haben wirs; gewiß,« wandte sich die Fürstin Mjagkaja sogleich an
ihn. »Etwas ganz anderes aber ist es mit der Anna; sie ist ein reizendes
liebes Weib. Was soll man ihr etwa deshalb nachsagen, weil alle Welt
vernarrt ist in sie und ihr wie ein Schatten folgt?«
»Ich denke auch gar nicht daran, sie deshalb zu verurteilen,« verwahrte
sich die Freundin Annas.
»Wenn uns selbst niemand wie ein Schatten folgt, so haben wir deshalb
noch lange kein Recht, einem anderen etwas Unrechtes nachzusagen.«
Nachdem sie derart die Freundin Annas abgefertigt hatte, wie es dieser
zukam, erhob sich die Fürstin Mjagkaja und ließ sich mit der Frau des
Gesandten am Tische nieder, wo sich das allgemeine Gespräch um den König
von Preußen bewegte.
»Wen habt Ihr denn soeben dort verlästert?« frug Bezzy.
»Die Karenin. Die Fürstin hat uns eine Charakteristik Aleksey
Aleksandrowitschs gegeben,« versetzte die Frau des Gesandten, sich
lächelnd an den Tisch setzend.
»Schade, daß wir sie nicht gehört haben,« antwortete die Dame des Hauses
nach der Eingangsthür blickend. »Ah, da seid Ihr ja endlich!« rief sie
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