unglücklich.
Wie oft hatte er sich während der Zeit seiner achtjährigen glücklichen
Ehe mit seinem Weibe im Hinblick auf andere ungetreue Frauen und
betrogene Ehemänner gefragt, wie man dies dulden könne, weshalb man ein
solches Mißverhältnis nicht auflöse. Jetzt aber, da das Unglück auf sein
eigenes Haupt herniedergebrochen war, dachte er nicht nur nicht
überhaupt daran, wie er dieses Verhältnis lösen solle, sondern er wollte
dieses überhaupt gar nicht kennen, und zwar deshalb nicht, weil es zu
furchtbar, zu unnatürlich war.
Seit der Zeit seiner Rückkehr vom Auslande war Aleksey Aleksandrowitsch
zweimal auf seinem Landsitz gewesen. Das eine Mal hatte er daselbst zu
Mittag gespeist, das andere Mal den Abend mit Besuch dort verbracht,
aber noch nicht ein einziges Mal war er über Nacht dageblieben, wie er
dies sonst in früheren Jahren zu thun gewohnt war.
Der Tag der Rennen war ein Tag voller Beschäftigung für Aleksey
Aleksandrowitsch, aber, nachdem er schon morgens sich die Einteilung des
Tages gemacht hatte, beschloß er, sogleich nach dem ersten Frühstück auf
den Landsitz zu seinem Weibe zu fahren und von dort nach den Rennen, zu
denen der gesamte Hof anwesend war und bei denen er daher gegenwärtig
sein mußte.
Zu seinem Weibe wollte er sich deshalb begeben, weil er den Entschluß
gefaßt hatte, der Etikette halber einmal wenigstens in der Woche zu
verweilen. Außerdem aber mußte er ihr an diesem Tage, zum fünfzehnten
des Monats, nach der eingeführten Regel, Gelder zur Führung des
Haushaltes übergeben.
Mit der gewohnten Herrschaft über seine Gedanken gestattete er sich,
nachdem er das alles überlegt hatte, nicht, noch weiter abzuschweifen in
dem, was sie anging.
Der Vormittag war sehr reich an Arbeit für Aleksey Aleksandrowitsch
gewesen. Am Abend vorher hatte ihm die Gräfin Lydia Iwanowna die
Broschüre eines in Petersburg anwesenden bekannten Chinareisenden mit
einem Briefe übersandt, in welchem sie ihn ersuchte, den Reisenden
selbst wohl aufnehmen zu wollen, da er in verschiedenen Beziehungen ein
sehr interessanter und nützlicher Mann sei.
Aleksey Aleksandrowitsch hatte sofort die Broschüre am Abend nicht
ganz durchlesen können und erledigte die Lektüre am folgenden
Morgen. Hierauf erschienen bei ihm die Bittsteller, Vorträge
begannen, Empfänge, Bestimmungen, Absetzungen, Korrespondenzen,
Verfügungen über Auszeichnungen, Pensionen, Gehälter, kurz alle die
Werkeltagsobliegenheiten warteten seiner, wie sie Aleksey
Aleksandrowitsch nannte und die soviel Zeit in Anspruch nahmen.
Dann folgte eine persönliche Angelegenheit in dem Besuche des Arztes,
und dem seines Geschäftsführers, welcher indessen nicht soviel Zeit für
sich in Anspruch nahm, und nur die Aleksey Aleksandrowitsch
erforderlichen Gelder überbrachte, dabei einen kurzen Bericht über den
Stand des Vermögens gebend, welches nicht völlig befriedigend stand, da
sich zeigte, daß im gegenwärtigen Jahre infolge häufiger Ausschreitungen
mehr verbraucht worden und hierdurch ein Deficit entstanden war.
Der Arzt aber, ein berühmter Mediziner Petersburgs, der zu Aleksey
Aleksandrowitsch in freundschaftlichen Beziehungen stand, hatte viel
Zeit in Anspruch genommen.
Aleksey Aleksandrowitsch hatte ihn an diesem Tage gar nicht erwartet,
und war verwundert gewesen über sein Kommen, noch mehr aber darüber, daß
der Arzt ihn sehr aufmerksam nach seinem Befinden frug, seine Brust
behorchte und seine Leber befühlte.
Aleksey Aleksandrowitsch wußte nicht, daß seine Freundin Lydia Iwanowna,
bemerkend, seine Gesundheit sei heuer gar nicht gut, den Doktor gebeten
hatte, doch zu ihm zu fahren und den Leidenden zu untersuchen.
»Thut es um meinetwillen,« hatte die Gräfin Lydia Iwanowna zu demselben
gesagt.
»Ich thue es für Rußland, Gräfin,« hatte der Arzt erwidert.
»Ein unschätzbarer Mensch!« sagte die Gräfin Lydia Iwanowna.
Der Arzt war sehr unzufrieden mit Aleksey Aleksandrowitsch. Er fand eine
bedeutende Lebervergrößerung, die Ernährung beeinträchtigt und die
Wirkung des Bades war gleich null.
Er schrieb ihm soviel als möglich körperliche Bewegung, und so wenig als
möglich geistige Arbeit vor, hauptsächlich aber möchten aller Ärger
streng vermieden werden; also gerade das, was Aleksey Aleksandrowitsch
ebenso unmöglich zu gewähren war, als wie er das Atmen hätte unterlassen
können. Hierauf fuhr der Arzt von dannen, in Aleksey Aleksandrowitsch
eine unangenehme Empfindung zurücklassend, daß etwas in ihm nicht in
Ordnung sei, was sich jedoch auch nicht bessern lasse.
Bei seinem Fortgang von Aleksey Aleksandrowitsch stieß der Doktor auf
der Treppe mit dem ihm gut bekannten Sljudin, Alekseys Geschäftsführer
zusammen.
Beide waren Kameraden auf der Universität gewesen und achteten sich,
obwohl sie selten zusammenkamen, als gute Freunde, weshalb denn auch der
Arzt niemandem seine aufrichtige Meinung über den Kranken gesagt hätte,
als Sljudin.
»Wie freue ich mich, daß Ihr bei ihm waret,« sagte Sljudin. »Er befindet
sich nicht wohl und mir scheint -- wie steht es denn?« --
»So steht es,« sagte der Arzt, über den Kopf Sljudins hinweg dem
Kutscher zuwinkend, daß er vorfahre, »so steht es,« sagte er, einen
Finger seines Glacéhandschuhs in die weißen Hände nehmend und ihn
langziehend. »Spannt man die Saiten nicht und probiert man sie zu
zerreißen, so ist dies sehr schwer; spannt man sie aber bis zur
äußersten Möglichkeit und legt man sich nur mit eines Fingers Schwere
auf die gespannte Saite, so springt sie. Er aber mit seiner
Unermüdlichkeit, seiner Gewissenhaftigkeit bei der Arbeit -- er freilich
ist bis zum äußersten Grad angespannt, und eine Beseitigung des Leidens
ist nicht direkt lebensgefährlich aber schwer,« fügte der Arzt hinzu,
bedeutungsvoll die Brauen hochziehend. »Werdet Ihr zu den Rennen gehen?«
frug er dann, sich in seinem vorgefahrenen Wagen niedersetzend.
-- »Ja, versteht sich, es nimmt mir freilich viel Zeit weg,« versetzte
dann noch der Arzt auf eine Frage Sljudins, die er gar nicht gehört
hatte. --
Nach dem Arzte, der Aleksey Aleksandrowitsch soviel Zeit geraubt hatte,
erschien der berühmte Chinareisende, und Aleksey setzte nun, die Früchte
seiner soeben beendeten Lektüre und seine Kenntnisse über den
Gegenstand, die er schon früher besessen hatte, benutzend, den Reisenden
in Erstaunen mit der Tiefe seines Wissens und seinem weitreichenden,
klaren Blick.
Zugleich mit dem Chinareisenden wurde auch die Ankunft des
Gouvernementsdirektors gemeldet, welcher in Petersburg angekommen und
mit dem eine Konferenz abzuhalten war. Nach seiner Abreise mußten wieder
tägliche Geschäfte mit dem Geschäftsführer erledigt werden und dann
mußte er noch in einer ernsten und wichtigen Angelegenheit zu einer
hervorragenden Persönlichkeit Petersburgs fahren.
Aleksey Aleksandrowitsch war um fünf Uhr, zur Zeit wo er Mittag speiste,
kaum wieder zurückgekehrt so lud er seinen Geschäftsführer, nachdem er
mit ihm gespeist hatte ein, zusammen mit ihm nach seinem Landsitz und zu
den Rennen zu fahren.
Ohne daß er sich davon Rechenschaft zu geben vermochte, suchte er jetzt
nach Gelegenheiten dritte Personen bei seinen Begegnungen mit der Gattin
hinzuzuziehen.
27.
Anna stand oben vor dem Spiegel, mit Hilfe ihrer Zofe Annuschka ein
letztes Band auf ihrem Kleide feststeckend, als sie vor der Einfahrt das
Geräusch des von Rädern gepreßten Kieses vernahm.
»Für Bezzy wäre es noch zu früh,« dachte sie und schaute aus dem
Fenster. Sie erblickte einen Wagen, einen schwarzen Herrenhut der daraus
hervorkam und die ihr so wohlbekannten Ohren Aleksey Aleksandrowitschs.
»Das kommt ungelegen. Er wird doch nicht über Nacht hier bleiben?«
dachte sie und ihr erschien alles das, was hieraus entstehen konnte, so
entsetzlich und furchtbar, daß sie ihm, ohne sich eine Minute zu
besinnen, mit heiterem und freudestrahlendem Gesicht entgegeneilte. Nur
die Gegenwart des ihr schon bekannten Geistes der Lüge und Truges
fühlend, ergab sie sich diesem sogleich, indem sie, ohne zu wissen was
sie sagen sollte, zu sprechen begann.
»O, wie ist das reizend von dir!« sagte sie, dem Gatten die Hand
reichend, und mit freundlichem Lächeln Sljudin, den Hausfreund,
begrüßend. »Du bleibst doch über Nacht, hoffe ich?« war das erste Wort,
welches der Geist der Lüge ihr eingab, »jetzt fahren wir doch zusammen.
Es ist nur schade, daß ich Bezzy versprochen habe -- sie will kommen,
mich abzuholen.«
Aleksey Aleksandrowitsch verfinsterte sich bei dem Namen Bezzys.
»O, ich will Unzertrennliche nicht trennen,« antwortete er mit seinem
gewöhnlichen launigen Tone. »Wir werden dann mit Michailow Wasiljewitsch
zusammen hingehen; die Ärzte haben mir ohnehin das Gehen empfohlen, und
ich werde daher zu Fuß laufen und mir dabei denken, ich wäre im Bad.«
»Wir haben indessen nicht die geringste Eile,« sagte Anna, »wollt Ihr
Thee trinken?« Sie schellte. »Bringt Thee und sagt meinem Sergey, daß
sein Vater angekommen sei. Was macht denn deine Gesundheit? -- Michailow
Wasiljewitsch, Ihr waret noch nicht bei mir; seht Euch einmal an, wie
hübsch es auf meinem Balkon draußen ist,« fuhr sie fort, sich bald an
ihren Gatten, bald an dessen Begleiter wendend.
Sie sprach sehr ungekünstelt und natürlich, nur zu viel und zu schnell.
Anna fühlte dies selbst umsomehr, als sie an dem neugierigen Blicke, mit
welchem sie Michail Wasiljewitsch anschaute, inne wurde, daß er sie zu
beobachten schien.
Michail Wasiljewitsch begab sich sofort nach der Terrasse hinaus. Sie
ließ sich neben ihrem Manne nieder.
»Du siehst nicht ganz wohl aus,« begann sie.
»Ja,« antwortete er, »der Arzt war heute bei mir und hat mir eine Stunde
Zeit geraubt. Ich merke wohl, daß ihn irgend einer von meinen Bekannten
hergeschickt hatte; so kostbar ist meine Gesundheit.«
»Nun, was sagte der Arzt?«
Sie erkundigte sich nun über seine Gesundheit und seine Arbeiten, und
redete ihm zu, sich Schonung zu gönnen und doch ganz zu ihr
überzusiedeln.
Alles das hatte sie heiter, schnell und mit einem auffallenden Glanz in
den Augen gesprochen, aber Aleksey Aleksandrowitsch schrieb diesem Tone
bei ihr heute keinerlei Bedeutung zu.
Er vernahm nur ihre Worte und legte ihnen nur genau den nämlichen Sinn
bei, den sie thatsächlich hatten. Er antwortete ihr gerad, wenn auch in
seiner launigen Weise, und in dem gesamten Gespräch lag nichts
Eigenartiges, doch konnte sich Anna nachmals der Empfindung eines
peinigenden Schmerzes und der Scham nicht verschließen, wenn sie sich
diese ganze kurze Scene wiederum vergegenwärtigte.
Sergey trat jetzt herein, begleitet von seiner Gouvernante. Hätte
Aleksey Aleksandrowitsch sich selbst dazu verstanden, zu beobachten, so
würde er den zaghaften, irrenden Blick wahrgenommen haben, mit welchem
der kleine Sergey erst seinen Vater anschaute und dann seine Mutter.
Aber er wollte nichts sehen, und sah auch nichts.
»Nun, junger Mann! Wie er groß geworden ist, recht so, das wird ein
ganzer Mann! Wie geht es, junger Mann?«
Er gab dem erschreckten kleinen Sergey die Hand.
Sergey, schon vordem stets schüchtern gewesen in seinem Verhalten
gegenüber dem Vater, fühlte sich jetzt, nachdem ihn Aleksey
Aleksandrowitsch einen jungen Mann geheißen hatte, und ihm jenes Rätsel
wieder in den Kopf kam, ob Wronskiy ein Freund oder ein Feind sei,
seinem Vater entfremdet. Wie Schutz suchend, blickte er nach seiner
Mutter; bei seiner Mutter allein war ihm wohl.
Aleksey Aleksandrowitsch hielt indessen sein Söhnchen an der Schulter,
während er mit der Gouvernante zu sprechen begonnen hatte, und Sergey
wurde es dabei so qualvoll peinlich zu Mute, daß Anna bemerkte, wie er
sich zum Weinen anschickte.
Anna, welche in dem Augenblick als ihr Söhnchen eintrat errötet war,
sprang jetzt, nachdem sie wahrgenommen, daß Sergey sich nicht wohl
fühlte, schnell herbei, nahm die Hand ihres Mannes von der Schulter des
Knaben, küßte diesen und führte ihn auf die Terrasse, worauf sie
sogleich zurückkehrte.
»Indessen; es ist Zeit jetzt,« sagte sie, auf ihre Uhr blickend.
»Weshalb nur Bezzy nicht kommt.«
»Ja,« versetzte Aleksey Aleksandrowitsch, stand auf, legte seine Finger
ineinander und ließ sie knacken. »Ich bin auch noch gekommen, dir Geld
zu bringen, da man die Nachtigallen ja doch nicht nur mit Liedern
nährt,« sagte er. »Ich glaube, du brauchst welches.« --
»Nein, ich brauche keines -- oder doch, ja, doch,« -- antwortete sie,
ohne ihn anzusehen, und errötete bis in die Haarwurzeln. »Ich denke
doch, daß du von den Rennen wieder hierher zurückkommst.«
»Gewiß werde ich,« versetzte Aleksey Aleksandrowitsch. »Doch da kommt ja
auch die Löwin von Peterhof, die Fürstin Twerskaja,« fügte er hinzu,
indem er durch das Fenster eine englische einspännige Equipage anfahren
sah, die sich durch einen außerordentlich hoch angebrachten kleinen
Kutschbock auszeichnete. »Welch eine Koketterie. Es ist reizend. Doch,
wir wollen nun auch gehen!«
Die Fürstin Twerskaja verließ ihre Equipage nicht; nur ihr Lakai in
halblangen Stulpstiefeln, Pelerine und schwarzem Hut, sprang vor der
Einfahrt herab.
»Ich gehe also, lebt wohl!« sagte Anna, küßte ihr Söhnchen, trat zu
Aleksey Aleksandrowitsch und reichte diesem die Hand. »Es war recht
hübsch von dir, daß du gekommen bist.« Aleksey Aleksandrowitsch küßte
ihr die Hand. »Also auf Wiedersehen! Du kommst doch zum Thee; schön so!«
sagte sie und ging, strahlend und heiter.
Sie war ihm indessen kaum aus dem Auge, als sie die Stelle auf ihrer
Hand empfand, die seine Lippen berührt hatten, und voll Widerwillen
erschauerte.
28.
Als Aleksey Aleksandrowitsch bei den Rennen erschien, saß Anna bereits
auf der Tribüne neben der Fürstin Bezzy, auf derselben Tribüne, auf
welcher sich die gesamte höchste Gesellschaft versammelt hatte. Sie sah
ihren Gatten erst von ferne.
Zwei Menschen, ihr Mann und ihr Geliebter, waren die beiden Mittelpunkte
für ihr Dasein, und ohne daß ihr die äußeren Sinne dazu verholfen
hätten, empfand sie deren Nähe.
Schon von fern fühlte sie die Annäherung ihres Gatten und unwillkürlich
folgte sie ihm in dem Menschengewoge, inmitten dessen er sich bewegte.
Sie sah, wie er zu der Tribüne kam, bald herablassend auf die
Begrüßungen antwortend die ihn suchten, bald freundlich, aber zerstreut
Gleichgestellten begegnend, bald streberisch die Blicke der Mächtigen
der Erde erwartend, und seinen großen runden Hut abnehmend, der die
Spitzen seiner Ohren drückte.
Sie kannte alle diese Manieren und sie alle waren ihr zuwider.
»Allein der Ehrgeiz, allein der Wunsch, Erfolg zu haben, das ist alles,
was in seiner Seele wohnt,« dachte sie, »und seine hochfliegenden Pläne,
die Liebe zur Volksaufklärung, seine Religiosität, alles das sind nur
die Mittel dazu, diesen Erfolg zu erreichen.«
An seinen Blicken nach der Damentribüne -- er schaute gerade auf sie,
erkannte aber seine Frau nicht in dem Meere von Zöpfen, Bändern, Federn,
Sonnenschirmen und Blumen -- nahm sie wahr, daß er sie suche; doch sie
wollte ihn mit Absicht nicht bemerken.
»Aleksey Aleksandrowitsch!« rief ihm die Fürstin Bezzy zu, »Ihr seht
wohl Eure Gattin gar nicht; hier ist sie ja!« --
Er lächelte in seiner kühlen Weise.
»Es ist hier so viel Glanz, daß die Augen davon geblendet werden,« sagte
er und trat in die Tribüne ein.
Seinem Weibe zulächelnd, wie ein Mann lächeln muß, der seiner Frau
begegnet, die er vor kurzem eben erst gesehen hat, begrüßte er auch die
Fürstin und die übrigen Bekannten, jedem das Seine zuteilend; das heißt
mit den Damen scherzend und mit den Herren Bewillkommnungen tauschend.
Unten, neben der Tribüne stand ein von Aleksey Aleksandrowitsch höchst
geachteter Mann, bekannt durch seinen Geist und seine Bildung; ein
Generaladjutant.
Aleksey Aleksandrowitsch geriet ins Gespräch mit ihm; es fand gerade
eine Pause zwischen den Rennen statt und nichts störte daher die
Unterhaltung.
Der Generaladjutant sprach sich abfällig über Rennen aus; Aleksey
Aleksandrowitsch widersprach, indem er dieselben vertrat.
Anna hörte seine dünne, gleichmäßige Stimme, die kein Wort von dem was
sie sprach, verschluckte. Aber jedes seiner Worte erschien ihr unrichtig
und schnitt ihr schmerzhaft ins Ohr.
Als das Vierwerstrennen mit den Hindernissen begann, beugte sie sich
nach vornüber, und blickte unverwandt nach Wronskiy, wie er zu seinem
Pferde trat und aufsaß. Zur nämlichen Zeit mußte sie die widerliche,
nicht verstummende Stimme ihres Mannes hören.
Sie empfand Qualen in der Angst um Wronskiy, aber noch mehr wurde sie
gequält von dem unaufhörlich schallenden Klange seiner dünnen Stimme mit
den ihr so bekannten Accenten.
»Ich bin ein schlechtes, ein verworfenes Weib,« dachte sie, »aber ich
liebe es nicht, zu lügen; ich werde die Lüge nicht ertragen -- seine
Stimme aber -- das ist eine Lüge! -- Er weiß alles und sieht alles; was
jedoch kann er fühlen, wenn er so ruhig zu sprechen vermag? Wenn er mich
tötet oder Wronskiy, ich würde ihn achten. Aber nein, er bedient sich
lediglich der Lüge und der Etikette,« sprach Anna zu sich selbst, ohne
darüber nachzudenken, was sie eigentlich von ihrem Manne wollte und wie
sie ihn zu sehen wünschte.
Sie begriff auch nicht, daß diese eigentümliche Sprechseligkeit heute
bei Aleksey Aleksandrowitsch, von der sie so in Gereiztheit versetzt
wurde, nur der Ausdruck seiner inneren Verwirrung und Unruhe war.
Wie ein Kind, welches gefallen ist, emporspringt und seine Muskeln in
Bewegung bringt, um den Schmerz zu betäuben, so war diese geistige
Gymnastik für Aleksey Aleksandrowitsch unentbehrlich, damit er jene
Gedanken über seine Frau betäuben konnte, welche in ihrer Gegenwart wie
in der Wronskiys, sowie angesichts der beständigen Wiederholung von
dessen Namen, seine Aufmerksamkeit so in Anspruch nahmen. Und wie es bei
dem Kinde natürlich ist zu springen, so mußte auch er gut und verständig
reden.
»Die Gefahr ist bei den Offiziersrennen, den Kavalleristenrennen,« sagte
er, »eine unerläßliche Voraussetzung. Wenn England in seiner
Militärgeschichte auf die glänzendsten Leistungen von Reitern blicken
kann, so ist dies nur dem zu danken, daß es in sich selbst historisch
diese Kraft, sowohl der Menschen wie der Tiere zu entwickeln verstand.
Der Sport hat nach meiner Meinung eine hohe Bedeutung, wir aber sehen --
wie immer, -- nur die oberflächlichste Seite der Sache.«
»Nicht die oberflächliche,« sagte die Fürstin Twerskaja, »denn ein
Offizier soll zwei Rippen gebrochen haben.«
Aleksey Aleksandrowitsch lächelte mit dem ihm eigenen Lächeln, indem er
nur die Zähne zeigte, ohne damit etwas zu sagen.
»Setzen wir also den Fall, Fürstin, daß es sich hierbei nicht um eine
Oberflächlichkeit handelte,« fuhr er dann fort, »so liegt doch dann
etwas Innerliches vor. Doch darum handelt es sich ja nicht,« und er
wandte sich von neuem an den General, mit welchem er ernst weiter
sprach, »vergeßt doch nicht, daß hier Leute vom Militärstand reiten, die
sich diese Thätigkeit auserkoren haben, und gebt mir zu, daß jeder Beruf
seine Kehrseite der Medaille hat. Dieser Sport gehört zu den
Obliegenheiten des Militärstandes. Jener ungestalte Sport des Boxens
hingegen oder der der spanischen Stiergefechte ist nur ein Zeichen von
Barbarei. Der specialisierte Sport hingegen das der Fortentwickelung.«
»O nein. Ich komme nicht wieder ein zweites Mal hierher, denn dies regt
mich zu sehr auf,« rief die Fürstin Twerskaja. »Habe ich nicht recht,
Anna?«
»Es regt allerdings auf, aber man kann sich nicht abschließen,« sagte
eine andere Dame. »Wäre ich eine Römerin gewesen, ich würde keine
Cirkusvorstellung versäumt haben.«
Anna sagte nichts; sie blickte, das Glas nicht von dem Auge nehmend, auf
einen bestimmten Punkt.
In diesem Augenblick schritt ein hochgewachsener General durch die
Tribüne. Aleksey Aleksandrowitsch brach sein Gespräch ab, stand hastig,
aber würdevoll auf und verbeugte sich tief vor dem vorbeischreitenden
Offizier.
»Reitet Ihr nicht mit?« scherzte dieser mit ihm.
»Mein Reiten ist schwieriger,« versetzte Aleksey Aleksandrowitsch
ehrfurchtsvoll.
Obwohl diese Antwort nichts weiter in sich schloß, machte der General
doch ein Gesicht, als habe er ein geistreiches Wort von einem
geistreichen Menschen vernommen, und vollkommen die =pointe de la sauce=
verstanden.
»Jede Sache hat zwei Seiten,« fuhr Aleksey Aleksandrowitsch hierauf
fort, »es giebt Schauspieler und Zuschauer. Die Liebe für diese
Schauspiele ist das echteste Kennzeichen niederer Entwickelung seitens
der Zuschauer. Ich gebe ja das zu, allein« --
»Fürstin, =pari=!« rief plötzlich von oben die Stimme Stefan
Arkadjewitschs, der sich zu Bezzy gewandt hatte.
»Auf wen haltet Ihr?«
»Anna und ich auf den Fürsten Kuzowleff,« antwortete Bezzy.
»Ich auf Wronskiy. Ein Paar Handschuhe!«
»Gilt!« --
»Wie hübsch; nicht wahr?«
Aleksey Aleksandrowitsch war verstummt, während man um ihn herum sprach,
doch hub er sogleich wieder an.
»Ich bin ja einverstanden, es giebt keine Männerspiele, die« --
In der nämlichen Sekunde begann das Rennen und alle Gespräche wurden
abgebrochen.
Aleksey Aleksandrowitsch war gleichfalls verstummt. Alles erhob sich von
den Sitzen und eilte nach dem Flusse.
Aleksey Aleksandrowitsch interessierte sich nicht für die Rennen und
blickte deshalb gar nicht nach den Reitenden hinüber, sondern begann
zerstreut mit abgespannten Blicken die Zuschauer zu mustern. Sein Blick
blieb auf Anna ruhen.
Ihr Gesicht war bleich und herb. Sie sah und hörte offenbar nichts,
ausgenommen einen Einzigen. Ihre Hand preßte krampfhaft den Fächer, sie
atmete nicht.
Er blickte sie an und wandte sich dann hastig ab, auf andere Gesichter
schauend.
»Auch jene Dame dort -- und andere nicht minder -- sehen höchst erregt
aus, das ist ja sehr natürlich,« sagte Aleksey Aleksandrowitsch zu sich
selbst.
Er wollte nicht auf sie blicken, aber sein Auge blieb unwillkürlich auf
ihr haften. Er schaute wiederum in ihr Antlitz, sich bemühend, das nicht
zu lesen, was so klar auf ihm geschrieben stand, und gegen seinen
Willen, mit Entsetzen, las er auf demselben, was er nicht erkennen
wollte.
Der erste Sturz Kuzowleffs bei dem Flusse brachte alles in Aufregung,
aber Aleksey Aleksandrowitsch sah klar auf dem bleichen, triumphierenden
Gesicht Annas, daß der, dem sie mit den Augen folgte, nicht gestürzt
war.
Als hierauf, nachdem Machotin und Wronskiy die große Barriere genommen
hatten, der folgende Offizier ebendaselbst auf den Kopf stürzte und wie
tot auf dem Platze blieb, als ein Schrei des Entsetzens durch die
Zuschauermassen ging, da sah Aleksey Aleksandrowitsch, daß Anna dies
gar nicht einmal bemerkt hatte und nur mit Mühe faßte, wovon man ringsum
sprach. Immer tiefer und tiefer, mit größter Beharrlichkeit bohrte sich
sein Blick in sie hinein.
Anna, förmlich verschlungen von dem Anblick des dahinjagenden Wronskiy,
empfand den von seitwärts auf sich gerichteten Blick der kalten Augen
ihres Gatten.
Sie schaute für einen Augenblick empor, blickte ihn fragend an,
verfinsterte sich leicht und wandte sich dann wieder weg, als wollte sie
ihm sagen, daß alles ihr gleichgültig sei, und nun schaute sie nicht ein
einziges Mal mehr nach ihm.
Das Rennen verlief sehr unglücklich. Von den siebzehn Teilnehmern an
demselben waren mehr als die Hälfte gestürzt und bei seiner Beendigung
befand sich alles in einer Aufregung, die sich noch mehr erhöhte, weil
der Zar mißvergnügt darüber geworden war.
29.
Alle äußerten laut ihre Mißbilligung, alle wiederholten die von irgend
jemand geäußerte Phrase, »das reichte nur an einen Cirkus mit
Löwenkämpfen« heran, und ein Entsetzen teilte sich jedermann mit, so
daß, als Wronskiy stürzte und Anna laut aufschrie, hierin nichts
Außergewöhnliches lag.
In dem Gesicht Annas aber ging nun eine Veränderung vor sich, welche
vollständig gegen alle Etikette verstieß.
Sie war gänzlich außer Fassung geraten und sank in sich zusammen wie ein
gefangener Vogel, bald wollte sie sich erheben und forteilen; bald
wandte sie sich an Bezzy.
»Fahren wir ab, gehen wir!« rief sie der Fürstin zu.
Aber Bezzy hörte sie gar nicht; sie sprach soeben nach vorn
hinabgebeugt, mit einem an sie herangetretenen General.
Aleksey Aleksandrowitsch trat zu Anna und reichte ihr höflich die Hand.
»Gehen wir, wenn es Euch gefällig ist,« sagte er in französischer
Sprache, aber Anna hörte nur auf das, was der General berichtete und
bemerkte ihren Mann gar nicht.
»Auch den Fuß hat er gebrochen, sagt man,« erzählte der General, »so
etwas ist noch nicht dagewesen!«
Anna erhob, ohne ihrem Manne zu antworten, das Augenglas und blickte
nach dem Platze, auf welchem Wronskiy gestürzt war; derselbe lag aber
soweit entfernt, und es drängte sich soviel Volks dort, daß nichts zu
unterscheiden war.
Sie ließ das Augenglas sinken und wollte gehen, aber im nämlichen
Augenblick kam ein Offizier herangesprengt, welcher dem Zaren einen
Rapport brachte. Anna beugte sich lauschend nach vorn.
»Stefan, Stefan!« rief sie ihrem Bruder zu.
Aber auch ihr Bruder hörte sie nicht, und sie wollte abermals von ihrem
Platze forteilen.
»Ich biete Euch noch einmal meinen Arm, falls Ihr zu gehen wünscht,«
wiederholte Aleksey Aleksandrowitsch, ihren Arm berührend. Mit
Widerwillen wandte sie sich von ihm ab und antwortete, ohne ihm ins
Gesicht zu blicken:
»Nein, nein, laßt mich, ich will bleiben!«
Sie sah jetzt, daß von dem Platze aus, auf welchem Wronskiy gestürzt
war, ein Offizier durch den Kreis hindurch nach den Tribünen lief. Bezzy
winkte ihm mit dem Taschentuch; der Offizier brachte die Nachricht, daß
der Reiter nicht tot sei, sein Pferd aber das Kreuz gebrochen habe.
Als Anna dies vernommen hatte, setzte sie sich schnell wieder nieder und
bedeckte das Gesicht mit ihrem Fächer.
Aleksey Aleksandrowitsch gewahrte, daß sie weinte und weder ihre Thränen
zurückzuhalten vermochte, noch selbst das Schluchzen, welches ihre Brust
hob.
Aleksey Aleksandrowitsch deckte sie mit seiner Person, ihr Zeit
gewährend, sich zu fassen.
»Zum drittenmal biete ich Euch meinen Arm,« sprach er nach einiger Zeit,
sich nochmals zu ihr wendend. Anna blickte ihn an, ohne zu wissen, was
sie antworten sollte. Die Fürstin Bezzy kam ihr indessen zu Hilfe.
»Nein; Aleksey Aleksandrowitsch, ich habe Anna mit mir hergeführt, und
habe gelobt sie wieder mitzunehmen,« mischte sie sich ein.
»Entschuldigt mich, Fürstin,« sagte er ihr mit höflichem Lächeln, aber
fest ins Auge schauend, »ich bemerke doch, daß Anna nicht recht wohl ist
und wünsche daher, daß sie mit mir fährt.«
Anna blickte erschreckt empor, stand gehorsam auf und legte ihren Arm in
den ihres Gatten.
»Ich werde zu ihm senden, mich erkundigen und Nachricht senden,«
flüsterte ihr Bezzy zu.
Beim Verlassen der Tribüne unterhielt sich Aleksey Aleksandrowitsch ganz
so, wie gewöhnlich, mit den ihm Begegnenden, und Anna mußte, ganz so wie
gewöhnlich, mit antworten und mit sprechen; aber sie war sich selbst
nicht mehr ähnlich, und schritt wie im Traume am Arm ihres Mannes dahin.
»Ist er tot oder nicht? Ist es überhaupt wahr? Wird er heute kommen oder
nicht? Werde ich ihn heute wiedersehen?« dachte sie.
Wortlos setzte sie sich in den Wagen Aleksey Aleksandrowitschs, wortlos
fuhr sie aus dem Haufen der Equipagen weg.
Ungeachtet alles dessen, was er wahrgenommen hatte, erlaubte sich
Aleksey Aleksandrowitsch noch immer nicht, über den thatsächlichen
Zustand seiner Frau Betrachtungen anzustellen.
Er sah nur äußerliche Kennzeichen. Er sah, daß sie gegen den Ton
verstoßen hatte und erachtete es für seine Pflicht, ihr das zu sagen.
Aber es wurde ihm sehr schwer, nicht auch noch mehr zu sagen, sondern
nur dies allein.
Er öffnete den Mund, um ihr zu sagen, wie sie sich taktlos benommen
hätte, aber unwillkürlich brachte er etwas ganz anderes heraus.
»Wie sehr sind wir doch alle diesen grausamen Schauspielen zugethan,«
sagte er, »ich bemerke« --
»Was? Ich verstehe nicht,« versetzte Anna verächtlich.
Er fühlte sich verletzt, und begann sofort, zu sagen, was er sagen
wollte.
»Ich muß Euch sagen,« -- begann er.
»Jetzt kommt die Erklärung,« dachte sie und es wurde ihr bang zu Mute.
»Ich muß Euch sagen, daß Ihr Euch heute taktlos benommen habt,« sprach
er auf französisch.
»Inwiefern habe ich mich taktlos benommen?« frug sie laut zurück und
wandte den Kopf schnell nach ihm um, ihm gerade ins Auge blickend, aber
durchaus nicht mehr mit dem früheren, eine gewisse Heiterkeit
verbergenden Ausdruck, sondern mit entschlossener Miene, unter der sie
nur mit Mühe die Furcht, die sie empfand, verbarg.
»Vergeßt nicht,« sagte er zu ihr, auf das geöffnete Fenster des Wagens
hinter dem Kutscher hinweisend.
Er erhob sich und zog das Fenster auf.
»Was habt Ihr für unangemessen befunden?« wiederholte sie.
»Jenen Verzweiflungsausbruch, den Ihr nicht imstande waret zu verbergen,
bei dem Sturze eines der Reitenden.« Er wartete, daß sie etwas entgegnen
solle, aber sie schwieg, vor sich hinschauend. »Ich bat Euch schon
einmal, Euch so zu benehmen in der Welt, daß auch die bösen Zungen
nichts gegen Euch sagen könnten. Es gab eine Zeit, in welcher ich Euch
nur von inneren Beziehungen reden konnte; jetzt rede ich nicht mehr von
ihnen. Jetzt rede ich von den äußeren. Ihr habt Euch tadelhaft geführt,
und ich wünschte, daß sich dies nicht wiederholte.«
Sie hörte kaum die Hälfte seiner Worte, sie empfand Schrecken vor ihm
und dachte nur daran, ob es denn wahr sei, daß Wronskiy nicht tot
geblieben wäre. Sagte man nicht, daß er unversehrt geblieben sei und nur
sein Pferd das Rückgrat gebrochen habe?
Sie lächelte nur verstellt ironisch, als er geendigt hatte, und
antwortete nichts, weil sie gar nicht gehört hatte, was er sagte.
Aleksey Aleksandrowitsch begann rücksichtsloser zu sprechen, aber als er
klar erkannte, worüber er eigentlich redete, teilte sich die nämliche
Bangnis, die Anna empfunden hatte, auch ihm mit. Er sah dieses Lächeln
und ein seltsamer Irrtum überkam ihn.
»Sie lächelt über meinen Verdacht und wird wohl sogleich das Nämliche
wieder sagen, was sie mir damals gesagt hat: daß es keinen Grund zu
Verdacht für mich gebe, und all das lächerlich sei.«
Jetzt, da über ihm die Entdeckung schwebte, erwartete er nichts so sehr,
als daß sie ihm so ironisch wie früher antworten möchte, sein Verdacht
sei lächerlich und entbehrte der Begründung. So furchtbar war es, was er
jetzt wußte, daß er in diesem Augenblick bereit war an alles zu
glauben.
Aber der Ausdruck ihres Gesichts, welches erschreckt und finster aussah,
verhieß ihm jetzt nicht einmal eine Täuschung mehr.
»Möglich ja, daß ich mich irre,« sagte er, »in diesem Falle bitte ich um
Entschuldigung.«
»Nein; Ihr habt nicht geirrt,« sagte sie langsam, ihm verzweiflungsvoll
in sein kaltes Antlitz blickend. »Ihr habt nicht geirrt. Ich war in
Verzweiflung und mußte es sein. Ich höre Euch wohl, aber ich denke an
ihn. Ich liebe ihn und bin seine Geliebte. Ich kann Euch nicht mehr
ertragen, ich fürchte, -- ich hasse Euch! Macht mit mir, was Ihr wollt.«
--
Sie warf sich in die Ecke des Wagens und begann zu schluchzen, das
Gesicht mit den Händen bedeckend.
Aleksey Aleksandrowitsch regte sich nicht; er wechselte auch die gerade
Richtung seines Blickes nicht, seine Züge aber nahmen urplötzlich die
feierliche Unbeweglichkeit eines Toten an, und dieser Ausdruck änderte
sich nicht während der ganzen Dauer der Fahrt bis zu dem Landsitz.
Als man am Hause angekommen war, wandte er sein Haupt mit noch ganz dem
nämlichen Ausdruck nach ihr hin.
»Gut. Aber nichtsdestoweniger fordere ich die Beobachtung der
äußerlichen Bedingungen des Anstandes bis dahin« -- seine Stimme erbebte
-- »wo ich Maßnahmen getroffen haben werde, welche meine Ehre wahren
sollen, und die werde ich Euch mitteilen.«
Er stieg vor ihr aus und hob sie aus dem Wagen. Vor dem Diener drückte
er ihr die Hand, setzte sich dann wieder in den Wagen und fuhr nach
Petersburg davon.
Bald nach seiner Abfahrt kam ein Diener von der Fürstin Bezzy und
brachte Anna ein Billet:
»Ich habe zu Aleksey gesandt um mich nach seinem Befinden zu erkundigen.
Er schreibt mir, daß er gesund und unverletzt, aber in Verzweiflung
sei.« --
»Wenn er nur unverletzt ist!« dachte sie, »wie gut habe ich daran
gethan, ihm alles zu gestehen.« -- Sie blickte nach der Uhr. Es waren
noch drei Stunden übrig und die Erinnerung an die Einzelheiten ihres
letzten Zusammenseins brachten ihr das Blut zum Sieden. »Mein Gott, wie
hell es ist. Es ist entsetzlich, aber ich liebe es, sein Antlitz zu
sehen und liebe dieses phantastische Licht. Und mein Gatte? O! Aber Gott
sei gedankt, daß mit ihm alles vorüber ist.«
30.
Wie in allen kleinen Orten, an denen Leute zusammenströmen, so hatte
sich auch in dem kleinen deutschen Badeort, wohin die Schtscherbazkiy
gereist waren, jene übliche Krystallisation unter der Gesellschaft
vollzogen, die jedem Mitgliede derselben seinen bestimmten und
unveränderlichen Platz anweist.
Wie ein Wasserteilchen in der Kälte bestimmt und unwandelbar die
bekannte Form eines Schneeflockenkrystalls annimmt, ganz so wurde auch
hier jede im Bad neuangekommene Person sogleich in den ihr gebührenden
Platz eingewiesen.
Der »Fürst Schtscherbazkiy samt Gemahlin und Tochter« hatten sich nach
dem Quartier, welches sie mieteten, sowie nach dem Namen, und den
Bekannten, die sie antrafen, sogleich in der ihnen bestimmten und vorher
festgesetzten Kaste einkrystallisiert.
In dem Bade befand sich in diesem Jahre eine wirkliche, deutsche
Fürstin, infolge dessen sich die Krystallisation der Gesellschaft noch
energischer vollzog.
Die Fürstin wollte um jeden Preis der deutschen Prinzessin ihre Tochter
vorstellen und am nächsten Tage schon vollzog sie diese Ceremonie.
Kity knixte tief und graziös in ihrer aus Paris verschriebenen, »sehr
einfachen«, das heißt sehr eleganten Sommerrobe.
Die deutsche Prinzessin sagte zu ihr: »Ich hoffe, daß die Rosen bald auf
dieses liebe Gesichtchen zurückkehren mögen,« und für die
Schtscherbazkiy wurde damit der Weg der Etikette, aus dem nicht mehr
herauszutreten war, sogleich fest vorgezeichnet.
Die Schtscherbazkiy waren auch mit der Familie einer englischen Lady und
mit einer deutschen Gräfin und deren im letzten Kriege verwundetem
Sohne, bekannt geworden, sowie mit einem schwedischen Gelehrten und mit
einem Mr. Canut nebst Schwester.
Aber der hauptsächlichste Verkehrskreis der Schtscherbazkiy bestand aus
einer Moskauer Dame Marja Eugenie Rtischtschewaja mit Tochter, welche
Kity unsympathisch war, weil dieselbe an der nämlichen Krankheit litt
wie sie, an unglücklicher Liebe -- und einem Moskauer Obersten, den Kity
von Kindheit an nur in Uniform und Epauletten gesehen hatte und kannte,
und der hier, mit seinen kleinen Äuglein, dem offenen Hals mit dem
farbigen Shlips, außerordentlich lächerlich und langweilig wurde, da man
sich nicht von ihm frei machen konnte.
Da alle diese Verhältnisse so fest beobachtet wurden, begann sich Kity
sehr zu langweilen, und zwar umsomehr, als der Fürst nach Karlsbad
gefahren war, und sie mit der Mutter allein zurückblieb.
Sie interessierte sich nicht für die Leute, welche sie kannte, da sie
fühlte, daß von ihnen nichts Neues mehr zu erwarten war. Das
hauptsächlichste und lebhafteste Interesse im Bade gewährte ihr jetzt
die Beobachtung und Beurteilung derjenigen, welche sie nicht kannte.
Nach der Eigenart ihres Charakters, vermutete Kity stets in den Leuten
nur das Beste, und besonders in denjenigen, die sie nicht kannte. Auch
jetzt, als sie Betrachtungen darüber anstellte, wer dieser oder jener
sei, und in welchen Beziehungen die Beobachteten untereinander stehen
mochten, auch wie sie überhaupt sein könnten, konstruierte sich Kity die
wundersamsten und edelsten Charaktere, und fand auch die Bestätigung
dafür in ihren Beobachtungen.
Unter diesen Charakteren beschäftigte sie namentlich eine junge
russische Dame, die mit einer kranken Landsmännin in das Bad gekommen
war, mit einer Madame Stahl, wie man sie allgemein nannte.
Madame Stahl gehörte der vornehmsten Gesellschaft an, war aber so krank,
daß sie nicht mehr zu gehen vermochte, und sich nur selten, an besonders
schönen Tagen, im Bad in einem kleinen Fahrwagen zeigte.
Es war indessen weniger ihre Krankheit, als vielmehr ihr Stolz, welcher,
nach der Erklärung der Fürstin Madame Stahl mit keinem der russischen
Badegäste Umgang pflegen ließ.
Die junge russische Dame pflegte sorglich Madame Stahl und kümmerte sich
auch, wie Kity bemerkte, außerdem noch um sämtliche Schwerkranke, deren
es viele in dem Bade gab, in der natürlichsten, herzlichsten Weise.
Diese junge Russin war, nach Kitys Beobachtungen, keine Verwandte von
Madame Stahl, aber ebensowenig eine gemietete Krankenpflegerin. Madame
Stahl nannte sie Warenka, die anderen aber hießen sie »Mademoiselle
Warenka«.
Ganz abgesehen davon, daß Kity schon die Beobachtung der Beziehungen
dieses jungen Mädchens zur Frau Stahl und zu anderen ihr unbekannten
Personen interessierte, empfand diese, wie das oft zu gehen pflegt, eine
unerklärliche Sympathie zu dieser Mademoiselle Warenka und fühlte, nach
den sich begegnenden gegenseitigen Blicken zu urteilen, daß auch sie
gefiel.
Mademoiselle Warenka war nicht mehr in dem Alter, welches man die erste
Jugend nennen konnte, sondern sie war gewissermaßen ein Wesen ohne
Jugend.
Man konnte sie vielleicht für neunzehnjährig halten -- aber ebenso gut
auch für dreißigjährig. Musterte man ihre Züge, so war sie, trotz der
krankhaften Farbe ihres Gesichts eher hübsch, als häßlich.
Sie war vielleicht auch hübsch gewachsen, wenn nicht die allzugroße
Hagerkeit ihres Körpers gewesen wäre, und der Kopf zu ihrem mittleren
Wuchs nicht im Mißverhältnis gestanden hätte. Für die Männerwelt aber
mußte sie ja auch nicht anziehend sein. Sie glich einer schönen, zwar
noch blätterreichen, aber doch schon verblühten und geruchlos gewordenen
Blume.
Abgesehen hiervon aber konnte sie auch noch deshalb für die Männer nicht
anziehend sein, weil ihr das abging, was Kity in zu hohem Maße besaß --
die noch gefesselte Lebensglut und das Bewußtsein eigener
Anziehungskraft.
Sie schien stets mit einer Aufgabe beschäftigt zu sein, in der es für
sie keine Unsicherheit geben konnte, und infolge dessen, schien es,
vermochte sie sich auch nicht für Nebensächliches zu interessieren.
Aber gerade mit diesem Widerspruch mit sich selbst zog sie Kity zu sich
hin. Kity empfand, daß sie in ihr, in ihrer Lebensgeschichte ein Vorbild
für das finden werde, was sie jetzt so sehnlich suchte; ein
Lebensinteresse, Würdigung des Daseins, die außerhalb der für Kity so
widerlich gewordenen Beziehungen des weiblichen Elements zu dem
männlichen lägen, jener Beziehungen, welche ihr jetzt als eine
schmachvolle Menschenwarenausstellung, die der Käufer harrte, erschien.
Je mehr Kity ihre unbekannte Freundin beobachtete, umsomehr überzeugte
sie sich, daß dieses Mädchen ein solches, wirklich vollkommenes Geschöpf
sei, als das sie sich diese gedacht hatte, und umsomehr wünschte sie
nun, mit ihr bekannt zu werden.
Beide Mädchen begegneten sich täglich mehrere Male und bei jeder
Begegnung sprachen die Augen Kitys »wer bist du und was bist du? Du mußt
doch das herrliche Geschöpf in Wahrheit sein, welches ich mir in dir
vorstelle. Aber denke nicht,« sprach ihr Blick weiter, »daß ich mir
gestatten würde, mich dir freundschaftlich anzuschließen; ich
interessiere mich lediglich für dich und liebe dich.«
»Auch ich liebe dich und du bist gut, sehr gut,« antwortete ihr der
Blick des unbekannten Mädchens, »und ich würde dich noch viel mehr
lieben, wenn ich die Zeit dazu hätte.«
Und in der That, Kity gewahrte, daß sie fortwährend beschäftigt war;
entweder holte sie die Kinder der russischen Familie von der Quelle ab,
oder sie trug das Plaid für die Kranke und hüllte diese darin ein, oder
sie bemühte sich, einen aufgeregten Leidenden zu zerstreuen, oder sie
ging, um Gebäck zum Kaffee für jemand auszuwählen und zu kaufen.
Bald nach der Ankunft der Schtscherbazkiy erschienen bei der Morgenkur
noch zwei weitere Badegäste, welche eine allgemeine Aufmerksamkeit,
freilich nicht angenehmer Art, erregten.
Der eine war ein sehr großer Mann, von gekrümmter Haltung, mit großen
Händen und in einem kurzen, schlecht sitzenden, alten Überzieher. Er
hatte schwarze, offenherzige, zugleich aber auch furchterweckende Augen.
Mit ihm war ein pockennarbiges, aber gutmütig aussehendes Weib von
großer Häßlichkeit und in geschmackloser Kleidung.
Nachdem Kity diese beiden als Russen erkannt hatte, begann sie sich in
ihrer Einbildungskraft schon einen schönen und rührenden Roman über sie
zu machen, aber die Fürstin, aus der Kurliste ersehend, daß dies Lewin
Nikolay und Marja Nikolajewna waren, erklärte Kity, welch ein böser
Mensch dieser Lewin sei und alle Traumgebilde des jungen Mädchens über
diese beiden Menschen entschwanden.
Nicht nur, weil die Mutter ihr dies mitteilte, sondern auch deshalb,
weil jener ein Bruder Konstantin Lewins war, erschienen ihr diese
Personen plötzlich im höchsten Grade unangenehm.
Dieser Lewin erweckte in ihr jetzt, mit seiner Gewohnheit, mit dem Kopfe
zu zerren, ein unbesiegbares Gefühl der Abneigung.
Es schien ihr, als ob in seinen großen, furchterregenden Augen, welche
sie hartnäckig verfolgten, eine Empfindung von Haß und Spott läge, und
sie bemühte sich, Begegnungen mit diesem Manne zu vermeiden.
31.
Es war ein bodenlos morastiger Tag; der Regen fiel schon den ganzen
Vormittag und die Kranken drängten sich in den Veranden mit ihren
Sonnenschirmen.
Kity ging mit ihrer Mutter und dem Moskauer Obersten, der heiter in
seinem, nach europäischem Schnitt fertig in Frankfurt gekauften
Überzieher plauderte.
Sie gingen auf der einen Seite der Veranda und suchten Lewin
auszuweichen, der auf der anderen ging. Warenka in ihrem dunkeln Kleide
und dem schwarzen Hute mit nach unten gebogenen Krempen, ging mit einer
blinden kleinen Französin die lange Veranda hindurch, stets, wenn sie
Kity begegnete, freundliche Blicke mit dieser austauschend.
»Mama, darf ich nicht ein Gespräch mit ihr anknüpfen?« frug Kity, ihrer
unbekannten Freundin folgend und bemerkend, daß dieselbe zu dem Brunnen
schritt, wo man bequem miteinander in Berührung treten konnte.
»Ja wohl, wenn du es so gern willst. Doch werde ich mich selbst zuvor
über sie orientieren und zu ihr hingehen,« antwortete die Mutter. »Was
findest du denn an ihr Besonderes? Eine Gesellschafterin wird sie doch
wohl nur sein. Wenn du willst, werde ich mich mit Madame Stahl bekannt
machen. Ich habe ihre =belle soeur= gekannt,« fügte die Fürstin hinzu,
stolz das Haupt erhebend.
Kity wußte, daß die Fürstin unangenehm davon berührt worden war, daß
Madame Stahl es zu vermeiden suchte, mit ihr Bekanntschaft zu machen,
sie drängte sie daher nicht.
»Es ist seltsam, wie lieb sie erscheint!« antwortete sie nur, nach
Warenka blickend, gerade als diese der kleinen Französin ein Glas
Brunnen reichte. »Seht nur, wie einfach alles bei ihr ist, wie lieb.«
»Deine =engouements= sind mir entsetzlich,« sagte die Fürstin, »gehen wir
doch lieber zurück,« fügte sie alsdann hinzu, indem sie bemerkte, daß
Lewin in Begleitung seiner Dame und eines deutschen Arztes, mit welchem
er sehr laut und heftig sprach, auf sie zukam.
Man wandte sich um, um zurückzukehren, als plötzlich schon nicht mehr
ein lautes Sprechen, sondern ein Schreien hörbar wurde.
Lewin war stehen geblieben und schrie, der Arzt aber war gleichfalls in
Zorn geraten.
Ein Trupp Menschen sammelte sich um die beiden. Die Fürstin und Kity
entfernten sich schleunigst, während sich der Oberst zu dem Haufen
gesellte, um in Erfahrung zu bringen, um was es sich handelte.
Nach einigen Minuten hatte derselbe die Damen wieder eingeholt. »Was gab
es denn dort?« frug die Fürstin.
»Schimpf und Schande!« antwortete der Oberst. »Vor dem einem muß man
sich stets in acht nehmen, daß man mit Russen im Auslande
zusammentrifft. Jener große Herr stritt sich mit seinem Arzte und sagte
ihm Grobheiten dafür, daß er ihn nicht gesund mache. Dabei schwang er
sogar seinen Stock. Es ist einfach eine Schande!«
»O, wie unangenehm!« äußerte die Fürstin, »und womit endete die Scene?«
»Gott sei Dank mischte sich jene Dame hinein, -- die, deren Hut wie ein
Pilz aussieht. Sie ist eine Russin wie mir scheint,« sagte der Oberst.
»Mademoiselle Warenka?« frug Kity freudig.
»Ja wohl. Sie verstand schneller fertig zu werden, als jeder andere;
nahm jenen Herrn einfach am Arme und führte ihn hinweg.«
»Da seht Ihr, =Maman=,« sagte Kity zu ihrer Mutter, »Ihr wundert Euch, daß
ich von ihr entzückt bin!«
Vom folgenden Tage ab bemerkte Kity, ihre unbekannte Freundin
beobachtend, daß Mademoiselle Warenka mit Lewin, sowie mit dessen
Begleiterin schon in den nämlichen Beziehungen stand, wie mit ihren
übrigen Schutzbefohlenen.
Sie stand ihnen bei, unterhielt sich mit ihnen, und machte die
Dolmetscherin für das Weib Lewins, welches sich in keiner einzigen
fremden Sprache auszudrücken wußte.
Kity begann nun der Mutter noch mehr anzuliegen, ihr die Bekanntschaft
mit Warenka zu gestatten, und so unangenehm es der Fürstin auch sein
mochte, den ersten Schritt zur Erfüllung des Wunsches mit Madame Stahl
bekannt zu werden, welche sich offenbar auf eine unbekannte Eigenschaft
viel einbildete, thun zu sollen, stellte sie dennoch Erkundigungen über
Warenka an, näherte sich -- nachdem sie Einzelheiten über diese
vernommen hatte, welche darauf schließen ließen, daß etwas Übles nicht
zu befürchten sei, obwohl sich auch nicht viel Gutes über diese
Bekanntschaft ergab -- selbst Warenka und machte sich mit dieser
bekannt.
Indem sie die Zeit auswählte, in welcher ihre Tochter zum Brunnen ging,
Warenka aber vor dem Bäcker stand, trat die Fürstin zu ihr.
»Gestattet mir, mich mit Euch bekannt zu machen,« begann sie mit ihrem
würdevollen Lächeln. »Meine Tochter hat Euch liebgewonnen. Vielleicht
aber kennt Ihr mich nicht; ich« --
»Das Vergnügen ist für mich ein ganz besonderes, Fürstin,« antwortete
Warenka schnell.
»Welch ein gutes Werk habt Ihr gestern an unserem bemitleidenswerten
Landsmann vollbracht,« fuhr die Fürstin fort.
Warenka errötete.
»Ich weiß nicht mehr recht -- wie es scheint -- ich habe doch gar nichts
gethan,« antwortete sie.
»O doch; Ihr habt jenen Lewin vor einer Unannehmlichkeit bewahrt.«
»Ach ja; =sa compagne= rief mich herbei und ich habe mich nur bemüht, ihn
zu beruhigen. Er ist sehr krank und war mit dem Arzte unzufrieden. Ich
habe eben die Gewohnheit, solchen Kranken Beistand zu leisten.«
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