Im selben Augenblick fegte der Sturm den Schnee von den Decken der
Waggons herunter, als habe er Hindernisse besiegt, er spielte mit einem
abgebrochenen Stück Eisenblech und vorn erklang die dumpfe Pfeife der
Lokomotive.
Der ganze Schrecken des Schneesturms erschien ihr jetzt noch schöner. Er
sagte das Nämliche, was ihre Seele wünschte und was ihr Verstand
fürchtete.
Sie antwortete nichts, aber auf ihrem Gesicht bemerkte er einen Kampf.
»Verzeiht mir, wenn Euch das unangenehm ist, was ich soeben sagte,« hub
er in höflichem Tone an.
Er sprach ehrerbietig, achtungsvoll, aber so fest und entschieden, daß
sie lange Zeit nichts antworten konnte.
»Das ist böse, was Ihr da sagt, und ich bitte Euch, wenn Ihr ein guter
Mensch seid, zu vergessen was Ihr gesprochen habt -- ebenso, wie auch
ich Euch vergessen will,« versetzte sie endlich.
»Nicht ein Wort von Euch, nicht eine Bewegung von Euch werde ich je
vergessen -- noch könnte ich es« --
»Genug, genug!« rief sie aus, mit Mühe versuchend, ihrem Gesicht einen
strengen Ausdruck verleihend, den er begehrlich musterte.
Mit der Hand nach der kalten Eisenstange greifend, stieg sie die Stufen
hinauf und trat schnell in den Vorraum des Waggons. In diesem blieb sie
stehen und überlegte bei sich, was soeben geschehen war.
Ohne sich ihrer oder seiner Worte zu entsinnen, erkannte sie nach ihrem
Gefühl, daß dieses minutenlange Gespräch sie beide in furchtbarer Weise
genähert hatte. Sie erschrak hierüber -- und war beglückt davon. --
Nachdem sie einige Sekunden gestanden hatte, betrat sie ihr Coupé und
setzte sich wieder auf ihren Platz.
Der Zustand von Spannung, der sie vorher gequält hatte, begann sich
nicht nur von neuem einzustellen, er verstärkte sich auch noch und stieg
bis zu einem Grade, daß sie fürchtete, es könne jeden Augenblick etwas
in ihr, was allzusehr gespannt war, gesprengt werden.
Sie schlief die ganze Nacht hindurch nicht, aber in jenem Zustande der
Spannung und Phantasieen, der ihr Vorstellungsvermögen erfüllte, war
gleichwohl nichts Unangenehmes und Düsteres. Im Gegenteil; es lag etwas
Freudiges darin, etwas Glühendes und Aufregendes.
Gegen Morgen schlummerte Anna, in ihrem Sessel sitzend, ein, und als sie
wieder erwachte, da war alles weiß und hell, und der Zug fuhr schon auf
Petersburg. Sofort befand sich ihr Ideengang daheim, bei ihrem Gatten,
ihrem Sohne, und die Sorgen um den nächsten Tag und die folgenden traten
jetzt an sie heran.
Der Zug hatte in Petersburg kaum Halt gemacht, und sie war kaum
ausgestiegen, da war das erste Gesicht, das ihre Aufmerksamkeit auf sich
zog, das ihres Gatten.
»O, mein Gott! Woher hat er denn nur diese Ohren?« dachte sie auf seine
kalte, imposante Erscheinung blickend, auf seine großen Ohrmuscheln, die
sie jetzt betroffen machten, mit den sich auf dieselben stützenden
Hutkrempen.
Als er sie erblickt hatte, eilte er ihr entgegen, die Lippen zu dem ihm
eigenen spöttischen Lächeln verziehend und sie mit seinen großen matten
Augen starr anblickend.
Ein Gefühl des Unbehagens legte sich ihr schwer auf die Brust, als sie
diesem unbeweglichen, müden Blick begegnete, und es war ihr zu Mute, als
hätte sie erwartet, ihn als eine andere Erscheinung wiedersehen zu
müssen.
Ganz besonders beunruhigte sie die Empfindung der Unzufriedenheit mit
sich selbst, die sie bei der Begegnung mit ihm fühlte. Ihre Empfindung
war eine an Heimisches, an Bekanntschaftliches gemahnende, ähnlich dem
Zustand der Verstellung, welche sie aus ihren Beziehungen zu dem Gatten
schon kannte. Früher hatte sie indessen dieses Gefühl nicht weiter
wahrgenommen, erst jetzt ward sie sich desselben klar und schmerzlich
bewußt.
»Ach, wie siehst du aus, mein süßes Weib, mein zartes Weib; wie im
zweiten Jahre nach der Hochzeit verzehrte ich mich vor Sehnsucht, dich
wiederzusehen,« sagte er mit seiner langsamen, dünnen Stimme und jenem
Tone, den er ihr gegenüber fast stets anwandte, dem Ton des Spottes über
eine Persönlichkeit die etwa in der gleichen Lage so sprechen würde, wie
er.
»Ist unser Sergey gesund?«
»Ist das der ganze Lohn für meine Liebesglut?« antwortete er; »er ist
gesund, gesund.«
31.
Wronskiy hatte gar nicht versucht, während der Nacht zu schlafen. Er saß
in seinem Armsessel, bald die Augen starr geradeaus gerichtet, bald die
Eintretenden und Gehenden musternd, und wenn er ohnehin schon ihm
unbekannte Leute mit dem ihm eignen Ausdruck unerschütterlicher
Seelenruhe frappiert hatte, so erschien er jetzt noch bei weitem stolzer
und selbstbewußter. Er blickte auf die Menschen wie auf Dinge.
Ein junger Herr, der sehr nervenschwach war, -- er diente in einem
Kreisgericht -- saß ihm gegenüber und begann einen Groll auf ihn zu
fassen wegen dieses Ausdrucks.
Der junge Herr rauchte mit ihm und unterhielt sich mit ihm; er stieß ihn
sogar an, um ihn fühlen zu lassen, daß er selbst kein Ding, sondern ein
Mensch sei, aber Wronskiy blickte ihn an, als schaue er eine
Straßenlaterne an und der junge Herr schnitt nun Grimassen in der
Empfindung, er würde die Selbstbeherrschung verlieren unter dem Drucke
dieser Verachtung seitens eines Menschen.
Wronskiy sah und hörte nichts. Er fühlte sich als Zar, nicht deshalb,
weil er etwa geglaubt hätte, einen Eindruck auf Anna hervorgebracht zu
haben, -- er glaubte noch gar nicht hieran -- sondern deshalb, weil der
Eindruck, den sie auf ihn hervorgebracht hatte, ihm ein Gefühl des
Glückes und Stolzes verlieh.
Was aus alledem hervorgehen würde, das wußte er noch nicht und daran
dachte er auch noch gar nicht. Er empfand, daß alle die Kräfte, welche
er bisher vergeudete und verschwendete, sich jetzt in Einem
konzentrierten und mit furchtbarer Energie einem glückverheißenden Ziele
zustrebten.
Hierüber aber war er glücklich; er wußte nur das Eine, daß er ihr die
Wahrheit gesagt hatte, er sei nur deshalb hier mitgefahren, weil sie
hier sei, daß er alles Lebensglück, seinen einzigen Lebensgedanken jetzt
nur noch darin finde, sie zu sehen, sie zu hören.
Als er in Bologowo ausstieg, um Selterswasser zu trinken und Anna
erblickte, so sagte ihr das erste Wort aus seinem Munde das was er
dachte. Und er freute sich darüber, daß er ihr dies gesagt hatte, daß
sie es nun wisse und darüber nachdenken werde.
Er schlief die ganze Nacht hindurch nicht. Als er in den Waggon
zurückgekommen war, ließ er ohne Aufhören wiederum alle Stellungen, in
denen er sie gesehen hatte, an sich vorüberziehen und alle ihre Worte,
und in seiner Einbildungskraft erschienen Gemälde einer möglichen
Zukunft die ihm das Herz stocken ließen.
Nachdem er in Petersburg den Waggon verlassen hatte, fühlte er sich nach
der schlaflosen Nacht erfrischt, wie neugeboren, gleich als käme er aus
einem Kaltwasserbad.
Er blieb neben seinem Waggon stehen, um ihr Aussteigen abzuwarten.
»Noch einmal muß ich sie sehen,« sprach er zu sich mit unwillkürlichem
Lächeln, »noch einmal ihre Bewegungen sehen, ihr Gesicht anschauen; sie
wird sprechen, den Kopf wenden, mich erblicken und vielleicht lächeln.«
Aber noch bevor er sie selbst erblickt hatte, gewahrte er ihren Gatten,
welchen der Stationschef ehrfurchtsvoll durch das Gedränge begleitete.
»Ah, das ist ja der Gatte!«
Zum erstenmal erkannte jetzt Wronskiy klar, daß ein Mann, ein Gatte, ein
mit ihr verbundenes Wesen existierte, er wußte jetzt, daß sie einen
Gatten besaß, aber er vermochte nicht an sein Dasein zu glauben und
überzeugte sich hiervon nicht früher, als bis er ihn gesehen hatte, mit
seinem Kopf, den Schultern und den Beinen in schwarzen Pantalons; und
nicht eher besonders, als bis er gewahrt hatte, wie dieser Mann im
Gefühl seiner besonderen Eigenschaft, ruhig ihre Hand ergriffen hatte.
Als er diesen Aleksey Aleksandrowitsch mit seinem frischen
petersburgischen Gesicht, der stolzen selbstbewußten Haltung, im runden
Hute, dem etwas hohen Rücken gemustert hatte, glaubte er an ihn, empfand
aber ein Gefühl des Unangenehmen, ähnlich dem, wie es ein Mensch
empfinden würde, der von Durst gepeinigt an eine Quelle gelangt, und
hier findet, daß an derselben ein Hund, ein Schöps oder Schwein gesoffen
und das Wasser getrübt hat.
Der Gang Aleksey Aleksandrowitschs, welcher ein Wanken des ganzen
Körpers auf den kurzen Füßen zeigte, berührte Wronskiy ganz besonders
unangenehm.
Er empfand fast eine Art von unzweifelhafter Berechtigung dazu, sie
allein zu lieben. Aber Anna blieb sich stetig gleich, und ihre
Erscheinung wirkte noch immer so physisch belebend, erregend und sein
Gemüt beglückend, auf ihn.
Er befahl jetzt einem deutschen Dienstmann zweiter Klasse, der zu ihm
herantrat, sein Gepäck aufzunehmen und fortzubringen und begab sich zu
ihr hin.
Er beobachtete das erste Begegnen des Gatten mit der Gattin und bemerkte
mit dem durchdringenden Scharfblick des Liebenden die Kennzeichen einer
gewissen leichten Gespanntheit, mit welcher sie mit dem Gatten sprach.
»Nein; sie liebt diesen Mann nicht, und sie kann ihn ja auch nicht
lieben,« entschied er vor sich selbst.
Während er sich im Rücken Anna Kareninas näherte, bemerkte er mit
Vergnügen, daß sie gleichwohl seiner Annäherung inne geworden war und
sich umgeblickt hatte. Als sie seiner ansichtig geworden war, hatte sie
sich wieder ihrem Manne gewidmet.
»Habt Ihr die Nacht gut verbracht?« frug Wronskiy, vor ihr eine
Verbeugung machend, die auch gleichzeitig dem Gatten Annas galt und
auszudrücken schien, daß Aleksey Aleksandrowitsch diese Verbeugung
aufnehmen könne, wie er wolle, gleichviel ob er ihn kenne oder nicht.
»Ich danke Euch! Sehr gut,« antwortete Anna Karenina.
Ihr Gesicht sah ermüdet aus und es weilte jetzt nicht jenes Tändeln des
Lebensmuts auf ihm, welches bald in ihrem Lächeln, bald in ihren Blicken
erschien; aber für eine Sekunde, als sie ihn anblickte, blitzte etwas in
ihren Augen auf, wovon er, obwohl dieses Feuer sofort wieder erlosch,
sich glücklich fühlte.
Sie schaute auf ihren Mann, um zu ergründen, ob er Wronskiy schon kenne.
Aleksey Aleksandrowitsch blickte mißvergnügt auf Wronskiy, sich
zerstreut erinnernd, wer dies sein könne.
Die Ruhe und Sicherheit Wronskiys traf hier mit dem kalten Selbstgefühl
Aleksey Aleksandrowitschs zusammen, wie eine Sense auf einen Feldstein.
»Graf Wronskiy,« sagte Anna.
»Ah! Wir sind ja wohl Bekannte scheint es,« versetzte Aleksey, diesem
die Hand reichend. »Mein Weib fuhr nach Moskau mit der Mutter und kehrt
von da zurück mit dem Sohne,« fuhr er fort mit einer Aussprache, so
sorgfältig, als müsse er für jedes Wort einen Rubel geben. »Ihr kommt
wahrscheinlich von Urlaub?« frug er weiter und wandte sich dann, ohne
eine Antwort abzuwarten, in scherzendem Tone an seine Gattin: »Wurden
denn viel Thränen vergossen in Moskau beim Abschied?«
Mit dieser Bemerkung an Anna gab er Wronskiy zu verstehen, daß er
nunmehr allein zu sein wünsche und berührte daher, sich nach diesem
umwendend, seinen Hut, allein Wronskiy wandte sich an Anna Arkadjewna:
»Ich hoffe die Ehre haben zu können, Ihnen meine Aufwartung zu machen?«
Aleksey Aleksandrowitsch schaute mit blöden Blicken auf Wronskiy.
»Sehr angenehm,« versetzte er kühl, »wir empfangen Montags.« Er überließ
hierauf Wronskiy ganz sich selbst und sagte zu seinem Weibe scherzend:
»Wie gut doch, daß ich noch eine halbe Stunde freie Zeit hatte, um dich
abholen zu können und dir damit meine Zärtlichkeit zu erweisen.«
»Du hebst deine Zärtlichkeit zu sehr hervor, als daß ich sie sehr hoch
schätzen dürfte,« antwortete sie in dem nämlichen scherzhaften Tone,
wider Willen dem Geräusch der Schritte des hinter ihnen herschreitenden
Wronskiy lauschend.
»Aber was geht mich die Sache an?« dachte sie bei sich und begann
hierauf ihren Gatten zu fragen, wie in ihrer Abwesenheit sich der kleine
Sergey befunden habe.
»Ausgezeichnet! Mariette sagt, er sei sehr lieb gewesen, aber -- ich muß
dich leider ein wenig verstimmen -- habe sich wenig nach dir gesehnt;
lange nicht so viel, wie dein Mann. Indessen nochmals =merci=, liebste
Frau, daß du mir einen Tag mehr geschenkt hast. Unser gemütlicher
Samowar wird in Entzücken geraten.« »Samowar« hieß bei ihm die berühmte
Gräfin Liddy Iwanowna, deshalb, weil sie stets und über alles in
Aufregung und Hitze zu geraten pflegte. »Sie hat nach dir gefragt. Weißt
du, wenn ich dir raten dürfte, so schlüge ich vor, du führest jetzt zu
ihr. Ihr Herz ist ja über alles gleich in Aufregung und jetzt
beschäftigt sie sich, ganz abgesehen von sämtlichen anderen Sorgen, die
sie noch hat, mit der Versöhnungsangelegenheit der Oblonskiy.«
Die Gräfin Lydia Iwanowna war eine Freundin Aleksey Aleksandrowitschs,
und bildete den Mittelpunkt eines der Kreise des petersburgischen
Lebens, mit welchem Anna von ihrem Manne aus in engstem Verkehr stand.
»Ich habe ihr aber doch bereits geschrieben?«
»Sie muß alles aufs Ausführlichste wissen. Fahre hin, wenn du nicht
allzu angegriffen bist, Liebe. Konrad wird dir einen Wagen geben; ich
muß jetzt ins Komitee. Nun werde ich doch nicht mehr allein zu Mittag
speisen,« fuhr Aleksey Aleksandrowitsch, jetzt nicht mehr in
scherzhaftem Tone, fort, »du glaubst nicht, wie sehr ich gewohnt bin« --
Er drückte ihr lange Zeit die Hand mit einem eigentümlichen Lächeln auf
den Zügen und war ihr beim Einsteigen behilflich.
32.
Der Erste, welcher Anna daheim entgegenkam, war ihr Sohn. Er sprang ihr
die Treppe herunter entgegen, ungeachtet des Schreiens der Gouvernante
und rief in maßlosem Entzücken: »Mama, Mama!« Als er sie erreicht hatte,
hängte er sich an ihren Hals.
»Ich habe Euch gesagt, daß meine Mama kommt!« rief er der Gouvernante
zu, »ich habe es ja gewußt!« --
Der Sohn sowohl, wie der Vater, erweckte in Anna ein Gefühl, ähnlich dem
der Ernüchterung. Sie hatte ihn für hübscher gehalten, als er wirklich
war, und sie mußte sich dieser Wirklichkeit fügen, wenn sie an ihm, so
wie er war, ihre Freude haben sollte.
Aber auch so wie er war, war er reizend mit seinen blonden Locken,
blauen Augen und vollen wohlgebauten Beinchen in den straffgezogenen
Strümpfen. Anna empfand eine fast physische Befriedigung in der
Empfindung seiner Gegenwart und seiner Liebkosungen, und eine sittliche
Beruhigung, wenn sein naiver, treuherziger und liebevoller Blick sie
traf, seine kindlichen Fragen in ihr Ohr drangen.
Sie spendete ihm die Geschenke, die die Kinder Dollys sandten und
erzählte ihrem Söhnchen, was für ein hübsches Mädchen die Tanja in
Moskau sei und wie diese Tanja schon zu lesen verstehe, ja, ihre anderen
Geschwister darin bereits unterrichte.
»Wie, also bin ich schlechter als sie?« frug der kleine Sergey.
»Für mich bist du besser als alles in der Welt.«
»Ich weiß schon, Mama,« lächelte Sergey.
Anna hatte ihren Kaffee noch nicht ganz genommen, als man ihr die Gräfin
Lydia Iwanowna meldete.
Die Gräfin Lydia Iwanowna war eine hochgewachsene volle Dame mit
gelblicher, ungesunder Gesichtsfarbe und schönen sinnigen, schwarzen
Augen.
Anna liebte sie, aber heute war es ihr, als erblicke sie die Freundin
zum erstenmale mit allen ihren Mängeln.
»Nun, liebste Freundin, habt Ihr den Ölzweig nach Moskau getragen?« frug
die Gräfin, kaum nachdem sie das Zimmer betreten hatte.
»Ei gewiß; es ist alles geschehen, aber die ganze Sache war doch nicht
von solcher Bedeutung, wie wir glaubten,« antwortete Anna. »Im
allgemeinen fand ich meine =belle soeur= nur zu sehr gefaßt.«
Die Gräfin Lydia Iwanowna, welche sich für alles das am meisten
interessierte, was sie nichts anging, hatte indessen nichtsdestoweniger
die Gewohnheit, niemals das zu Ende zu hören, was sie eben
interessierte; sie unterbrach daher Anna:
»Ja, es giebt viel Herzeleid und Sünde in der Welt; auch ich bin heute
ganz angegriffen.«
»Was ist Euch?« frug Anna, mit Mühe ein Lächeln unterdrückend.
»Ich fange jetzt an, es zum Überdruß zu bekommen, so vergeblich Lanzen
für die Wahrheit zu brechen, und manchmal bin ich ganz aufgerieben. Jene
Schwesterfrage,« dieselbe betraf einen philanthropischen,
religiös-patriotischen Bund, »wäre so ersprießlich zur Entwickelung
gelangt, aber mit diesen Herren ist nichts anzufangen,« fügte die Gräfin
mit ironischer Ergebung in ihr Geschick hinzu. »Sie bemächtigten sich
der Idee, aber sie verunstalteten dieselbe nur und verurteilen sie jetzt
in der oberflächlichsten und geringschätzigsten Weise. Zwei oder drei
Herren an der Zahl, darunter Euer Gatte, verstehen ja wohl die ganze
Bedeutung der Idee, die anderen aber vernachlässigen sie nur. Gestern
schrieb mir Prawdin« --
Prawdin war ein bekannter Panslawist im Auslande, und die Gräfin
erzählte jetzt den Inhalt seines Schreibens.
Die Gräfin Lydia Iwanowna berichtete hierauf noch von den
Unannehmlichkeiten und Intriguen gegen den Plan der Vereinigung der
Kirchen, und fuhr dann wieder hinweg, in voller Geschäftigkeit, da sie
noch heute der Sitzung einer anderen Gesellschaft und dem Slawischen
Komitee beiwohnen müsse.
»Sie hatte alle diese Eigenschaften doch schon früher, warum habe ich
sie früher nicht bemerkt?« sagte sich Anna.
Es war in der That lächerlich mit jener Gräfin. Ihr Streben war
Tugendpflege, sie war christlich gesinnt, und doch lag sie stets in
Hader, stets hatte sie ihre Feinde und stets waren diese ihre Feinde
wegen des Christentums und der Tugend.
Nach der Gräfin Lydia Iwanowna kam Annas Freundin, die Gattin eines
Direktors, und erzählte ihr alle Neuigkeiten aus der Stadt. Um drei Uhr
fuhr dieselbe weg unter dem Versprechen, zum Souper wieder da sein zu
wollen. Aleksey Aleksandrowitsch befand sich im Ministerium.
Allein geblieben, verwendete Anna die Zeit bis zum Abend darauf, dem
Abendessen des Söhnchens -- welches gesondert zu essen pflegte --
beizuwohnen, ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, und Briefe zu
lesen und zu beantworten die sich auf dem Tische gehäuft hatten.
Die Empfindung einer unerklärlichen Schmach, die sie auf der Heimreise
gehabt hatte und ihre innere Erregtheit, waren vollständig geschwunden.
In ihren gewohnten Lebensverhältnissen hatte sie sich bald wieder gefaßt
und gerechtfertigt gefunden, und mit Verwunderung gedachte sie jetzt
ihres gestrigen Zustandes.
»Was war geschehen? Nichts! Wronskiy hatte Dummheiten geschwatzt,
welchen man leicht ein Ziel setzen konnte und ich habe ihm so
geantwortet, wie es am Platze war. Meinem Gatten brauche ich davon
nichts zu sagen -- ich kann es nicht einmal: denn davon sprechen hieße
der Sache eine Wichtigkeit beimessen, welche sie gar nicht besitzt.«
Sie dachte daran, wie sie einst ihrem Manne erzählt hatte von dem
Liebesgeständnis, welches ihr von einem jungen Untergebenen desselben
beinahe gemacht worden war, und wie ihr Gatte Aleksey Aleksandrowitsch
ihr darauf geantwortet hatte, daß jede Frau, die in der großen Welt
lebe, dem ausgesetzt sei, er aber ihrem Takte vollständig vertraue und
sich selbst nie gestatten würde, sie oder sich selbst bis zur Eifersucht
zu erniedrigen.
»Also würde einfach nichts darüber zu sprechen sein? Nein, Gott sei
gedankt, ich werde ihm nichts erzählen,« sagte sie zu sich selbst.
33.
Aleksey Aleksandrowitsch kehrte aus dem Ministerium um vier Uhr zurück,
ging aber -- wie dies häufig geschah -- nicht sogleich zu seinem Weibe.
Er trat in sein Kabinett, um wartende Petenten zu hören, und einige
Akten zu unterschreiben die ihm vom Sekretär übergeben worden waren.
Zu der Mittagstafel, zu welcher bei den Karenin stets drei Gäste
eingeladen wurden, erschienen heute eine alte Cousine Aleksey
Aleksandrowitschs, der Departementsdirektor mit seinem Weibe und ein
junger Mann, welcher Aleksey Aleksandrowitsch im Dienste empfohlen
worden war.
Anna erschien im Salon, um die Gäste zu empfangen. Punkt fünf Uhr -- die
Bronceuhr, welche Peter I. vorstellte, hatte noch nicht den fünften
Schlag gethan -- erschien Aleksey Aleksandrowitsch in weißer Krawatte
und Frack und zwei Ordenssterne auf der Brust; er mußte sogleich nach
dem Essen hinwegfahren.
Jede Minute im Leben Aleksey Aleksandrowitschs war in Anspruch genommen
und von vornherein zu einem Zwecke bestimmt, und um stets das, was ihm
tägliche Obliegenheit war, gehörig erfüllen zu können, befleißigte er
sich der strengsten Accuratesse.
»Ohne Hast aber auch ohne Ruhe,« war seine Devise.
Er trat in den Salon, grüßte alle und setzte sich schnell, seiner Frau
zulächelnd.
»So hätte sich denn meine Einsamkeit beendet; du glaubst nicht, wie
peinlich,« er betonte dieses Wort, »es ist, allein speisen zu
müssen.«
Bei dem Essen unterhielt er sich mit seiner Gattin über die
Moskauer Angelegenheiten und frug mit ironischem Lächeln nach Stefan
Arkadjewitsch, doch bewegte sich das Gespräch vorzugsweise auf
Gemeinplätzen, über Petersburger Amtsverhältnisse und allgemeine
Angelegenheiten.
Nach dem Essen widmete er eine halbe Stunde seinen Gästen und ging dann,
wiederum seiner Gattin mit einem Lächeln die Hand drückend, um zur
Ratssitzung zu fahren.
Anna fuhr heute nicht zur Fürstin Bezzy Twerskaja, die sie, von ihrer
Rückkunft unterrichtet, für den Abend zu sich eingeladen hatte; auch in
das Theater begab sie sich nicht, in dem für sie heute eine Loge
reserviert war.
Sie fuhr in erster Linie deswegen nicht, weil eine Robe, auf die sie
gerechnet hatte, nicht fertig geworden war; dann aber befand sie sich
heute, als sie nach dem Weggang der Gäste Toilette machte, überhaupt
nicht bei guter Laune.
Vor ihrer Abreise nach Moskau hatte sie, eine Meisterin darin, sich
möglichst einfach zu kleiden, ihrer Modistin drei Roben zur Umänderung
übergeben. Die Umänderung sollte in einer Weise zur Ausführung kommen,
daß man die Kleider nicht wiedererkenne, und diese hatten schon vor drei
Tagen fertig sein sollen. Nun aber stellte sich heraus, daß zwei Roben
überhaupt nicht fertig waren, und die dritte nicht in der Weise geändert
war, wie es Anna gewünscht hatte.
Die Modistin erschien, um Erklärungen abzugeben; sie versicherte, die
Robe werde so am besten aussehen, aber Anna geriet darüber so in Zorn,
daß sie in der Folge Reue empfand, wenn sie daran dachte.
Um sich ganz zu beruhigen, ging sie nach dem Kinderzimmer und verbrachte
hier den ganzen Abend mit ihrem Söhnchen; sie legte es persönlich
schlafen, bekreuzte es und deckte es mit der Bettdecke zu.
Jetzt war sie erfreut darüber, nicht ausgefahren zu sein und den Abend
so gut angewendet zu haben. Ihr war so leicht und ruhig zu Mut, sie
erschaute jetzt so klar, daß alles, was sich ihr während der
Eisenbahnfahrt so wuchtig vor die Seele gedrängt hatte, nur eines jener
geringfügigen Vorkommnisse des weltlichen Lebens gewesen war, und sie
vor niemand, nicht einmal vor sich selbst noch Scham zu empfinden
brauchte.
Sie ließ sich, einen englischen Roman in der Hand, am Kamin nieder und
harrte ihres Gatten; um halb zehn Uhr vernahm sie seine Schelle und er
trat ins Gemach.
»Endlich kommst du!« sagte sie, ihm die Hand entgegenstreckend. Er küßte
dieselbe und setzte sich neben sie.
»Ich sehe wohl, daß deine Reise von Erfolg begleitet war,« begann er zu
ihr.
»O ja, vollkommen,« versetzte sie, und begann ihm alles von Anfang an zu
erzählen; ihre Hinreise mit der Wronskaja, ihre Ankunft, den Unfall auf
der Eisenbahn. Dann sprach sie von ihrem Mitleid erst für ihren Bruder
und dann für Dolly.
»Ich glaube nicht, daß es möglich ist, einen solchen Menschen zu
entschuldigen, wenn er auch dein Bruder ist,« sagte Aleksey
Aleksandrowitsch in strengem Tone.
Anna lächelte. Sie begriff, daß er dies namentlich sagte, um zu zeigen,
daß Rücksichten auf Verwandtschaft ihn nicht abhalten könnten, seine
aufrichtige Meinung auszusprechen. Sie kannte diesen Zug an ihrem Manne
und liebte ihn.
»Es ist mir aber lieb, daß alles noch glücklich abgelaufen ist und du
wieder hier bist,« fügte er hinzu; »übrigens was spricht man denn von
dem neuen Reglement, welches ich im Rat zur Durchführung gebracht habe?«
Anna wußte nichts von diesem Reglement und sie machte sich Vorwürfe, daß
sie so leicht hatte vergessen können, was für ihn von so hoher
Wichtigkeit war.
»Hier hat dasselbe freilich viel Staub aufwirbelt,« sagte er mit
selbstzufriedenem Lächeln.
Sie sah, daß Aleksey Aleksandrowitsch ihr etwas Angenehmes mitteilen
wollte über die Angelegenheit und bestürmte ihn nun mit Bitten, zu
erzählen; und so begann er denn mit seinem selbstzufriedenen Lächeln von
den Ovationen zu berichten, die ihm infolge der Durchführung jenes
Reglements dargebracht worden waren.
»Ich bin sehr, sehr glücklich,« sagte er, »dies beweist, daß man bei uns
nun endlich beginnt, die Sache mit einem verständigen und sicheren Blick
zu betrachten.«
Nachdem Aleksey Aleksandrowitsch ein zweites Glas Thee mit Sahne und
Brot zu sich genommen hatte, stand er auf und begab sich in sein
Kabinett.
»Du bist gar nicht ausgefahren? Gewiß wirst du dich gelangweilt haben,«
frug er.
»O nein!« versetzte sie, hinter ihm aufstehend und ihn durch den Salon
in das Kabinett begleitend.
»Was liesest du denn jetzt?« frug sie ihn.
»Jetzt lese ich =Duc de Lille, >Poésies des enfers=<,« antwortete er, »ein
sehr interessantes Buch.«
Anna lächelte, wie man über die Schwächen geliebter Menschen lächelt und
führte ihn, ihren Arm in den seinen legend, bis an die Thür seines
Kabinetts.
Sie kannte seine Gewohnheit, die ihm zum Bedürfnis geworden war, abends
zu lesen. Sie wußte, daß er es, trotz der fast seine ganze Zeit in
Anspruch nehmenden Amtspflichten, als seine Aufgabe erachtete, allem
Interessanten, was in der Sphäre der geistigen Welt erschien, zu folgen.
Sie wußte auch, daß ihn namentlich politische, philosophische und
theologische Werke interessierten, daß die Kunst aber seiner Natur
völlig fern lag. Gleichwohl jedoch, oder besser gerade deswegen, ließ
Aleksey Aleksandrowitsch nichts von dem unbeachtet vorüber, was auch auf
diesem Gebiete von sich reden machte, und hielt es für seine Pflicht,
alles zu lesen.
Sie wußte, daß er auf dem Gebiete der Politik, Philosophie und Theologie
entweder zweifelte oder forschte, aber in den Fragen der Poesie und
Kunst, besonders der Musik, für die ihm ein Verständnis vollständig
abging, besaß er die entschiedensten Meinungen. Er liebte es, von
Shakespeare, Rafael, Beethoven zu sprechen, von der Bedeutung der neuen
Schulen in Dichtung und Musik, die ihm alle in sehr klarer Reihenfolge
geläufig waren.
»Nun, Gott mit dir,« sagte sie an der Thür des Kabinetts, in welchem ihm
schon die Lampe mit dem Schirm und eine Flasche Wasser neben dem
Lehnstuhl bereit gestellt worden war. »Ich will noch nach Moskau
schreiben.«
Er drückte ihr die Hand und küßte dieselbe.
»Unter allen Umständen ist er ein guter Mensch, bieder, gut und
bedeutend in seinem Wirkungskreis,« sagte Anna zu sich selbst, nachdem
sie zurückgekehrt, als wolle sie ihn vor jemand schützen, der ihn
anklage und sage man könnte diesen Mann nicht lieben. »Stehen denn seine
Ohren wirklich so seltsam von ihm ab? Oder hat er sich nur scheren
lassen?«
Noch um die zwölfte Stunde saß Anna vor ihrem Schreibtisch, ihren Brief
an Dolly vollendend; da vernahm sie die gleichmäßigen Schritte Aleksey
Aleksandrowitschs, welcher in Pantoffeln, das Buch unter dem Arme, bei
ihr eintrat.
»Es ist nun Zeit,« sagte er mit besonderem Lächeln und schritt, frisch
gewaschen und frisiert, nach dem Schlafgemach.
»Welches Recht besaß er doch eigentlich, in so seltsamer Weise auf ihn
zu blicken?« dachte Anna, indem sie sich den Blick Wronskiys auf Aleksey
Aleksandrowitsch vergegenwärtigte.
Nachdem sie sich ausgekleidet hatte, begab sie sich ins Schlafgemach;
aber auf ihrem Antlitz war nicht nur nichts mehr von jenem Leben zu
sehen, wie zur Zeit ihres Aufenthalts in Moskau, das aus ihren Augen,
ihrem Lächeln glänzte, im Gegenteil; das Feuer schien jetzt erloschen zu
sein in ihr -- oder es hatte sich an einem entlegenen Orte verborgen.
34.
Als Wronskiy Petersburg verließ, hatte er sein großes Quartier an der
Morskaja seinem Freunde und Lieblingskameraden Petrizkiy überlassen.
Petrizkiy war ein junger Lieutenant von nicht glänzendem Herkommen und
nicht nur unbemittelt, sondern vielmehr überschuldet, der des Abends
stets berauscht, gar häufig infolge zahlreicher alberner und selbst
schmutziger Affairen auf die Hauptwache gebracht wurde,
nichtsdestoweniger aber bei seinen Kameraden und Vorgesetzten beliebt
war.
Um zwölf Uhr von der Eisenbahn nach seinem Quartier kommend, sah
Wronskiy in der Einfahrt das ihm wohlbekannte Mietgeschirr stehen.
Hinter der Thür hörte er nachdem er geläutet hatte, das Lachen von
Männerstimmen, das Geschwätz einer Frauenstimme und den Ruf Petrizkiys:
»Sollte es einer der Bösewichter sein, so wird er nicht eingelassen!«
Wronskiy befahl, man solle von seiner Ankunft nicht Meldung machen und
begab sich leise in das nächste Gemach.
Baronesse Gilleton, die Freundin Petrizkiys, in einem lilafarbenen
Atlaskleid prunkend und mit geschminktem blonden Gesicht, wie ein
Kanarienvogel das ganze Zimmer mit ihrem Pariser Französisch erfüllend,
saß vor einem großen, runden Tische und kochte Kaffee. Petrizkiy im
Paletot und der Rottmeister Kamerowskiy in voller Uniform,
wahrscheinlich vom Dienst gekommen, saßen um sie herum.
»Bravo, Wronskiy!« schrie Petrizkiy, aufspringend und mit dem Stuhle
aufdonnernd. »Der Herr selbst! Baronesse, Kaffee aus einem frischen
Kessel! Den hatten wir nicht erwartet! Ich hoffe du bist zufrieden mit
der Verschönerung deines Kabinetts!« sagte er dann, auf die Baronesse
zeigend. »Ihr kennt euch ja wohl?«
»Warum nicht?« antwortete Wronskiy, heiter lächelnd und die kleine Hand
der Baronesse drückend; »nicht so, ich bin ein alter Freund?«
»Sobald Ihr im Hause seid, von der Reise gekommen, muß ich weichen. In
dieser Minute will ich mich entfernen, wenn ich störe!«
»Ihr seid zu Hause dort, wo Ihr Euch besinnet, Baronesse,« versetzte
Wronskiy. »Sei gegrüßt, Kamerowskiy,« fügte er hinzu, diesem kalt die
Hand reichend.
»Ihr würdet wohl nie verstehen, Euch so angenehm auszudrücken,« wandte
sich die Baronesse an Petrizkiy.
»Bitte! Weshalb? Nach einem Essen spreche ich auch nicht schlechter!«
»Ja; nach einem Essen ist es keine Kunst! Nun, ich will Euch aber Kaffee
geben, kommt, wascht Euch und kleidet Euch um,« sagte die Baronesse,
sich wieder setzend und sorglich den Hahn am neuen Kaffeekessel drehend.
»Peter, gebt den Kaffee!« wandte sie sich an Petrizkiy, den sie kurzweg
Pjor nannte nach seinen Familiennamen und ohne ihre familiären
Beziehungen zu ihm zu verbergen. »Ich will das übrige hinzuthun!«
»Ihr werdet die Sache nur verderben.«
»Nein, ich werde nichts verderben! Aber was macht denn Eure Frau?«
fragte die Baronesse, plötzlich, mitten in das Gespräch hinein, welches
Wronskiy mit seinen Kameraden pflog. »Wir hielten Euch hier schon für
verheiratet, habt Ihr Eure Frau mitgebracht?«
»Nein, Baronesse; ich bin als Zigeuner geboren und will als Zigeuner
sterben.«
»Um so besser, um so besser. Reicht mir Eure Hand!«
Die Baronesse begann nun, ohne Wronskiy von sich zu lassen, diesem zu
erzählen, Scherze dabei einflechtend; sie entwickelte ihm ihre
Lebenspläne und frug ihn um seinen Rat.
»Er will in die Ehescheidung noch nicht einwilligen! Also was soll ich
thun?« Der Er war ihr eigentlicher Mann. »Ich will jetzt einen Prozeß
gegen ihn beginnen, wie ratet Ihr mir dazu? Kamerowskiy, sieh doch
einmal nach dem Kaffee -- o, er ist hinausgegangen. Ihr seht, ich bin
vollauf beschäftigt! Ich will den Prozeß beginnen, weil ich mein
Vermögen brauche. Versteht Ihr die Thorheit; ich soll ihm untreu gewesen
sein, und deswegen will er mein Vermögen für sich behalten,« sagte sie
voll Verachtung.
Wronskiy hörte mit Vergnügen dem lustigen Geschwätz des braven Weibes
zu, pflichtete ihr in allen Stücken bei, gab ihr halb scherzhaft
gemeinte Ratschläge, nahm aber im Grunde doch sofort den ihm im Verkehr
mit Weibern dieser Art eigenen Ton an.
In seinem Petersburger Leben teilten sich für ihn alle Menschen in zwei
Klassen, die vollständig entgegengesetzt waren.
Die eine derselben war die niedere Klasse, das waren die Gemeinen, die
Dummen, und was die Hauptsache bildete, die für ihn komischen Menschen,
die da glaubten, es müsse jeder Mann mit nur einem Weibe leben, mit dem,
welchem er sich fürs Leben versprochen hatte, die da glaubten, ein
Mädchen müsse unschuldig sein, ein Weib schamhaft, ein Mann männlich,
standhaft und fest; daß man Kinder wohl erziehen müsse, für sein
tägliches Brot arbeiten solle, seine Schulden zu bezahlen hätte und
andere, verschiedene, dem ähnliche Dummheiten zu begehen die Pflicht
habe.
Dies war die Klasse der ihm altmodisch und komisch erscheinenden
Menschen.
Aber es gab dann noch eine zweite Klasse von Menschen; dies waren die
eigentlichen Menschen, zu welcher sie alle gehörten, die Menschen, die
sich mit Eleganz, Hochmut, Kühnheit und Lust jeder Leidenschaft ohne zu
erröten hingaben und welche über alles andere nur lachten.
Wronskiy war nur für den ersten Augenblick verwirrt gewesen unter den
Eindrücken einer völlig anderen Welt, die er aus Moskau mitbrachte; aber
sogleich, nachdem er die Füße wieder in die alten Pantoffeln gesteckt
hatte, war er wieder in der früheren, heiteren und angenehmen Welt.
Der Kaffee kam soeben ins Kochen, er brauste auf, und lief über und
vollbrachte nun, was er vollbringen mußte, das heißt, er wurde die
Ursache zu allgemeinem Lärmen und Gelächter, indem er den kostbaren
Teppich und die Robe der Baronesse übergoß.
»Ah, jetzt entschuldigt mich, Ihr waschet Euch freilich wohl nie rein,
in meinem Gewissen aber wird das vornehmste Vergehen eines
ordnungsliebenden Menschen sein -- die Unreinlichkeit. Indessen Ihr
ratet mir also, ich soll ihm das Messer an die Kehle setzen?«
»Unfehlbar; und zwar derart, daß Eure schöne Hand seinen Lippen
möglichst nahe kommt. Er wird sie dann küssen und alles wird noch gut,«
versetzte Wronskiy.
»So wie jetzt in Frankreich,« sagte die Baronesse und verschwand mit
rauschendem Kleide.
Kamerowskiy erhob sich ebenfalls, doch Wronskiy gab ihm, ohne seinen
Hinausgang abzuwarten, die Hand und begab sich nach seinem
Ankleidezimmer. Während er sich wusch, beschrieb ihm Petrizkiy in kurzen
Zügen seine Lage und deren Veränderung seit Wronskiys Abreise.
Geld hatte er gar nicht mehr. Sein Vater hatte ihm erklärt, er werde ihm
weder welches geben, noch seine Schulden zahlen. Der Schneider hatte
gedroht, ihn in Schuldarrest setzen zu lassen und auch von anderer Seite
drohte ihm mit unfehlbarer Sicherheit das Nämliche.
Der Regimentskommandeur hatte ihm mitgeteilt, daß er, wenn diese
skandalösen Angelegenheiten nicht ein Ende fänden, seinen Abschied
nehmen müsse. Die Baronesse aber plage ihn wie ein bitterer Rettig,
namentlich damit, daß er stets Geld geben solle; sie sei indessen einzig
in ihrer Art, er würde sie Wronskiy zeigen, sie sei ein Wunder an
Reizen, nach streng orientalischem Typus, »=genre Rebekka=« deutete er
verheißungsvoll an. Er hatte sich ferner auch mit Berkoschowy
überworfen und diesem Sekundanten schicken wollen, aber natürlich werde
nichts dabei herauskommen.
Im allgemeinen aber war alles vorzüglich und außerordentlich lustig
gegangen.
Ohne dem Freunde Zeit zu gönnen, sich in die Einzelheiten seiner eigenen
Lage zu vertiefen, erzählte Petrizkiy weiter von allen möglichen und
interessanten Neuigkeiten und als Wronskiy die ihm so bekannten
Geschichten Petrizkiys, in der ihm so vertrauen Umgebung seines schon
seit drei Jahren bewohnten Quartiers anhörte, da empfand er wieder das
angenehme Gefühl der Lust zur Rückkehr zu dem gewohnten, sorglosen
Petersburger Leben.
»Unmöglich!« rief er aus, den Pedal des Waschbeckens loslassend, mit
welchem er seinen rosigen, gesunden Nacken durch eine Douche übergossen
hatte. »Unmöglich!« rief er bei der Nachricht, daß die Lora jetzt dem
Milejewy zugethan sei und Fertingoff aufgegeben habe. »Und der ist so
dumm und ist damit zufrieden? Was macht denn Buzulukoff?«
»O, mit dem ist eine köstliche Geschichte passiert -- reizend!« rief
Petrizkiy. »Du kennst ja seine Leidenschaft für Bälle; er läßt nie auch
nur einen Hofball vorüber. Buzulukoff also geht zu einem großen Ball,
einen funkelnagelneuen Helm auf dem Kopfe. Hast du die neuen Helme schon
gesehen? Sie sind sehr hübsch, bedeutend leichter. -- Steht der also --
aber hörst du auch?« --
»Natürlich, ich höre,« antwortete Wronskiy, sich mit dem feuchten
Handtuch abreibend.
»Kommt da die Großfürstin mit einem Gesandten vorüber und sein Unglück
will, daß sich das Gespräch der beiden gerade um die neuen Helme dreht.
Die Großfürstin wünscht dem Gesandten einen solchen zu zeigen, man
schaut umher -- da steht gerade unser Freund.« Petrizkiy zeigte jetzt,
wie Buzulukoff im neuen Helm gestanden hatte. »Die Großfürstin bat, ihr
doch den neuen Helm zu reichen -- er aber gab ihn nicht. Was sollte das
heißen? Man blinzelt ihm zu, man nickt ihm zu, man verzieht das Gesicht
-- er sollte den Helm reichen -- er giebt ihn nicht. Stand wie eine
Salzsäule. Stelle dir das vor! Man ist außer sich, weiß nicht wie man
ihn bewegen soll -- will ihm schon den Helm vom Kopfe nehmen -- umsonst
-- er giebt ihn nicht her. Endlich aber nimmt er den Helm ab und reicht
ihn der Großfürstin.
»Dies ist der neue Helm,« sagt diese, und wendet dabei den Helm um -- da
denke dir: Bauz! kollern Birnen, Konfekt, an zwei Pfund wohl zur Erde!
Und unser Held las alles auf!«
Wronskiy schüttelte sich vor Lachen; und noch lange darnach, schon zu
einem anderen Thema übergegangen, brach er wieder in sein kerngesundes
Lachen aus, und zeigte dabei die festen weißen Zähne, wenn er an die
Geschichte mit dem Helm dachte.
Nachdem Wronskiy alle Neuigkeiten vernommen hatte, warf er sich mit
Hilfe seines Dieners in die Uniform und fuhr ab, um sich wieder zu
zeigen.
Nachdem dies geschehen, beabsichtigte er zunächst, zu seinem Bruder zu
fahren und dann zu Bezzy, sowie einige Visiten zu machen, in der Absicht
sich in denjenigen Kreis Eintritt zu verschaffen, in welchem er hoffen
konnte, der Karenina zu begegnen.
Wie er gewöhnlich in Petersburg that, fuhr er nicht anders von Hause
weg, als erst in später Nacht wieder heimzukehren.
Zweiter Teil.
1.
Zu Ende des Winters fand im Hause der Schtscherbazkiy ein Familienrat
statt, welcher darüber zu entscheiden hatte, wie es mit der Gesundheit
Kitys stehe und welche Schritte zu thun seien, deren geschwächte Kräfte
wieder zu heben.
Sie war krank und mit der Annäherung des Frühjahrs verschlimmerte sich
ihr Zustand noch mehr.
Der Hausarzt hatte ihr Fischthran verordnet, dann Eisen und andere
Mittel, da aber weder das eine noch das andere oder sonst etwas half,
und er geraten hatte, mit dem Frühling ins Ausland zu reisen, so war ein
namhafter Arzt noch mit hinzugezogen worden.
Dieser Arzt, ein noch junger Mann, war eine sehr schöne Erscheinung; er
erklärte, die Kranke untersuchen zu müssen. Mit besonderem Vergnügen,
wie es schien, bestand er auf der Erfüllung dieser Aufgabe, als ob die
jungfräuliche Schamhaftigkeit nur ein Überbleibsel barbarischer Sitten
sei und es nichts Natürlicheres gäbe, als wenn ein junger Mann ein
entblößtes junges Mädchen betaste.
Er fand dies natürlich, weil er es täglich that und nichts Übles dabei
empfand, oder dachte, wie ihm selbst dünkte, und so hielt er die
jungfräuliche Scham nicht nur für einen Überrest barbarischer Sitte,
sondern sogar für eine Kränkung die ihm selbst zugefügt wurde.
Kity mußte sich fügen, da man, ungeachtet dessen, daß ja sämtliche Ärzte
nach einer Schule gelernt hatten und nach den nämlichen Büchern und
somit alle nur das nämliche wußten, und obwohl manche sagten, dieser
berühmte Arzt sei kein guter Arzt -- im Hause der Fürstin und in deren
Kreisen aus unbekannten Gründen anerkannt hatte, dieser berühmte
Mediziner besitze ein ganz besonderes Wissen und er allein habe es in
der Macht, Kity zu retten.
Nach einer sorgfältigen Untersuchung und Beklopfung der vor Scham halb
verstörten und völlig verwirrten jungen Kranken, erklärte sich der
namhafte Arzt, nachdem er sich sorgfältig die Hände gewaschen, im Salon
dem Fürsten gegenüber.
Dieser sah finster aus, räusperte sich und horchte auf die Worte des
Arztes.
Er als erfahrener, nicht beschränkter und nicht kranker Mensch, glaubte
nicht an die medizinische Kunst, und in seinem Innern regte sich über
diese ganze Komödie eine Erbitterung, welche um so größer war, als er
allein wenigstens vollständig die Ursache von Kitys Krankheit erkannt
hatte.
»Falsches Gebell,« dachte der Fürst bei sich, dieses Wort innerlich aus
dem Jagdwörterbuch auf den Arzt anwendend, der ihm langatmig alle die
Kennzeichen der Krankheit des jungen Mädchens auseinandersetzte.
Der Arzt seinerseits unterdrückte nur mit Mühe diesem alten Edelmann
gegenüber einen Ausdruck von geistiger Überlegenheit und schien sich nur
schwer bis zu der für ihn so tiefstehenden medizinischen Fassungskraft
des Fürsten herablassen zu können.
Er erkannte, daß mit dem alten Herrn nicht zu reden sei und daß die
Seele dieses Hauses nur in der Mutter liege.
Vor dieser also beabsichtigte er, seine Perlen auszukramen. Die Fürstin
trat auch soeben in den Salon, begleitet von dem Hausarzt. Der Fürst
ging, sich stellend als wolle er nicht merken lassen, wie lächerlich ihm
diese ganze Komödie erschien.
Die Fürstin war ratlos; sie wußte nicht was zu thun sei und fühlte sich
schuldig vor Kity.
»Nun, Herr Doktor, entscheidet über unser Geschick,« sagte die Fürstin.
»Sagt mir alles; giebt es noch Hoffnung?« wollte sie hinzufügen, allein
ihre Lippen zitterten und sie war nicht imstande, diese Frage
auszusprechen.
»Also wie steht es?«
»Sogleich, Fürstin, werde ich mit meinem Kollegen reden und alsdann die
Ehre haben, Euch meine Meinung darzulegen.«
»Muß ich Euch also jetzt verlassen?«
»Wie Euch beliebt.«
Die Fürstin ging aufseufzend wieder hinaus.
Als die beiden Mediziner allein miteinander waren, begann der Hausarzt
schüchtern seine Ansicht auseinanderzusetzen, welche dahin ging, daß der
Beginn zur Lungentuberkulose vorliege, aber &c. &c.
Der berühmte Arzt hörte ihm zu und schaute während des Vortrags nach
seiner dicken goldenen Uhr.
»So ist es,« antwortete er, »aber« --
Der Hausarzt verstummte respektvoll inmitten seiner Rede.
»Genau zu bestimmen, wie Ihr wißt, ist ja der Anfang der Tuberkulose
nicht; bis zur Erscheinung der Cavernen ist nichts Bestimmtes zu sagen.
Aber vermuten können wir. Und Anzeichen sind ja vorhanden. Schlechte
Ernährung, nervöse Aufgeregtheit und dergleichen. Die Frage steht jetzt
so, was ist zu thun bei vorhandenem Verdacht des Tuberkelprozesses, um
die Ernährung zu unterstützen?«
»Aber Ihr wißt doch, daß stets geistige, seelische Ursachen noch
dahinterstecken,« erlaubte sich der Hausarzt mit schüchternem Lächeln
einzuwerfen.
»Allerdings, das versteht sich ja von selbst,« versetzte der Ruhm der
Wissenschaft, wiederum nach seiner Uhr schauend. »Ist denn die
Jauskiybrücke bereits fertig, oder muß man noch immer im Kreis herum
fahren?« frug er.
»Sie ist fertig.«
»Aha; nun, dann kann ich in zwanzig Minuten da sein. Wir haben uns also
dahin ausgesprochen, daß die Frage jetzt so steht: Unterstützung der
Ernährung und Kräftigung der Nerven; eines in Verbindung mit dem andern
muß nach beiden Richtungen hin seine Wirkung ergänzen.«
»Und die Reise nach dem Ausland?« frug der Hausarzt.
»Ich bin ein Feind der Reisen nach dem Ausland. Seht doch selbst: wenn
wirklich der Beginn der Tuberkulose vorliegt, was wir gar nicht wissen
können, so wird die Reise überhaupt nicht helfen. Es ist nur ein solches
Mittel unumgänglich notwendig, welches die Ernährung fördert, ohne zu
schädigen.«
Der berühmte Arzt setzte nun seinen Plan der Behandlung mit Sodener
Wasser auseinander, bei dessen näherer Erläuterung der Hauptpunkt
offenbar nur zu sein schien, daß dieses Wasser nicht schaden könne.
Der Hausarzt hatte aufmerksam und respektvoll zugehört.
»Aber zum Zweck der Hervorhebung des Nutzens einer Reise ins Ausland
möchte ich betonen, daß eine Veränderung der Lebensgewohnheiten eine
Enthebung aus den Verhältnissen, welche die Erinnerung wachrufen, nötig
erscheint. Übrigens wünscht ja die Mutter diese Reise,« fügte er hinzu.
»Aha! Nun, in diesem Falle möge sie reisen, aber diese deutschen
Charlatane werden ihr nur Schaden bringen. Es wäre nötig, daß man sich
belehren ließe -- aber -- mögen sie reisen.«
Er blickte wiederum nach seiner Uhr.
»Ah, es ist jetzt Zeit!« -- Er ging mit diesen Worten zur Thür. Der
berühmte Arzt erklärte nun der Fürstin -- das Gefühl des Anstandes
erforderte dies -- daß er die Kranke nochmals sehen müsse.
»Wie? Nochmals untersuchen?« rief die Mutter entsetzt aus.
»O nein; ich möchte ihr nur einige Kleinigkeiten sagen, Fürstin.«
»Bitte sehr.«
Die Mutter, von dem Arzte begleitet, trat in den Salon zu Kity.
Abgezehrt und gerötet im Gesicht, mit einem eigenartigen Glanz in den
Augen, -- eine Folge der ausgestandenen Scham -- stand Kity inmitten des
Zimmers.
Als der Arzt eintrat, fuhr sie entsetzt auf und ihre Augen füllten sich
mit Thränen. Ihre ganze Krankheit und die versuchte Heilung derselben
erschien ihr als etwas so Thörichtes, ja Lächerliches.
Ihre Heilung erschien ihr ebenso fruchtlos versucht, als etwa die
Zusammenfügung von Stücken einer zerschlagenen Vase.
Ihr Herz war zerschlagen; was wollte man an ihm heilen mit Pillen und
Pulvern?
Und doch konnte man die Mutter nicht kränken, umsoweniger, als diese
selbst sich schuldbewußt fühlte.
»Wollt doch ein wenig hier noch Platz nehmen, Fürstin,« sagte die
medizinische Autorität.
Er ließ sich lächelnd ihr gegenüber nieder, ergriff ihren Puls und
begann von neuem, langweilige Fragen an sie zu richten. Sie antwortete
ihm, plötzlich aber erhob sie sich entrüstet.
»Entschuldigt mich,« sagte sie, »aber dies kann doch sicherlich zu
nichts führen. Ihr fragt mich nun zum drittenmale nach demselben.« Der
berühmte Arzt fühlte sich nicht beleidigt.
»Eine krankhafte Gereiztheit,« sagte er zu der Fürstin, als Kity
hinausgegangen war. »Übrigens bin ich fertig.«
Der Arzt beschrieb nun der Fürstin, als einer ausnehmend klugen Frau,
wissenschaftlich den Zustand der jungen Fürstin und schloß mit der
Anweisung dazu, wie man die mineralischen Wässer trinken müsse, die doch
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