Kibitze; hoch droben in der Luft aber flogen mit ihrem Frühlingsgeschrei
Kraniche und wilde Gänse.
Es brüllte auf den Triften das Vieh, welches das Winterhaar noch nicht
ganz abgelegt hatte, spielten die steiffüßigen Lämmer um ihre blökenden
Mütter, die ihre Wolle verloren, und schnellfüßige Kinder liefen auf
den, mit den Abdrücken der nackten Füße trocken gewordenen Wiesenpfaden
umher. Die heiteren Stimmen der Weiber kreischten am Dorfteich bei der
Leinwand und die Äxte der Bauern erschallten auf den Höfen der Güter bei
der Ausbesserung der Pflugscharen und Eggen. Der Frühling war nun
wirklich gekommen.
13.
Lewin hatte hohe Stiefel angezogen und ging zum erstenmal ohne Pelz und
nur mit einer Tuchjacke bekleidet, nach der Ökonomie, die kleinen Bäche
durchschreitend, die ihm mit ihrem Glanze in der Sonne die Augen
blendeten, und bald auf Eis tretend, bald auf schlüpfrigen Schlamm.
Der Frühling ist die Zeit der Pläne und Unternehmungen. Als Lewin
hinaustrat, selbst wie ein Baum im Frühling, der noch nicht weiß, wohin
und wie sich seine jungen Schößlinge und Zweige, die noch in den Knospen
sind, entwickeln werden, so wußte er selbst noch nicht, welcher Arbeit
er in seinem geliebten Berufe sich jetzt zuerst widmen sollte, aber er
fühlte, daß er reich an Ideen und den besten Vorsätzen sei.
Vor allem wandte er sich nach seinem Vieh. Die Kühe waren hinausgeführt
worden in die Sonnenwärme; sie brüllten dort, glänzend in dem neuen
glatten Haar, das in der Sonne wärmer wurde und wollten auf das Feld
hinaus. An den ihm bis in die kleinste Einzelheit bekannten Tieren sich
ergötzend, befahl Lewin, sie auf das Feld zu treiben, die Kälber aber in
die Sonne zu bringen. Der Hirt lief fröhlich, sich fertig zu machen. Die
Kuhweiber in den nackten, jetzt noch weißen und nicht von der Sonne
verbrannten Füßen, laufen mit ihren Reisern im Schlamme hinter den
brüllenden vor Freude über den Frühling aufgeregten Kälbern her und
treiben sie auf den Hof.
Lewin wandte sich freundlich zu dem jungen Satz dieses Jahres, der
außerordentlich befriedigend gewesen war. Die Frühkälber waren an Größe
fast wie die Bauerkühe, die Tochter der Pawa von drei Monaten war an
Größe den vorjährigen Kälbern gleich. Er befahl, ihnen einen Trog
herauszubringen und Heu hinter die Gitter zu geben. Aber da stellte sich
heraus, daß diese defekt waren. Er sandte nach dem Zimmermann, welcher
seinem Befehle nach bei der Dreschmaschine sein mußte; es zeigte sich
aber, daß derselbe gerade Eggen ausbesserte, die längst, schon seit der
Woche vor den großen Fasten hatten ausgebessert sein sollen. Dies war
sehr verdrießlich für Lewin; es war verdrießlich, daß er immer wieder
auf diese Unordnung in der Wirtschaft stieß, gegen welche er nun schon
seit so vielen Jahren mit allen Kräften ankämpfte.
Die Gitter waren, wie er erfuhr, im Winter nicht nötig und daher in den
Geschirrstall gebracht worden, hier aber in die Brüche gegangen, weil
sie für die Kälber nur leicht gearbeitet waren.
Weiterhin aber zeigte sich auch, daß die Eggen und alle Ackergeräte die
noch während des Winters hatten revidiert und ausgebessert werden
sollen, zu welchem Zwecke eigens drei Stellmacher angenommen worden
waren, nicht repariert dastanden, und daß die Eggen nur ausgebessert
wurden, wenn man sie auf dem Felde brauchte.
Lewin sandte nach dem Verwalter, ging aber gleich darauf selbst, um ihn
ausfindig zu machen. Der Verwalter, welcher heute ebenso glänzte, wie
alles an diesem Tage, kam in seinem gesäumten Lammpelze von der Tenne,
mit den Fingern einen Strohhalm zerknickend.
»Weshalb ist der Stellmacher nicht bei der Dreschmaschine?«
»Ich wollte schon gestern melden, daß wir Eggen ausbessern müssen. Es
muß ja gepflügt werden.«
»Und was ist denn da im Winter gemacht worden?«
»Wozu braucht Ihr jetzt den Stellmacher?«
»Wo sind die Gitter vom Kälberhof!«
»Ich habe befohlen, sie an ihre Stelle zu bringen. Was soll man aber mit
diesem Volke machen!« sagte der Verwalter, mit der Hand winkend.
»Nicht mit diesem Volke, sondern diesem Verwalter!« rief Lewin
aufbrausend. »Für was halte ich Euch eigentlich!« rief er, aber zur
Besinnung kommend, daß man damit nicht viel erreiche, hielt er inmitten
seiner Rede inne und seufzte nur.
»Nun, können wir denn säen?« frug er endlich nach einigem Schweigen.
»Wie Turkin sagt, morgen oder übermorgen vielleicht.«
»Und der Kleber?«
»Ich habe Wasil und Mischka geschickt, sie dürften säen. Ich weiß nur
nicht, ob sie durchkommen, weil es zu morastig ist.«
»Wie viel Desjatinen laßt Ihr säen?«
»Sechs!«
»Weshalb denn nicht alle?« rief Lewin.
Daß man nur sechs Desjatinen Kleber säte und nicht alle zwanzig, war
noch ärgerlicher. Der Kleber war nach der Theorie sowohl, wie nach
seiner eigenen Erfahrung nur gut zu säen, wenn er so zeitig als möglich
gesät würde, fast schon noch in den Schnee hinein. Lewin hatte dies
indessen niemals durchsetzen können.
»Es sind keine Leute da! Was wollt Ihr mit diesem Volke machen? Drei
sind gar nicht gekommen. Da ist auch der Semjon.«
»Hättet Ihr doch das Stroh sein lassen.«
»Ich habe es auch gelassen.«
»Wo sind die Leute?«
»Fünf sind beim Mist, vier schütten Hafer um. Als ob ich mich nicht
gesputet hätte, Konstantin Dmitritsch!«
Lewin wußte recht wohl, daß sich diese Andeutung darauf bezog, der
englische Samenhafer sei auch schon verdorben -- man hatte also wieder
nicht gethan, was er befohlen hatte.
»Ich habe aber doch noch während der Fasten gesagt, daß« -- rief Lewin.
»Beruhigt Euch, wir thun alles zur rechten Zeit.«
Lewin winkte zornig mit der Hand und ging nach den Scheunen, um den
Hafer zu besichtigen; dann begab er sich nach dem Pferdestall. Der Hafer
war noch nicht verdorben, aber die Arbeiter schütteten ihn mit Schaufeln
um, obwohl es möglich gewesen wäre, ihn gleich direkt in die niedrigere
Scheuer zu schütten. Nachdem Lewin so angeordnet hatte, machte er zwei
Leute frei, die nun zum Säen des Klebers verwendet werden konnten. Lewin
war jetzt ruhiger geworden über den Ärger mit seinem Verwalter. Der Tag
war aber auch so herrlich, daß man nicht zürnen konnte.
»Ignaz!« rief er seinem Kutscher, welcher mit aufgestreiften Ärmeln am
Brunnen den Wagen wusch, »sattle!«
»Welches Pferd?«
»Nun, doch den Kolpik!«
»Sogleich.«
Während das Pferd gesattelt wurde, rief Lewin nochmals den in seiner
Nähe herumlaufenden Verwalter, um sich mit ihm auszusöhnen, und begann
mit ihm über die bevorstehenden Frühjahrsarbeiten zu sprechen und über
seine Wirtschaftspläne.
Man mußte möglichst bald Dünger fahren, damit für die erste Heuernte
alles gut vorbereitet war, dann war ein fern gelegenes Feld fleißig zu
pflügen, um es in gutem brachen Stande zu erhalten und dergleichen mehr.
Der Verwalter hörte aufmerksam zu und strengte sich offenbar an, die
Auseinandersetzungen seines Herrn willig aufzunehmen, allein er besaß
dabei einen Lewin nur zu bekannten, diesen stets gereizt machenden,
ungläubigen und lässigen Zug, welcher gleichsam zu sagen schien, daß das
alles ganz gut sei, wenn Gott es gebe.
Nichts aber erbitterte Lewin mehr, als dieser Ton. Doch war derselbe
leider bei allen Verwaltern zu finden, soviel er deren auch schon gehabt
hatte.
Sie alle beobachteten ein gleiches Verhalten gegenüber den Anordnungen
des Herrn und er geriet deshalb jetzt nicht mehr bloß in Erregung,
sondern in wirkliche Erbitterung und fand sich so noch mehr zum Kampfe
mit dieser elementaren Kraft gestimmt, die er nicht anders zu benennen
vermochte, als mit dem Ausdruck »wenn Gott es giebt«, und die ihm
fortwährend so hartnäckig entgegenwirkte.
»Soweit es uns gelingen wird, Konstantin Dmitritsch,« antwortete der
Mann.
»Und weshalb soll es nicht gelingen?« frug Lewin.
»Wir müssen noch fünfzehn Arbeitskräfte dingen. Es kommen aber keine.
Heute -- waren welche hier; sie wollen jedoch siebzig Rubel jährlich
haben.«
Lewin schwieg; wiederum hatte sich ihm die elementare Kraft
entgegengestemmt. Er wußte, daß so viel man auch probierte, nicht mehr
als vierzig Arbeiter oder etwa siebenunddreißig, auch achtunddreißig
nötig waren; vierzig waren in Dienst genommen, mehr nicht; aber er
mochte nicht streiten.
»Schickt doch nach Sury, nach Tschefirowka, wenn keine kommen, muß man
welche suchen.«
»Ja; schickt nur,« sagte Wasiliy Fjodorowitsch mutlos. »Übrigens sind
auch unsere Pferde recht schwach geworden.«
»Dann müssen wir neue zukaufen; ich weiß ja,« fügte er lachend hinzu,
»daß Ihr alles weniger und schlechter findet; doch in diesem Jahre werde
ich Euch nicht so selbständig Wirtschaft führen lassen. Ich will alles
selbst mit angreifen.«
»Ihr scheint überhaupt wenig schlafen zu können. Uns ist es ja
angenehmer, wenn wir unter den Augen des Gutsherrn sind.«
»Sät man denn den Kleber draußen im Birkenthal? Ich werde selbst
hinausreiten, um nachzusehen,« sagte er, den kleinen Falben Kolpik
besteigend, der ihm vom Kutscher vorgeführt wurde.
»Über den Bach könnt Ihr aber nicht, Konstantin Dmitritsch,« rief der
Kutscher.
»Nun, dann doch durch den Wald.« Und in scharfem Pasgang des guten
starken Pferdes, welches in die Pfützen hinunter schnob, und in die
Zügel biß, ritt Lewin über den schmutzigen Hof nach dem Felde hinaus.
War es ihm schon wohl und heiter zu Mut geworden auf dem Viehhofe, so
wurde dies noch mehr der Fall draußen auf dem Felde.
Langsamen Trabs ritt er dahin auf seinem guten Tier, die noch von
frischem Schneegeruch geschwängerte laue Luft einatmend. Als er durch
den Wald kam, über den hier und da wie Staub noch herumliegenden Schnee
hineilend, freute er sich über jeden seiner Bäume mit dem an der Wurzel
wuchernden Moos, den schwellenden Knospen.
Nachdem er den Wald hinter sich hatte, bereiteten sich vor ihm in
ungeheurer Weite gleich einem sammetnen Teppich, ohne kahle Stellen oder
Wassertümpel die grünen Fluren aus.
Der Anblick eines Bauernpferdes und eines einjährigen Hengstes die seine
Saaten zerstampften -- er befahl dem ihm begegnenden Bauern nur, die
Tiere wegzutreiben -- erzürnte ihn nicht, ebensowenig wie die höhnische
und stupide Antwort des Bauern Ipat, den er getroffen und gefragt hatte,
ob er bald säen würde.
»Erst müssen wir ackern, Konstantin Dmitritsch,« hatte derselbe
geantwortet.
Je weiter Lewin kam, um so wohler wurde es ihm und Wirtschaftspläne,
einer besser als der andere, stiegen vor ihm auf. Er wollte alle seine
Felder mit Gebüsch bepflanzen lassen, nach der Mittagsseite zu, damit
der Schnee ihnen nicht zu sehr schaden könne, eine Meierei auf einem
entfernteren Felde errichten, einen Teich graben lassen und zur
Sicherung des Viehs Verschläge konstruieren die sich transportieren
ließen. Er besaß jetzt dreihundert Desjatinen Weizen, hundert Desjatinen
Kartoffeln und hundertundfünfzig Kleber und keine einzige davon war
erschöpft.
Mit diesen Gedanken ritt Lewin, sein Tier vorsichtig auf den Feldrainen
hinlenkend, damit es ihm nicht die Saaten zertrete, zu seinen Arbeitern
hinaus, welche den Kleber säten.
Der Wagen mit dem Samen stand nicht an dem Rain, sondern auf dem
gepflügten Ackerboden und das Wintergetreide war von den Rädern
zerfahren und den Hufen der Pferde zerstampft. Die beiden Arbeiter saßen
auf dem Rain wie es schien, gemeinschaftlich eine Pfeife rauchend. Die
Erde in dem Wagen, mit welcher der Same gemischt worden war, lag noch
nicht zerkleinert und in Klumpen zusammengefroren.
Als der Arbeiter Wasil den Herrn erblickte, stand er auf und ging zum
Wagen, während Mischka zu säen begann. Sie hatten unrecht gehandelt,
aber auf die Arbeiter wurde Lewin selten ungehalten.
Als Wasil herankam, befahl ihm Lewin, das Pferd nach dem Grenzpfahl zu
führen.
»O, nein, Herr, es könnte sich überanstrengen,« antwortete Wasil.
»Überlege nicht selbst, sondern thue gefälligst was dir befohlen wird,«
antwortete Lewin.
»Ich gehorche.« Wasil nahm das Pferd am Kopfe. »Aber das Säen,
Konstantin Dmitritsch,« sagte er, »es ist erste Sorte. Das Gehen wird
einem hier zur wahren Freude; fast ein Pud Lehm nimmt man an den Schuhen
mit.«
»Warum ist denn die Erde nicht durchgesiebt worden?« frug Lewin.
»Wir zerdrücken sie so,« antwortete Wasil, Samen nehmend und die Erde in
den Händen zerdrückend.
Wasil war nicht daran schuld, daß die Erde nicht gesiebt war, aber es
war doch verdrießlich.
Lewin indessen, der nicht zum erstenmal mit Vorteil das ihm bekannte
Mittel, seinen Ärger hinunterzuschlucken, und alles das, was ihm
schlecht erschien, wieder zu verbessern, angewendet hatte, wandte
dasselbe auch jetzt an. Er sah zu, wie Mischka säend dahinschritt, große
Klumpen Erde, die bei jedem Schritt an seinen Füßen hängen blieben,
wegschleudernd, stieg vom Pferde und nahm Wasil den Samenbeutel weg, um
selbst zu säen.
»Wo hast du aufgehört?«
Wasil wies mit dem Fuße auf sein Merkzeichen und Lewin begann nun selbst
so wie er es verstand, das Erdreich mit dem Samen auszustreuen. Es war
sehr schwierig, hier zu gehen, da der Boden einem Moraste glich; Lewin
geriet bald in Schweiß, als er so dahinwatete und gab endlich,
innehaltend, den Samenbeutel wieder zurück.
»Nun, Herr, im Sommer werdet Ihr mich wohl wegen dieses Säens nicht mehr
schelten!« meinte Wasil.
»Wie meinst du das?« frug Lewin heiter; er fühlte schon die Wirkung des
von ihm angewandten Verfahrens.
»Nun, paßt nur auf im Sommer. Es wird ausgezeichnet. Seht nur, wo ich im
vorigen Jahre gesät habe! Seht Ihr, so habe ich für Euch gesorgt, wie
für einen leiblichen Vater, und liebe es selbst nicht, schlecht zu
arbeiten, heiße es auch keinem anderen. Wenn der Herr sich wohl
befindet, befinden wir uns auch wohl. Schaut man da hinaus,« fuhr Wasil
fort, »so lacht einem das Herz.«
»Ein herrlicher Frühling, Wasil.«
»Ja, ein Frühling, wie sich seiner selbst die ältesten Leute nicht
erinnern. Daheim bei uns habe ich einen alten Großvater, der hat drei
Osminik Weizen gesät; er erzählt, man könne den nicht vom Korn
unterscheiden.«
»Habt Ihr den Weizen schon lange gesät?«
»Ihr habt es uns ja im vergangenen Jahre gezeigt und mir zwei Probemaße
geschenkt. Ein Viertel davon haben wir verkauft, drei Viertel gesät.«
»Sieh zu, zerreib die Klumpen ja,« sagte Lewin, an sein Pferd
hintretend, »und sieh nach Mischka. Wenn alles gut gehen wird, sollst du
fünfzig Kopeken für die Desjatine erhalten.«
»Danke schön, Herr; wir sind Euch ohnehin schon so viel Dank schuldig.«
Lewin saß auf und ritt nun nach dem Felde, auf welchem der vorjährige
Kleber stand und nach demjenigen, welches jetzt gepflügt wurde, damit
Sommerweizen hineinkommen sollte.
Der Stand der Saat war ausgezeichnet für eine Ernte. Der Kleber hatte
schon ausgeschlagen und grünte kräftig zwischen den vorjährigen Stoppeln
herauf.
Das Pferd sank bis an die Knöchel ein und jeden Fuß mußte es unter
schmatzendem Geräusch aus dem Boden herausziehen, der erst halbgethaut
war. Auf dem Ackerfelde aber war gar nicht mehr vorwärts zu kommen; nur
dort, wo noch Eis lag, hielt der Boden ein wenig, aber in den
zerweichten Ackerfurchen sank der Fuß bis an den Knöchel ein. Es war
hier vorzüglich geackert, und in zwei Tagen konnte man hier eggen und
säen. Alles befand sich im besten Stande, alles in bester Harmonie.
Auf dem Rückwege ritt Lewin durch den Bach in der Hoffnung, daß das
Wasser gefallen sein würde. In der That gelangte er glücklich hindurch
und schreckte dabei zwei Enten auf.
»Da müßten auch Waldschnepfen sein,« dachte er, und in der That traf er
schon auf der Rückkehr nach Hause den Waldhüter, welcher seine Vermutung
von den Waldschnepfen bestätigte.
Lewin eilte im Trabe heim, um zu essen und für den Abend seine Flinte
instand zu setzen.
14.
Indem Lewin in heiterster Stimmung in der Nähe seines Hauses ankam,
hörte er eine Schlittenglocke von der Seite des Haupteingangs.
»Da kommt jemand von der Eisenbahn an,« dachte er, »es ist just die Zeit
der Ankunft des Moskauer Zuges. Wer könnte das sein? Ha, wie wenn es
Bruder Nikolay wäre? Er hatte ja gesagt, es wäre möglich, daß er
entweder in das Bad reiste oder vielleicht zu mir käme.«
Es war ihm in der ersten Minute erschreckend und unangenehm, daß die
Gegenwart des Bruders seine heitere, glückliche Frühlingsstimmung stören
sollte. Aber alsbald empfand er Scham ob dieser Empfindung, und,
gleichsam als habe er eine geistige Umarmung bereit, erwartete er ihn
nun mit stiller Freude und wünschte jetzt von ganzer Seele, der
Ankommende möchte sein Bruder sein.
Er trieb das Pferd an und erblickte, hinter die Akazienallee einbiegend,
die herankommende Posttroyka von der Eisenbahnstation und darin einen
Herrn im Pelz. Es war nicht sein Bruder.
»Ach, wenn es dann nur ein angenehmer Gesellschafter ist, mit dem man
wenigstens reden kann,« dachte er.
»Aha!« rief er plötzlich hocherfreut aus, beide Arme hochhebend. »Ah,
der liebe Besuch! Wie freue ich mich über dich!« rief er und erkannte
Stefan Arkadjewitsch.
»Jetzt werde ich sofort erfahren, ob sie schon verheiratet ist, oder
wann dies der Fall sein wird,« dachte er. An diesem herrlichen
Frühlingstag fühlte er, daß ihn die Erinnerung an sie gar nicht mehr
schmerzte.
»Wie; hast du mich nicht erwartet?« frug Stefan Arkadjewitsch, den
Schlitten verlassend, auf Rock, Wange und Brauen ganz bedeckt mit
Schmutz, aber in heiterster Laune und bei bester Gesundheit.
»Ich bin gekommen, um dich erstens zu besuchen,« sagte Stefan
Arkadjewitsch, den Freund umarmend und küssend, »zweitens, auf den
Anstand zu gehen, und drittens meinen Wald in Jerguschowo zu verkaufen.«
»Reizend! Und welchen Frühling haben wir dazu! Bist du gar noch im
Schlitten angekommen?«
»Mit dem Wagen geht es noch schlechter, Konstantin Dimitritsch,«
antwortete der Lewin bekannte Jamschtschik.
»Nun, ich freue mich herzlich, überaus über deine Ankunft,« lächelte
Lewin treuherzig wie ein Kind.
Er führte seinen Gast in das Gastzimmer, in welches auch das Gepäck
Stefan Arkadjewitschs gebracht wurde; ein Reisesack, ein Gewehr in
Lederüberzug, eine Cigarrentasche; und verließ diesen dann, damit er
sich waschen und umkleiden könne, während er selbst sich einstweilen
nach dem Kontor begab, um über das Pflügen und den Kleber Rücksprache zu
nehmen.
Agathe Michailowna, stets außerordentlich um die Reputation des Hauses
besorgt, trat ihm im Vorzimmer mit Fragen über das Abendessen in den
Weg.
»Macht alles, wie Ihr wollt, nur schnell,« sagte er und ging zu dem
Verwalter.
Als er zurückkehrte, trat Stefan Arkadjewitsch, gewaschen, gekämmt und
mit strahlendem Lächeln aus seiner Thür heraus, und beide stiegen nun
nach oben.
»Wie freue ich mich, zu dir gekommen zu sein! Jetzt werde ich erkunden,
worin die Geheimnisse bestehen, welche du hier hütest. Indessen, nein,
ich beneide dich! Welch ein Haus; wie hübsch hier alles ist! Hell,
freundlich,« sagte Stefan Arkadjewitsch, vergessend, daß es nicht stets
Frühling sei und nicht immer helle schöne Tage gebe, so wie es der
heutige war. »Und deine Amme, -- famos! -- Lieber wäre mir ja freilich
eine kleine hübsche Zofe in Kattun gewesen, aber zu deinem mönchischen
und strengen Leben -- paßt sie vorzüglich.«
Stefan Arkadjewitsch erzählte nun viele interessante Neuigkeiten und
unter ihnen besonders die für Lewin höchst wichtige Kunde, daß sein
Bruder Sergey Iwanowitsch beabsichtige, im laufenden Sommer auf das Dorf
herauszukommen.
Stefan Arkadjewitsch hatte keine Silbe von Kity erwähnt oder überhaupt
vom Hause der Schtscherbazkiy, nur einen Gruß seiner Gattin hatte er
Lewin überbracht.
Dieser war ihm dankbar für sein Zartgefühl und freute sich des Besuchs.
Wie dies gewöhnlich bei ihm war, überkamen ihn in seiner Einsamkeit eine
Masse von Gedanken und Empfindungen, die er seiner Umgebung nicht
mitzuteilen vermochte und jetzt schüttete er vor Stefan Arkadjewitsch
sein Herz aus, seine poetische Freude am Frühling sprach er ihm aus,
erzählte von seinen Mißgeschicken und Plänen in der Wirtschaft, seinen
Gedanken, seinen Ansichten über die Bücher die er las, und namentlich
von der Idee seines eigenen Werkes, dessen Grundlage -- obwohl er dessen
nicht Erwähnung that -- eine Kritik sämtlicher älterer Werke über
Landwirtschaft bilden sollte.
Stefan Arkadjewitsch, ohnehin stets freundlich und für jeden Wink
empfänglich, war bei diesem Besuche ganz besonders liebenswürdig und
Lewin bemerkte an ihm einen ihm selbst noch neuen, schmeichelhaften Zug
von Hochachtung, ja etwas wie Zärtlichkeit.
Die Anstrengungen Agathe Michailownas und des Kochs, das Abendessen
möglichst opulent herzurichten hatten nur ermöglicht, daß die beiden,
vom Hunger geplagten Freunde, sich zum Imbiß niedersetzend, Brot und
Butter, die Hälfte einer kalten Gans, und eingesalzene Pilze, sowie das
zu sich nehmen konnten, was Lewin Suppe ohne Pasteten nannte, und womit
der Koch ganz besonders seinen Besuch imponieren wollte.
Allein Stefan Arkadjewitsch, obwohl er ganz andere Soupers gewöhnt, fand
alles ganz vorzüglich; sowohl die Suppe und das Brot, wie die Butter und
besonders die Gans und die Pilze und die aus Nesseln bereitete
Schtschi, das Huhn in weißer Tunke und den Weißwein aus der Krim --
alles war vorzüglich und wunderbar.
»Köstlich, köstlich,« sagte er, eine dicke Cigarette nach dem Braten in
Brand steckend. »Da bin ich zu dir von dem Dampfwagen und seinem Rasseln
und Poltern gekommen, in diesen stillen Hafen. Du sagst also, daß das
Element der Arbeiter selbst erst noch studiert werden müsse und leitend
sei für die Wahl der Methoden in der Landwirtschaft? Ich bin hierin
freilich ein Laie, aber es scheint mir, als ob eine solche Theorie und
Anpassung einen Einfluß auch auf den Arbeiter selbst haben müsse.«
»Ja wohl; doch höre weiter: Ich spreche nicht von der Nationalökonomie,
sondern von einer wissenschaftlichen Landwirtschaft an sich. Sie muß der
Naturwissenschaft gleich sein, die gegebenen Erscheinungen in den Kreis
ihrer Beobachtungen ziehen und den Arbeiter mit seinem ökonomischen,
ethnographischen« --
In diesem Augenblick trat Agathe Michailowna mit dem Thee ein.
»Nun, Agathe Michailowna,« sagte Stefan Arkadjewitsch zu ihr, die
Fingerspitzen ihrer wulstigen dicken Hände küssend, »welch eine
herrliche Gans habt Ihr doch gebracht, welch eine Suppe! -- Indessen,
ist es nicht etwa Zeit, Konstantin?« fügte er plötzlich hinzu.
Lewin blickte durch das Fenster nach der Sonne, welche hinter den
nacktragenden Wipfeln des Waldes hinunterging.
»Es ist Zeit, Zeit,« antwortete er hierauf. »Kusma! Spanne die Lineyka
an!« Lewin eilte hinab.
Stefan Arkadjewitsch, ebenfalls hinuntersteigend, nahm sorgfältig den
Überzug von einem lackierten Kasten und öffnete diesen, worauf er
demselben sein kostbares Gewehr von neuester Konstruktion entnahm.
Kusma, welcher schon ein reiches Trinkgeld witterte, ging nicht von
Stefan Arkadjewitsch fort und zog diesem Strümpfe und Stiefeln an, was
Stefan Arkadjewitsch ihm recht gern zu thun gestattete.
»Hinterlaß' doch, Konstantin, daß, wenn der Kaufmann Rjabinin kommen
sollte, ich ihm befohlen hätte, heute zu kommen und mich zu erwarten.«
»Willst du denn Rjabinin deinen Wald verkaufen?«
»Ja; du kennst ihn wohl?«
»Ob ich ihn kenne! Ich habe mit ihm Geschäfte gehabt auf Treu und
Glauben.«
Stefan Arkadjewitsch brach in Gelächter aus. »Auf Treu und Glauben« war
ein Lieblingsausdruck dieses Kaufmanns.
»Ja, er spricht wunderbar komisch. -- Der Hund hat auch schon
verstanden, wohin wir jetzt gehen werden,« fügte Lewin hinzu, mit der
Hand Laska streichelnd, der sich winselnd an Lewin schmiegte und diesem
bald die Hände, bald die Stiefel und selbst das Gewehr leckte.
Der Schlitten stand schon vor der Thür als sie hinaustraten.
»Ich habe anspannen lassen, obwohl es nicht weit ist; oder wollen wir zu
Fuß gehen?«
»Nein; wir wollen lieber fahren,« sagte Stefan Arkadjewitsch, an das
Gefährt herantretend. Er setzte sich hinein, hüllte seine Füße in das
Tigerfell und zündete sich eine Cigarre an. »Wie, rauchst du denn nicht?
Die Cigarre ist doch, wenn nicht selbst ein Genuß, sicherlich die
Krönung eines solchen, und ein Zeichen vergnügter Stimmung. Das ist
Lebensgenuß! Und wie sehr wünschte ich, leben zu können?«
»Stört dich denn jemand daran?« lächelte Lewin.
»Nein; du aber bist ein glücklicher Mensch. Alles was du liebst, das ist
um dich herum; liebst du Pferde -- so sind sie da; liebst du die Jagd --
so kannst du hinausgehen in den Wald; und willst du dich der
Landwirtschaft widmen -- so hast du sie vor dir.«
»Es kann schon sein, und infolge dessen, daß ich mich über das freue,
was ich um mich herum habe, betrübe ich mich gar nicht über das, was ich
nicht habe,« sprach Lewin und seine Gedanken weilten bei Kity.
Stefan Arkadjewitsch verstand ihn; er blickte ihn an, sprach aber kein
Wort.
Lewin war Oblonskiy dankbar dafür, daß derselbe, mit dem ihm stets
eignen Takte bemerkend, Lewin scheue sich das Gespräch auf die
Schtscherbazkiy zu bringen, nichts von denselben erwähnte.
Jetzt aber verlangte es Lewin doch darnach, das zu erfahren, was ihn so
quälte, aber er fand nicht den Mut, davon zu beginnen.
»Wie stehen deine Angelegenheiten?« frug Lewin, sich daran erinnernd,
daß es nicht gut sei, wenn er immer nur an sich selbst denke.
»Du giebst ja freilich nicht zu, daß man noch Semmeln lieben könnte,
wenn man schon völlig satt sei, -- nach deiner Meinung ist dies ein
Verbrechen. Ich aber erkenne kein Leben an ohne Liebe,« sagte er, die
Frage Lewins nach seiner Weise auffassend. »Was ist dagegen zu thun? Ich
bin nun einmal so. Und es geschieht damit doch dem Betreffenden so wenig
Übles im Vergleich zu der Menge von Angenehmem.«
»Wie, hast du schon wieder eine neue Liaison?« frug Lewin.
»Allerdings, liebster Freund. Weißt du, du kennst doch den Typus der
Ossianischen Weiber, jener Weiber, die man im Traume sieht. -- Nun,
solche giebt es auch in der Wirklichkeit -- und diese Weiber sind
furchtbar. Das Frauenzimmer, lieber Freund, ist ein Objekt, welches, so
viel man es auch studieren mag, doch immer vollkommen neu bleibt.«
»Dann ist es wohl jedenfalls besser, es gar nicht zu studieren.«
»O nein. Es hat einmal ein Mathematiker gesagt, daß die wahre
Befriedigung nicht in der Entdeckung der Wahrheit liege, sondern in der
Erforschung derselben.«
Lewin hörte schweigend zu. Ungeachtet aller Anstrengungen, die er
machte, konnte er sich nicht dem Ideengang seines Freundes accomodieren
und dessen Empfindungen, sowie den Reiz begreifen, der in dem Studium
derartiger Frauen liegen sollte.
15.
Der Ort des Anstandes befand sich unweit oberhalb eines kleinen
Flüßchens in einem Espenwäldchen.
Als die beiden an den Wald gelangt waren, stieg Lewin aus und führte
Oblonskiy in die Ecke eines moosigen feuchten Wiesenplatzes, der sich
schon von der Schneekruste befreit hatte.
Er selbst wandte sich nach dem andern Rande zu einer Birke und
entledigte sich, nachdem er sein Gewehr an die Gabel eines dürren,
niedrigen Astes derselben gelehnt hatte, seines Rockes, gürtete sich
fest und probte nun die Freiheit der Bewegungen seiner Arme.
Der alte graue Hühnerhund Laska, der den Freunden gefolgt war, legte
sich behutsam ihm gegenüber und spitzte die Ohren.
Die Sonne sank hinter dem dichten Walde und im Schein des Abendrots
zeichneten sich die Birken, die zerstreut in dem Espengebüsch
umherstanden scharf mit ihren hängenden Zweigen und den Knospen ab, die
schon im Begriff waren, aufzuspringen.
Aus dem Waldesdickicht heraus, in welchem noch der Schnee lag, floß das
Wasser kaum hörbar in tausendfach verästelten schmalen Rinnen. Kleine
Vögelchen zwitscherten und flogen zeitweilig von Baum zu Baum.
In den Zwischenpausen, die von lautloser Stille ausgefüllt waren,
vernahm man das Rascheln des verdorrten Laubes aus dem vorigen Jahre,
das von dem Thauen der Erde und dem Springen des Grases bewegt wurde.
»Hier hört und sieht man das Gras wachsen,« sagte Lewin zu sich, indem
er bemerkte, wie sich ein nasses Espenblatt neben der Spitze eines
jungen Grashalmes bewegte. Er stand, lauschte und blickte bald
niederwärts auf den moosigen feuchten Boden, bald schaute er auf Laska
der die Ohren spitzte, und auf die sich vor ihm ausbreitenden nackten
Wipfel des Waldes mit dem von weißen Streifen von Wolken überzogenen
dämmernden Himmel.
Ein Habicht flog mit langsamem Flügelschlag hoch über dem Walde drüben,
ein zweiter kam in der nämlichen Richtung dahergezogen und verschwand.
Die Vögel zwitscherten lauter und ängstlicher im Hain. In der Nähe rief
ein Uhu, und Laska, erschreckend, machte vorsichtig einige Schritte nach
vorwärts; neigte dann den Kopf seitwärts und lauschte. Hinter dem Flusse
her wurde ein Kuckuck vernehmbar. Zweimal schrie er mit dem gewöhnlichen
Ruf, dann schnarrte er und verstummte.
»Da, schon der Kuckuck!« sagte Stefan Arkadjewitsch, aus seinem Busche
heraustretend.
»Ich höre ihn,« antwortete Lewin mißvergnügt die Stille des Waldes mit
seiner ihm selbst jetzt unangenehm vorkommenden Stimme unterbrechend.
»Er ist schon zeitig da.«
Die Gestalt Stefan Arkadjewitschs verschwand wieder im Gebüsch und Lewin
sah nur noch das helle Licht eines Streichholzes und darauf das rote
Glühen einer Cigarette und deren blauen Qualm.
Tschik-tschick -- knackten die Hähne am Gewehr, welche Stefan
Arkadjewitsch aufgezogen hatte.
»Was schreit denn dort?« frug Oblonskiy, Lewins Augenmerk auf ein
gedehntes Geräusch lenkend, welches mit seinem Tone, gleichsam schäkernd
klang, als ob ein Füllen wieherte.
»Weißt du nicht, was das ist? Das ist ein Hasenmännchen; das mag ruhig
sprechen; aber höre, da fliegt etwas,« rief Lewin fast laut, indem er
die Hähne spannte.
Man hörte in der That ein fernes dünnes Pfeifen und in jenem Takt, wie
er dem Jäger so bekannt ist, wurde nach zwei Sekunden ein zweites, dann
ein drittes Pfeifen vernehmbar und hierauf ertönte ein Schnarchen.
Lewin schaute mit den Augen nach rechts und nach links, -- da vor ihm,
an dem mattblauen Himmel über den verschlungenen, zarten Schößlingen auf
den Wipfeln der Espen erschien ein fliegender Vogel.
Er flog gerade auf Lewin zu; die nahenden Töne seines Schnarchens,
ähnlich dem gleichmäßigen Reißen eines straffen Gewebes, ertönten
unmittelbar über seinem Ohr; schon war der lange Schnabel sichtbar und
der Hals des Vogels und in dem nämlichen Moment, in dem Lewin anlegte,
blitzte hinter dem Busche, hinter welchem Oblonskiy stand, ein roter
Feuerstrahl auf; der Vogel ging wie ein Pfeil hernieder und stieg dann
wieder auf. Nochmals strahlte ein Blitz auf, ein Schuß ertönte und mit
schlagenden Flügeln, als strebe er, sich noch in der Luft zu halten,
hielt der Vogel im Fluge inne, stand einen Moment und stürzte dann
schwer zur nassen Erde hernieder.
»War das etwa fehl geschossen?« rief Stefan Arkadjewitsch, der hinter
dem Rauche nichts hatte sehen können.
»Hier ist sie,« sagte Lewin, auf Laska zeigend, welcher, das eine Ohr
erhebend, und hoch mit der buschigen Spitze seines Schwanzes wedelnd,
leisen Schrittes, als wünsche er, daß das Vergnügen länger währe, und
als lächle er dazu, den erlegten Vogel seinem Herrn apportierte. »Nun,
ich bin froh, daß es dir gelungen ist,« sagte Lewin zu dem Freunde,
dabei aber ein Gefühl des Neides empfindend, daß nicht er die Schnepfe
hatte erlegen können.
»Ein schlechter Schuß aus dem rechten Rohre,« antwortete Stefan
Arkadjewitsch, das Gewehr ladend -- »st -- da kommt wieder eine.« --
In der That vernahm man das durchdringende, schnell aufeinanderfolgende
Pfeifen von neuem.
Zwei Schnepfen, miteinander spielend und sich verfolgend, nur pfeifend
aber nicht schnarchend, flogen dicht über den Köpfen der Jäger hin. Vier
Schüsse fielen und wie die Schwalben blitzschnell eine Wendung machend,
verschwanden die Schnepfen aus dem Gesichtskreis.
Der Anstand war vorzüglich. Stefan Arkadjewitsch erlegte noch zwei
Stück, auch Lewin zwei, doch konnte er eine derselben nicht auffinden.
Es begann nun zu dunkeln. Hell und silbern glänzte die niedrigstehende
Venus schon am Himmel hinter den Birken hervor in zartem Lichte und hoch
im Osten stand der Arkturus düster mit seinem roten Lichte, und gerade
über dem Kopfe Lewins flimmerten die Sterne des großen Bären.
Die Waldschnepfen hatten aufgehört zu fliegen, aber Lewin beschloß noch
zu warten, bis die Venus, die ihm noch unterhalb eines bestimmten Astes
der Birke erschien, über denselben gestiegen sein würde und die Sterne
des großen Bären, von denen er erst einen sehen konnte, alle erschienen
sein würden.
Die Venus trat denn auch über den Ast der Birke, das Rad des Bären und
die Deichsel war schon vollkommen sichtbar an dem dunkeln Himmel, aber
er wartete noch immer.
»Ist es nun nicht Zeit?« meinte Stefan Arkadjewitsch.
Im Walde war es schon still geworden, nicht ein einziger Vogel regte
sich mehr.
»Warten wir noch ein wenig,« sagte Lewin.
»Wie du willst.«
Sie standen jetzt fünfzehn Schritte voneinander entfernt.
»Stefan!« hub da plötzlich und unvermittelt Lewin an, »weshalb sagst du
mir denn nicht, ob deine Schwägerin sich verheiratet hat, oder wann dies
geschehen wird?«
Lewin fühlte sich in diesem Augenblicke so fest und ruhig, daß keine
Antwort, mochte sie lauten wie sie wollte, ihn hätte aufregen können.
Aber das hätte er doch nicht erwartet, was Stefan Arkadjewitsch ihm
mitteilte.
»Sie hat nicht daran gedacht zu heiraten, und denkt auch jetzt nicht
daran; aber sie ist sehr krank und die Ärzte haben sie in das Ausland
geschickt. Man fürchtet sogar für ihr Leben.«
»Was sagst du da!« schrie Lewin. »Sie ist sehr krank? Was hat sie? Wie
ist sie« --
Im nämlichen Augenblick, als sie dies sprachen, spitzte Laska die Ohren
und richtete den Blick erst nach dem Himmel, dann vorwurfsvoll auf die
Sprechenden.
»Habt Ihr gar so viel Zeit gefunden, um plaudern zu können?« schien der
Hund zu denken, »und dort fliegt eine Schnepfe, da ist sie -- sie werden
sie verpassen.«
Aber im selben Moment vernahmen die beiden Freunde das durchdringende
Pfeifen, welches sich ihnen gleichsam in die Ohren drängte, und sie
faßten plötzlich ihre Gewehre. Zwei Blitze zuckten auf und zwei
Donnerschläge hallten in dem nämlichen Augenblick. Die hochfliegende
Schnepfe ließ augenblicklich ihre Flügel matt fallen und stürzte in den
Hain herab, die zarten Schößlinge knickend.
»Ausgezeichnet! Die ist uns beiden!« rief Lewin und eilte mit Laska in
den Hain, um die Schnepfe zu suchen. »Weshalb war mir dies unangenehm
gewesen,« dachte er jetzt bei sich. »Also Kity krank. Was ist da zu
thun? Das ist recht traurig? -- Aha, jetzt hat er sie gefunden! Mein
kluges Tier,« sagte er, den noch warmen Vogel aus dem Maule Laskas
nehmend und denselben in die fast schon gefüllte Jagdtasche steckend.
»Ich habe sie gefunden, Stefan!« rief er.
16.
Während Lewin nach Hause zurückkehrte, erkundigte er sich nach allen
Einzelheiten der Krankheit Kitys und nach den Plänen der Schtscherbazkiy
und obwohl es ihm schwer gefallen wäre, dies zugestehen zu müssen, so
verursachte ihm doch das, was er vernahm, ein Gefühl der Genugthuung.
Ein Gefühl der Genugthuung verursachte es ihm deshalb, weil nun noch
Hoffnung war, und noch mehr deshalb, weil sie Schmerzen litt, sie, die
ihm so weh gethan.
Als indessen Stefan Arkadjewitsch von den Ursachen der Krankheit Kitys
zu reden begann und den Namen Wronskiys erwähnte, unterbrach ihn Lewin:
»Ich habe keinerlei Recht, mich nach den intimen Einzelheiten zu
erkundigen, und um die Wahrheit zu sagen, ja auch keinerlei Interesse
daran.«
Stefan Arkadjewitsch lächelte kaum merklich; er fing wohl die momentane
ihm so bekannte Veränderung in den Zügen Lewins auf, die jetzt so
finster wurden, wie sie eine Minute zuvor noch heiter gewesen waren.
»Hast du denn schon völlig abgeschlossen betreffs des Waldes mit
Rjabinin?« frug Lewin.
»Ja; ich bin in Ordnung; der Preis ist recht gut; achtunddreißigtausend
Rubel. Acht im voraus, die übrigen in sechs Jahren. Ich habe lange Zeit
geschwankt, aber kein Mensch gab mehr.«
»Das heißt, du giebst den Wald umsonst weg,« bemerkte Lewin finster.
»Weshalb denn umsonst?« frug Stefan Arkadjewitsch mit gutmütigem
Lächeln, wohl wissend, daß in diesem Augenblick nichts für Lewin sich
der Billigung erfreuen würde.
»Weil der Wald zum mindesten fünfhundert Rubel jede Desjatine wert ist,«
versetzte Lewin.
»Ach, über diese Gutsherren,« rief scherzend Stefan Arkadjewitsch. »Das
ist eben Euer Ton der Geringschätzung gegenüber den Standesgenossen aus
der Stadt. Wie wir auch handeln, wir glauben stets, am besten gehandelt
zu haben! Glaube mir, ich habe alles reiflich überlegt und überdacht,«
sagte er, »der Wald ist sehr vorteilhaft verkauft, so daß ich im Grunde
nur noch fürchten muß, er könnte plötzlich von der Abschließung des
Geschäftes zurücktreten. Der Wald ist übrigens nur zu Brennholz zu
gebrauchen und hält nicht mehr als dreißig Saschen auf die Desjatine; er
aber gab mir zweihundert Rubel für die Desjatine.«
Lewin lächelte geringschätzig.
»Ich weiß,« dachte er, »daß diese Manier nicht nur ihm eigen ist; sie
ist allen den vornehmen Stadtherren charakteristisch, die da innerhalb
eines Zeitraums von zehn Jahren vielleicht zweimal im ganzen auf dem
Dorfe draußen sind und nachdem sie einige Begriffe vom Landleben
aufgeschnappt haben, dieselben sofort richtig oder falsch anwenden und
damit schon der festen Meinung sind, sie verständen die Landwirtschaft
aus dem Grunde. Er sagt dreißig Saschen Holz enthielt in seinem Walde
eine Desjatine? Da spricht er eben einfach, ohne etwas zu verstehen.
»Ich will dich nicht im entferntesten belehren bezüglich dessen, was du
in deinem Amte arbeitest,« fuhr Lewin fort, »ja, wenn es erforderlich
ist, werde ich dich selbst um Rat fragen. Aber bist du ebenso sicher
überzeugt, daß du die Forstwissenschaft genau kennst? Dieselbe ist sehr
schwierig. Hast du einmal deine Bäume gezählt?«
»Was Bäume zählen?« sagte Stefan Arkadjewitsch lachend, in dem
beharrlichen Bestreben, den Freund seiner inneren Mißstimmung zu
entreißen. »Das wäre Sandkörner zählen, oder die Strahlen der Planeten
berechnen, obwohl eine hochstehende Intelligenz« --
»Ja wohl, aber die hochstehende Intelligenz bedeutet hier Rjabinin. Kein
Kaufmann kauft, ohne zu rechnen, wenn man ihm nicht etwas umsonst giebt,
wie du dies jetzt thust. Ich kenne deinen Wald genau, denn alljährlich
bin ich dort auf der Jagd. Er ist fünfhundert Rubel bares Geld nach der
Desjatine wert, während er dir nur zweihundert -- und noch obenein auf
Raten -- zahlen will. Das bedeutet ganz einfach so viel, daß du ihm eben
dreißigtausend Rubel schenkst.«
»Du wirst mich nicht so leicht eines anderen belehren können,« erwiderte
Stefan Arkadjewitsch ebenfalls mitleidig, »weshalb hat denn kein Mensch
einen höheren Preis auf den Wald geboten?«
»Deshalb, weil er mit den Kaufleuten einig ist; er hat ihnen einfach ein
Verzichtgeld gegeben. Ich habe mit ihnen allen zu thun gehabt, und kenne
sie genau; das sind ja überhaupt keine eigentlichen Kaufleute, sondern
nur Wucherer. Rjabinin geht gar nicht an ein Geschäft, bei dem er etwa
nur zehn oder fünfzehn Prozent verdiente, sondern er wartet, bis er für
zwanzig Kopeken einen Rubel kaufen kann.«
»Genug nun! Du bist heute nicht bei Laune!«
»Keineswegs,« versetzte Lewin mürrisch, als beide vor dem Hause
anfuhren.
Vor der Freitreppe stand bereits eine stark mit Eisen und Leder
beschlagene kleine Tjelega mit einem wohlgefütterten, an breiten
straffgespannten Kummetriemen eingespannten Pferde.
In dem Wagen saß steif, rot wie ein Krebs und straff gegürtet ein
Handlungsdiener, welcher Kutscherdienste für Rjabinin versah.
Dieser selbst befand sich schon im Hause; er begegnete den beiden
Freunden im Vorzimmer. Rjabinin war ein hochgewachsener hagerer Mann in
mittleren Jahren; er trug einen Schnurrbart und glattrasiertes Kinn;
seine Augen zeichneten sich durch einen trüben glotzenden Schein aus.
Bekleidet war er mit einem langschößigen blauen Überrock, dessen Knöpfe
tief unter das Gesäß reichten und hohen Stiefeln, die unten faltig waren
und dann bis an die Waden herauf glatt standen. Über die Stiefeln hatte
er große Galoschen gezogen.
Er wischte sich das Gesicht im Kreise herumfahrend mit dem Taschentuch
ab, und bewillkommnete, den Überzieher zuknöpfend, der ihm schon ohnehin
sehr gut saß, lächelnd die Eintretenden, Stefan Arkadjewitsch die Hand
entgegenstreckend als wünsche er etwas von ihm zu nehmen.
»Seid Ihr also auch angekommen,« sagte Stefan Arkadjewitsch, ihm die
Hand reichend. »Schön so.« --
»Ich wagte es nicht, die Weisung Ew. Excellenz zu überhören, obwohl der
Weg allerdings gar zu schlecht war. Ich habe thatsächlich den ganzen Weg
zu Fuß gehen müssen, bin aber doch zur rechten Zeit noch eingetroffen.
Konstantin Dmitritsch, meine Hochachtung,« wandte er sich hierauf an
Lewin, sich bemühend, auch dessen Hand ergreifen zu können.
Indessen Lewin runzelte die Stirn; er gab sich den Anschein, als bemerke
er die dargebotene Hand gar nicht und langte die Schnepfen aus der
Jagdtasche heraus.
»Habt Ihr Euch auf der Jagd amüsiert? Was ist das für ein Vogel da?«
fügte er hinzu, geringschätzig auf die Schnepfen blickend, »er ist gewiß
recht schmackhaft.«
Mißbilligend schüttelte er den Kopf, als zweifle er außerordentlich
daran, daß solch ein Braten die Brühe wert sein könne.
»Wünscht man ins Kabinett?« sagte Lewin, sich verfinsternd, auf
französisch zu Stefan Arkadjewitsch. »Begebt euch ins Kabinett, ihr
könnt dort Rücksprache nehmen.«
»Geht ganz gut; wo es gefällig ist,« bemerkte Rjabinin mit nachlässiger
Würde, gleich als wünsche er fühlen zu lassen, daß es wohl für Andere
Schwierigkeiten dabei geben könne, wie und mit wem man Umgang pflege,
für ihn aber nie und in keiner Beziehung.
In das Kabinett eintretend, blickte sich Rjabinin nach seiner Gewohnheit
um, als suche er das Heiligenbild, bekreuzte sich indessen nicht, als er
es entdeckt hatte. Er schaute sich die Schränke und Bücherregale an,
lächelte mit dem nämlichen Ausdruck des Zweifels und der Geringschätzung
wie über die Schnepfen, und schüttelte mißbilligend den Kopf, durchaus
nicht zugebend, daß auch dieser Braten die Brühe wert sein könne.
»Nun, habt Ihr Geld mitgebracht?« frug Oblonskiy, »setzt Euch.«
»Auf das Geld kommt es jetzt noch nicht an. Um uns zu sehen, bin ich
eigentlich nur gekommen, und um mit Euch Rücksprache zu nehmen.«
»Worüber denn noch? Aber setzt Euch doch!«
»Bin so frei,« antwortete Rjabinin und setzte sich in einer Lage in den
Lehnstuhl, die er sich, gegen die Lehne gestemmt unmöglich noch
unbequemer machen konnte.
»Ihr müßt noch nachlassen, Fürst, es ist gar zu schlimm so. Das Geld
liegt bereit bis auf die Kopeke; nach der Zahlung giebt es keinen
Rücktritt mehr.«
Lewin hatte während dieses Gesprächs sein Gewehr in den Schrank
gestellt, und wollte soeben das Zimmer verlassen. Als er indessen die
Worte des Kaufmanns vernahm, blieb er stehen.
»Also habt Ihr den Wald umsonst genommen?« sagte er. »Der Herr ist
leider zu spät zu mir gekommen, sonst würde ich den Preis bestimmt
haben.«
Rjabinin stand auf und schwieg, blickte aber lächelnd von unten her an
Lewin hinauf.
»Ihr seid sehr sparsam, Konstantin Dmitritsch,« begann er lächelnd,
indem er sich zu Stefan Arkadjewitsch wandte.
»Man kann bei dem Herrn entschieden nichts kaufen; ich hatte Weizen bei
ihm einhandeln wollen und gutes Geld geboten.«
»Warum soll ich Euch mein Eigentum umsonst geben? Ich habe es doch auch
nicht auf der Erde gefunden, und auch nicht gestohlen.«
»Entschuldigt; in heutiger Zeit ist es ausgesprochenermaßen unmöglich,
zu stehlen. Unsere Zeit kennt eine geregelte Gesetzpflege, alles ist
jetzt in bester Ordnung. Wir haben als Ehrenmänner miteinander
verhandelt, er will seinen Wald sehr teuer verkaufen und nichts davon
ablassen, ich aber bitte nur um eine geringe Ermäßigung.«
»Ist denn Euer Geschäft abgeschlossen? Wenn es abgeschlossen ist, so
giebt es nichts mehr zu handeln, wenn nicht,« sagte Lewin, »so werde ich
den Wald kaufen.«
Das Lächeln von den Zügen Rjabinins war plötzlich verschwunden. Ein
habichtartiger, schurkenhafter und harter Ausdruck zeigte sich auf
denselben. Mit den schnellen hageren Fingern nestelte er seinen Überrock
auf, öffnete seine Brust vorn, die kupfernen Knöpfe der Weste mit der
goldenen Uhrkette und langte schnell eine dicke alte Brieftasche hervor.
»Bitte sehr, der Wald ist mein,« sagte er, sich schnell bekreuzend und
die Hand vor sich streckend. »Nehmt hier das Geld, mein ist der Wald. So
handelt Rjabinin und nach Groschen wird hier nicht gefeilscht,« fügte er
hinzu, die Stirne runzelnd und die Brieftasche schwingend.
»An deiner Stelle würde ich doch nicht so hastig sein,« sagte Lewin.
»Aber, bitte, ich habe mein Wort gegeben,« bemerkte Oblonskiy
verwundert.
Lewin verließ das Gemach und schlug die Thür hinter sich zu, Rjabinin
aber, ihm nachblickend, schüttelte lächelnd den Kopf.
»Das ist eben die Jugend, entschieden nur die Jugend. Ich kaufe den
Wald, glaubt mir auf Ehre, nur des Rufes halber, daß eben Rjabinin und
kein anderer von Oblonskiy einen Wald gekauft hat. Gott wird nur
helfen, meine eigene Rechnung dabei zu finden. Glaubt mir bei Gott!
Gestattet, wir wollen den Vertrag aufsetzen« --
Nach Verlauf einer Stunde knöpfte sich der Kaufmann seinen Leibrock und
den Überzieher wieder zu, den Kaufvertrag in der Tasche, setzte sich
alsdann in seine Tjelega und fuhr heim.
»O, diese vornehmen Herren,« meinte er zu dem Verwalter, »sie sind immer
die nämlichen.«
»Ja wohl,« versetzte der Verwalter, dem Kaufmann die Zügel reichend und
das lederne Schutztuch festknöpfend.
»Wie stände es denn mit einem kleinen Geschäftchen unter der Hand,
Michail Ignatjitsch?«
»Nun, wir wollen einmal sehen.«
17.
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