(Der Herzog und die Senatoren gehen ab.)
Othello.
Ich stehe mit meinem Leben für ihre Treue--Ehrlicher Jago, dir muß
ich meine Desdemona hinterlassen; ich bitte dich, gieb ihr deine
Frau zur Gesellschaft, und bringe sie mit der besten Gelegenheit
nach. Komm, Desdemona, ich habe nur eine Stunde, die ich der Liebe
und unsern Angelegenheiten schenken kan. Wir müssen der Zeit
gehorchen.
(Sie gehen ab.)
Zehnte Scene.
(Rodrigo und Jago bleiben.)
Rodrigo.
Jago--
Jago.
Was willst du mir sagen, tapfres Herz?
Rodrigo.
Was denkst du, daß ich thun will?
Jago.
Was? Zu Bette gehen und schlaffen.
Rodrigo.
Ich will auf der Stelle gehn, und mich ins Wasser stürzen.
Jago.
Wenn du das thust, so werd' ich dich in meinem Leben nicht mehr
lieb haben. Wie, du bist ein recht alberner Edelmann!
Rodrigo.
Es ist etwas albernes, leben, wenn Leben eine Qual ist; und dann,
so sterben wir ja nach den Regeln, wenn der Tod unser Arzt ist.
Jago.
O wie niederträchtig das gedacht ist! Es ist schon viermal sieben
Jahre, daß ich mich auf der Welt umsehe, und seitdem ich einen
Unterscheid zwischen einer Wohlthat und einer Beleidigung machen
kan, hab' ich noch keinen Menschen gesehen, der den Verstand hätte
sich selbst zu lieben. Eh ich sagen wollte, ich wolle mich einer
Guineischen Henne zulieb ersäuffen, eh wollt' ich meine Menschheit
mit einem Wald-Teufel vertauschen.
Rodrigo.
Wie soll ich mir aber anders helfen? Ich bekenn', es macht mir
schlechte Ehre, daß ich so vernarrt in sie bin; aber meine Tugend
ist nicht stark genug, dem Uebel abzuhelfen.
Jago.
Tugend? Pfifferling. Auf uns kommt es an, ob wir so oder so seyn
wollen. Unsre Leiber sind unsre Gärten, und unser Wille ist der
Gärtner darinn. Ob wir Nesseln oder Lattich drein säen wollen, ob
wir ihn mit Ysop oder Thymian, mit einer einzigen Art von Gewächsen,
oder mit vielerley Gattungen besezen, aus Faulheit verwildern und
unfruchtbar werden lassen, oder durch fleissige Wartung in guten
Stand sezen wollen: Das hängt alles lediglich von unsrer Willkühr
ab. Hätten wir nicht in der Waage unsers Lebens eine Schaale voll
Vernunft, um die Sinnlichkeit in der andern im Gleichgewicht zu
halten, zu was für tollen Ausschweiffungen würde uns die Hize des
Bluts und der thierische Trieb dahinreissen? Aber wir haben die
Vernunft dazu, daß sie unsre rasenden Bewegungen, unsre
fleischliche Triebe und zügellose Lüste bändigen soll--Was nennt
ihr Liebe? Meynt ihr, daß es eine so feyrliche Sache sey, als ihr
euch einbildet? Ein blosser Trieb des Blutes ist's, dem der Wille
den Zügel verhängt--Komm, sey ein Mann! dich selbst ersäuffen?
Ersäuffe mir Kazen und junge blinde Hunde! Ich habe dir meine
Freundschaft zugesagt, und ich mache mich groß, mit Seilen, die
unser beyder Leben ausdauern sollen, zu deinen Diensten gebunden zu
seyn. Izt ist die Gelegenheit, da ich dir nüzlich seyn kan. Einen
wolgespikten Beutel, und fort in diesen Krieg! Verbräme dein
glattes Gesichtchen mit einem falschen Bart; Geld in deinen Beutel,
sag ich. Es ist unmöglich, daß Desdemona den Mohren in die Länge
lieben könnte,--nur Geld in deinen Beutel--noch der Mohr sie.
Alle Sachen, die mit solcher Heftigkeit anfangen, pflegen auch
schnell wieder aufzuhören--Spik du nur deinen Beutel--Diese Mohren
sind veränderlich in ihren Neigungen;--füll deinen Beutel mit Geld--
Der Lekerbissen, der ihm izt so süß daucht wie Syrop, wird ihm
bald genug bittrer als Coloquinten schmeken; und wenn sie, an ihrem
Theil, sich einmal an ihm ersättiget hat, so werden ihr die Augen
über ihre ungereimte Wahl auf einmal aufgehen. Sie (muß) sich
ändern, sie muß! Also füll du nur deinen Beutel. Wenn du ja zum
T** fahren willst, so thu es wenigstens auf einem angenehmern Weg
als Ersäuffen. Mach alles zu Gelde was du kanst. Wenn Tugend und
ein armes zerbrechliches Gelübde zwischen diesem Landstreicher aus
der Barbarey und einer super-feinen verschmizten Venetianerin,
nicht stärker sind als mein Wiz und die ganze Zunft der Hölle, so
sollst du sie in deine Arme kriegen. Also Geld in deinen Sekel,
sag ich! Laß du dich lieber dafür hängen, daß du deine Lust gebüßt
hast, als dich zu ersäuffen, und nichts dafür genossen zu haben.
Rodrigo.
Stehst du mir gut für meine Hoffnungen, wenn ich's wage?
Jago.
Verlaß dich auf mich--Geh, mach Geld zusammen--Ich habe dirs oft
gesagt, und sage dirs wieder und wieder, ich hasse den Mohren.
Meine Ursach stekt mir tief im Herzen; dein Haß hat keinen
schlechtern Grund. Laß uns gemeine Sache machen, um unsre Rache an
ihm zu nehmen. Wenn du ihn zum Hahnrey machen kanst, so machst du
dir selbst ein Vergnügen, und mir einen Spaß. Die Zukunft geht mit
allerley Begebenheiten schwanger, von denen sie zu gehöriger Zeit
entbunden werden wird. Geh du izt, und sorge für Geld; morgen mehr
von dieser Materie. Adieu.
Rodrigo.
Wo sehen wir einander morgen?
Jago.
In meinem Quartier.
Rodrigo.
Ich will bey Zeiten kommen.
Jago.
Gut, geht nur, lebt wohl. Hört ihr, Rodrigo?
Rodrigo.
Was soll ich hören?
Jago.
Nichts mehr vom Ersäuffen, hört ihr's?
Rodrigo.
Es ist mir anders gekommen: Ich will gehen und alle meine Güter zu
Geld machen.
(Er geht ab.)
Eilfte Scene.
(Jago bleibt zurük.)
Jago (allein.)
Geht nur, lebt wohl, nur einen wohlgespikten Beutel,--Bin ich nicht
ein gescheidter Kerl? So mach' ich aus meinem Narren meinen
Schazmeister--Denn das hiesse wol meine erworbne Geschiklichkeit
übel anwenden, wenn ich die Zeit mit einem solchen kleinen
Schneppen verderben wollte, ohne daß ich Spaß und Vortheil davon
hätte. Ich hasse den Mohren, und das Publicum thut mir die Ehre an,
und glaubt, er habe zwischen meinen Bett-Laken meine Stelle
vertreten. Ich weiß nicht, ob es so ist--aber mir ist eine blosse
Vermuthung von dieser Art genug, um so zu handeln, als ob ich's mit
Augen gesehen hätte. Er mag mich wol leiden--Desto beßre
Gelegenheit hab ich, ihm beyzukommen; Cassio ist ein Mann, der zu
meinem Vorhaben taugt: Laßt einmal sehen--seine Stelle zu kriegen
und meinen Haß zu ersättigen--Wie, wie kommt das? Laßt sehen--
Nach einiger Zeit dem Othello mit einer guten Art in's Ohr raunen,
daß er zu vertraulich mit seiner Frau ist--Seine Figur und sein
ganzes Betragen, werden den Verdacht rechtfertigen; er ist der Mann
dazu, die Weiber ungetreu zu machen. Der Mohr ist von der offnen
treuherzigen Art Leuten, welche die Leute für ehrlich hält, wenn
sie so aussehen; er wird sich so gutwillig an der Nase herumführen
lassen wie ein Esel--Ich hab es--Mein Entwurf ist gezeugt--und Rach
und Hölle sollen die scheußliche Mißgeburt ans Taglicht bringen!
(ab.)
Zweyter Aufzug.
Erste Scene.
(Die Hauptstadt von Cypern.)
(Montano, Statthalter von Cypern, und zween Officiers.)
Montano.
Was könnt ihr vom Vorgebürg in der See unterscheiden?
1. Officier.
Gar nichts, als aufgethürmte Wellen; ich kan zwischen dem Himmel
und der See nicht ein einziges Segel entdeken.
Montano.
Mich däucht, der Wind ist zu Land sehr heftig gewesen--Ein
ungestümerer Sturm hat noch nie unsre Zinnen erschüttert--wenn er
auf der See eben so geraset hat, was für Ribben von Eichen sind,
wenn Berge auf sie herabschmelzen, stark genug, sich in ihren Fugen
zu erhalten? Was für Zeitungen werden wir hievon hören?
2. Officier.
Die Zerstreuung der Türkischen Flotte--Steht nur am schäumenden
Ufer, die zornigen Wogen scheinen euch bis in die Wolken hinauf zu
sprizen--Man dächte, die vom Sturm geschleuderte Welle sprühe dem
brennenden Bären Wasser entgegen, und lösche die Nachtlichter des
Himmels aus--Ich habe in meinem Leben keinen so rasenden Sturm
gesehen.
Montano.
Wenn die Türkische Flotte sich nicht bey Zeit in irgend eine Bucht
hat retten können, so ist sie verlohren--es ist unmöglich, dieses
Wetter auszuhalten.
Zweyte Scene.
(Ein dritter Officier zu den Vorigen.)
3. Officier.
Etwas Neues, meine Herren, der Krieg ist zu Ende; dieses
verzweifelte Ungewitter hat die Türken so zugerichtet, daß ihre
Entwürfe Halt machen müssen. Ein ansehnliches Venetianisches
Schiff hat dem Schiffbruch und der Noth des grössesten Theils ihrer
Flotte zugesehen.
Montano.
Wie? Ist das wahr?
3. Officier.
Das Schiff ist würklich hier eingelauffen; ein Veronesisches,
welches den Michael Cassio, den Lieutenant dieses tapfern Mohren
Othello, an Bord hatte; der Mohr selbst ist in der Ueberfahrt
begriffen, und wird in kurzem als oberster Kriegs-Befehlshaber hier
in Cypern eintreffen.
Montano.
Ich bin erfreut darüber; er hat alle Eigenschaften zu einem so
wichtigen Posten.
3. Officier.
Allein eben dieser Cassio, so tröstlich das lautet, was er uns vom
Verlust der Türken berichtet, sieht doch düster aus, und wünscht
daß der Mohr glüklich davon gekommen seyn möge; denn sie waren im
heftigsten Sturm abgereist.
Montano.
Der Himmel geb' es! Ich bin sein Freund, und er ist beydes ein
guter Soldat und ein vollkommner Feldherr. Wir wollen der See-
Seite zugehen, sowol um das schon eingelauffene Schiff zu
besichtigen, als dem wakern Othello, soweit bis Luft und Wasser
sich in unserm Auge vermischt, entgegen zu sehen.
Officier.
Kommt, wir wollen das thun--Eine jede Minute däucht uns lange, bis
wir seiner glüklichen Ankunft versichert sind.
Dritte Scene.
(Cassio zu den Vorigen.)
Cassio.
Dank sollen die Tapfern dieser kriegerischen Insel davor haben, daß
sie so gute Freunde des Mohren sind--Der Himmel beschüze ihn gegen
der Wuth der Elemente; ich hab' ihn in einer gefährlichen See
verlohren.
Montano.
Ist sein Schiff gut?
Cassio.
Sein Schiff ist gut gezimmert, und sein Pilot ein Mann von
Erfahrung und bewährter Geschiklichkeit: Ich bin also nicht ohne
Hoffnung.
Hinter der Scene
Ein Segel! ein Segel! ein Segel!
Cassio.
Was bedeutet dieses Geschrey?
1. Officier.
Die Stadt ist leer; Schaarenweis steht das Volk am Ufer, und sie
ruffen: Ein Segel!
Cassio.
Ich hoffe es ist des Ober-Befehlhabers.
Officier.
Sie geben ihm ihre Freude durch Zujauchzungen zu erkennen; es sind
Freunde, wenigstens.
Cassio.
Ich bitte euch, mein Herr, geht und bringt uns Gewißheit, wer
angekommen ist.
Officier.
Ich will.
(ab.)
Montano.
Aber mein lieber Lieutenant, ist euer General vermählt?
Cassio.
Ja, und höchstglüklich; er hat eine junge Gemahlin davongetragen,
die alles übertrift, was das ausschweiffende Gerücht zu ihrem Lob
sagen kan: eine Gemahlin, deren Schönheit den Pinsel des feinsten
Mahlers beschämt, und die in einem irdischen Kleide ein wahrer
Auszug aller Vollkommenheiten der Schöpfung ist--
Vierte Scene.
(Der Officier kommt zurük.)
Cassio.
Wie steht's? Wer ist eingelauffen?
Officier.
Ein gewisser Jago, der Fähndrich des Generals.
Cassio.
Das kostbare Kleinod, womit er beladen war, hat seine Fahrt so
glücklich gemacht; die Ungewitter selbst, schwellende Seen und
heulende Winde, die Wasserbedekten Felsen und die aufgehäuften
Sandbänke, (Verräther, die im Verborgnen lauren, den schuldlosen
Kiel anzuhalten) vergessen, gleich als ob sie ein Gefühl der
Schönheit hätten, ihre natürliche Grausamkeit, um die göttliche
Desdemona unbeleidigt durchzulassen.
Montano.
Wer ist diese?
Cassio.
Sie, von der ich sprach, die Beherrscherin unsers grossen
Befehlshabers, die er der Führung des kühnen Jago anvertraut hat,
und deren beschleunigte Ankunft unsern Gedanken um eine Woche
wenigstens zuvorkömmt. Beschüze nun, o Himmel, beschüze noch
Othello! und schwelle seine Seegel mit deinem eignen allmächtigen
Athem auf, damit er mit seinem schönen Schiff diese Bay beselige,
und wenn seine Liebe in Desdemonens Armen die Entzükung des
Wiedersehens ausgeathmet hat, unsre erlöschende Geister in neues
Feuer seze, und ganz Cypern mit Muth und Vertrauen erfülle.--
Fünfte Scene.
(Desdemona, Jago, Rodrigo und Aemilia zu den Vorigen.)
Cassio.
--O sehet! der Schaz des Schiffes ist ans Land gekommen: Ihr
Männer von Cypern, laßt eure Knie sie bewillkommen! Heil dir,
Gebieterin, und jeder Segen des Himmels gehe vor dir her, folge dir,
und schwebe zu deiner Seiten rings um dich her.
Desdemona.
Ich danke euch, tapfrer Cassio--Was für Nachrichten könnt ihr mir
von meinem Herrn geben?
Cassio.
Er ist noch nicht angeländet, doch weiß ich nichts anders, als daß
er wohl ist und in kurzem hier seyn wird.
Desdemona.
O--ich besorge nur--Wie verlohret ihr ihn?
Cassio.
Der heftige Streit zwischen Luft und Meer trennte unsre
Gesellschaft--Aber horcht, ein Segel!
Hinter der Scene:
Ein Segel! ein Segel!
Officier.
Dieser Gruß wird gegen die Citadelle gemacht; es ist gleichfalls
ein Freund.
Cassio.
Seht was es ist: Mein lieber Fähndrich, willkommen! (Zu Aemilia,
mit einem Kuß.)
Willkommen, Madam. Nehmt mir nicht übel, mein guter Jago, daß ich
meiner Freude den Lauf lasse; es ist eine Gewohnheit von meiner
Erziehung her, daß ich so frey im Ausdruk einer schuldigen
Höflichkeit bin.
Jago.
Ich wollte, mein Herr, sie wäre gegen euch so freygebig mit ihren
Lippen, als sie es oft gegen mich mit ihrer Zunge ist, ihr würdet
ihrer genug kriegen!
Desdemona.
Wie, sie spricht ja gar nichts.
Jago.
Wahrhaftig, nur zuviel; ich find' es immer, wenn ich gerne schlafen
möchte; vor Euer Gnaden, da glaub' ich selber, daß sie ihre Zunge
ein wenig in ihr Herz stekt, und nur in Gedanken keift.
Aemilia.
Ihr habt wenig Ursache so zu reden.
Jago.
Kommt, kommt, ich kenne euch Weiber so gut als einer; ihr seyd
Gemählde ausser Hause; Gloken in eurem Zimmer; wilde Kazen in eurer
Küche; Heilige, wenn ihr beleidigt; Teufel, wenn ihr beleidigt
werdet; Comödiantinnen in eurer Wirthschaft, und nirgends Haus-
Weiber, als in--euerm Bette.
Desdemona.
O fy, schämt euch, ihr garstiger Verläumder!
Jago.
Nein, es ist wie ich sage, oder ich will ein Türk seyn; ihr steht
auf, um zu spielen, und legt euch zu Bette, um zu arbeiten.
Aemilia.
Ihr sollt mir gewiß keine Lobrede schreiben!
Jago.
Ich rathe euch nicht, daß ihr mich dazu bestellet.
Desdemona.
Was würdest du von mir schreiben, wenn du mich loben müßtest?
Jago.
O Gnädige Frau, sezt mich nicht in Versuchung; ich bin nichts, oder
ich bin ein Criticus.
Desdemona.
Kommt, eine kleine Probe--Dort ist jemand in die Bay eingelauffen.
--
Jago.
Ja, Gnädige Frau.
Desdemona.
Ich bin nicht aufgeräumt; ich belüge das was ich bin, indem ich was
anders scheine;--Komm, was wolltest du zu meinem Ruhm sagen?
Jago.
Ich bin würklich daran; aber, in der That, meine Erfindung geht so
ungern von meinem Hirnkasten ab, wie Vogel-Leim von einem Frieß-Rok--
doch meine Muse arbeitet, und nun ist sie entbunden--Ein jeder
Mund bekennt und spricht, sie ist so weis' als schön,
Doch eines zehrt das andre auf, das muß man auch gestehn.
Desdemona.
Vortreflich; aber wie, wenn sie schön und albern wäre?
Jago.
Albern? Gut, die blödste Schöne hatte stets so viel Verstand
Daß sie, wo nicht einen Mann, mindstens einen Erben fand.
Desdemona.
Das sind alte abgedroschne Einfälle, um Narren im Bierhause lachen
zu machen. Was für ein armseliges Lob hast du dann für eine, die
häßlich und albern ist?
Jago.
Keine ist so dumm und häßlich, die an List bey schlimmer Sache
Den Verschmiztesten und Schönsten nicht den Vorzug streitig mache.
Desdemona.
O grobe Ungeschiklichkeit! Du lobest die Schlechteste am besten.
Aber was könntest du dann zum Lob eines Frauenzimmers sagen, das in
der That Lob verdiente? Einer solchen, deren Verdienste so
unstreitig wären, daß sie es auf den Ausspruch der Bosheit selbst
ankommen lassen dürfte?
Jago.
Die, bey niemals welker Schönheit frey von Stolz und Eigensinn,
Meisterin von ihrer Zunge, und doch keine Schreyerin,
Immer Geld im Beutel hat, und sich nie dadurch entehrte,
Die gelassen meiden kan, was ihr Herz sich gern gewährte;
Die, wenn sie der Mann beleidigt, doch der Rache gern entsagt,
Welche sanften Weiber-Herzen, wie man glaubt, so sehr behagt:
Die so treu der Weisheit ist, daß sie nie in ihrem Leben,
Um den Schwanz des besten Salms, eines Schel-Fischs Kopf gegeben;
Die zwar denkt, doch was sie denkt, niemand als sich selbst
vertraut,
Noch, wenn ihr Verehrer folgen, aus Zerstreuung um sich schaut;
Diese, wenn sie jemals war, konnte wol vortrefflich taugen--
Desdemona.
Und wozu dann?
Jago.
Ein Schmahl-Bier-Protocoll zu führen, und Narren auszusaugen.
Desdemona.
O, was für ein krüppelhafter, armseliger Schluß! Lerne ja nichts
von ihm, Aemilia, ob er gleich dein Mann ist. Was sagt ihr, Cassio,
würd' er nicht einen feinen Rath abgeben?
Cassio.
Es ist besser gemeynt als gesagt, Madam; Euer Gnaden werden den
Soldaten grösser in ihm finden, als den Gelehrten.
Jago (bey Seite.)
Er nimmt sie bey der Hand; gut, wol gegeben--flüstert einander ins
Ohr--Ich brauche kein stärkeres Gewebe als diß, um eine so grosse
Fliege wie Cassio zu verstriken. Ey ja doch, lächle sie an, thu's--
in deiner eignen Höflichkeit sollst du gefangen werden--Ihr habt
recht, es ist so, in der That--Wenn solche arme kleine Freyheiten
euch um eure Lieutenants-Stelle bringen sollten, so wär' es besser,
ihr hättet eure drey Finger nicht so oft geküßt--O vortrefflich!
wol geküßt! vortreffliche Galanterie!--es ist so, in der That--
Noch einmal--eure Finger an eure Lippen? Ich wollt' es wären
Clystier-Sprizen, so lieb seyd ihr mir.
(Trompeten.)
Ha, der Mohr kommt; ich kenne seine Trompete.
Cassio.
Es ist würklich so.
Desdemona.
Wir wollen ihm entgegen gehen--
Cassio.
Seht, hier ist er schon.
Sechste Scene.
(Othello und Gefolge zu den Vorigen.)
Othello.
O meine schöne Heldin!
Desdemona.
Mein theurer Othello!
Othello.
Meine Verwundrung euch vor mir hier zu sehen, ist so groß als mein
Vergnügen. O Wonne meines Herzens! Wenn auf jeden Sturm eine so
süsse Stille folgte, so möchten die Winde blasen, bis sie den Tod
aufgewekt hätten: So möchte die arbeitende Barke an Hügeln von
Wasser bis an den Olymp hinauf klettern, dann wieder so tief sich
tauchen, als die Hölle vom Himmel ist! Wenn ich izt sterben müßte,
so wär's in dem Augenblik, da meine Glükseligkeit ihren höchsten
Punkt erreicht hat; ich besorge sehr, diese Wonne meiner Seele ist
zu groß, als daß noch eine solche in der unbekannten Zukunft für
mich ligen kan.
Desdemona.
Das verhüte der Himmel, daß unsre Liebe und unser Vergnügen nicht
in gleichem Maasse zunehmen sollte, wie unsre Tage wachsen!
Othello.
Amen, zu diesem holden Wunsch! Ich kan nicht genug von dieser
Freude sagen, mein Herz ist so voll--
(er küßt sie--)
und diß, und diß, möge die grösseste Dissonanz seyn, die jemals
unsre Herzen machen werden!
Jago (bei Seite.)
O, izt seyd ihr noch wolgestimmt; aber ich will den Wirbel legen,
der diese Musik macht, so wahr ich ehrlich bin!
Othello.
Kommt, wir wollen in's Schloß. Nun, meine Freunde, der Krieg ist
geendigt, eh er angefangen hat; die Türken sind ertrunken. Wie
leben unsre alten Bekannten auf dieser Insel?--Mein liebstes Herz,
ihr werdet in Cypern sehr geliebt werden; ich habe viele
Freundschaft hier empfangen--O meine Liebe, ich merke daß ich mich
vergesse; das Uebermaaß meiner Freude macht mich schwärmen.--Ich
bitte dich, guter Jago, geh an die Rhede und laß meine Kisten
auspaken; und den Schiffs-Patron bring' in die Citadelle zu mir; er
ist ein geschikter Mann, dessen Verdiensten eine vorzügliche
Achtung gebührt. Kommt, Desdemona, noch einmal willkommen in
Cypern!
(Othello und Desdemona gehen ab.)
Siebende Scene.
(Jago und Rodrigo bleiben.)
Jago (zu einigen Bedienten.)
Geht ihr dem Hafen zu, ich werde in einem Augenblik folgen--(zu
Rodrigo.)
Komm näher, wenn du ein tapfrer Mann bist; (und man sagt doch, daß
die Liebe auch den feigesten Seelen eine gewisse Stärke und
Erhabenheit gebe, die ihnen sonst nicht natürlich ist)--Horch mir
zu; der Lieutenant commandirt diese Nacht auf der Hauptwache.
Zuerst muß ich dir sagen, daß diese Desdemona geradezu in ihn
verliebt ist.
Rodrigo.
In ihn? Wie, das ist nicht möglich.
Jago.
Leg deine Finger auf den Mund und laß dir sagen, was du zu wissen
brauchst. Bedenk einmal mit was für einer Heftigkeit sie anfangs
den Mohren liebte, bloß weil er aufschnitt, und ihr romanhafte
Lügen vorsagte. Meynst du, sein Pralen werde machen, daß sie ihn
immer liebe? Sey nicht so einfältig, und bilde dir solche Dinge
ein. Ihr Auge muß doch auch eine Nahrung haben. Und was ein
Vergnügen kan sie davon haben, wenn sie den Teufel ansieht? Wenn
die Entzükungen des Liebes-Spiels das Blut ermattet haben, so
braucht es Reizungen, Schönheiten, Sympathie im Alter, zärtliche
Empfindungen, was weiß ich's, kurz lauter Eigenschaften, die der
Mohr nicht hat, um es wieder anzuflammen. Nun aber kan's nicht
fehlen, der Abgang dieser Erfordernisse und Uebereinstimmungen wird
ihre jugendliche Zärtlichkeit gar bald empören; sie wird finden,
daß sie sich betrogen hat; sie wird des Mohren erst satt, dann
überdrüssig werden, dann einen Ekel vor ihm bekommen, und ihn
endlich gar verabscheuen, die Natur selbst wird sie das lehren und
sie zu einer andern Wahl nöthigen. Nun, Herr, dieses vorausgesezt,
(wie es dann eine ausgemachte Sonnenklare Sache ist,) wer darf sich
dieses Glük mit beßrer Hoffnung versprechen als Cassio? Der
geschmeidigste Schurke von der Welt; der nicht mehr Gewissen oder
Tugend hat, als der Wohlstand und die Klugheit erfordern, um unterm
Schuz der äusserlichen Form eines bescheidnen und wohlgesitteten
Betragens seine geheimen Ausschweiffungen und Leichtfertigkeiten
desto sichrer auszuüben; ein glatter, abgeteilter Schurke, ein
Gelegenheits-Hascher, ein Gleißner, der sich das Ansehen von
Tugenden geben kan, die er nie gehabt hat; ein verteufelter Schurke!
Und dann kommt noch in Betrachtung, daß der Schurke hübsch, jung,
und mit allen den Erfordernissen begabt ist, worauf Thorheit und
unreiffe Jugend am meisten sehen. Ein schwernöthischer
ausgemachter Schurke! Und das Weibsbild kennt ihn schon besser,
als du dir einbildest.
Rodrigo.
Das kan ich unmöglich von ihr glauben; sie ist von einer so
tugendhaften Gemüthsart--
Jago.
Tugendhafter Pfifferling! Der Wein den sie trinkt ist aus Trauben
gemacht. Wenn sie tugendhaft gewesen wäre, so würde sie sich nicht
in den Mohren verliebt haben: Tugendhafter Quark! Hast du dann
nicht gesehen wie sie mit seiner Hand auf- und abschaukelte? Hast
du nicht darauf Acht gegeben?
Rodrigo.
Ja, das that ich; aber das war nur Höflichkeit.
Jago.
Leichtfertigkeit war's, bey meiner Seele! Eine geheime Andeutung,
ein stillschweigender Prologus zu einem Lustspiel, wo man keine
Zuschauer verlangt. Sie kamen einander ja mit ihren Lippen so nah,
daß ihr Athem sich vermischen und zusammenfliessen mußte. Das ist
ein vertrakter Gedanke, Rodrigo! Wenn solche Vertraulichkeiten den
Weg bahnen, so darf man sich darauf verlassen, daß die Haupt-Action
bald nachkommen wird--Fy, Henker!--Aber, laßt euch nur von mir
rathen, Herr. Ich hab' euch von Venedig mitgebracht. Zieht mit
auf die Wache diese Nacht, ich will euch dazu commandieren. Cassio
kennt euch nicht; und ich will nicht weit von euch seyn. Seht daß
ihr dann eine Gelegenheit findet, ihn aufzubringen; redet zu laut,
oder haltet euch über seine Art zu commandieren auf, oder thut
sonst was das ihn ärgern kan, wie es Zeit und Umstände an die Hand
geben werden.
Rodrigo.
Gut.
Jago.
Er ist jäh, und in einem Augenblik aufgebracht; es kan leicht
begegnen, daß er euch einen Schlag giebt. Reizt ihn dazu; dann das
würde mir einen vortrefflichen Anlaß geben, die Cyprier in eine
solche Empörung gegen ihn zu sezen, daß nichts als seine Entfernung
sie besänftigen soll. Dadurch kommt ihr desto bälder zu euerm Zwek;
denn wenn Cassio einmal aus dem Weg ist, so will ich für das
übrige schon Mittel finden, und ihr sollt glüklich werden.
Rodrigo.
Ich verstehe mich zu allem, wenn ihr's dahin bringen könnt.
Jago.
Dafür steh ich dir. Laß dich vor der Citadelle wieder antreffen;
ich muß nur einen kleinen Gang machen, um sein Gepäke ans Land zu
holen. Lebt wohl indessen.
Rodrigo.
Adieu.
(Er geht ab.)
Achte Scene.
Jago (allein.)
Daß Cassio sie liebt, das glaub ich, und daß sie ihn wieder liebt,
das läßt sich wenigstens glauben. Was den Mohren betrift, so muß
ich gestehen, ob ich ihn gleich nicht leiden kan, daß er von einer
gesezten, liebreichen und edeln Gemüths-Art ist; und ich zweifle
gar nicht daran, daß er gegen Desdemona ein recht zärtlicher Ehmann
seyn wird. Nun lieb ich sie auch, nicht eben aus Antrieb einer
sonderlichen Lust zu ihr, (ob ich gleich vielleicht für eben so
grosse Sünden in des Teufels Schuldbuch stehe,) sondern mehr um an
dem üppigen Mohren Rache zu üben, den ich im Verdacht habe, daß er
meinem Weibe zu nah' gekommen seyn möchte; ein Gedanke, der mir wie
mineralisches Gift an meinem Inwendigen nagt, und mir keine Ruhe
lassen wird, bis ich quitt mit ihm bin, Weib um Weib: Oder wenn mir
auch das fehlschlüge, so muß mir der Mohr wenigstens in eine so
starke Eifersucht gesezt werden, daß die Vernunft selbst ihm nichts
dagegen helfen soll. Und wenn dieser arme Venetianische Brak, den
ich bloß um seines guten Jagens willen liebe, unserm Michael Cassio
nur recht zu Leibe geht, so wollen wir ihn bald bey der Hüfte
kriegen, und ihn dem Mohren auf eine Art empfehlen, die ihre
Würkung thun soll; und der Mohr soll mir noch danken, und mich noch
dafür lieben und belohnen, daß ich ihn fein sauber zu einem Esel
mache, und ihn aus dem stolzen Frieden seiner Seele bis zur
Tollheit herausbetrüge. Das alles ligt hier--aber noch verworren;
Spizbüberey läßt ihr ganzes Gesicht nicht eher sehen, bis sie
vollbracht ist.
(Geht ab.)
Neunte Scene.
(Die Strasse.)
(Ein Herold tritt auf.)
Herold.
Es ist Othello's, unsers edeln und tapfern Ober-Befehlhabers, Wille
und Belieben, daß auf die zuverlässig eingelauffene Nachricht von
dem gänzlichen Untergang der Türkischen Flotte, jedermann seine
Freude öffentlich, durch Tänze, Freuden-Feuer, und alle die Spiele
und Lustbarkeiten, wozu einen jeden seine Neigung treiben mag, an
den Tag geben möge--Zumal, da noch über diese glükliche Zeitung,
sein Vermählungs-Fest ein Gegenstand der allgemeinen Freude ist.
Alle seine Vorraths-Kammern sind aufgeschlossen, und es ist jedem
erlaubt von dieser fünften Stunde an, bis die Gloke eilfe
geschlagen haben wird, zu schmausen und sich zu erlustigen, wie es
ihm beliebt. Dieses sollte, nach seinem Befehl, durch öffentlichen
Ausruf bekannt gemacht werden. Heil der Insel Cypern, und unserm
edeln General!
(Othello, Desdemona, Cassio, und Gefolge treten auf.)
Othello.
Mein lieber Cassio, seht diese Nacht zur Wache; wir wollen nicht
vergessen, in unsern Lustbarkeiten nie über das Ziel der
Anständigkeit und Mässigung hinauszuschweiffen.
Cassio.
Jago hat schon Befehl auf die Nacht; ich will aber nichts
destoweniger selbst ein Aug' auf alles haben.
Othello.
Jago ist ein ehrlicher Mensch--Gute Nacht, Cassio. Morgen, so früh
als euch gelegen ist, laßt mich eine Unterredung mit euch haben--
(Zu Desdemona.)
Komm, meine theure Liebe--Wenn der Kauf geschehen ist, so folgt die
Nuzniessung;--Gute Nacht.
(Othello und Desdemona gehen ab.)
(Jago zu Cassio.)
Cassio.
Willkommen Jago, wir müssen zur Wache.
Jago.
Izt noch nicht, Lieutenant, es ist noch nicht zehn Uhr. Unser
General hat uns seiner Desdemona zu lieb so früh entlassen, und wir
können ihn nicht deßwegen tadeln--es ist seine erste Nacht, und sie
ist ein Lekerbissen für einen Jupiter.
Cassio.
Sie ist eine vortreffliche Dame.
Jago.
Und sie liebt das Spiel, ich stehe für sie.
Cassio.
In der That, sie ist ein reizendes Geschöpf.
Jago.
Was sie für ein paar Augen hat! Es ist, als ob sie einen
auffordern--
Cassio.
Sehr anziehende Augen, und doch, wie mich däucht, vollkommen
sittsam.
Jago.
Und wenn sie redt, ist nicht der blosse Ton ihrer Stimme ein Signal
zur Liebe?
Cassio.
Sie ist, in der That, die Vollkommenheit selbst.
Jago.
Gut, viel Glüks zu ihrer Hochzeit-Nacht! Kommt, Lieutenant, ich
habe eine Flasche Wein, und es sind ein paar brave junge Cyprier
draussen, die gerne eins auf Othello's Gesundheit mit uns trinken
möchten.
Cassio.
Diese Nacht kan's nicht seyn, Jago; ich habe ein armes unglükliches
Gehirn zum Trinken. Ich möchte wol wünschen, daß man eine andre
Manier, einander seinen guten Willen zu bezeugen, erfinden möchte
als Gesundheittrinken.
Jago.
Oh, es sind gute Freunde; nur ein Gläschen; ich will für euch
trinken.
Cassio.
Ich habe diesen Abend nicht mehr als einen Bechervoll getrunken,
der noch dazu mit Wasser gemischt war, und ihr seht, was für
Veränderungen er schon hier gemacht. Es ist ein Unglük für mich,
daß ich so wenig ertragen kan, aber ich darf es nicht wagen, mehr
zu thun.
Jago.
Wie, Mann? Die heutige Nacht ist dazu bestimmt, daß man sich
lustig mache, und die jungen Herren würden sich durch unsre
Weigerung beleidigt finden.
Cassio.
Wo sind sie?
Jago.
Hier, vor der Thür; ich bitte euch, ruft sie herein.
(Cassio geht ab.)
Jago (allein.)
Wenn ich ihm, über das was er schon getrunken hat, nur noch einen
Becher voll beybringen kan, so wird er so händelsüchtig seyn, und
sich so unnüz machen wie meiner jungen Fräulein Hund--Nun hat mein
ehrlicher Rodrigo, dem die Liebe nun vollends die unrechte Seite
herausgekehrt hat, diese Nacht auch manchen Stuzer auf Desdemonens
Gesundheit ausgeleert, und izt wird er mit auf die Wache ziehen.
Drey junge Cyprier, frische rüstige Bursche, die Herz und Ehre
haben, hab ich gleichfalls mit vollen Bechern zugedekt, und sie
sind auch von der Wache. Unter dieser Schaar von Betrunknen kan es
mir also nicht schwer fallen, unsern Cassio zu einem Exceß zu
bringen, wodurch er diese Insulaner vor die Köpfe stößt--Aber da
kommen sie ja schon. Wenn der Erfolg meinem Entwurf antwortet, so
segelt mein Boot mit Wind und Fluth davon.
Zehnte Scene.
(Cassio, Montano, und drey junge Cyprier.)
Cassio.
Beym Himmel, sie haben mir schon einen Tips angehängt.
Montano.
Einen sehr kleinen, in der That: ihr habt nicht über eine Maaß
getrunken, so wahr ich ein Soldat bin.
Jago.
Wein her, Wein her! (er fängt an zu singen)
he! Wein her, ihr Jungens!
Cassio.
Beym Himmel, das war ein hübsches Lied.
Jago.
Das lernt ich in England, wo sie, in der That, mächtige Zecher sind.
Euer Dähne, euer Deutscher, euer schmerbauchichter Holländer--he!
zu trinken! sind nichts gegen meinen Engländer.
Cassio.
So ist euer Engländer ein so grosser Trinker?
Jago.
Ob er's ist? Ich sag euch, er trinkt euch eure Dänen zu Boden,
ohne daß ihr's ihm anseht. Er braucht nicht zu schwizen, um über
euern Deutschen Meister zu werden; und euern Holländer bringt er
zum Speyen, eh die nächste Flasche gefüllt werden kan.
Cassio.
Auf die Gesundheit unsers Generals!
Montano.
Da bin ich auch dabey, Lieutenant, ich will euch Bescheid thun.
Jago.
O das liebe England!
(König Stephan war ein braver Pair etc.)
(Er singt.)
Mehr Wein her, he!
Cassio.
Ha, das Lied ist noch schöner als das vorige.
Jago.
Wollt ihr's noch einmal hören?
Cassio.
Nein, wahrhaftig, und hielte den für einen Mann der seines Plazes
nicht würdig wäre, der solche Dinge thun wollte--Gut--Der Himmel
ist über uns alle; und es ist nun schon einmal so, daß die einen
selig werden, und die andern nicht selig werden.
Jago.
Das ist wahr, Herr Lieutenant.
Cassio.
Was mich betrift, (ohne unserm General, oder sonst einem Mann von
Stande zu nah zu treten,) so hoff' ich, selig zu werden.
Jago.
Und ich auch, Lieutenant.
Cassio.
Schon gut, aber, mit eurer Erlaubniß, nicht vor mir. Der
Lieutenant muß vor dem Fähndrich selig werden. Sagt mir nichts
mehr hievon!--Wir wollen von unsern Geschäften reden--Vergieb uns
unsre Schulden!--Meine Herren, wir wollen zu unsern Geschäften
sehen. Bildet euch nicht ein, ihr Herren, daß ich betrunken sey:
Das ist mein Fähndrich; das ist meine rechte Hand, und das ist
meine linke. Ich bin noch nicht betrunken, ich kan noch ziemlich
aufrecht stehen, und ich rede noch gut genug.
Alle.
Vortreflich gut.
Cassio.
Nun, recht gut also; so müßt ihr also nicht denken, daß ich
betrunken sey.
(Er geht ab.)
Eilfte Scene.
Montano.
Auf die Platte-Forme, meine Herren; kommt, wir wollen die Wache
besezen.
Jago.
Ihr seht diesen Burschen, der voraus gegangen ist; er ist ein guter
Soldat, werth zunächst an Cäsarn zu stehen, und unter ihm Befehle
zu geben. Aber ihr seht auch sein Laster;--es ist schade für ihn--
er hat Stunden, wo dieses einzige Gebrechen alle seine Tugenden
unbrauchbar macht--ich fürchte nur, das Vertrauen, das Othello in
den Mann sezt, mag in irgend einem solchen unglüklichen Augenblik
das Verderben dieser Insel seyn.
Montano.
Ist er denn oft so?
Jago.
Es ist jedesmal der Prologus zu seinem Schlaf. Er würde euch
zweymal vier und zwanzig Stunden an einem Weg wachen, wenn Bacchus
seine Wiege nicht rüttelte.
Montano.
Es wäre gut, wenn dem General eine Vorstellung hierüber gemacht
würde; vielleicht weiß er's nicht; oder sein gutes Gemüth ist von
den Verdiensten, die an Cassio in die Augen leuchten, so
eingenommen, daß er ihm seine Untugenden übersieht; ist's nicht so?
(Rodrigo zu den Vorigen.)
Jago.
Was macht ihr hier, Rodrigo? Ich bitte euch, seht wo der
Lieutenant ist, geht.
(Rodrigo geht ab.)
Montano.
Und es ist in der That recht zu bedauren, daß der Mohr einen so
wichtigen Plaz, die Vertretung seiner eignen Person, einem Mann
anvertrauen soll, der mit einem so eingewurzelten Gebrechen
behaftet ist; es wäre die That eines ehrlichen Mannes, wenn man dem
Mohren das sagen würde.
Jago.
Der möcht' ich nicht seyn, und wenn ich diese ganze Insel damit zu
gewinnen wüßte; ich liebe den Cassio, und wollte alles in der Welt
thun, ihn von diesem Uebel zu heilen. Horcht, was für ein Lerm ist
das?
(Man schreyt hinter der Scene: Helft, helft!)
(Cassio verfolgt den Rodrigo auf den Schau-Plaz.)
Cassio.
Du Raker! du Lumpenhund!
Montano.
Was habt ihr, Lieutenant?
Cassio.
Ein Schurke soll mich meine Schuldigkeit lehren! Ich will den
Schurken in eine Kürbis-Flasche hineinprügeln.
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